Rezension: Aufrappeln

Aufrappeln - Judith Poznan

Hinweis:
lose Fortsetzung von "Prima Aussicht"

Beschreibung des Verlages:
Als Judith am Morgen des Karfreitags ihr Bad betritt, ereignet sich etwas Unerwartetes: Aus dem Klo heraus schaut ihr eine Ratte entgegen. Die nächsten Tage werden auch nicht besser, denn aus heiterem Himmel trennt ihr Freund sich von ihr. Jetzt also alleinstehend mit Kind. Die nächsten Monate werden nicht einfach. Die Welt geht unter, mehrmals. Und dann wieder doch nicht. Die Seelenlage gerät durcheinander. Niemand muss den anderen nach einer Trennung am nächsten Tag noch mal wiedersehen – es sei denn, man hat ein gemeinsames Kind. Als Paar scheitern, aber zusammen Eltern bleiben ist das erklärte Ziel. Ein neuer Lebensplan muss also her, für sie drei als Patchworkfamilie, aber auch für Judith als Mutter und Single-Frau. Wie all dies gelingen kann, erzählt Judith Poznan in ›Aufrappeln‹. Sie erzählt von traurigen und ernsten, aber auch von absurden und heiteren Momenten nach einer Zäsur im Leben – aufrichtig, warmherzig und unheimlich witzig.

Inhalt:
Judith wird von ihrem Freund verlassen und muss sich als nun getrennt vom Vater ihres Kindes lebende Mutter nicht nur mit einer Rattenplage, sondern auch mit dieser für sie ganz neuen Form der Elternschaft auseinandersetzen. Wie bringt man das Hin und Her dieser Situation mit Flirtereien im Ausgang, dem alltäglichen Geldverdienen und dem Umzug in ein neues Zuhause unter einen Hut? Den Figuren gelingt dies manchmal ganz und manchmal gar nicht und dies alleine sorgt schon für wundervollste, herzerwärmendste Unterhaltung.

Meine Meinung:
Wie schon mit ihrem ersten Roman "Prima Aussicht" hat mich Judith Poznan mit "Aufrappeln" komplett für sich eingenommen. Und obwohl die - autofiktiv erzählte - Protagonistin Judith und ich nicht wirklich viel gemeinsam haben, fühlte ich mich ihr beim Lesen sehr verbunden. Die tragisch-komischen Szenen, der aus Traurigkeit und Verzweiflung entstehende Humor, die Erinnerungen an alte Schulschwärmereien und die Verknüpfung der Handlung mit aktuellem und vergangenem Zeitgeschehen machen diesen kurzen Roman zu einer sehr unterhaltsamen und zugleich auch nachdenklich und hoffnungsvoll stimmenden Lektüre.

Schreibstil und Aufbau:
Poznan gelingt es wie keiner zweiten, aus den einfachsten Alltagssituationen eine Nostalgie und Sehnsucht entstehen zu lassen, die ihresgleichen sucht. Und dennoch sind diese teilweise tieftraurigen Szenen alles andere als zermürbend oder entmutigend. Vielmehr gelingt es der Autorin, ihre Figuren nach jedem Fall wieder aufstehen und neuen Mut schöpfen zu lassen. Poznan zu lesen ist, wie einer ein wenig chaotischen und unendlich liebenswerten Freundin beim Erzählen zuzuhören und dieser Stil macht einfach Lust auf mehr.

Meine Empfehlung:
Natürlich empfehle ich auch auch "Aufrappeln" von Judith Poznan und möchte euch aber zuerst "Prima Aussicht" ans Herz legen. Ich freue mich schon sehr auf weitere Texte der Autorin.

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Aufrappeln
Autorin: JUDITH POZNAN wurde 1986 in Berlin-Lichtenberg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie an der Freien Universität Berlin Literaturwissenschaften und Publizistik. Sie schreibt regelmäßig für ZEIT ONLINE, die BERLINER ZEITUNG und SPIEGEL ONLINE. Mit ihrem Instagram-Account (@judith_poznan) erreicht sie täglich Tausende Follower. Bei DuMont erschien 2021 ihr Debüt ›Prima Aussicht‹.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 15.05.2024
ISBN: 978-3-8321-6729-5

Rezension: Das Land der Anderen

Das Land der Anderen - Leïla Slimani

Reiheninfos:
1. Das Land der Anderen
2. Schaut, wie wir tanzen
3. Trag des Feuer weiter

