Rezension: For You

For You - Ian McEwan
Libretto für eine Oper von Michael Berkeley

Beschreibung des Verlages:
Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Englischen von Manfred Allié
Was tut man nicht alles für ein Solo von 32 Takten. Dies ist die Belohnung, mit der sich der alternde Komponist und Frauenheld Charles Frieth willigen Orchesterdamen erkenntlich zeigt. Eine aber lässt sich nicht bestechen: die polnische Haushälterin. Ian McEwan hat zur Musik von Michael Berkeley sein erstes Opernlibretto verfasst: eine Schlafzimmergroteske, in der menschliche Dissonanzen amüsant dargestellt sind.
Inhalt:
In diesem zweisprachigen Operlibretto stehen vor allem der Komponist und Dirigent Charles Frieth und seine Frauengeschichten im Zentrum. Immer mal wieder nämlich verspricht der Schürzenjäger seinen Orchestermusikerinnen, denen er dann ganz schnell sehr nahe kommt, ein zweiunddreissigtaktiges Solo in einem seiner nächsten Werke. Seine kränkliche Ehefrau Antonia weiss von seinen Ausschweifungen und stürzt sich in ihr eigenes Abenteuer, während die polnische Haushälterin Maria nur darauf wartet, dass sich das Paar endlich trennt, damit sie sich Charles Frieth, auf den sie schon lange ein Auge geworfen hat, krallen kann.

Meine Meinung:
"For You" spielt - wie die meisten Opernlibretti - mit den üblichen grossen Bühnenthemen: Liebe, Sex, Intrigen und Eifersucht und beinhaltet natürlich auch die obligaten skurrilen Wendungen, ein wenig Situationskomik und Nähkästchengeplaudere aus dem Orchestergraben. Die englische Version liest sich sehr leicht und flüssig und durch die direkte Gegenüberstellung der Übersetzung und des Originals lassen sich auch ein paar sprachliche Spitzfindigkeiten, Finessen und Kunstgriffe erkennen, die man in einer Übersetzung sonst natürlich nicht so schön auf dem Silbertablett serviert bekommt. Ich flog nur so durch die Seiten dieses handlichen Büchleins und habe mich ausserdem köstlich über die Figuren und die Orchesterstereotypen amüsiert und die Handlungsidee sehr gerne gemocht.
Meine Empfehlung:
Für dieses musikalisch-literarische Schmankerl gibt es von mir eine sehr, sehr herzliche Leseempfehlung.
Zusätzliche Infos:
Titel: For You 
Autor: Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller. Zuletzt kamen Verfilmungen von ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson) in die Kinos. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.
Zweisprachige Ausgabe: Deutsch/Englisch, aus dem Englischen von Manfred Allié
Kartonierter Einband: 133 Seiten
Erscheinungsdatum: 27.10.2009  
ISBN: 978-3-257-06684-5

Rezension: Irgendwo im Glück

Irgendwo im Glück - Anna McPartlin

Beschreibung des Verlages:
Von der Autorin des Bestsellers «Die letzten Tage von Rabbit Hayes»: Ein neuer Roman voller Humor, Liebe, Traurigkeit und Hoffnung.
Dublin, 1995: Maisie Bean ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Ihr erstes Date vor siebzehn Jahren endete so schlimm, dass es ihr für den Rest des Lebens den Appetit auf Pommes verdarb. Die Ehe, die folgte, war die Hölle für Maisie, doch sie gab ihr zwei wundervolle Kinder: den sensiblen, humorvollen Jeremy und die starrsinnige, schlaue Valerie. Mit Hilfe der beiden schafft es Maisie sogar, ihre demente Mutter zu Hause zu pflegen. Alle packen mit an.
Als Maisie denkt, ihr Leben läuft endlich rund, geschieht das Unfassbare: Jeremy verschwindet eines Tages spurlos. Sie steht einem neuen Kampf gegenüber, dem Kampf ihres Lebens - für die Wahrheit über Jeremy, gegen Vorurteile und Ablehnung. Doch Aufgeben kommt für Maisie niemals in Frage.

