Rezension: Diese eine Lüge

Diese eine Lüge - Dante Medema

Beschreibung des Verlages:
ACHTUNG, DIESE BESCHREIBUNG SPOILERT, LESEN AUF EIGENE GEFAHR
Eine Lüge! Delias ganzes Leben basiert auf einer Lüge. Ihr Vater ist nicht ihr leiblicher Vater. Und Delia wurde nicht etwa adoptiert, nein, ihre Mutter hatte eine Affäre! Diese Erkenntnis verändert alles für das junge Mädchen. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Da fasst Delia einen Entschluss: Zurück zu ihren Wurzeln, sie muss ihren leiblichen Vater kennenlernen! Bei der Suche hilft ihr ausgerechnet der Bad Boy der Stadt, Kodiak. Während die beiden sich näher kommen, entfernt sich Delia immer mehr von ihrer Familie ...

Inhalt:
NACH BESTEM WISSEN UND GEWISSEN SO SPOILERFREI WIE MÖGLICH ;-)
Delia weiss schon lange, dass sie nicht so ganz in ihre Familie passt und dass ihre Mutter ihr etwas verheimlicht. Durch Delias Begeisterung für Gedichte und ihr Interesse an ihrer Familienkonstellation entscheidet sie sich, für ihre Abschlussarbeit mittels DNA-Tests mehr über ihre Familie erfahren und ihre Erlebnisse und Gefühle während ihrer Nachforschungen in Gedichtform festhalten. Nie hätte sie allerdings gedacht, dass die gewonnenen Erkenntnisse ihr Leben und das Leben ihrer Familie komplett auf den Kopf stellen werden.

Meine Meinung:
Im Oktober 2020 hat mich Tanja vom Blog Der Duft von Büchern und Kaffee mit ihrer begeisterten REZENSION zu diesem Buch sehr, sehr neugierig gemacht und ich habe es mir bald darauf gekauft und jetzt im Juni endlich gelesen. Besonders gut gefallen hat mir die Form. Das Buch besteht nämlich ausschliesslich aus Chatverläufen (SMS und Mail) und Gedichten. Dadurch bin ich nur so durch die Seiten geflogen und habe mich beim Lesen ein wenig geärgert, mir das Buch nicht einfach direkt in englischer Sprache bestellt zu haben. Irgendwie denke ich meistens gar nicht daran, da ich oft Übersetzungen lese. Ich sollte mir das vermehrt vornehmen und die Bücher im Original lesen. Gerade bei diesem Buch merkt man, dass den Gedichten manchmal die Aussagekraft fehlt, sie hätten im Original sicher poetischer gewirkt, obwohl die Übersetzung insgesamt vollständig und gelungen wirkt und dies Jammern auf hohem Niveau ist, da mir das Buch sehr zugesagt hat.

Cordelia:
Sehr gut gefallen hat mir, wie Delia (Cordelia) mit den Erkenntnissen, die sie gewonnen hat, umgeht. Sie hat nicht nur einen Abgabetermin einzuhalten, sondern ist auch zum ersten Mal verliebt, in stetige Streitigkeiten mit ihrer Mutter verwickelt und auf der Suche nach sich selber. Trotzdem verliert sie nicht den Kopf. Sehr enttäuscht hat mich Cordelias Mutter, die mit der Situation gnadenlos überfordert und in meinen Augen auch komplett unfähig ist, was erst dazu führt, dass Cordelias Leben fast auseinanderfällt. Aber leider gibt es genau solche Eltern, die in erster Linie an sich und ihren Ruf denken und dabei ihre Familie komplett vergessen. Das zu lesen kann sicher für viele Jugendliche auch befreiend und tröstlich sein. Eltern sind auch nur Menschen, machen manchmal riesige Fehler und scheitern auch, das wird in diesem Buch sehr differenziert dargestellt.

Aufbau:
"Diese eine Lüge" ist Poesie, Liebesroman, Abenteuerroman und Selbstfindungstrip zugleich. Mir hat der - ein wenig gar vorhersehbare - Aufbau sehr gut gefallen, das Ende war stimmig, versöhnlich und ich bin mir sicher, dass dieses Buch noch ganz viele Jugendliche und Erwachsene für sich einnehmen wird. Es ist mitten aus dem Leben gegriffen und zeigt auf, was es für junge Menschen bedeuten kann, sich und ihre Familie genauer kennenzulernen, schmerzhafte Dinge über die eigenen Eltern zu erfahren, Eltern, Lehrpersonen, Erwachsene zweifeln und scheitern zu sehen und trotzdem aufrecht durchs Leben zu gehen.

