Rezension: Wenn's einfach wär, würd's jeder machen

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":

1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Damit hatte Glückskind Annika nicht gerechnet: Aus heiterem Himmel wird die beliebte Deutschlehrerin von ihrer Traumschule in Blankenese an eine Albtraumschule im Problembezirk versetzt. Nicht nur, dass die Schüler dort mehr an YouTube als an Hausaufgaben interessiert sind - die Musical-AG, die Annika übernommen hat, stellt sich auch noch als völlig talentfrei heraus. Hilfesuchend wendet sie sich an Tristan, ihre erste große Liebe und inzwischen Regisseur. Von nun an spielt sich das Theater jedoch mehr vor als auf der Bühne ab, und das Chaos geht erst richtig los. Aber wenn's einfach wär, würd's schließlich jeder machen ...

Inhalt:

Bisher hat die Lehrerin Annika sich weder für die Kinder, die sie unterrichtet, noch für einen solide ausgearbeiteten und vorbereiteten Unterricht interessiert. Damit ist sie an ihrer Eliteschule stets durchgekommen. Als sie aber für das neue Schuljahr in eine sogenannte "Brennpunktschule" versetzt wird, reicht diese Haltung nicht mehr. Anspruchsvolle Klassenkonstellationen verlangen nämlich definitiv eine Lehrerin, die ihren Job beherrscht und sich für ihre Klasse einsetzt. Die Idee, eine Musical-AG aus dem Boden zu stampfen, ist aber reiner Selbstzweck. Schliesslich erhofft Annika sich dadurch, dass sie nach dem Entwickeln eines erfolgreichen Abschlussmusicals wieder an ihre alte Schule zurückkehren kann. Allerdings wachsen Annika das Projekt und die Jugendlichen ans Herz und sie beginnt, einige wesentliche Dinge zu verstehen.

Meine Meinung:
Ihr glaubt es nicht und selber habe ich es auch kaum geglaubt: das Buch hätte ich bereits nach wenigen Seiten fast abgebrochen. Nicht nur ist Annika eine extrem unsympathische Hauptfigur, sie ist auch eine furchtbare und mit vielen Vorurteilen behaftete Lehrerin. Und ja: das Schulsystem und die Musikerinnenlaufbahn werden mit so viel Halbwissen und Klischees beschrieben, dass ich mich wirklich geärgert habe. Aber: Annikas Musicalprojekt und die wunderbar beschriebenen Jugendlichen, welche ihrer neuen Lehrerin das Leben zuerst natürlich sehr schwer machen, dann aber immer mehr aufblühen, haben mich begeistert und ich wollte unbedingt herausfinden, wie es mit dem Projekt weitergeht.
Nun habe ich nur noch einen Band der Hamburg-Reihe vor mir und ich muss ehrlich sagen, so langsam ähneln sich Hülsmanns Protagonistinnen schon ein wenig zu sehr: sie alle wirken eher unreif, sind aber gerade dabei, sich beruflich und persönlich ihren Weg zu bahnen. Am Tag stehen also Herausforderungen bei der Arbeit an und am Abend wird im Kiezhafen oder einer anderen Bar auf den Putz gehauen. Annika unterscheidet sich da nicht wirklich und ich hoffe sehr, dass der sechste Band der Reihe wieder ein wenig origineller daherkommt.
Eine Notiz am Rande übrigens noch: die erste Ausgabe des Buches ist wohl bereits so alt, dass ganz oft das generische Maskulinum verwendet wird, was irgendwie einfach auch in dieser neuen Ausgabe nie angepasst worden ist und beim Lesen richtiggehend irritiert. Von wegen, gendergerechte Sprache würde irritieren....stets von Schülern, Schauspielern und Lehrern zu lesen, hat mich viel mehr irritiert, als differenzierende oder auch einfach bewusst offen gehaltene Formulierungen dies mittlerweile tun. 