Inhalt:
Maisie hat in ihrem Leben schon einiges durchgemacht. Nachdem sie es endlich geschafft hat, sich von ihrem gewalttätigen Ehemann zu trennen, bleiben ihr zum Glück noch ihre beiden wunderbaren Kinder Valerie und Jeremy erhalten. Doch auch dieses neue Leben ist nicht immer ganz einfach. Neben der finanziellen Not, in der die liebenswerte Familie steckt, muss sich Maisie also nicht nur um offene Rechnungen und zwei Jobs, sondern auch um ihre demente Mutter kümmern. Gerade als sie auch noch romantische Gefühle für einen alten Bekannten entwickelt, scheint alles ein wenig leichter zu werden. Als dann aber plötzlich Jeremy verschwindet, ist von einer Minute auf die andere nichts mehr, wie es war und die Polizei und natürlich auch die Presse beginnen in den intimsten Geheimnissen und der Vergangenheit aller Beteiligter zu wühlen.

Meine Meinung:
Ohne den Klappentext oder irgendwelche Beschreibungen zu lesen, habe ich mich Hals über Kopf in dieses Buch gestürzt, das erst gerade bei mir eingezogen ist. Es gehörte meiner Schwester, die ganz viele Bücher aussortiert hat (und lediglich drei davon sind bei mir eingezogen, das muss dann schon einmal noch erwähnt werden). Auf Anraten der lieben Jamie vom Blog Librovore habe ich nun mit diesem Buch begonnen und bin nur so durch die Seiten geflogen. Innerhalb von drei Tagen habe ich das Buch inhaliert und dazu hat nicht nur der angenehm dahinfliessende Schreibstil, sondern vor allem auch die bewegende Handlung beigetragen. Das Buch beginnt in der Gegenwart, in der Maisie auf ihre Erinnerungen an die Zeit rund um das Verschwinden ihres wunderbaren Sohnes Jeremy zurückblickt. Dann springt die Handlung zurück zum 1. Januar 1995 und erzählt von da an die Geschichte chronologisch aus verschiedenen Perspektiven weiter. Ich war von der tiefgründigen, enorm bewegenden Handlung und vor allem der starken Botschaft, welche dieses Buch aussendet, begeistert und hätte hinter diesem sommerlichen Cover und dem leicht und luftig klingenden Titel nie eine so kraftvolle, berührende, unterhaltsame, romantische und tragische Geschichte vermutet.

Schreibstil:
Ich habe beschlossen, mir die weiteren Bücher der Autorin Anna McPartlin auszuleihen/gebraucht zu kaufen, so sehr hat sie mich mit ihrem Schreibstil für sich einnehmen können. Vor allem von "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" habe ich natürlich schon sehr viel gehört, das steht nun sehr weit oben auf meiner Wunschliste. Besonders gut gefallen hat mir an der Sprache die flüssige Leichtigkeit, mit der McPartlin erzählt und mit der sie es auch immer wieder schafft, schwierige, ernste und sehr traurige Themen in die Handlung enfliessen zu lassen. Sehr respektvoll geht sie mit Bridies Demenz um, äusserst einfühlsam widmet sie sich Jeremys Innenleben und mit starken, erschütternden Worten erzählt sie von Maisies Qualen, welche diese durch ihren gewalttätigen Ehemann erleben musste. Das alles wirkt aber nie dramatisch überladen, sondern stets stimmig in die Geschichte eingebunden und wird auch immer wieder durch leichtere, unterhaltsame, romantische Momente oder sehr bewegende Situationen zwischen den Figuren aufgebrochen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist nicht nur aufgrund der leichten und trotzdem eindringlichen Sprache ein absoluter Lesegenuss, es beinhaltet auch eine starke Botschaft, erzählt von einer mutigen, lebenshungrigen Frau und ihren Kindern, von Freundschaft, Liebe, von der Schwierigkeit, sich selbst zu sein und der Einsamkeit, die das Leben manchmal mit sich bringt. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung für "Irgendwo im Glück".

Zusätzliche Infos:
Titel: Irgendwo im Glück
Originaltitel: Somewhere Inside of Happy
Autorin: Anna McPartlin wurde 1972 in Dublin geboren und verbrachte dort ihre frühe Kindheit. Wegen einer Krankheit in ihrer engsten Familie zog sie als Teenager nach Kerry, wo Onkel und Tante sie als Pflegekind aufnahmen. Nach der Schule studierte Anna ziemlich unwillig Marketing. Nebenbei stand sie auch als Comedienne auf der Bühne, doch ihre wahre Liebe galt dem Schreiben, das sie bald zum Beruf machte. Bei der künstlerischen Arbeit lernte sie ihren späteren Ehemann Donal kennen. Mit ihm lebt sie heute in Dublin. Bereits ihr Debüt «Weil du bei mir bist» war international ein Bestseller.
Taschenbuch: 464 Seiten
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Sabine Längsfeld
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 26.08.2016
ISBN: 978-3-499-27223-3

