Rezension: Das kunstseidene Mädchen

Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Beschreibung des Verlages:

Der herausragende literarische Klassiker, der Irmgard Keun 1932 zum Literaturstar und eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts machte: fesselnd, eindringlich, zeitkritisch und humorvoll!
»Irmgard Keun war die erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ
»Ich will ein Glanz werden«
Doris, das kunstseidene Mädchen, ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagein, tagaus Briefe tippen, sondern ein Star werden, will die große Welt erobern. Die große Welt, das ist für die Achtzehnjährige Berlin. Dort stürzt sie sich in das Leben der Tanzhallen, Bars und Literatencafés, lässt sich in vornehme Lokale einladen, goutiert die »gute Gesellschaft«– und bleibt doch allein. Ihre Affären mit Männern aus »besseren Kreisen« sind kurzlebig, die erträumte Karriere bleibt eine Illusion.
Doch Doris weiß sich zu trösten ...  
Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer »naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig« beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine seltene Einheit und ein wahrer Klassiker der Literatur.

Inhalt:
Von Sommer 1931 bis Frühling 1932 begleiten wir die achtzehnjährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Doris durch ihren turbulenten Alltag. Nach den Annäherungen ihres Arbeitgebers verlässt sie ihre Stelle als Sekretärin und ihre Heimatstadt und zieht nach Berlin, wo sie sich eine Karriere erhofft und davon träumt, ein "Glanz" zu werden und den sozialen Aufstieg zu schaffen. Zahlreiche skurrile bis gefährliche Männerbekanntschaften, Alkohol, Naivität, aber auch eine gehörige Portion Mut und Pragmatismus prägen diese Reise.

Meine Meinung:
Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich während Julia Webers Lesung zu ihrem Buch "Weil ich Ruth bin". Sie verwies dabei auf "Das kunstseidene Mädchen" und hat mich sehr neugierig gemacht. Vor der Lektüre wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich flog aber nur so durch die Seiten dieses spannenden Zeitromans und hätte Doris manchmal am liebsten in den Arm genommen oder - je nach Situation - auch ausgeschimpft. Auf jeden Fall aber habe ich mich gefragt, weshalb wir diesen Klassiker nie in der Schule gelesen und besprochen haben. Dort würde er in meinen Augen unter anderem hingehören.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist bewusst schlicht und ein wenig kindlich gehalten. Der Inhalt des Romans besteht ausschliesslich aus Tagebucheinträgen, Gedanken und Aufzeichnungen der ein wenig naiven Protagonistin Doris. Keun versetzt sich gekonnt in diese Figur, die man allen Ecken und Kanten zum Trotz einfach mögen muss, was nicht zuletzt an ihrem Lebensmut und ihrer Bauernschläue in scheinbar ausweglosen Situationen liegt.

Meine Empfehlung:
Das Buch empfehle ich euch sehr gerne weiter und ich bin schon gespannt auf weitere Werke der Autorin. Es lohnt sich in meinen Augen unbedingt, diese Autorin kennenzulernen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das kunstseidene Mädchen
Autorin: Irmgard Keun, 1905 in Berlin geboren, feierte mit ihren beiden ersten Romanen, Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen, sensationelle Erfolge. 1936 ging sie ins Exil und kehrte vier Jahre später mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt lebte. Im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit konnte sie zunächst nicht an die Erfolge ihrer ersten Bücher anknüpfen, bis ihre Romane Ende der Siebzigerjahre von einem breiten Publikum wiederentdeckt wurden. Irmgard Keun starb 1982 und zählt heute zu den wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 208 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch

Erscheinungstag dieser Ausgabe: 01.02.2001
ISBN: 9783548600857

Rezension: Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Pechvogel Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind - aus gutem Grund, wie Nele bald herausfindet. Ausgerechnet jetzt beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. In dieser turbulenten Zeit stellt sich gerade Claas als große Hilfe heraus. Aber soll Nele sich wirklich von der Liebe einen Strich durch ihre Pläne machen lassen?

