Nevermoor - Jessica
Reiheninfos:
1. Nevermoor
2. Wundersmith
3. Hollowpox
4. Silverborn
Beschreibung des Verlages:
Morrigan Crow is cursed. Having been born on Eventide, the unluckiest
day for any child to be born, she’s blamed for all local misfortunes,
from hailstorms to heart attacks—and, worst of all, the curse means that
Morrigan is doomed to die at midnight on her eleventh birthday.
But as Morrigan awaits her fate, a strange and remarkable man named
Jupiter North appears. Chased by black-smoke hounds and shadowy hunters
on horseback, he whisks her away into the safety of a secret, magical
city called Nevermoor.
It’s then that Morrigan discovers Jupiter
has chosen her to contend for a place in the city’s most prestigious
organization: the Wundrous Society. In order to join, she must compete
in four difficult and dangerous trials against hundreds of other
children, each with an extraordinary talent that sets them apart—an
extraordinary talent that Morrigan insists she does not have. To stay in
the safety of Nevermoor for good, Morrigan will need to find a way to
pass the tests—or she’ll have to leave the city to confront her deadly
fate.
Inhalt:
Die bald elfjährige Morrigan Crowd blickt einem finsteren Schicksal entgegen. Es lastet ein Fluch auf ihr, der sie zahlreiche Unglücke verursachen lässt und durch den sie an ihrem elften Geburtstag sterben wird.
Plötzlich taucht aber der aussergewöhnliche Jupiter North auf, der gemeinsam mit Morrigan vor den wilden Hunden und Reitern flieht, welche sie in der Nacht auf ihren elften Geburtstag holen wollen. Nach dieser abenteuerlichen Flucht findet sich Morrigan in der magischen Stadt Nevermoor wieder. Es fällt ihr nicht ganz leicht, sich an die Wesen und Gepflogenheiten ihrer neuen Heimat zu gewöhnen. Und ausserdem gibt es nur einen Weg, wie sie in Nevermoor bleiben kann: sie muss gegen andere begabte magische Jugendliche antreten und zahlreiche Prüfungen bestehen, um in die Wundrous Society aufgenommen werden. Ungünstig allerdings, dass Jupiter Morrigan gar nie mitgeteilt hat, was überhaupt ihre besondere Fähigkeit ist...
Meine Meinung:
Jamie und Jule werden nicht müde, die Nevermoor-Reihe zu empfehlen und so musste ich mir die Reihe natürlich im Original und im Schuber bestellen. Fast ein Jahr lang habe ich auf die Bücher gewartet, weil sie zwischenzeitlich nicht mehr lieferbar waren. Nun aber habe ich den ersten Band der Reihe gelesen und bin begeistert. Anfänglich haben es mir die sehr langen Kapitel zwar ein wenig erschwert, so richtig ins Buch zu finden, aber dann habe ich so richtig eintauchen und die magische Stadt Nevermoor für mich entdecken können. Morrigan ist eine kluge Protagonistin mit klaren Werten und Kampfgeist und auch die Nebenfiguren haben ich für sich eingenommen. Gemeinsam mit ihnen bin ich durch Nevermoor gestolpert, habe Prüfungen und Abenteuer überstanden und mich beim Lesen mitreissen, gruseln und wunderbar unterhalten lassen.
Meine Empfehlung:
Dieser Reihenauftakt ist ein wahres Lesevergnügen und definitiv nicht nur für Kinder und Jugendliche geeignet. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände.
Zusätzliche Infos:
Titel: Nevermoor
Autorin: Jessica Townsend lives on the Sunshine Coast in Australia, but
has lived on and off in London for a few years. She was a copywriter for
eight years, and in a previous role, was the editor of a children’s
wildlife magazine for Steve Irwin’s Australia Zoo. She is the
bestselling author of the Nevermoor Series.
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Little, Brown and Company
Erschienen: 25.09.2018
Rezension: Nevermoor
Rezension: Himmelsee - Wo der Wind von Liebe erzählt (Himmelsee 2)
| Rezensionsexemplar aus dem Verlag Harper Collins via Bloggerportal, vielen Dank! |
Himmelsee. Wo der Wind von Liebe erzählt - Tanja Janz
Reiheninfos "Himmelsee":
1. Himmelsee - Über den Wellen leuchtet das Glück (15.04.2025)
2. Himmelsee - Wo der Wind von Liebe erzählt (23.06.2026)
3. Himmelsee - Unter den Sternen funkelt die Hoffnung (25.08.2026)
Beschreibung des Verlages:
Weil Astrid schon länger genug von der Männerwelt hat,
konzentriert sie sich ganz auf ihre gemütliche Buchhandlung
»Bücherhimmel«. Als sie ihre beliebte Vorlesestunde wegen Heiserkeit
absagen muss, springt unerwartet ihr neuer bester Kunde ein. Es stellt
sich heraus, dass Thore Wilkens selbst Bestseller verfasst hat und
wunderbare Lesungen veranstalten kann. Um seine Schreibblockade zu
lösen, zeigt Astrid ihm die schönsten Seiten Himmelsees. Und während sie
mit ihm den Strand, die duftenden Wälder und den Leuchtturm erkundet,
erkennt sie erschrocken, dass er die Mauer um ihr Herz eingerissen hat
...