Beschreibung des Verlages:
Mathilde, eine junge Elsässerin, verliebt sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine Belhaj, einen marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden heiraten und lassen sich in der Nähe von Meknès nieder, am Fuß des Atlas-Gebirges, auf einem abgelegenen Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er versucht, dem steinigen Boden einen kargen Ertrag abzutrotzen, zieht Mathilde die beiden Kinder groß. Voller Freiheitsdrang hatte sie den Aufbruch in ein neues, unbekanntes Leben gewagt und muss doch bald ernüchternde Erfahrungen machen: den alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialgesellschaft, in der eine Ehe zwischen einem Araber und einer Französin nicht vorgesehen ist, die patriarchalischen Traditionen der Einheimischen, das Unverständnis des eigenen Mannes. Aber Mathilde gibt nicht auf. Sie kämpft um Anerkennung und ihr Leben im Land der Anderen.

Inhalt:
Marokko in den 1950er Jahren; Mathilde, eine junge Französin, Amine, ein marokkanischer Offizier, eine unmögliche Liebe und Unruhen, die ihre gemeinsame Heimat zu einem Pulverfass machen. "Das Land der Anderen" erzählt davon, stets fremd zu sein, für die eigenen Überzeugungen, die Liebe und die Familie zu kämpfen und dabei von Leid, Armut, Rassismus und religiösem Fanatismus umgeben zu sein.

Meine Meinung:
Von der ersten Sekunde an hatte mich Slimani mit ihrer Geschichte für sich eingenommen. Zwar hatte ich manchmal meine liebe Mühe, für Mathilde und die Zeit, in der sie leben musste, Verständnis aufzubringen. Schliesslich lebt sie in einem sehr patriarchalischen System und ihr wird auch durch ihren eigenen Mann häusliche Gewalt angetan, sie erlebt Verbote und Sanktionen gegen sie und ihre Kinder. Und trotzdem ist sie ihrer Zeit voraus und eine Frau, die zumindest für sich selber einsteht, den Menschen in ihrem Dorf unter die Arme greift und sich sogar versucht, medizinisch weiterzubilden.
Leider wurde aber meine anfängliche Begeisterung irgendwann ein wenig gedämpft. Die Geschichte wurde für mein Empfinden in der zweiten Hälfte sehr zäh und ich musste mir das Buch leider ein wenig erkämpfen. Es hat mir allerdings gefallen, wie Mathildes Tochter Aïcha, welche im zweiten Band der Trilogie immer wichtiger wird, gegen Ende des ersten Bandes ins Zentrum des Geschehens rückt. Ausserdem werden der Rassismus und die Aufstände sowie die generell sehr vertrackte Situation, in der sich Mathilde und Amines Familie befindet, sehr eindringlich geschildert. Genau durch solche Kniffe zeigt Slimani einfach auf, wie grossartig sie ihr Handwerk versteht.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich lange beschäftigt und es mir nicht ganz leicht gemacht, mich aber auch sehr fasziniert. Die weiteren Bände werde ich mir sicher nicht neu kaufen, aber ich ich kann mir sehr gut vorstellen, sie mir gebraucht zu holen. Wer aber ein wenig Ausdauer hat und sich für die Geschichte und Politik Marokkos und eine Familienchronik interessiert, ist mit der Reihe sicher bestens beraten.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Land der Anderen
Originaltitel: Le Pays des Autres
Autorin: Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)
Sprache: Deutsch
Aus dem Französischen von: Amelie Thoma
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 14.12.2022
ISBN: 978-3-442-77261-2

