Rezension: Tierische Profite

Tierische Profite - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobiltà (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022)
  32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
  33. Feuerprobe (2024) 

Beschreibung des Verlages:
Ein toter Mann, der von niemandem vermisst wird, weder von den Venezianern noch von Touristen. Und ein teurer Lederschuh am Fuß dieser Leiche. Brunetti muss all seine Menschenkenntnis aufbieten und sein ganzes Kombinationstalent, um diesen Fall zu lösen, der ihn bis aufs Festland nach Mestre führt.

Inhalt:
Nicht nur von seiner mittlerweile fast komplett vegetarisch lebenden Tochter, auch von seiner Arbeit wird dem empathischen Kommissar Brunetti der Fleischkonsum immer madiger gemacht. Sein aktuellster Fall führt ihn nämlich in verschiedene Tierarztpraxen und einen Schlachthof in Mestre. Vor allem letzterer hinterlässt bleibende Eindrücke und obwohl schnell klar wird, womit es Brunetti in diesem Fall zu tun haben könnte, tauchen doch bis zum Schluss noch neue Entdeckungen und Zusammenhänge auf.

Meine Meinung:
Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven und doch finde ich es um so wichtiger, dass Menschen, welche Fleisch und/oder tierische Produkte konsumieren, sich mit der Haltung und Schlachtung von Tieren auseinandersetzen. Und auch wenn zu hoffen bleibt, dass nicht auf allen Schlachthöfen so fürchterliche Zustände herrschen, wie in Mestre in diesem Krimi, so bleibt die industrielle Tötung von Tieren doch ein schmutziges Geschäft. Schmutzig geht es aber auch innerhalb der Leitung des Schlachthofes zu und nach einem Leichenfund, der Brunetti zuerst vor einige Rätsel stellt, muss der Kommissar immer tiefer in Machenschaften herumwühlen, deren Wurzeln bis ganz nach oben reichen. Also genau so, wie wir es uns von einem richtigen Brunetti-Krimi erhoffen. Gegessen und das eine oder andere Gläschen Prosecco und Wein getrunken wird ebenfalls, Patta wütet wieder und sogar Paola Brunetti ist in einen eigenen beruflichen Feldzug involviert, sodass es definitiv niemandem langweilig wird, weder den Figuren, noch uns Lesenden.
Am Ende des Buches hatte ich übrigens einfach nur Mitleid. Mit dem menschlichen und den tierischen Opfern des Romans und generell mit den Opfern von Systemen, welche von einer kleinen Gruppe von skrupellosen, von Gier getriebenen Menschen gesteuert werden, um andere auszubeuten und zu unterdrücken.

Meine Empfehlung:
Auch dieser packende, nachdenklich stimmende Roman hat mich überzeugt und ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Brunetti-Krimi. Zum Glück habe ich noch etwas mehr als zehn weitere Bände vor mir.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Tierische Profite
Originaltitel: Beastly Things
Autorin:
Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 336 Seiten 
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2014  
ISBN: 978-3-257-24302-4   

Rezension: Kleine Monster

Kleine Monster - Jessica Lind

Beschreibung des Verlages:
Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen. Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Doch während Jakob von Lucas Unschuld überzeugt ist, beginnt Pia zu zweifeln. Sie kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen, wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. 

Inhalt:
Die ich-Erzählerin Pia ist mit zwei Schwestern aufgewachsen und hatte eine glückliche Kindheit, bis ein Drama die Familie erschütterte. Einige unangenehme Charakterzüge ihrer Schwester Romi glaubt Pia nun auch in ihrem siebenjährigen Sohn Luca zu erkennen. Nach einem Vorfall in der Schule, bei dem zuerst Luca und dann seine ganze Familie unter Verdacht geraten, beginnt Pia an ihrem Sohn zu zweifeln. Durch die Unstimmigkeiten werden Keile zwischen Pia und ihren Mann Jakob getrieben und die traumatischen Ereignisse aus Pias Kindheit rücken wieder in den Vordergrund.