Fazit:
Ein wenig romantisches Geplänkel, vor allem aber so richtig viele Beschreibungen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen prägen diese Geschichte und auch wenn ich finde, dass der Roman aus viel zu vielen Klischees besteht und mindestens 100 Seiten zu dick ist, hat mich die Geschichte meistens gut unterhalten. Ich musste zwar immer wieder über einige maximal deplatzierte, uninformierte und unlogische Beschreibungen der Ausbildung zur Musikerin und Pädagogin hinweglesen, aber die Entwicklung der Bühnenproduktion, die Annika an ihrer neuen Schule in die Hand nimmt, ist wirklich überraschend gut und kurzweilig erzählt. Der leider bisher schwächste Band der Reihe....kann man lesen, muss man aber nicht.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 576 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19197-0

Rezension: Sternflüstern

Sternflüstern - Paula Carlin

Beschreibung des Verlages:
Es ist ein wunderbarer Sommer. Die 56-jährige Künstlerin Irith hadert jedoch mit dem Verlust ihres Freundes Lunis. Sie versucht sich durch ihre Arbeit in einem Hotel abzulenken. Dann taucht plötzlich die junge Sophie bei ihr auf. Sie ist ebenfalls Künstlerin und verkauft ungewöhnliche Bilderrahmen. Die Frauen inspirieren sich gegenseitig und beschließen kurzerhand, gemeinsam an einem Wandmosaik zu arbeiten. Irith hat allerdings noch eine Aufgabe zu erfüllen: Lunis hat ihr ein verschlossenes Päckchen hinterlassen, um es einer Frau namens Alix zu geben. Aber wer ist diese Frau? Und welche Rolle hat sie in seinem Leben gespielt? Die Begegnung der drei Frauen, die durch Lunis schicksalhaft verbunden sind, wird zum Wendepunkt ihrer Leben. 
In wundervollen Bildern erzählt die Autorin, wie es sich anfühlt, an einem Scheideweg im Leben zu stehen und wie ein klarer Blick nach innen, aber auch die Begegnung mit anderen Menschen helfen können, sich auf den richtigen Weg zu machen.

Inhalt:
Irith steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihre Arbeit in einem Hotel gibt ihr Halt und ihre Kunst - sie kreiert Mosaike aus Alltagsgegenständen und bunten Glasscherben - hilft ihr bei der Bewältigung ihrer Trauer um ihren Freund Lunis. Da bietet ihr Arbeitgeber ihr an, den Eingangsbereich seines Hotels mit einem grossen Kunstwerk zu versehen. Sie folgt ihrer Intuition und teilt sich die Arbeit mit der Künstlerin Sophie, der sie erst gerade begegnet ist und lässt auch Alix in ihr Leben, die ebenfalls mit Lunis verbunden scheint. Stück für Stück setzen die Frauen Erinnerungen und Gefühle zusammen, besuchen einen verlassenen Garten und trauern einem Menschen nach, der ihre Leben ganz anders geprägt hat, als sie es auf den ersten Blick erkennen konnten.

Meine Meinung:
"Sternflüstern" hat mir die liebe Andrea vom Blog LeseBlick geschenkt und es hat sich wunderbar in meinen Juli eingefügt. Mitten in diesem unerträglich heissen und trockenen Sommer, wo Regen rar ist und die Natur (und ich mit ihr) an ihre Grenzen kommt, kämpft nämlich auch die Protagonistin Irith mit der Hitze und Dürre und sehnt sich nach dem Erlösung bringenden Regen und Herbst. Dadurch habe ich mich Irith sofort sehr nahe und verbunden gefühlt und besonders gut gefallen hat mir, wie sie beginnt, sich einem verlassenen Haus mit Garten und dem sich darin befindlichen Fuchs anzunähern. Das Buch habe ich im April nach wenigen Kapiteln zur Seite gelegt, weil dann einfach nicht der richtige Lesezeitpunkt dafür war. Im Juli habe ich auch wieder ein wenig Zeit gebraucht, um ins Buch zu finden und wusste zuerst nicht, wohin das Buch mich führen würde. Und dann hat sich eine Ebene nach der anderen entfaltet und dabei eine wunderschöne, zarte Geschichte offenbart. 

Schreibstil und Aufbau:
Der Garten eines verlassenen Hauses, zu dem sich Irith immer wieder wie von Zauberhand hingezogen fühlt, gibt dieser leise erzählten Geschichte einen zarten, grünen Rahmen, der nach und nach ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch Iriths und Sophies Kunstprojekt, das wächst und sich verändert, scheint, sich parallel zum Leben der Figuren zu entwickeln.
Und obwohl die Themen Trauer und Tod im Buch sehr präsent sind, wirkt es doch alles andere als bedrückend und ist vielmehr hoffnungslos und erzählt vom Mut, etwas zu wagen und sich auf Menschen, Chancen, buntes Glas und Gärten, immer wieder Gärten, einzulassen, gross zu Träumen und sich dabei stets neu zu erfinden.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch der leisen Töne hat mich nach einem eher trägen Start verzaubert und für sich eingenommen. Ich habe jetzt richtig Lust, weitere Bücher von Patricia Koelle für mich zu entdecken.

