Rezension: ë

ë - Jehona Kicaj

Beschreibung des Verlages:

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz.
Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort.
Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.

Inhalt:
Die namenlos bleibende Erzählerin dieses Romanes leidet an Bruxismus, Zähneknirschen. Sie knirscht so intensiv, dass sie morgens Splitter ihrer Zähne im Mund hat. Schnell wird klar, dass die erlebte Flucht aus dem Kosovo und die dadurch entstandene Sprachlosigkeit sich auf diese Weise körperlich bei ihr zeigen. Zufällig stösst sie auf die Vorlesungsreihe einer Forensikerin, die sich in verschiedenen Kriegsgebieten der Knochen und Zähne getöteter Menschen annimmt, um deren Hinterbliebenen die Möglichkeit zum Trauern und den Ermordeten ein würdevolles Begräbnis zu schenken. Die Protagonistin erkennt dabei, wie das Suchen und Forschen nach Knochen oder nach Sprache, nach Aufklärung und Frieden, nach Versöhnung und Linderung sich ähneln.

Meine Meinung:
Jehona Kicaj gehört definitiv zu meinen Entdeckungen des Jahres. Nachdem ich sie im Mai (gemeinsam mit der lieben Angie) bei den Solothurner Literaturtagen während einer Lesung und eines Podiums erleben durfte, war mir klar, dass ich ihren Debütroman lesen wollte und ich bereue es nur ein wenig, dass ich mir das Buch nicht direkt vor Ort habe signieren lassen. Neben ihrer unglaublich präzise und eindringlich beschreibenden Sprache und der grandiosen Symbolik des Romans hat mich vor allem Kicajs auch in Solothurn wahrnehmbare klare Haltung beeindruckt. Unter anderem hat sie nämlich ihre dortige Lesung dafür genutzt, um Peter Handkes Genozidleugnung zu verurteilen, was leider so wenige Autor*innen machen.
Besonders berührt haben mich die Szenen direkt nach der Ankunft in Deutschland, wo die Protagonistin in der Schule von absolut nicht im Umgang mit traumatisierten Kindern geschulten Lehrkräften vorgeführt und retraumatisiert wird. Es hat mich an meine eigene Schulzeit und die so vielen aus dem Kosovo geflüchteten Kinder in unserem Schulhaus erinnert. Wie sie gedemütigt worden sind, wie sie mitten im Unterricht in Tränen ausgebrochen sind, wie sie tagelang fehlten, wie sie gegen die Rückführung (in der Schweiz so brutal "Ausschaffung" genannt) gekämpft haben und wie die meisten von ihnen plötzlich nicht mehr auftauchten, weil sie das Land verlassen mussten. Wie wir alle nicht verstanden haben, was da eigentlich geschieht und wie dann, als sie weg waren, die Lehrer sich darüber lustig machten und uns sagten, es sei ihnen nur recht geschehen.

Schreibstil und Aufbau:
Kicaj schreibt ihre Szenen so, dass man beim Lesen ganz nahe bei ihrer Protagonistin und mitten im Geschehen ist. Und die Szenen springen zwischen dem Alltag, den Erinnerungen der Erzählerin und ihren Erlebnissen im Kosovo hin und her. Wir befinden uns beim Zahnarzt im Wartezimmer oder auf dem Behandlungsstuhl und dann erinnern wir uns an den Grossvater und dessen Abwesenheit. Wir begleiten Elias, den Freund der Protagonistin, durch eine Ausstellung und hören ihn unbedachte Äusserungen zu Krieg und Flucht und Heimat machen und sind dann plötzlich in einem Hörraum, wo wir einer Vorlesung in Forensik lauschen. Die Szenen greifen nahtlos und stimmig ineinander und Kicaj erzählt eine Geschichte des Krieges, des Vermissens, der Ungerechtigkeit und des Ankommens nach einer Flucht in einem rassistisch geprägten Land. Von der Suche nach der eigenen und der neuen Sprache, einem Weg, zu erzählen, was geschehen ist, Worte zu formen statt sie zwischen den Zählen zu zermalmen und einzustehen für sich selber.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist so wertvoll und berührend geschrieben und beim Lesen hatte ich stets die warme, freundliche Stimme der Autorin im Ohr, was natürlich geholfen hat. Und doch wird natürlich die Geschichte eines furchtbaren Krieges erzählt und es ist wichtig, dass wir darüber lesen und uns darauf einlassen. Ich hoffe sehr, bald wieder ein Buch aus Kicajs Feder lesen zu dürfen und lege euch in der Zwischenzeit ihren Erstling ans Herz.

