Rezension: Die Hungrige

Dieses Rezensionsexemplar aus dem btb Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht, vielen Dank!

Die Hungrige - Claire Kohda

Beschreibung des Verlages:

»Einer der originellsten Vampirromane seit Langem.« New York Times Book Review
Lydia hat Hunger. Seit sie denken kann, sehnt sie sich nach Sashimi, Ramen oder Onigiri mit saurer Pflaumenfüllung. Doch das einzige, was sie wirklich zu sich nehmen kann, ist Blut: Lydia ist ein Vampir und fühlt sich fremd unter den Menschen. Nach dem Auszug aus der Wohnung ihrer Mutter in ein Künstlerloft muss Lydia feststellen, dass vieles schwieriger ist als erwartet. Da sind die hippen Leute in der Galerie, in der sie ein Praktikum macht, die seltsamen Männer, die ihr Avancen machen, und Ben, ein junger Künstler, für den sie Gefühle entwickelt. Lydia weiß, dass Menschen ihre natürliche Beute sind, aber sie will ihrem Verlangen nicht nachgeben. Wie soll Lydia existieren in einer Welt, die nicht für Wesen wie sie gemacht zu sein scheint? Für welchen Weg auch immer sie sich entscheiden wird, zunächst einmal muss sie essen.

Inhalt:
Lydia ist neu in der Stadt und soll bald ihr Praktikum in einer grossen Galerie beginnen. Als Performancekünstlerin richtet sie sich ein eigenes Atelier ein, in dem sie auch zu wohnen plant, als Vampirin ist sie stets auf der Suche nach Nahrung. Von ihrer Mutter, die sie mittlerweile in einem Pflegeheim untergebracht hat, hat sie gelernt, sich lediglich von Schweineblut zu ernähren. In ihrer neuen Umgebung fällt es ihr aber immer schwerer, sich nichtmenschliche Nahrung zu besorgen.

Meine Meinung:
Ein Vampirroman mit einer Vampirin in der Hauptrolle und dann hat ihn auch noch eine Musikerin geschrieben? Dieses Buch musste ich natürlich unbedingt lesen und bin ganz begeistert vom Aufbau dieser Geschichte und vom eher leichten Schreibstil, der trotzdem tief blicken lässt. Besonders gut gefallen hat mir, dass auch Themen wie Sexismus und Ausbeutung in der Kunstwelt, Rassismus und Spezieismus zur Sprache kommen. Auch kritisiert die Protagonistin immer wieder gewisse Entscheidungen ihrer Mutter, welche diese aufgrund fadenscheiniger religiöser Argumente gefällt hat und versucht dabei stets, ihren eigenen moralischen Kompass zu finden, ohne dabei zu verhungern.

Schreibstil und Aufbau:
Mir hat gefallen, dass ich von Anfang an mitten im Geschehen war. Zuerst empfand ich das Buch allerdings als ein wenig zu langsam erzählt, bemerkte dann aber, welche Sogwirkung vom Schreibstil ausging. Kohda verspinnt eine feinsinnige Romanze, einen Generationenkonflikt und das Aussenseiterdasein ihrer Protagonistin geschickt in ihrer Geschichte und zeigt dabei auch ein Händchen für fundierte kunsthistorische und kulinarische Details. Letztere liessen mir beim Lesen einige Male das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Meine Empfehlung:
Die Autorin hat mich mit dieser aussergewöhnlichen Lektüre, ihrer faszinierenden Protagonistin, den detaillierten Beschreibungen sowie den gründlichen kunsthistorischen und kulinarischen Recherchen beeindruckt. Ich empfehle diesen ganz anderen Vampirroman sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Hungrige
Originaltitel: Woman, eating
Autorin: Claire Kohda ist eine japanisch-englische Violinistin und Autorin. Ihre Texte erschienen unter anderem in The Guardian, TLS, Financial Times, New York Times. Als Musikerin spielte sie mit Künstlern wie Sigur Rós, The National and Jessie Ware und wirkte bei der Filmmusik von Die zwei Päpste und Matrix Resurrections mit.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Barbara Schaden
Paperback, Klappenbroschur: 304 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 13. März 2024
ISBN: 978-3-442-77378-7

Rezension: Babysitter

Rezensionsexemplar aus dem Ecco-Verlag, vielen Dank.

