Die Briefeschreiberin - Virginia Evans
Beschreibung des Verlages:
Jeden Morgen greift Sybil van Antwerp zu Füller und Papier und schreibt: an ihren Bruder, an ihre beste Freundin, an Autorinnen und Autoren. Sie hält fest, was sie begeistert, bewegt oder verärgert. Und dann gibt es da den einen Brief, an dem sie seit Jahren arbeitet, ohne ihn jemals abzusenden ...
Mit ihren dreiundsiebzig Jahren nutzt Sybil ihre Klugheit und ihren geistreichen Humor, um die Welt in Wort zu fassen. Doch jenseits ihrer umfassenden Korrespondenz hält sie die Menschen, die sie liebt, seit drei Jahrzehnten auf Abstand. Bis eine Nachricht aus ihrer Vergangenheit sie zwingt, sich dem schmerzhaftesten Kapitel ihres Lebens zu stellen.
Nun muss Sybil jenen Brief abschicken, an dem sie all die Jahre geschrieben hat. Und sie muss den Mut finden, sich selbst zu vergeben.
Inhalt:
Sybil van Antwerp wirkt auf den ersten Blick einsam und ihr Alltag kommt eintönig daher. Aber durch ihre sorgfältig gepflegten Brieffreundschaften reist sie zumindest gedanklich um die halbe Welt. Sie korrespondiert mit Verwandten und Bekannten und vermeidet dabei das eine Thema, das sie seit Jahrzehnten bewegt, bis sie den Geistern der Vergangenheit nicht länger ausweichen kann.
Meine Meinung:
Das Buch ist mir bei Instagram ganz oft begegnet und als ich es dann im September in einem offenen Bücherschrank entdeckte, musste ich sofort zugreifen. Briefromane mag ich sehr gerne und weil ich schon lange keinen mehr gelesen habe, habe ich mich riesig auf die Geschichte gefreut. Leider war ich ziemlich schnell sehr enttäuscht. Nicht von der eigentlichen Handlung, die hat mir nämlich sehr gefallen, sondern von der so extrem gehässigen und missgünstigen Protagonistin. Ihre belehrende Art, der herablassende Tonfall, mit dem sie seit Jahren mit ihrer besten Freundin, welche ihr immer zur Seite gestanden hat, korrespondiert und auch die Unnahbarkeit, welche sie ihrer Tochter gegenüber an den Tag legt, haben mich das Buch fast abbrechen lassen. Aber....natürlich gibt es Gründe, die zumindest ein wenig nachvollziehen lassen, weshalb Sylvie ist, wie sie eben ist, was allerdings ihr unmögliches Verhalten in meinen Augen nicht rechtfertigt. Zudem ist das Buch aber auch sehr klug aufgebaut und erzählt, was mich letztendlich doch überzeugt hat.
Schreibstil und Aufbau:
Anders als in vielen anderen Briefromanen finden sich in "Die Briefeschreiberin" nicht alle geschriebenen Briefe. Gekonnt ausgelassene Briefe sorgen dafür, dass das Buch immer spannend bleibt. Einige Zusammenhänge erschliessen sich erst, wenn Sylvie wieder Antworten auf Fragen erhält oder gibt, von denen man anfänglich nicht einmal wusste, dass sie gestellt worden sind. Auch werden Sylvies Geheimnisse Schicht um Schicht enthüllt und dabei zeigt sie sogar ab und zu eine menschliche Seite...
Meine Empfehlung:
Nicht jede Hauptfigur muss man ins Herz schliessen, um ein Buch zu mögen, "Die Briefeschreiberin" ist das beste Beispiel dafür. Dieser intelligent aufgebaute und erzählte Roman mit seinen um so sympathischeren Nebenfiguren hat mich am Ende tatsächlich überzeugt und sogar berührt und ich empfehle euch das Buch sehr gerne weiter.
