Rezension: Sprache und Sein

Sprache und Sein - Kübra Gümüsay

Beschreibung des Verlages:

Kübra Gümüşay beschreibt wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. „Ein beeindruckendes Buch, poetisch und politisch zugleich.“ Margarete Stokowski
Dieses Buch folgt einer Sehnsucht: nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Nach einem Sprechen, das sie in ihrem Facettenreichtum existieren lässt. Nach wirklich gemeinschaftlichem Denken in einer sich polarisierenden Welt. Kübra Gümüşay setzt sich seit langem für Gleichberechtigung und Diskurse auf Augenhöhe ein. In ihrem ersten Buch geht sie der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie zeigt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen. Doch wie können Menschen wirklich als Menschen sprechen? Und wie können wir alle – in einer Zeit der immer härteren, hasserfüllten Diskurse –­ anders miteinander kommunizieren?

Inhalt:
Wie oft schon hat Sprache uns und andere zusammengeführt aber auch voneinander getrennt. Wer hat nicht schon in einer Fremdsprache um Worte gerungen, sich im Ausland nicht verständigen können oder kurzerhand neue Wortkreationen erfunden? Wer hat nicht schon andere um Worte verlegen gesehen und selber nicht eingegriffen? Kübra Gümüşay geht zahlreichen Situationen auf den Grund, in denen Sprache Menschen voneinander trennt, in denen Sprache eine Waffe ist und Gewalt ausübt und zeigt dabei auch immer auf, wie Sprache verbindend genutzt werden kann, wie man Missverständnisse vermeiden, Brücken schlagen und friedlich und fair miteinander diskutieren kann, auch wenn man anderer Meinung ist.

Meine Meinung:
Ich bin so glücklich, dieses Buch, das schon viel zu lange auf meiner Wunschliste stand, nun endlich gelesen zu haben. Alles, was ich in den letzten Monaten über Rassismus und Seximus gelesen habe, alle diese feministischen und inklusiven Bücher, finden hier eine Art gemeinsamen Nenner: die Sprache, mit der wir Menschen, unser Aussehen und unsere Herkunft, aber auch unsere Handlungen und Taten beschrieben werden, ist es, welche uns Menschen letztendlich ausmacht. Kübra Gümüşay schafft es, zahlreiche Texte auf ihre Kernaussage über die Verwendung der Sprache zu reduzieren und alle diese informativen und lehrreichen Botschaften spannend, nachvollziehbar und ihn zehn überschaubare Kapitel unterteilt in ihrem Buch zu vereinen.
Dabei hatte ich beim Lesen sehr viele Aha-Effekte und bereits Erfahrenes hat sich bei mir manifestiert. Weshalb denken wir alle in Schubladen? Was ist die Problematik von Stereotypen und weshalb setzen sie sich dennoch so oft durch? Wie gelingt es mir, Menschen als Individuen zu bezeichnen, erfassen, sichtbar zu machen und anzusprechen, sie in einer Diskussion zu Wort kommen zu lassen?

"Das Problem mit Klischees ist nicht, dass sie unwahr sind, sondern dass sie unvollständig sind. Sie machen eine Geschichte zur einzigen Geschichte", erklärt Adichie. Wenn eine einzige Geschichte die Wahrnehmung einer ganzen Gruppe von Menschen dominiert, dann existieren diese Menschen nicht mehr als Individuen. Die Definitivon von Menschen anhand einer Kategorie ist nicht zwangsläufig falsch, sondern unvollständig. Eine Wahrheit wird zur einzigen Wahrheit.
- S. 152 -

Natürlich ist dieses Buch nicht die Antwort auf alles und bezüglich Verhalten innerhalb einer diversen Gesellschaft werden wir Menschen wohl nie ausgelernt haben, aber dieses Buch ist ein sehr guter Anfang, um sich damit zu befassen, wie Sprache verwendet werden kann und welche Mechanismen von Menschen in der Politik, der Werbung oder extremistischen Gruppen mit ihren Formulierungen bedient werden und wie wir gewisse Muster durchbrechen und unseren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen können.

