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Ein paar andere Gedanken zum Tag der Frau

"Warum wartest du immer, bis jemand anderes den Halteknopf im Bus betätigt, wenn du abends nach Hause fährst?", ist eine Frage, die mit oft gestellt wird.
"Warum trägst du deine Schlüssel stets wie eine Waffe in der Hand?", eine andere.

Tatsache ist, dass ich keine Frau in meinem Alter kenne, die stets ohne Angst nach Hause geht. Fast jede meiner Freundinnen, Cousinen, Kommilitoninnen hat eine oder mehrere Strategien entwickelt, wie sie sich abends - oder generell alleine unterwegs - verhalten und so sicherer fühlen kann.
Den Schlüssel in der Hand, den Pfefferspray in der Manteltasche, das Handy am Ohr haltend, vielleicht telefonierend mit dem Bruder, Freund, der besten Freundin, Mutter... Den Halteknopf im letzten Moment gedrückt, das Fahrzeug im letzten Moment verlassen, damit niemand unauffällig folgen kann.
Licht im Treppenhaus, barfuss auf dem Heimweg, damit man schneller rennen könnte und damit niemand die Schritte hört.
Wer kennt sie nicht, die Bitte an wildfremde Frauen, welche in die gleiche Richtung müssen. Ob man ein Stückchen zusammen gehen, kurz plaudern könne. Wer kennt sie nicht, die Frage an die Unbekannte an der Busstation, ob sie noch weit müsse, jemanden hätte, den sie anrufen könne, wenn sie sich fürchte.
Die Nachbarn kennt man, man weiss, wer in welchem Haus wohnt, mit wem man notfalls mitgehen könnte. Welches Auto zu wem gehört.
Wer kennt nicht dieses Gefühl der Schritte, welche näher kommen, schneller werden, des Atems, den man fast im Nacken spürt. Wer kennt nicht den Sprint zum Zuhause, das erleichterte Aufatmen, wenn die Wohnungstür hinter einem ins Schloss fällt.

An diesem Tag der Frau wollen wir dafür einstehen, dass Leistungen unserer Vorgängerinnen gewürdigt und anerkannt werden. Auch unsere Leistungen. Dass Menschen nicht gleich sind, aber gleiche Rechte haben sollen, gleiche Möglichkeiten und vor allem, dass sie aufgrund ihrer Ähnlichkeiten und nicht ihrer Unterschiede bewertet werden. So, wie wir immer schon dafür einstehen.

Aber wir wollen ausserdem einmal mehr daran erinnern, dass ein "Nein" ein "Nein" ist. Dass kein Mensch ein Recht hat, einen anderen Menschen ohne Einladung und ausdrückliche Erlaubnis zu berühren oder mehr. Wir wollen unseren Brüdern, Vätern, Freunden und Söhnen mitteilen, wie lähmend Angst sein kann und dass ein entsetztes Schweigen oder ein panisches Stehenbleiben kein "Ja" ist, sondern ein stummes "Nein".
Und wir wollen vor allem uns selber und unseren Mitmenschen aufzeigen, dass es erlaubt ist, auch im letzten Moment einen Rückzieher zu machen, dass es wichtig ist, auf unseren Prinzipien zu beharren und auf unser Bauchgefühl zu hören. Dass niemand mit dem Finger auf uns zeigen und eine jegliche Tat mit unserem Wesen und Aussehen rechtfertigen darf. Vor allem keine anderen Frauen. Die einfach nur Glück hatten, zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren oder ausnahmsweise verschont blieben. Denn solange Frauen andere Frauen veruteilen für das, was ihnen geschehen ist, werden Frauen nie stark sein, sondern immer schwach. Weil sie sich gegenseitig schwächen.

Und wir wollen voller Überzeugung dafür einstehen, dass niemand ein Recht hat, uns zu nahe zu treten, zu benutzen und danach mit dem Finger auf uns zu zeigen. Uns zum Schuldigen zu machen und zu verhöhnen, uns vor Gericht aus Mangel an Beweisen ohne Genugtuung ziehen zu lassen, alleine mit dem geschändeten Körper und der zerbrochenen Seele.
Unabhängig davon, wie kurz unser Rock, wie weit ausgeschnitten unser Shirt war.

Dafür möchte ich heute kämpfen, daran möchte ich heute glauben.