Zusätzliche Infos:
Titel: Die Briefeschreiberin
Originaltitel: The Correspondent
Autorin: Virginia Evans stammt aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten. An der James Madison University in Harrisonburg, Virginia, und dem Trinity College in Dublin studierte sie englische Literatur, Philosophie und kreatives Schreiben. Mit ihrem Ehemann, ihren zwei Kindern und ihrem Labrador Brigid lebt sie heute in Winston-Salem, North Carolina. Ihr hochgelobtes literarisches Debüt »Die Briefeschreiberin« entwickelte sich vom Geheimtipp zum internationalen Überraschungsbestseller, die Autorin wurde dafür sowohl mit dem PEN/Faulkner Award als auch mit dem Women's Prize for Fiction ausgezeichnet.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Regina Rawlinson
Verlag: Goldmann
Erschienen am: 10.06.2026
ISBN: 978-3-442-49739-3
Rezension: Die Briefeschreiberin
Mein SuB kommt zu Wort, 20.10.26
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| Alle Informationen zur Aktion findet ihr bei Melli |
1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Ein grosses "Hallo" in die Runde auch von mir
Es freut mich sehr, dass ich mich wieder mit euch austauschen kann und auch wenn Frauchen unter die Schwarzmalerinnen gegangen ist, so hat sie doch wieder einiges geschafft und wir träumen insgeheim beide immer noch davon, dass Ende Monat (und spätestens Ende Jahr) die 1 vorne steht, auch wenn die letzten Monate eines Jahres immer viele Verlockungen und Feste bereithalten. Aktuell wiege ich 22 Bücher, aber da geht sicher noch was bis Ende Monat und es wird sich zeigen, wohin der Abbau bis Ende Jahr führt.
Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.05.2016: 222 Bücher (allererste Teilnahme bei dieser Aktion)
20.02.2017: 243 Bücher (absoluter SuB-Höchststand war im Januar 2017 mit 247 Büchern)
20.05.2017: 184 Bücher (nach der grossen Entrümpelung)
20.08.2022: 96 Bücher (definitiv im uHu-Bereich angekommen)
20.12.2022: 77 Bücher
20.12.2023: 61 Bücher
20.02.2024: 58 Bücher und 2 Bibliotheksbücher
20.10.2024: 70 Bücher
20.11.2024: 89 Bücher
01.01.2025: 90 Bücher
20.01.2025: 86 Bücher
20.02.2025: 82 Bücher
20.05.2025: 77 Bücher
30.06.2025: 69 Bücher
31.07.2025: 68 Bücher
20.08.2025: 67 Bücher
30.09.2025: 64 Bücher
20.10.2025: 66 Bücher
20.11.2025: 58 Bücher
20.12.2025: 61 Bücher...ups!!!
01.01.2026: 57 Bücher
20.01.2026: 46 Bücher
20.02.2026: 41 Bücher
20.04.2026: 36 Bücher
20.05.2026: 36 Bücher
30.06.2026: 33 Bücher
20.07.2026: 32 Bücher und 1 Bibliotheksbuch
31.08.2026: 25 Bücher
20.09.2026: 23 Bücher und 1 Bibliotheksbuch
20.10.2026: 22 Bücher
2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel
Im Oktober hier eingezogen sind:
- Himmelsee 3. Unter den Sternen funkelt die Hoffnung - Tanja Janz (Rezensionsexemplar)
- Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights - Juliane Collins (Rezensionsexemplar)
- Salinenkrebse - Linda Sensenberger (Rezensionsexemplar)
- Brunetti's Venice Walks with the City's Best-Loved Detective - Toni Sepeda (neu gekauft)
3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deiner Besitzerin gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt beendet hat Frauchen "Die Briefeschreiberin" von Virginia Evans. Das Buch ist im September erst hier eingezogen und Frauchen braucht noch ein wenig Zeit, um ihre sehr ambivalenten Gedanken zum Roman in Worte zu fassen... Zuletzt rezensiert hat sie "Salinenkrebse" von Linda Sensenberger. Das Debüt hat ihr sehr gut gefallen und sie findet, dass das Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Zur Rezension findet ihr HIER.