Inhalt:
Vor einigen Jahren hat Astrid darauf verzichtet, ihrer grossen Liebe Filip in die USA zu folgen. Zu sehr verwurzelt gefühlt hat sie sich in ihrer Heimat Himmelsee. Die Fernbeziehung hat nicht gehalten und die Buchhändlerin lebt mittlerweile ein erfülltes Singleleben als erfolgreiche Geschäftsfrau. Die Freundschaft mit Linna (der Protagonistin aus dem ersten Band der Reihe), ihre Arbeit, ihre Angestellte Irmi, ihre Familie und ein grosser Kreis an weiteren Herzensmenschen hält sie beschäftigt und bei Laune.
Als aber gleichzeitig der erfolgreiche Autor Thore Wilkens als auch längst verarbeitet geglaubte Gefühle in ihrem Leben auftauchen, muss sie entscheiden, wohin ihr Herz sie führt.
Meine Meinung:
Schon der erste Band der Reihe mit dem Hotelleriebetrieb von Linna und der grossen Meerliebe hat mich für sich eingenommen und wunderbar unterhalten. Auch der zweite Band hat mir wieder schöne Lesestunden geschenkt und ich habe mich Hals über Kopf in Astrids Buchhandlung "Bücherhimmel", in ihre Backkünste, die ausgeklügelten Blaubeerrezepte, von denen sich einige im Anhang finden und ihre so gemütliche kleine Wohnung verliebt.
Schreibstil und Aufbau:
Wie so viele Bücher dieses leichten, unterhaltsamen Genres beinhaltet auch dieser Roman weder grosse Überraschungen, noch viel Tiefgang. Aber die Romane von Tanja Janz lassen immer so schön in die Ferne träumen und - im Falle dieser Reihe - den Darß erleben.
Auch taucht schon bald ein Mann auf, der Astrids Herz höher schlagen lässt und dann muss ja noch einmal eine kleine Wendung gebaut werden: ein Unglück geschieht, ein Missverständnis zerstört beinahe das sich anbahnende Glück, eine Liebe aus der Vergangenheit taucht auf oder verschiedene andere persönliche und berufliche Dramen bahnen sich an... Manchmal entstehen dabei sogar richtige Überraschungen und es entwickelt sich gar nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Welche Szenarien sich in Himmelsee abspielt, verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel: stöbert nicht zu sehr auf dem Instagramprofil der Autorin. Sie verrät nämlich dort nicht nur, welche Steine sie Astrids Romanze in den Weg gelegt hat, sondern auch, wie das Buch endet. So macht sie diese Wendung, die eine kleine Überraschung und sogar ein wenig Spannung hätte bieten können, zunichte. Dies ist allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen, die meisten werden das Ende so oder so korrekt vorhergesagt haben und ausserdem spielt die Handlung des Romans neben der wundervollen und gekonnt beschriebenen Kulisse des fiktiven Küstenörtchens Himmelsee eigentlich nur eine Nebenrolle.
Meine Empfehlung:
In einem sehr turbulenten Juli habe ich mich ans Meer geträumt und mich
von einer unaufgeregt erzählten Geschichte unterhalten lassen. Der Wohlfühlroman beinhaltet definitiv keine Überraschungen, aber ganz viel Freundschaft, Zusammenhalt und Gemütlichkeit.
Zusätzliche Infos:
Titel: Himmelsee - Wo der Wind von Liebe erzählt
Autorin: Tanja Janz wollte schon als Kind Bücher schreiben und malte ihre ersten
Geschichten auf ein Blatt Papier. Heute ist sie Schriftstellerin und
lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen im Ruhrgebiet. Neben der
Schreiberei und der Liebe zum heimischen Fußballverein schwärmt sie für
St. Peter-Ording, den einzigartigen Ort an der Nordseeküste.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Harper Collins
Erscheinungstag: 23.06.2026
ISBN: 9783365012116
Lese-Statistik Juni 2026
Der Juni hat neben leider viel zu hohen Temperaturen und unerträglicher Dürre auch viele schöne Erlebnisse mit sich gebracht. Wir verbrachten ein Wochenende mit Herzensmenschen im Wallis, durften wieder Gäste bei einer Hochzeit sein, einen Geburtstag feiern und die Abschlussfeier einer Freundin besuchen, die auswandert und einen neuen Lebensabschnitt beginnt.