Meine Meinung:
Das Buch habe ich von der lieben Irene bekommen und übrigens hat auch Martina ganz eine tolle Rezension dazu geschrieben. "Kleine Monster" stand auf meiner Wunschliste, seit es bei seinem Erscheinen so einen grossen Hype ausgelöst hat. Ohne zu wissen, worauf genau ich mich einlassen würde, habe ich dieses Buch aufgeschlagen und war von Anfang an begeistert. Besonders gut gefallen hat mir die unterschwellige und nicht wirklich fassbare bedrohliche Grundstimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht.
Auch war ich sehr angetan von der Themenwahl. Jessica Lind verknüpft geschickt das Thema Mutterschaft/Elternschaft mit einer tragischen Familiengeschichte und den Dynamiken, die innerhalb von Familien plötzlich ein Eingenleben entwickeln und dabei menschliche Abgründe offenbaren können.

Schreibstil und Aufbau:
Alles beginnt mit einem Gespräch an Lucas Schule. Pia und Jakob werden mit einer Tat konfrontiert, die Luca laut Aussage einer Mitschülerin verübt haben soll. Pia beginnt sofort, an ihrem Sohn zu zweifeln, während Jakob Luca vertraut. Beim Lesen sind wir direkt mitten im Geschehen und können dabei vor allem Pias Gedankengängen folgen. Nach und nach erfahren wir durch Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend, weshalb sie an ihrem Sohn zweifelt und die Frage, wer jetzt nun eigentlich das Monster ist, oder wie wir alle für andere Menschen zu Monstern werden können, treibt uns bis zum Schluss des Buches um. Ein Hinweis für alle, die nicht gerne mit Leerstellen und offenen Enden konfrontiert sind: das Buch ist ein eher loses Geflecht von Szenen, die immer enger zusammenfinden und das Ende bleibt sehr offen. Mir persönlich hat dies gut gefallen, weil es damit zur spannenden, bedrohlichen Atmosphäre passt. Ich kann aber verstehen, wenn das nicht für alle aufgeht.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich überrascht und gefesselt, mich nachdenken und immer wieder neue Blickwinkel auf die Geschehnisse entdecken lassen. Ich empfehle euch "Kleine Monster" deshalb sehr gerne.

Zusätzliche Infos:
Titel: Kleine Monster
Autorin: Jessica Lind wurde 1988 in St. Pölten, Österreich, geboren und lebt heute mit ihrer Familie als Drehbuchautorin und Schriftstellerin in Wien. Sie studierte an der Filmakademie Wien und schrieb u. a. mit der Regisseurin Magdalena Lauritsch den Film »Rubikon«. 2015 gewann sie mit der Erzählung »Mama« den open mike, woraus ihr gleichnamiger Debütroman hervorging. Ihr zweiter Roman, »Kleine Monster«, ist 2024 erschienen und war für den Österreichischen Buchpreis nominiert.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 256 Seiten
Verlag: Blessing
Erschienen am: 21.01.2026
ISBN: 978-3-89667-000-7

Lese-Statistik Juli 2026

Hallo ihr Lieben

Der Juli hat mit einem Highlight begonnen, einem Jahres-, ja Lebenshighlight: meine beste Freundin hat einen Sohn geboren und mich zur stolzesten Patentante der Welt gemacht!!!

Einige Tage später hat allerdings ein Todesfall unsere Familie erschüttert und einfach einmal mehr aufgezeigt, wie nahe Freud und Leid beisammenliegen. In der gleichen Woche das grösste Glück zu erleben, mein Patenkind zum ersten Mal im Arm zu halten, und wenige Tage später eine sehr traurige Beerdigung besuchen zu müssen, hatte ich definitiv nicht auf dem Zettel für 2026. Aber ich bin meinem Vergangenheits-Ich so dankbar, dass wir ausgerechnet für diesen Sommer keine Reisen geplant haben.
Auch hatte ich mit dem Abschluss des vergangenen Schuljahres und dem Planen des neuen Schuljahres sehr viel mehr zu tun und auch sehr viel mehr Mühe als die Jahre davor. Nicht nur haben die Stundenpläne mir den letzten Nerv geraubt, ich habe auch begonnen, für die kommenden Jahre (wenn alles klappt, wie geplant) ein neues Planungs- und ein neues Ordnungssystem zu etablieren und das war sehr herausfordernd, zehrend und zäh, wird mir aber in Zukunft (auch hier wieder "wenn alles klappt, wie geplant") enorm viel Arbeit ersparen.