4. Liebe:r SuB, welches Buch soll Dein:e Besitzer:in noch in diesem Jahr lesen?
Eigentlich natürlich alle ;-) Aber das ist definitiv nicht realistisch. Frauchen hat wieder einmal drei Bücher begonnen, zwei davon sind Rezensionsexemplare und diese sollte sie unbedingt in diesem Jahr - am liebsten natürlich in diesem Monat - noch lesen. Die drei angefangenen Bücher sind:
- Himmelsee 3. Unter den Sternen funkelt die Hoffnung - Tanja Janz (Rezensionsexemplar)
- Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights - Juliane Collins (Rezensionsexemplar)
- Shining - Stephen King
Alles Liebe und bis bald
SuBrina (und Livia)
Rezension: Salinenkrebse
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| Rezensionsexemplar aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, vielen Dank! |
Salinenkrebse - Linda Sensenberger
Beschreibung des Verlages:
Will ist überfordert, sensibel, kritisch gegenüber dem Leben und sich selbst. Will heißt eigentlich Wilhelmine, kennt unendlich viele Tierfakten und bleibt nachts gerne wach. Auch, weil sie in ihren Träumen immer öfter riesige Salinenkrebse sieht, von denen sie nicht weiß, was sie bedeuten. Aber Will geht es gut. Davon versucht sie zumindest ihre Eltern und ihre beste Freundin Frieda zu überzeugen – und belügt dabei in erster Linie sich selbst.
Bis sie Leo kennenlernt. Leo, nichtbinär, ist wie Will auf der Suche. Still und intensiv ist die Verbindung, die zwischen ihnen entsteht, obwohl sie unterschiedliche Dinge wollen: Während Leo die Vergangenheit aufarbeiten möchte, versucht Will, diese endlich hinter sich zu lassen. Bald lernen beide, wie schön und schrecklich Fühlen sein kann – und Will muss sich der Frage stellen, wie sie Nähe zulassen kann, wenn sie diese kaum erträgt.
Poetisch und einfühlsam erzählt „Salinenkrebse“ vom Erwachsenwerden und davon, dass Überleben keine Schwäche, sondern Stärke ist.
Inhalt:
Will und Frieda sind beste Freundinnen und während Will mit ihrem Leben, ihren Ängsten, ihrem Alltag hadert, lebt Frieda in einer glücklichen Beziehung mit Jonathan. Alles ändert sich, als Will auf dem Heimweg von einer schwierigen Sitzung mit ihrer Psychologin Leo im Tram trifft. Leo mit den blauen Augen, Leo ohne Pronomen, Leo mit einem Buch in der Hand und einer grosse Liebe zum gedruckten und gesprochenen Wort.
Meine Meinung:
Gerade habe ich wirklich ein Händchen für Bücher, oder sie finden mich einfach zur richtigen Zeit. Linda Sensenbergers Debüt "Salinenkrebse" hat mich sofort angesprochen und nach nur wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen. Will ist eine wundervolle Protagonistin, die gerade zweifelt und mit dem Leben hadert, die aber ein riesiges Herz hat, sich für die Tier- und Pflanzenwelt interessiert und ihren nicht ganz einfachen Alltag mit den unterschiedlichsten Strategien zu bewältigen versucht. Die kurze Kennenlerngeschichte von Will und Leo und die Freundschaft von Will und Frieda streifen ganz viele Themen und Fragen. Wie gehen wir miteinander um, wie nähern wir uns einander an? Welchen Regeln folgen unsere Beziehungen und Freundschaften und wen kontaktieren wir, wenn es uns gerade gar nicht gut geht?
Schreibstil und Aufbau:
Besonders beeindruckt haben mich der fragmentarische Aufbau dieses Romans. Immer wieder werden Chatverläufe eingestreut und im nächsten Augenblick befinden wir und mitten in Wills Leben und/oder in Wills Gedankenwelt. Die Geschichte wird nämlich aus Wills Perspektive erzählt und kommt mehrheitlich als - von wenig Dialog unterbrochenem - innerer Monolog daher. Sensenbergers Affinität zur Lyrik zeigt sich in einigen Szenen. Es gibt Kapitel, die sich wie ein modernes Gedicht lesen und dann wieder Kapitel, die wunderschöne Prosa sind. Die eher kurzen Kapitel mit vielen sehr detaillierten Beschreibungen liessen mich den Figuren und ihren Sorgen und Gedanken nahe sein. Diese Nähe und die Natürlichkeit, mit der wir uns mitten in Wills Leben befinden, sind in meinen Augen die grössten Stärken des Textes.
Meine Empfehlung:
Ein aussergewöhnlicher, mitreissender Text, ein zarter, berührender Text. Blaue Augen, gute Literatur, wichtige Fragen des Lebens, spannende Details zum Leben von Tieren und Pflanzen und die Notwendigkeit, im richtigen Moment um Hilfe zu bitten sind Themen von "Salinenkrebse". Das Debüt hat noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient und ich kann mir gut vorstellen, dass es sich auch wunderbar als Diskussionsgrundlage für Buchclubs eignet.
