Lese-Statistik Juni 2026

Hallo ihr Lieben

Der Juni hat neben leider viel zu hohen Temperaturen und unerträglicher Dürre auch viele schöne Erlebnisse mit sich gebracht. Wir verbrachten ein Wochenende mit Herzensmenschen im Wallis, durften wieder Gäste bei einer Hochzeit sein, einen Geburtstag feiern und die Abschlussfeier einer Freundin besuchen, die auswandert und einen neuen Lebensabschnitt beginnt.
An der Konzertfront sieht es ruhig aus, dafür habe ich mich mit einem meiner Ensembles so richtig in die Planung eines grossen Projektes für 2027 gestürzt und weitere Konzertreihen für 2027 und 2028 angedacht. Es gibt mir immer soooo viel Energie, wenn ich weiss, auf welche Projekte ich mich freuen darf und wenn die ersten Proben und Konzerttermine bestätigt im Kalender stehen. Auch hatte ich an den Musikschulen einiges zu tun. Drei Semesterabschlusskonzerte, ein grösseres Krisenmanagement und ganz viele administrative Aufgaben standen an und im Juli geht es jetzt an die Jahresvorbereitungen für das kommende Schuljahr, respektive stecke ich schon mitten drin.

Buchtechnisch war der Monat auch ziemlich sommerlich und mit eher leichter Lektüre gefüllt. Gelesen habe ich mehr als erwartet. Und dies, obwohl ich auch viel Fussball geschaut habe und obwohl ich kaum lange im Zug sass. Dass gerade nicht so viele Konzerte und Proben anstehen (und dass ich Ende Schuljahr und bei dieser Hitze auch nicht mehr die Kraft hatte, um andere Dinge zu machen, als mit einem guten Buch herumzusitzen), schlägt sich wohl einfach positiv auf meine Lesezeit nieder.
Dabei waren zwei Buddyreads, viele Highlights, Rezensionsexemplare, sommerliche Unterhaltung und auch einige Überraschungen dabei. Und einmal mehr konnten mich vor allem die Backlist-Bücher überzeugen.
Bei den Neuzugängen habe ich übrigens hemmungslos zugegriffen, was den SuB zwar nicht freut, mich aber irgendwie um so mehr. Im Juli sind dafür mit ein, zwei Ausnahmen keine Neuzugänge geplant (oder so....) :-D

Gelesen im Juni:

Solider, feinfühliger Brunetti-Krimi, der sich vor allem auf das Leben von älteren Menschen konzentriert


Zwar ein wenig vorhersehbarer und konstruierter aber dennoch unterhaltsamer und packender Roman


Moderner, feministischer Hexenroman, verschiedene Zeitebenen, Magie und Kampf für Unabhängigkeit


Berührender Debütroman, tragische Familiengeschichte über das Verzeihen, die Liebe und gelebte Chancen


Poetisches, eindringlich erzähltes Buch über Tiefpunkte im Leben, Verlust, Freundschaft und Neuanfänge


Ein wenig repetitiver und vorhersehbarer Roman, grandiose Landschaftsbeschreibungen und Sommerfeeling


Überragendes Debüt, Kosovokrieg, Familiengeschichte, Bruxismus, Forensik und reine Erzählkunst


Liebevoll erzählter Hamburg-Roman mit ernsten Themen, ein paar Längen und um so mehr Meerliebe


Alle Zahlen und Rezensionen:

Reiches Erbe - Donna Leon   (320 Seiten)
Wut und Liebe - Martin Suter   (304 Seiten)
Die Unbändigen - Emilia Hart   (416 Seiten)
Rückkehr nach Crow Lake - Mary Lawson   (336 Seiten)
Der Gesang der Amsel - Linda Olsson   (256 Seiten)
Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt   (320 Seiten)
ë - Jehona Kicaj   (178 Seiten)
Das Leben fällt, wohin es will - Petra Hülsmann   (512 Seiten)

Neuzugänge:

  • Ruthchen schläft - Kerstin Campbell (Bücherschrankfund)
  • Frau Komachi empfiehlt ein Buch - Michiko Aoyama (Bücherschrankfund)
  • Pi mal Daumen - Alina Bronsky (Bücherschrankfund)
  • The Trials of Morrigan Crow (Nevermoor 1) - Jessica Townsend (neu gekauft)
  • Wundersmith (Nevermoor 2) - Jessica Townsend (neu gekauft)
  • Hollowpox (Nevermoor 3) - Jessica Townsend (neu gekauft)
  • Silverborn (Nevermoor 4) - Jessica Townsend (neu gekauft)
  • Himmelsee – Wo der Wind von Liebe erzählt (Himmelsee 2) - Tanja Janz (Rezensionsexemplar)
  • Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt (Rezensionsexemplar) 
     

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 8
Abgebrochene Bücher: -
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'642 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 88 Seiten
Bücher von Autorinnen: 7
Bücher von Autoren: 1
Autor*innenduos (oder Gruppen): 
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Neu gekaufte Bücher: 4
Gebraucht gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: 3
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 32
Aktueller SuB: 33
Differenz: + 1, der erste mini-Anstieg seit Mai 2025, verkraftbar, würde ich sagen

Rezension: Das Leben fällt, wohin es will

Das Leben fällt, wohin es will - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

TW: Krebs, Chemotherapie, Erbrechen/Übelkeit

Beschreibung des Verlages:
Party, Spaß und Freiheit - das ist für Marie das Allerwichtigste. Das ändert sich schlagartig, als ihre Schwester Christine schwer erkrankt und sie darum bittet, sich während der Behandlung um ihre Kinder zu kümmern. Und nicht nur das - Marie soll auch noch Christines Posten in der familieneigenen Werft für Segelboote übernehmen. Darauf hat sie überhaupt keine Lust, und auf ihren neuen »Chef«, den oberspießigen Daniel, erst recht nicht. Während Marie von einem Chaos ins nächste stolpert, wird ihr jedoch klar, dass es Dinge im Leben gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und dass manches einen ausgerechnet dann erwischt, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann - zum Beispiel die Liebe.

Inhalt:
In diesem Band der nur ganz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe (einzig Taxifahrer Knut hat seine regelmässigen - und in diesem Band leider ein wenig zu kurz kommenden - Auftritte) begleiten wir Marie dabei, wie sie von der in den Tag hinein lebenden Party-Queen zur verantwortungsbewussten Geschäftsfrau wird. Oder es zumindest probiert. Die Wandlung geschieht allerdings sehr unfreiwillig. Aus heiterem Himmel wird Marie von ihrer Schwester Christine über deren Krebserkrankung informiert. Die aktuell gerade alleinerziehende Christine bittet Marie ausserdem, zu ihr zu ziehen und ihr dabei zu helfen, sich um den Haushalt und die beiden Kinder Toni und Max zu kümmern. Maries Vater zwingt sie ausserdem, während Christines Genesung deren Job in der familieneigenen Werft zu übernehmen, dabei aber auf keinen Fall zu gross aufzufallen. Etwas, das Marie aber schon immer sehr schwer gefallen ist.

Meine Meinung:
Der bisher umfangreichste Band der Hamburg-Reihe kommt mit ungewohnt nachdenklichen Tönen daher und Christines Erkrankung, die Nebenwirkungen der Chemotherapie und die Ängste der ganzen Familie sind im Buch feinfühlig und detailliert beschrieben. Auch Maries sehr verständliche Überforderung mit den auftretenden Emotionen, der ganz neuen Verantwortung und ihre Probleme, sich aus nachvollziehbaren Gründen an die Regeln ihres Vaters zu halten, machen den Roman sehr nahbar. Ein wenig Mühe hatte ich mit den im Mittelteil leider auftretenden Längen und dem kurz vor Schluss noch einmal so richtig dramatischen romantischen Hin und Her. Marie habe ich hingegen sehr gerne gemocht und die Entwicklungen in ihrem Leben, die tiefgründigen und wertvollen Gespräche im Freundeskreis und die nicht zu kurz kommende Romantik haben mich sehr gut unterhalten. Ausserdem kann das Buch wieder mit einer grossen Portion Hamburgliebe überzeugen und hat direkt mein Fernweh nach der wunderbaren Stadt sehr intensiv geweckt.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich einfach gut unterhalten, berührt und mein Fernweh nach Hamburg geweckt. Die Stadt möchte ich unbedingt bald wieder einmal besuchen. Ausserdem freue ich mich schon auf den nächsten Band der Reihe und hoffe, dass Taxifahrer Knut dort wieder ein wenig mehr mitmischen darf.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 512 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19196-3

