Rezension: Der Pudel, der mich liebte

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag Blanvalet via Bloggerportal zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.

Der Pudel, der mich liebte - Nicolas Robin

Beschreibung des Verlages:
Was tun, wenn man über 40 und arbeitslos ist, eben von seiner Freundin verlassen wurde und sich plötzlich um einen fremden Pudel kümmern muss? Das fragt sich Rolands Nachbar. Roland ist nämlich tot. Und obwohl sie kaum ein Wort miteinander gesprochen haben, scheint Roland ihn geschätzt zu haben: Er hat seinem Nachbarn nicht nur seinen Hund anvertraut, sondern auch die Urne mit seiner Asche, die er nun in die Normandie bringen und ins Meer leeren soll. Es ist der Beginn einer todkomischen Odyssee, um Pudel und Asche unbemerkt loszuwerden. Vor allem ist es aber der Anfang eines neuen Lebens für einen Mann, der auf vielen Umwegen endlich das findet, was er nie gesucht hat: die Liebe und das Glück.

Meine Meinung:
Roland ist tot. Mit diesem Satz (übrigens auch der Originaltitel dieses Buches, natürlich in französischer Sprache) beginnt jedes Kapitel von "Der Pudel, der mich liebte" und als wäre der einsame Tod dieses älteren Herren nicht schon aufregend genug, bekommt Rolands Nachbar zuerst den Pudel und später die Asche des Verstorbenen überreicht. In diesem dünnen Büchlein, das Einsamkeit in verschiedenen Lebenssituationen, Liebe, Freundschaft und das Sterben und den Tod thematisiert, kommt trotz den eher düsteren Themen eine so skurrile Tragikkomik auf, dass ich fast keine Lesepausen einlegen konnte. Denn auch wenn die Geschichte mit einem würdelosen Todesfall beginnt und auch wenn der ich-erzählende Nachbar des Verschiedenen selber in einer Spirale aus Pech und Pornos festhängt, so ist doch die Tatsache, dass er - ohne seinen Nachbarn wirklich gekannt zu haben - dessen Asche erbt, wirklich total schräg.  
Letztendlich geht es aber in diesem Buch darum, dass das Sterben zum Leben dazugehört und dass wir alle hunderte von Chancen zu bekommen, unser Leben zu leben und anzupacken, bevor es dafür zu spät ist. Es geht um die Liebe, die man manchmal findet, wo man sie nicht erwartet und um Freundschaften, Familientragödien und fast schon menschlich agierende Haustiere. Dieses Buch hat mir einfach Freude bereitet, Charme asugestrahlt und zum Nachdenken angeregt. Wenn wir nämlich das Leben nicht immer so todernst nehmen, erfahren wir manchmal ein Glück, nachdem wir vorher stets vergeblich gesucht haben.

Schreibstil und Handlung:
Der repetierte Satz "Roland ist tot." sorgt stets dafür, jedes Kapitel von Grund auf neu aufzubauen. Genau so, wie andere Repetitionen, die unendlich komisch wirken und manchmal so absurd sind, dass man erst einmal darauf kommen muss (beispielsweise Rolands Nachbar, der sich von wildfremden Menschen verurteilt fühlt oder die stets gleich ablaufenden Handlungen der geschauten Pornos), ist auch diese Repetition ein gekonnt gewähltes Stilmittel. Die Handlung rast nur so voran, eine unvorhersehbare Szene jagt die nächste und dann sorgt dieses Stilmittel für Ruhe, einen neuen, geordneten Aufbau und auf das Besinnen auf die wirklich essentiellen Dinge im Leben.
Robert ist tot. Und sein Nachbar findet und beherbergt zuerst dessen Hund (den er loszuwerden versucht) und dann dessen Asche in ihrer Urne (die er loszuwerden versucht). Natürlich bleibt er auf beiden Dingen sitzen, egal, was er unternimmt, sie loszuwerden. Und plötzlich muss er sich mit einer neuen tierischen Mitbewohnerin und einem letzten Willen auseinandersetzen. Beides Dinge und Situationen, mit denen er nie gerechnet hätte. Und so überstürzen sich die Ereignisse manchmal und manchmal werden Szenen aus der Vergangenheit erzählt, die uns Rolands Nachbarn näher bringen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist nicht zum Schreien komisch, dieses Buch ist von einem stillen, manchmal fast schon poetischen Humor. Es ist typisch französisch, charmant, tragisch und komisch zugleich und es regt zum Nachdenken an und lädt zum Schmunzeln ein. "Der Pudel, der mich liebte" passt somit als leichte Lektüre mit morbidem und traurigem Hintergrund in kein Raster und sticht genau deshalb aus der Masse heraus. Eine herzliche Leseempfehlung von mir.

