Rezension: Ich bin Linus

Ich bin Linus, wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war - Linus Giese

Beschreibung des Verlages:
Ein Satz, der wie eine Selbstverständlichkeit klingt – «Ich bin Linus» –, doch er teilt sein Leben in ein Davor und Danach. Auf beeindruckende Weise erzählt Linus Giese, warum er einunddreißig Jahre alt werden musste, um laut auszusprechen, dass er ein Mann und trans ist und warum sein Leben heute vielleicht nicht einfacher, aber sehr viel glücklicher ist.
«Wer verstehen will, welche verschlungenen Wege es manchmal sein können, auf denen sich die eigene Identität entdecken lässt, wer verstehen will, wie sich eine Person immer wieder neu finden kann, wer verstehen will, was es heißt, trans zu sein, dass das nicht nur im Singular, sondern im Plural existiert, dass es ein ganzes Spektrum gibt, wie sich als trans Person leben, denken und lieben lässt – all denen sei dieses Buch ans Herz gelegt.» (Carolin Emcke)
Eigentlich ahnt er es seit seinem sechsten Lebensjahr. Doch aus Sorge darüber, wie sein Umfeld reagieren könnte und weil ihm Begriffe wie trans, queer, nicht-binär fehlen, verschweigt Linus lange, wer er wirklich ist. Mit dem Satz «Ich bin Linus» beginnt im Sommer 2017 sein neues Leben, das endlich nicht mehr von Scham, sondern Befreiung geprägt ist. Offen erzählt Linus Giese von seiner zweiten Pubertät, euphorischen Gefühlen in der Herrenabteilung, beklemmenden Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, Selbstzweifeln, Freundschaft und Solidarität, von der Macht der Sprache und digitaler Gewalt. Seit seinem Coming-Out engagiert sich Linus für die Rechte von trans Menschen. Vor allem im Netz, aber nicht nur dort, begegnet ihm seither immer wieder Hass. Doch Schweigen ist für ihn keine Option.
«Linus Giese erzählt seine Geschichte so offen, mutig und spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Ich sage das nicht oft, aber: Hören Sie diesem Mann zu.» (Margarete Stokowski)

Inhalt:
Manchmal sind wir uns selber ein Gefängnis. Manchmal sehen wir nicht das in uns, was andere schon lange erkannt haben. Und manchmal wissen wir nicht, dass es möglich ist, unsere tiefsten Träume und Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen und uns neu zu erschaffen. So ist es Linus ergangen. Linus, der - wie so viele von uns - von Geschlechterrollen geprägt ist. Mädchen können im Einkaufszenter zwischen Spielwaren und Kleidung in pink und lila wählen, Jungs bleiben grün und blau vorbehalten. Männer benehmen sich so, Frauen halt anders. Dass man diese Bilder aufbrechen kann, mit den Rollen und Attributen spielen darf und soll, das wird vielen von uns, die sich in ihrem - von Geburt an von der Aussenwelt zugeschriebenen - Geschlecht wohl fühlen und vielleicht sogar noch weiss und heterosexuell sind, gar nie klar. Und was es bedeutet, diesen Schritt zu wagen und sich auf die Suche nach sich selber und einem ganz neuen Frauen- oder Männerbild und den zahlreichen Kombinationen und Möglichkeiten dazwischen zu machen und dies darüber hinaus noch in die Öffentlichkeit zu tragen, können sich viele von uns nicht annähernd vorstellen. Aber Linus hat es getan. Linus ist der Mann geworden, der er schon immer war und durch die Dokumentation seines Weges in den sozialen Medien und nun auch in Buchform ist er nicht nur verletzlich und angreifbar, sondern gleichzeit und vielmehr genau das Vorbild für zahlreiche Menschen geworden, das er sich als Kind gwünscht hätte.