Lese-Statistik Januar 2026

Hallo ihr Lieben

Obwohl ich eigentlich gut und ziemlich erholt ins Neue Jahr gestartet bin, hat sich der Januar ein wenig wie ein Taumeln zwischen verschiedenen Welten angefühlt. Einerseits bin ich mit enorm viel Energie in diesen ersten Monat des Jahres gestartet, andererseits hat mich eine fiese Magen-Darm-Infektion kurzzeitig aber vollständig ausgeknockt. Einerseits hatte ich mit zwei Konzerten und einer Trauerfeier eher wenig zu spielen, andererseits habe ich so viele Projekte für die kommenden Monate gleichzeitig vorbereitet, dass ich mich konzentrieren musste, um den Überblick zu behalten. Und einerseits habe ich viel und rastlos (an-)gelesen und andererseits habe ich kaum ein Buch beendet.
Insgesamt war der Januar aber ein guter Monat, in dem ich viele Dinge in meinem Tempo erledigen konnte und der Februar wird noch einmal ähnlich sein. In der einen unterrichtsfreien Woche, die ich haben werde, sind zwar viele andere Dinge geplant, aber immerhin kann ich diese alle in meinem Tempo und ganz nach Lust und Laune abarbeiten und darauf freue ich mich sehr. Schliesslich muss ich schon dafür sorgen, dass ich im Februar noch einmal ein wenig Energie tanken kann. Erst gerade hat mir mein Kalender nämlich gesagt, dass ich im ganzen Monat März nur genau zwei freie Tage haben werde...
Mein Leseverhalten im Januar war übrigens geprägt von SuB-Leichen und Abbrüchen und auch wenn das in der Bilanz gar nicht nach einem guten Monat aussieht, war das in der Praxis trotzdem ein sehr guter Monat. Dazu möchte ich direkt noch ein paar Worte verlieren und werde ein wenig ausholen, wer sich also nur für Zahlen und meine gelesenen Bücher interessiert, darf den nächsten Abschnitt getrost überspringen :-D

Und zwar wissen mittlerweile die meisten von euch, dass ich meine Bücher seit bald zwei Jahren nach Coverfarben lese. Ein schöner Nebeneffekt davon ist mein immer schön farblich sortierter Instagram-Feed. Der Haupteffekt ist aber, dass ich so auch zu Büchern greife, die sich in den tiefen meines SuBs verstecken und die vor allem deshalb schon so lange hier liegen, weil ich sie - bewusst oder unbewusst - ein wenig vor mir hergeschoben habe. So habe ich es in den letzten Monaten geschafft, meinen SuB permanent zu verjüngen. Ich habe unerwartet viele SuB-Leichen gelesen und positive Überraschungen erleben dürfen, manchmal habe ich Bücher aber auch nur angelesen und dann guten Gewissens (ich hatte es ja schliesslich immerhin probiert) aussortiert.
Der Januar stand ganz im Zeichen der schwarzen Cover und da waren zwei Bücher dabei, die ich aus Bücherschränken mitgenommen hatte und einfach einmal anlesen wollte. Das waren "Der Trost des Nachthimmels" von Dževad Karahasan" und "Die Witwen von Eastwick" von John Updike. Weiter stand die Harry Hole-Reihe von Jo Nesbø schon länger bei mir auf der "Abschussliste" und ich wollte einfach noch einmal testen, ob ich die Reihe weiterverfolgen oder weggeben möchte. Wie ich mich bei all diesen Büchern entschieden habe, seht ihr untenstehend :-D
Zusätzlich habe ich mit "Der blaue Vogel" und "Anton Bruckner. Ein Leben mit Musik" zwei Bücher gelesen, die mich beruflich interessiert haben, respektive habe ich "Der blaue Vogel" zur Konzeptionierung eines Projektes benötigt. Diese beiden Bücher habe ich gelesen, aber einfach nicht rezensiert.
Und dann gab es mit "Kleine Probleme" von Nele Pollatschek noch einen ganz überraschenden Abbruch. Auf dieses Buch hatte ich mich seit Wochen gefreut und es wäre direkt als erste Lektüre im Neuen Jahr gedacht gewesen und dann war es so langweilig und der Protagonist hat mich so sehr genervt, dass das Buch direkt weiterziehen durfte.

Da bei mir der SuB-Abbau im Zentrum steht und da sich bei meinem Sammelverhalten Abbrüche nicht vermeiden lassen, ja sogar einkalkuliert sind - ich nehme nämlich oft Bücher aus Bücherschränken mit, weil ich sie einfach einmal "ausprobieren" möchte, im vollen Wissen, dass ich sie wahrscheinlich abbreche - bin ich sehr fein mit dem Lesemonat Januar. Auch wenn es hier keine Rezensionen geregnet hat, so habe ich meinen SuB deutlich verkleinert und verjüngt und vier Neuzugänge lassen sich da definitiv auch noch verkraften.