Menschen so zu bezeichnen, wie sie bezeichnet werden wollen, ist keine Frage der Höflichkeit, auch kein Symbol politischer Korrektheit oder einer progressiven Haltung - es ist einfach eine Frage des menschlichen Anstands. Ich verzichte darauf, andere trotz ihres Widerspruchs anders zu benennen, als sie es wünschen. Ich verzichte darauf, ihre Perspektive zu unterdrücken, der ich stattdessen Raum gebe.
- S. 49 -


Meine Empfehlung:
"Sprache und Sein" werde ich nicht mehr aufhören zu empfehlen und einige Menschen in meinem Umfeld werden es in den nächsten Monaten zum Geburtstag bekommen oder zu Weihnachten unter dem Christbaum finden. Lest dieses Buch!

Zusätzliche Infos:
Titel:
Sprache und Sein
Autorin: Kübra Gümüşay, geboren 1988 in Hamburg, ist eine der einflussreichsten Journalistinnen und politischen Aktivistinnen unseres Landes. Sie studierte Politikwissenschaften in Hamburg und an der Londoner School of Oriental and African Studies. 2011 wurde ihr Blog Ein Fremdwörterbuch für den Grimme Online Award nominiert. Sie war Kolumnistin der tageszeitung und stand mehrfach auf der TEDx-Bühne. Die von ihr mitbegründete Kampagne #ausnahmslos wurde 2016 mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis ausgezeichnet. Nach Jahren in Oxford lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn wieder in Hamburg.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag: 208 Seiten
Verlag: Hanser Berlin
Erscheinungsdatum: 27.01.2020
ISBN: 978-3-446-26595-0

Rezension: Botschaften an mich selbst

Botschaften an mich selbst - Emilie Pine

Beschreibung des Verlages:

Ein radikal aufrichtiges Debüt. Der Nummer-1-Bestseller aus Irland: Emilie Pine spricht wie niemand sonst darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert eine Frau zu sein. Es ist das Buch einer ganzen Generation. Ein Buch über Geburt und Tod, sexuelle Gewalt und Gewalt gegen sich selbst, weiblichen Schmerz, Trauer und Infertilität. Es ist ein Buch über den alkoholkranken Vater, über Tabus des weiblichen Körpers. Und es ist trotz allem ein Buch über Freude, Befriedigung und Glück – unbändig, mutig, und absolut außergewöhnlich erzählt.

Inhalt:
Emilie Pine schreibt über sich und ihre tiefsten menschlichen und weiblichen Erfahrungen. Erfahrungen, die so viele Frauen und weiblich gelesene Menschen im 21. Jahrhundert machen und Erfahrungen, die schmerzlich sind, aufrüttelnd und hoffnungsvoll. In sechs Essays kehrt sie ihr Innerstes nach aussen und lässt uns Leser*innen teilhaben an ihren Erlebnissen und Erkenntnissen, ihrem Schmerz, ihrem Glück, ihrem Mut und ihrer Stärke.

