Rezension: Legende

Legende - Ronald M. Schernikau

Beschreibung des Verlages:
Schernikaus Opus Magnum ist Bibel und Travestie, Epos und Musical, ist äußerste Form und Vielfalt der literarischen Formen, ist als dokumentarische Bestandsaufnahme beider Deutschlands in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts von nachgerade bestürzender Aktualität – und immer heiter vertieftes Spiel mit der Änderbarkeit der Welt.
Im Gespräch mit Stefan Ripplinger erklärt Schernikau: „die legende wird als zwischenspiele diese vier großen sachen haben, die bisher nicht gedruckt sind. d.h. es wird fünf große kapitel geben und dazwischen in der chronologischen reihenfolge: die variante, so schön, irene binz und die schönheit. und in der mittleren szene der legende, von der konstruktion her als zentrum, die gedichtesammlung, das hohelied des pförtners, und die artikel, die wichtig bleiben und sind, auch noch integriert in den text. d.h. es wird, in dem moment, wo die legende rauskommt – gott gebe, daß sie jemals erscheint und daß ich sie schreiben kann –, es wird also das opus magnum und es wird alles drinnen sein. […] ich habe ein gewisses vertrauen in die macht dieser texte und denke, daß 1000 seiten schernikau besser sind als 100 seiten schernikau. es wird das kürzeste buch, das ich kenne, dafür kann ich garantieren!“

Inhalt:

sie müssen sich bei eitelkeiten immer klar machen, dass ich zehn jahre lang fast vollkommen erfolglos war, als ich das hier schrieb. sie müssen bedenken, dass ich gezwungen war, mein spätwerk schon in meinen dreissigern zu liefern. wenn sie dieses buch lesen, bin ich berühmt, kunststück aber jetzt! wenn sie dieses buch lesen, bin ich schon lange tot. hoffentlich! die vergangenen zeiten! der heitere abschied! komisch ist, was über die mühe erhebt.
Legende - Ronald M. Schernikau, S. 879

Von 1983 bis 1991 schrieb Schernikau an seinem Opus Magnum. Dem Text also, der ihn überdauern und erst Jahre nach seinem Tod erscheinen würde und 2019 in einer in zehnjährigen Überarbeitungsphase entstandenen Neuausgabe im Verbrecher Verlag erschienen ist. Die Rahmenhandlung begleitet die vier Götter fifi, kafau, stino und tete bei einem Besuch auf der Erde. Sie landen auf einer Insel, auf der sich eine Schokoladenfabrik befindet und deren Bewohner sinnbildlich für das Leben und den Umbruch stehen, in dem Schernikau als überzeugter DDR-Bürger sich während der Arbeit an seinem Montageroman "Legende" befindet. Eingeschoben in diese Handlung, die sich mit dem Entwurf einer neuen Welt einer solidarischen, vorkapitalistischen Gesellschaft im weitesten Sinne eines historischen Materialismus nach Engels, aber natürlich auch den Themen Liebe, Homosexualität, Identität, Unterdrückung Vergebung, Tod und Verantwortung befasst und immer wieder extrem persönlich wird, befinden sich - bis dahin teilweise unveröffentlichte - Essays, ein Theaterstück und ganz viele andere kurze und längere Texte. Dennoch verfolgt Schernikau keine politische Agenda im eigentlichen Sinne, sondern vertritt vielmehr die idealistische Ansicht der bestehenden Möglichkeit auf eine gerechte Welt.

