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Weihnachtskrimi Folge 24

Es war der vierundzwanzigste Dezember und Forchel hatte lange geschlafen. Er hatte ausgiebig mit seiner Familie gefrühstückt und dann hatten sie sich zusammen Weihnachtsfilme angesehen. Es war ein wunderschöner Tag. Die Schneeflocken fielen leicht aber beständig vom Himmel und das Feuer im Ofen flackerte ganz lustig vor sich hin.
Forchel genoss das Essen und am Abend dann ein erneutes Essen, die Geschenke, das Zusammensein.
Er wusste, dass eine Familie nun ganz zerrüttet und zersplittert ohne Tochter da stand und sich nicht einmal dafür zu interessieren schien. Er wusste, dass es viele Organisationen gab, welche die Menschenrechte mit Füssen traten und sich keinen Deut um die Bedürfnisse der anderen scherte. Er wusste auch, dass an vielen Orten Krieg herrschte und täglich Bomben hochgingen und Menschen verhungerten. Durch seine Gedanken spukte auch ab und zu das Gesicht von Lasse Tukens, welcher alles, was er gehabt hatte verloren hatte, weil er einen Menschen getötet hatte. Diese Mensch war sein ein und alles gewesen. Und obwohl Forchel wusste, dass dieser Lasse ein Verbrechen begangen hatte, fühlte er mit ihm. Ja, er bemitleidete ihn sogar und er konnte ihn auch ein wenig verstehen.
Alle diese Dinge machten ihn traurig. Aber wenn er in die Gesichter seiner Liebsten schaute und das fröhliche Strahlen in den Augen seiner Kinder und das glückliche Lächeln seiner Frau sah, wurde ihm warm ums Herz.
Ala es schon spät war, zogen sich die Kinder in ihr Zimmer zurück. Forchel erledigte den Abwasch und seine Frau sammelte das Geschenkpapier zusammen.
Es war still und friedlich.
Als sie ihre jeweilige Arbeit erledigt hatten, standen sie auf den Balkon. Dieser war ein wenig überdacht. Forchel holte ihre Weingläser und sie traten beide ein wenig ins Schneegestöber hinaus.
Er lächelte sie glücklich an und sie lächelte zurück.
„Frohe Weihnachten“, sagte er leise und hob sein Glas ganz sachte und feierlich.

Weihnachtskrimi Folge 23


Am dreiundzwanzigsten Dezember holte er dann die Blumen ab. Er sah, dass sie in der Zwischenzeit noch einige Blumen hinzugetan hatte und dass diese neu arrangierten Blumen mit den Blättern, Ästen, dem Draht, Perlen, Silberfäden und einigen Gräsern überhaupt nicht trostlos wirkten.
Dies beruhigte ihn ein wenig und er machte sich auf zur Kirche.
Als er am Friedhof ankam, traf in fast der Schlag.
Eine Hand voll Leute standen am Grab, darunter war Lisa. Er nickte ihr zu und trat an sie heran.
„Wo sind die Eltern?“, fragte er leise.
„Nicht hier“, antwortete sie.
Er legte das Gesteck zum Grab und trat ein paar Schritte zurück.
Ihm wurde ganz schwer ums Herz und als sich die kümmerliche Prozession in die Kirche begab und in den vorderen paar Reihen Platz nahm, begann er, schrecklich zu frieren.
Die Predigt schien sich ewig hin zu ziehen und die Trostlosigkeit der Situation wurde Forchel immer bewusster.
Dies hatte Sandra Volkerz auf keinen Fall verdient.
Und dann fasste er einen Entschluss.
Er nahm sich vor, die Manuskripte von dieser einsamen Frau zu korrigieren, zu ergänzen und zu veröffentlichen und zwar unter ihrem Namen.
Jetzt konnte sie dazu stehen.
Die Kirche leerte sich langsam und auch Lisa und Forchel traten hinaus.
Sie gingen noch einmal kurz auf den Friedhof und traten dann den Weg aus dieser Düsternis hinaus an.
„Ich werde ihr Manuskript veröffentlichen“., flüsterte Fochel ihr zu.
„Daran habe ich auch schon ein paar Mal gedacht.“
„Nein, ich denke nicht daran. Ich werde es auch wirklich tun.“
Sie gingen schweigend ein paar Schritte.
„Soll ich dir helfen?“, fragte sie.
„Liebend gern“, antwortete er ihr.
„Ich spendier dir einen Kaffee“, sagte er schon ein wenig fröhlicher und zog sie zum nächsten Kaffeehaus.

Weihnachtskrimi Folge 22

„Ich hätte gerne ein Blumengesteck“, bat Forchel. Es war der zweiundzwanzigste Dezember, ein Mittwoch.
„Sehr gerne. Für heute oder für wann?“, fragte die sympathische Verkäuferin.
„Für morgen.“
„Morgen ist aber noch nicht Weihnachten“, lächelte sie.
„Es soll auch nicht für morgen sein sondern für eine Beerdigung.“
Sie schnappte entsetzt nach Luft.
„So kurz vor Weihnachten? Das tut mir aber leid.“
„Geht das mit dem Gesteck?“
„Haben Sie denn schon eine Vorstellung davon?“
„Nein, Sie können es selber zusammen stellen.“
„Darf ich fragen, für wer es ist?“
„Ich bin Polizist und habe gerade eben in einem Mordfall ermittelt.“
„Sind Sie Forchel? Der Polizist, der immer in allen Zeitungen war?“
„Scheint so.“
„Und Sie gehen an die Beerdigung?“
Er lächelte sie an.
„Selbstverständlich. Ich gehe immer an die Beerdigungen wenn ich ermittelt habe.“
„Aber warum?“
„Meine Liebe. Ich kenne diese Menschen, die so tragisch ums Leben kommen häufig besser, als ihre nächsten Verwandten. Warum also sollte ich nicht an ihre Beerdigungen gehen?“
Sie wirkte sehr traurig und wusste nicht mehr, was sie sagen sollte.
„Darf ich zusehen, wenn Sie die Blumen herrichten?“
Sie nickte nur stumm und wanderte ein wenig in ihrem Geschäft auf und ab.
„Ich werde nur die besten Blumen verwenden“, flüsterte sie leise.
Sie nahm ein paar Rosen in die Hand. Weiss, rot, orange.
„Welche Farbe mögen Sie?“, fragte sie schon gefasster.
„Weiss“, antwortete er, „das ist doch so typisch“.
„Und schön.“
Sie nahm weisse Rosen und sie wickelte feine Drähte mit Perlen um die Stiele.
Die Rosen arrangierte sie in einem kälteresistenten Topf. Diesen umwickelte sie mit vielen Blättern.
„Was meinen Sie dazu?“
„Kann ich mehr Grünzeug haben?“
Sie nahm noch einige Blätter mehr.
Dann fügte sie moosbewachsene Baumrinden dazu und befestigte diese an den Blätterkränzen.
Zum Schluss verschönerte sie das Ganze mit weiteren Perlen, Sternen, einer Weihnachtskugel und ein wenig Lametta.
„Etwas fehlt“, befand sie.
„Ich finde es wunderschön“, erklärte Forchel.
Da ging sie zu den roten Rosen zurück, griff sich eine und drapierte sie inmitten der weissen Rosen hin.
Fragend blickte sie zu Forchel auf.
Er nickte nur und der Hals wurde ihm eng.
„Wie viel macht das?“, fragte er.
„Nehmen Sie nur. So kurz vor Weihnachten eine Beerdigung.“
Er legte ihr trotzdem einen Schein auf den Tresen, bedankte sich und ging.