Zusätzliche Infos:
Titel:
ë
Autorin: Jehona Kicaj, geb. 1991 in Kosovo und aufgewachsen in Göttingen, studierte Philosophie, Germanistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Nach wissenschaftlichen Publikationen erscheinen von ihr seit 2020 auch literarische Texte. Sie ist Mitherausgeberin der Anthologie »›Und so blieb man eben für immer‹. Gastarbeiter:innen und ihre Kinder« (2023). Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman »ë« stand sie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 176 Seiten
Verlag: Wallstein Verlag
Erschienen: 23.07.2025
ISBN: 978-3-8353-5949-9

Rezension: Das Glück beginnt in Istrien

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Gmeiner Verlag

Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt

Beschreibung des Verlages:

Kein Job, keine Wohnung und ein Verlobter, der sich als Millionenbetrüger entpuppt. Rezeptionistin Linda lässt Graz hinter sich und flieht mit ihrem klapprigen Fiat Panda nach Istrien. Als ihr Wagen im Wald liegen bleibt, findet Trüffelsucher Marko mit Dackel Pino sie und bringt Linda in ein kleines B&B in Rovinj, einen Zufluchtsort für gestrandete Seelen. An der zauberhaften Adriaküste will Linda ihr Leben neu ordnen und beschließt, nie wieder einem Mann zu vertrauen. Doch als sie Marko erneut begegnet, funkt ihr Herz dazwischen.

Inhalt:
Nachdem ihr Leben gefühlt von einem Tag auf den anderen in sich zusammen gefallen ist, steigt Linda ins Auto und fährt ohne Rücksicht auf Verluste und ihre Umgebung einfach los, bis das Benzin ausgeht und sie mitten im Wald an einem unbekannten Ort strandet. Der Trüffelsucher Marko findet sie und bringt sie nach Rovinj ins B&B seiner Tante Daria. Darias Kochkünste, ihre Fähigkeit, zuzuhören aber auch im richtigen Moment zu schweigen und die anderen Bewohnenden des B&Bs entpuppen sich als äusserst heilsam. Linda muss zwar noch einige nicht ganz einfach Entscheidungen fällen und ihr Leben neu ordnen, aber mit den in Istrien geschlossenen Freundschaften, der tollen Verpflegung und dem entspannten Lebensstil, der an der Adria vorherrscht, hat sie die beste Unterstützung, die sie bekommen kann.

Meine Meinung:
Voller Vorfreude habe ich mich in dieses bunte Leseabenteuer gestürzt, schliesslich kenne ich ich einige (Küsten-)Regionen Kroatiens schon sehr gut, ausgerechnet nach Rovinj hat es mich aber noch nie verschlagen. Dies möchte ich nun aber ändern, so neugierig hat mich Silvia Trippolt auf das Küstenstädtchen gemacht. Einige von euch wissen ausserdem sicher, dass Hotels und B&Bs in Büchern mich immer abholen, weshalb es mir Daria mit ihrem B&B Vista Mare einfach angetan hat. Die Protagonistin Linda und ich sind zwar leider keine Freundinnen geworden, dafür haben mich die anderen Figuren für sich einnehmen können und die kurzweilige Geschichte hat mich trotz ihrem eher simplen Stil und ihrer Vorhersehbarkeit hervorragend unterhalten.

