Rezension: Über uns der Himmel

 
Über uns der Himmel - Kristin Harmel

Beschreibung des Verlages:
Die junge Kate Waithman lebt mit ihrer großen Liebe Patrick in Manhattan. Eines Morgens geht sie am Hudson River joggen, als plötzlich ein Flugzeug den Himmel durchbricht. Momente später ist das World Trade Center in Rauch gehüllt. Es ist das Gebäude, in dem Patrick arbeitet ...
Dreizehn Jahre später fühlt sich Kate endlich bereit, ihr Herz wieder zu öffnen. Doch dann hat sie einen Traum, der realer scheint als alles, was sie umgibt – von dem Leben, das sie mit Patrick gehabt haben könnte. Während sie versucht, an der Vergangenheit festzuhalten, beginnt Kate zu ahnen, dass es für sie einen zweiten Weg zum Glück geben könnte ...

Darum geht es:
In wenigen Sekunden verliert Kate ihren Mann Patrick bei den Anschägen vom 11.9.2001. Die beiden sind erst ein paar Monate verheiratet und wären eigentlich für den Abend verabredet gewesen, weil Patrick ihr eine gute Neuigkeit mitteilen will.
Erst mehr als zehn Jahre später ist Kate bereit, sich mit ihrem neuen Partner Dan einer gemeinsamen Zukunft zu stellen. Doch dann beginnt sie, so lebensecht zu träumen, dass sie nicht mehr genau weiss, was Traum und was Wirklichkeit ist. Vor allem, weil diese Träume ihren Alltag zu beeinflussen scheinen...
Aber auch beruflich tut sich einiges bei der passionierten Musiktherapeutin. Nach und nach beginnt sie nämlich, sich auf gehörlose und stark schwerhörige Kinder einzulassen und entdeckt dabei eine ganz neue Welt und Menschen, die ihre Hilfe benötigen.

Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch am 10.9. begonnen und die Handlung beginnt auch genau an diesem Tag, um dann auf die tragischen Ereignisse des 11.9.01 einzugehen. Dies hat mich sehr unvorbereitet getroffen, weil ich die Klappentexte der Bücher meistens nicht lese und ich war sehr betroffen und berührt, schliesslich kann ich mich noch gut an den 11.9.01 erinnern. Ich war noch nicht ganz elf Jahre alt und meine Mutter stand wie paralysiert vor dem Fernseher, als ich von der Schule nach Hause kam und ich wusste sofort, dass etwas Grosses geschehen sein musste, weil der Fernseher bei uns zuhause nie am Nachmittag lief.
Es wird aber gar nicht so sehr auf die Anschläge eingegangen, sondern vielmehr auf den Verlust, den Kate dabei erlitten hat. Die Erinnerungen, die Trauer und die einzelnen Schritte der Verarbeitung sind meiner Meinung nach sehr authentisch und bewegend eingebunden. Ausserdem wird immer wieder aufgezeigt, wie viele positive Erfahrungen Kate auch nach und nach aus ihren Erlebnissen ziehen kann.
Besonders gut gefallen haben mir die Einblicke in Kates Berufsalltag. Als Musiktherapeutin arbeitet sie vor allem mit Kindern und beginnt dann, sich nach und nach mit hörgeschädigten Kindern auseinanderzusetzen. Dazu lernt sie die Gebärdensprache und es wird sehr gut aufgezeigt, welche Vorteile eine Musiktherapie mit sich bringen kann.
Was noch ein zusätzliches Plus für dieses Buch ist: im Anhang finden sich liebevoll zusammengestellte Rezepte, die zu den im Buch beschriebenen Gerichten passen und definitiv Hungrig machen.