Zusätzliche Infos:
Titel: Der Pudel, der mich liebte
Originaltitel: Roland est mort
Autor: Nicolas Robin, geboren 1976 in Les Landes im Südwesten Frankreichs, hat sehr früh entschieden, dass er Flugbegleiter werden wollte, um die Welt bereisen zu können. Der Pudel, der mich liebte ist sein erster Roman in deutscher Sprache.
Paperback, Klappenbroschur: 208 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Französisch
Übersetzt von: Doris Heinemann
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 23.04.2018
ISBN: 978-3-7645-0616-2 

Mein SuB kommt zu Wort, 20.6.18

"Mein SuB kommt zu Wort" 
Hallo ihr Lieben

Nach einer kurzen Pause sind auch wir heute wieder bei Annas wundervoller SuB-Aktion dabei. Dies dient vor allem dazu, von euch allen angespornt zu werden, bis zum Ende des Monats wieder ein wenig abzunehmen. Aktuell verzeichnen wir nämlich ein kleines Plus (aber das wird noch abgebaut, ganz klar).
Bald werde ich zu einer Grillparty gehen und freue mich schon auf ein entspanntes Abendessen. Vorher lasse ich deshalb noch SuBrina an die Tasten und werde euch dann morgen oder spätestens am Wochenende ein paar Besuche abstatten :-)


Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)
Ein grosses Hallo in die Runde auch noch von mir. Ich freue mich schon, mich wieder ein wenig mit euch auszutauschen. Tatsächlich mag ich euch eigentlich gar nicht erzählen, wie viele Bücher ich umfasse. Wir wollen aber ehrlich sein miteinander und deshalb: 154. Mich stört das sehr, weil Livia in den letzten Tagen viele Neuzugänge erhalten hat, die sie nun natürlich bevorzugt behandelt, während meine Schützlinge verstauben... Geht gar nicht!
Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeige mir deine drei neuesten Schätze!
 
"Die Chocolaterie der Träume" von Manuela Inusa hat Livia sich selber gekauft, weil sie "Der zauberhafte Trödelladen" als Rezensionsexemplar erhalten hat. Ebenso ein Rezensionsexemplar (beide übrigens via Bloggerportal) ist "Der Pudel, der mich liebte" von Nicolas Robin.

Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Gerade gestern hat Livia "Helle Nächte am Meer" von Sheila O'Flanagan ausgelesen und auch schon eine Rezension getippt. Das Buch war ein Rezensionsexemplar und lag nicht einmal zwei Wochen hier, wurde also gar nicht erst in einer SuB-Statistik erfasst. Es hat Livia sehr gut gefallen und sie empfiehlt es euch gerne weiter.

Lieber SuB, gibt es einen Verlag, der bei dir besonders häufig zu finden ist?
Wir haben das einmal ganz genau angeschaut und finden verschiedenste Verlage ziemlich oft hier. Grundsätzlich ist es aber total vielseitig und insgesamt ausgeglichen verteilt, weshalb kein einziger Verlag hervorsticht. 
Wie sieht es denn bei euch aus? Gibt es Verlage, die besonders oft auf eurem SuB zu finden sind? Und wie steht es um euch SuBs und eure SuB-Frauchen und - Herrchen?

Ganz liebe Grüsse an alle und habt noch einen schönen Abend
Livia und SuBrina

Rezension: Helle Nächte am Meer

 
Ich danke dem Inselverlag von Herzen für dieses wunderschöne Rezensionsexemplar.

Helle Nächte am Meer - Sheila O'Flanagan

Beschreibung des Verlages:
Ihre Ehe ist perfekt, ihr attraktiver Ehemann trägt sie auf Händen, sie hat immer betont, wie glücklich sie ist: Als Imogen plötzlich verschwindet sind alle, die sie kennen, schockiert. Hinter der wohlgeordneten Fassade einer glücklichen Beziehung ist offenbar nichts, wie es scheint. Imogen weiß, dass sie einen Neuanfang wagen muss, um wieder die Frau zu sein, die sie einmal war, und sie hofft, im Süden Frankreichs, in dem kleinen Ort am Meer, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat, zur Ruhe zu kommen. Aber die Vergangenheit ist ihr auf den Fersen, denn ihr Mann versucht mit aller Macht, sie zurückzuholen.
Sheila O’Flanagan erzählt eine mitreißende Geschichte von Liebe und Verlust, von Träumen und Freundschaft und nimmt uns mit auf eine Reise ins Ungewisse, von Dublin über Paris bis an die französische Atlantikküste.