Schreibstil und Aufbau:
Besonders gut gefallen haben mir die wunderschönen und zum Träumen einladenden Beschreibungen der Küstenlandschaft und der Kulinarik. Trippolt zaubert ein gemütliches Urlaubsfeeling und zeigt, dass sie sowohl die Landschaft Istriens als auch die Gepflogenheiten der Region sehr gut kennt.
Das Buch ist so aufgebaut, dass nach und nach die Geheimnisse der Bewohnenden des B&B Vista Mare gelüftet werden. Vor allem Darias Geschichte hat mich dabei berührt. Dies waren aber leider die einzigen Szenen, in denen das Buch ein wenig tiefgründiger wurde. Ansonsten bleibt die Geschichte eher oberflächlich und vorhersehbar. Auch den Schreibstil habe ich leider als sehr schlicht und holprig empfunden, was ich aber auch ein wenig dem Lektorat anlaste. Sätze wie "Liebevoll nimmt sie eine Kammmuschel heraus, setzt sie auf ihre Handfläche und betrachtet sie liebevoll.", dürfen einer Lektorin einfach nicht durch die Lappen gehen. Ermüdende Wiederholungen finden sich vor allem auch am Anfang der Geschichte, während dem die Protagonistin in stets ähnlichen Worten über ihre miserablen Lebenssituation jammert. Ihr nie endendes Selbstmitleid und ihre unreife Art haben mich generell gestört. Dafür haben es mir Figuren wie Daria oder die Boutiquenbesitzerin Matea so richtig angetan. Sie beweisen, wie facettenreich Trippolt ihre Figuren und deren Lebensumstände eigentlich schildern könnte.

Meine Empfehlung:
Aller Kritik zum Trotz hat mich das Urlaubsfeeling begeistert und der sehr leichte Schreibstil sorgt dafür, dass man nur so durch die Geschichte rast und dabei auch immer mal wieder etwas über die Geschichte und Kultur von Rovinj erfährt. Das Buch ist also definitiv perfekt als kurzweilige Urlaubslektüre für heisse Sommertage geeignet.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Glück beginnt in Istrien
Autorin: Wenn die Adria ruft, antwortet die Kärntner Autorin und Gastronomin Silvia Trippolt. Nach ihrem Studium in Graz und Moskau arbeitete sie als Kulinarik- und Reisejournalistin und eroberte mit ihren Genussbüchern die österreichischen Bestsellerlisten. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem bekannten Spitzenkoch, führt sie das Restaurant „Trippolt Zum Bären“ in Bad St. Leonhard im Lavanttal, wo sie als Familie mit ihren gemeinsamen Söhnen und ihrem Dackel Pino leben. Zudem ist sie Chefredakteurin des „Alpe-Adria-Guides.“ Für den Gmeiner-Verlag schreibt sie unendlich sympathische Liebesromane mit mediterranem Vibe.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Gmeiner
Erschienen am: 10. Juni 2026
ISBN: 978-3-8392-8103-1

Rezension: Der Gesang der Amsel

Der Gesang der Amsel - Linda Olsson

Beschreibung des Verlages:

An einem Winterabend in Stockholm beobachtet der junge Künstler Elias, wie eine Frau in seinen Wohnkomplex einzieht. Doch nachdem sie ihre Tür geschlossen hat, wird sie nicht mehr gesehen. Ein fehlgeleiteter Brief bietet Elias schließlich die Gelegenheit, mit der Nachbarin Kontakt aufzunehmen. Doch in dem dunklen Apartment rührt sich nichts. Elisabeth will allein sein, und ihre einzige Gesellschaft sind die ungebetenen Geister der Vergangenheit. Elias gibt allerdings nicht so schnell auf und spannt seinen Freund, den älteren Witwer Otto, dazu ein, Elisabeth ins Leben zurückzuholen. Und während der Frühling zum Sommer reift, entspinnt sich zwischen den dreien eine zarte Freundschaft.