Über Linus:
Es freut mich sehr, dass ich Linus seit eingen Jahren von Instagram kenne und auch seinem Buchblog schon länger folgen darf. Seine Buchtipps sind Gold wert und blicken stets über den heteronormativen Tellerrand hinweg, was ich natürlich nicht nur als Pädagogin sondern einfach nur als Mensch als um so bereichernder empfinde. Sehr gerne wollte ich deshalb auch "Ich bin Linus" lesen und kann selber kaum glauben, dass ich das Buch - abgesehen von den letzten dreissig Seiten, die ich dann gestern noch gelesen habe - innerhalb eines (vollen) Arbeitstages verschlungen habe. HIER berichtet er übrigens auch über sein Leben als trans Mann, klärt auf, erzählt von Behördengängen und Anfeindungen im Netz und verlinkt und vernetzt hilfreiche Internetseiten, Beratungsstellen und Vorbilder. 

Meine Meinung:
"Ich bin Linus" ist ein positives Buch, das einen nicht ganz einfachen Weg zeigt, aber ermutigt, diesen Weg um jeden Preis zu gehen und sich dadurch selber zu befreien. Linus berichtet aber auch über unschöne Seiten seines Weges, beispielsweise über die Ablehnung, die er durch die Aussenwelt aber auch manchmal sich selber erfahren hat, die Hasskommentare, die Verfolgung und auch die Gewalt mit der trans Menschen immer noch begegnet wird. Dies hat mich tief berührt und sprachlos gemacht und bei den Seiten, in denen Linus über sein Datingverhalten spricht, wollte ich ihn einfach nur in den Arm nehmen und sagen "du bist gut, du bist genug, du hast alles Glück und alle Liebe der Welt verdient".
Sehr informativ werden ausserdem Behördengänge, medizinische Möglichkeiten und Tipps und Tricks für den Alltag beschrieben. Was sich an Regeln und Gesetzen so absurd und skurril liest, ist für zahlreiche Menschen, die sich mitten in ihrer körperlichen und/oder sozialen Transition befinden, bittere und alltägliche Realität. Diese Diskriminierung muss wirklich ein Ende haben. Ist es denn so schwierig, Menschen in ihrem eigenen Werden und Sein zu unterstützen? Linus macht es uns besonders einfach (was zusätzlich zum packenden Stil für diese Lektüre spricht): er liefert praktische Tipps, wie man sich sprachlich richtig ausdrücken, für trans Menschen einen sicheren Hafen schaffen und sie auf ihrem Weg unterstützen kann. Ausserdem finden sich im Anhang noch weiterführende Buchtipps.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch zeigt auf, was es bedeutet, in Deutschland trans zu sein. Was es bedeutet, einen so grossen und wichtigen Schritt auf sich selber zuzugehen und wie sehr Intoleranz und Diskriminierung im sich selbt als fortschrittlich bezeichnenden Westeuropa immer noch unsere Sprache, eine medizinische Routinekontrolle, unsere öffentlichen Gebäude, unser Verhalten und unsere Denkmuster prägen. Abgesehen davon, dass Linus ein wundervoller Mensch ist und dass es sich lohnt, ihm zuzuhören (egal, über was er spricht), hilft dieses Buch auch, sich alltäglichen Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu werden und diese aufzubrechen, um Raum für mehr Akzeptanz und Sicherheit zu schaffen. Schaut dazu auch unbedingt HIER vorbei.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ich bin Linus
Autor: Linus Giese ist studierter Germanist und arbeitet seit November 2017 als Blogger, Journalist und Buchhändler in Berlin. Auf buzzaldrins.de schreibt er über Bücher und auf ichbinslinus.de über seine Transition, zudem hat er mehrere Texte für den Tagesspiegel, die taz und das Onlinemagazin VICE veröffentlicht. Twitter: 10.800 Follower*innen.
Paperback: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt
Erscheinungstermin: 18.08.2020
ISBN: 978-3-499-00312-7

Mein SuB kommt zu Wort, 20.10.2020

 "Mein SuB kommt zu Wort"
Hallo ihr Lieben
Geht es euch gut? Ich geniesse das Herbstwetter ja sehr und werde mich nachher wieder in mein Musikzimmer mit Blick auf einen wunderschön verfärbten Baum zurückziehen. Aber zuerst einmal sind wir heute nach einer kurzen Pause wieder bei Annas SuB-Aktion dabei. Und nun lasse ich SuBrina an die Tastatur und mache mich sicher heute Abend und in der kommenden Woche noch einmal ans Stöbern (wer noch auf Antworten usw. von mir wartet, eigentlich hätte ich am Wochenende schon stöbern wollen, aber ich lese gerade einfach so viel und möchte deshalb nichts versprechen, bitte habt ein wenig Geduld).
 
Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hey ihr Lieben, bei mir gibt es gerade ein grosses Auf und Ab. Mein Frauchen hat mich stark zulegen lassen (das fühlte sich plötzlich unbequem eng an, weil mein Platz durch das Umstellen des Bücherregals vor einem Monat ein wenig geschrumpft ist) und nun liest sie alles weg und verschafft mir wieder ein wenig Luft. In Zahlen ausgedrückt wiege ich gerade 116 Bücher. Bei meiner letzten Teilnahme im Juli waren das noch 138 Bücher.

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Livia hat erst gerade "Die Ladenhüterin" von Sayana Murata, "Ich bin Linus" von Linus Giese und "Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe" von Gilles Legardinier gekauft und zwei dieser Bücher bereits gelesen. Eine Rezension ist gerade erschienen, eine Rezension erscheint morgen und "Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe" wird mein Frauchen in den nächsten Tagen lesen. Ich hoffe, sie kann ihr Lesetempo beibehalten, dann gewinne ich gleich noch ein wenig mehr Platz :-)
 
Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt gelesen wurde dann gleich einer der drei Neuzugänge und zwar "Ich bin Linus". Dieses grandiose Buch hat mein Frauchen heute beendet und die Rezension wird morgen online gehen. "Die Ladenhüterin" - ein weiteres Nuzugängebuch - wurde vor zwei Tagen rezensiert und mein Frauchen lässt ausrichten, dass ihr euch die Rezension unbedingt anschauen und euch das Buch kaufen sollt.
 
Lieber SuB, der Oktober bringt die typische Gemütlichkeit des Herbstes mit sich und damit auch Lesezeit. Somit hat dein Besitzer*In doch endlich Zeit, sich den dicken Schmökern auf deinem Stapel zu widmen. ;) Also zeig uns mal ein paar Bücher, die mehr als 500 Seiten haben.
Jaaaaa, auf die Frage freue ich mich seit einem Monat. Mein Frauchen schiebt zwei dicke Bücher seit eeeewiger Zeit vor sich her und eines der beiden Bücher - sie darf entscheiden, zu sehr möchte ich sie nicht unter Druck setzen - muss sie bis zum 20.11.20 lesen. Wie findet ihr meine Auswahl?
Und wie ergeht es euch so? Wachst ihr oder schrumpft ihr? Und wie ist das Verhältnis zu euren Besitzer*innen? Ganz entspannt oder eher belastet? ;-)
 
Alles Liebe und auf bald
SuBrina (und Livia)

Rezension: Die Ladenhüterin

Die Ladenhüterin - Sayana Murata

Beschreibung des Verlages:

Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist. Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Inhalt:
Keiko ist anders. Sie wirkt auf andere Menschen speziell und weiss oft nicht, wie sie sich gegenüber ihren Mitmenschen verhalten soll. Also hat sie sich sorgfältig die Umgangsformen ihrer Mitarbeiter*innen angeeignet, deren Körpersprache, Stimmlage und Wortwahl kopiert und schafft es so, sich perfekt in ihre Position als Aushilfsverkäuferin in einem kleinen Supermarkt einzugliedern. Die Arbeitsabläufe, die festgelegten Höflichkeitsformen und die immer gleichen Tätigkeiten und Floskeln geben ihrem Alltag Struktur. Sie ist vielleicht sogar glücklich und sieht einen Sinn in ihrem Leben. Doch die anhaltenden Fragen nach einem Mann und Kindern sowie einem "richtigen Beruf" ihres Umfeldes bringen sie ins Zweifeln und sie beschliesst, sich einen Mann ins Leben zu holen, der ihr schönes, über Jahre hinweg aufgebautes System, sich in der Gesellschaft zu bewegen, durcheinander bringt.