Schreibstil:
"Über uns der Himmel" war mein erstes Buch von Kristin Harmel und ich muss sagen, dass ich begeistert bin von dieser Sprache und dem ganz speziellen Aufbau. Die Verflechtung von Traum und Wirklichkeit hat mich ein wenig an Cecelia Aherns Buch "Zwischen Himmel und Liebe" erinnert. Die Sprache ist sehr schlicht und flüssig und vermag dennoch, starke Emotionen hervorzurufen. Dies liegt sicher auch an den genauen Beschreibungen der Gefühle, Gedanken und Gesichtsaudrücke, welche die einzelnen Emotionen, aber auch die Gebärdensprache gut nachvollziehen lassen. Ausserdem sind die Atmosphären der Handlungsorte sehr stimmig erfasst und laden zum Träumen ein, bewegen und erschüttern.  

Meine Empfehlung:
"Über uns der Himmel" hat mir ganz viele Tränen und auch immer wieder einmal ein Schmunzeln entlockt. Die wundervolle Handlung, die mit grandios recherchierten Hintergründen überzeugt und die liebevoll skizzierten Protagonisten, sowie der schlichte und trotzdem sehr berührende Schreibstil machen dieses Buch zu einer stimmungsvollen Lektüre fürs Herz.

Zusätzliche Infos:
Titel: Über uns der Himmel
Originaltitel: The Life Intended
Autorin: Kristin Harmel ist Autorin und Journalistin. Mit dem Überraschungsbestseller Solange am Himmel Sterne stehen landete sie ihr sensationelles Debüt in Deutschland und verzauberte auch weltweit ihre Leser. Ihr neuer Roman Über uns der Himmel erzählt wieder eine bewegende Geschichte von Liebe und Verlust, die diesmal die jüngere Vergangenheit mit einbezieht. Kristin Harmel lebt mit ihrem Mann in Orlando, Florida.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Veronika Dünninger
Taschenbuch, Klappenbroschur: 448 Seiten 
Verlag: Blanvalet 
Erschienen am: 16. März 2015
ISBN: 978-3-442-38333-7

Rezension: Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski

Regina W. Egger hat mich angefragt, ob ich ihr Erstlingswerk, das im Feuerwerke-Verlag erschienen ist, lesen und besprechen würde. Ich bedanke mich sehr herzlich für das Rezensionsexemplar.

Darum geht es:
Ewa Kalinowski hat Krebs und bittet ihren guten Freund Lukas, sie und ihren Hund Zizou auf eine Reise durch halb Europa zu begleiten. Der junge Mann, der sich trotz abgeschlossenem Studium von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob hangelt, tut ihr den Gefallen und fährt das Wohnmobil, das Ewa sich eigens dafür gekauft hat, sicher durch diverse Länder und Städte Europas. Auf dieser Reise erfährt Lukas viele Geschichten aus Ewas Kindheit in Polen und die beiden diskutieren und philosophieren über Politik, Geschichte, das aktuelle Weltgeschehen und den Tod und nehmen uns Leserinnen und Leser mit auf eine spannende Reise, die uns nicht nur zu historischen Sehenswürdigkeiten, sondern auch ein wenig zu uns selber finden lässt.

Meine Meinung:
Regina W. Egger hat dieses Buch in nur drei Wochen geschrieben, weil sie selber schwer erkrankt war und sie das Buch unbedingt fertigstellen wollte, um es für einen Schreibwettbewerb einzureichen, den sie damit sogar gewann. Dies beeindruckt mich einerseits sehr, wenn auch ich mir doch immer mal wieder ein paar Beschreibungen und Vertiefungen mehr gwünscht hätte, die aber wohl aufgrund des Zeitmangels gar nicht mehr eingebaut werden konnten. Trotzdem ist eine tiefgründige und insgesamt sehr gut ausgearbeitete Geschichte entstanden, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ewa war mir sofort sympathisch und die vielen Reiseorte, die sie noch ein letztes Mal besuchen wollte, sind so beschrieben, dass auch bei mir ein sanftes Feriengefühl aufgekommen ist. Besonders gut gefallen haben mir übrigens die detaillierten Beschreibungen von kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt. Aber nicht nur die Esswaren selber haben mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, auch die schönen Beschreibungen der gesellschaftlichen Aspekte des gemeinsamen Essens und Geniessens waren meiner Meinung nach wundervoll dargestellt.
Auch wurde zu allen besuchten Orten einiges an (historischem) Hintergrundwissen eingebaut, das beim Lesen sowohl unterhaltsam als auch lehrreich war und mich vor allem die einzelnen Orte in Gedanken noch besser miteinander verbinden liess.