Titel und Aufbau:
Eine Legende ist eine Erzählung, ein Märchen, eine Sage. Eine Legende ist aber auch eine Worterklärung, ein Nachschlagewerk oder eine glorifizierte Person. "Legende" von Ronald M. Schernikau ist all dies und noch viel mehr zugleich. Der deutsche Schriftsteller schafft in seinem letzten und umfangreichsten Werk eine Göttererzählung, ein Fantasiegebilde und stilisiert sich und sein Buch zur Unsterblichkeit hinauf. Ausserdem verwendet er Zitate aus der Popkultur, aus Film und Fernsehen, Literatur, politischen Reden, persönlichen Gesprächen und der Bibel um sein gesellschaftskritisches Gesamtkonzept entstehen zu lassen. Die 900 eng bedruckten Seiten Text und mehr als 100 Seiten Anmerkungen (mit Bauplan der Legende, Worterklärungen, Quellenverzeichnis und Nachwort) lassen nur erahnen, welch grosse Arbeit der Neuausgabe dieses Buches wohl vorausging.
Als dem Autor 1990 bewusst wurde, dass er bald an den Folgen von HIV sterben würde, entschloss er sich in nahezu religiösem Eifer dazu, das Buch zu beenden, noch einmal ganz abzutippen und alles an bis dahin unveröffentlichten Texten darin unterzubringen. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Rahmenerzählung der Legende optisch der Gestaltung der Bibel nachempfunden wirkt. Zahlreiche editorische Notizen im Anhang lassen die Entstehungsgeschichte des Buches in Teilen nachvollziehen und generell ist das Nachwort extrem spannend und aufschlussreich gestaltet. Würde man das Buch aber mit einer üblichen Schriftgrösse herausgeben, würde es wohl insgesamt mindestens 3000-4000 Seiten umfassen. Entsprechend langsam liest sich "Legende".

Herangehensweise und meine Meinung:

Wie bin ich überhaupt auf Schernikau gekommen? Vor mehr als zehn Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Vater einen extrem spannenden Dokumentarfilm über Ronald M. Schernikau gesehen. Mein Vater erinnerte sich dabei an das Buch "Kleinstadtnovelle", das er als junger Erwachsener im Lehrerseminar gelesen hatte. Ich machte mich auf die Suche nach Büchern von Schernikau und las innerhalb von zwei Jahren "Königin im Dreck" und "Kleinstadtnovelle". Schon damals wusste ich, dass es irgendwo eine (damals wohl vergriffene oder extrem teure) alte Auflage von "Legende" gab und hielt fortan die Augen nach diesem Opus Magnum offen. 2019 erschien die Neuauflage, was mich riesig freute und 2020 wünschte ich mir das Buch von meinem Mann zu Weihnachten. Ich begann noch im Dezember 2020 mit der Lektüre und ihr habt es sicher auch alle auf die eine oder andere Weise erlebt; Bücher, die einen durch eine so surreale Zeit begleiten und ebenfalls Umbrüche und Umstürze beschreiben, brennen sich noch einmal ganz anders ein.
Das umfangreiche Werk, das Schernikau bis 1991, kurz vor seinem Tod im einundreissigsten Lebensjahr, beschäftigt hat, hat mich somit also mehr als fünf Jahre lang begleitet. Ich habe es nicht gelesen, sondern ich habe es stellenweise inhaliert, mir aber auch oft hart erarbeitet und erkämpft. Die insgesamt über 1000 Seiten haben mich immer wieder unterschiedlich lange Pausen einlegen lassen. Ausserdem habe ich viel durchs Buch geblättert und mich zu eigenen Recherchen anregen lassen. "Legende" ist kein Buch, das man chronologisch und nebenbei liest, der Montageroman lässt einen springen und entdecken, immer wieder vor- und zurückblättern und ich habe wirklich jede einzelne Anmerkung, jeden einzelnen Nachweis mindestens einmal gelesen und dabei oft innegehalten und mich zum Nachdenken anregen lassen.
Das Buch, das auch eine Liebeserklärung an Berlin ist, beinhaltet ganz viel Humor, Spielereien und Skurrilität und auch extrem politische und gesellschaftskritische Gedanken, die kaum an Aktualität eingebüsst haben. Im letzten Teil verliert der Autor, der die Figur "der Neffe von Ulla" als eine Art Alter Ego geschaffen hat, die Distanz zu seinen Figuren und schreibt immer öfter in der ersten Person als "Ronald" und wird nahbarer und emotionaler. Als nämlich die von Schernikau geliebte DDR zerfällt, die seine Mutter 1966 der Liebe wegen mit ihrem kleinen Sohn im Kofferraum eines Autos verlassen und deren Staatsbürgerschaft er sich erst im September 1989 wieder erkämpft hatte, steht er als überzeugter Kommunist den Trümmern seiner Träume gegenüber.
Als sich gegen Ende des Buches auch der nahende Tod des 1990 mit AIDS diagnostizierten Schernikaus erahnen lässt, philosophiert er über das Sterben und den Schmerz, das Verlieren und Vermissen und das, was bleibt. Er hat mich damit tief berührt. Denn "Legende" ist vor allem auch eine Hommage an die Liebe. Die Liebe zur Hoffnung auf eine bessere Welt, die Liebe zu Wegbegleitern wie seinem Partner Thomas Keck und die Liebe zu seiner Mutter Ellen Schernikau, der die Figur Irene Binz nachempfunden ist und der Schernikau mit seinem Buch ein Denkmal geschaffen hat.