Gelesen und rezensiert im Januar:

Anfangs eher langsamer, dann packenderer Spannnungsroman mit nicht ganz überzeugender Protagonistin


Grandiose Protagonistin, überzeugender Fall, kleine Längen in der Mitte, viel London-Liebe


Atmosphärischer, bestürzender Spannungsroman des Grossmeisters Mankell, heftige Kost, wichtiges Buch


Äusserst unterhaltsamer, spannender Allgäu-Krimi, 9. Band der Kluftinger-Reihe


Alle Seitenzahlen und Rezensionslinks:

Kleine Probleme - Nele Pollatschek   (abgebrochen nach 46 Seiten)
Die Witwen von Eastwick - John Updike   (abgebrochen nach 18 Seiten)
Rotkehlchen (Harry Hole 3)- Jo Nes
bø   (abgebrochen nach 127 Seiten)
Der Trost des Nachthimmels - Dževad Karahasan   (abgebrochen nach 24 Seiten)

Der blaue Vogel - Maurice Maeterlinck   (172 Seiten, keine Rezension)
Anton Bruckner. Ein Leben mit Musik - Felix Diergarten   (240 Seiten, keine Rezension)
Rauhnächte - Ellen Sandberg   (352 Seiten)
Schwarzer Mittwoch - Nicci French   (528 Seiten)
Kennedys Hirn - Henning Mankell   (400 Seiten)
Himmelhorn - Volker Klüpfel und Michael Kobr   (496 Seiten)

Neuzugänge: 

Krawall und Kekse - Shirley Jackson   (Buchgewinn aus einem Adventsgewinnspiel)
Griechischstunden - Han Kang   (neu gekauft)
Der Markt der Weihnachtswunder - Felicitas Kind   (Bücherschrankfund)
Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann   (Bücherschrankfund)

Abgebrochen:

Kleine Probleme - Nele Pollatschek: das Buch hat mich gelangweilt, der Protagonist hat mich genervt
Die Witwen von Eastwick - John Updike: vielleicht hätte ich den Vorgänger "Die Hexen von Eastwick" lesen müssen, aber der Schreibstil sagte mir so oder so nicht zu und ich denke, das Buch ist in anderen Händen besser aufgehoben :-D
Rotkehlchen (Harry Hole 3)- Jo Nesbø: nach langem Hin und Her habe ich dieses Buch abgebrochen und den Rest der Reihe aussortiert. "Schneemann" war damals ein Highlight, aber ausgerechnet an diesen Band ist kein weiterer herangekommen. Auch nach über 100 Seiten hat sich in "Rotkehlchen" noch nichts getan und ich wollte mich einfach nicht länger mit diesem zähen Stil abgeben.
Der Trost des Nachthimmels - Dževad Karahasan: Pathos, Pathos, Pathos und doch irgendwie bisher kaum Inhalt. Klar, 700 Seiten fehlen noch (aber eben, 700 Seiten!!!) und die Geschichte spielt vor mehr als 1000 Jahren, darauf hatte ich dann doch irgendwie keine Lust...

Ungelesen aussortiert:

Jo Nesbø - Die Larve (Harry Hole 9)
Jo Nesbø -
Leopard (Harry Hole 8)
Jo Nesbø - Koma (Harry Hole 10)
Jo Nesbø - messer (Harry Hole 12)
Die Fährte - Jo Nesbø (Harry Hole 4)
Durst - Jo Nesbø
 (Harry Hole 11) 
Der Erlöser - Jo Nesbø (Harry Hole 6)

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 6
Abgebrochene Bücher: 4
Ungelesen aussortierte Bücher: 7
Gelesene Seiten: 2'403 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 77.52 Seiten
Bücher von Autorinnen: 1
Bücher von Autoren: 3
Autor*innenduos (oder Gruppen): 2
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: 1
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: 1
Gebraucht gekaufte Bücher: 
Eingesammelte Bücher: 2
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 57
Aktueller SuB: 44
Differenz: -13

Rezension: Himmelhorn

Himmelhorn - Volker Klüpfel und Michael Kobr

Reiheninfos:

  1. Milchgeld
  2. Erntedank
  3. Seegrund
  4. Laienspiel
  5. Rauhnacht
  6. Schutzpatron
  7. Herzblut
  8. Grimmbart
  9. Himmelhorn
  10. Kluftinger
  11. Funkenmord
  12. Affenhitze
  13. Lückenbüßer