Was mir nicht ganz so gut gefallen hat:
Leider habe ich doch etwas zu bemängeln, das sich durch dieses Buch durchgezogen hat und zeitenweise ein wenig ermüdend war: Ewa kritisiert nämlich Lukas und seinen Lebensstil permanent. Sie hält ihm vor, dass er sich ab und an einen Joint gönnt, dass er nichts aus seinem Studium gemacht und keine Frau und Kinder hat und ist somit nicht besser als all die anderen in Schubladen denkenden alternden Menschen, die ihren eigenen stereotypen Lebensstil mit (Ehe-)Partnern und einer langweiligen Arbeit, die man nur des Prestiges wegen ausübt, der jüngeren Generation aufzwingen wollen. Dass Ewa Lukas dazu bringt, sein Leben und seine Lebensentscheide zu hinterfragen, hat mich überhaupt nicht gestört. Dass sie, die sonst so eine aussergewöhnliche Frau ist, nun aber null Verständnis für ihn zeigt, überhaupt nicht ausserhalb ihres vorgefassten Lebensrasters denken kann und vor allem nicht realisiert, dass er diese Reise mit ihr gar nicht hätte antreten können, wenn er in einer Beziehung gesteckt oder an einen Job gebunden gewesen wäre, ist sehr eindimensional gedacht. Ausserdem werden die politischen Ansichten der Figuren ein wenig zu plakativ aueinanderdividiert, was insgesamt ein wenig plump wirkt.

Schreibstil:
Mit ihrer sehr schlichten Sprache hat es Regina W. Egger geschafft, mich zu berühren, mich zu unterhalten und ein wenig Fernweh bei mir auszulösen. Zufällig haben Ewa und Lukas nämlich Orte und Regionen besucht, die ich selber sehr gut kenne, oder die ich gerne bald einmal besuchen möchte. Die nicht ganz einfachen Unterhaltungen, die man mit todkranken Menschen führt und manchmal führen muss, aber auch der normale und unbeschwerte Alltag während eines Roadtrips werden einfühlsam beschrieben und stimmig kombiniert. Ausserdem ist auch Ewas körperliches Wohlbefinden immer wieder ein Thema, schliesslich gibt sie das Reisetempo vor. Und vor allem gegen Ende spürt man förmlich die Eile, welche Ewa hat (und wahrscheinlich auch unsere Autorin hatte) um zum Ziel zu kommen. Man spürt die Zeit, welche durch Ewas Finger rinnt, was mir persönlich sehr nahe gegangen ist.