Meine Meinung:
Einmal mehr bin ich schwach geworden, einmal Mee(h)r, wohl eher. Aber was will man sagen, wenn ein Buch so sommerlich daherkommt und zudem eine tiefgründige, spannende und intelligente Geschichte verspricht? Und genau damit wurde ich dafür belohnt, gegen sämtliche meiner SuB-Regeln verstossen zu haben. Die Protagonistin Imogen hat sich sofort in mein Herz geschlichen und schnell ist klar, dass man es als Leser nicht mit einem typischen Liebesroman noch Schema f zu tun hat, bei dem die Protagonistin mit einem Idioten zusammen ist (ist er zwar, aber das ist wirklich kompliziert) und man sich eigentlich fragen kann, warum die beiden überhaupt zueinandergefunden haben. Natürlich kann man sich das immer fragen, aber hier liegen die Dinge meiner Meinung nach anders und der ganze Aufbau der Geschichte ist somit sehr stimmig und vor allem auch logisch gestaltet. Sehr gut haben mir aber auch die anderen Figuren gefallen, die Imogen nach und nach ans Herz wachsen. Beispielsweise Céline, Max und René. Ausserdem ist es O'Flanagan meisterhaft gelungen, Ereignisse in der Vergangenheit, verschiedene Erzählperspektiven und ganz viel Ferienflair unter einen Hut zu bringen und zu einer überzeugenden, romantischen und spannenden Geschichte zu vereinen. 

Schreibstil und Handlung:
Obwohl meistens aus Imogens Sicht erzählt wird, kommen auch andere Figuren zu Wort und so erfährt der Leser nicht nur, wie sich gewisse Dinge zusammenfügen, sondern auch, was in Imogens Vergangenheit bereits alles stattgefunden und sie zu diesem Menschen gemacht hat, der sie jetzt ist. Nicht nur eine schöne und unbeschwerte Kindheit in der Villa Martine, sondern auch viele Enttäuschungen, Entwurzelungen und Verletzungen haben dazu geführt, dass Imogen nicht mehr gleich unbeschwert und selbstbewusst durchs Leben geht. Aber sie kann auf gute Freunde und die Lebensweisheiten ihrer Mutter zählen, als sie endlich einen Neustart wagt. Dieser gestaltet sich für den Leser abenteuerlich und spannend und dabei kommt auch eine grosse Portion Ferienflair auf. Traumhaft schöne Landschaften, französische Noblesse und kulinarische Genüsse gestalten diese Lektüre sehr angenehm und trotzdem kommen auch tragische Ereignisse, viel Schmerz und Enttäuschung dabei nicht zu kurz. Was muss alles geschehen, dass eine Frau ihren Mann nach fünf Jahren scheinbar perfekter Ehe verlässt, indem sie einfach spurlos verschwindet?
Erzählt wird "Helle Nächte am Meer" in einem leicht dahinfliessenden Stil, der vor allem die Landschaften, Personen und Düfte genau beschreibt und trotzdem viel Raum für eigenes Kopfkino lässt. Zudem sind die Emotionen sehr authentisch dargestellt und gerade auch die stillen und einsamen Momente von Imogen, die Momente, in denen sie sich erinnert oder in denen sie sich und ihre Pläne hinterfragt, haben mich sehr berührt.
Zusätzlich zumindest für mich ein grosses Plus: immer wieder wird auch die Liebe zu Büchern, dem Buchwesen, dem Lektorat und dem Lesen an sich ganz selbsverständlich eingebunden und sorgt so für eine angenehme Atmosphäre in guter Gesellschaft der belesenen Protagonisten.