Beschreibung des Verlages:
Der neunte Fall der Bestseller-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr führt den Kult-Kommissar Kluftinger in die Allgäuer Alpen, genauer gesagt auf das Himmelhorn, einen der gefährlichsten Berge des Allgäus. Natürlich liebt Klufti die Berge – wenn sie kässpatzenförmig auf seinem Teller aufragen. Doch der neueste Streich von Gesundheitsfetischist Langhammer befördert den Kommissar samt E-Bike tief in die Allgäuer Alpen, wo die beiden prompt auf drei Leichen stoßen: ein bekannter Dokumentarfilmer und zwei einheimische Bergführer, die einen Film über die Erstbesteigung des Himmelhorns drehen wollten. Wie es scheint, waren sie dem als äußerst gefährlich geltenden Gipfel nicht gewachsen. Die Ermittlungen im Umfeld der Toten führt Klufti in sehr abgelegene Alpentäler und zu deren starrköpfigen Bewohnern, die noch wortkarger sind als er.

Inhalt:
In seinem neunten Fall wird Klufti nicht nur zum Gipfelstürmer, sondern auch zum Börsenspekulanten, Paarberater und E-Biker. Im Hause Kluftinger geht es aber trotzdem nicht immer sehr harmonisch zu, Kluftis Sohn Markus kümmert sich nämlich mehr um seine Prüfungen und Beizentouren als um seine schwangere Frau Yumiko. Unterdessen sorgen rätselhafte Todesfälle am Himmelhorn und eine verstrickte Familienfehde für zusätzliche Ermittlungsarbeit und auch Doktor Langhammer gerät auf Abwege, allerdings Abwege amouröser Natur.
Einmal mehr ist es Kluftingers untrüglicher Instinkt, der hilft, auch noch den verschwiegensten Berglern unangenehme Wahrheiten zu entlocken und sein Team auf die richtigen Fährten zu führen.

Meine Meinung:
Kluftinger wächst wieder einmal über sich selber hinaus und nimmt sich mit viel Durchhaltevermögen einem Verbrechen an, das ohne seine Aufmerksamkeit als Unfall ad acta gelegt worden wäre. Dafür muss er einiges an Überzeugungsarbeit leisten und hat es in seinem neunten Fall besonders schwer, sein Team zum Arbeiten zu bringen. Schliesslich sind alle seine Mitarbeitenden mit privaten Ablenkungen beschäftigt. Dies sorgt für diverse absurd komische Situationen und beste Unterhaltung und auch die Entwicklung dieses durchaus vertrackten Falles hat mich begeistert. Dabei wird auch eindrücklich aufgezeigt, was Hass und Verzweiflung mit Menschen anstellen kann.
Ausserdem hat mich die Aufmachung des Krimis für sich eingenommen. Jedem Kapitel ist nämlich ein Eintrag aus einem Gipfelbuch der Region vorangestellt und zeigt einmal mehr, wie viel Wert die Autoren Klüpfel und Kobr auf die Details und Gründlichkeit ihrer Recherchen zu ihren Kriminalromanen legen.

Meine Empfehlung:
Ich wiederhole mich, aber die Reihe gefällt mir nach wie vor sehr gut. Das Autorenduo ist mittlerweile zu einer Einheit zusammengewachsen, die es immer besser versteht, spannend, unterhaltsam und mit Fingerspitzengefühl zu erzählen und dabei liebenswerte und charmante Figuren mit Ecken und Kanten zu schaffen. Leseempfehlung!

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Himmelhorn
Autoren: Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971, Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater – entweder als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried. Wie Kommissar Kluftinger. Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungstermin: 02.10.2017
ISBN: 978-3-426-51185-5  