Zusätzliche Infos:
Titel: Salinenkrebse
Autorin: Linda Sensenberger, geboren 2004 in Oberösterreich, schreibt Lyrik, Kurzprosa und an Romanprojekten. Sie war und ist Teilnehmerin zahlreicher Schreib- und Textwerkstätten und studiert am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Manche ihrer Texte veröffentlicht sie in verschiedenen Medien (Literarische Blätter, mosaik, lyrix, kaffeeundkippen u. a.). In der Zwischenzeit kuschelt sie mit ihrem Hund. Salinenkrebse ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Lesebändchen: 180 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau
Erschienen: Oktober 2026 (1. Auflage)
ISBN: 978-3-218-01528-8
Rezension: Vielleicht ist die Liebe so
Beschreibung des Verlages:
»Der Termin ist am 18. Februar um vier. Trag dir das ein!«, sagt Anjas Mutter und schlürft genüsslich ihre Won-Ton-Suppe. Sie meint damit weder Friseur noch Zahnarzt, sondern ihr eigenes Ableben. Anja, Anfang vierzig, früher Schauspielerin, nun Barkeeperin, wirft diese Ankündigung aus der so oder so ungeraden Bahn, auch wenn das Verhältnis zu ihrer eigenwilligen Mutter schon immer kompliziert war und sie unentwegt um Abstand und ihr eigenes Leben und Lieben ringt. Und außerdem: Was soll denn nur aus Mamas Hund werden?
Inhalt:
Anjas Mutter hat nach jahrelangem Hin und Her endlich einen Termin bekommen, um ihr Leben mit der Hilfe einer bekannten Sterbehilfeorganisation zu beenden. Dies teilt sie Anja in einem Nebensatz mit und erwartet im gleichen Atemzug, dass Anja, mit der sie eigentlich überhaupt kein enges Verhältnis verbindet, ihr auf ihrem letzten Weg auf Schritt und Tritt zur Seite steht.
Anja wird dabei in unmöglich absurde Situationen gebracht, die gleichzeitig zum Schreien komisch und abgrundtief traurig sind.
Meine Meinung:
Vielleicht erinnert ihr euch: im Mai durfte ich als Angies Begleitperson die Solothurner Literaturtage besuchen. Dort haben wir ein grandioses Podiumsgespräch zum Thema "Familie erzählen" besucht und sind dabei unter anderem auf Katja Frühs ersten Roman aufmerksam geworden. Im Herbst haben wir dann endlich entschieden, "Vielleicht ist die Liebe so" gemeinsam zu lesen und wir hatten spannende und unterhaltsame Lesestunden und Diskussionen mit dem Buch.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil er mich mit seinem schwarzen Humor für sich eingenommen hat. Die Handlung ist nicht nur sehr skurril und vor allem aussergewöhnlich konstruiert, es schwingen auch stets ernste Untertöne rund um die Themen Selbstbestimmung, Familienbande, historische Verstrickungen und Verantwortung mit.
Schreibstil und Aufbau:
Katja Früh weiss genau, was sie macht und spielt gekonnt mit den unterschiedlichsten Themen, um sich dann sofort wieder ihrer grotesken Grundidee zu widmen. Sie schafft es aber, gleichzeitig eine verstrickte Liebesgeschichte, das tragische Schicksal der jüdischen Grossmutter ihrer Protagonistin und die aussergewöhnliche Geschichte des Hundes Anton in ihrer Geschichte unterzubringen.
Die ernsteren Themen werden zwar nur eher oberflächlich gestreift und einige Kniffe und Entwicklungen wirken auch ein wenig simpel konstruiert, aber auch wenn das Buch nicht lange nachhallen wird, hat es mich sehr gut unterhalten und mich auch immer wieder überrascht.
Meine Empfehlung:
"Vielleicht ist die Liebe so" ist ein Spiel mit den Grenzen des guten Geschmacks, das Katja Früh hervorragend meistert. Die bekannte Drehbuchautorin hat ein Buch geschrieben, das richtiggehend danach schreit, auf die Bühne oder ins Kino gebracht zu werden und wer auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung, schwarzem Humor und überraschenden Entwicklungen ist, ist mit diesem Roman hervorragend beraten.