Meine Empfehlung:
Dem Buch und dem Autor, Denker und Idealisten Schernikau, der mich schon mit "Kleinstadtnovelle" und "Die Königin im Dreck" für sich eingenommen hat, werde ich spätestens nach dieser Lektüre auf ewig verbunden bleiben und seine "Legende" wird für immer einen grossen Platz in meinem Leseleben einnehmen. Wenn ihr einige Stunden - oder wie in meinem Fall Jahre - zum Lesen dieses monumentalen Werkes erübrigen könnt, dann macht das. Und meldet euch bei mir, damit wir uns darüber austauschen können.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Legende
Autor: Ronald M. Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, DDR, aufgewachsen in Hannover, BRD. 1980 Umzug nach Westberlin, Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie. Ab 1986 Studium am "Institut für Literatur Johannes R. Becher" in Leipzig, DDR. 1989 Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung nach Berlin. Dramaturg Hörfunk und Fernsehen bis zu seinem Tod 1991. Veröffentlichungen: "kleinstadtnovelle" (1980), "die tage in l." (1989), "dann hätten wir noch eine chance" (1992), "legende" (1999). Siehe auch www.schernikau.net
Herausgegeben von: Lucas Mielke, Helen Thein und Thomas Keck
Sprache: Deutsch
Leinen mit zwei Lesebändchen: 1072 Seiten
Verlag: Verbrecher Verlag
Ersterscheinung: 30.09.2019
ISBN:9783957323422

Rezension: Dunkler Donnerstag

Dunkler Donnerstag - Nicci French

TW: 
Vergewaltigung

Frieda Klein-Reihe:

1. Blauer Montag (2011)
2. Eisiger Dienstag (2012)
3. Schwarzer Mittwoch (2013)
4. Dunkler Donnerstag (2014)
5. Mörderischer Freitag (2015)
6. Böser Samstag (2016)
7. Blutroter Sonntag (2017)
8. Der achte Tag (2018)

Beschreibung des Verlages:
Als Psychologin Frieda Klein unerwarteten Besuch von einer alten Freundin erhält, die sie um Hilfe für ihre Tochter bittet, ahnt sie nicht, worauf sie sich einlässt. Denn die Fünfzehnjährige wirkt vollkommen verstört. Frieda findet heraus, dass ihr Schreckliches widerfahren ist – und die Geschichte des Mörders reißt alte Wunden in ihr auf. Sie beschließt, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen. Doch in der Heimatstadt Braxton begegnet man ihr mit Misstrauen, und bald schwebt Frieda in größter Gefahr …

Inhalt:
In diesem zuerst unscheinbar wirkenden und dann immer persönlicheren Fall reist Frieda in ihre Vergangenheit und besucht ausgerechnet das Städtchen, das sie als Teenagerin fluchtartig verlassen hat. Bei einem Klassentreffen begegnet sie dort Menschen, denen sie am liebsten nie wieder über den Weg gelaufen wäre, bringt aber auch Licht ins Dunkel eines Geheimnisses, das sie seit ihrer Jugend mit sicher herumträgt.