Rezension: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten - Jonas Jonasson

Beschreibung des Verlages:
Allan Karlsson ist wieder da! Der Hundertjährige hat genug vom Urlaub auf Bali und ist begeistert, als sich ein neues Abenteuer ankündigt: Bei einer Ballonfahrt geraten er und sein Gefährte Julius auf Abwege und müssen im Meer notlanden. Pech jedoch, dass sich das Rettungsboot als nordkoreanisches Kriegsschiff entpuppt und Kim Jong-un im Atomkonflikt gerade seine Muskeln spielen lässt. Und schon steckt Allan, der sich ja mit Atomwaffen bestens auskennt, mitten in einer heiklen Mission, die ihn von Nordkorea über New York bis in den Kongo führen wird. Dabei nimmt er auch Kontakt zu Donald Trump und Angela Merkel auf – mit ungeahnten Folgen ...

Inhalt:
Natürlich erinnert sich die Buchwelt noch an den hundertjährigen Allan Karlsson, der nicht nur weiterhin erstaunlich fit durch sein bewegtes Leben geht, sondern der auch noch diverse grössere Geschehnisse der Weltgeschichte - ähnlich wie Forrest Gump und doch irgendwie ganz anders - beeinflusst und verändert hat.
In "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten" hat sich Allan gemeinsam mit seinem guten Freund Julius auf Bali von den Strapazen der letzten Jahre erholt, aber die Zeit im Urlaubsparadies ist den beiden schnell langweilig geworden und so kommt es, dass sie bald versehentlich auf einem nordkoreanischen Kriegsschiff zu Kim Jong-un reisen und plötzlich mitten in einem Atomkonflikt nicht nur vermitteln, sondern auch noch ihre eigene Haut retten müssen. Während Julius nicht nur sein Spargel-Business, sondern auch noch ein paar Herzensangelegenheiten ordnen muss, klickt sich Allan mit seinem neuen Tablet durch die halbe Welt und lernt bald nicht nur den Nordkoreanischen Diktator persönlich kennen.

Meine Meinung:
Obwohl ich "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" bereits im Jahr 2012 gelesen habe, war ich beim Lesen des Folgebandes sofort mitten im Geschehen angelangt und genoss es sehr, mich mit Allan Karlsson auf eine weitere abenteuerliche Reise zu begeben. Sprachlich kommt dieses Buch nicht ganz an seinen Vorgänger heran. Vor allem, weil einzelne ein wenig gar gewollt detaillierte Hintergrundinformationen, aber auch einige sehr konstruierte Dialoge durchaus ein paar Längen aufwiesen. Aber die vielen actionreichen, unterhaltsamen und gesellschaftskritischen Aspekte dieses Buches haben gut darüber hinweggetröstet. Dieses Buch ist wesentlich zynischer, politischer und mit mehr schwarzem Humor gespickt, als der Erstling und das habe ich sehr gerne gemocht. Dabei geht allerdings auch die vom ersten Buch gewohnte fantasievolle Leichtigkeit ein wenig verloren. Alles in allem ist "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten" aber äusserst aktuell, spannend erzählt und abenteuerlich und somit ein Buch, das man nicht zwingend gelesen haben muss (im Vergleich zum Vorgänger, der sich schon sehr, sehr lohnt), das aber für einige sehr unterhaltsame und definitiv nicht vergeudete Lesestunden sorgt.

Meine Empfehlung:
Vielleicht ist dieses Buch nicht ganz so ausgefuchst und sprachlich überragend, wie sein Vorgänger und ja, einzelne kleinere Längen, die sich vor allem durch einige ein wenig gar konstruierte Dialoge oder Hintergrundinformationen ergeben, finden sich ebenfalls in "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten". Dennoch ist Jonas Jonasson ein solider, unterhaltsamer Folgeband gelungen, der mit viel Witz, Kreativität und einem zufriedenstellenden Ende zu überzeugen vermag.