Meine Empfehlung:
"Diese eine Lüge" handelt von der Unfähigkeit von Eltern, von der Verlorenheit von Teenagern, von Lyrik und Liebe und ist eine berührende Mischung aus Chatverläufen und einer ganz eigenen Gedichtform, die süchtig macht. Mir hat das Buch sehr zugesagt und ich kann es euch und den Teenagern in eurem Umfeld nur sehr ans Herz legen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Diese eine Lüge
Originaltitel: The Truth Project
Autorin: Dante Medema schreibt Bücher für junge Leser. Sie lebt in Anchorage, Alaska, mit ihrem Ehemann, vier Töchtern und einem Raum voller außerirdischer Fanartikeln - und natürlich Büchern. Wenn sie nicht schreibt, versucht sie sich im Backen, Dekorieren, Nähen und Malen. Außerdem interessiert sie sich für Enneagramm-Persönlichkeitstypen.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von:Bettina Obrecht
Hardcover: 384 Seiten
Erschienen am: 15.10.2020
ISBN: 978-3-522-62180-9

Lese-Statistik Mai 2021


Ihr Lieben

Ein grandioser Lesemonat Mai ist vorbei und ich kann es kaum erwarten, euch alle meine gelesenen Bücher auf einen Blick zu zeigen und mit Zahlen um mich zu schmeissen. Ich habe mir die Statistiken der letzten Jahre angesehen und der Mai war neben dem Januar oft der lesereichste Monat des Jahres. Dies liegt wohl vor allem daran, dass ich im Mai bisher immer sehr viel gearbeitet habe und das ist kein Widerspruch: viel Arbeit bedeutet auch, dass ich viele Stunden im Zug unterwegs bin. Das war auch im vergangenen Mai der Fall, ich habe einige Konzerte gespielt, viele Proben geleitet und selber geprobt, Schülerinnen zu Stufentests (musikalische Standortbestimmungen) und Wettbewerben begleiten dürfen und, und, und. Ausserdem macht sich weiterhin bemerkbar, dass ich meinen Handykonsum stark eingeschränkt habe und aktuell auch kaum Serien suchte. Wie viel ich aber wirklich geschafft habe, hat mich trotzdem überrascht. Zuletzt so viele Bücher gelesen habe ich nämlich im Oktober 2013...

Ausserdem habe ich endlich wieder einmal gemeinsam mit euch einen tollen Leseabend im Rahmen eines gemütlichen Lese-Miteinanders verbringen dürfen und ich hoffe, dass wir das sehr bald wiederholen können. Nun aber möchte ich euch nicht länger auf die Folter spannen und zeige euch endlich, was ich alles gelesen habe. Viel Spass beim Stöbern :-)


Gelesene Bücher im Mai:


Modernes Märchen für Erwachsene, das berührt und für Toleranz und Liebe plädiert, HIGHLIGHT


Ein romantischer Reihenauftakt mit Luft nach oben, grandios recherchiert und auf zwei Ebenen erzählt


Ein tragisches Buch über den Tod eines Superhelden, Krebs, Comics und Filme, absolut beeindruckend



Bewegende Erzählung, die Rassismus, (sexuelle) Gewalt, Familienbeziehungen und Liebe thematisiert




Brutale, packende und atemlos erzählte Liebesgeschichte aus Finnland zur Zeit des zweiten Weltkriegs


Unterhaltsame, philosophische und spannende Erzählung aus der Sicht eines Kindes im Mutterleib


Leider sehr langatmige und ziellose Geschichte, die bereits nicht mehr in meinem Bücherregal steht


Fesselnde Kurzgeschichten, Gedankenspiele und feministische Weltanschauungen


Positiv überraschende Erzählung aus einer Parallelwelt, berührend und bis zum Ende spannend


Liebevolle Erzählung für alle Katzenfreund*innen, leicht, romantisch und wunderschön gestaltet


Laute, kritische, grossartige Erzählung über das Erwachsenwerden, das Frausein, Freundschaften und die Liebe



Alle Rezensionen und Seitenzahlen:

Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte - TJ Klune    (480 Seiten)
Die Frauen von der Purpurküste, Isabelles Geheimnis - Silke Ziegler   (400 Seiten)
Superhero - Anthony McCarten   (304 Seiten)
Gott, hilf dem Kind - Toni Morrison   (208 Seiten)
Wildauge - Katja Kettu   (416 Seiten)
Nussschale - Ian McEwan   (288 Seiten)
Das Flüstern der Bienen - Sofia Segovia   (480 Seiten)
Mars - Asja
Bakić    (160 Seiten)
Was Preema nicht weiß - Sameena Jehanzeb   (360 Seiten)
Das Café der weisen Katzen - Anna Solyom   (160 Seiten)
Wie die Gorillas - Esther Becker   (160 Seiten)
Kaleidra - Kira Licht   (nach 92 Seiten abgebrochen)

Neuzugänge

Der Mai war ein extrem neuzugängereicher Monat, aber ich habe nicht alle aufs Bild gekriegt und immer wieder ein Buch vergessen oder mich vertan. Ausserdem habe ich die meisten Neuzugänge bereits gelesen (alle ungelesenen markiere ich bunt), weshalb hier nun einfach eine Auflistung folgt:

Rezensionsexemplare:
Das Café der weisen Katzen
Radikale Zärtlichkeit - Seyda Kurt

Selbst gekauft:
Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte
Die Frauen von der Purpurküste, Isabelles Geheimnis
Gott, hilf dem Kind
Mars
Was Preema nicht wei
ß
Wie die Gorillas
Die Spiegelreisende, die Verlobte des Winters - Christelle Dabos
Die verschwundene Schwester - Lucinda Riley
Die Unbezwingbare - Katja Kettu

Aus dem Bücherschrank:
Alles, was wir geben mussten - Kazuo Ishiguro


Alle Zahlen auf einen Blick:

Gelesene Bücher: 11
Abgebrochene Bücher: 1
Somit in die Leseeule: 12 Franken
Gelesene Seiten: 3.508 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 113.16 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: 1
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 2
SuB am Monatsbeginn: 107
Aktueller SuB:107
Differenz: -

Rezension: Gott, hilf dem Kind

Gott, hilf dem Kind - Toni Morrison

Beschreibung des Verlages:
Die Nobelpreisträgerin schreibt über zwei starke Frauen in einem gespaltenen Amerika. Ein Roman, der zur Weltliteratur gehört.
Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die Familie verlässt, weil er dieses Kind nicht als seines ansieht. Die Mutter erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, aus Angst vor rassistischen Angriffen.
Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich provokant in strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen eigenwilligen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit.

Inhalt:
Als ihre Tochter Lula Ann als tiefschwarzes Baby zur Welt kommt, bröckelt die ganze Existenz von Sweetness dahin. Während Lula Anns Vater aus ihrem Leben verschwindet, lehnt Sweetness ihre Tochter zuerst ab und bringt ihr danach bei, sich unterwürfig und unauffällig zu verhalten, um sich und die ganze Familie vor rassistischen Übergriffen zu schützen.
Lula Ann legt dieses Verhalten aber ab, als sie älter wird. Sie steht für sich ein, ändert ihren Namen, macht Karriere und versucht auf diese Weise, sich von Vorurteilen, alten Verletzungen und ihrer Familie zu lösen.

Meine Meinung:
Schon seit sehr langer Zeit wollte ich endlich, endlich einmal ein Buch von Toni Morrison lesen und habe mir im Mai endlich dieses Buch gekauft und innerhalb von wenigen Stunden verschlungen. Brides Geschichte (so nennt sich Lula Ann selber), hat mich erschüttert und bewegt. Bride ist in einem Umfeld von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt aufgewachsen und hat es all diesen Umständen zum Trotz geschafft, sich ein eigenes, unabhängiges Leben aufzubauen. Dies hat mich fasziniert und zugleich war ich tief berührt von der Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte: Bride hat kaum mehr Kontakt zu ihrer Familie, kämpft immer noch gegen Vorurteile an und ist nach wie vor nicht sicher vor Angriffen. Auch hat mich die in die Geschichte integrierte Liebesgeschichte, die so roh und echt ist, wirklich überzeugt. Wer grosse romantische Gesten oder gar Kitsch sucht, ist mit diesem Buch definitiv falsch beraten und genau deshalb wirkt es so besonders realistisch.