Meine Meinung:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen besseren Zeitpunkt gibt "Botschaften an mich selbst" zu lesen, als unmittelbar direkt nach der Lektüre von "Frühlingserwachen". Im zweiten Essay "Babyjahre" spätestens hatte ich das Gefühl, zwei sehr ähnlichen Ansätzen mit komplett unterschiedlicher Umsetzung zu begegnen. Darin beschreibt Pine die erfolglosen Versuche, ein Kind zu zeugen und erzählt auf eindringliche Weise von der Schwangerschaft ihrer Schwester, die im neunten Monat mit einer Totgeburt endete. Weitere Essays beschreiben sexuelle Gewalt, den Hass auf den eigenen (weiblichen) Körper, Scheidung, Burn-out und Abhängigkeit und hängen auch damit unmittelbar mit den Themen in "Frühlingserwachen" zusammen. Während Isabelle Lehns Roman allerdings autofiktional ist, schreibt Emilie Pine von ihren persönlichsten Erfahrungen. Obwohl die Sprache dabei fast nüchtern wirkt, schafft sie es, zu berühren. Bereits im ersten Essay, in denen Pine über ihren alkoholkranken Vater schreibt, sind bei mir die Tränen gekullert. Auch gegen Ende des Buches, das Emilie Pine als Universitätsprofessorin zeigt, die jungen Menschen Mut macht und immer noch täglich gegen sexistische Windmühlen kämpfen muss, hat sie besonders bewegende, (selbst-)kritische und aufrüttelnde Worte gefunden, die stärken, anspornen und Hoffnung machen.

Schreibstil:
Pine schafft es, mit wenigen Worten, Stimmungen zu erzeugen, die Gänsehaut hervorrufen. Ich habe mit ihr um das Leben ihres Vaters gebangt, die Daumen für einen positiven Schwangerschaftstest gedrückt und hätte ihr Teenager-Ich am liebsten in den Arm genommen. Schlicht, klar und genau deshalb äusserst eindringlich, lässt sie den tiefsten Schmerz, die grössten Verletzungen in ihre Sprache hinein und schafft es mit und durch diese Essays dennoch, eine Art Versöhnung mit sich selber und ihrem Frausein, ihrer Geschichte und Entwicklung zu feiern.

Meine Empfehlung:
"Botschaften an mich selbst" ist ein absolutes Highlight. Ein Buch, das Mut macht, tröstet, das bewegt und schockiert, aber auch immer wieder einen Weg und einen Hoffnungsschimmer aufzeigt. Ich empfehle euch allen dieses Buch wärmstens und von Herzen weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Botschaften an mich selbst
Originaltitel: Notes to Self
Autorin: Emilie Pine ist Associated Professor für Modernes Drama an der School of English, Drama and Film am University College Dublin. Ihre zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden vielfach ausgezeichnet. »Botschaften an mich selbst« ist ihre erste Sammlung persönlicher Essays, die international euphorisch gefeiert und unter anderem mit dem »Irish Book of the Year«-Award ausgezeichnet wurden.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Cornelia Röser
Hardcover mit Schutzumschlag: 224 Seiten
Verlag: btb
Erschienen am: 08. März 2021
ISBN: 978-3-442-75888-3

Rezension: Frühlingserwachen

Frühlingserwachen - Isabelle Lehn

Beschreibung des Verlages:
»Ich glaube an den Verstand, den freien Willen und die Kraft der Gedanken. Ich glaube an Biochemie, Serotoninmangel und erhöhte Entzündungswerte. Ich glaube an Alkohol und Penetration, an die Sehnsucht nach Selbstaufgabe und die Würde des Scheiterns. Ich glaube an die Wirksamkeit von Psychopharmaka – und sogar daran, ein schönes Leben zu haben.«
Das Leben ist gut – solange wir es nicht daran messen, wie wir es uns vorgestellt haben. Isabelle Lehn schreibt über eine Frau namens Isabelle Lehn. Poetisch, selbstironisch und umwerfend offen.

Inhalt:
In diesem autofiktionalen Buch schreibt die Autorin Isabelle Lehn über die Ich-Erzählerin Isabelle Lehn und zeigt damit auf, wie sehr Realität und Fiktion miteinander verbunden werden und ineinander verschwimmen können. Voller sprachlicher Finesse lässt die Autorin ein Jahr im Leben der fiktiven Isabelle Lehn vorbeiziehen, in dem die Jahreszeiten nahtlos ineinander übergehen, in dem Medikamente, Depression, die Vergänglichkeit und Anfälligkeit des eigenen Körpers eine grosse Rolle spielen und in dem die Protagonistin sich fragt, inwiefern der Kinderwunsch oder die Fähigkeit oder Unfähigkeit, Kinder in die Welt zu setzen, die eigene Weiblichkeit definieren.