Meine Geschichte als Verkäuferin:
Schon wieder habe ich durch Marias Lesekreis einen buchigen Schatz entdecken dürfen und ich habe das Buch auch noch rechtzeitig gelesen, heute nämlich findet unter diesem Post die (spoilerfreie) Schlussdiskussion statt. Schaut da also gerne vorbei.
Gleich die ersten Sätze haben mich total in ihren Bann gezogen und ich habe mich an meine Zeit als Verkäuferin in der Bäckerei zurückerinnert. Drei Jahre lang habe ich während des Gymnasiums und den ersten zwei Studienjahre dort gejobbt, immer mehr Verantwortung übernommen und vor allem in den Semesterferien im Sommer fast Vollzeit und ansonsten an jedem Wochenende und Feiertag dort gearbeitet und so die dem Geschäft eigenen Abläufe verinnerlicht und die aberwitzigsten Erfahrungen mit Kund*innen und Mitarbeiter*innen gemacht. Eine Szene in Muratas Buch - die Szene, in der Keiko noch von der Arbeit träumt und von ihrer eigenen Stimme, die "herzlich willkommen" ruft, erwacht - hat mich so sehr an mich selber erinnert. Gerade in den Semesterferien, wenn ich manchmal zehn oder zwölf Wochen fast oder ganz Vollzeit in der Bäckerei gearbeitet (und daneben unterrichtet, geübt, Konzerte gespielt, für Prüfungen gelernt, Nachhilfe gegeben, gebabysittet und Arbeiten geschrieben) habe, bin ich irgendwann komplett am Ende meiner Kräfte davon erwacht, wie ich massenweise Croissants (in der Schweiz natürlich "Gipfeli") in zahlreiche Tüten gepackt habe. Ich sass im Bett und habe mit meinen Händen die Bewegungen des Einpackens gemacht. Dann wusste ich jeweils, dass es wieder Zeit für eine Pause war und habe mein Pensum zurückgefahren.

Meine Meinung:
Aber auch abgesehen von meinem persönlichen Wiedererkennungswert habe ich dieses äusserst gesellschaftskritische Buch sehr gerne und heute innerhalb von kürzester Zeit verschlungen. In "Die Ladenhüterin" wird vor allem der von aussen forcierte Drang, sich sowohl im beruflichen als auch privaten Bereich nahtlos in die Gesellschaft einzugliedern, thematisiert. Es scheint mir, wenn ich mir andere Kritiken und vor allem auch andere Literatur aus Japan anschaue, ein Drang zu sein, der in Japan noch mehr vorherrscht, als hier. Die Haltung, dass man der Gesellschaft - vor allem als Frau - nur dienlich ist, wenn man sich entweder fortpflanzt und/oder einem wichtigen Beruf nachgeht, lässt sich natürlich auch in der Schweiz und den umliegenden Ländern finden, aber es scheint mir so, als würde diese fast schon zwanghafte Eingliederung eines jeden Individuums in das vorherrschende einheitlich machende System in Japan noch einmal ganz andere Züge annehmen.
Und hier kommt Keiko ins Spiel. Keiko, die nicht versteht, warum man um einen verstorbenen Vogel trauern muss, wenn man ihn doch auch einfach essen kann und Keiko, die schon wüsste, wie sie ihren schreienden Neffen zum Verstummen bringen würde und dabei wäre nicht endloses Schaukeln, sondern vielmehr ein Messer die Lösung. Aber Keiko ist nicht grausam, vielmehr ist sie über alle Massen praktisch veranlagt. Und diese Veranlagung lässt sie auch zur logischen Überlegung kommen, dass ein Mann im Haus die Fragen nach einem Mann im Haus würde verstummen lassen. Dass dies natürlich nicht aufgeht und vor allem ihr sorgsam und seit Jahren bewährtes System durcheinander bringt, stellt sie vor neue Herausforderungen, welchen sie mit dem ihr eigenen Pragmatismus, Verstand und ihrer Leidenschaft für den Beruf begegnet.