Sprache:
Mit einer packenden Sprache, die manchmal nüchtern von Gewalt und Missbrauch erzählt und dann wieder die schönsten sprachlichen Bilder malt, schildert Toni Morrison die Stärke und Verletzlichkeit ihrer Figuren. Sie schreibt von Liebe und Schmerz, Verletzungen, Enttäuschungen, Schuld und Vergebung und davon, was es heisst, geliebte Menschen zu verlieren. Diese Schilderungen haben mich berührt und erschüttert und trotzdem atemlos eine Seite nach der anderen umblättern lassen.

Meine Empfehlung:
"Gott, hilf dem Kind" macht auf Missstände aufmerksam und obwohl sich die Zeiten zum Glück mittlerweile wenigstens teilweise geändert haben, so sind immer noch viel zu viele (schwarze) Menschen von Rassismus betroffen und strukturell benachteiligt. Nur, wenn wir uns konsequent antirassistisch positionieren und verhalten, können wir selber etwas beitragen und die Welt ein kleines Stück besser machen. Lest deshalb dieses Buch. Und auch, weil es einfach grandios geschrieben ist.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Gott, hilf dem Kind
Originaltitel: God Help the Child
Autorin: Toni Morrison wurde 1931 in Lorain, Ohio, geboren. Sie studierte an der renommierten Cornell University Anglistik und hatte an der Princeton University eine Professur für afroamerikanische Literatur inne. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen «Sehr blaue Augen», «Solomons Lied» «Menschenkind», «Jazz», «Paradies» und diverse Essaysammlungen. Sie war Mitglied des National Council on the Arts und der American Academy of Arts and Letters. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, u. a. mit dem National Book Critics' Circle Award und dem American-Academy-and-Institute-of-Arts-and-Letters Award für Erzählliteratur. 1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, und 2012 zeichnete Barack Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. Toni Morrison starb am 5. August 2019.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Thomas Piltz
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 23.10.2018
ISBN: 978-3-499-27172-4

Rezension: Superhero

Superhero - Anthony McCarten

Beschreibung des Verlages:

Donald Delpe ist 14, voller unerfüllter Sehnsucht, Comiczeichner. Er möchte nur eines wissen: Wie geht Liebe? Doch er hat wenig Zeit – er ist schwerkrank. Was ihm bleibt, ist ein Leben im schnellen Vorlauf. Das schafft aber nur ein Superheld. Donald hat sogar einen erfunden – MiracleMan. Aber kann MiracleMan ihm helfen, oder braucht Donald ganz andere Helden?

Inhalt:
Wie ist es, ein Teenager zu sein und eigentlich nur Sex und die Liebe zu einem ganz bestimmten Mädchen im Kopf zu haben und dabei langsam vor sich hin zu sterben? Wie ist es, wenn man seine Gefühle einfach nicht in Worte fassen kann und trotzdem zu unzähligen Sitzungen mit einem Psychologen geschleppt wird? Donald Delpe kennt diese Situationen und begegnet seiner Wortlosigkeit, indem er Comics zeichnet. Comics, die seine Eltern in Alarmbereitschaft versetzen und seinen Psychologen auf ganz unkonventionelle Ideen bringen.

Meine Meinung:
Ich habe mich gerade gefragt, wie lange dieses Buch schon auf meinem SuB liegt... Es sind fast neun Jahre... Im September 2012 hat es als Mängelexemplar zu mir gefunden und ich kann gar nicht sagen, weshalb das so lange gedauert hat (und glaubt mir, es ist nicht das einzige Buch, das schon so lange hier liegt, obwohl ich mich wirklich immer wieder meinen SuB-Leichen widme).
Nun wollte ich endlich erfahren, welche Geschichte sich darin verbirgt und wurde nicht enttäuscht. Anthony McCarten ist eine ganz besondere Leistung gelungen und er hat es geschafft, dieses Buch wie einen Film wirken zu lassen, wie einen atemlos erzählten Comic, der die tragische Handlung mit all ihren Facetten an uns Leser*innen bringt und dabei bewegend und zugleich äusserst unterhaltsam ist. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Kind unheilbar an Krebs erkrankt? Wenn der Bruder von einer Chemotherapie zur nächsten geschleppt wird? McCarten lässt auch Dons Umfeld zu Wort kommen, zeigt ihre Zweifel und Ängste, ihre Strategien, den Alltag mit einem schwerstkranken Sohn, Bruder, besten Freund zu überleben und hat in mir einige unschöne Erinnerungen an die Krebserkrankung eines Freundes geweckt und mich dabei ein paar Tränen verdrücken lassen. Trotzdem hat mich Don immer wieder zum Lachen und Nachdenken gebracht und ich habe ihn sehr gerne auf die rasante letzte Achterbahnfahrt seines Lebens begleitet, den verletzlichen Teenager hinter den plumpen Sprüchen gesehen und die Weisheit und Gelassenheit im Angesicht des Unausweislichen bewundert und geschätzt, obwohl es anfangs ein paar Seiten gedauert hat, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen war. Es hat sich nämlich mit jeder Seite mehr gezeigt, was sich hinter der anfänglich plakativen und aufgesetzten Sprache verbirgt.