Rezension: ë

ë - Jehona Kicaj

Beschreibung des Verlages:

Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Sie wächst in Deutschland auf, geht in den Kindergarten, zur Schule und auf die Universität, sucht nach Verständnis, aber stößt immer wieder auf Zuschreibungen, Ahnungslosigkeit und Ignoranz.
Als der Kosovokrieg Ende der 90er-Jahre wütet, erlebt sie ihn aus sicherer Entfernung. Doch auch in der Diaspora sind Krieg und Tod präsent – sie werden nur anders erlebt als vor Ort.
Der Roman »ë« erzählt von dem in Deutschland kaum bekannten Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.

Inhalt:
Die namenlos bleibende Erzählerin dieses Romanes leidet an Bruxismus, Zähneknirschen. Sie knirscht so intensiv, dass sie morgens Splitter ihrer Zähne im Mund hat. Schnell wird klar, dass die erlebte Flucht aus dem Kosovo und die dadurch entstandene Sprachlosigkeit sich auf diese Weise körperlich bei ihr zeigen. Zufällig stösst sie auf die Vorlesungsreihe einer Forensikerin, die sich in verschiedenen Kriegsgebieten der Knochen und Zähne getöteter Menschen annimmt, um deren Hinterbliebenen die Möglichkeit zum Trauern und den Ermordeten ein würdevolles Begräbnis zu schenken. Die Protagonistin erkennt dabei, wie das Suchen und Forschen nach Knochen oder nach Sprache, nach Aufklärung und Frieden, nach Versöhnung und Linderung sich ähneln.

Meine Meinung:
Jehona Kicaj gehört definitiv zu meinen Entdeckungen des Jahres. Nachdem ich sie im Mai (gemeinsam mit der lieben Angie) bei den Solothurner Literaturtagen während einer Lesung und eines Podiums erleben durfte, war mir klar, dass ich ihren Debütroman lesen wollte und ich bereue es nur ein wenig, dass ich mir das Buch nicht direkt vor Ort habe signieren lassen. Neben ihrer unglaublich präzise und eindringlich beschreibenden Sprache und der grandiosen Symbolik des Romans hat mich vor allem Kicajs auch in Solothurn wahrnehmbare klare Haltung beeindruckt. Unter anderem hat sie nämlich ihre dortige Lesung dafür genutzt, um Peter Handkes Genozidleugnung zu verurteilen, was leider so wenige Autor*innen machen.
Besonders berührt haben mich die Szenen direkt nach der Ankunft in Deutschland, wo die Protagonistin in der Schule von absolut nicht im Umgang mit traumatisierten Kindern geschulten Lehrkräften vorgeführt und retraumatisiert wird. Es hat mich an meine eigene Schulzeit und die so vielen aus dem Kosovo geflüchteten Kinder in unserem Schulhaus erinnert. Wie sie gedemütigt worden sind, wie sie mitten im Unterricht in Tränen ausgebrochen sind, wie sie tagelang fehlten, wie sie gegen die Rückführung (in der Schweiz so brutal "Ausschaffung" genannt) gekämpft haben und wie die meisten von ihnen plötzlich nicht mehr auftauchten, weil sie das Land verlassen mussten. Wie wir alle nicht verstanden haben, was da eigentlich geschieht und wie dann, als sie weg waren, die Lehrer sich darüber lustig machten und uns sagten, es sei ihnen nur recht geschehen.

