Rezension: Was wäre, wenn wir mutig sind

Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer

Beschreibung des Verlages:

Seit Jahren kämpfen Menschen um die künftige Bewohnbarkeit unseres Planeten. Luisa Neubauer ist eine von ihnen. Doch bis heute scheitert die Welt daran, den notwendigen Klimaschutz demokratisch zu organisieren. Warum passiert nicht mehr, obwohl die wissenschaftlichen Fakten schon lange bekannt sind? Woher kommt die Anti-Klima-Aggression der Rechten? Warum sorgen selbst die sichtbaren Klimakatastrophen nicht für ein gesellschaftliches Umdenken? Luisa Neubauer analysiert die Machtkämpfe hinter der Klimakrise, sie legt die fossilen Wurzeln unserer Demokratie frei und zeigt, wie eine realistische Utopie auf unserem Planeten aussehen kann.
Dieses Buch ist ein Aufruf, zu intervenieren und unsere ökologischen Grenzen zu verteidigen. Eine Einladung, den Krisen in die Augen zu schauen. Und ein Plädoyer für die Hoffnung.

Inhalt:
Auf ganz wenigen Seiten spannt Luisa Neubauer einen Bogen von der Geschichte und den Grundsätzen der Fossilität über den Zusammenhang zwischen Demokratien und Klimagerechtigkeit bis hin zur unbequemen Hoffnung, die wir uns selber machen können. Kompakt, klug und mit einem ausführlichen Anhang, der zu weiteren Recherchen animiert, regt sie damit zum Nachdenken an.

Meine Meinung:
Besonders gut hat mir gefallen, wie fundiert und gleichzeitig zugänglich Neubauers Texte sind. Ihr Büchlein ist eine schmale Übersicht, die Lust auf mehr macht und die zum eigenen Nachdenken und Weiterdenken inspiriert. Kein Satz ist zu viel und aus jeder Zeile wird klar, dass Neubauer genau weiss, wovon sie spricht. Ihre kluge Haltung, die zum sofortigen Handeln im Grossen und Kleinen animiert hat auch mich ein paar Dinge ganz neu überdenken lassen. Beispielsweise meine von Filmen/Serien und den Träumen anderer geprägten Konsumwünsche.
Auch wenn Neubauer kein allzu positives Bild der näheren Zukunft zeichnet, ruft sie doch immer wieder zur sogenannten "unbequemen" Hoffnung auf. Der Hoffnung, die nicht von Ziellosigkeit und Passivität lebt, sondern der Hoffnung, die man aktiv selber gestalten muss.


Sprache und Aufbau:
In drei Teilen nähert sich Neubauer zuerst dem Begriff Fossilität an und zeigt historische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge auf, welche uns und die Macht der fossilen Industrie geprägt haben. Dann geht sie hart mit der Politik und den oft unsinnig geführten Debatten ins Gericht und zeigt am Schluss auf, wo Lösungen liegen könnten und dass letztendlich gründlich geführte Dialoge und ein starkes Miteinander uns viele Ziele werden erreichen lassen.

"Wir werden viele der künftigen Katastrophen nicht mehr verhindern, aber wir können auf eine Welt hinarbeiten, in der wir uns wieder in die Augen schauen können. Weil Menschenleben respektiert, Freiheiten verteidigt und Liebe für die Gegenwart und Liebe für die Zukunft nicht länger gegeneinander ausgespielt werden."