Zusätzliche Infos:
Titel: Vielleicht ist die Liebe so
Autorin: Katja Früh, 1953 in Zürich geboren, ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Nach der Schauspielausbildung in Berlin begann sie 1978, fürs Theater zu inszenieren und zu schreiben. Ab 1980 arbeitete sie beim Schweizer Radio DRS, produzierte und schrieb fürs TV (u. a. die über 10 Jahre laufende Serie ›Lüthi und Blanc‹) und realisierte Projekte mit Martin Suter und Patrick Frey. Seit 2014 schreibt sie eine regelmäßige Kolumne für ›Das Magazin‹ des Tages-Anzeiger. 2025 erschien ihr erster Roman ›Vielleicht ist die Liebe so‹.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 304 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 22. Oktober 2025
ISBN: 978-3-257-07344-7
Rezension: Die Riesinnen
Die Riesinnen - Hannah Häffner
Beschreibung des Verlages:
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.
Inhalt:
Die Riesinnen, das sind die drei Frauen der Familie Riessberger; Oma Liese, ihre Tochter Cora und deren Tochter Eva, ein kleines Dorf im Schwarzwald und eine Metzgerei. Sie alle sind voll von Sehnsüchten und Träumen, aber auch in den Zwängen und Regeln ihrer Generation, ihres Dorfes und ihres Geschlechts gefangen.
Doch was in Stein gemeisselt scheint, lässt sich aufbrechen, mit jeder Generation ein wenig mehr. Und so beginnen die drei Frauen, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und nach ihrer ganz persönlichen Freiheit zu streben.
Meine Meinung:
Soeben ist "Die Riesinnen" zum Lieblingsbuch der Unabhängigen 2026 gekürt worden und dies überrascht nicht. Der atmosphärische, immer wieder ziemlich düstere und vor allem am Anfang extrem dicht gewobene Roman, der mit Sätzen von unbändiger und zugleich feinsinniger Wildheit und Schönheit besticht, hat es also nicht nur mir angetan.
Vor allem die erste Hälfte des Romans hat mich mit ihrer Sogwirkung verzaubert, die drei Riessberger-Frauen habe ich - mit all ihren Ecken und Kanten - ins Herz geschlossen und besonders gut gefallen hat mir, wie oft ich beim Lesen von Formulierungen, Szenen, Gedanken und Gesprächen überrascht worden bin. Nach der ersten Hälfte verzweigt die Erzählung mehr und mehr, der Roman wird durchlässiger, die Zeitsprünge werden grösser, die Umrisse der Figuren verlieren ein wenig an Klarheit, aber ganz am (sehr offenen) Ende wird der Handlungsstrang noch einmal festgezurrt und der anfängliche Sog hat mich wieder komplett vereinnahmt.
Schreibstil und Aufbau:
Die Handlung wird chronologisch, aber mit einigen Rückblenden erzählt und es hat mich tief beeindruckt, wie viel Handlung, wie viele Figuren, wie viele Schicksale auf ein wenig mehr als 400 Seiten Platz haben. Jedes Wort, jeder Satz ist mit grösster Präzision konstruiert. In sehr langen Kapiteln lernen wir dabei die drei Riesinnen - wie sie im Dorf hinter nicht ganz vorgehaltener Hand genannt werden- und ihre geheimsten Sorgen und Sehnsüchte kennen. Obwohl die Grundstimmung dieses Buches bedrohlich wirkt, scheinen die Beschreibungen teilweise seltsam distanziert. Und plötzlich braut sich Satz um Satz wieder ein Abschnitt zusammen, der vor Sprachkunst trieft und Lust macht, noch ganz viele Werke von Hannah Häffner zu entdecken.
Meine Empfehlung:
Der kleinen Kritik zum Trotz ist dieser Roman vor allem aufgrund seiner poetischen, eher düsteren Sprachkunst und seiner sprachlichen Schönheit eine Entdeckung für mich. Ich empfehle euch "Die Riesinnen" sehr gerne weiter.
Zustäzliche Infos:
Titel: Die Riesinnen
Autorin: Hannah Häffner wurde 1985 in Heidelberg geboren. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften begann sie, als Werbetexterin zu arbeiten und sich parallel dazu verstärkt dem Schreiben zu widmen. Heute lebt sie mit ihrer Familie als freie Texterin und Schriftstellerin in der Nähe von Stuttgart.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 416 Seiten
Verlag: Penguin