Weihnachtskrimi Folge 21

Wieder einmal versammelten sie sich im Konferenzraum. Diesmal aber mussten sie auf Forchel warten. Er hatte am Abend zuvor noch bis tief in die Nacht hinein Berichte geschrieben und war dementsprechend müde, als er endlich eintraf.
Wortlos setzte er sich in die Runde und genehmigte sich zuerst eine Tasse mit schwarzem Kaffee.
Er nippte ein wenig daran und liess dann seinen Blick über die Runde schweifen.
„Na“,  meldete er sich schliesslich zu Wort, „wir haben es geschafft. Habt ihr alle Dossiers bei euch?“
Die Gruppe nickte schweigend und hier und da war ein vereinzeltes Gähnen zu sehen.
„Wann trifft der Staatsanwalt ein?“, fragte Sandro.
„Zuerst einmal wird der Polizeichef eintreffen und dann erst die Staatsanwaltschaft. Wie spät ist es denn schon?“
„Viertel vor neun“, antwortete Lisa.
„Dann müssen wir uns ein wenig beeilen“, sagte Forchel, „der Chef wird um neun Uhr eintreffen und die Staatsanwaltschaft etwa eine halbe Stunde später.“
„Was muss bis dann noch alles erledigt werden?“, fragte Tomas.
Forchel räusperte sich und schenkte sich Kaffee nach.
„Zuerst müssen wir einmal alle Dossiers sammeln und zwar so chronologisch wie möglich. Denn Bericht der Gerichtsmedizinerin und dann die einzelnen Zeugenaussagen. Am Schluss dann die Protokolle der Verhöre.“
Die Dossiers und Berichte wurden der Reihe nach eingesammelt.
Forchels Blick fiel dabei auf eine Zeugenaussage.
„Verdammt“, rief er und sprang auf.
„Was ist los?“ ertönte es um ihn herum.
„Ich muss noch einmal zu Lasse“, antwortete er und rannte auch schon davon.
„Herr Tukens“, rief er Lasse aufgebracht zu, „was für ein Auto fahren sie?“
„Einen Ford“, antwortete dieser erstaunt.
„Welche Frabe?“
„Blau. Ein eher helles blau“, antwortete er sofort.
„Vielen Dank“, rief Forchel ihm noch zu und rannte wieder in den Konferenzraum zurück.
Er setzte sich ans Telefon und wählte die Nummer der Zeugin, die den Wagen gesehen hatte.
„Ja?“
„Hier Forchel. Darf ich Sie etwas persönliches Fragen?“
„Klar“
„Kann es sein, dass Sie farbenblind sind?“
„Ja, ich bin farbenblind. Warum?“
„Sie hatten Recht mit dem Auto.“
„Sagte ich ja.“
„Vielen Dank“, sagte er noch und legte auf.
„Sie hatte Recht. Die Zeugin, welche das Auto gesehen hatte. Sie ist farbenblind. Darum war der hellblaue Ford in ihren Augen ein grauer Ford.“
Er machte sich eine Notiz in den Akten.
Nachdem alle Dossiers gesammelt waren und der Polizeichef sowie der Staatsanwalt eingetroffen waren und den Fall mit ihnen besprochen hatten, räusperte sich Forchel ein letztes Mal.
„Sandra Volkerz wird übrigens am dreiundzwanzigsten Dezember beigesetzt. Sie kann erst dann freigegeben werden weil noch nach letzten Spuren gesucht wird. Vielleicht würde sich mir jemand anschliessen und ihr ein letztes Geleit geben. Ansonsten wünsche ich euch noch ein wunderschönes Wochenende und schöne Festtage.“
Die Sitzung war beendet.

Weihnachtskrimi Folge 20

Alles lief wie geplant ab. Sie fanden Lasse sofort und er liess sich auch ohne Widerstand festnehmen. Auch die anderen Mitglieder der Organisation konnten sie alle fassen und in Untersuchungshaft verwahren. Verschiedenste Beamte wurden hinzu gezogen, um alle Verdächtigen zu verhören. Das Ganze sollte so schnelle wie möglich abgeschlossen werden und keine Wellen aufwerfen. Die grossen Wellen würden dann schon noch entstehen, wenn die Presse erst einmal realisiert hatte, wie riesig das Ausmass dieser Angelegenheit war.
Forchel liess es sich nicht nehmen, Lasse Tukens gleich selber zu verhören.
Er war dann auch fast ein wenig enttäuscht, als Lasse so schnell alles gestand. Was hätte er aber auch anderes tun sollen. Die Beweislage war einfach nur offensichtlich und es würde schwer werden für seinen Anwalt. Dies wussten auch die anderen Mitglieder der Organisation und nur einige von ihnen bestanden darauf, ihren Anwalt zu rufen. Bei diesen zog sich das ganze Verhör ein wenig in die Länge und es wurde an diesem Abend ziemlich spät.
Forchel und sein Team gaben aber nicht auf. Sie wollte diesen Fall unbedingt abschliessen und wie schneller dies gelang desto eher würden sie schlussendlich bekannt und beachtet werden.
Natürlich wollten sie eigentlich alle nur noch nach Hause zu ihren Familien. Die letzten Tage waren sehr anstrengend gewesen und das ganze Team hatte sich eine grosse Pause verdient.
„Chef“, rief Lisa atemlos als sie gerade zu Forchel hin rannte.
Er blickte verstört aus seinen Unterlagen auf. Schliesslich musste die ganze Angelegenheit aufs Genaueste dokumentiert werden. Er durfte sich keinen Fehler erlauben.
„Chef, wir haben alle. Die meisten haben gestanden und den Rest können wir getrost der Staatsanwaltschaft übergeben. Nun tippen wir noch die Berichte und listen die Vergehen auf.“
Forchels Gesicht wurde ganz weich und ein warmes Lächeln breitete sich darauf aus.
„Das ist ja mal eine wunderbare Nachricht. Lasse hat übrigens auch gestande.“
„Das freut mich“, sagte Lisa und nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu. „Warum hat er sie eigentlich umgebracht?“
Forchel blickte ihr geradewegs ins Gesicht.
„Aus Liebe.“
„Aus Liebe? So was gibt es doch heute schon gar nicht mehr.“
„Nun ja. Eigentlich wollte er ihre Macht, die sie als Schriftstellerin hatte. Er wollte sie dazu bewegen, der Organisation als seine Partnerin beizutreten. Sie hat sich geweigert und er hat das Verbrechen getarnt als wäre die Organisation selber darin verwickelt.“
„Raffiniert“, bemerkte Lisa.
„Allerdings“, bestätigte Forchel. „Nur hat er nicht mit ihrer Intelligenz gerechnet.“
„Kaffee?“, fragte Tomas und trat zu ihnen.
„Liebend gern“, antwortete Forchel und die drei marschierten in Tomas Büro.