Meine Empfehlung:
Das Buch sollte noch viel mehr Publikum finden. Nur schon, weil der Anhang so sehr zum weiteren Stöbern einlädt. Ich empfehle diesen kurzen Text euch allen herzlich weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Was wäre, wenn wir mutig sind
Autorin: Luisa Neubauer, geboren 1996 in Hamburg, ist eine der weltweit bekanntesten Klimaaktivistinnen. Zuletzt erschienen von ihr «Gegen die Ohnmacht» (2022), zusammen mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma, sowie «Der Klima-Atlas» (2024), zusammen mit Christian Endt und Ole Häntzschel. Seit 2020 hostet sie den Klimapodcast 1,5 Grad. 2023 wurde sie mit dem Ökumenischen Predigtpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Geografin lebt in Berlin und studiert in Göttingen.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 144 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 28.01.2025
ISBN: 978-3-499-01496-3

Mein SuB kommt zu Wort, 20.09.26

Alle Informationen zur Aktion findet ihr bei Melli
Guten Morgen ihr Lieben

Auch im August war ich so beschäftigt, dass es nicht zu einer Wortmeldung gereicht hat, aber jetzt überlasse ich SuBrina wieder die Tastatur, damit sie euch auf den neusten Stand bringen kann. Viel Spass beim Lesen und Stöbern :-D

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hallo ihr Lieben
Schön, dass wir uns wieder austauschen können, Frauchen überlegt nämlich gerade, wann und wie sie ihre Regale neu sortieren soll, seit ich so klein geworden bin ;-) Falls ihr dazu Ideen und Anregungen habt, dann gerne her damit. Gerade befinden sich 23 Bücher und ein Bibliotheksbuch auf meinen Stapeln und wer weiss, vielleicht schafft Frauchen bis Ende Monat sogar den Sprung in den u20-Bereich...

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.05.2016: 222 Bücher (allererste Teilnahme bei dieser Aktion)
20.02.2017: 243 Bücher (absoluter SuB-Höchststand war im Januar 2017 mit 247 Büchern)
20.05.2017: 184 Bücher (nach der grossen Entrümpelung)
20.08.2022: 96 Bücher (definitiv im uHu-Bereich angekommen)
20.12.2022: 77 Bücher
20.12.2023: 61 Bücher
20.02.2024: 58 Bücher und 2 Bibliotheksbücher
20.10.2024: 70 Bücher
20.11.2024: 89 Bücher
01.01.2025: 90 Bücher
20.01.2025: 86 Bücher
20.02.2025: 82 Bücher
20.05.2025: 77 Bücher
30.06.2025: 69 Bücher
31.07.2025: 68 Bücher
20.08.2025: 67 Bücher
30.09.2025: 64 Bücher
20.10.2025: 66 Bücher
20.11.2025: 58 Bücher
20.12.2025: 61 Bücher...ups!!!
01.01.2026: 57 Bücher
20.01.2026: 46 Bücher
20.02.2026: 41 Bücher
20.04.2026: 36 Bücher
20.05.2026: 36 Bücher 
30.06.2026: 33 Bücher
20.07.2026: 32 Bücher und 1 Bibliotheksbuch
31.08.2026: 25 Bücher
20.09.2026: 23 Bücher und 1 Bibliotheksbuch

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel
Im September hier eingezogen sind:
  • Die Briefschreiberin - Virginia Evans   (Bücherschrankfund)
  • Die Riesinnen - Hannah Häffner   (Bibliotheksbuch)
  • Affenhitze - Volker Klüpfel/Miachel Kobr   (Kluftinger 12, gebraucht gekauft)
  • Flüchtiges Begehren - Donna Leon   (Brunetti 30, gebraucht gekauft)
Und ja, für einige mag das ungewöhnlich sein, aber hier wird einfach jedes ungelesene Buch zum SuB gezählt. Egal, ob es geliehen ist oder gerade gelesen wird, alles, was nicht gelesen/aussortiert ist, gehört zum SuB. Frauchen findet es übrigens eher irritierend, wenn man dies anders handhabt, weil das die Zahlen ja schon seeeeehr verfälschen/beschönigen kann ;-)

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deiner Besitzerin gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt beendet hat Frauchen "Was wäre, wenn wir mutig sind" von Luisa Neubauer. Das Buch lag noch nicht so lange da und hat für einige spannende Inputs gesorgt. Eine Rezension dazu wird in den nächsten Tagen erscheinen. Zuletzt rezensiert hat Frauchen "Das goldene Ei" von Donna Leon. Ein Krimi, der seit März 2021 unter meinen Fittichen war und meinem Frauchen sehr gut gefallen hat. Zur Rezension findet ihr HIER.