Zusätzliche Infos:
Titel: Sternflüstern
Autorin: Paula Carlin ist das Pseudonym der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin Patricia Koelle. Sie wurde 1964 in Alabama/USA geboren und lebt seit 1965 in Berlin. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 288 Seiten
Verlag: Diederichs

Erschienen am: 30.08.2021
ISBN: 978-3-424-35116-3

Rezension: Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon

Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon - Nina George, Jens J. Kramer und Hauke Kock

Reihenfinfos - Die magische Bibliothek der Buks:
1. Das verrückte Orakel
2. Das verfluchte Medaillon
3. Der Phantánasische Schlüssel

Beschreibung des Verlages:
Um die Zerstörung der zauberhaften Buchwelt zu verhindern, müssen sich die Buks in ihr bislang größtes Abenteuer wagen: Sie erobern zum ersten Mal das für sie unbekannte „Draußen“ jenseits ihrer magischen Bibliothek. Zeitgleich reisen die Kinder Finn und Nola mithilfe von machtvollen Kristallmedaillons durch die Welt der tollsten Geschichten auf der Suche nach dem verschollenen Buchmeister und der Heilung gegen die schreckliche Bleichkrankheit. Inzwischen entdecken Mira und Thommy in der Welt der Menschen die geheime Büchergilde und kommen dem unbekannten Zerstörer der Bücher gefährlich nah. Doch nur gemeinsam können sie das Spiel um Freiheit und Fantasie gewinnen.

Inhalt:
Die Zwillinge Finn und Nola sowie Geraldine, die Tochter der Ministerin, reisen auf der Suche nach einander sowie nach dem Buchmeister durch ein Kraftbuch. Während dessen versuchen Mira und Thommy gemeinsam mit den Buks und der Büchergilde die geheime Bibliothek zu beschützen. Klar ist: es wird zu einem Kampf kommen, der den Lauf der Welt für immer entscheiden wird...

Meine Meinung:
Wie auch schon beim ersten Band der Reihe war ich sofort mitten im Geschehen. Der zweite Band schliesst sogar so nahtlos an den ersten Band an, dass ich mich zuerst ein wenig orientieren und erinnern musste. Dann aber war ich wieder begeistert vom Inhalt, der kreativen Geschichte, den vielen literarischen Anspielungen und den politischen Verstrickungen.
Die Geschichte verzweigt sich mehr und mehr, es werden mehrere Szenen gleichzeitig erzählt, weil die Kinder und die Buks sich in so viele verschiedene Abenteuer stürzen und dadurch bleibt die Geschichte sehr spannend. Es wird richtig fantasievoll, gefährlich und sogar ein wenig sentimental.
Ich habe auch den zweiten Band der Reihe sehr gerne gelesen, wenn auch mir der erste Band noch ein wenig besser gefallen hat. Dies vor allem, weil der erste Band sehr viel gesellschaftskritischer und auch anspruchsvoller erzählt ist.
Dafür wird im zweiten Band um so mehr auf Abenteuer und Unterhaltung gesetzt, was aber auch sehr gelungen ist und mir schöne Lesestunden beschert hat.