Meine Meinung:
Die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft und die weibliche Selbstbestimmung sind zentrale Themen in diesem kurzen Roman. Von übermässigem nächtlichen Schwitzen über eine enorm starke Menstruation bis hin zu einer toxischen Beziehung mit sich selber und dem eigenen Kinderwunsch bleibt der Protagonistin keine Unannehmlichkeit erspart und die Themen schmerzen auch beim Lesen, werfen Fragen auf, denen man selber ebenfalls immer wieder begegnet und lassen zudem die durch eine schwere Depression und deren medikamentöse Behandlung hervorgerufenen starken Stimmungsschwankungen hautnah erfahren. 

Schreibstil:
Der Schreibstil zeigt auf, wie fragil und teilweise undurchsichtig, aber auch radikal und prägnant Sprache sein kann und obwohl ich mich an einigen Stellen gefrag habe, inwiefern eigene Erfahrungen der Autorin verarbeitet werden, so rücken diese Gedanken doch nach und nach in den Hintergrund, weil die atemlos ineinander übergehenden Szenen, die schnellen Schnitte und kurzen Dialoge vielmehr die behandelten Themen ins Zentrum rücken und uns Leser:innen mit dem eigenen Scheitern, Loslassen, unserer Zielsetzung und unseren Lebensentscheiden konfrontieren.

Meine Empfehlung:
Für "Frühlingserwachen" muss man in der richtigen Stimmung sein oder beim Lesen in die richtige Stimmung kommen und dann fliesst dieser Roman, der wie ein einziger, atemloser Essay wirkt, nur so vor sich hin und lässt innehalten, nachdenken und sich auf das eigene Glück besinnen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Frühlingserwachen
Autorin: Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, lebt heute in Leipzig und führt auf den ersten Blick ein erfolgreiches Leben: promovierte Rhetorikerin, Autorin des mehrfach ausgezeichneten Debütromans »Binde zwei Vögel zusammen« und zuletzt des Romans »Frühlingserwachen«, Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Derzeit ist sie außerdem Heinrich-Heine-Stipendiatin in Lüneburg. Alles andere ist Auslegungssache.
Fester Einband mit Schutzumschlag: 256 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: S. FISCHER
Erscheinungstermin: 27.02.2019
ISBN: 978-3-10-397394-5

Lese-Statistik März

Hey ihr Lieben

Schon ist schon wieder der erste April und ich werde heute Nachmittag unterrichten, bin also schon sehr gespannt, auf die Streiche, die mir gespielt werden. Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber da ich sehr leichtgläubig sein kann, glaube ich am 1.4. erst einmal aus Prinzip gar nichts ;-)

Mein März aus blogtechnischer Sicht:
Im März habe ich gleich zwei ausführliche Posts mit Buchtipps getippt und mir dabei sehr viele Gedanken gemacht und viel in meinen Regalen gestöbert. Ich würde mich total freuen, wenn ihr dort vorbeistöbern und vielleicht sogar die eine oder andere Inspiration für euch finden würdet.
HIER geht es zum Post für den internationalen feministischen Kampftag
HIER geht es zum Post für den Indiebookday