4. 
Liebe:r SuB, bei welchen Büchern Deiner Stapel glaubst Du, dass Dein:e Besitzer:in hohe Erwartungen daran hat (und es deshalb wohl noch ungelesen ist)?
Zuerst einmal möchte ich betonen, dass Frauchen natürlich immer sehr hohe Erwartungen an meine Schützlinge hat ;-) Und wenn ihr etwas nicht passt, wird gnadenlos abgebrochen und aussortiert... Besonders viel erwartet sie von:
  • Die Briefschreiberin - Virginia Evans
  • Die Riesinnen - Hannah Häffner
Noch offen vom April ist übrigens immer noch "Glück am Morgen" von Betty Smith, das Frauchen aber voraussichtlich erst im Oktober lesen wird...Und nun wünschen wir euch ganz eine gute Zeit und ein frohes Stöbern. Hinterlasst doch gerne den Link zu eurem Beitrag in den Kommentaren, dann kommen wir auf einen Gegenbesuch vorbei.

Alles Liebe und bis bald
SuBrina (und Livia)

Rezension: Das goldene Ei

Das goldene Ei - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobiltà (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022)
  32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
  33. Feuerprobe (2024) 

Beschreibung des Verlages:
Für Patta soll Brunetti diesmal nur pro forma in einem Kavaliersdelikt ermitteln: Er soll den Ruf des Bürgermeisters schützen, dessen künftige Schwiegertochter die Gesetze übertreten hat. Paola hingegen ist unerbittlich: Sie möchte wissen, was für ein Mensch der Tote war, der bei den Brunettis in der Nachbarschaft umgekommen ist. Dabei sieht alles zunächst nach einem Unfall aus: Die Schlaftabletten waren bunt wie Bonbons und der Junge nicht ganz richtig im Kopf. Doch tatsächlich: Je mehr Brunetti sich umhört, desto mehr Widersprüche kommen ans Licht, ja am Ende gar ein Mord. Niemand will etwas gewusst haben. Doch auch Nichtstun kann zum Verhängnis führen. Brunettis privatester Fall.

Inhalt:
Brunetti ist in doppelter Mission unterwegs. Für Vize Questore Patta lässt er seine Beziehungen spielen und kann verschiedene Erkenntnisse und Gefallen für seinen Vorteil nutzen. Für sich und Paola ermittelt er im Falle des verstorbenen Mannes aus seinem Viertel. Der junge Mann scheint eine Behinderung gehabt zu haben und das Verhalten seiner Mutter wirft Fragen auf. Das schlechte Gewissen, sich zu dessen Lebzeiten nicht mehr für ihn interessiert zu haben, treibt Brunetti um und lässt ihn bald auf unerwarteten Pfaden ermitteln.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal habe ich einen Brunetti-Krimi gelesen, bei dem ich ziemlich schnell durchblickte, wie alles zusammenhängen würde. Dennoch hat mich der Roman einmal mehr von Venedig träumen, Paolas Kochkünste geniessen und am Familienleben der Brunettis teilhaben lassen. Auch haben mich Commissario Brunettis Ermittlungen, seine Gedankengänge und die immer wieder in einem gesetzlichen Graubereich getroffenen Entscheide wunderbar unterhalten. Seine persönliche Betroffenheit hat ihn um so menschlicher und nahbarer gemacht, was mir gut gefallen hat.