Meine Empfehlung:
"Helle Nächte am Meer" ist die perfekte Urlaubslektüre, weil darin ganz viel französischer Charme und irische Kühnheit aufeinandertreffen und weil Imogen als Protagonistin äusserst nahbar wirkt und sich ihre Geschichte zugleich so unterhaltsam und trotzdem fragil und spannend liest. Aber natürlich kann dieses Buch nicht nur am Strand (am besten in Frankreich, klar) gelesen werden, sondern lässt sich dank dem angenehmen Erzählstil und den eher kurzen Kapiteln auch wunderbar gemütlich auf der Couch, im Zug oder in die Kuscheldecke eingemümmelt verschlingen. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Helle Nächte am Meer
Originaltitel: The Missing Wife 
Autorin: Sheila O’Flanagan arbeitete viele Jahre sehr erfolgreich als Börsenmaklerin in Dublin, bevor sie ihre Lust am Schreiben entdeckte. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane veröffentlicht und ist in England und Irland eine gefeierte Bestsellerautorin. Nebenbei schreibt sie eine wöchentliche Kolumne in der »Irish Times«.
Taschenbuch: 481 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Susann Urban
Verlag: Insel Taschenbuch
Erschienen: 07.05.2018
ISBN: 978-3-458-36341-5 

Rezension: Der Gedankenspieler

https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-gedankenspieler/978-3-462-05177-3/ 
Ich danke dem Verlag Kiepenheuer&Witsch sehr herzlich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

Der Gedankenspieler - Peter Härtling

Beschreibung des Verlages:
Peter Härtlings letztes Buch: ein bewegender Roman über das Alter, die Freundschaft und die Einsamkeit.
Johannes Wenger, ein achtzigjähriger alleinstehender Architekt, ist gestürzt und seither auf den Rollstuhl und Pflege angewiesen. Das kratzt an seinem Selbstbild, macht den Alltag mühsam und lässt viel Raum für Einsamkeit und Wehmut. Sein junger Hausarzt Dr. Mailänder jedoch hält dagegen und Wenger am Leben, holt ihn zurück in die Welt und lädt ihn mit seiner Familie zu einem gemeinsamen Osterurlaub ein. Wie der grantige Alte auf diese Einladung reagiert, ist meisterhaft erzählt. Und was alles geschehen kann, wenn man mit einem kauzigen Rollstuhlfahrer, der gedanklich in ständigem Austausch steht mit historischen Figuren wie den Architekten Karl Friedrich Schinkel oder Mies van der Rohe, an den Strand von Travemünde reist, ist ein großes Leseerlebnis voller Komik und Melancholie.
Mit viel Gefühl, genauem Blick und voller Selbstironie nimmt Härtling seine Leser mit in die Mühsal des Alters, die sich auch in seinen Träumen spiegelt, um deutlich zu machen, welch großes Glückspotenzial auch diese Lebensphase besitzt.

Meine Meinung:
Ich weiss nicht, ob ich ohne Instagram überhaupt auf dieses Buch aufmerksam geworden wäre. Wirkt es doch mit seinem wunderschönen aber doch eher blassen Cover nicht ganz so reisserisch im Regal und thematisiert es doch Dinge, die uns zwar alle betreffen, denen wir aber gerne ausweichen. Das Alter beispielsweise. Der Zerfall, die Gebrechlichkeit, die Hilflosigkeit, die Regungslosigkeit und Ohnmacht, die mit dem Alter einhergehen können. Gerade aber weil auch Freundschaft und Lebenswille, eine beeindruckende Flexibilität in der Gedankenwelt und die Weitsicht und Weltanschauungen eines Kindes eine grosse und vor allem sehr positiv behaftete Rolle spielen, lohnt es sich, dieses autobiographisch angehauchte Buch zu lesen.
Beim Lesen habe ich mich schmerzlich mit Gedanken um Sinn und Unsinn aller medizinischer Errungenschaften (die zwar so im Buch nicht allzu konkret aufgeworfen werden, sich aber aufgrund der Präsenz der teilweise sehr invasiven Therapien doch aufdrängen) auseinandersetzen müssen, bin aber auch bestens vom zynischen und selbstironischen "Gedankenspieler" und der herzlichen und typisch kindlich-altklugen Katharina unterhalten worden.

Schreibstil und Handlung:
Die in Gedanken formulierten und teilweise auch zu Papier gebrachten Briefe des Ich-Erzählers an bekannte Persönlichkeiten und Sagenfiguren, wie auch die Lebensumstände des alternden Protagonisten, weisen starke Parallelen zur Biografie des Autors auf und lassen trotzdem dennoch sehr viel Spielraum für Gedankenexperimente und Fiktion. Darauf wird im fundierten Nachwort des Herausgebers, der intensiv mit Peter Härtling zusammengearbeitet hat, hingewiesen. Ich schätze solche zusätzlichen Informationen und Hintergründe jeweils sehr.
Mit Langsamkeit und sehr würdevoll nähert sich der Autor einem Alltag, den er so oder ähnlich sehr gut kennt. Erwachsenenwindeln und Wein, Zuckermessungen und Rollstühle. Aber ein Leben ist immer nur so lebenswert, wie man es sich selber gestaltet. Und so bestimmt der Ich-Erzähler seine Gedanken selbst, gibt sich ihnen hin und lässt andere daran teilhaben und zeigt damit auf, dass ein junggebliebener und wacher Geist, dass Freundschaften und ein Kinderlachen für so viele Unannehmlichkeiten entschädigen können.