Zusätzliche Infos:
Titel: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten
Originaltitel: Hundraettåringen som tänkte att han tänkte för mycket Hundraettåringen som tänkte att han tänkte för mycket
Autor: Jonas Jonasson, geboren 1961 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Smålandsposten“ und „Expressen“. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er seine Firma und schrieb den Roman, über den er schon jahrelang nachgedacht hatte: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das Buch wurde zunächst in Schweden und später weltweit zu einem Bestseller. Auch die Verfilmung war international höchst erfolgreich. Jonassons weitere Romane Die Analphabetin, die rechnen konnte sowie Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind wurden ebenfalls sofort Nr.-1-Bestseller.
Sprache: Deutsch
Aus dem Schwedischen von: Wibke Kuhn
Taschenbuch, Broschur: 464 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen am: 14. Oktober 2019
ISBN: 978-3-328-10508-4

Rezension: Was dann nachher so schön fliegt

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Kiepenheuer&Witsch, vielen Dank.

Was dann nachher so schön fliegt - Hilmar Klute

Beschreibung des Verlages:
Ein Roman über die Leidenschaft fürs Schreiben, die Schönheit der Chance und die Liebe zur Literatur. Das literarische Debüt von Hilmar Klute ist voller Sätze, die man am liebsten immer wieder lesen möchte. Ruhrgebiet, 80er-Jahre: Volker Winterberg arbeitet als Zivi im Seniorenheim und schreibt Gedichte. Er träumt davon, ein Dichter zu werden wie Peter Rühmkorf und die Leute von der Gruppe 47. Aber vorläufig muss er noch frühmorgens seine Alten für den Tag vorbereiten. Die übrige Zeit verbringt er trinkend, rauchend und schreibend in Kneipen, die Nächte oft in fremden Betten. Dann gewinnt er die Teilnahme an einem Treffen für Nachwuchsschriftsteller in West-Berlin. Dort lernt er Heiner Müller kennen, den jungen, eigentümlichen Dichter Thomas und vor allem Katja, die mit Volker Ausflüge an die Mauer macht und ihm nach seiner Rückkehr Liebesbriefe schreibt. Als Volker ein zweites Mal nach Berlin reist, beginnt ein turbulentes Abenteuer mit Katja und eine verwickelte Odyssee durch das alte West-Berlin.

Kurz und knapp:
Volker arbeitet als Zivi im Seniorenheim und versucht dabei, gegen die Missstände im Heim vorzugehen und die alten Menschen mit Würde zu behandeln. Er schreibt aber auch Gedichte, die er für zahlreiche Wettbewerbe einreicht, wodurch er tatsächlich auch zu einem Treffen für Nachwuchsschriftsteller in West-Berlin eingeladen wird. Dort lernt er Thomas und Katja kennen, dort erinnert er sich zurück an eine einprägsame Reise nach Paris und dort entdeckt er das Berlin der 80er Jahre für sich.

Sprache:
Jeder Satz dieses Buches ist ein kleines Meisterstück. Die Sprache erzählt poetisch und sehr bildhaft. Sie ist voller Metaphern, voller detaillierter Beschreibungen von Äusserlichkeiten, wie dem Stadtbild und dem Aussehen der Personen, aber auch von Gedanken und Gefühlen. In diesem Buch kann man sich verlieren und immer wieder neu (er)finden und nimmt dabei noch an der Entwicklung eines jungen Dichters teil. Zudem wird für jede Umgebung die passende Erzählhaltung eingenommen. Die Szenen im Seniorenheim beispielsweise sind von einer krassen Nüchternheit und Brutalität geprägt und es hat mich angewidert, wie dort mit den Menschen umgegangen wird. Die Erinnerungen an Paris hingegen ziehen wie ein rauschhafter Schwarz-Weiss-Film vorbei, während die im Jetzt spielenden Handlungen in Berlin intensiv, überbordend, aber auch sehr melancholisch erzählt sind.

Meine Empfehlung:
"Was dann nachher so schön fliegt" ist eine sprachgewaltige, kraftvolle Liebeserklärung an die Schönheit des Erzählens und der Poesie und ein Selbstfindungsroman, der einen jungen Dichter und seinen Weg in die Erwachsenenwelt ins Zentrum stellt.