Meine Meinung:
Dieser vierte Band der Reihe um Psychologin Frieda Klein erinnerte mich - wenn auch eher positiv - an "Der Nachbar" von Fitzek, das ich im April gelesen habe. Friedas alter Stalker Dean Reeve, der sie schon seit einigen Bänden begleitet, taucht wieder auf und beginnt, sich immer gewaltvoller in ihr Leben einzumischen. Gleichzeitig geht die Handlung um den eher aussergewöhnlichen Fall, den Frieda in Eigenregie aufzuklären versucht, eher schleppend voran und die vielen Einblicke in Friedas Arbeit, die mir sonst immer so viel Spass gemacht haben, bleiben aus.
Dafür zeigt sich einmal mehr, was für ein wundervoller Mensch Frieda ist. Denn obwohl sie eine dicke Mauer um sich herum baut, hat sie doch Menschen in ihrem Leben, die stets zu ihr vordringen, sie bedingungslos unterstützen und ihr sonst eher einsames und dunkles Haus mit Leben und Liebe füllen. Sie verhält sich zwar auf den ersten Blick oft ein wenig abweisend, zeigt sich aber dann immer enorm froh und dankbar, dass ihr Leben mit so wunderbaren Freundschaften gefüllt ist und wird immer irgendwie unfreiwillig aber um so loyaler zum Anker und zur zweiten Heimat für alle gestrandeten Mitmenschen. Dieser Aspekt ihrer Persönlichkeit gefällt mir am besten und macht sie für mich zu einer nahbaren und vielschichtigen Person, die ich auch gerne kennen würde.

Meine Empfehlung:
Dieser Band hat mich nicht ganz so sehr begeistert, wie die Vorgängerbände. Dennoch liest sich die Geschichte kurzweilig und immer mal wieder wird es auch spannend und berührend. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände der Reihe.

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Dunkler Donnerstag
Originaltitel: Thursday's Children
Autoren: Hinter dem Namen Nicci French verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit langem sorgen sie mit ihren höchst erfolgreichen Psychothrillern international für Furore. Sie leben im Süden Englands.
Taschenbuch, Paperback: 464 Seiten
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Birgit Moosmüller
Verlag meiner Ausgabe: C.Bertelsmann
Erscheinungstermin dieser Ausgabe: 08.08.2016
ISBN: 978-3-328-10010-2

Lese-Statistik April 2026

Hallo ihr Lieben

Ein weiterer grandioser und sehr ereignisreicher Monat liegt hinter mir. Der April startete extrem voll mit zusätzlichen Terminen an der Musikschule, vielen Proben und einem Ostergottesdienst und dann stürzte ich mich während der ersten Woche Schulferien ins intensive Üben für ein Projekt im Mai sowie die Unterrichtsvorbereitungen bis Ende Schuljahr. Dann gönnten der Liebste und ich uns ein paar Tage Auszeit in Verona und mit dem Schulstart ging der Alltag wieder los, Proben und Konzerte an der Musikschule standen an und ich selber verbrachte die letzte Aprilwoche mehrheitlich in Luzern, beschäftigt mit den Proben für mein Maiprojekt.
In allen Pausen traf ich liebe Menschen zum Kaffee oder Mittagessen, machte mit Irene das Bärner Brocki unsicher (und schleppte nachher natürlich das eine oder andere Buch nach Hause) und die vielen Zugstunden verbrachte ich lesend. Wenn ich aber gerade nicht im Zug sass, hatte ich kaum je ein Buch zur Hand, weil es so viele andere Dinge zu tun gab und es freut mich deshalb um so mehr, dass trotzdem die eine oder andere Seite zusammengekommen ist.
Gelesen habe ich zwei Bücher von Literaturnobelpreisträgerinnen, ein Jugendbuch, einen Klassiker, eine Reihenfortsetzungen und einen Krimi und dann auch nach Jaaaaahren mal wieder einen Fitzek und meine - wahrscheinlich ziemlich ungewöhnliche - Herangehensweise an das Buch, hat mir das Leseerlebnis wohl definitiv gerettet. Mehr dazu lest ihr in meiner REZENSION.