Als dies alles endlich geschafft und überstanden war, standen wirklich ruhige Tage an. Lange Spaziergänge, entspanntes Üben für viele tolle Herbstkonzerte, letzte Vorbereitungen an den Musikschulen, gemütliches Grillen/Kaffeetrinken/Essen mit Herzensmenschen und ganz viel Babykuscheln standen an. Und nachdem ich zu Beginn des Monats - logischerweise - auch weder Energie noch Lust zum (langen) Lesen hatte, war die zweite Monatshälfte dann mit um so mehr Geschichten gefüllt. Bücher, die ich noch aus dem Juni mitgenommen hatte, konnte ich endlich beenden und ich habe so viele Stunden lesend (und mit Eiskaffee) auf unserem blühenden Balkon oder an einem anderen Schattenplatz verbracht, dass ich auch wieder neue Energie tanken konnte. Die Hitze und vor allem die extreme Dürre sind nämlich nach wie vor eine grosse Qual für die Natur und für mich; der Juli ist bereits der dritte Monat in Folge ohne nennenswerten Regen und mit Temperaturen von fast durchgehend über 30 Grad, aber ich versuche krampfhaft, mich mit dem Jammern zurückzuhalten und mich einfach um so mehr auf den Herbst zu freuen.

Ihr seht, der Juli war eine (emotionale) Achterbahnfahrt, ich habe aber auch extrem viel für mich geschafft und gelernt und einige einfach nur perfekte Momente voller Liebe, Gemeinschaft, Beistand und Freundschaft erleben dürfen. Auch haben vor allem in der zweiten Monatshälfte sehr unterschiedliche Bücher dafür gesorgt, dass ich im grossen Stile ganz unterschiedliche Dinge erleben, erlesen, erfahren und mich auch einfach unterhalten lassen durfte.

Jetzt geniesse ich noch ein letztes einigermassen ruhiges Wochenende und versuche, ab Montag wieder in meinen Arbeitsrhythmus zurückzufinden. Am 6.8. habe ich nämlich bereits die erste grosse Eröffnungskonferenz und am 10.8. startet dann schon nächste Schuljahr und ich freue mich schon sehr auf ganz viele tolle Konzerte, Projekte und natürlich darauf, meine Schülerinnen wieder zu sehen.


Gelesen im Juli:

2. Band der Himmelsee-Reihe: Meerliebe, Bücherliebe, Blaubeerenliebe und gute Unterhaltung


Beeindruckender, magischer, fesselnder Reihenauftakt, Jugendbuch, das auch Erwachsene packt


Sehr träger aber im letzten Drittel berührender Roman, grandios beschriebenes Landleben


Aneinandergereihte Plattitüden und halbgare Metaphern....Buchclubbuch und nur deshalb nicht abgebrochen


Solider 2. Band der Buks-Reihe, nicht ganz so kritisch und packend, wie der erste Band, trotzdem gut gemacht


Langsam und liebevoll erzählter Roman, Trauer, Verlust, Verzeihen und ganz viel Freundschaft


Der bisher schwächste Band der Hamburg-Reihe, mindestens 100 Seiten zu lang, trotzdem unterhaltsam


  • Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon - Nina George und Jens J. Kramer (neu gekauft)
  • 25 letzte Sommer -  (Bibliotheksbuch)
  • Mörderischer Freitag - Nicci French (Frieda Klein 5, gebraucht gekauft)
  • Böser Samstag - Nicci French (Frieda Klein 6, gebraucht gekauft)
  • Blutroter Sonntag - Nicci French (Frieda Klein 7, gebraucht gekauft)
  • Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen - Aimee Bender (gebraucht gekauft)
  • Heult leise, Habibis! - Sined el Masrar (gebraucht gekauft)
     

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: -
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'640 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 85.16 Seiten
Bücher von Autorinnen: 4
Bücher von Autoren: 2
Autor*innenduos (oder Gruppen): 1
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: 1
Gebraucht gekaufte Bücher: 5
Eingesammelte Bücher: -
Bibliotheksbücher: 1
Gesamte Neuzugänge: 7
SuB am Monatsbeginn: 33
Aktueller SuB: 33
Differenz: - 

Rezension: Wenn's einfach wär, würd's jeder machen

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":

1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Damit hatte Glückskind Annika nicht gerechnet: Aus heiterem Himmel wird die beliebte Deutschlehrerin von ihrer Traumschule in Blankenese an eine Albtraumschule im Problembezirk versetzt. Nicht nur, dass die Schüler dort mehr an YouTube als an Hausaufgaben interessiert sind - die Musical-AG, die Annika übernommen hat, stellt sich auch noch als völlig talentfrei heraus. Hilfesuchend wendet sie sich an Tristan, ihre erste große Liebe und inzwischen Regisseur. Von nun an spielt sich das Theater jedoch mehr vor als auf der Bühne ab, und das Chaos geht erst richtig los. Aber wenn's einfach wär, würd's schließlich jeder machen ...