Ein paar buchige und persönliche Vorhaben
Vielleicht habt ihr bemerkt, dass in den letzten Tagen des Monats bei mir einige Rezensionen online gegangen sind und dass ich euch seit einigen Wochen ganz oft Besuche abgestattet und Kommentare hinterlassen habe. Ich habe mir vor etwa zwei Monaten vorgenommen, mehr bei euch zu stöbern und mehr zu kommentieren und das klappt schon sehr gut. Ausserdem nehme ich mir schon lange vor, mehr zu lesen und meine Zeit effizienter zu nutzen. Ich arbeite eigentlich immer sehr effizient, aber ich sitze zusätzlich zu den Proben, der Planungsarbeit und dem Unterrichten sehr viele Stunden pro Woche im Zug und möchte auch diese Zeit für mich nutzen, also nicht damit verbringen, sinnlos zu scrollen oder auch unzählige Mails zu schreiben (manchmal muss ich zwar wirklich arbeiten, oft ist das aber meine einzige "freie" Zeit im Tag). Also habe ich Mitte März zwei Dinge sehr konkret unternommen:
1. stehe ich früher auf und setze mich nach Möglichkeit nur noch zweimal täglich an meine Mails und alle organisatorischen Aufgaben, die ich erledigen muss. Morgens, kurz nach dem Kaffee (und ein paar Seiten in meinem aktuellen Buch) ein bis zwei Stunden und abends, ab ca 21.30 oder 22.30 Uhr (einfach dann, wenn ich nach Hause komme) noch einmal etwa eine halbe Stunde. So bereite ich am Morgen alles vor, was ansteht, und am Abend alles nach, was über den Tag so angefallen ist.
2. habe ich einige Apps auf meinem Handy eingeschränkt. Das ist erstens natürlich Instagram (Posts und Kommentare schreibe ich so oder so am Computer, aber so scrolle ich nicht mehr sinnlos) und zweitens sind das News-Apps, die ich sonst mehrmals täglich konsultiert habe und auch totale Zeitfresser sind.
So habe ich vor allem Ende März fast 200 Seiten täglich gelesen und auch wenn es nun im Frühling endlich auch an den Wochenenden wieder voller wird (KONZERTE!!!!), werde ich versuchen, weiterhin effizienter zu arbeiten und die so entstehenden Pausen lesend zu nutzen.

Gelesene Bücher im März:

Trotz einzelner Kritikpunkte ist das eine leichte und unterhaltsame Lektüre mit viel Bücherliebe

Ein leider antifeministisches Buch, das ich bereits an seine Besitzerin zurückgegeben habe und nicht empfehle

Ein grandioses Buch, das mich nach Bosnien hat reisen lassen und das ich euch sehr ans Herz lege

Eine absolute und begeisternde Überraschung, wild, heftig, brutal und am Ende hoffnungsvoll

Eine nicht mehr ganz zeitgemässe aber trotzdem spannende Essaysammlung

Dieses Buch hat mich in eine sommerliche, traumähnliche Idylle entführt und ich will mehr davon

Von allem zu viel und genau deshalb sehr unterhaltsam, aber auch gesellschaftskritisch


Alle Rezensionen:

Die Buchhandlung zum Glück - Susan Wiggs   (384 Seiten)
Sie hat Bock - Karja Lewina   (224 Seiten)
Fang den Hasen - Lana Bastašić   (336 Seiten)
Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt - Jesmyn Ward   (304 Seiten)
Alles auf dem Rasen - Juli Zeh   (304 Seiten)
Das Kind, das nicht fragte - Hanns-Josef Ortheil   (432 Seiten)
Krötensex - Franka Frei   (448 Seiten)

Neuzugänge im März:

Im März habe ich hemmungslos zugegriffen. Zwei meiner gelesene Bücher waren Rezensionsexemplare, die ich natürlich immer sofort lese. "Fang den Hasen" von Lana Bastašić hat mir der Fischer-Verlag zur Verfügung gestellt und "Krötensex" von Franka Frei habe ich via Bloggerportal von Randomhouse vom Heyne-Verlag bekommen.
Weiter habe ich sechs Bücher gekauft und ein Buch aus einem offenen Bücherschrank mitgenommen...