Meine Empfehlung:
Trotz kleiner Schwächen empfehle ich euch dieses Erstlingswerk, das mit charmantem Roadtripcharakter aber auch sehr viel Tiefgang zu überzeugen vermag, sehr gerne weiter. Die schönen Beschreibungen der einzelnen Reiseziele und der kulinarischen Höhenflüge haben es mir dabei besonders angetan.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski
Autorin: Regina W. Egger wuchs in einem kleinen Dorf im Osten Österreichs auf und lebt heute mit ihrem Mann und ihren anspruchsvollen Katzen in Graz und im Südburgenland. Das Leben führte sie nach der Schule zuerst nach Südengland, später zum Studium zurück nach Österreich an die Universität und beruflich durch ganz Europa. Ihr Vater, ein begnadeter Geschichtenerzähler, weckte in ihr schon früh die Liebe zu guten Geschichten. Diese gab sie später auch gerne an ihre beiden heute erwachsenen Kinder weiter. Hin und wieder verfasste sie kleinere Kurzgeschichten, hatte aber nicht die Ruhe, einen längeren Text zu schreiben. Nach einer schweren Erkrankung und anlässlich einer Ausschreibung zu einem Literaturwettbewerb aber wagte sie das Experiment, sich an einem Roman zu versuchen. Ihr Debütroman Die vorletzte Reise der Ewa Kalinowski gewann schließlich den ersten Preis und damit war sie endgültig mit dem Virus des Schreibens infiziert.  Regina W. Egger interessiert sich vor allem für das Ungewöhnliche in den ganz normalen Lebensgeschichten und lässt sich dabei von eigenen Erlebnissen, aber auch von Gesprächsfetzen, die sie zufällig aufschnappt, inspirieren. Ganz besonders angetan haben es ihr Namen, aus denen in ihrer Fantasie Figuren mit bemerkenswerten Eigenschaften entstehen.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 268 Seiten
Verlag: FeuerWerke Verlag
Erschienen am: 12. September 2019
ISBN eBook: 978-3-945362-58-7
ISBN Taschenbuch: 978-3-945362-59-4

Drei (literarische) Katzenkalender

 
Letzte Woche hat mich ein wundervolles Paket mit drei Kalendern aus dem Verlag Schöffling & Co erreicht. Diese Kalender wurden mir unentgeltlich für eine Besprechung zur Verfügung gestellt.


Der literarische Katzenkalender 2020

 
Zuerst einmal zeige ich euch den literarischen Katzenkalender (HIER BESTELLEN), einen Wandkalender, der aus jeweils einer Wochenübersicht, einem grossen Bild (natürlich mit Katze) und einem passenden Zitat besteht. Die Bilder sind liebevoll ausgewählt und die Zitate stammen aus der Weltliteratur und passen wundervoll zum Bild. Das Papier ist matt gehalten und kann ohne Probleme mit Notizen versehen werden, wenn auch dafür nicht ganz so viel Platz ist. Alle Abbildungen sind schwarz-weiss gehalten und der ganze Kalender, respektive sogar die ganze Kalenderserie, ist s/w und rot gestaltet. Mir persönlich gefällt dieses schlichte Design sehr, da es sich gut mit allen möglichen Einrichtungen kombinieren lässt und auch nicht zu aufdringlich wirkt. Was mir bei diesem Kalender allerdings wirklich fehlt: ich würde es schön finden, wenn zumindest die wichtigsten Feiertage besonders hervorgehoben wären.


Der literarische Katzen Wochenplaner 2020

 
In diesen überaus praktischen und charmant aufgemachten Wochenplaner (HIER BESTELLEN) habe ich mich sofort verliebt. Er wird im Jahr 2020 permanent auf meinem Schreibtisch liegen, damit ich jeweils am Wochenende meine To Do's für die kommende Woche notieren und meine Termine planen kann. Ausserdem ist für jeden Tag - wie auch nachher im Katzen Taschenkalender 2020 zu sehen - ein bestimmter "Feiertag" notiert. Vom "Kauf-ein-Buch-Tag" bis hin zum "Tag der Kuscheltier-Liebhaber" ist alles dabei.
Besonders gut gefällt mir, dass in diesem Wochenplaner die ganze Woche mit einer vertikalen Tagesübersicht, in der alle Termine Platz finden, dargestellt ist. Ausserdem finden sich Jahresübersichten, Ferienpläne (wenn auch nur für Deutschland) und Platz für viele Notizen am Anfang und Schluss des Kalenders, was diesen zu einem effizienten und handlichen Arbeitswerkzeug macht. Toll wäre es ausserdem, wenn dieser wundervolle Kalender auch noch als Taschenausgabe herauskäme, den würde ich mir auf jeden Fall gönnen.