Weihnachtskrimi Folge 19

Lisa und Sandro hatten sich bereits zu Forchel gesetzt. Mirko und Tomas setzten isch gerade noch hinzu. Aufgeregtes Stühlescharren, Räuspern und das Rascheln von schweren Wintermänteln bildeten einen akustischen Teppich aus dem hervor sich schliesslich der samtene Bariton von Forchel erhob und um Ruhe bat.
„Ich möchte diese Teamsitzung eigentlich schon zu Beginn zur letzten Teamsitzung vor Abschluss des Falles erklären und deshalb bin ich auf eure aktive Mitarbeit angewiesen. Morgen werden wir uns dann ein letztes Mal vor Weihnachten Treffen um den Fall der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Wie ihr alle wisst sind wir dabei, Lasses Schuld zu beweisen. Ich bitte Lisa und Sandro einmal alles zu erzählen, was sie in den letzten zwei Tagen herausgefunden haben.
Sandro räusperte sich und begann sofort.
„Wir wissen nun definitiv, dass Lasse Tukens ein Mitlied der Organisation „Junge Vaterlandstreue“ ist. Er sitzt dort im Vorstand und verdient sogar ziemlich gut mit seiner Arbeit. Wir haben“, er unterbrach sich, „ also uns ist zu Ohren gekommen“, er pausierte erneut und räusperte sich noch einmal, „wir sind per Zufall an Insiderinformationen gelangt. Genauer gesagt an eine Art Todesliste. Eine Liste von Feinden der Organisation. Sandra Volkerz war nicht darauf. Die Liste wurde vor einem Jahr das letzte Mal aktualisiert. Wir schliessen daraus, dass die Organisation noch nichts von ihrer Absicht wusste, ein Buch zu veröffentlichen.“
Forchel starrte ihn durchdringend an. Sandro wurde rot.
„Sandro, ich möchte dich nachher noch kurz sprechen“, sprach Forchel eindringlich.
Sandro nickte und Lisa fuhr fort.
„Wir haben auch noch den Wohnsitz von Lasse Tukens herausgefunden. Dann den Sitz seines Büros und der seines Ferienhauses. Es sollte nun also möglich sein, ihn aufzuspüren.“
„Sehr gut“, lobte Forchel. „Ich habe mich gestern vor allem mit Volkerz Manuskript beschäftigt und bin auf ein paar interessante Dinge gestossen. Nach einer kurzen Recherche mit Hilfe eines Computerexperten habe ich den Wahrheitsgehalt dieser Dinge überprüft. Wir haben jetzt einige weitere Personen, die wir verhaften können. Dazu gehören der ganze Vorstand dieser Organisation und ein paar der eifrigsten Mitglieder.“
Er machte eine kurze Pause. Tomas reichte die Kaffeekanne herum.
„Hat noch jemand etwas anzumerken?“, fragte Forchel schliesslich.
Niemand meldete sich, alle schüttelten den Kopf.
„Gut“, sagte Forchel, „dann werden wir einmal zu den Festnahmen schreiten. Ich gebe euch schnell eine Liste herum mit allen Mitglieder dieser Organisation welche verhört werden müssen. Ich denke, dass ich mit Lisa zu Lasse gehe. Ihr anderen beginnt einmal damit, die Liste systematisch abzuarbeiten und sobald wir Lasse haben, stossen wir zu euch und dann schauen wir weiter. Wenn wir alle haben, können wir mit den Verhören beginnen und ansonsten verschieben wir diese auf morgen. Ich denke jedoch nicht, dass wir diese Personen ausführlich verhören müssen. Die Indizien sind so eindeutig, dass es eigentlich gar nichts gibt, was man abstreiten könnte. Alles klar?“
Sie nahmen die Listen mit den Namen und Adressen und einiger Angaben zu den Personen und ihren Verbrechen in die Hand und betrachteten sie eine Weile. Als alle nickten, fuhr Forchel fort.
„Gut, dann brechen wir jetzt auf.“

Weihnachtskrimi Folge 18

Am Mittwoch verschloss sich Forchel den ganzen Tag in seinem Büro.
Er beschloss, sich alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen und für sich zu sortieren.
Am Donnerstag wollte er dann unbedingt eine letzte Teamsitzung einberufen. Diese würde den Auslöser sein um Lasse zu fassen und zu verhören. Dieses Verhör würde dann hoffentlich der Abschluss der Ermittlungen sein. Er wollte sich sein Weihnachtsfest nicht von irgendwelchen Mördern verderben lassen.
Da fiel im plötzlich wieder die Aussage der alten Zeugin ein.
Er startete seinen Computer auf und begann in den Autoarchiven zu suchen.
Er wurde nicht fündig. Weder bei den Fords, noch bei den Audis. Dann versuchte er es noch bei anderen Autos aber dies wurde ihm schnell zu bunt. Eigentlich war es auch nicht mehr hilfreich. Wenn Lasse tatsächlich ein Mitglied dieser Organisation war, dann würden sie ihn auch finden. Zudem wusste er noch nicht, dass er der Hauptverdächtige war. Die Zeitungen hatten sich bis jetzt ziemlich zurückgehalten. Zum Glück war bald Weihnachten. In dieser Jahreszeit wollte niemand etwas von Morden und anderen Verbrechen lesen.
Er klickte wahllos mit der Maus herum.
Warum wohl waren die Briefe so geschrieben, dass sie auf eine Organisation hinweisen?
Waren sie tatsächlich von einer Organisation geschrieben worden oder hatte der Mörder diese geschrieben, um den Verdacht auf eine Organisation zu lenken?
Da erinnerte er sich, dass Friedrich ihm das Manuskript von Sandra Volkerz hatte schicken wollen.
Er öffnete seinen Posteingang und sah, dass es bereits angekommen war.
Also setzte er sich gemütlich hin, nahm Notizblock und Stift in die Hand und begann zu lesen.
Schon nach kurzer Zeit wurde ihm bewusst, dass dieses Manuskript Stellen enthielt, welche zu weiteren Festnahmen führen würden. Wenn Volkerz Recht hatte, mit ihren Behauptungen, dann musste die halbe Organisation verhaftet werden.
Schnell schickte er noch eine Mail raus, dass am folgenden Tag eine Teamsitzung stattfinden würde. Dann schloss er die Türe ab und setzte sich wieder hin.
Was er las, fröstelte ihn.

Weihnachtskrimi Folge 17

Forchel betrat völlig durchgefroren das Atelier von Sandra Volkerz. Er hatte nur wenige Meter zu Fuss zurückgelegt, aber draussen war es eisig kalt.
„Paul?“. Rief er in den grossen Raum hinein.
„Ich bin hier“, schallte es zurück, „ich mach mal Kaffee.“
Als Forchel in der Mitte des Ateliers beim Computer angekommen war, war dieser bereits hochgefahren und daneben standen zwei dampfende Tassen Kaffee.
„Danke“, seufzte Forchel, als er sich auf einen Stuhl niederliess.
„Paus, was hast du gefunden?“
„Nicht viel, aber alles von grosser Bedeutung.“
„Schiess los.“
„Sandra Volkerz hat gerade an einem Buch über die „Jungen Vaterlandstreuen“ gearbeitet...“
„Halt“, fiel Forchel ihm ins Wort, „ich muss telefonieren.“
Seine Finger hatten die Nummer von Lisa bereits gewählt und er wartete ungeduldig, bis sie den Anruf annahm.
„ja, hier Lisa?“
„Lisa, überprüft bitte die „Jungen Vaterlandstreuen“. Volkerz arbeitete gerade an einem Buch über diese Gruppierung.“
Lisa versprach es ihm und dann hängte sie auf.
„Weiter“, bat Forchel ungeduldig.
Paul Friedrich, der dieses Verhalten bereits kannte, liess sich nicht aus der Ruhe bringen und fuhr fort.
„Das ganze Buch scheint extrem kritisch aber trotzdem sachlich. Sie schafft es, die Organisation schlecht zu machen, ohne sie zu beleidigen.“
„Hast du noch was anderes gefunden als ihr Manuskript?“
„Moment“, verlangte Friedrich und öffnete eine andere Datei.
„Sie hat Mails bekommen. Die Mails stammen von einem gewissen Lasse.“ Er blickte fragend zu Forchel. Forchel nickte.
„Die Mails haben sich nicht auf ihre Arbeit bezogen sondern waren persönlich. Im Grossen und Ganzen bittet er sie darum, sich wieder auf ihn einzulassen. Scheint so, als hätten sie mal eine Beziehung gehabt. Dieser Lasse droht mit massiver Gewalt. Vielleicht müsst ihr ihn suchen?“
„Wir sind dabei“, antwortete Forchel. „Ist das alles?“
„Bis jetzt schon. Ich suche heute Abend nicht mehr weiter. Morgen mache ich mich wieder daran, in Ordnung?“
„Klar“, antwortete Forchel und in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass er einen frisch gebackenen Vater vor sich hatte. „Hey Paul, ist es ein Mädchen oder ein Junge?“
Paul strahlte bis über beide Ohren.
„Ein Mädchen, Irina“, lächelte er.
Forchel gratulierte ihm und bedankte sich herzlich bei ihm.
Dann begab auch er sich nach Hause.