Meine Empfehlung:
Wenn alles gut geht und wir die nächsten paar Jahre überleben, wird es uns alle ereilen, das Alter. Und während einige im Alter von achzig Jahren noch täglich Yoga praktizieren und ab und an ihre Bahnen im Schwimmbad ziehen, sind andere da schon längst auf den Rollstuhl und auf Pflege angewiesen. Aber was bleibt, wenn eben nur noch das täglich Essen auf Rädern und die spärlichen Besuche der Angehörigen und Freunde den Alltag bestimmen? Im besten Fall schnelle und kluge Gedanken und eine Freundschaft, die einen durch die hellen und dunklen Tage trägt. Und genau weil uns "Der Gedankenspieler" aufzeigen kann, wie würdevoll und abenteuerlich das Altern sein kann, ist es jede Sekunde wert, die man mit diesem Buch verbringt, weshalb ich es euch sehr herzlich empfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel: Der Gedankenspieler
Autor: Peter Härtling, geboren 1933 in Chemnitz, arbeitete als Redakteur bei Zeitungen und Zeitschriften.1967 wurde er Cheflektor des S. Fischer Verlages in Frankfurt am Main und war dort von 1968 bis 1973 Sprecher der Geschäftsführung. Seit 1974 arbeitet er als freier Schriftsteller. Das gesamte literarische Werk von Peter Härtling ist lieferbar im Verlag Kiepenheuer & Witsch, zuletzt erschienen »Liebste Fenchel! Das Leben der Fanny Hensel-Mendelssohn in Etüden und Intermezzi«, 2011, und »Tage mit Echo. Zwei Erzählungen«, 2013. Peter Härtling wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Hessischen Kulturpreis 2014 und dem Elisabeth-Langgässer-Preis 2015. Peter Härtling verstarb am 10. Juli 2017.
Gebunden, mit Schutzumschlag: 240 Seiten 
Sprache: Deutsch
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erschienen am: 08.03.2018
ISBN: 978-3-462-05177-3

Pure Erleichterung

Liebe Leserinnen und Leser

Pure Erleichterung ist es, die am Dienstag von mir Besitz ergriffen hat. Einige von euch haben sicher mitbekommen, dass mein Mai extrem arbeitsintensiv war und ich mich mit all meiner Energie auf meinen Abschluss vorbereitet habe. Dieser Abschluss, mein Diplomkonzert, war nicht nur ein voller Erfolg, sondern wurde von der Jury und meiner Studiengangsleitung auch mit einer Auszeichnung gewürdigt, was mich natürlich besonders freut.

Nach Tagen, an denen ich - zusätzlich durch Fieber, Hals- und Kopfschmerzen und heftigen Husten geschwächt - kaum zum Essen und Schlafen kam, bot ich meine letzten Kräfte auf, um am Dienstag alles zu zeigen, was ich in sieben Jahren Studium gelernt und aufgebaut habe.
Am Dienstagabend nach meinem Diplomkonzert bin ich dann mit ganz vielen wunderbaren Menschen aus meiner Studienzeit, meiner Zeit am Gymnasium und meinem Umfeld in Bern, sowie meinen Eltern und dem Liebsten noch bis spät in der lauen Abendluft gestanden, habe mich ausgetauscht und beim Stehapéro verköstigt und durfte nachher mit einer meiner besten Freundinnen, meinem besten Freund und dem Liebsten noch mitternächtliche Pasta futtern. Dann ging es - blumenbekränzt - nach Hause, wo am Mittwochmorgen dann der Abschluss mit weiteren wunderbaren Menschen und einem vorzüglichen Champagnerbrunch gefeiert wurde. Noch immer kann ich kaum glauben, wie viel Gutes mir in diesen sieben Jahren widerfahren ist, welch wundervollen Menschen ich begegnen und welch lehrreiche Erfahrungen ich machen durfte. 