Schreibstil und Aufbau:
Kicaj schreibt ihre Szenen so, dass man beim Lesen ganz nahe bei ihrer Protagonistin und mitten im Geschehen ist. Und die Szenen springen zwischen dem Alltag, den Erinnerungen der Erzählerin und ihren Erlebnissen im Kosovo hin und her. Wir befinden uns beim Zahnarzt im Wartezimmer oder auf dem Behandlungsstuhl und dann erinnern wir uns an den Grossvater und dessen Abwesenheit. Wir begleiten Elias, den Freund der Protagonistin, durch eine Ausstellung und hören ihn unbedachte Äusserungen zu Krieg und Flucht und Heimat machen und sind dann plötzlich in einem Hörraum, wo wir einer Vorlesung in Forensik lauschen. Die Szenen greifen nahtlos und stimmig ineinander und Kicaj erzählt eine Geschichte des Krieges, des Vermissens, der Ungerechtigkeit und des Ankommens nach einer Flucht in einem rassistisch geprägten Land. Von der Suche nach der eigenen und der neuen Sprache, einem Weg, zu erzählen, was geschehen ist, Worte zu formen statt sie zwischen den Zählen zu zermalmen und einzustehen für sich selber.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist so wertvoll und berührend geschrieben und beim Lesen hatte ich stets die warme, freundliche Stimme der Autorin im Ohr, was natürlich geholfen hat. Und doch wird natürlich die Geschichte eines furchtbaren Krieges erzählt und es ist wichtig, dass wir darüber lesen und uns darauf einlassen. Ich hoffe sehr, bald wieder ein Buch aus Kicajs Feder lesen zu dürfen und lege euch in der Zwischenzeit ihren Erstling ans Herz.

Zusätzliche Infos:
Titel:
ë
Autorin: Jehona Kicaj, geb. 1991 in Kosovo und aufgewachsen in Göttingen, studierte Philosophie, Germanistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Hannover. Nach wissenschaftlichen Publikationen erscheinen von ihr seit 2020 auch literarische Texte. Sie ist Mitherausgeberin der Anthologie »›Und so blieb man eben für immer‹. Gastarbeiter:innen und ihre Kinder« (2023). Mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman »ë« stand sie auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 176 Seiten
Verlag: Wallstein Verlag
Erschienen: 23.07.2025
ISBN: 978-3-8353-5949-9

Rezension: Das Glück beginnt in Istrien

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Gmeiner Verlag

Das Glück beginnt in Istrien - Silvia Trippolt

Beschreibung des Verlages:

Kein Job, keine Wohnung und ein Verlobter, der sich als Millionenbetrüger entpuppt. Rezeptionistin Linda lässt Graz hinter sich und flieht mit ihrem klapprigen Fiat Panda nach Istrien. Als ihr Wagen im Wald liegen bleibt, findet Trüffelsucher Marko mit Dackel Pino sie und bringt Linda in ein kleines B&B in Rovinj, einen Zufluchtsort für gestrandete Seelen. An der zauberhaften Adriaküste will Linda ihr Leben neu ordnen und beschließt, nie wieder einem Mann zu vertrauen. Doch als sie Marko erneut begegnet, funkt ihr Herz dazwischen.

Inhalt:
Nachdem ihr Leben gefühlt von einem Tag auf den anderen in sich zusammen gefallen ist, steigt Linda ins Auto und fährt ohne Rücksicht auf Verluste und ihre Umgebung einfach los, bis das Benzin ausgeht und sie mitten im Wald an einem unbekannten Ort strandet. Der Trüffelsucher Marko findet sie und bringt sie nach Rovinj ins B&B seiner Tante Daria. Darias Kochkünste, ihre Fähigkeit, zuzuhören aber auch im richtigen Moment zu schweigen und die anderen Bewohnenden des B&Bs entpuppen sich als äusserst heilsam. Linda muss zwar noch einige nicht ganz einfach Entscheidungen fällen und ihr Leben neu ordnen, aber mit den in Istrien geschlossenen Freundschaften, der tollen Verpflegung und dem entspannten Lebensstil, der an der Adria vorherrscht, hat sie die beste Unterstützung, die sie bekommen kann.