Weihnachtskrimi Folge 16

 Am Dienstag trafen sich alle wieder in Forchels Büro.
Begonnen wurde mit einer guten Nachricht.
„Der Computer ist geknackt, ich werde heute nach dem Mittag vorbei gehen und ihn mir ansehen“, sagte Forchel.
„Hast du noch mit ihren Eltern gesprochen?“, fragte Lisa.
„Ja, ihre Mutter war am Apparat. Sandra Volkerz war fünf Jahre lang mit Lasse Tukens zusammen gewesen, bevor sie sich von ihm getrennt hatte. Es war also eine Beziehung seit früher Jugend. Lasse war immer schon politisch motiviert gewesen und mit der Zeit stärker nach rechts abgedriftet.“
„Wir suchen also eine stark rechts orientierte politische Gruppierung in der auch noch dieser Lasse Tukens Mitglied ist“, bemerkte Sandro.
„Im besten Fall schon“, antwortete Forchel, „habt ihr denn schon was in dieser Richtung gefunden?“
„Dazu möchten wir später kommen“, wehrte Lisa ab. „Warum hat sie sich von Lasse getrennt?“
Forchel räusperte sich zuerst, bevor er begann.
„Laut ihrer Mutter habe er sie zu sehr eingeengt. Ich weiss jedoch nicht, wie ich dies genau interpretieren soll. Zudem habe stets versucht, sie politisch zu beeinflussen. Dies habe sie sich nicht länger gefallen lassen wollen.“
„Und?“, fragte Sandro.
„Was meinst du?“
„Da ist noch etwas in deiner Stimme.“
„Stimmt“, antwortete Forchel, „ich habe sie gefragt, warum sie ihre Tochter gehasst hat.“
Es wurde so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
„Was hat sie gesagt?“, fragte Lisa schliesslich atemlos.
„Wie es scheint hat Sandra Volkerz sich geweigert eine Religion anzunehmen. Dann soll sie dem Vater auch zehntausend Franken entwendet haben. Dies sei mit Hilfe eines Kreditkartenbetrugs geschehen. Und dann war da Lasse. Die Eltern waren anfangs überhaupt nicht von ihm begeistert. Nach etwa zwei Jahren hatten sie ihn aber ins Herz geschlossen. Die Hochzeit war bereits geplant, als Sandra mit ihm Schluss machte. Dies war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.“
„Das klingt ja wie in einem schlechten Film“, entrüstete sich Lisa.
„Scheint so, als wären wir alle in diesem Film gefangen“, bemerkte Forchel. Aber sagt schon, was habt ihr heraus gefunden?“
Sandro räusperte sich und hob dann die Stimme.
„Wir haben zwei Organisationen, die für uns in Frage kommen. Zuerst einmal „Einigkeit“. Dies ist eine Vereinigung von rechts orientierten jungen Männern. Frauen sind nicht zugelassen. Diese Männer richten sich nach Hitlers Grundgedanken und verherrlichen seine Politik. Sandra Volkerz hat zwei Bücher über sie geschrieben und wurde in mehreren Zeitungen von ihnen angegriffen. In einem Zeitungsartikel stand, dass sie auch einmal tätlich angegriffen worden sei.“
„Die zweite Organisation“, meldete sich Lisa zu Wort, „ist „Junge Vaterlandstreue“. Auch hier handelt es sich um Männer, Frauen sind jedoch bei Grossdemonstrationen und anderen politischen Aktionen als Helferinnen zugelassen. Diese Gruppierung fällt vor allem durch ihre gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei auf. Die Männer greifen Ausländer und Hilfsorganisationen gezielt mit Worten und Taten an. So haben sie auch Sandra Volkerz mehrmals öffentlich beschimpft und sind bei ihr zu Hause eingebrochen. Sandra hat ein Buch über sie geschrieben.“
„Das klingt ja mal ziemlich deftig“, sagte Forchel.
„Sollen wir untersuchen, ob Lasse irgendwo Mitglied war?“, fragte Sandro.
„Tut dies“, antwortete Forchel, „ich werde mir mal den Computer anschauen.“
 

Weihnachtskrimi Folge 15

„Und, was soll es bedeuten?“, fragte Forchel ungeduldig.
„Wir müssen sofort den Computer knacken“, antwortete ihm Lisa.
Sie blickte in sein ratloses Gesicht.
„Doch, seht mal. Die Anfangsbuchstaben von „treibt“, „Pute“, „Maus“, „Chance“, „Opfer“, „er“, „Umklammerung“ und „rammte“ in der Richtigen Reihenfolge ergeben C. O. M. P. U. t. e. r.“
Sie wurde sprachlos angestarrt.
„Tatsächlich“, flüsterte Forchel.
„Und warum bist di dir da so sicher? Die anderen Worte lassen sich nicht auf diese Weise entschlüsseln“, sagte Tomas skeptisch.
„Logisch, die Frau hat es täglich mit irgendwelchen Menschen zu tun, die zu allem fähig sind. Sie musste sich schon etwas anderes überlegen. Zu schwer hat sie es uns aber nicht gemacht. Nehmt mal die letzten Buchstaben von „Sofa“, „gross“, „das“, „Adresse“ und „Sessel“. Und, was fällt auf?“
Sie blickte ganz erwartungsvoll in die Runde und wurde immer ungeduldiger.
„l. a. s. s. e.“, flüsterte Sandro unheilvoll, „er ist also das lächelnde Monster. Er lebt.“
„Und die neue Fährte ist der Computer. Wurde der noch nicht geknackt?“, fragte Lisa.
„Friedrich musste unterbrechen, er ist vor zwei Tagen Vater geworden aber er setzt sich heute Abend noch einmal an die Kiste. Er wird die Nacht durcharbeiten. Morgen haben wir die Resultate.“, antwortete Forchel.
„Gut so“, sagte Mirko, „wir zischen dann mal ab. Ein komplizierter Autoschmuggel füllt unsere ganze Zeit aus. Wenn ihr aber was habt, dass uns interessieren könnte dann kommen wir natürlich sofort.“
Er und Tomas verliessen den Raum und begaben sich in ihr Büro.
„Sie hat es die ganze Zeit gewusst“, wiederholte Forchel seine Worte von vorhin.
Es wurde still im Raum.
„Wir müssen noch die restlichen Organisationen durchgehen“, sagte Sandra bestimmt in die Stille hinein.
„Habt ihr denn schon was?“, fragte Forchel vorsichtig.
„Nicht unbedingt, ein paar Favoriten und nicht mehr“, antwortete Sandro vorsichtig.
„Gut“, seufzte Forchel, „das ist schon mal ein Anfang. Dann macht ihr weiter und wenn ihr mit der Arbeit fertig seid, dann geht nach Hause. Ich recherchiere ein Wenig. Irgendwo muss sich dieser Lasse aufspüren lassen.“
Lisa nickte. Sie machte sich mit Sandro auf den Weg ins Archiv, wo sie sich eingerichtet hatten.
Forchel setzte sich an seinen eigenen Schreibtisch und überlegte.
Dann nahm er den Hörer in die Hand und rief Sandra Volkerz Familie an.
„Volkerz?“, erklang die Stimme der Mutter.
„Hier Forchel. Ich hätte da noch ein paar Fragen bezüglich Sandra. Störe ich?“
„Nein, natürlich nicht. Worum geht es?“
„Frau Volkerz, wer war Lasse und warum hassen Sie Sandra?“