Inhalt:

Bisher hat die Lehrerin Annika sich weder für die Kinder, die sie unterrichtet, noch für einen solide ausgearbeiteten und vorbereiteten Unterricht interessiert. Damit ist sie an ihrer Eliteschule stets durchgekommen. Als sie aber für das neue Schuljahr in eine sogenannte "Brennpunktschule" versetzt wird, reicht diese Haltung nicht mehr. Anspruchsvolle Klassenkonstellationen verlangen nämlich definitiv eine Lehrerin, die ihren Job beherrscht und sich für ihre Klasse einsetzt. Die Idee, eine Musical-AG aus dem Boden zu stampfen, ist aber reiner Selbstzweck. Schliesslich erhofft Annika sich dadurch, dass sie nach dem Entwickeln eines erfolgreichen Abschlussmusicals wieder an ihre alte Schule zurückkehren kann. Allerdings wachsen Annika das Projekt und die Jugendlichen ans Herz und sie beginnt, einige wesentliche Dinge zu verstehen.

Meine Meinung:
Ihr glaubt es nicht und selber habe ich es auch kaum geglaubt: das Buch hätte ich bereits nach wenigen Seiten fast abgebrochen. Nicht nur ist Annika eine extrem unsympathische Hauptfigur, sie ist auch eine furchtbare und mit vielen Vorurteilen behaftete Lehrerin. Und ja: das Schulsystem und die Musikerinnenlaufbahn werden mit so viel Halbwissen und Klischees beschrieben, dass ich mich wirklich geärgert habe. Aber: Annikas Musicalprojekt und die wunderbar beschriebenen Jugendlichen, welche ihrer neuen Lehrerin das Leben zuerst natürlich sehr schwer machen, dann aber immer mehr aufblühen, haben mich begeistert und ich wollte unbedingt herausfinden, wie es mit dem Projekt weitergeht.
Nun habe ich nur noch einen Band der Hamburg-Reihe vor mir und ich muss ehrlich sagen, so langsam ähneln sich Hülsmanns Protagonistinnen schon ein wenig zu sehr: sie alle wirken eher unreif, sind aber gerade dabei, sich beruflich und persönlich ihren Weg zu bahnen. Am Tag stehen also Herausforderungen bei der Arbeit an und am Abend wird im Kiezhafen oder einer anderen Bar auf den Putz gehauen. Annika unterscheidet sich da nicht wirklich und ich hoffe sehr, dass der sechste Band der Reihe wieder ein wenig origineller daherkommt.
Eine Notiz am Rande übrigens noch: die erste Ausgabe des Buches ist wohl bereits so alt, dass ganz oft das generische Maskulinum verwendet wird, was irgendwie einfach auch in dieser neuen Ausgabe nie angepasst worden ist und beim Lesen richtiggehend irritiert. Von wegen, gendergerechte Sprache würde irritieren....stets von Schülern, Schauspielern und Lehrern zu lesen, hat mich viel mehr irritiert, als differenzierende oder auch einfach bewusst offen gehaltene Formulierungen dies mittlerweile tun. 

Fazit:
Ein wenig romantisches Geplänkel, vor allem aber so richtig viele Beschreibungen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen prägen diese Geschichte und auch wenn ich finde, dass der Roman aus viel zu vielen Klischees besteht und mindestens 100 Seiten zu dick ist, hat mich die Geschichte meistens gut unterhalten. Ich musste zwar immer wieder über einige maximal deplatzierte, uninformierte und unlogische Beschreibungen der Ausbildung zur Musikerin und Pädagogin hinweglesen, aber die Entwicklung der Bühnenproduktion, die Annika an ihrer neuen Schule in die Hand nimmt, ist wirklich überraschend gut und kurzweilig erzählt. Der leider bisher schwächste Band der Reihe....kann man lesen, muss man aber nicht.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 576 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19197-0