An der Konzertfront sieht es ruhig aus, dafür habe ich mich mit einem meiner Ensembles so richtig in die Planung eines grossen Projektes für 2027 gestürzt und weitere Konzertreihen für 2027 und 2028 angedacht. Es gibt mir immer soooo viel Energie, wenn ich weiss, auf welche Projekte ich mich freuen darf und wenn die ersten Proben und Konzerttermine bestätigt im Kalender stehen. Auch hatte ich an den Musikschulen einiges zu tun. Drei Semesterabschlusskonzerte, ein grösseres Krisenmanagement und ganz viele administrative Aufgaben standen an und im Juli geht es jetzt an die Jahresvorbereitungen für das kommende Schuljahr, respektive stecke ich schon mitten drin.
Buchtechnisch war der Monat auch ziemlich sommerlich und mit eher leichter Lektüre gefüllt. Gelesen habe ich mehr als erwartet. Und dies, obwohl ich auch viel Fussball geschaut habe und obwohl ich kaum lange im Zug sass. Dass gerade nicht so viele Konzerte und Proben anstehen (und dass ich Ende Schuljahr und bei dieser Hitze auch nicht mehr die Kraft hatte, um andere Dinge zu machen, als mit einem guten Buch herumzusitzen), schlägt sich wohl einfach positiv auf meine Lesezeit nieder.
Dabei waren zwei Buddyreads, viele Highlights, Rezensionsexemplare, sommerliche Unterhaltung und auch einige Überraschungen dabei. Und einmal mehr konnten mich vor allem die Backlist-Bücher überzeugen.
Gelesen im Juni:
Solider, feinfühliger Brunetti-Krimi, der sich vor allem auf das Leben von älteren Menschen konzentriert
Zwar ein wenig vorhersehbarer und konstruierter aber dennoch unterhaltsamer und packender Roman
Moderner, feministischer Hexenroman, verschiedene Zeitebenen, Magie und Kampf für Unabhängigkeit
Berührender Debütroman, tragische Familiengeschichte über das Verzeihen, die Liebe und gelebte Chancen
Poetisches, eindringlich erzähltes Buch über Tiefpunkte im Leben, Verlust, Freundschaft und Neuanfänge
Ein wenig repetitiver und vorhersehbarer Roman, grandiose Landschaftsbeschreibungen und Sommerfeeling
Überragendes Debüt, Kosovokrieg, Familiengeschichte, Bruxismus, Forensik und reine Erzählkunst
Liebevoll erzählter Hamburg-Roman mit ernsten Themen, ein paar Längen und um so mehr Meerliebe
Alle Zahlen und Rezensionen:
Reiches Erbe - Donna Leon (320 Seiten)
Wut und Liebe - Martin Suter (304 Seiten)
Die Unbändigen - Emilia Hart (416 Seiten)
Rückkehr nach Crow Lake - Mary Lawson (336 Seiten)
Der Gesang der Amsel - Linda Olsson (256 Seiten)
Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt (320 Seiten)
ë - Jehona Kicaj (178 Seiten)
Das Leben fällt, wohin es will - Petra Hülsmann (512 Seiten)
Neuzugänge:
- Ruthchen schläft - Kerstin Campbell (Bücherschrankfund)
- Frau Komachi empfiehlt ein Buch - Michiko Aoyama (Bücherschrankfund)
- Pi mal Daumen - Alina Bronsky (Bücherschrankfund)
- The Trials of Morrigan Crow (Nevermoor 1) - Jessica Townsend (neu gekauft)
- Wundersmith (Nevermoor 2) - Jessica Townsend (neu gekauft)
- Hollowpox (Nevermoor 3) - Jessica Townsend (neu gekauft)
- Silverborn (Nevermoor 4) - Jessica Townsend (neu gekauft)
- Himmelsee – Wo der Wind von Liebe erzählt (Himmelsee 2) - Tanja Janz (Rezensionsexemplar)
- Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt (Rezensionsexemplar)
Alle Zahlen in der Übersicht:
Gelesene Bücher: 8
Abgebrochene Bücher: -
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'642 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 88 Seiten
Bücher von Autorinnen: 7
Bücher von Autoren: 1
Autor*innenduos (oder Gruppen):
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Neu gekaufte Bücher: 4
Gebraucht gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: 3
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 32
Aktueller SuB: 33
Differenz: + 1, der erste mini-Anstieg seit Mai 2025, verkraftbar, würde ich sagen
Rezension: Das Leben fällt, wohin es will
Das Leben fällt, wohin es will - Petra Hülsmann
Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt
TW: Krebs, Chemotherapie, Erbrechen/Übelkeit
Beschreibung des Verlages:
Party, Spaß und Freiheit - das ist für Marie das Allerwichtigste. Das
ändert sich schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt
und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu
kümmern. Und nicht nur das - Marie soll auch noch Christines Posten in
der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat sie
überhaupt keine Lust, und auf ihren neuen »Chef«, den oberspießigen
Daniel, erst recht nicht. Während Marie von einem Chaos ins nächste
stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es
sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann - zum Beispiel die Liebe.