Babysitter - Joyce Carol Oates

Beschreibung des Verlages:
Der gefeierte neue Roman von Joyce Carol Oates und »definitiv eines ihrer besten Bücher« (Observer).
Detroit, in den späten 1970ern: Hannah, Ehefrau und Mutter, beginnt eine Affäre mit einem gefährlichen Fremden; Mikey, der sich mit zwielichtigen Aufträgen durchschlägt, beschließt, sich endlich seiner traumatischen Vergangenheit zu stellen; und dann ist da dieser Serienkiller, der als Mörder kleiner Kinder unter dem Namen Babysitter Berühmtheit erlangt – eine rätselhafte Figur mit augenscheinlichen Verbindungen zur Elite Detroits, der jedoch bisher jeglicher Vergeltung entkam.
Während Hannah dem Mann, den sie nur unter dem Namen Y. K. kennt, zunehmend verfällt, scheint auch der Babysitter immer näher zu kommen. Und erneut verschwindet ein Kind direkt aus Hannahs Nachbarschaft.

TW: Kindesentführung, sexualisierte Gewalt (auch an Kindern), Vergewaltigung, Drogen, Gewalt

Inhalt:

Hannah ist die pefekte Ehefrau und Mutter und lebt in den späten 70erJahren in einer wohlhabenden Siedlung in einem schönen Haus. Die Rassenunruhen lassen sie als wohlsituierte Weisse kalt, vielmehr lebt sie ein scheinbar unbeschwertes Vorzeigeleben. Doch die Fassade bröckelt. Sie lässt sich auf eine lieblose Affäre mit einem gewalttätigen Mann ein und in der Umgebung treibt ein Killer sein Unwesen, der es auf Kinder abgesehen hat. Ist sie in Gefahr? Hat ihr Geliebter etwas mit dem Mörder - von der Presse nur "Babysitter" genannt - zu tun?

Meine Meinung:
Via Instagram hat mich der Ecco-Verlag gefragt, ob ich dieses Buch lesen möchte und ich war sofort fasziniert von der Beschreibung. Die ersten paar Seiten habe ich förmlich inhaliert, der Schreibstil ist einzigartig und auch wenn ich einige Handlungen der Protagonistin so gar nicht nachvollziehen konnte - man muss allerdings auch sagen, dass Frauen vor sechzig Jahren wohl ihre Beziehungen einfach anders geführt haben, als dies heute der Fall ist - so war ich komplett eingenommen vom Sog, der Oates Sprache auslöst. Vom ersten Satz an wird klar, dass keine Figur diese Geschichte unbehelligt überstehen wird und mit jedem Kapitel wird klarer, wie alles zusammenhängen könnte und in welch verheerenden Situation sich unsere Protagonistin befindet.

Aufbau:

Ganz am Anfang habe ich noch nicht verstanden, welche Figur jeweils am Zug ist. Die Perspektive wechselt teilweise von Kapitel zu Kapitel und verschiedene Deck- und Spitznamen haben mir die Übersicht am Anfang ein wenig erschwert. Nach und nach findet jedes Teilchen seinen Platz, die Zusammenhänge werden klarer und alles zielt auf ein dramatisches, unausweichliches Ende hin. Dieses allerdings war mir persönlich ein wenig zu langweilig und schwammig erzählt, wenn auch Anfang und Ende perfekt ineinandergreifen.
Die ganze Geschichte ist langsam erzählt, sie wirkt (bewusst) ein wenig aus der Zeit gefallen und ich konnte die Handlung wie einen Film aus den 70ern vor meinem inneren Auge sehen, was mir eigentlich gut gefallen hat, entsprechend habe ich aber leider auch einige Längen gespürt.