Gekauft habe ich:
"Botschaften an mich selbst" von Emilie Pine
"Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay
"Schindlers Lift" von Darko Cvijetić (lese ich ab heute in einer Leserunde mit Kata)
"Frühlingserwachen" von Isabelle Lehn
"Wildauge" von Katja Kettu (lese ich Ende April in einer Leserunde mit Melanie)
"Das Flüstern der Bienen" von Sofia Segovia (lese ich Mitte April in einer Insta-Leserunde)

Im offenen Bücherschrank gefunden habe ich:
"Das goldene Ei" von Donna Leon, den 22. Fall von Commissario Brunetti. Die Brunetti-Reihe möchte ich ja seit einiger Zeit vervollständigen und sammle/suche/kaufe mir Teil für Teil zusammen, bis ich alle habe und sie dann chronologisch lesen kann.

Alle Zahlen auf einen Blick:

Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: -
Somit in die Leseeule: 7 Franken
Gelesene Seiten: 2'432 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 78.45 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: 6
Eingesammelte Bücher: 1
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 113
Aktueller SuB: 114
Differenz: +1 (ich habe bemerkt, dass ich ein Buch, das ich im Januar gelesen habe, noch nicht aus der SuB-Liste gelöscht hatte...das ist nun korrigiert)

Rezension: Krötensex

Dieses Rezensionsexemplar aus dem Heyne-Verlag hat mich via Bloggerportal von Randomhouse erreicht. Herzlichen Dank.


Krötensex - Franka Frei

Beschreibung des Verlages:

Weder verliebt, noch in Berlin

Amerika. So heißt das Kaff in der ostdeutschen Provinz, in das es Frieda verschlägt, um ihr Studium zu beenden. Selbst schuld, wer das Kleingedruckte in der Studienordnung nicht liest. Leider passt dieses Provinzloch so gar nicht zu Friedas life goal: vegane, Adorno zitierende Weltverbessererin sein, die um die W›elt trampt und ihren shit together hat – wie Freia, Friedas perfekte Zwillingsschwester. Mühelos attraktiv sein wie Freia, das ist die Devise! Sonst wird’s zu viel. Und zu viel ist Frieda eh schon: zu laut, zu groß, zu viel Make-up. Immer und überall. Ob sich am Ende trotzdem body positivity und ein lebenslauftaugliches Praktikum finden lassen?

Von allem zu viel:
Wie trashig kann ein Buch sein? Das habe ich mich die ersten paar Seiten fortwährend gefragt und die über vierhundert Seiten doch in zwei Tagen inhaliert. Nicht nur die Protagonistin Frieda, auch diese ganze Geschichte ist einfach "zu viel". Zu viel Dialekt, zu viele Konversationen, die in englischer Sprache geführt werden, zu viele lustlose Liebesnächte, Alkoholexzesse und zu viel Geschwisterklinsch. Doch hinter der Fassade entpuppt sich "Krötensex" sehr bald als kritischer Roman, der vom Erwachsenwerden erzählt (mit zu vielen Klischees) und die Gefahren von Social Media, den (zu hohen) Ansprüchen an sich selbst und sein Umfeld, Burnout und Esstörungen thematisiert. Das Buch lässt sich lose in drei Drittel unterteilen. Im ersten Drittel realisiert die Protagonistin, dass es sich lohnt, das Kleingedruckte in der Studienordnung zu lesen und absolviert murrend, aber ohne wirklich etwas dagegen tun zu können ihr nicht sehr erfolgreiches Austauschsemester in der deutschen Provinz Amerika, statt in die USA zu reisen. Im zweiten Drittel tut sich Frieda mit ihrer Zwillingsschwester Freia zusammen (und ich sage euch, die Namen in diesem Buch: zu viel, definitiv) und wird zur veganen Öko-Influencerin. Im dritten Drittel ist Frieda am Ende mit ihren Nerven, sie ist haltlos überarbeitet und unterernährt, hat den Kontakt zu ihrer Schwester abgebrochen und kaum noch ein analoges Leben. Gelingt es ihr, den Absprung zu schaffen und sich vom Zwang, zu posten, Kalorien zu zählen und stets verfügbar zu sein, zu lösen?