Gelesen im April:

Humorvoller, kritischer Klassiker mit Parallelen zum Schauerromangenre, das die Autorin auch bediente


Der fünfte Band der Lügenhaus-Reihe, gewohnt skurril, düster, berührend und überraschend


Äusserst aktuelles, spannendes und abenteuerliches Jugendbuch mit tollen Hauptfiguren und Suchtfaktor


Ein intensiver, roher, schmaler Roman der Literaturnobelpreisträgerin, autofiktiv und sehr bewegend


Anspruchsvolle, poetische, tragisch-schöne Geschichte mit zartem Humor, die Mut macht


Der zehnte und persönlichste Fall des des Allgäuer Kommissars ist gleichzeitig sein bisher gefährlichster


Cozy Crime statt Thriller? Hat man, wenn man dieses (absurd unlogisch konstruierte Buch) nicht ernst nimmt


Alle Zahlen und Rezensionen:

Die Stadt der verschwundenen Kinder - Caragh O'Brien (abgebrochen nach 40 Seiten)
Krawall und Kekse - Shirley Jackson   (256 Seiten)
Die Liebhaber - Anne B. Ragde  (416 Seiten)
Die magische Bibliothek der Buks. Das verrückte Orakel - Nina George, Jens J. Kramer und Hauke Kock   (384 Seiten)
Die leeren Schränke - Annie Ernaux   (218 Seiten)
Griechischstunden - Han Kang   (204 Seiten)
Kluftinger - Volker Klüpfel und Michael Kobr   (480 Seiten)
Der Nachbar - Sebastian Fitzek   (368 Seiten)

Neuzugänge:

Die leeren Schränke - Annie Ernaux   (gebraucht gekauft)
Barbara stirbt nicht - Alina Bronsky   (gebraucht gekauft)
Rückkehr nach Crow Lake - Mary Lawson   (gebraucht gekauft)
Feuerprobe - Donna Leon   (gebraucht gekauft)
Kleine Monster - Jessica Lind   (von Irene bekommen)
Maikäferjahre - Sarah Höflich   (neu gekauft)

Abgebrochen:

Die Stadt der verschwundenen Kinder - Caragh O'Brien (abgebrochen nach 40 Seiten)
Der Stil hat mir einfach nicht zugesagt und ich denke, dass die Reihe eher etwas für Jugendliche ist, die noch nicht so viele Dystopien gelesen haben. Nicht, dass ich da eine absolute Expertin wäre, klar, aber irgendwie wirkte die Protagonistin sehr naiv und die Erzählsprache erinnerte mich sehr stark an "Selection".

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: 1
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'366 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 78.87 Seiten
Bücher von Autorinnen: 4
Bücher von Autoren: 2
Autor*innenduos (oder Gruppen): 1
Geschenkt bekommene Bücher: 1
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: 1
Gebraucht gekaufte Bücher: 4
Eingesammelte Bücher: 
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 6
SuB am Monatsbeginn: 36
Aktueller SuB: 34
Differenz: - 2

Rezension: Der Nachbar

Der Nachbar - Sebastian Fitzek

Beschreibung des Verlages:
Sie dachte, ihre größte Angst ist es, allein zu sein. Bis sie herausfindet, dass sie es nie war...
Wer ist der »Nachbar«? Sebastian Fitzeks raffinierter Gänsehaut-Thriller für 2025
Die Strafverteidigerin Sarah Wolff leidet an Monophobie, der Angst vor Einsamkeit. Was sie nicht weiß: Nachdem sie mit ihrer Tochter an den Stadtrand Berlins gezogen ist, hat sie einen unsichtbaren Nachbarn, der sie keine Sekunde lang allein lassen wird …
Das Unheimliche lauert im engsten Umfeld - der neue nervenzerreißende Psychothriller von #1-Bestseller-Autor Sebastian Fitzek sorgt für garantiert unruhige Nächte!