Inhalt:
Elisabeth hat sich direkt nach ihrem Einzug kaum mehr aus ihrer Wohnung gewagt. Doch ihr Nachbar Elias beginnt, vorsichtig mit ihr in Kontakt zu treten. Als Dank für eine kleine Geste, erhält er von Elisabeth überraschend ein Buch geschenkt. Eines, das er sich mühsam erarbeiten muss und das ihn dazu inspiriert, sich weiterhin mit Elisabeth auszutauschen. Bücher, Bilder, Texte und Tischgespräche bauen Brücken in diesem leisen Roman. Brücken zwischen Menschen, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, Brücken zwischen Tag und Nacht, Einsamkeit und Verbundenheit.

Meine Meinung:
Ich hatte keine Ahnung, was dieses Buch für mich bereithalten würde und habe es lediglich aufgrund des Titels und Covers aus dem Bücherschrank befreit. Bekommen habe ich eine in sanften Tönen erzählte Geschichte über das Leben und das Lieben sowie über die Faszination des Lesens und der Literatur. Zarte Gesten bringen Menschen einander näher, Fremde sind fürsorglich und verbinden sich irgendwann in einer sich langsam entwickelnden Freundschaft, die vom stetigen Ruf der Amsel vor dem Fenster begleitet wird.
Elisabeth, die sich anfangs in ihrem Apartment verkriecht, trägt einen grossen Schmerz mit sich herum, über den wir beim Lesen langsam mehr und mehr erfahren. Aber auch Elias und Otto haben schon einige Schicksalsschläge überlebt und wissen genau, wie wichtig es ist, achtsam miteinander umzugehen.
Es sind kleine, unaufgeregte Taten, welche die Figuren dieses Romans einander näher bringen. Zwischen den Zeilen lässt sich dabei noch so viel mehr Geschichte und Tiefe erahnen, als im Text ausformuliert ist und der flüssige, poetische Schreibstil lässt mit einer traumwandlerischen Sicherheit am Geschehen teilhaben und erweckt die drei so liebenswert erzählten Figuren zum Leben.

Meine Empfehlung:
Ich bin so froh, dass ich diesen leisen, poetischen Roman aus dem Bücherschrank mitgenommen und für mich entdeckt habe. Von Linda Olsson möchte ich unbedingt noch weitere Bücher lesen und empfehle euch "Der Gesang der Amsel" von ganzem Herzen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Der Gesang der Amsel
Originaltitel: The Blackbird Sings at Dusk
Autorin: Linda Olsson, geboren in Schweden, studierte Jura und arbeitete im Finanzgeschäft. Sie lebte in Kenia, Singapur, Japan und England und hat sich schließlich mit ihrem Mann in Neuseeland niedergelassen. Mit ihrem Debütroman »Die Dorfhexe« gelang ihr sofort der Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten. Heute pendelt die Autorin zwischen Neuseeland und Schweden.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Meredith Barth
Taschenbuch, Broschur: 256 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 08.02.2022
ISBN: 978-3-442-77151-6

Rezension: Rückkehr nach Crow Lake

Rückkehr nach Crow Lake

Beschreibung des Verlages:

Kates Kindheit im Norden Ontarios endet jäh, als ihre Eltern tödlich verunglücken. Ihre beiden Brüder Luke und Matt beschließen, sie und die kleine Schwester Bo alleine großzuziehen. Halt findet die verschlossene und bildungshungrige Kate vor allem bei Matt, dessen Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt auf sie überspringt. Jahre später arbeitet Kate erfolgreich als Biologin an der Universität von Toronto, weit weg von ihrer Heimat. Doch die Geschehnisse von damals schweben immer noch wie ein Schatten über ihr. Als sie für ein Familienfest nach Crow Lake zurückkehrt, gerät ihre Welt erneut aus den Fugen.