Inhalt:
In diesem Band der nur ganz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe (einzig Taxifahrer Knut hat seine regelmässigen - und in diesem Band leider ein wenig zu kurz kommenden - Auftritte) begleiten wir Marie dabei, wie sie von der in den Tag hinein lebenden Party-Queen zur verantwortungsbewussten Geschäftsfrau wird. Oder es zumindest probiert. Die Wandlung geschieht allerdings sehr unfreiwillig. Aus heiterem Himmel wird Marie von ihrer Schwester Christine über deren Krebserkrankung informiert. Die aktuell gerade alleinerziehende Christine bittet Marie ausserdem, zu ihr zu ziehen und ihr dabei zu helfen, sich um den Haushalt und die beiden Kinder Toni und Max zu kümmern. Maries Vater zwingt sie ausserdem, während Christines Genesung deren Job in der familieneigenen Werft zu übernehmen, dabei aber auf keinen Fall zu gross aufzufallen. Etwas, das Marie aber schon immer sehr schwer gefallen ist.
Meine Meinung:
Der bisher umfangreichste Band der Hamburg-Reihe kommt mit ungewohnt nachdenklichen Tönen daher und Christines Erkrankung, die Nebenwirkungen der Chemotherapie und die Ängste der ganzen Familie sind im Buch feinfühlig und detailliert beschrieben. Auch Maries sehr verständliche Überforderung mit den auftretenden Emotionen, der ganz neuen Verantwortung und ihre Probleme, sich aus nachvollziehbaren Gründen an die Regeln ihres Vaters zu halten, machen den Roman sehr nahbar. Ein wenig Mühe hatte ich mit den im Mittelteil leider auftretenden Längen und dem kurz vor Schluss noch einmal so richtig dramatischen romantischen Hin und Her. Marie habe ich hingegen sehr gerne gemocht und die Entwicklungen in ihrem Leben, die tiefgründigen und wertvollen Gespräche im Freundeskreis und die nicht zu kurz kommende Romantik haben mich sehr gut unterhalten. Ausserdem kann das Buch wieder mit einer grossen Portion Hamburgliebe überzeugen und hat direkt mein Fernweh nach der wunderbaren Stadt sehr intensiv geweckt.
Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich einfach gut unterhalten, berührt und mein Fernweh nach Hamburg geweckt. Die Stadt möchte ich unbedingt bald wieder einmal besuchen. Ausserdem freue ich mich schon auf den nächsten Band der Reihe und hoffe, dass Taxifahrer Knut dort wieder ein wenig mehr mitmischen darf.
Zusätzliche Infos:
Titel: Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen
Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der
Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und
reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit
ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit
ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 512 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19196-3
Rezension: ë
ë - Jehona Kicaj
Beschreibung des Verlages:
Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der
albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar
nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist
die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in
Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die
Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf
Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz.
Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus
sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod
präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort.
Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg
und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben,
deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute
verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht
vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt,
wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.
Inhalt:
Die namenlos bleibende Erzählerin dieses Romanes leidet an Bruxismus, Zähneknirschen. Sie knirscht so intensiv, dass sie morgens Splitter ihrer Zähne im Mund hat. Schnell wird klar, dass die erlebte Flucht aus dem Kosovo und die dadurch entstandene Sprachlosigkeit sich auf diese Weise körperlich bei ihr zeigen. Zufällig stösst sie auf die Vorlesungsreihe einer Forensikerin, die sich in verschiedenen Kriegsgebieten der Knochen und Zähne getöteter Menschen annimmt, um deren Hinterbliebenen die Möglichkeit zum Trauern und den Ermordeten ein würdevolles Begräbnis zu schenken. Die Protagonistin erkennt dabei, wie das Suchen und Forschen nach Knochen oder nach Sprache, nach Aufklärung und Frieden, nach Versöhnung und Linderung sich ähneln.