Inhalt:
Es sind kleine Dinge, an denen Sarah bemerkt, dass sich jemand zuerst unerkannt in ihren vier Wänden bewegt hat; gegossene Pflanzen, ein voller Kühlschrank oder auch eine kleine Reparatur. Bald wird klar, dass sie weder ihre eigene Zerstreutheit noch ihre Tochter dafür verantwortlich  machen kann und dass sich ein Stalker, der sich als "Der Nachbar" bezeichnet und sie auf eine sehr eigene Art und Weise zu "beschützen" versucht, in ihr Leben geschlichen hat.

Meine Meinung:
Mein erster Fitzek seit Jaaaahren und gekauft hätte ich mir das Buch wohl nicht, aber einem geschenkten Gaul... Und ich muss sagen, dass ich das Buch sehr gerne gelesen habe. Denn auch wenn das jetzt sicher für einige sehr irritierend klingt, irgendwie hat mich die Geschichte nämlich super unterhalten und sie wirkte sogar ziemlich gemütlich auf mich. Die Handlung ist nämlich so absurd und teilweise auch vorhersehbar konstruiert und überhaupt nicht spannend oder gruselig, dass ich ganz viele Dinge gar nicht ernst nehmen konnte und dass ich beim Lesen sehr neugierig auf die nächste schräge Idee oder Figur war. Die Logik bleibt ziemlich auf der Strecke, aber dafür hat mir gefallen, dass Fitzek ziemlich am Puls der Zeit ist und sexistische Gesellschaftsstrukturen und Vorurteile in seinem "Thriller" aufgreift, auch wenn er mit Sarah - wie irgendwie in allen Büchern, die ich von ihm gelesen habe - eine Frau in die Opferrolle zwingt.

Schreibstil und Aufbau:
Das Buch besteht aus sehr kurzen Kapiteln und liest sich dadurch extrem schnell weg. Die unlogische und sehr konstruierte Handlung hat bei mir aber nicht für Kopfschütteln, sondern für beste Unterhaltung gesorgt. Ein Thriller als cozy crime? Irgendwie fühlt sich dieses Buch so an. Es passt alles stets verdächtig gut zusammen, der Täter ist immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, obwohl das zeitlich gar nicht aufgehen kann und alles, was irgendwie nicht so richtig passt, wird im Nachhinein noch passend gemacht. Das hat bei mir für den einen oder anderen Lacher gesorgt und irgendwie habe ich mich gerne an Sarahs Seite durch die zahlreichen Rätsel und Konstrukte gewühlt.

Fazit:
Als Thriller kann ich euch das Buch nicht empfehlen, auch wenn ich mir sicher bin, dass Fitzek-Fans auch mit diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen. Unterhaltsam und vor allem sehr kurzweilig war die Geschichte aber allemal.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Der Nachbar
Autor: Sebastian Fitzek, geboren 1971 in Berlin, ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. Er studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete als Programmdirektor für verschiedene Radiostationen in Deutschland. Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein erster Roman „Die Therapie“ eroberte innerhalb kürzester Zeit die Bestsellerliste und wurde als bestes Krimidebüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert.  
Fitzeks Bücher wurden bisher in 36 Sprachen übersetzt und weltweit über 21 Millionen Mal verkauft. Viele davon sind inzwischen erfolgreich verfilmt – so wurde „Die Therapie“ als sechsteilige Miniserie für Prime Video produziert und stieg sofort auf Platz 1 der meistgesehenen deutschsprachigen Sendungen ein. Zudem ist Sebastian Fitzek für seine spektakulären Buchvorstellungen bekannt, die er als Shows inszeniert - im Herbst 2024 brach er mit der "Größten Thriller Tour der Welt" alle Zuschauerrekorde. 
Sebastian Fitzek wurde als erster deutscher Autor mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er ist Preisstifter des Viktor Crime Awards und engagiert sich als Schirmherr für den Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.
Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Farbschnitt und Schutzhülle: 368 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: 22.10.2025
ISBN: 978-3-426-28175-8