Weihnachtskrimi Folge 14

Forchel blätterte das Buch zuerst einmal schnell durch. Dann merkte er, dass gewisse Wörter mit Leuchtstift markiert waren.
Er zückte einen Stift und sein Notizbuch und begann, das Buch noch einmal durchzublättern. Seite für Seite.
Es war in Kapitel unterteilt.
„Ein sinnloses Verbrechen“
„Das lächelnde Monster“
„Reisen in die Vergangenheit“
„Eine neue Fährte“
„Rätsel“
„Der dunkle Fluss“
„Ich will nicht sterben“
Im ersten Kapitel waren keine Wörter markiert.
Im zweiten Kapitel waren die Wörter „Sofa“, „gross“, „das“, „Adresse“ und „Sessel“ markiert.
Das dritte Kapitel hatte keine Markierungen.
Im vierten Kapitel waren die Worte „treibt“, „Pute“, „Maus“, „Chance“, „Opfer“, „er“, „Umklammerung“ und „rammte“ markiert.
Der Titel des letzten Kapitels war mit Bleistift unterstrichen worden.
„Ich will nicht sterben.“
„Sie hat es gewusst“, entfuhr es Forchel, „sie hat es die ganze Zeit gewusst.“ Und er schüttelte nur noch den Kopf.
Er betrachtete die Worte lange, aber sie ergaben für ihn keinen Sinn.
Nach etwa dreissig Minuten zückte er sein Handy.
Er wählte Lisas Nummer.
„Ja?“
„Lisa, ich hab das Schloss gefunden, wir brauchen nur noch den Schlüssel.“
Sie zögerte, dann realisierte sie.
„Soll ich vorbeikommen oder kommst du ins Präsidium?“
„ich komme ins Präsidium zurück, vielleicht brauchen wir die Archive.“
„In Ordnung. Und Chef, fahr bitte vorsichtig, es hat wieder geschneit.“
„Alles klar, bis bald.“
Er warf seine Notizen, das Buch und sein Handy in seine Tasche, rannte die Treppe hinunter und schlüpfte in seinen Mantel.
Als er nach draussen trat merkte er, dass wirklich viel Schnee gefallen war und er stapfte zu seinem Auto.
Nachdem er die Scheiben vom Schnee befreit hatte stieg er ein und fuhr los.
Im Präsidium angekommen rannte er sofort zu Lisa und Sandro hinauf, die immer noch mit Recherchen beschäftigt waren. Unterwegs rief er Mirko und Tomas zu, auch vorbei zu schauen.
Im Büro von Lisa erzählte er von seinem Fund und legte zuerst das Buch und dann seine Notizen auf den Tisch.
Alle fünf standen um die Notizen herum, knabberten an ihren Fingernägeln und tranken Unmengen von Kaffee.
„Ich habe eine Idee. Ja, das muss es sein “, rief Lisa plötzlich und ein erschöpftes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

Und, habt ihr auch eine Idee? Kommentiert hier, wenn euch etwas auffällt oder wenn ihr einen Lösungsvorschlag habt. Ich bin gespannt, ob es jemand herausfindet.

Ganz liebe Grüsse
Eponine

Weihnachtskrimi Folge 13

Seine Suche hatte ihn nicht weiter gebracht und auch sein Team war die ganze Zeit mit den Recherchen zu den verschiedenen politischen Gruppen und Aktivisten beschäftigt gewesen.
Am Freitag musste er ihnen bei ihren Recherchen zur Hand gehen und liess das Haus ein wenig ruhen.
Als er ein wenig früher Schluss machte, beschloss er, am Montag nach dem Wochenende noch einmal ins Haus zu gehen. Er wusste, dass dieser Montag der dreizehnte Dezember war und dass ihm die Dreizehn schon immer Glück gebracht hatte. Also machte er sich ein mehr oder weniger ruhiges Wochenende und stand dann am Montag weder pünktlich in Sandra Volkerz Haus.
Forchel wusste, dass er heute etwas entdecken würde. Er begann im untersten Stock und durchquerte langsam die Küche. Dabei tastete er sämtliche Schränke ab, vertiefte sich ins Gewürzregal, öffnete den Kühlschrank und befühlte die karierten Küchentücher.
Alles schien so, wie es zu sein hatte. Geordnet, sauber und unauffällig.
Nach der Küche versuchte er sein Glück in den beiden Badezimmern. Aus seiner langjährigen privaten und beruflichen Erfahrung wusste er, dass Frauen viele Geheimnisse im Badezimmer bargen. Aber nebst ein paar wenigen (verdächtig wenigen) Pflegeprodukten und einiger wunderschöner Topfpflanzen fand er nichts.
Später begab er sich ins Arbeitszimmer. Er tastete jede Schublade von allen Seiten her ab und durchsuchte sämtliche Notizen und Pläne nach möglichen Botschaften. Seine Enttäuschung war grenzenlos, als seine Suche immer noch ergebnislos blieb.
Dann begab er sich schon ziemlich erschöpft ins Wohnzimmer und setzte sich mitten auf den Boden. Er liess die Stimmung des Raumes auf sich wirken und stellte sich Sandra Volkerz lebend vor. Auf den wenigen aktuellen Fotografien, die er im Verlauf der Ermittlungen von verschiedensten Quellen erhalten hatte, sah er immer eine attraktive Frau, voller Tatendrang und Lebenswillen. Die Erinnerungen, die er an die Leiche hatte, waren nicht sehr schön. Er unterdrückte den Brechreiz, als er sich ihr zerschnittenes Gesicht vor Augen führte.
„Jemand ist dafür verantwortlich“, flüsterte er halblaut vor sich hin, „jemand hat diese Schönheit ausgelöscht, zerstört. Finde ihn!“
Und plötzlich wusste er, wo er suchen musste.
Er rannte die Treppen hinauf ins Schlafzimmer und liess seinen Blick über den ganzen Raum schweifen. Ein grosses Bett in der Mitte des Raumes. Eine Wand voller Unterhaltungsliteratur welche stark an die Bücherwand im Atelier erinnerte aber ein wenig kleiner war, schöne Teppiche und Vorhänge, ein geräumiger Kleiderschrank und ein kleines Beistelltischchen.
Forchel durchwühlte Kleider und Schmuck, schlug die Decken im Bett zurück, trat an die Bücherwand, raffte die Vorhänge zusammen und wusste, dass er etwas übersehen hatte. Er ging noch einmal zu den Büchern zurück und ein wissendes Gefühl machte sich in ihm breit. Als er seine Augen immer langsamer über die Buchrücken wandern liess verstärkte sich das Gefühl noch. Etwas stimmte ganz und gar nicht.
Und da sah er es. Das Buch. Er ärgerte sich, dass es ihm nicht schon früher aufgefallen war. Es war ein schwedischer Krimi von Ake Smedberg. „Tod im Sommerhaus.“ Er begann zu frieren aber er war sich ganz sicher, das richtige Buch gefunden zu haben. Alle anderen Bücher waren alphabetisch geordnet aber dieses Buch stand nicht bei „S“ wie „Smedberg“ sondern beim „L“.
Er schwitzte, als er das Buch vorsichtig aus dem Regal zog und mit zitternden Fingern aufschlug.