Meine Empfehlung:
Je neuer die Romane, desto aktueller, menschlicher und vielschichtigen kommen die Fälle daher. Brunetti macht einfach Spass und auch diesen Band empfehle ich gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Tierische Profite
Originaltitel: The Golden Egg
Autorin:
Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 320 Seiten 
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2015  
ISBN: 978-3-257-24336-9  

Rezension: Pi mal Daumen

Pi mal Daumen - Alina Bronsky

Beschreibung des Verlages:

Sie begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung: Der hochbegabte Oscar ist 16, hat einen Adelstitel und ist noch nie mit der U-Bahn gefahren. Moni Kosinsky hat drei Enkel, mehrere Nebenjobs und liebt knalligen Lippenstift und hohe Absätze. Sie ist fest entschlossen, sich heimlich den Traum von einem Mathe-Studium zu erfüllen.
Doch im Hörsaal wird Moni für eine Putzfrau gehalten und belächelt. Wie kommt sie dazu, sich für eines der schwierigsten Fächer überhaupt einzuschreiben? Und woher kennt sie den berühmtesten Professor der Uni?
Bald muss nicht nur Oscar feststellen, dass Monis Verstand und Beharrlichkeit größer sind als ihre Wissenslücken. Denn Mathematik schert sich nicht um Fragen der Herkunft, des Alters und des Aussehens. Oscar dagegen kämpft mit dem Alltag und findet ausgerechnet in der warmherzigen Moni eine Vertraute, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. Bald verbindet die beiden Außenseiter eine Freundschaft, die niemand für möglich gehalten hätte. 

Inhalt:
Der Jungstudent Oscar bewegt sich in seiner ganz eigenen Welt. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch extrem privilegiert aufgewachsen. Ausserdem blickt er ziemlich ignorant auf seine Mitmenschen herab. Moni ist das genaue Gegenteil. Sie ist bereits Oma, trägt ausschliesslich schillernde Outfits, kümmert sich ganz oft um ihre Enkelkinder und arbeitet in mehreren Jobs, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. Daneben bleibt kaum Zeit für ihr Studium. Nachdem Moni und Oscar in einer Mathe-Vorlesung zufällig nebeneinander sitzen, nähern sich die beiden Einzelgänger einander an. Wer dabei wem am meisten unter die Arme greift, wird erst auf den zweiten Blick klar.

Meine Meinung:
Schon wieder hat mich Alina Bronsky überzeugt! Und schon wieder hat sie - wie auch schon bei "Barbara stirbt nicht" - eine furchtbar unangenehme Männerfigur geschaffen, welche die Geschichte aus ihrer eigenen eher beschränkten Perspektive erzählt und dabei die eigentliche weibliche Hauptfigur nicht nur ins Zentrum rückt sondern auch um so mehr Sympathie für sie weckt.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viele verschiedene Ebenen sich in Bronskys Roman finden. Ein wenig übertrieben kommen die Stereotype aber schon daher. Nur spielt Bronsky natürlich auch damit und macht eindrücklich auf soziale Ungerechtigkeiten und den grossen Einfluss von Vorurteilen aufmerksam.

Schreibstil und Aufbau:
In diesem Roman verbergen sich nicht nur ein hochnäsiger Jungspund und eine fleissige, interessierte und vor allem menschliche Frau, welche sich mit ihrem Mathe-Studium einen langgehegten Traum erfüllen will, sondern auch ganz viele berührende Zwischentöne. Eine tragische Familiengeschichte, eine zum Scheitern verurteilte Beziehung und Menschen, die nie gelernt haben, sich etwas zuzutrauen, die aber eine Chance packen, wenn man sie ihnen gibt sind genau so Teil dieser Geschichte, wie desinteressierte Wissenschaftler und geborene Pädagogen. Mathematische Rätsel und Spielereien sowie Einblicke in ein turbulentes Familienleben kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.
In bekannter Manier sorgt Bronsky mit ihrem zarten Humor sowie einigen kreativen Überraschungen dafür, dass die Geschichte nie langweilig wird, dass Gesellschaftskritik ankommt und trotzdem für Unterhaltung gesorgt ist.

Meine Empfehlung:
"Pi mal Daumen" ist ein sehr kurzweiliges, kreativ erzähltes Buch, das einfach Spass macht und mit seiner ungewöhnlichen Protagonistin berührt. Ich wünsche dem Roman noch viele weitere Fans und empfehle ihn euch sehr gerne weiter.