Meine Empfehlung:
Dieser abenteuerliche und klug aufgebaute zweite Band der Reihe hat mich zwar nicht ganz so sehr gefesselt, wie der erste Band, aber trotzdem hat er mich begeistert und ich möchte euch die Reihe sehr herzlich empfehlen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon
Autorin: Die mehrfach ausgezeichnete internationale Bestsellerautorin Nina George, geboren 1973 in Bielefeld, schreibt seit 1992 Romane, Sachbücher, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten, Blogs und Kolumnen. Ihr Roman Das Lavendelzimmer wurde in 36 Sprachen übersetzt und eroberte weltweit die Charts, so etwa die New York Times-Bestsellerliste in den USA. Sie lebt in Berlin und in der Bretagne. Seit Juni 2019 ist Nina George Präsidentin des European Writers’ Council, dem Dachverband von 46 europäischen Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverbänden.
Autor: Jens J. Kramer, Jahrgang 1957, studierte in Berlin Ethnologie und Publizistik. 1999 debütierte er mit einem historischen Roman über das koloniale Afrika (Die Stadt unter den Steinen), dem zwei weitere folgten (Das Delta, Der zerrissene Schleier). Als Jo Kramer schrieb er romantische Komödien, als Mike Schulz Krimikomödien und zusammen mit seiner Ehefrau, der Bestsellerautorin Nina George, ist er Jean Bagnol, der Erfinder des provenzalischen Ermittlers „Commissaire Mazan“. Zuletzt erschien von ihm Johannas Rache, Droemer, 2020. Kramer ist seit 2017 Vorsitzender des SYNDIKAT e.V.
Illustrator: Hauke Kock ist als Kind in ein Fass voller Tusche gefallen und kann seitdem nicht mehr aufhören zu zeichnen. Folgerichtig macht er aus der Not eine Tugend und wird Illustrator und Autor. Neben unzählig bebilderten Büchern für Klein und Groß, Spielen und allerlei anderen Projekten mit Illustrationsbedarf, traut sich der gebürtige Schleswig-Holsteiner ab und zu aus der Komfortzone und versucht sich an einem Marathonlauf.  Weitere Kalamitäten unter: www.haukekock.de www.haukekock-fantasyart.com
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Thienemann 
Erschienen am: 24.01.2025 
ISBN: 978-3-522-50823-0

Rezension: 25 letzte Sommer

25 letzte Sommer - Stephan Schäfer

Beschreibung des Verlages:
Am Küchentisch eines alten Bauernhauses treffen zwei Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Erzähler dieser Geschichte führt ein gehetztes Leben, das er als endlose To-do-Liste empfindet; Karl hingegen sortiert Tag für Tag Kartoffeln - und denkt nach. Als Karl seinen Gast mit der Tatsache konfrontiert, dass ihm noch ungefähr 25 Sommer bleiben, beginnen beide ein Gespräch über die großen Fragen des Lebens: Warum verbringen wir so viel Zeit mit unserer Arbeit anstatt mit den Menschen und Dingen, die uns wirklich wichtig sind? Woher nehmen wir den Mut, unsere eigenen Träume zu verwirklichen? Und warum beginnt das richtige Leben oft erst, wenn wir erkennen, dass wir nur eines haben?
Stephan Schäfer bringt uns dazu, Antworten auf diese Fragen in uns selbst zu suchen. 25 letzte Sommer ist eine warme, tiefe Erzählung, die uns in unserer Sehnsucht nach einem Leben in Gleichgewicht abholt, uns mitnimmt zu Karl und seinem Hof, zum See und auf den Kartoffelacker – zu einer Geschichte über Freundschaft, über das Zu-viel und Zu-wenig im Leben. Und über die Fragen, auf die wir alle so gerne Antworten finden wollen.

Inhalt:
An einem freien Samstag trifft der namenlose Erzähler den Kartoffelbauer Karln. Dieser verwickelt unseren Erzähler sofort in ein Gespräch, lädt ihn zu sich auf den Hof ein, bekocht ihn und lässt ihn an einem Alltag und seinen zahlreichen Gedanken zum Leben, Arbeiten und Geniessen teilhaben.

Meine Meinung:
Alles schon mal dagewesen... Das Buch, das ich für den Buchclub in Burgdorf gelesen habe, hat mich leider nicht überzeugen können und hätte ich es nicht für diesen Anlass gelesen, hätte ich es nach wenigen Seiten abgebrochen. Viel zu simpel ist die Geschichte gestrickt und viel zu sehr erinnert der Inhalt an Bücher wie "Das Café am Rande der Welt" und wie sie alle heissen. Dies an sich wäre nicht schlimm, kann es doch manchmal wohltuend sein, sich ein paar Sinnfragen zu stellen und sich Gedanken zur vielbesungenen Work-Life-Balance zu machen.
Aber: der Protagonist der Geschichte weiss Frau und Kinder übrigens stets gut beschäftigt und betreut, während er sich auf seine Abenteuer begibt und ist auch sonst in seinem Alltag eigentlich nicht für seine Familie zuständig. Ich lasse das mal so stehen...