Weihnachtskrimi Folge 12

 Sprachlos sassen sie am Boden, vor sich das Fotoalbum. Mit diesem Durchbruch hatte niemand gerechnet. Vorsichtig aber ziellos blätterte Forchel, der sich als erster wieder ein wenig gefasst hatte, im Album herum.
Die Fotos stammten aus einer anderen Zeit und waren datiert von Weihnachten 1997 bis Weihnachten 1998. Sandra Volkerz war im Jahr 1998 gerade erst zwanzig Jahre alt geworden.
„Warum hat sie nur dieses eine Fotoalbum und warum ist es mehr als zehn Jahre alt?“, fragte Tomas in die Runde.
„Vielleicht gibt es noch mehr“; antwortete Forchel.
„Sollen wir weiter suchen?“, fragte Mirko.
„Später“ antwortete Forchel, „zuerst schauen wir uns das hier zusammen an.
Sie begannen, das Album noch einmal von vorne durchzublättern. Es enthielt ganz normale Familienszenen, Geburtstage und Treffen. Sandra Volkerz hatte auch Landschaften fotografiert, Berge und Seen. Ab und zu sah man sie darauf auch mit Freunden oder einem gut aussehenden Mann. Er schien ein wenig älter zu sein als sie.
„Die Bilder sind alle beschriftet. Sie erzählen eine Geschichte“, bemerkte Mirko.
Tatsächlich waren alle Bilder beschriftet. Die Personen darauf wurden mit Namen genannt, bei Familienfotos stand immer auch der Anlass für das jeweilige Treffen im Album und Landschaftsbilder enthielten sogar Beschreibungen von den Ferien, in denen sie aufgenommen worden waren.
Vor allem die Bilder mit dem jungen Mann enthielten ausführliche Berichte.
„Scheint eine Art Fototagebuch zu sein“, murmelte Forchel.
Aus den Beschriftungen ging hervor, dass der Mann Lasse hiess.
„Lasses Geburtstag“, stand bei einem Bild. Es war am 23.2.1998 aufgenommen worden.
„Ferien mit Lasse“, stand bei einem weiteren Bild und dann folgte eine ausführliche Beschreibung von Ferienaktivitäten.
Weitere Bilder mit Lasse folgten.
„Taufe von Lara, Lasses Patenkind.“
„Lasse und sein Hund.“
„Lasses Nachbar.“
„Grillfest bei Lasse.“
Und immer folgte noch eine Beschreibung zum Bild.
„Lasse beim Klassentreffen“ war am 4.7.1998 aufgenommen worden. Dann folgten lange keine Fotos mehr mit Lasse. Auch Familienfotos wurden immer seltener. Nur noch Landschaftsbilder waren zu finden.
Weihnachten 1998 zeigte ein düsteres Bild von einer einsam brennenden Kerze. Es waren keine Familienmitglieder zu sehen.
Neben der vergilbten Fotografie stand „Erstes Weihnachtsfest ohne Lasse und ohne meine Familie.“
Dann folgte kein Eintrag mehr. Die letzten zwanzig Seiten des Albums waren leer.
„Sie hat sich von Lasse und der Familie getrennt“; bemerkte Forchel nach langen Minuten des Schweigens.
„Denkst du, dass er noch lebt?“, fragte Mirko vorsichtig, „vielleicht ist er gestorben.“
„Ich habe das Gefühl, dass er noch lebt“, antwortete Forchel, „und och habe auch das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Diese Geschichte ist so seltsam. Mirko, Tomas, ihr könnt ins Präsidium fahren. Lisa und Sandro können Verstärkung gebrauchen.“
„In Ordnung Chef“, sagte Mirko und stand auf.
Sie verabschiedeten sich von Forchel und gingen.
Er nahm das Album in die Hand und stand auf. Dann begann er, noch einmal im Haus herum zu gehen. Er wusste, dass nur noch wenige Puzzlesteine fehlten.

Weihnachtskrimi Folge 11

Herzlich willkommen liebe Jenny. Es freut mich sehr, dass auch du den Weg zu mir gefunden hast. Und dich Svenja möchte ich an dieser Stelle natürlich auch noch offiziell willkommen heissen (ich will ja kein schlechtes Gewissen haben;) ). 

Nun aber weiter mit meinem Weihnachtskrimi. Ich hoffe, dass ihr alle schon ungeduldig auf die Fortsetzung wartet ;)

Sie stellten das ganze Haus auf den Kopf. Jeder Tisch, jeder Schrank und jedes Regal wurde verrückt. Die Briefe mussten entweder in einem Versteck untergebracht oder (was problematischer war) vom Absender entwendet worden sein.
Forchel fluchte immer häufiger und heftiger wenn wieder einmal umsonst ein Schrank verschoben worden war. Dies war ganz klar ein schlechtes Zeichen  und zudem verärgerte er so sein ganzes Team.
Es war Mirko, der den entscheidenden Einfall hatte.
„Der Boden“, rief er, „wir müssen den Boden betrachten.“
Forchel wollte dies zuerst als eine mittelmässige Idee aus mittelmässigen Kriminalfilmen abtun. Als er jedoch zu überlegen begann, wo die Briefe sonst hätten sein können, kamen ihm nur noch der Parkettboden und die Badezimmerfliessen in den Sinn.
Er seufzte und machte sich ans abtasten einer jeden Platte im Schlafzimmer während Mirko das Wohnzimmer und Tomas das kleine Arbeitszimmer übernahm.
Im Arbeitszimmer stiess Tomas schon bald auf eine Parkettplatte, die sich anders anfühlte und bim Betreten anders anhörte als die anderen.
Er rief die anderen zu sich und begann die Platte vorsichtig mir der Spitze des Brieföffners anzuheben. Als die Platte genug angehoben war, schob Mirko seine Hände darunter und drückte sie vorsichtig nach oben. Tatsächlich befand sich unter der Platte eine Kartonkiste.
Die Kiste konnten sie vorsichtig aus der Vertiefung heben. Sie enthielt fünf unauffällig aussehende Briefe. Sie waren mit dem Computer geschrieben und datiert. Sandra Volkerz hatte sie in chronologischer Reihenfolge geordnet.
„Komm uns nicht in die Quere“, lautete der Text des ersten Briefes.
„Lass die Finger von dieser Angelegenheit“ folgte darauf.
Dann „Wir haben dich gewarnt.“
„Dies ist die letzte Warnung.“
Und „ZU SPÄT!“
„Grässlich“, flüsterte Mirko.
Tomas nickte nur stumm und Forchel schien in seine Gedanken versunken zu sein.
„Es ist eine Organisation, wir müssen sie finden.“
„Hier ist noch etwas“, sagte Mirko.
Er griff in die Vertiefung hinein und förderte ein Fotoalbum zu Tage.