Weitere Bücher der Autorin:
Baba Dunjas letzte Liebe
Der Zopf meiner Großmutter
Barbara stirbt nicht

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Pi mal Daumen
Autorin:
Alina Bronsky, geboren 1978, lebt in Berlin. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller und fürs Kino verfilmt. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. 2019 und 2021 erschienen ihre Bestseller »Der Zopf meiner Großmutter« und »Barbara stirbt nicht«, 2024 folgte ihr Roman »Pi mal Daumen«, der als Lieblingsbuch der Unabhängigen ausgezeichnet wurde.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 272 Seiten
Verlag: KiWi
Erscheinungstermin: 15.08.2024 
ISBN: 978-3-462-00425-0

Rezension: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien

Beschreibung des Verlages:
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. 
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.

TW: sexualisierte Gewalt (auch an Kindern), Alkoholmissbrauch, Drogen, Gewalt, SVV, Essstörung, Erbrechen

Inhalt:
Lale wächst bei ihrem Pflegevater in einer Männer-WG auf, in der auch ihr Vater lebt, was die Behörden aber nicht erfahren dürfen. Schon früh macht sie Erfahrungen mit Erwachsenen, die sich berauschen, lügen und stehlen. Ihre Kindheit ist geprägt von Vernachlässigung und Missbrauch, aber auch von Abenteuern und unendlichen Freiheiten. Als Jugendliche gerät sie dann selber ein wenig aus dem Lot und als junge Frau muss sie damit beginnen, sich ihren Körper zurückzuholen und zu lernen, gesunde Grenzen zu setzen und auch zu akzeptieren. 

Meine Meinung:
Viele begeisterte Rezensionen haben mich das Buch auf meine Wunschliste setzen lassen und als es dann auch noch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis landete, habe ich es mir sofort gekauft. Schnell wird klar, dass sich auf wenigen Seiten eine sehr intensive, fordernde und stellenweise auch explizite Geschichte verbirgt. Wer zwischen diesen Buchdeckeln aber Trauma-Porn vermutet, liegt komplett falsch. Vielmehr ist dieser Roman die Aufarbeitung einer komplizierten Kindheit und Jugend, die sicher nicht ganz unähnlich ist zu Tollkiens eigenen Erfahrungen. Darum soll es aber gar nicht gehen. Im Zentrum stehen eine enorme Sprachkunst und eine Kritik an einer linken Szene, die mit kritischen und modernen Werten punktet, im Bereich Kinder- und Jugendschutz aber kläglich versagt und sich der Verantwortung für Kinder und Jugendliche nicht stellen kann und/oder will. Nicht nur sind Lales Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen, auch sind sämtliche Behörden, Lehrpersonen und andere "Bezugspersonen" entweder selber Täter oder zumindest bereit, ihre Augen vor der Wahrheit zu verschliessen.

Schreibstil und Aufbau:
Die Beschreibungen der oft aufwühlenden Szenen gestaltet Tollkien mit klaren Worten aber auch mit Leerstellen. Die in der ich-Person erzählende Protagonistin Lale beschreibt dabei als erwachsene Frau Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend und lässt gleichzeitig auch immer wieder in ihr erwachsenes Leben blicken. Dies geschieht mit kunstvoll gebildeten Sätzen, deren Struktur sich oft wiederholt und die dem Roman eine ganz eigene Form gibt.

Meine Empfehlung:
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ein intensives, mitreissendes, bewegendes Debüt, das nachhallt und Lust auf mehr macht. Ich empfehle euch das Buch gerne weiter, macht euch aber auf explizite Inhalte gefasst... Und ich werde Tollkien auf jeden Fall im Auge behalten.

Zusätzliche Infos:
Titel: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Autorin: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 255 Seiten
Verlag: aufbau
Veröffentlichung: 14.03.2026
ISBN: 978-3-351-04284-4