Rezension: Kennedys Hirn

Kennedys Hirn - Henning Mankell

TW: 
Experimente an Menschen und Tieren, Tod, Schmerz, HIV/Aids, Prostitution

Beschreibung des Verlages:
»Die Katastrophe kam im Herbst und brach ohne Vorwarnung über sie herein. Sie warf keine Schatten, sie bewegte sich vollkommen lautlos. Zu keinem Zeitpunkt hatte sie eine Vorstellung davon, was geschah.«
Als die Archäologin Louise Cantor von ihrer Ausgrabung in Griechenland zu einem Vortrag nach Schweden reist, will sie auch ihren 25-jährigen Sohn wiedersehen. Doch als sie die Wohnung in Stockholm betritt, liegt Henrik tot in seinem Bett. Die Polizei geht von Selbstmord aus, aber daran kann Louise nicht glauben. In dem Kleiderschrank ihres Sohnes findet sie eine Menge Material zu der Frage, warum das Hirn von John F. Kennedy nach der Obduktion spurlos verschwand. War Henrik einem kriminellen Geheimnis auf der Spur? Je mehr sie über sein Leben erfährt, umso klarer wird ihr, wie wenig sie ihren Sohn eigentlich gekannt hat. Auf der Suche nach Hinweisen, die seinen Tod erklären könnten, reist sie nach Australien zu ihrem verschwundenen Exmann und folgt Henriks Spuren über Barcelona nach Mosambik. Dort stößt sie auf ein Asyl für mittellose Aidskranke, in dem auch ihr Sohn gearbeitet hat und das von einem reichen weißen Mann aus scheinbar selbstlosen Gründen ins Leben gerufen wurde. Doch Louise ahnt bald, dass sich dahinter ein ungeheurer humanitärer Skandal verbirgt …

Inhalt:
Die angesehene Archäologin Louise Cantor erlebt, was keine Mutter erleben sollte: ihr Sohn verstirbt plötzlich. Beim Sichten seiner wenigen persönlichen Dinge realisiert sie, dass sie ihn eigentlich kaum gekannt hat und dass er vor allem einer brisanten Sache auf der Spur war. Der Verdacht, dass er vielleicht ermordet worden ist, wächst in ihr und sie stürzt sich in eigene Ermittlungen.
Dabei entdeckt sie mehr und mehr menschliche Abgründe und bringt sich selber in grosse Gefahr.

Meine Meinung:
Henning Mankell gehört seit jeher zu meinen liebsten Autoren. Viele kennen ihn für seine schwedischen Krimis mit Tiefgang, viel Gesellschaftskritik und einer schweren, aber wunderschönen Melancholie im Schreibstil und natürlich ist er bekannt für seinen Kommissar Wallander. Er hat aber auch berührende und bestürzende Romane geschrieben, die in Afrika spielen. In "Kennedys Hirn" vereint er Spannung, Afrika, den Schmerz einer trauernden Mutter und menschliche Bösartigkeit auf grandiose Weise. Der Inhalt dieses Buches ist heftig und hat mich einige Male leer schlucken lassen. Wegschauen ist aber keine Option und Mankell führt uns mit seiner mutigen Protagonistin sanft durch seine packende und bewegende Geschichte.

Schreibstil und Aufbau:
Auf Mankells Schreibstil muss man sich einlassen, ich geniesse dieses Eintauchen aber immer sehr. Bei anderen Autor*innen stört es mich oft, wenn sehr langsam erzählt wird. Mankell schafft es aber, seine Geschichten mit viel Atmosphäre, starken Emotionen und vor allem nahbaren Figuren mit Ecken und Kanten auszustatten. Seinen Schreibstil würde ich wohl mittlerweile an nur wenigen Sätzen erkennen und bei diesem Spannungsroman/Krimi hat mir besonders gut gefallen, dass die Erzählsprache von Unverständnis und Zorn getrieben ist. Vom Zorn eines schreibenden Menschen, der in die tiefsten und dunkelsten Ecken des Menschseins geblickt hat und immer noch nicht fassen kann, was er dabei erkennen musste.

Meine Empfehlung:
Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich alle noch verbleibenden Bücher von Henning Mankell gelesen habe und mich auf keine weiteren Werke von ihm freuen kann. Er war einfach ein einzigartiger Erzähler und sogar seine älteren Krimis sind nach wie vor hochaktuell und brisant. Auch diesen sehr gesellschaftskritischen Krimi (oder vielleicht eher Spannungsroman) möchte ich euch sehr gerne weiterempfehlen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Kennedys Hirn
Originaltitel: Kennedys Hjärna
Autor: Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, war einer der großen schwedischen Gegenwartsautoren, von Lesern rund um die Welt geschätzt. Sein Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa vierzig Romane und zahlreiche Theaterstücke. Nicht nur sein Werk, sondern auch sein persönliches Engagement stand im Zeichen der Solidarität. Henning Mankell lebte abwechselnd in Schweden und Mosambik, wo er künstlerischer Leiter des Teatro Avenida in Maputo war. Er starb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.
Sprache: Deutsch
Aus dem Schwedischen von: Wolfgang Butt
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum meiner Ausgabe: 4. Auflage, Juni 2008
ISBN meiner Ausgabe: 978-3-423-21025-6