Meine Meinung:
Jehona Kicaj gehört definitiv zu meinen Entdeckungen des Jahres. Nachdem ich sie im Mai (gemeinsam mit der lieben Angie) bei den Solothurner Literaturtagen während einer Lesung und eines Podiums erleben durfte, war mir klar, dass ich ihren Debütroman lesen wollte und ich bereue es nur ein wenig, dass ich mir das Buch nicht direkt vor Ort habe signieren lassen. Neben ihrer unglaublich präzise und eindringlich beschreibenden Sprache und der grandiosen Symbolik des Romans hat mich vor allem Kicajs auch in Solothurn wahrnehmbare klare Haltung beeindruckt. Unter anderem hat sie nämlich ihre dortige Lesung dafür genutzt, um Peter Handkes Genozidleugnung zu verurteilen, was leider so wenige Autor*innen machen.
Besonders berührt haben mich die Szenen direkt nach der Ankunft in Deutschland, wo die Protagonistin in der Schule von absolut nicht im Umgang mit traumatisierten Kindern geschulten Lehrkräften vorgeführt und retraumatisiert wird. Es hat mich an meine eigene Schulzeit und die so vielen aus dem Kosovo geflüchteten Kinder in unserem Schulhaus erinnert. Wie sie gedemütigt worden sind, wie sie mitten im Unterricht in Tränen ausgebrochen sind, wie sie tagelang fehlten, wie sie gegen die Rückführung (in der Schweiz so brutal "Ausschaffung" genannt) gekämpft haben und wie die meisten von ihnen plötzlich nicht mehr auftauchten, weil sie das Land verlassen mussten. Wie wir alle nicht verstanden haben, was da eigentlich geschieht und wie dann, als sie weg waren, die Lehrer sich darüber lustig machten und uns sagten, es sei ihnen nur recht geschehen.
Schreibstil und Aufbau:
Kicaj schreibt ihre Szenen so, dass man beim Lesen ganz nahe bei ihrer Protagonistin und mitten im Geschehen ist. Und die Szenen springen zwischen dem Alltag, den Erinnerungen der Erzählerin und ihren Erlebnissen im Kosovo hin und her. Wir befinden uns beim Zahnarzt im Wartezimmer oder auf dem Behandlungsstuhl und dann erinnern wir uns an den Grossvater und dessen Abwesenheit. Wir begleiten Elias, den Freund der Protagonistin, durch eine Ausstellung und hören ihn unbedachte Äusserungen zu Krieg und Flucht und Heimat machen und sind dann plötzlich in einem Hörraum, wo wir einer Vorlesung in Forensik lauschen. Die Szenen greifen nahtlos und stimmig ineinander und Kicaj erzählt eine Geschichte des Krieges, des Vermissens, der Ungerechtigkeit und des Ankommens nach einer Flucht in einem rassistisch geprägten Land. Von der Suche nach der eigenen und der neuen Sprache, einem Weg, zu erzählen, was geschehen ist, Worte zu formen statt sie zwischen den Zählen zu zermalmen und einzustehen für sich selber.
Meine Empfehlung:
Das Buch ist so wertvoll und berührend geschrieben und beim Lesen hatte ich stets die warme, freundliche Stimme der Autorin im Ohr, was natürlich geholfen hat. Und doch wird natürlich die Geschichte eines furchtbaren Krieges erzählt und es ist wichtig, dass wir darüber lesen und uns darauf einlassen. Ich hoffe sehr, bald wieder ein Buch aus Kicajs Feder lesen zu dürfen und lege euch in der Zwischenzeit ihren Erstling ans Herz.
Zusätzliche Infos:
Titel: ë
Autorin: Jehona Kicaj, geb. 1991 in Kosovo und aufgewachsen in Göttingen,
studierte Philosophie, Germanistik und Neuere deutsche
Literaturwissenschaft in Hannover. Nach wissenschaftlichen Publikationen
erscheinen von ihr seit 2020 auch literarische Texte. Sie ist
Mitherausgeberin der Anthologie »›Und so blieb man eben für immer‹.
Gastarbeiter:innen und ihre Kinder« (2023). Mit ihrem mehrfach
ausgezeichneten Debütroman »ë« stand sie auf der Shortlist für den
Deutschen Buchpreis 2025.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 176 Seiten
Verlag: Wallstein Verlag
Erschienen: 23.07.2025
ISBN: 978-3-8353-5949-9