Inhalt:
Nele stellt sich und ihre Wünsche stets zurück. Sie kümmert sich um ihre Mitmenschen, ihre Familie, ihre Arbeit und vergisst dabei, auch mal für sich und ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Als sie nach einer Trennung in ihrem neuen Traumjob durchstartet, muss sie sich nicht nur mit einem gehässigen Mitarbeiter und einem schwer in die Gänge zu kriegenden Lokalpolitiker und dessen PR-Kampagne abkämpfen, sie verliebt sich auch noch Hals über Kopf in ihren Chef. Als wäre das nicht genug, verlangen auch ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Freundeskreis einiges von ihr und es müssen zuerst die Fetzen fliegen, bevor sie sich eingesteht, was sie wirklich will.

Meine Meinung:
Ausgerechnet beim Lesen dieses letzten Bandes der gaaaaanz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, hatte ich das Gefühl es wirklich mit einer Reihe zu tun zu haben, schliesslich ist Nele die Mitbewohnerin von Annika, der Protagonistin aus dem fünften Band und entsprechend kommen einige Figuren aus dem Vorgängerband auch im Abschlussband wieder vor. Und auch Taxifahrer Knut hat einen seiner berühmten Gastauftritte und gibt Nele genau dann, als sie an einem Tiefpunkt angekommen ist, einen lebensverändernden Rat. Gefallen hat mir übrigens vor allem wie konstruktiv Nele mit Konflikten innerhalb ihrer Familie umgeht und wie sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ausserdem haben mir die Einblicke in ihre Arbeit sehr gefallen und vor allem die Szenen mit Rüdiger Hofmann-Klassing, dem Bürgermeisterkandidaten der Durchschnittspartei, haben mich bestens unterhalten. Schade fand ich allerdings, dass Hamburg, das stets mit viel Liebe beschrieben worden ist, nur noch eine Nebenrolle spielt und auch wenn der sechste Band ebenfalls kurzweilig geschrieben ist, wird beim Lesen vor allem eines klar: die Reihe ist definitiv auserzählt.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist einfach ein schöner, unterhaltsamer Reihenabschluss mit einer Prise Romantik und viel Humor. Perfekt für lange Zugstunden und Zwischendurch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 512 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag:Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19198-7

Rezension: Unmöglicher Abschied

Unmöglicher Abschied - Han Kang

Beschreibung des Verlages:
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.

Inhalt:
In der schier unerträglichen Sommerhitze schafft es die Autorin Gyeongha kaum, eine Seite zu schreiben, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Sie wird allerdings immer wieder von einem bedrohlichen Traum aufgesucht: in einer verschneiten Landschaft stehen schwarz eingefärbte Baumstämme, die an einen mit Grabsteinen übersäten Friedhof erinnern. Auch Han Kang erwähnte übrigens in einigen Reden und Interviews, dass ein Traum sie zu diesem Buch inspiriert hat.
Gyeongha erwacht aus ihrem trägen Zustand, als es endlich Herbst wird. Ausserdem hat ihre gute Freundin Inseon einen schweren Unfall und bittet sie, auf die Insel Jeju zu reisen, um sich dort um einen kleinen Vogel zu kümmern, der nicht so lange ohne Wasser überleben kann.
Gyeongha geht der Bitte ihrer Freundin nach und ein plötzlicher Schneesturm droht, das Unterfangen scheitern zu lassen. In Inseons Wohnung auf Jeju angekommen, beginnt die Handlung in fiebertraumähnlichen Sequenzen zwischen Realität und Fiktion zu schwanken und rückt dabei ein brutales Kapitel aus Koreas Geschichte ins Zentrum der Erinnerungen der Protagonistinnen.

Meine Meinung:
Auch dieser sprachgewaltige und gekonnt erzählte Roman der Autorin hat mich sehr für sich eingenommen, berührt und zu eigenen Recherchen angeregt. Die teilweise vernichtenden Kritiken ("zu viel Schnee") kann ich dabei überhaupt nicht nachvollziehen. Es stimmt allerdings, dass man sich beim Lesen auf Han Kangs magischen Realismus, Zeitsprünge und überraschende Wendungen und Elemente einlassen muss. Da dies mein fünfter Roman der Autorin ist, ist mir dies aber überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil; dem heftigen Thema zum Trotz behält Han Kang die ihr typische Leichtigkeit bei und ihre Sätze überzeugen mit grossem handwerklichem Geschick und überwältigender sprachlicher Schönheit. Als Einstieg in ihr Werk empfehle ich das Buch aber nicht. Dafür empfinde ich "Die Vegetarierin" und dann "Menschenwerk" als sehr viel geeigneter.