Weihnachtskrimi Folge 10

Am nächsten Tag quälte Forchel sich mühsam aus dem Bett. Er wusste, dass er nicht so viel trinken und so wenig schlafen sollte. Aber die Abende mit Adam Lasser wurden immer viel zu lange. Er wusste nicht mehr, über was sie sich alles unterhalten hatten und stellte sich unter die Dusche, welche er ganz kalt aufdrehte.
Er duschte nur kurz, es war einfach zu früh und das Wasser war zu kalt.
Ein wenig wacher und erfrischt begab er sich in die Küche, machte Kaffee und holte die Zeitung. Er schlürfte den heissen Kaffee und las dazu die fettesten Schlagzeilen.
Er erschrak, als er auf die Uhr schaute und machte sich sofort auf den Weg ins Präsidium. Um sieben Uhr dreissig wollte er eine Teamsitzung starten und als Leiter dieser Sitzung wäre es sehr ärgerlich, zu spät zu erscheinen.
Er schaffte es gerade noch rechtzeitig und setzte sich an seinen Platz.
Mirko Hänel von der Spurensicherung und sein Assistent Tomas Fritsch sassen rechts von ihm. Lisa Koch und Sandro Elwen hatten sich links von ihm nieder gelassen.
Als alle mit Kaffee versorgt waren, eröffnete Forchel die Sitzung.
„Wie ihr alle seht, haben wir nahezu nichts. Es wäre aber ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für uns alle, wenn wir den Fall noch bis am Vierundzwanzigsten lösen könnten.“
Zustimmendes Gemurmel im Raum und dann meldete sich Lisa zu Wort.
„Sandro und ich haben die Nachbarn abgeklappert. Nichts. Wir waren bereits in jedem Quartier. Dann haben wir uns einmal alle politischen Parteien angeschaut, die sie kritisiert hatte. Die meisten davon haben auch unsere Fragen beantwortet. Alle dieser Parteien hatten ein Motiv für den Mord, es wäre aber irrwitzig, alle davon genau unter die Lupe zu nehmen.“
„Wie viele sind es?“, fragte Hänel.
„Zweiundsechzig Parteien und Gruppierungen meist aus dem rechten Sektor.“
„Verdammt“, fluchte H#nel.
„Wenn ihr einmal die grössten und einflussreichsten Gruppierungen unter die Lupe nehmt, kommen wir vielleicht weiter und dann nach und nach auch die Kleinen, bis alle ausgeschlossen sind. Ihr habt den ganzen restlichen Tag und morgen Zeit dafür. Was haben wir sonst noch?“
„Den Bericht der Gerichtsmedizin“, antwortete Fritsch, „scheint aber nichts Besonderes zu sein. Das Opfer wies keinerlei Kampfspuren auf, nicht einmal Haut unter den Fingernägeln. Es fand keine Vergewaltigung statt. Zum Tod führte ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf, die näheren Details zu den Verletzungen könnt ihr selber nachlesen. Etwas Spannendes gibt es jedoch noch“, er blätterte in seinen Unterlagen, „auf der Leiche wurde ein Haar gefunden, welches nicht ihr gehört, vielleicht stammt es vom Täter.“
„Das merken wir uns, also haben wir doch etwas“, rief Forchel erfreut.
„Wir haben noch etwas“, erwiderte Hänel.
„Wir haben ihre Tagebücher durchforstet mit dem Ziel, Angehörige oder Freunde zu finden. Dabei sind wir aber auf ganz andere Dinge gestossen. Es scheint so, als habe sie Drohbriefe bekommen. Diese Briefe haben wir aber bei der Hausdurchsuchung nicht gefunden. Wer war sonst noch im Haus?“
„Ich“, rief Forchel, „ich wurde jedoch unterbrochen, als die Eltern gefunden waren. Ich hatte aber eigentlich schon alles durchwühlt.“
Schweigend schauten sie sich an.
„Lisa, Sandro, ihr wisst, was ihr zu tun habt. Mirko und Tomas, ihr kommt mit mir, wir stellen das Haus auf den Kopf. Wäre ja gelacht, wenn wir die Briefe nicht finden würden.“

Weihnachtskrimi Folge 9


Der nächste Tag verlief ohne Zwischenfälle aber auch ohne irgendwelche Erkenntnisse. Die Ermittlungen blieben nahezu stecken und die Launen taten es ihnen gleich. Es schneite ohne Unterlass, es wurde immer häufiger auf weisse Weihnachten spekuliert und die Temperaturen sanken über Nacht ins bodenlose.
Forchel gönnte sich an diesem Abend einen Drink mit seinem langjährigen Freund und Nachbar Adam Lasser.
Die beiden suchten eine nahe gelegene Bar auf und setzten sich ein wenig abseits vom Geschehen an einen Tisch.
Sie bestellten Bier und hängten ihre Mäntel an den Garderobenständer.
„Na Bruno, wie läufts so?“, fragte Lasser bald einmal.
Forchel beantwortete ihm die Frage wie gewöhnlich mit „Gut“ und liess dann sogleich noch eine Schilderung seiner momentanen Arbeitssituation folgen.
Lasser hörte aufmerksam zu und schüttelte immer wieder angewidert oder verständnislos den Kopf.
Er, der seinen einzigen Sohn bei einem Autounfall verloren hatte, wusste, wie es war, plötzlich ohne Kind dazustehen.
„Wie kann man nur. Wie viel Hass und Enttäuschungen muss man als Eltern erlebt haben, um seine Kinder zu hassen?“, fragte er still vor sich hin.
„Denkst du, dass sie ihre Tochter hassten?“
„Warum sonst hätten sie so reagieren sollen“, erklärte Lasser.
„Vielleicht hatten sie sich einfach nichts mehr zu sagen. Wie in einer Beziehung, auseinander gelebt“, warf Forchel ein.
„Aber nicht bei Kinder. Eine Beziehung kann zerbrechen, eine Freundschaft kann im Sand verlaufen. Aber ein Kind bleibt immer ein Kind. Und wenn es nicht mehr da ist, dann ist es, wie wenn ein Teil des eigenen Körpers plötzlich fehlt“, er brach ab.
„Adam, ich weiss, dass dies bei dir so war. Aber ich kann mir vorstellen, dass Dinge passieren, welche so grausam sind, dass wir sie beide nicht verstehen können. Ich denke, dass dies auch hier der Fall war. Je länger ich mich damit beschäftige, desto dringender will ich wissen, was passiert ist, warum es so weit gekommen ist.“
„Ich finde es gut, dass du dich mit diesem Thema beschäftigst. Es ist sehr wichtig, dies zu verstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Eltern-Kind-Beziehung ein Schlüssel zu Auflösung des Falles ist“, sagte Lasser.
„Du hast gesagt, dass sie auch sonst keine Freunde oder Verwandte hatte?“. ergänzte er seine Überlegungen.
„Nichts“, antwortete Forchel, „keine weiteren Familienmitglieder, keine Freunde, keine Beziehung. Die Frau war total abgeschottet.“
„Wen wollte sie wohl damit schützen. Sich selber, oder ihre Umgebung?“
„Dies“, antwortete Forchel, „dies werden wir erst wissen, wenn wir den Fall gelöst haben.“
„Wenn du den Fall gelöst hast“, lächelte Lasser.
„Also gut, ich löse ihn“, scherzte Forchel.
„Auf dich“, sagte Lasser und hob sein Glas.
Forchel stimmte mit ein und die beiden redeten noch die halbe Nacht.