Ausserdem bin ich immer noch komplett überwältigt von den Blumen, Karten und Geschenken (darunter ein ganz zufällig ins Schwarze treffende Geschenk: "Kafka am Strand" von Murakami), die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Auf den Bildern ist noch gar nicht alles erfasst. Aber ich zeige sie euch trotzdem einmal:
 
Und was von Musikern nicht oft gefragt wird, weil wir die Szene kennen und wissen, dass es den meisten von uns genau gleich geht, von Nichtmusikern aber um so mehr: und nun?

Und nun werden weiterhin Projekte augetüftelt, Schülerinnen und Schüler unterrichtet und Probespiele für Orchester bestritten. Planen kann man ein Musikerleben nicht. Wo ich in einem Jahr lebe und was ich dann arbeite, weiss ich ebenfalls nicht genau. Der Vorteil von so viel Selbstständigkeit ist aber auch der, dass man selber Projekte planen oder angebotene Projekte annehmen oder ausschlagen kann.
Auf diese Zeit und auf eine sehr selbstbestimmte, wenn auch aber natürlich komplett unsichere Zeit, freue ich mich schon sehr und wer weiss, vielleicht bieten sich ja bald neue Chancen, die ich packen kann und neue Herausforderungen, denen ich mich stellen darf.


Bis ich mir ein wenig freie Zeit verdient habe, gibt es aber noch einiges zu tun. Denn obwohl "meine" Ferien Mitte Juli beginnen, muss bis dahin jobtechnisch noch vieles erledigt werden:
  • Bis Ende Juni werde ich mit meinem Trio ein grosses und finanziell aufwändiges Konzertprojekt planen
  • Dann darf ich fünf neue Schülerinnen und Schüler bezüglich Instrumentenmiete beraten und in meiner Klasse willkommen heissen
  • Dann muss ich - das mag ich nämlich nicht so gerne - Stundenpläne erstellen 
  • Ich werde meinen CV aktualisieren (neuer Master vermerken, jeaaah)
  • Und viele Bewerbungen schreiben

Und dann habe ich ein paar Herzens- und ein paar Pflichtpläne für den Sommer, die ich euch nicht vorenthalten möchte:
Zuerst einmal gilt es, die Wohnung nach und nach auf Vordermann zu bringen. Zusammen mit dem Liebsten stehen ein paar längst überfällige Projekte an und auch ich selber habe ein paar Dinge, die ich wirklich endlich, endlich erledigen möchte. Unter anderem erwarten uns diese Tätigkeiten:
  •  Kleiderschrank entrümpeln
  • Musikzimmer neu einräumen (unser Mitbewohner auf Zeit verlässt uns, weshalb ich wieder ein Arbeitszimmer für mich haben werde)
  • Schränke aufräumen
  • Fenster putzen.....
  • Bücherregal entrümpeln (das wird meine Baustelle)
Und dann habe ich ein paar Dinge schon zu lange geplant und dann doch nicht getan. Unter anderm möchte ich nämlich alle Kleidungsstücke umnähen, die ich schon lange einmal umnähen wollte und dann kommen noch ein paar bürokratische Dinge auf mich zu, die ich nun, da ich nicht mehr 25 und bald auch schon offiziell keine Studentin mehr bin, erledigen muss. 
Vor allem aber will ich lesen, lesen, lesen, ein paar Blogprojekte planen und hier wieder einmal ein paar kleine Änderungen vornehmen oder Dinge neu gestalten. Und ganz wichtig: ich habe soooo ungern aber leider notgedrungen auf längere Besuche auf euren Blogs und bei Instagram verzichtet und freue mich darauf, dies schon heute Abend und am Wochenende endlich einmal nachzuholen :-)

Ferientechnisch bin ich auch noch sehr offen und vielleicht sogar ausnahmsweise einmal langweilig, aber vor allem entspannt: kleinere Ausflüge in die Umgebung und Besuche bei Familien und Bekannten unternehmen wir nämlich sicher, Ferien sind aber bis jetzt keine geplant und dies ist auch gut so. Balkonien wurde nämlich in den letzten Tagen, Wochen, vielleicht sogar Jahren, zu wenig genutzt und das darf sich nun endlich ändern. Ich freue mich so.

Seid ihr übrigens interessiert an einer Sommerleseliste? Ich habe bei einigen von euch schon solche Listen auf den Blogs gesehen. Vielleicht gönne ich es mir wieder einmal, mein Lesen ein wenig zu planen und dann doch wieder alles umzukrempeln :-)

Und nun schreibt mir bitte, was habe ich verpasst? Was plant ihr im Sommer? Was lest ihr und welche Bücher stehen bei euch auf der Sommerleseliste?

Alles, alles Liebe und auf bald
Livia