Zusätzliche Infos:
Titel: Was denn nachher so schön fliegt
Autor: Hilmar Klute ist Streiflicht-Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat einige Bücher veröffentlicht, darunter den zeitkritischen Essay Wir Ausgebrannten (2012). 2015 erschien bei Galiani seine »ebenso kluge wie gründliche und liebevolle« (FAZ) Ringelnatz-Biografie War einmal ein Bumerang. Sein literarischer Debütroman Was dann nachher so schön fliegt erschien 2018 und wurde von der Presse hochgelobt. Hilmar Klute lebt in Berlin.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch 
Erscheinungstermin: 07.05.2020
ISBN: 978-3-462-05419-4 

Kurzrezension: Paris, ein Fest fürs Leben

Paris, ein Fest fürs Leben - Ernest Hemingway

Klappentext:
Als Hemingway im Jahre 1956 mit seiner Frau Mary im Hotel Ritz in Paris abstieg, liess er sich aus dem Keller seine alten Koffer holen, die dort mehr als zwanzig Jahre gelagert hatten.
Sie enthielten Tagebücher und Aufzeichnungen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als Hemingway Korrespondent einer kanadischen Zeitung in Paris war. Dieses Buch ist das Ergebnis seiner Arbeit an jenen Notizen - humorvoll und aus intimer Kenntnis beschreibt der Schriftsteller Menschen wie Gertrude Stein, Ezra Pound, James Joyce und viele andere, die ihm während seiner Zeit in Paris begegneten. 

Meine Meinung:
"Paris, ein Fest fürs Leben" ist ein fantastisches Zeitdokument, das nicht nur zahlreiche Bekanntheiten der goldenen Zwanzigerjahre und ihre - mal mehr, mal weniger charmanten - Schrullen ins Zentrum rückt, sondern das auch von Hemingways Liebe zu seiner ersten Frau zeugt und aufzeigt, wie der nicht immer sehr gesunde (Arbeits-)Alltag des grossen Schriftstellers ausgesehen hat.
Die einzelnen lose zusammenhängenden Kapitel lassen sich grundsätzlich für sich alleinestehend lesen, was ich mehrheitlich auch so gemacht habe. Immer wieder habe ich im Buch geschmökert, pausiert und ein wenig recherchiert und dann später weitergelesen. Zahlreiche literarische Persönlichkeiten der damaligen Zeit sind mir zwar ein Begriff, von den meisten von ihnen habe ich allerdings immer noch nichts gelesen, was ich nun spätestens unbedingt nachholen möchte.
Nach der Lektüre hat mich Fernweh ergriffen nach einem Paris, das wir so nie mehr erleben werden, was sicher nicht nur schlecht ist. Aber ein Hauch der rauschenden Feste, der Unbeschwertheit und gleichzeitig tiefen Melancholie, die wohl untern der damaligen Bohème gang und gäbe war, würde wohl einigen von uns ab und an gut tun und zudem wäre es wirklich schön, das Paris jener Zeit für einen kurzen Moment wirklich erleben zu können, wobei "Paris, ein Fest fürs Leben" dieser Erfahrung schon sehr nahe kommt.
Sehr gerne empfehle ich als weiterführende Lektüre übrigens den biografischen Roman "Alabama Song", der versucht, Zelda Fitzgerald - die nicht nur bei Hemingway eher schlecht weggkommt - ein wenig vom Bild der psychisch kranken Frau reinzuwaschen und der vor allem ihre schriftstellerische Arbeit ins Zentrum rückt.

Meine Empfehlung:
Von Herzen empfehle ich euch diese unterhaltsame, liebevoll und klug erzählte und wehmütig stimmende Lektüre, die auf eine Zeit zurückblickt, die wir alle nur aus Filmen und Büchern kennen und die eine Liebeserklärung an diese Stadt Europas ist, welche zahlreiche einflussreiche literarische Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zusammengeführt hat.

Zusätzliche Infos:
Titel: Paris, ein Fest fürs Leben
Originaltitel: A Moveable Feast
Autor: Ernest Hemingway, geboren 1899 in Oak Park, Illinois, gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In den zwanziger Jahren lebte er als Reporter in Paris, später in Florida und auf Kuba; er nahm auf Seiten der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teil, war Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg. 1953 erhielt er den Pulitzer-Preis, 1954 den Nobelpreis für Literatur. Hemingway schied nach schwerer Krankheit 1961 freiwillig aus dem Leben.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Annemarie Horschitz-Horst
Taschenbuch: 184 Seiten
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 6. Auflage Juli 2005
ISBN: 978-3-499-22702-8