Schreibstil:
"Superhero" ist aufgebaut wie ein Film. Immer wieder tauchen wir in Donalds Fantasie ab und erfahren dabei, wie er an seinem Comic tüftelt und dabei die Geschichte MiracleMan mit konzentrierten und entschiedenen Strichen zu Papier bringt. Auch MiracleMan (Donalds Alter Ego) kämpft einen entscheidenden Kampf und sucht verzweifelt nach Liebe und dem Gefühl, angekommen zu sein. Durch diese zweite Erzählebene erfahren wir, was in der Geschichte sonst nicht erzählt wird und dabei mischen sich Elemente aus Literatur und Film. Das Buch ist beispielsweise in drei Akte aufgeteilt und am Schluss finden sich noch "Outtakes und gestrichene Szenen". Auch werden Geräusche imitiert und schnelle Schnitte eingefügt, wobei Donald abwechslungsweise als Regisseur, Protagonist und Kameramann fungiert.

Meine Empfehlung:
"Superhero" zu lesen war eine ganz neue, unterhaltsame, bewegende und fesselnde Erfahrung, auf die ich viel zu lange gewartet habe. Das Buch verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit und ich empfehle es euch sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Superhero
Originaltitel: Death of a Superhero
Autor: Anthony McCarten, geboren 1961 in New Plymouth/Neuseeland, schrieb als 25-Jähriger mit Stephen Sinclair den Theaterhit ›Ladies Night‹. Es folgten Romane und Drehbücher (u.a. zu den von ihm auch mitproduzierten internationalen Filmen ›The Theory of Everything‹ und ›Darkest Hour‹ mit Gary Oldman). Er lebt in London.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 01. Mai 2008
ISBN: 978-3-257-23733-7

Rezension: Die Frauen von der Purpurküste - Isabelles Geheimnis

Die Frauen von der Purpurküste: Isabelles Geheimnis - Silke Ziegler

Reiheninfo:
1. Isabelles Geheimnis
2. Julies Entscheidung
3. Claires Schicksal

Beschreibung des Verlages:
Eine kleine Baguetterie, ein altes Familiengeheimnis und große Gefühle vor der traumhaften Kulisse Südfrankreichs
Nach einem schweren Schicksalschlag reist Amélie nach Collioure in die Heimat ihrer Großmutter, um Abstand zu gewinnen und in der südfranzösischen Provinz wieder zu sich zu finden. Als sie in das alte Haus ihrer Oma kommt, muss sie jedoch feststellen, dass die obere Etage an einen Journalisten vermietet ist. Wenig erfreut über ihren Mitbewohner Benjamin beschließt Amélie, ihre Zeit in der alten Baguetterie im Erdgeschoss zu verbringen und hier wieder zu backen, so wie in glücklichen Kindertagen.
Als sie ihre Großmutter Isabelle im Seniorenheim besucht, überreicht diese ihr ein altes Tagebuch, in dem sie ihre eigene tragische Geschichte über die Beziehung zu einem deutschen Wehrmachtsoldaten festgehalten hat. Amélie versucht, gemeinsam mit Benjamin das Geheimnis aus Isabelles Vergangenheit zu lüften und genießt dabei seine Nähe mehr, als sie sich zunächst eingestehen will … Wird sie sich trauen, wieder nach den Sternen zu greifen?