Wenn "zu viel" so richtig unterhaltsam ist:
Selten hat sich ein "zu viel" in einem Buch so unterhaltsam und zugleich wichtig angefühlt, wie in "Krötensex". Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, ein wenig zu alt und zu geerdet zu sein, für ein Buch. Einzelne Themen darin sind für mich - zum Glück - kein Thema mehr oder waren es nie. Einige Erfahrungen habe ich nie machen müssen und bin froh darüber. Ich stehe an einem anderen Punkt im Leben als Frieda und habe mich trotzdem auf sie und ihr Leben eingelassen und vor ihr realisiert, in welcher Abwärtsspirale sie sich befindet (und mich darüber gefreut, dass sie es auch noch bemerkt hat). Für einige Leser*innen ist dieses Buch genau das, was sie gerade brauchen. Viele von ihnen werden jünger sein, als ich es jetzt bin, mehr auf der Suche, vielleicht ein wenig zu viel (oder zu wenig) und der Inhalt dieses Buches ist vielleicht für einige ein wichtiger Anhaltspunkt: eine Person Mitte Zwanzig, die sie mit Worten an die Hand nimmt und ihnen aufzeigt, was alles schief gehen kann, dass es sich aber auch lohnt, auf sich und die wahren und echten Menschen in seinem Leben zu vertrauen.
Und, wirklich...das WG-Leben in "Krötensex" ist definitiv auch zu viel. Zu schmutzig, zu versifft, zu dramatisch und die Kühlschränke sind alle zu leer und die Drogen definitiv zu einfach zu besorgen. Aber obwohl meine WG-Efahrungen sehr überschaubar sind (und sich darauf beschränken, dass der Liebste und ich zwei Jahre lang einen Untermieter hatten), so kenne ich doch auch einzelne im Buch dargestellten Stereotypen zu genüge, was wiederum für beste Unterhaltung gesorgt hat.

Meine Empfehlung:
"Krötensex" ist einfach zu viel (es sind auch ca. 100 Seiten zu viel), aber dieses "zu viel" fühlt sich gut an und unterhaltsam und ich denke, dass alle, die gerade von zu Hause ausziehen, volljährig werden oder ihr Auslandsemester (oder die Karriere als Social-Media-Star) antreten, dieses Buch lesen sollten. Und alle anderen dürfen ebenfalls gerne dazu greifen und es sich mit diesem trashigen Roman vom Erwachsenwerden in der Leseecke gemütlich machen und sich an Leid und Freud der Krötenweibchen und ihren Krötenmännchen ergötzen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Krötensex
Autorin: Franka Frei, 1995 in Köln geboren und im österreichischen Salzburg aufgewachsen, wurde quasi aus Versehen zur Expertin auf einem Gebiet, das sie seitdem nicht mehr loslässt. Seit ihrem Bachelor-Abschluss im Fach Angewandte Medien und dem plötzlichen Viralgehen in den sozialen Medien ist sie Menstruationsaktivistin – ein Vollzeitjob, der selbst bei Partys im hippen Berlin Fragezeichen in die Gesichter zeichnet. Wenn sie nicht gerade in der Gender Studies-Vorlesung sitzt, wird Franka nicht müde zu erklären »was man damit später mal anfangen will« (die Revolution, natürlich), hält Vorträge im In- und Ausland und arbeitet als Journalistin für die Deutsche Welle. Artikel und Interviews mit ihr erschienen unter anderem in der Huffington Post, Zeit Campus, im Deutschlandfunk, WDR und in Vice. Im März 2020 erschien ihr Sachbuch »Periode ist politisch« bei Heyne Hardcore.
Paperback:
448 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Heyne
Erschienen am: 08. März 2021
ISBN:
978-3-453-42332-9