Inhalt:
Im Norden Kanadas haben Siedler vor einigen Jahrzehnten aus einer kargen Landschaft das kleine Dorf "Crow Lake" aus dem Boden gestampft. An den von Insekten bewohnten Teichen des Ortes verbringt Kate jede freie Minute und lässt sich von ihrem älteren Bruder Matt die Wunder der Natur erklären. Als sie sieben Jahre alt ist, sterben ihre Eltern bei einem Autounfall und ihre beiden Brüder Luke und Matt beschliessen, sich um die jüngeren Schwestern Kate und die kleine Bo zu kümmern. Obwohl das Leben hart ist, versuchen die beiden, ihren Schwestern alle Träume und eine gute Schulbildung zu ermöglichen.
Doch der Alltag stellt sie immer wieder auf harte Proben und die unglücklichen Ereignisse innerhalb der Nachbarsfamilie Pye beeinflussen auch ihre Schicksale massgeblich.

Meine Meinung:
Diesen Debütroman habe ich (wie übrigens auch den zweiten Roman der Autorin) gemeinsam mit Martina gelesen. Der Austausch war wieder sehr angenehm und spannend und durch Martinas Sicht auf die Dinge komme ich einem Buch oft noch einmal sehr anders nahe, als ich dies durch mein eigenes Lesen machen würde. Ausserdem hat mich das Buch mit der Erwähnung des Ortes Huntsville an unsere Kanadareise im Jahr 2024 erinnert, was eine erfreuliche Überraschung war.
Die Geschichte hat mich gepackt und berührt und besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil, der für Spannung gesorgt und mich immer wieder bis ins Mark erschüttert hat. Lawsons Beschreibungen sind einfach hohe Kunst und die Geschichte, welche sie um den fiktiven Ort Crow Lake herumspinnt, erzählt vom Leben auf dem Land, von Schuld und Verantwortung, von Zielen im Leben und der Wert von Bildung.

Schreibstil und Aufbau:
Mit nur wenigen Worten schafft Lawson eine Atmosphäre. Diese ist eher düster, aber gleichzeitig werden immer mal wieder nostalgische Gefühle geweckt. Der Sommer auf dem Land, die Stunden am Teich, die wilde Natur und die Dorfgemeinschaft, die füreinander einsteht und gleichzeitig auch genau dann wegsieht, wenn sie am genauesten hinsehen müsste...
Lawson verknüpft die aktuelle Gegenwart ihrer Protagonistin Kate mit Rückblicken und Erinnerungen aus Kates Kindheit und Jugend. Nach und nach fügt sich so die Geschichte von Kates Familie und der Nachbarsfamilie Pye zusammen und wir verstehen nach und nach, welche grossen Zweifel und Themen Kate als Erwachsene beschäftigen.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich tief beeindruckt und wird noch lange nachhallen. Ich hoffe sehr, dass bald weitere Bücher von Mary Lawson übersetzt werden, damit noch viele weitere Menschen sie entdecken können.

Weitere Bücher der Autorin:
Im letzten Licht des Herbstes

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Rückkehr nach Crow Lake
Originaltitel: Crow Lake
Autorin: Mary Lawson, aufgewachsen in Ontario, lebt seit 1968 in Surrey, England. Mindestens einmal im Jahr reist sie in ihre Heimat Kanada. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Ihr Debüt »Rückkehr nach Crow Lake« war ein internationaler Erfolg und wurde in 20 Länder verkauft. 2006 wurde sie für den Booker Prize nominiert. Ihr neuester Roman, »Im letzten Licht des Herbstes«, ist in Kanada ein Bestseller.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Sabine Lohmann
Taschenbuch, Broschur: 336 Seiten
Verlag: Heyne
Erschienen am: 13.09.2021
ISBN: 978-3-453-42601-6