Meine Empfehlung:
Alles in allem hat mir dieses Buch gut gefallen und mir sehr spannende Lesestunden verschafft. Die unheimliche Grundstimmung, die brutale Gewalt und die äusserst ambivalente Protagonistin haben mich fasziniert. Lediglich die Langsamkeit und das ein wenig langweilige Ende haben mir nicht ganz zugesagt. Das Buch ist aber definitiv eine leseswerte Lektüre, die mit einem einzigartigen, äusserst packenden und gesellschaftskritischen Schreibstil überzeugt.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Babysitter
Autorin: Joyce Carol Oates
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Silvia Morawetz
Hardcover mit Lesebändchen: 624 Seiten
Verlag: Ecco Verlag
Ersterscheinung: 19.03.2024
ISBN: 9783753000831

Lese-Statistik März 2024


Hallo ihr Lieben

Ich hoffe sehr, dass ihr alle ein schönes Osterwochenende habt und hattet und dass ihr ein paar freie Tage geniessen oder es euch zumindest ab und zu an der Frühlingssonne gemütlich machen konntet.
Der März war für mich ein sehr turbulenter Monat mit enorm vielen Anlässen an der Musikschule wie Tage der offenen Tür mit Konzerten, aber auch mit einigen Schnupperlektionen, Instrumentenvorstellungen und sogar einem Wettbewerb. Auch habe ich selber ein paar Konzerte gespielt und sehr viel Planung für Projekte in den kommenden Monaten hinter mich gebracht. Seit Mitte Februar habe ich eine Stellvertretung übernommen, die zwar ziemlich intensiv ist, mir aber sehr viele Zugstunden und somit Lesezeit beschert. Deshalb habe ich im März eher viel gelesen, obwohl so viel los war. Leider war zwar viel mittelmässiger Lesestoff dabei, dafür habe ich auch wieder ein paar Bücher ausziehen lassen (allerdings sind auch sehr, sehr viele Bücher eingezogen...). Ein riesiges März-Highlight war ausserdem das Treffen mit Irene vom Blog Igelabooks. Wir haben gemütlich Kaffee getrunken und vier Bücher getauscht und ich hoffe sehr, dass wir uns bald wieder einmal sehen können.

Im April läuft es noch einmal so richtig rund, dann gibt es eine Woche Ferien und vier Konzerte, auf die ich mich schon riesig freue. Mitte Monat werde ich ausserdem eine weitere Stellvertretung übernehmen, weshalb ich dann bis Mitte Mai fünf Tage pro Woche unterrichten werde. Das ist neben allen Konzerten, der ganzen Projektplanung, den Proben und Anlässen eigentlich zu viel, aber da es sich um eine sehr absehbare Zeit handelt und ich alles gut planen und aufgleisen konnte, wird das gut möglich sein.
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf alles, was der April bringen wird und habe mir schon ein paar Bücher, die ich eventuell lesen möchte, bereitgelegt. Allerdings werde ich mir für den April keine Leseliste zusammenstellen, damit ich ganz nach Lust und Laune lesen kann.

Und nun wünsche ich euch einen schönen restlichen Ostermontag und freue mich schon auf den Austausch in den Kommentaren.

Auf ganz bald
Livia

Gelesen im März:

Kurzweilig, sehr lustig, liebenswerte Figuren mit Ecken und Kanten, Tiefgang und Hamburg-Liebe

Zuerst traurig, dann immer hoffnungsvoller, unterhaltsam und mit tollen Figuren und Landschaften gespickt

Toxische Familienbeziehungen, transgenerationales Trauma, Feminismus, aber blasse Figuren, schade

Keine neue Idee, aber charmant und unterhaltsam umgesetzt, sehr humorvoll und berührend erzählt