Schreibstil und Aufbau:
Wie auch schon Streleckys Bücher bleibt "25 letzte Sommer" oberflächlich. Dass sich ausserdem nur Menschen, denen es eigentlich viel zu gut geht, überlegen können, ob sie einen faulen Sonntag verbringen oder sich doch den liegengebliebenen Mails widmen möchten, dass also die Sinnfrage sowie die Erfüllung der persönlichen Lebensziele vor allem maximal privilegierte Personen betrifft, wird dabei komplett ausgeklammert.
Schäfer wirft mit lose aneinandergereihten Plattitüden und halbgaren Metaphern nur so um sich und Tiefgang, Selbstkritik oder das Einbeziehen unterschiedlicher Lebensrealitäten fehlen dabei komplett. Aber wenn es ja schon so viele Bücher gibt, welche in die Achtsamkeits-Kerbe schlagen, finde ich es eigentlich nicht zu viel verlangt, die Geschichte ein wenig anders zu gestalten. Dies habe ich aber leider im Buch so gar nicht angetroffen, was ich sehr schade finde. Immerhin sind die ein wenig mehr als 170 sehr locker bedruckten und mit simplen Sätzen gefüllten Seiten innerhalb von kürzester Zeit gelesen.

Fazit:
Wer sich zum ersten Mal mit einer persönlichen Sinnsuche, oder den Themen Achtsamkeit und Genuss auseinandersetzt, hat vielleicht mit diesem Buch einen perfekten Einstieg ins Thema gefunden. Wer aber keine Lust hat, sich schon wieder von einem Mann, der sich lediglich um sich und seinen Job kümmern muss, während seine Frau sich um die Kinder kümmert, erklären zu lassen, wie man das Leben maximal geniesst (eventuell sogar ein Widerspruch, wenn man auch den Genuss optimieren muss?), wird mit "25 letzte Sommer" definitiv nicht glücklich.

Zusätzliche Infos:
Titel: 25 letzte Sommer
Autor: Stephan Schäfer, geboren 1974 in Witten, war lange Jahre als Journalist, Chefredakteur und Vorstand tätig. Sein Roman 25 letzte Sommer stand über 30 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und inspirierte ihn zu den in der Reihe Das Buch, das bleibt erschienenen Büchern 100 Fragen an meine Mutter und 100 Fragen an meinen Vater sowie 100 Fragen an mich. Mit seiner Familie lebt er in Hamburg und an der Schlei.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 176 Seiten
Verlag: park x ullstein
Erscheinungstag: 14.03.2024
ISBN: 9783988160096

Rezension: Zwei Leben

Zwei Leben - Ewald Arenz

Beschreibung des Verlages (gekürzt, damit ihr nicht gespoilert werdet):

Ein Dorf, die Welt – und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben
1971 in einem Dorf in Süddeutschland. Nach einer Art Schneiderlehre in der Stadt kehrt die 20-jährige Roberta auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie ist das einzige Kind und wird irgendwann einmal die Bäuerin sein. Hier auf dem Land sind Vergangenheitsbewältigung, Kriegsdienstverweigerung, Feminismus, Popkultur und Miniröcke nichts, womit man sich beschäftigt. Hier zählen Arbeit, Gehorsam und moralisches Verhalten. Roberta träumt davon, eigene Kleider zu entwerfen, aber sie weiß genau, dass das Träume bleiben werden. Zugleich liebt sie ihren Hof und die körperliche Arbeit in der Natur, wo sie sich ganz und gar spürt. Und sie liebt Wilhelm, den Pfarrerssohn. Wilhelm ist nicht nur für Roberta der Grund, im Dorf zu bleiben. Auch seine Mutter Gertrud bleibt wegen ihres Sohnes. Im Gegensatz zu Roberta hasst sie das Landleben und wünscht sich nichts mehr, als weggehen zu können, hinaus in die Welt.

Inhalt:
Roberta möchte hinaus in die Welt und sich ihren Traum vom Leben als Schneiderin und Modedesignerin erfüllen. Doch sie fühlt sich ihrer grossen Liebe Wilhelm, ihren Eltern und dem Hof verpflichtet, den sie als einziges Kind übernehmen wird. So ist es schon immer gewesen, so wird es bleiben.
Aber auch Wilhelms Mutter Gertrud träumt sich weg aus dem ländlichen, hinaus in ein moderneres, städtisches Leben. Vor vielen Jahren ist sie an der Seite des Pfarrers aufs Land gezogen und hat dann Wilhelm geboren, der im kleinen Dorf aufgewachsen ist und dort seinen Platz gefunden hat. Doch ihr fällt die Decke auf den Kopf.
Die beiden Frauen sind gefangen zwischen ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Lieben und ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung.