Katzen Taschen Kalender 2020

 
Der Katzen Taschen Kalender 2020 (HIER BESTELLEN) ist ebenfalls in den gleichen Farben gestaltet und mit vielen Katzenbildern und passenden Zitaten versehen. Wie der Wochenplaner sind besondere Feiertage und Gedenktage notiert und viele kleine Skizzen werden zu besonderen Hinguckern.
 
Die Wochenübersicht findet sich jeweils auf der einen Seite, während sich auf der anderen das Bild (mindestens) einer Katze bewundern lässt. Diese Aufmachung ist wirklich sehr liebenswürdig und handlich, für mich persönlich eignet sich die Aufteilung des Kalenders allerdings nicht zur Terminplanung. In meinem Fall wäre dafür nämlich eine vertikale Wochenübersicht für alle sieben Wochentage notwendig (wie dies beim Wochenplaner der Fall ist). Meine Schwester wird sich allerdings sehr über den Kalender freuen.
Sehr positiv sind aber die grosszügige Jahresübersicht und die schönen Notizseiten, die viel Platz für Ideen, To Do-Listen und anderes lassen. Auch ist im Kalender ein hochwertiges, rotes Lesebändchen eingearbeitet und die Titel- und Rückseite (wovon vor allem die Rückseite mit weiteren humorvollen Katzenskizzen genannt werden will) können sich sehen lassen.


Mein Fazit

Alle drei vorgestellten Produkte sind sehr hochwertig verarbeitet, mit sorgfältig ausgewählten Bildern und Sprüchen versehen und äusserst unaufdringlich, aber trotzdem ganz besonders gestaltet. Sie eignen sich perfekt für alle Katzenfreundinnen und Katzenfreunde und lassen sich gut in den Arbeitsalltag integrieren. Der Wochenplaner besticht mit seiner vertikalen Wochenübersicht, die viel Platz für eine effiziente Planung lässt, der Wandkalender wirkt edel und zeitlos und vermag in seiner schlichten Gestaltung jeden Raum zu verschönern, während der handliche Taschenkalender besonders humorvoll und liebenswert gestaltet ist und mit den vielen kleinen Skizzen überzeugen kann.

Rezension: Die verlorenen Briefe des William Woolf

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Wunderraum-Verlag, das mich via Bloggerportal erreicht hat. 
 
Die verlorenen Briefe des William Woolf - Helen Cullen
 
Beschreibung des Verlages:
William Woolf hat den wundervollsten Job der Welt: In einer Londoner Sammelstelle für verlorene Briefe bringt er verirrte Botschaften auf den richtigen Weg. Doch seinen eigenen Weg im Leben scheint er aus den Augen verloren zu haben. Den Traum, Schriftsteller zu werden, hat er aufgegeben, und das Glück ist ihm im Alltag irgendwie abhandengekommen. So kommt es ihm wie ein Wink des Himmels vor, als er bei der Arbeit immer neue mitternachtsblaue Briefe entdeckt, die alle an »Meine große Liebe« adressiert sind. Könnte er selbst gemeint sein? Wer ist die geheimnisvolle Verfasserin, die sich nur »Winter« nennt? William beschließt, der Spur der Briefe zu folgen …
 
Inhalt:
William Woolf arbeitet in einem Traumberuf und darf im Depot der verlorenen Briefe in London dafür sorgen, dass aufgrund von unleserlichen oder fehlenden Adressen unzustellbare Briefe doch noch ihre Empfänger erreichen. Er selber steckt aber in der mittlerweile unglücklichen Ehe mit Clare, die ihn zugleich bemitleidet und ihm auch fehlenden Ehrgeiz vorwirft, fest. Schliesslich ist er es, der damals den Traum einer Schriftstellerkarriere aufgegeben hat und sich nun täglich durch fremde Post wühlt. während sie als erfolgreiche Anwältin viel Geld verdient. So einfach ist die ganze Geschichte aber nicht und als William wunderschöne Briefe findet, die scheinbar an ihn adressiert sind, realisiert er plötzlich, dass er in seinem eigenen Leben nur noch eine Statistenrolle einnimmt und beginnt, unbeholfen aber immer überzeugter die Spur der rätselhaften "Winter" zu verfolgen, während sein eigentliches Leben, seine Ehe und sein ganzes Umfeld erschüttert werden.
 