Dieses Buch musste ich mir ein wenig erarbeiten und obwohl es sehr spannend war, möchte ich es aufgrund der leider sehr problematischen Autorin nicht weiterempfehlen

Den Roman hätte ich fast abgebrochen, zu ausschweifend und nichtssagend war er für mich



Alle Seitenzahlen und Rezensionen:

Der Traum des Leuchtturmwärters - Sergio Bambaren   (abgebrochen nach 33 Seiten)
Cleopatra und Frankenstein - Coco Mellors   (abgebrochen nach 200 Seiten)
Bild ohne Mädchen - Sarah Elena Müller   (abgebrochen nach 43 Seiten)
Hummeln im Herzen - Petra Hülsmann   (397 Seiten)
Das Brombeerzimmer - Anne Töpfer   (416 Seiten)
Wir sitzen im Dickicht und weinen - Felicitas Prokopetz   (208 Seiten)
Die Liste der vergessenen Wünsche - Robin Gold   (352 Seiten)
Blüten sammeln unter Feuer - Alice Walker/Valerie Boyd   (736 Seiten)
Schöne Welt, wo bist du - Sally Rooney   (352 Seiten)

Neuzugänge:

Florence Butterfield und die Nachtschwalbe - Susan Fletcher (von Irene)
Morden mit Maud - Helene Tursten (von Irene)
Hollys Weihnachtszauber - Trisha Ashley (von Irene)
Das Brombeerzimmer - Anne Töpfer (von Irene)
Wir sitzen im Dickicht und weinen - Felicitas Prokopetz (Leserundenbuch/Rezensionsexemplar der Lesejury)
Send Nudes - Saba Sams (Bibliotheksbuch)
Sei kein Mann - JJ Bola (Bibliotheksbuch)
Der Zopf meiner
Großmutter - Alina Bronsky (Bücherschrankfund)
Babysitter - Joyce Carol Oates (Rezensionsexemplar)

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 6
Abgebrochene Bücher: 3
Aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten:  2'737 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 88.29 Seiten
Bücher von Autorinnen: 6
Bücher von Autoren: -
Autor*innenduos (oder Gruppen): -
Geschenkt bekommene Bücher: 4
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: 1
Bibliotheksbücher: 2
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn:
58 (+1) Bücher
Aktueller SuB: 57 (+2) Bücher
Differenz: 0 (-1)

Rezension: Schöne Welt, wo bist du

Schöne Welt, wo bist du - Sally Rooney

Beschreibung des Verlages:

Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alice' beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den möglichen Verlust ihrer Freundschaft wert?
Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. Schöne Welt, wo bist du ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost.

Inhalt:
"Schöne Welt, wo bist du", das sind vier junge, schöne Menschen in Irland, die sich und einander suchen, an ihren Karrieren feilen und ihre Werte immer wieder neu überdenken. Sie pendeln zwischen Liebe, Schmerz und Verlangen hin und her, verbringen zu viel Zeit auf schlechten Partys, tauschen sich in langen Mails aus und lernen jeden Tag neu, ob und wie sehr sie sich und ihrem Gegenüber trauen können.

Meine Meinung:
Zuerst einmal möchte ich erwähnen, dass dieses Buch sehr gute Kritiken erhalten und bereits vor seinem offiziellen Erscheinungstermine einen richtigen Hype ausgelöst hat. Meine persönliche Meinung sieht ein wenig anders aus und das liegt wahrscheinlich daran, dass mich die Geschichte unangenehm an "Cleopatra und Frankenstein", das ich nach 200 Seiten abgebrochen habe, erinnert hat. Ich habe "Schöne Welt, wo bist du" zwar beendet, habe aber leider von der Geschichte nichts mitnehmen können und empfand auch die Figuren als sehr eindimensional und austauschbar beschrieben.
Besonders langweilig empfand ich übrigens den regen Mailverkehr zwischen den Freundinnen Alice und Eileen. Ausgerechnet dieser Part wurde von vielen Leser*innen in den höchsten Tönen gelobt, weil die beiden darin anscheinend äusserst intellektuell daherkommen würden. In meinen Augen waren diese Mails allerdings leider absolut nicht aus dem Leben gegriffen und ehrlich gesagt auch ziemlich aufgesetzt und herablassend geschrieben, was mich irgendwann nur noch genervt hat.
Spannender waren die direkten Interaktionen, die teilweise albernen, manchmal auch tiefsinnigen Gespräche, die erotischen Begegnungen, Diskussionen und der Streit. Dies alles wirkte für mich nämlich viel realistischer.