Schreibstil und Aufbau:
Wie schon in ihrem unglaublich brutalen und aufrüttelnden Roman "Menschenwerk" legt Han Kang auch in "Unmöglicher Abschied" den Schwerpunkt auf ein grauenvolles Kapitel der koreanischen Geschichte und kritisiert dabei vor allem auch die Vertuschungen und den Machtmissbrauch der koreanischen Regierung. Der Schnee in Form von Schneestürmen, Schneeflocken und alle Geräusche verschluckende Schneedecken ist dabei allgegenwärtig und die Handlung besteht aus verschiedenen Ebenen. In der Gegenwart begleiten wir Gyeongha durch den Schnee ins Haus ihrer Freundin, auf der anderen Ebene erzählt Inseon (oder Inseons Geist) von ihren Nachforschungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und somit auch zu den Gräueltaten des Jeju-Massakers von 1948. Bis zum Schluss des Buches bleibt offen, welche in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse Traum und welche Realität sind. Das gekonnte Sprachspiel der Autorin lenkt mit der ihr eigenen Leichtigkeit auf genau die historischen Ereignisse, welche ihr wichtig sind und die Rahmenerzählung nutzt sie eben genau als Rahmen, als Teppich und kunstvolle Metapher.

Meine Empfehlung:
"Unmöglicher Abschied" hat es mir angetan, mich berührt, begeistert und neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht. Ich empfehle das Buch vor allem Fans von Han Kang und empfehle "Die Vegetarierin" als Einstieg in ihr Werk.

Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
Die Vegetarierin
Menschenwerk
Deine kalten Hände
Griechischstunden

Zusätzliche Infos:
Titel:
Unmöglicher Abschied
Originaltitel: 작별하지 않는다 "We do not part"
Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Koreanischen von: Ki-Hyang Lee
Hardcover: 315 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Veröffentlichung: 12.08.2026
ISBN: 978-3-7466-4348-9

Rezension: Mini Horror

Minihorror - Barbi Marković

Beschreibung des Verlages:
Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und nicht mehr schließen will.
In «Minihorror» setzt Barbi Marković den Angstarbeiter:innen unserer Gesellschaft ein Denkmal aus Perfidie und Mitgefühl, bei dessen Lektüre wir uns gleichermaßen ertappt und verstanden fühlen.

Inhalt:
In zahlreichen kurzweiligen Kapiteln widmet sich Barbi Marković dem ganz alltäglichen Horror, der sich aus scheinbar harmlosen Situationen entwickeln kann. Der Anfang eines jeden Kapitels kommt dabei (meistens) komplett unscheinbar daher und plötzlich kippt die Geschichte und eskaliert zu einer schaurig-skurrilen Erzählung, die Spass macht und dabei auch immer wieder wichtige und uns oft auch nur zu bekannte Themen wie Rassismus, eigene Privilegien, Beziehungen und Familie vor Augen führt.

Meine Meinung:
Schon sehr lange einmal wollte ich ein Buch von Barbi Marković lesen. Nach Anetts begeisterter Rezension zu "Minihorror" habe ich mir das Buch sofort gekauft. Anfangs musste ich mich ein wenig an den eher speziellen Stil gewöhnen, habe dann aber immer mehr Spass empfunden beim Lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Marković es schafft, aus den banalsten Situationen - wie Familientreffen, Spaziergänge, Katzenbegegnungen - Gedankenspiele zu machen, die plötzlich unheimlich, gruselig und bedrohlich werden. Immer dabei sind ihre Hauptfiguren Mini und Miki, die das Leben mehr oder weniger Seite an Seite verbringen und die Szenarien meistens auch ziemlich lebend aber definitiv nicht immer unversehrt überstehen. Im Anhang hat die Autorin noch weitere Texte und Horrorszenarien mit unterhaltsamen Skizzen versammelt.