Meine Meinung:
Bei Friedelchen finde ich jeweils die wundervollen Bücher aus dem Wunderraum-Verlag und habe bei ihr auch schon "Wenn der Rest der Welt schläft" entdeckt, das mich ebenfalls begeistert hat. Mit William habe ich das Depot der verlorenen Briefe kennengelernt. Ein Ort, der aus Träumen gemacht scheint. Schliesslich darf man dort, was sonst verboten ist: in fremden Briefen schnüffeln. Und als wäre das nicht genug, gelingt es manchmal sogar, diese verlorengegangene Post wieder auf den richtigen Weg zu schicken und so den eigentlichen Empfänger glücklich zu machen. Ist das nicht eine wundervolle Idee?
Weiter bin ich beeindruckt von der Art und Weise, mit der Helen Cullen es schafft, die Entfremdung zwischen Clare und William darzustellen. Es sind kleine Alltagssituationen, fehlende Gesten der Zärtlichkeit, eine fehlende Kommunikation und gewisse Verhaltensweisen, welche sich die beiden angeeignet haben, um einander aus dem Weg zu gehen, die in ihrer Gänze zeigen, wie sehr sich Beziehungen verändern können, auch wenn man das so gar nicht will.
Williams Suche nach "Winter" führt ihn nach Dublin, wo er an glückliche Zeiten erinnert wird, während er einem Phantom hinterherjagt. Dies ist manchmal amüsant, meistens aber sehr schmerzlich und voller Mitgefühl und Hoffnung habe ich atemlos Seite um Seite umgeblättert, um herauszufinden, ob und wie unser - genau wie seine Briefe - verlorener Protagonist doch noch den Platz in seinem eigenen Leben finden kann.
 
Schreibstil:
Sanft und einfühlsam schildert Cullen einen Mann, der einfach nur irgendwie ein wenig aus seinem Leben gefallen ist, der eigentlich alles hat, aber nicht wirklich glücklich sein kann, weil er gar nicht weiss, was er wirklich will. Immer wieder nutzt Cullen die Briefe, die William nicht nur von "Winter" sondern auch von anderen Absendern findet, als Mittel, William eine Tür zu einer neuen Entscheidung oder einem neuen Abenteuer zu öffnen und hat letztendlich mit diesem Buch eine Hommage an den (hand-)geschriebenen Brief verfasst, die Lust macht, gleich selber zu Papier und Stift zu greifen. Mit viel Liebe zum Detail zeigt sie, was ein Brief alles im Sender und Empfänger bewirken kann und lässt zudem viel Poesie und Humor in eine Geschichte einfliessen, die von der ersten bis zur letzten Seite berührt.
 
Meine Empfehlung:
Ich bin so froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil es mich an viele wundervolle Stunden erinnert hat, in denen ich Briefe geschrieben und gelesen habe und weil es mit einer aussergewöhnlichen Handlung, einem liebenswerten Protagonisten und einer einfühlsamen Erzählsprache überzeugen und berühren kann.
 
Zusätzliche Infos:
Titel: Die verlorenen Briefe des William Woolf
Originaltitel: The Lost Letters of William Woolf
Autorin: Helen Cullen ist in Irland geboren, hat Theaterwissenschaften und Englische Literaturwissenschaft studiert und lebt mittlerweile in London. Allerdings kehrt sie zum Schreiben immer wieder in ihre Heimat zurück. Ihr Debütroman »Die verlorenen Briefe des William Woolf« wurde von Lesern wie Presse gefeiert, und die Irish Times zählt die Autorin zu den aufregendsten jungen Stimmen des Landes.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Heike Reissig
Hardcover, Halbleinen: 416 Seiten
Verlag: Wunderraum 
Erschienen am: 22. April 2019
ISBN: 978-3-336-54795-1