Fazit:
Der sehr oberflächliche und leider teilweise aufgesetzt wirkende Schreibstil dieses Buches und der eher ein wenig vor sich hin plätschernde Inhalt haben mich leider ein wenig ratlos zurückgelassen. Dieses Buch und ich werden - Hype und begeisterte Kritiken hin und her - einfach keine Freundinnen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Schöne Welt, wo bist du
Autorin: Sally Rooney, geboren 1991, studierte am Trinity College und lebt in Dublin. 2017 erschien ihr gefeierter Debütroman Gespräche mit Freunden. Ihr zweiter Roman Normale Menschen wurde 2018 zum weltweiten Bestseller und literarischen Ereignis – er ist die Vorlage für die international erfolgreiche TV-Serie »Normal People«, deren Drehbuch sie mitverfasste. Sally Rooney gehört zu den herausragendsten Autorinnen der Gegenwart und gilt als ausdrucksstärkste Stimme ihrer Generation. Schöne Welt, wo bist du ist ihr dritter Roman.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Zoë Beck
Hardcover mit Schutzumschlag: 352 Seiten
Verlag: Claassen
Erscheinungstag: 07.09.2021
ISBN: 9783546100502

Rezension: Blüten sammeln unter Feuer

Dieses Buch ist eine Rezensionsexemplar aus dem Ecco-Verlag.

Blüten sammeln unter Feuer - Alice Walker, Valerie Boyd

Beschreibung des Verlages:

Von ihrer armutsgeprägten Kindheit im ländlichen Georgia bis hin zu ihrem Aufstieg zu einer feministischen Vordenkerin blieb die gefeierte Dichterin und Schriftstellerin Alice Walker eine gewissenhafte Aufzeichnerin. Ihr weit verzweigtes Leben hat sie über einen Zeitraum von rund 50 Jahren in mehr als 65 Tagebüchern und Notizbüchern festgehalten. Blüten sammeln unter Feuer zeichnet ihre Entwicklung als Künstlerin, Menschenrechtsaktivistin und Intellektuelle nach, erzählt von beeindruckenden Momenten afroamerikanischer Geschichte. Das Persönliche verwebt sich in dieser Chronik eines beeindruckenden Lebens auf so vielschichtige wie aufschlussreiche Weise mit dem Politischen.
Die Tagebücher öffnen uns die intimen Gedanken und Gefühle einer beeindruckenden Schriftstellerin – als Frau, Afroamerikanerin, Ehefrau, Liebhaberin, Schwester, Tochter, Mutter und Weltbürgerin.

Inhalt:
Autorin, Feministin, Aktivistin, Liebhaberin, Mutter...Alice Walker blickt in ihren zahlreichen parallel geführten und in diesem umfangreichen Buch chronologisch geordneten Tagebücher auf einige Jahrzehnte ihres Lebens zurück und lässt an ihren intimsten Gedanken, ihrem schillernden Leben aber auch ihrer Zerbrechlichkeit und ihren Selbstzweifeln teilhaben. Sie zeichnet damit ein Portrait einer Zeit, in der Autorinnen eine wichtige politische Stimme hatten, Einfluss auf Filme, Kunst und Politik nehmen und sich von ihrem Honorar mehrere Häuser leisten konnten. Eine Zeit der sexuellen und feministischen Revolution.