Rezension: Sternflüstern

Sternflüstern - Paula Carlin

Beschreibung des Verlages:
Es ist ein wunderbarer Sommer. Die 56-jährige Künstlerin Irith hadert jedoch mit dem Verlust ihres Freundes Lunis. Sie versucht sich durch ihre Arbeit in einem Hotel abzulenken. Dann taucht plötzlich die junge Sophie bei ihr auf. Sie ist ebenfalls Künstlerin und verkauft ungewöhnliche Bilderrahmen. Die Frauen inspirieren sich gegenseitig und beschließen kurzerhand, gemeinsam an einem Wandmosaik zu arbeiten. Irith hat allerdings noch eine Aufgabe zu erfüllen: Lunis hat ihr ein verschlossenes Päckchen hinterlassen, um es einer Frau namens Alix zu geben. Aber wer ist diese Frau? Und welche Rolle hat sie in seinem Leben gespielt? Die Begegnung der drei Frauen, die durch Lunis schicksalhaft verbunden sind, wird zum Wendepunkt ihrer Leben. 
In wundervollen Bildern erzählt die Autorin, wie es sich anfühlt, an einem Scheideweg im Leben zu stehen und wie ein klarer Blick nach innen, aber auch die Begegnung mit anderen Menschen helfen können, sich auf den richtigen Weg zu machen.

Inhalt:
Irith steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihre Arbeit in einem Hotel gibt ihr Halt und ihre Kunst - sie kreiert Mosaike aus Alltagsgegenständen und bunten Glasscherben - hilft ihr bei der Bewältigung ihrer Trauer um ihren Freund Lunis. Da bietet ihr Arbeitgeber ihr an, den Eingangsbereich seines Hotels mit einem grossen Kunstwerk zu versehen. Sie folgt ihrer Intuition und teilt sich die Arbeit mit der Künstlerin Sophie, der sie erst gerade begegnet ist und lässt auch Alix in ihr Leben, die ebenfalls mit Lunis verbunden scheint. Stück für Stück setzen die Frauen Erinnerungen und Gefühle zusammen, besuchen einen verlassenen Garten und trauern einem Menschen nach, der ihre Leben ganz anders geprägt hat, als sie es auf den ersten Blick erkennen konnten.

Meine Meinung:
"Sternflüstern" hat mir die liebe Andrea vom Blog LeseBlick geschenkt und es hat sich wunderbar in meinen Juli eingefügt. Mitten in diesem unerträglich heissen und trockenen Sommer, wo Regen rar ist und die Natur (und ich mit ihr) an ihre Grenzen kommt, kämpft nämlich auch die Protagonistin Irith mit der Hitze und Dürre und sehnt sich nach dem Erlösung bringenden Regen und Herbst. Dadurch habe ich mich Irith sofort sehr nahe und verbunden gefühlt und besonders gut gefallen hat mir, wie sie beginnt, sich einem verlassenen Haus mit Garten und dem sich darin befindlichen Fuchs anzunähern. Das Buch habe ich im April nach wenigen Kapiteln zur Seite gelegt, weil dann einfach nicht der richtige Lesezeitpunkt dafür war. Im Juli habe ich auch wieder ein wenig Zeit gebraucht, um ins Buch zu finden und wusste zuerst nicht, wohin das Buch mich führen würde. Und dann hat sich eine Ebene nach der anderen entfaltet und dabei eine wunderschöne, zarte Geschichte offenbart. 

Schreibstil und Aufbau:
Der Garten eines verlassenen Hauses, zu dem sich Irith immer wieder wie von Zauberhand hingezogen fühlt, gibt dieser leise erzählten Geschichte einen zarten, grünen Rahmen, der nach und nach ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch Iriths und Sophies Kunstprojekt, das wächst und sich verändert, scheint, sich parallel zum Leben der Figuren zu entwickeln.
Und obwohl die Themen Trauer und Tod im Buch sehr präsent sind, wirkt es doch alles andere als bedrückend und ist vielmehr hoffnungslos und erzählt vom Mut, etwas zu wagen und sich auf Menschen, Chancen, buntes Glas und Gärten, immer wieder Gärten, einzulassen, gross zu Träumen und sich dabei stets neu zu erfinden.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch der leisen Töne hat mich nach einem eher trägen Start verzaubert und für sich eingenommen. Ich habe jetzt richtig Lust, weitere Bücher von Patricia Koelle für mich zu entdecken.

Zusätzliche Infos:
Titel: Sternflüstern
Autorin: Paula Carlin ist das Pseudonym der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin Patricia Koelle. Sie wurde 1964 in Alabama/USA geboren und lebt seit 1965 in Berlin. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 288 Seiten
Verlag: Diederichs

Erschienen am: 30.08.2021
ISBN: 978-3-424-35116-3