Rezension: Die Unbändigen

Die Unbändigen - Emilia Hart

TW: sexualisierte und partnerschaftliche Gewalt, Vergewaltigung

Beschreibung des Verlages:
KATE, 2019
Kate flieht aus London und lässt alles zurück – endlich hat sie die Kraft gefunden, den Mann zu verlassen, der ihr Leben kontrolliert. Sie findet Zuflucht im Weyward Cottage im Norden Englands, das sie von ihrer Großtante Violet geerbt hat. Dort stößt Kate aber auf verstörende Gerüchte und auf ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das sie tief in die Geschichte ihrer Vorfahren führt, bis zurück in die Zeiten der Hexenjagd.
VIOLET, 1942
Violet liebt die Natur über alles. Sie sammelt weitaus lieber Insekten und klettert auf Bäume, als sich an die strengen Benimmregeln für junge Damen zu halten. Dann verändert die folgenschwere Begegnung mit einem Mann das Leben der jungen Frau für immer.
ALTHA, 1619
Altha ist der Hexerei angeklagt – sie soll einen Mann getötet haben. Bekannt für ihr abgeschiedenes Leben als unabhängige Frau und für ihre besondere Verbindung zu den Tieren ist sie eine Bedrohung, die beseitigt werden muss.
Drei Frauen kämpfen in drei verschiedenen Zeitaltern um ihre Unabhängigkeit – aber ihre Geschichten sind weitaus enger verwoben, als es anfangs scheint.

Inhalt:
Drei Frauen, drei Zeitstränge, drei Schicksale. Ein wenig Magie, ganz viele Vorurteile und der Kampf für Gerechtigkeit, Anerkennung und Freiheit verbindet Kate, Violet und Altha und die Fäden der Zeit verflechten ihre Leben untrennbar miteinander.

Meine Meinung:
Gelesen habe ich das Buch in einer Blogleserunde gemeinsam mit Melli und Julia und der Austausch war extrem spannend und lehrreich. Vor allem Kates Geschichte hat mich sehr berührt. Den Kampf gegen die Gewalt, welche sie durch ihren Partner erlebt, fand ich sehr realistisch erzählt. Auch Violets Geschichte hat mich für sich eingenommen und die Ungerechtigkeiten, welche ihr angetan worden sind, haben mich richtig wütend gemacht. Nur Altha blieb leider ein wenig blass und ich hätte gerne mehr über ihr Leben und ihre Zukunft erfahren.

Schreibstil und Aufbau:
Abwechslungsweise begleiten wir die Protagonistinnen durch ihren Alltag. Jedes Kapitel erzählt aus einer anderen Perspektive und so wird nach und nach zusammengeführt, was zusammengehört. Die drei Protagonistinnen haben alle mit teilweise lebensbedrohlichen Herausforderungen zu kämpfen und werden gleichzeitig auch immer von ein wenig Magie umgeben. Mir persönlich gefällt es zwar oft nicht, wenn es in Romanen übernatürlich wird, hier aber empfand ich dies als sehr stimmig.

Meine Empfehlung:
"Die Unbändigen" macht wütend und betroffen, weckt aber auch Kampfgeist und sorgt hoffentlich dafür, dass sich noch viel mehr Frauen auf ihren Freiheitskampf konzentrieren und sich dabei verschwestern. Ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Unbändigen
Originaltitel: Weyward
Autorin: Emilia Hart ist eine britisch-australische Schriftstellerin. Sie wurde in Sydney geboren und studierte englische Literatur und Jura, bevor sie als Anwältin in Sydney und London arbeitete. Ihr erster Roman, Die Unbändigen, war ein New York Times-Bestseller, gewann zwei Goodreads Choice Awards und wurde weltweit über 700.000 Mal verkauft. Ihr neuester Roman, Unbeugsam wie die See, steig als Sunday Times-Bestseller ein, wurde New York Times-Bestseller und ein Good Morning America Book Club Pick. Emilia lebt in London mit ihrem Partner, einer schwarzen Katze namens Luna und viel zu vielen Büchern.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Julia Walther
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Harper Collins
Veröffentlichung: 27.12.2024
ISBN: 9783365005446