Rezension: Kluftinger

Kluftinger - Volker Klüpfel und Michael Kobr

Reiheninfos:

  1. Milchgeld
  2. Erntedank
  3. Seegrund
  4. Laienspiel
  5. Rauhnacht
  6. Schutzpatron
  7. Herzblut
  8. Grimmbart
  9. Himmelhorn
  10. Kluftinger
  11. Funkenmord
  12. Affenhitze
  13. Lückenbüßer

Beschreibung des Verlages:
Endlich Opa! Kommissar Kluftingers Freude über sein erstes Enkelkind wird schnell getrübt: Auf dem Friedhof entdeckt er eine Menschentraube, die ein frisch aufgehäuftes Grab umringt, darauf ein Holzkreuz – mit seinem Namen. Nach außen hin bleibt Kluftinger gelassen. Als jedoch eine Todesanzeige für ihn in der Zeitung auftaucht, sind nicht mehr nur die Kollegen alarmiert – sein ganzes Umfeld steht Kopf. Um dem Täter zuvorzukommen, muss der Kommissar tief in seine eigene Vergangenheit eintauchen. Doch die Zeit ist knapp, denn alles deutet darauf hin, dass Kluftingers angekündigter Tod unmittelbar bevorsteht.

Inhalt:
Im Jubiläumsband des Autoren-Duos wird es persönlicher denn je: Kluftinger reist in seinem zehnten Fall nämlich in seine berufliche und private Vergangenheit und wird sogar selber zur Zielscheibe eines Täters. Und dies, obwohl er eigentlich seine Rolle als Opa so richtig auskosten will. Auch seine Familie ist in Gefahr und im Präsidium gehen seltsame Dinge vor sich. Höchste Zeit also, dass Klufti allen Mut zusammen nimmt, sich den Geistern der Vergangenheit stellt und sich und seine Familie aus der - wortwörtlichen - Schusslinie bringt.

Meine Meinung:
Für diesen zehnten Band hat das Autorenduo sich nicht lumpen lassen und schwingt die ganz grosse dramaturgische Keule. Mir persönlich hat der Band besonders gut gefallen, weil er auch sehr ernste Töne anschlägt und sehr dramatisch und spannend erzählt ist. Trotzdem kommen auch einige humorvolle Szenen nicht zu kurz, eine düstere Grundstimmung bleibt aber bestehen und zum ersten Mal bleibt auch das Ende offener als bei den anderen Bänden.
Zum ersten Mal wird Klufti übrigens bei seinem ganzen Namen genannt und wir erfahren noch viele weitere Details uns seiner Jugend und erleben seine ersten wichtigen Meilensteinen als Polizist.

Meine Empfehlung:
Der Jubiläumsband kommt düster und bedrohlich daher und auch wenn Platz für Humor bleibt, haben einige Ereignisse und Szenen mich ziemlich mitgenommen. Besonders gut gefallen haben mir dabei die Abstecher in Kluftis Vergangenheit und ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Ermittlungen des Allgäuer Kommissars.

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Kluftinger
Autoren: Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater – entweder als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried. Wie Kommissar Kluftinger. Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungstermin: 23.03.2019 
ISBN: 978-3-548-06032-3