Meine Empfehlung:
Von ein wenig schrägen bis komplett verstörenden Szenarien hat Marković einfach alles in ihren Texten versammelt. Der Humor ist dunkelschwarz und jeder Satz ist vom ersten bis zum letzten Wort durchdachte und höchste erzählerische Kunst. Die Kapitel sind kurz und oft auch nachdenklich stimmend.
Auf dieses kurze Büchlein muss man sich einlassen. Und dann sind der Genuss und natürlich der Horror um so grösser.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Minihorror
Autorin: Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erschien ihr Debüt «Ausgehen», noch als Übersetzung aus dem Serbokroatischen, 2016 dann der Roman «Superheldinnen», der unter anderem mit dem Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde; fünf Jahre später folgte «Die verschissene Zeit». Für «Minihorror» erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Sie lebt in Wien.
Taschenbuch: 192 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 13.05.2025
ISBN: 978-3-499-01692-9

Rezension: Tierische Profite

Tierische Profite - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobiltà (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022)
  32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
  33. Feuerprobe (2024) 

Beschreibung des Verlages:
Ein toter Mann, der von niemandem vermisst wird, weder von den Venezianern noch von Touristen. Und ein teurer Lederschuh am Fuß dieser Leiche. Brunetti muss all seine Menschenkenntnis aufbieten und sein ganzes Kombinationstalent, um diesen Fall zu lösen, der ihn bis aufs Festland nach Mestre führt.

Inhalt:
Nicht nur von seiner mittlerweile fast komplett vegetarisch lebenden Tochter, auch von seiner Arbeit wird dem empathischen Kommissar Brunetti der Fleischkonsum immer madiger gemacht. Sein aktuellster Fall führt ihn nämlich in verschiedene Tierarztpraxen und einen Schlachthof in Mestre. Vor allem letzterer hinterlässt bleibende Eindrücke und obwohl schnell klar wird, womit es Brunetti in diesem Fall zu tun haben könnte, tauchen doch bis zum Schluss noch neue Entdeckungen und Zusammenhänge auf.

Meine Meinung:
Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven und doch finde ich es um so wichtiger, dass Menschen, welche Fleisch und/oder tierische Produkte konsumieren, sich mit der Haltung und Schlachtung von Tieren auseinandersetzen. Und auch wenn zu hoffen bleibt, dass nicht auf allen Schlachthöfen so fürchterliche Zustände herrschen, wie in Mestre in diesem Krimi, so bleibt die industrielle Tötung von Tieren doch ein schmutziges Geschäft. Schmutzig geht es aber auch innerhalb der Leitung des Schlachthofes zu und nach einem Leichenfund, der Brunetti zuerst vor einige Rätsel stellt, muss der Kommissar immer tiefer in Machenschaften herumwühlen, deren Wurzeln bis ganz nach oben reichen. Also genau so, wie wir es uns von einem richtigen Brunetti-Krimi erhoffen. Gegessen und das eine oder andere Gläschen Prosecco und Wein getrunken wird ebenfalls, Patta wütet wieder und sogar Paola Brunetti ist in einen eigenen beruflichen Feldzug involviert, sodass es definitiv niemandem langweilig wird, weder den Figuren, noch uns Lesenden.
Am Ende des Buches hatte ich übrigens einfach nur Mitleid. Mit dem menschlichen und den tierischen Opfern des Romans und generell mit den Opfern von Systemen, welche von einer kleinen Gruppe von skrupellosen, von Gier getriebenen Menschen gesteuert werden, um andere auszubeuten und zu unterdrücken.

Meine Empfehlung:
Auch dieser packende, nachdenklich stimmende Roman hat mich überzeugt und ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Brunetti-Krimi. Zum Glück habe ich noch etwas mehr als zehn weitere Bände vor mir.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Tierische Profite
Originaltitel: Beastly Things
Autorin:
Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 336 Seiten 
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2014  
ISBN: 978-3-257-24302-4