Schreibstil:
Kurze, prägnante Sätze, die dennoch genau beschreiben, was vor sich geht und auch viel zwischen den Zeilen lesen lassen, machen den Schreibstil dieses Buches aus. Sayaka Murata trifft mit ihrer Sprache mitten ins Herz und schafft eine Protagonistin, die man - ein wenig schrullig hin oder her - einfach lieben muss. Die Übersetzerin Ursula Gräfe, die ja auch für ihre Murakami-Übersetzungen bekannt ist, hat ganze Arbeit geleistet und wundervolle Worte für dieses erfrischende und kritische Buch gefunden.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch dieses herzerwärmende, zum Schmunzeln und Nachdenken bringende Buch, das so liebenswert erzählt, wie sich das Leben als eigentlich glückliche Aussenseiterin in einer nach Vereinheitlichung schreienden Gesellschaft anfühlt, sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Ladenhüterin
Originaltitel: Konbini Ningen
Autorin: Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr Roman »Die Ladenhüterin« gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans und war in mehr als einem Dutzend Ländern ein großer Erfolg.
Aus dem Japanischen von: Ursula Gräfe
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 145 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Erschienen: 2019 (zweite Auflage)
ISBN: 978-3-351-03703-1

Rezension: Mängelexemplar

Mängelexemplar - Sarah Kuttner

Beschreibung des Verlages:
»Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.«
Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.
Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

Inhalt:
Karo hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich, steckt in einer unglücklichen Beziehung fest und verliert ihren Job. Ihre Trauer und Angst lähmen sie und sie beginnt, ihr Leben zu sortieren, sich Hilfe zu holen und sich von Dingen und Menschen, welche sie unglücklich machen, zu trennen. Zur Angst kommen Panikattacken hinzu und Karo realisiert, dass die Psyche nicht eine Wohnung ist, die man einfach abstauben und umräumen kann und schon ist alles wieder gut. Um tiefe und alte Wunden heilen zu lassen, braucht es mehr Zeit und Unterstützung, als sie erwartet hat. Und auf diesem Weg begleiten wir sie ein Stück.

Meine Meinung:
So gut und spannend dieses Buch auch klingt und so wichtig es auch ist, über psychische Erkrankungen zu lesen, sprechen und schreiben, so unpassend erscheint mir "Mängelexemplar" als Grundlage für den Austausch über dieses wichtige Thema. Das Buch war mir zu brav, zu oberflächlich, zu stereotyp und ein wenig zu gewollt provokativ. Der Stil erinnert sehr stark an eine Mischung aus "Axolotl Roadkill" und "Drüberleben". Einerseits gewollt überspitzt, was die Schilderungen der psychischen Erkrankung anbelangt und andererseits gekünstelt intellektuell, wenn es um den sprachlichen Ausdruck geht. Radikal war das nicht, eher ermüdend. Als tieftraurig und leidenschaftlich habe ich "Mängelexemplar" ebenfalls nicht erlebt, eher ähnlich brav wie "Schäfchen im Trockenen". Es stört mich sehr, dass dieser Schreibstil anscheinend ein Merkmal für zeitgenössische Literatur vor allem von Frauen sein soll (HIER finden sich Hinweise darauf in den Pressestimmen) und ich frage mich wirklich, ob es die Idee sein soll, dass man in der zeitgenössischen, Missstände anprangernden Literatur (vor allem als Frau) über ernste, anspruchsvolle Themen nur noch gewollt provokativ, ein wenig derb aber trotzdem gerade noch brav genug, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, schreiben darf. Wenn jemand Wut und Schmerz ausdrücken will, soll diese Person doch wütend und schmerzvoll schreiben. Gerne düster, brutal, heftig, aber - wenn es der Person besser entspricht - auch melancholisch, leise und zart. Dieser nichtssagenden Einheitsbrei, bei dem irgendwie jedes Buch, zu dem ich aktuell greife, ähnlich klingt, ist mir leider zu undifferenziert, was schade ist, weil so Themen, die mehr Aufmerksamkeit erhalten sollten oder auch Autor*innen, welche gelesen werden sollten, in der Masse untergehen. 

Mein Fazit:
Das Buch kommt in den offenen Bücherschrank, weil ich mir sicher bin, dass es jemand anderem viel besser gefallen wird als mir. Es ist nicht schlecht geschrieben, es ist nicht langweilig, aber es ist ein wenig nichtssagenden, was schade ist, weil das sehr viel Potenzial auf der Strecke geblieben ist.