Lese-Statistik August 2019

 
Guten Morgen ihr Lieben

Im August hat das neue Schuljahr gestartet und da ich dank einer zweiten Stelle an einer anderen Musikschule zusätzlich zu meiner Konzerttätigkeit mittlerweile fast 50 Prozent (respektive dank einer Stellvertretung von September bis Dezember nun bis Weihnachten knapp 70 Prozent) unterrichte, bin ich wieder sehr viel unterwegs und komme im Zug und Bus regelmässig zum Lesen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass ich im August einige Bücher, respektive vor allem einige Seiten geschafft habe.

Der SuB wurde ganz wenig abgebaut und da im September maximal drei Neuzugänge geplant sind (ganz ohne scheint es bei mir einfach irgendwie nicht zu gehen, aber das ist ok, da ich mittlerweile schon viel mehr lese, als noch im Jahr zuvor), sollte es auch SuB-technisch ein wenig vorwärts gehen, zumal ich so richtig Bock auf die Neuzugänge aus dem Juli und August habe. Das kann also definitiv etwas werden. 

Ausserdem wurde nach ewigem Hin- und Her und dem nicht ganz einfachen Auftreiben der Papiere für den Liebsten endlich unser Termin für unsere standesamtliche Hochzeit bestätigt. In zwei Wochen werde ich einen neuen Namen tragen und könnte glücklicher nicht sein :-D

Der Monat September wird also einiges für mich und uns und sicher auch euch bereithalten. Nun geht es aber endlich zur Statistik, bevor dann hoffentlich schon bald wieder die ersten Rezensionen folgen :-)


Dies sind meine gelesenen Bücher aus dem Monat August:

Auch der dritte Band der Reihe ist grandios und die verschiedenen Ebenen haben mir sehr gefallen

Dieses Buch war leider gar nichts...eine grosse Enttäuschung, die mich nicht überzeugen konnte
https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/historische-romane/als-wir-im-regen-tanzten/id_6954422?

Ein toll recherchiertes Buch über die Kraft der Musik und eine ganz spezielle Familiengeschichte
https://www.harpercollins.de/products/das-gewicht-eines-pianos-9783959678582

Berührend, fesselnd, vor dem Hintergrund des ersten Weltkriegs und voller Liebe und Menschlichkeit
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/lempi-das-heisst-liebe/978-3-446-26004-7/

Liebevoll und unterhaltsam geschriebene Briefe dokumentieren ein ganzes Leben und die Liebe zur Musik
http://www.ammannverlag.ch/?id=433&k=4&sk=78&tb=bio&bioid=162

Die überzeugende und in verschiedenen Zeitebenen geschriebene Fortsetzung der All Souls-Trilogie
https://www.randomhouse.de/Buch/Bis-ans-Ende-der-Ewigkeit/Deborah-Harkness/Blanvalet-Hardcover/e504490.rhd

Familienschicksale, die Liebe zum geschriebenen Wort, eine märchenhafte Gartenanlage und ein Geheimnis
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Der-verborgene-Garten/Kate-Morton/Diana/e333374.rhd


Alle Rezensionen im Überblick:
tot. - Stephen King   (768 Seiten)
Als wir im Regen tanzten - Michaela Saalfeld   (463 Seiten)
Das Gewicht eines Pianos - Chris Cander   (367 Seiten)
Lempi, das heißt Liebe - Minna Rytisalo   (224 Seiten)
Mein Leben mit Mozart - Eric-Emmanuel Schmitt   (144 Seiten)
Bis ans Ende der Ewigkeit - Deborah Harkness   (576 Seiten)
Der verborgene Garten - Kate Morton   (640 Seiten)

Und ein wenig Zahlenspielerei:
Gelesene Bücher: 7
Somit in die Leseeule: 7 Franken
Gelesene Seiten: 3'182
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 102.64 Seiten
Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 143
Aktueller SuB: 141
Differenz: -2