Inhalt:
Amélie hat alles verloren, was ihr lieb und teuer war und beschliesst, sich eine Auszeit von ihrem tristen Leben zu nehmen. Dazu reist sie an die Südküste Frankreichs um sich im Haus ihrer Oma einzuquartieren. Dort angekommen bemerkt sie allerdings, dass ihre Tante das Haus einem Journalisten vermietet hat, der sich bereitwillig dazu erklärt, Amélie bei sich wohnen zu lassen, was ihr so gar nicht in den Kram passt. Aber sie hat keine andere Wahl und kommt somit immerhin auf andere Gedanken. Ihr Leben verändert sich noch einmal wegweisend, als sie bei einem Besuch bei ihrer Oma Isabelle im Pflegeheim ein Tagebuch überreicht bekommt, das ihr einige turbulente Lesestunden beschert.

Meine Meinung:
"Isabelles Geheimnis" habe ich durch Martina vom Blog Martinas Buchwelten entdeckt, sie hat den Abschlussband der Trilogie gelesen und sehr überzeugend empfohlen REZENSION. "Isabelles Geheimnis" habe ich im Rahmen meines GLM vom 21.5.21 begonnen. Die Protagonistin hat mich anfangs nicht ganz für sich eingenommen, weshalb ich das Buch ein wenig weggelegt habe, um "Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" zu beenden. Gestern habe ich dann endlich die letzten Seiten von "Isabelles Geheimnis" gelesen und wurde vom Ende komplett überzeugt. Was ich nämlich ehrlich sagen muss: am Anfang war ich mir nicht sicher, ob ich mit dem Buch überhaupt noch warm werden würde. Amélie hat mir nämlich mit ihrem sehr überzogenen Selbstmitleid und vor allem ihrer arroganten Art zuerst gar nicht gefallen. Das Durchhalten hat sich aber gelohnt und ich bin mit einer grandios recherchierten Geschichte, mehr und mehr Protagonisten, die immer vielschichtiger werden und ganz viel Romantik - inklusive Tränendrüsenende und haltlosem Schluchzen im Bus - belohnt worden.

Sprache und Handlung:
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, was mir immer sehr gut gefällt. Der eine Erzählstrang spielt in der Gegenwart bei Amélie in Südfrankreich, der andere Erzählstrang befasst sich mit der schwierigen Zeit der Besatzung Frankreichs durch die Deutsche Armee im Zweiten Weltkrieg. Isabelle, Amélies Oma, und deren aussergewöhnliche und gefährliche Liebesgeschichte werden hier ins Zentrum gerückt. Nach und nach kommen wir dieser Geschichte und Isabelles Geheimnis durch die Tagebuchaufzeichnungen, die Amélie zu lesen bekommt, näher. Gestört hat mich, dass es ziemlich lange ging, bis ein wenig Fahrt aufkam und bis Amélie sich endlich mit dem Tagebuch ihrer Oma befasst hat.
Nach etwa der Hälfte des Buches kamen immer mehr Emotionen auf, immer mehr Geheimnisse wurden gelüftet und die Figuren haben sich mehr und mehr entwickelt. Dabei wird klar, welches Potenzial Silke Ziegler zu bieten hat und gerade, weil sie sich einem so anspruchsvollen historischen Hintergrund gewidmet und diesen feinfühlig und grandios recherchiert in das Buch integriert hat, bin ich sehr neugierig auf die nächsten Bände, die ich mir auf jeden Fall bald gönnen werde.

Meine Empfehlung:
Obwohl dieses Buch mich nicht von Anfang an begeistern konnte, haben mich vor allem die historischen Hintergründe, welche die Zeit der Besatzung Frankreichs durch die Deutsche Armee zur Zeit des zweiten Weltkriegs thematisieren sowie die immer sympathischer werdenden Figuren überzeugt und neugierig auf die weiteren Bände gemacht.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Frauen von der Purpurküste: Isabelles Geheimnis
Autorin: Silke Ziegler lebt mit ihrer Familie in Weinheim an der Bergstraße. Zum Schreiben kam sie 2013 durch Zufall, als sie während eines Familienurlaubs im Süden Frankreichs auf ihre erste Romanidee stieß. Wenn sie nicht gerade in ihre französische Herzensheimat reist, liest und schreibt sie sich die traumhafte Kulisse einfach herbei. WEBSITE
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Ullstein
Erschienen: 29.06.2020
ISBN: 9783548062150