Meine Meinung:
Die Beschreibung des Verlags bei Instagram hat mich neugierig werden lassen, weshalb ich dieses Buch angefragt habe. Erst als ich zu lesen begann, war ich von der Dichte der Tagebucheinträge und dem langen, aufschlussreichen Anhang mit einem Postskriptum der Autorin, einem Dank der Herausgeberin und zahlreichen Einzelnachweisen fast ein wenig erschlagen. Ich muss deshalb auch ehrlich sagen, dass ich mir dieses Buch zeitweise ein wenig erarbeiten musste, wenn ich auch begeistert bin von den intimen Einblicken in Walkers Leben, ihrem Humor, ihrer freien, offenen Art und ihrer Liebe für ihre Mitmenschen. Es ist kaum fassbar, welchen Berühmtheiten Walker mehrfach begegnet ist, mit wem sie alles zusammengearbeitet und sich angefreundet hat. Ihren Einfluss auf ihr Umfeld und ganze Generationen von Menschen - zuerst und unter anderem durch ihren absolut bahnbrechenden Roman "Die Farbe Lila" - war und ist enorm und ich bin neugierig geworden auf ihre Bücher und Gedichte, deren Entstehung ich anschaulich mitverfolgen konnte.

Aufbau:
Obwohl Walker meistens mehrere Tagebücher parallel geführt hat, sind im Buch alle Einträge aus allen Tagebüchern chronologisch geordnet (und natürlich überarbeitet und zusammengestrichen). Zahlreiche Anmerkungen und Nachweise sorgen für ein grösseres Verständnis und helfen, die Einträge in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext zu verordnen. Ein Lob geht deshalb sowohl an die Herausgeberin Valerie Boys als natürlich auch an die Übersetzerin Cornelia Holfelder-von der Tann.

Transparenzhinweis:
Die Instagrammerin Eliane @mintundmalve hat mich darauf hingewiesen, wie problematisch Alice Walker als Person ist (in den letzten Jahren geworden ist). Auch wenn sich in ihren Tagebüchern bis 2000 lediglich eine zunehmende Nähe zur Esoterik finden lässt und ich keine eigentlich problematischen Passagen entdeckt habe (zumindest nicht bewusst), ist Walker als Person in den letzten Jahren durch antisemitische und transfeindliche Äusserungen, ihre Unterstützung der BDS sowie ihre Nähe zum rechtsesoterischen Verschwörungstheoretiker David Icke aufgefallen. In meinen Augen ist zwar ihr (frühes) Werk unendlich wichtig, sie als Person gehört aber boykottiert. Artikel zum Thema findet ihr unter anderem HIER und HIER.

Fazit:
So gerne ich das Buch für Lesende mit Sitzfleisch und grossem Interesse an der Autorin empfehlen möchte, so sehr kann ich dies aufgrund der problematischen, antisemitischen Haltung Walkers sowie ihrer Nähe zu rechtsextremen Verschwörungstheoretikern einfach nicht tun. "Die Farbe Lila" werde ich mir bei Gelegenheit gebraucht kaufen, der Roman interessiert mich nämlich wirklich.

Zusätzliche Infos:

Titel: Blüten sammeln unter Feuer
Originaltitel: Gathering Blossoms Under Fire: The Journals of Alice Walker 1965 - 2000
Autorin: Alice Walker wurde 1944 in Eatonton, Georgia, geboren. Sie ist eine der renommiertesten amerikanischen Autorinnen, ihre Werke haben sich weltweit über fünfzehn Millionen Mal verkauft. Ihr bekanntester Roman, Die Farbe Lila, erschien 1983, wurde mit dem Pulitzer-Preis und dem National Book Award ausgezeichnet und von Steven Spielberg mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle verfilmt.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Cornelia Holfelder-von der Tann
Hardcover mit Lesebändchen: 736 Seiten
Verlag: Ecco Verlag
Erscheinungstermin:
23. Januar 2024
ISBN: 978-3-7530-0098-5