Meine Meinung:
Voller Vorfreude habe ich mich in dieses bunte Leseabenteuer gestürzt, schliesslich kenne ich ich einige (Küsten-)Regionen Kroatiens schon sehr gut, ausgerechnet nach Rovinj hat es mich aber noch nie verschlagen. Dies möchte ich nun aber ändern, so neugierig hat mich Silvia Trippolt auf das Küstenstädtchen gemacht. Einige von euch wissen ausserdem sicher, dass Hotels und B&Bs in Büchern mich immer abholen, weshalb es mir Daria mit ihrem B&B Vista Mare einfach angetan hat. Die Protagonistin Linda und ich sind zwar leider keine Freundinnen geworden, dafür haben mich die anderen Figuren für sich einnehmen können und die kurzweilige Geschichte hat mich trotz ihrem eher simplen Stil und ihrer Vorhersehbarkeit hervorragend unterhalten.

Schreibstil und Aufbau:
Besonders gut gefallen haben mir die wunderschönen und zum Träumen einladenden Beschreibungen der Küstenlandschaft und der Kulinarik. Trippolt zaubert ein gemütliches Urlaubsfeeling und zeigt, dass sie sowohl die Landschaft Istriens als auch die Gepflogenheiten der Region sehr gut kennt.
Das Buch ist so aufgebaut, dass nach und nach die Geheimnisse der Bewohnenden des B&B Vista Mare gelüftet werden. Vor allem Darias Geschichte hat mich dabei berührt. Dies waren aber leider die einzigen Szenen, in denen das Buch ein wenig tiefgründiger wurde. Ansonsten bleibt die Geschichte eher oberflächlich und vorhersehbar. Auch den Schreibstil habe ich leider als sehr schlicht und holprig empfunden, was ich aber auch ein wenig dem Lektorat anlaste. Sätze wie "Liebevoll nimmt sie eine Kammmuschel heraus, setzt sie auf ihre Handfläche und betrachtet sie liebevoll.", dürfen einer Lektorin einfach nicht durch die Lappen gehen. Ermüdende Wiederholungen finden sich vor allem auch am Anfang der Geschichte, während dem die Protagonistin in stets ähnlichen Worten über ihre miserablen Lebenssituation jammert. Ihr nie endendes Selbstmitleid und ihre unreife Art haben mich generell gestört. Dafür haben es mir Figuren wie Daria oder die Boutiquenbesitzerin Matea so richtig angetan. Sie beweisen, wie facettenreich Trippolt ihre Figuren und deren Lebensumstände eigentlich schildern könnte.

Meine Empfehlung:
Aller Kritik zum Trotz hat mich das Urlaubsfeeling begeistert und der sehr leichte Schreibstil sorgt dafür, dass man nur so durch die Geschichte rast und dabei auch immer mal wieder etwas über die Geschichte und Kultur von Rovinj erfährt. Das Buch ist also definitiv perfekt als kurzweilige Urlaubslektüre für heisse Sommertage geeignet.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Glück beginnt in Istrien
Autorin: Wenn die Adria ruft, antwortet die Kärntner Autorin und Gastronomin Silvia Trippolt. Nach ihrem Studium in Graz und Moskau arbeitete sie als Kulinarik- und Reisejournalistin und eroberte mit ihren Genussbüchern die österreichischen Bestsellerlisten. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem bekannten Spitzenkoch, führt sie das Restaurant „Trippolt Zum Bären“ in Bad St. Leonhard im Lavanttal, wo sie als Familie mit ihren gemeinsamen Söhnen und ihrem Dackel Pino leben. Zudem ist sie Chefredakteurin des „Alpe-Adria-Guides.“ Für den Gmeiner-Verlag schreibt sie unendlich sympathische Liebesromane mit mediterranem Vibe.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Gmeiner
Erschienen am: 10. Juni 2026
ISBN: 978-3-8392-8103-1