Weihnachtsstimmung

 
Endlich wurde es kalt, der erste richtige Schnee fiel, die Weihnachtsdekorationen in den Städten wurden aufgehängt und sogar ich habe es geschafft, ein wenig zu dekorieren. Freut ihr euch auch schon so lange auf Weihnachten? Ich persönlich beginne jeweils schon im August, mich auf Weihnachten zu freuen (im April konnte ich es zum Glück gerade noch unterdrücken) und mache mir Gedanken zu Geschenken und kleinen Aufmerksamkeiten, die ich meinen lieben Mitmenschen zukommen lassen kann. Dabei denke ich nicht an riesigen Konsumschrott, den man nur schenkt, damit man sich gegenseitig beeindrucken kann, sondern an kleine Dinge, die den Alltag versüssen können und einfach nur Freude bereiten.

Dann gehört für mich ganz viel Licht zur Weihnachtszeit. Gerade jetzt, wo die Tage wirklich langsam
dunkler werden, können so ein paar Kerzen unglaublich viel Magie versprühen (auch wenn meine Wäsche immer noch ab und zu auf dem Balkon an der Sonne trocknet). Vor allem lange Leseabende und Abende, an denen ich mich um meine Masterarbeit kümmern muss oder vielleicht auch einfach nur einen Film schauen will, werden von Kerzenlicht erfüllt. Auch Weihnachtsmärkte, Glühwein und gebrannte Mandeln gehören für mich an Weihnachten einfach dazu.

In diesem Jahr werde ich zudem zum ersten Mal nicht in der Schweiz bei meiner Familie Weihnachten feiern, sondern bei der Familie des Liebsten in Bosnien. Ich freue mich schon sehr darauf und bin gespannt auf den Winter dort. Denn bis jetzt kenne ich nur den bosnischen Sommer. Ich hoffe auf viel Schnee, Kälte und Besinnlichkeit.

Und auch wenn gewisse Mitmenschen - man nennt sie auch Spassverderber - so gar nichts an Weihnachten finden können, weil sie den Konsumrausch kritisieren, die aufgesetzte Freude, die gespielte Liebe, die übertriebenen Spendenaktionen und so oder so nur in allem das Schlechte sehen, so konzentriere ich mich auf die schönen Seiten von Weihnachten. Die Ruhe, das Licht, das Beisammensein. Ich freue mich darauf, zwischen den Jahren Zeit tanken zu können, mich ein wenig zu entspannen, viel Zeit mit meiner Familie und der Familie des Liebsten verbringen zu können und zu feiern. Unabhängig von Religion und Glauben ist nämlich Weihnachten ein Fest der Liebe, das von allen gefeiert werden darf und auch wenn die Spendenorganisationen dies zu ihrem Zwecke ausnutzen, so finde ich doch nichts Schlechtes dabei, wenn wenigstens einmal im Jahr gespendet oder auch überhaupt nur einmal im Jahr zusammen gegessen, getrunken, gelacht und gefeiert wird und wenn die Zwiste schweigen. Lieber einmal als keinmal.

Und in diesem Sinne noch eine frohe, helle und stressfreie Advents- und Weihnachtszeit euch allen.
Herzlich
Livia

Ein Licht für den Frieden


Nach stillen und sprachlosen Tagen fühle auch ich das Bedürfnis in mir, ein paar Worte mit euch zu teilen, obwohl schon so viel gesagt und geschrieben worden ist und wer mag und mein Friedenslicht in die Welt hinaus tragen will - und darum bitte ich - darf sich selbstverständlich an Text und Bild bedienen. Gerne mit Verweis auf die Quelle.

Wahrscheinlich ist es für uns alle - vielleicht zum Glück - unvorstellbar, was es bedeutet, keine Zukunft und keine Chancen im eigenen Land zu sehen. Zu wissen, dass die eigenen Kinder auf der Strasse leben werden müssen, nie eine Heimat haben dürfen, stets dazu verdammt sein werden, auf der Flucht zu sein... Unvorstellbar. Ständig an Leib und Leben bedroht zu sein, täglich hunderte Menschen sterben zu sehen und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder Bildung zu haben... Undenkbar.