Meine Meinung:
In der persönlichen emotionalen Achterbahnfahrt, die der Juli für mich war, habe ich dieses Buch gelesen. Es mir stellenweise erarbeitet und erkämpft und einige Male wollte ich es abbrechen, bin aber trotzdem dabei geblieben und mit einem wunderschönen, versöhnlichen, spannenden, hoffnungsvollen Schluss belohnt worden. Ich habe das Buch vor allem in der Woche gelesen, in der ich ganz überglücklich mein Patenkind zum ersten Mal im Arm halten durfte und in der ich wenige Tage später einen plötzlich und viel zu früh verstorbenen Onkel beerdigen musste...
Aber zurück zum Buch: Die beiden Hauptfiguren waren mir anfangs wohl genau deshalb so nahe, weil ich ihre Gefühle und ihren Zwist so gut verstehen konnte. Das Leben, das sie führen, könnte so oder ähnlich das Leben vieler Mitglieder meiner weitverzweigten Familie sein. Viele von ihnen leben genau so in ihren Dörfern auf ihren Höfen in ihrer eigenen - oft ein wenig aus der Zeit gefallenen - Welt. Und genau diese Familienmitglieder, ihre Sorgen und Ängste und ihr Alltag, der sich so stark von meinem unterscheidet, habe ich letzte Woche erst auf einem zugigen Friedhof in einem kleinen Dorf angetroffen.

Schreibstil und Aufbau:
"Zwei Leben" hat mich wohl auch deshalb, weil ich mich in Robertas und Gertruds Leben so schnell heimisch fühlte, sofort für sich eingenommen, aber nach etwa hundert Seiten nur noch gelangweilt. Die Sprache dümpelt mehr und mehr dahin, die Figuren sind mir fast komplett entglitten und es wirkt, als hätte die Geschichte ihren roten Faden verloren. Weil in allen Beschreibungen und Rezensionen aber die Rede davon ist, dass dann doch mal noch etwas geschieht, habe ich weitergelesen und mich dabei ziemlich gequält. Die letzten hundert Seiten haben dann aber bewiesen, wie grandios Arenz erzählen und beschreiben kann. Mit welcher Finesse er sich den Menschen und ihren tiefsten Gefühlen nähert und dass er diese so sanft und klar in Worte fassen kann, hat mich tief beeindruckt. In "Zwei Leben" geht es um Chancen im Leben. Die am Schopf gepackten, aber vor allem um die verpassten. Und um zweite Chancen, die alles noch einmal auf Anfang setzen. Es geht um Liebe und Freundschaft, Träume und Ziele, Vertrauen und Vergebung. Und in all diesen grossen Gefühlen schafft es Arenz, dass die Figuren, denen ich mich in der Mitte des Buches so gar nicht mehr nahe gefühlt hatte, mir plötzlich wieder lieb und teuer wurden. Vor allem die Geschichte von Roberta und ihrem Opa, dem sie sich im Laufe des Romans mehr und mehr annähert, hat diesen Roman für mich ganz besonders gemacht.

Fazit/Empfehlung?:
Ich verstehe alle, die das Buch nach hundert Seiten abbrechen und ich verstehe alle, die vom Roman zutiefst berührt werden. Insgesamt glaube ich, dass dem Buch etwa hundert Seiten weniger überhaupt nicht geschadet hätten und ich bin überzeugt davon, dass belohnt wird, wer durchhält und es bis zum Schluss von "Zwei Leben" schafft. Dieser hat mich nämlich für meine Lesemühen grosszügig entschädigt.

Weitere Bücher von Ewald Arenz:
Alte Sorten (21.07.2020)
Der grosse Sommer (14.06.2022)

Zusätzliche Infos:
Titel: Zwei Leben
Autor: EWALD ARENZ, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Gymnasiallehrer in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit ›Alte Sorten‹ stand er auf der Liste »Lieblingsbuch der Unabhängigen« 2019, und ›Der große Sommer‹ erhielt 2021 ebenjene Auszeichnung. Zuletzt erschienen ›Zwei Leben‹ (2024), ›Katzentage‹ (2025) und ›Fünf, sechs, sieben, acht‹ (2026, alle DuMont).
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag:Dumont
Erscheinungstag: 12.08.2025 
ISBN: 978-3-7558-0558-8