Weihnachtskrimi Folge 8


Als er das Wohnzimmer betrat roch er es sogleich. Seine Frau Maria hatte gebacken. Weihnachtsgebäck und einen Gemüsegratin. Dies passte natürlich perfekt und er konnte es kaum erwarten, sie in den Arm zu nehmen.
„Hallo Liebste“, rief er, als er die Küche betrat.
Sie erwiderte die Begrüssung und küsste ihn sanft.
„Essen ist fertig“, flüsterte sie ihm zu bevor sie sich wieder ihren Töpfen zuwandte.
Er rief sofort nach den Kindern Martina und Samuel und setzte sich dann an den Tisch.
Als er so sass, kam ihm in den Sinn, eine gute Flasche Wein zu öffnen. Er eilte also sogleich in den Keller und als er mit einem seiner Schätze nach oben kam, hatten sich seine Kinder bereits gesetzt. Maria war gerade dabei, den Gratin zu verteilen und er begann, die Flasche zu entkorken.
Als alle sassen und es sich schmecken liessen, fühlte er sich in einen Film versetzt. Alles wirkte so vertraut und perfekt, so angepasst und idyllisch.
Nach einiger Zeit gestand er sich jedoch zu, dass er diese Idylle verdient hatte, weil er sich sonst schon täglich mit unangenehmen Dingen zu beschäftigen hatte.
Das Essen schmeckte ihm gleich noch besser und er fragte seine Kinder, was sie in der Schule alles erlebt hatten.
Sie hassten diese Fragen ihres Vaters, die wie einstudiert wirkten und ihnen das Gefühl gaben, sich in einem Kreuzverhör zu befinden. Sie spielten aber ihren Part mit (was ihnen insgeheim trotzdem Freude bereitete) und fragten ihn nach seiner Arbeit.
Diese Fragen beantwortete er nur ganz flüchtig. Er wollte seine Kinder ein wenig vor der Realität verschonen und vor allem wollte er sie immer zuerst langsam an einen neuen Fall, ein weiteres schreckliches Ereignis heran führen. Sie mussten auch nicht alles wissen. Für die ganze Wahrheit hatte er ja Maria. Sie war eine aufmerksame Zuhörerin und hatte ihn schon in einigen Situationen aufgefangen, als ihm ein Fall zu nahe ging oder ihn zu fest einnahm.
Glücklich schaute er sich in der bunten Runde um. Seine Familie war alles, was er hatte und er war sehr stolz darauf. Er genoss es, seinen Fall zumindest einen Abend lang ruhen lassen zu können.
Als sich die Kinder in ihre Zimmer zurück zogen um ihre Hausaufgaben zu machen (oder zumindest so zu tun, als würden sie ihre Aufgaben machen), räumte er die Küche auf und setzte sich dann zu seiner Frau ins Wohnzimmer. Sie sass bereits in ihrem gemütlichen Sessel und las in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften des Tages. Er tat es ihr gleich und erfuhr so, dass sich der Weltfussballverband noch immer bestechen liess, dass das Fernsehen immer noch Menschen dazu verleitete, irrwitzige Wetten abzuschliessen und dass die Menschen in Haiti verhungerten und an der Cholera starben während die Menschen in Europa immer dicker wurden.
Diese ganzen Schlagzeilen bedrückten ihn und er beschloss, sich einen guten Film anzusehen. Weil auf keinem der fünfzig Sender etwas annähernd Brauchbares zu finden war, resignierte er.
Maria tat es ihm bald einmal gleich und so sassen sich die beiden mit einem Weinglas in der Hand gegenüber und diskutierten und als sie bemerkten, dass es schon lange nach Mitternacht war, legten sie sich schliesslich schlafen.

Weihnachtskrimi Folge 7


Als Forchel wieder im Präsidium angekommen war, musste er sich zuerst eine Weile hin setzen. Dann genehmigte er sich ein paar Tassen Kaffee und nahm den Hörer seines Telefons in die Hand. Er rief Lisa Koch an und bat sie, zu den Eltern von Sandra Volkerz zu fahren und diese zu befragen.
Lisa nahm den Auftrag dankend an, es schien, als hätte sie sich gerade mit ihrem Freund gestritten. Vielleicht würde ihr ein kleiner Tapetenwechsel nicht schaden.
Forchel machte sich nun daran, die bisherigen Protokolle aller bereits erfolgten Zeugenaussagen zu lesen. Er entdeckte nichts, was ihn irgendwie stutzig gemacht hätte.
Er erinnerte sich an die Aussage der alten Dame, die geglaubt hatte einen grauen Wagen gesehen zu haben. Ihrer Meinung nach war es ein grauer Ford oder vielleicht auch ein Audi gewesen.
Er sah sich die Notizen genauer an und wählte dann nach kurzem Zögern die Nummer dieser Frau.
Sie war sofort am Apparat und bestätigte ihre Aussage erneut.
Auf Forchels Frage, ob er vorbei kommen könne, antwortete sie mit einer spontanen Einladung zu sich nach Hause.
Er machte sich sofort auf den Weg.
Ihr Haus war weihnächtlich dekoriert und strahlte viel Wärme und viel Licht aus. Es war offensichtlich, dass sie keine Mühen gescheut hatte, es von aussen gemütlich aussehen zu lassen.
Als Forchel die Eingangshalle betrat wurde er nicht enttäuscht. Sie führte ihn ins teuer eingerichtete Wohnzimmer und bot ihm sogleich Kaffee und Plätzchen an. Er hatte schon einige Stunden nichts mehr gegessen und nahm ihr Angebot dankend an.
Als er es sich auf der gemütlichen Couch bequem gemacht hatte, sprachen sie zuerst ein wenig über das Wetter und die arme Sandra Volkerz.
Bald aber gelang es ihm, das Gespräch auf ihre Beobachtungen zu lenken.
„Sie sagten, dass sie ein Auto gesehen haben. Wo und wann genau war das?“
„Es stand vor ihrem Haus und das war am Abend des dreissigsten Novembers.“ Es schien ihr nichts auszumachen, ihre Geschichte noch einmal zu wiederholen.
„Warum sind Sie sich so sicher, dass es sich dabei um einen Ford oder vielleicht auch einen Audi gehandelt haben muss?“
„Ich bitte Sie“, reif sie entrüstet, „mein Mann hatte damals eine Autogarage. Ich werde mich wohl noch mit den wichtigsten Marken auskennen.“
„Ist ja gut, ich wollte Sie nicht kränken“, beschwichtigte sie Forchel.
Er stellte ihr noch einige weitere Fragen. Ihre Aussagen wiederholten sich jedoch und sie war ihm keine grosse Hilfe mehr.
Auf der Rückfahrt dachte er sich, dass es vielleicht doch nicht so schlecht gewesen war zu ihr hinzufahren. Weil sie ein wenig Vertrauen zu ihm gefasst hatte würde sie auch in Zukunft mit hm sprechen, wenn ihr noch etwas einfallen würde.
Er fuhr auf direktem Weg nach Hause und freute sich darauf, nach langem wieder einmal mit seiner Familie zusammen ein Abendessen einzunehmen.