Zusätzliche Infos:
Titel: Mängelexemplar
Autorin: Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und arbeitet als Moderatorin. Sie wurde mit ihren Sendungen »Sarah Kuttner – Die Show« (VIVA) und »Kuttner.« (MTV) bekannt und arbeitete mehrfach für die ARD. Bei zdf.neo hat sie das Großstadtmagazin »Bambule« und die Talkshow »Kuttner plus Zwei« moderiert. Seit 2016 produziert und moderiert sie die monatliche Veranstaltungsreihe »Kuttners schöne Nerdnacht« und seit 2017 moderiert sie gemeinsam mit Stefan Niggemeier den Podcast »Das kleine Fernsehballett« auf Deezer. Ihre Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress wurden im Fischer Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Ihr erster Roman »Mängelexemplar« erschien 2009 und stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Danach erschienen die Romane »Wachstumsschmerz« (2011), »180 Grad Meer« (2015) und »Kurt« (2019). Sarah Kuttner lebt in Berlin.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 320 Seiten
Erschienen am: 19.01.2012
ISBN: 978-3-596-51189-1

Lese-Statistik September 2020

Hey ihr Lieben

Der September war ein aufregender Monat, der gleich mit einer Konzertreihe mit meinem Trio startete. Wir spielten drei Konzerte innerhalb von zwei Tagen und davor waren die Intensivproben und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unglaublich toll es ist, wieder auf der Bühne zu stehen und so intensiv mit meinen Mitmusikerinnen zu arbeiten. Im November ist es dann wieder so weit und ich trete mit dem Duo auf, im Dezember und Januar steht auch schon einiges an und einige Projekte für das nächste Jahr sind in Planung. So soll es sein.
Was lange nicht klar und nicht konkret geplant war, war unsere kirchliche Hochzeit vom 10.10.2020, die nach unserer standesamtlichen Hochzeit und der keltischen Trauung in Irland vor einem Jahr nun doch ansteht. Alles ist organisiert, nur die Deko mache ich in dieser Woche noch fertig und dann gilt es auch schon ernst. Nach einer langen und ungewissen Planungszeit freuen wir uns sehr darauf, werden aber sicher auch ein wenig erleichtert sein, wenn dann alles vorbei ist.

Gelesen habe ich einigermassen viel, beendet aber nicht ganz so viel, wie geplant, was unter anderem daran lag, dass ich am 30.9. noch zwei Bücher beenden wollte, dann aber meine beste Freundin dazwischen kam, die ziemlich spontan hereinschneite und die geht natürlich immer vor. Dafür dürft ihr euch in den nächsten Tagen bereits auf eine Rezension freuen.
 

Diese Bücher habe ich im September beendet:

 
Das absolute Highlight im September hat mir gleich den Beginn des Monats ver-bitter-süsst


Die Tochter begehrt gegen die Mutter auf und damit gegen die Gesellschaft, bös, bissig und witzig


Eine Mutter bereitet ihre Kinder auf das Leben vor und kritisiert die Gesellschaft und ihren Freundeskreis


Berührende und wichtige Liebesgedichte aus einem mir nicht sehr bekannten Teil der Welt


Ein Liebesroman, ein Familienroman und gleichzeitig eine Liebeserklärung an Lappland, haaach....

Alle Rezensionen auf einem Blick

Alte Sorten - Ewald Arenz   (256 Seiten)


Aus dem SuB aussortiere Bücher:

Hans Traxler - Die Wahrheit über Hänsel und Gretel 
Inez Corvi - Im Tal des wilden Eukalyptus
Hans Koppel - Entführt
 

 
Neuzugänge

Uuuuuups....
"Die Marschallin" habe ich bei Jamie vom Blog Librovore entdeckt und musste das Buch dann unbedingt kaufen. Die Reihe um den Comissario Brunetti von Donna Leon vervollständige ich nach und nach, deshalb mussten auch diese Bücher in den Einkaufskorb. Die Krimis sind übrigens alle gebraucht gekauft aber in einem guten bis sehr guten Zustand. 
Ausserdem waren "So träume und verschwinde ich" und "Das Palais muss brennen" im September als Rezensionsexemplare bei mir im Briefkasten.
 
 

Und hier noch einmal alle Zahlen:

Gelesene Bücher: 5
Abgebrochene Bücher: -
Somit in die Leseeule: 8 Franken (drei aussortierte Bücher)
Gelesene Seiten: 1'200
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 40 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: 7
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 114
Aktueller SuB: 115
Differenz: +1