Rezension: Der Gesang der Amsel

Der Gesang der Amsel - Linda Olsson

Beschreibung des Verlages:

An einem Winterabend in Stockholm beobachtet der junge Künstler Elias, wie eine Frau in seinen Wohnkomplex einzieht. Doch nachdem sie ihre Tür geschlossen hat, wird sie nicht mehr gesehen. Ein fehlgeleiteter Brief bietet Elias schließlich die Gelegenheit, mit der Nachbarin Kontakt aufzunehmen. Doch in dem dunklen Apartment rührt sich nichts. Elisabeth will allein sein, und ihre einzige Gesellschaft sind die ungebetenen Geister der Vergangenheit. Elias gibt allerdings nicht so schnell auf und spannt seinen Freund, den älteren Witwer Otto, dazu ein, Elisabeth ins Leben zurückzuholen. Und während der Frühling zum Sommer reift, entspinnt sich zwischen den dreien eine zarte Freundschaft.

Inhalt:
Elisabeth hat sich direkt nach ihrem Einzug kaum mehr aus ihrer Wohnung gewagt. Doch ihr Nachbar Elias beginnt, vorsichtig mit ihr in Kontakt zu treten. Als Dank für eine kleine Geste, erhält er von Elisabeth überraschend ein Buch geschenkt. Eines, das er sich mühsam erarbeiten muss und das ihn dazu inspiriert, sich weiterhin mit Elisabeth auszutauschen. Bücher, Bilder, Texte und Tischgespräche bauen Brücken in diesem leisen Roman. Brücken zwischen Menschen, Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, Brücken zwischen Tag und Nacht, Einsamkeit und Verbundenheit.

Meine Meinung:
Ich hatte keine Ahnung, was dieses Buch für mich bereithalten würde und habe es lediglich aufgrund des Titels und Covers aus dem Bücherschrank befreit. Bekommen habe ich eine in sanften Tönen erzählte Geschichte über das Leben und das Lieben sowie über die Faszination des Lesens und der Literatur. Zarte Gesten bringen Menschen einander näher, Fremde sind fürsorglich und verbinden sich irgendwann in einer sich langsam entwickelnden Freundschaft, die vom stetigen Ruf der Amsel vor dem Fenster begleitet wird.
Elisabeth, die sich anfangs in ihrem Apartment verkriecht, trägt einen grossen Schmerz mit sich herum, über den wir beim Lesen langsam mehr und mehr erfahren. Aber auch Elias und Otto haben schon einige Schicksalsschläge überlebt und wissen genau, wie wichtig es ist, achtsam miteinander umzugehen.
Es sind kleine, unaufgeregte Taten, welche die Figuren dieses Romans einander näher bringen. Zwischen den Zeilen lässt sich dabei noch so viel mehr Geschichte und Tiefe erahnen, als im Text ausformuliert ist und der flüssige, poetische Schreibstil lässt mit einer traumwandlerischen Sicherheit am Geschehen teilhaben und erweckt die drei so liebenswert erzählten Figuren zum Leben.

Meine Empfehlung:
Ich bin so froh, dass ich diesen leisen, poetischen Roman aus dem Bücherschrank mitgenommen und für mich entdeckt habe. Von Linda Olsson möchte ich unbedingt noch weitere Bücher lesen und empfehle euch "Der Gesang der Amsel" von ganzem Herzen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Der Gesang der Amsel
Originaltitel: The Blackbird Sings at Dusk
Autorin: Linda Olsson, geboren in Schweden, studierte Jura und arbeitete im Finanzgeschäft. Sie lebte in Kenia, Singapur, Japan und England und hat sich schließlich mit ihrem Mann in Neuseeland niedergelassen. Mit ihrem Debütroman »Die Dorfhexe« gelang ihr sofort der Sprung auf die internationalen Bestsellerlisten. Heute pendelt die Autorin zwischen Neuseeland und Schweden.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Meredith Barth
Taschenbuch, Broschur: 256 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 08.02.2022
ISBN: 978-3-442-77151-6