Aber genau dann, wenn Menschen unter solchen Bedingungen leben und sterben müssen, suchen sie Erfüllung und Kraft im Glauben und der Religion oder zumindest in der Spiritualität und Meditation. Bis hierhin können wir wohl alle folgen, ja, kennen vielleicht diese Suche nach Erfüllung von uns selber aus Situationen, in denen wir uns von der Welt verlassen gefühlt haben.

Bei extemer denkenden Menschen wird Religion zu Obsession. Und gerade in Ländern, in denen sich Menschen vielmehr als hier im "Westen" durch ihre Religion und den persönlichen Glauben definieren und von anderen abgrenzen, kann dies noch schneller geschehen. Und dann geschieht auch, was immer in der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit geschieht; man sucht nach Gründen, Antworten, Verantwortlichen, Schuldigen, Sündenböcken. Da wird schnell einmal unter anderem der Westen und seine Werte, sowie die scheinheilige Aussenpolitik (Stichwort Waffen und Erdöl, aber auch "gezielte" Einsätze in Krisengebieten) - manchmal sogar zu recht - verantwortlich gemacht für die eigene Lebenssituation.

Summiert sich nun dies alles auf und formieren sich Gruppen, die der Jugend im eigenen Land und auf der ganzen Welt scheinbare Erlösung von allem Leid, eine Ideologie und ein Ziel, ein gemeinsames Feindbild und eine Idee, für die es sich zu kämpfen lohnt, versprechen, landen wir da, wo wir jetzt sind.

Dass Menschen mit einer von eigenen korrupten Regierungen und Organisationen und von anderen Ländern und Mächten zerstörten Gesellschaft, mit zerbrochenen Träumen, ohne Sicherheit und Hoffnung, permanent mit dem Bild von Reichtum und Luxus der "anderen" und der eigenen, im Vergleich dazu aussichtslosen, Lebenssituation vor Augen, sich nun auflehnen und für eine bessere Zukunft, ein besseres Leben und persönlichen Frieden kämpfen wollen, verstehe ich. Dass sie sich dabei zusammen tun und weltweit organisieren, scheint einleuchtend.
Dass sie aber davon überzeugt sind, ihren Frieden nur zu finden, indem sie anders denkende, fühlende und handelnde Menschen auf bestialischste Art und Weise foltern, verstümmeln und ermorden, dass sie sich über alle geltenden Regeln, Grenzen und Gesetze hinwegsetzen und einen eigenen Staat gründen und verteidigen wollen, in dem es keine Menschlichkeit mehr gibt und dass sie diese Taten und Ziele mit einer Religion verbinden begründen  und rechtfertigen, ist auf das Schärfste zu verurteilen und da hört bei mir alles und jedes Verständnis auf.

Hilflos, wortlos, ohnmächtig sitze ich da und verfolge, was auf der Welt und nun aktuell in Frankreich passiert und lebe in der ständigen Angst, von weiteren Schreckensnachrichten erreicht zu werden. Was bis jetzt nicht in unmittelbarer Nähe geschehen ist und somit auch für uns nicht immer fassbar war - wenn es auch immer schon so schwerwiegend und dramatisch war - macht nun auch vor Europa, vor unserer Haustüre, unserem scheinbar sicheren Leben, nicht halt. Und auch wenn ich verstehe, dass Menschen ohne jegliche Hoffnung manchmal zu heftigen Mitteln greifen und auch wenn ich dem "Westen" eine gewisse Schuld an der aktuellen Situation auf diesem eigentlich so schönen Planeten wirklich nicht absprechen kann, so gibt es doch keine Entschuldigung, für alles, was geschehen ist. Erst recht nicht wenn man bedenkt, dass diese von Machthabern geschaffenen Ausgangslagen nicht von einzelnen Menschen verändert werden können und dass sich sämtliche angestaute Wut und jeglicher Hass immer gegen die Falschen richtet. Gegen unschuldige Zivilisten. Einmal mehr. Wie es auch in Syrien die Zivilisten trifft. Einmal mehr.

Und dieser Kreislauf der zu Unrecht getöteten und blind und rasend vor Wut rächenden Menschen auf allen Seiten kann nicht mit Gewalt durchbrochen werden. Frieden lässt sich nicht mit Waffen erzwingen, Frieden herrscht nicht, Frieden entsteht in und um uns nur, wenn jeder bei sich selber beginnt und wenn dieser Frieden behütet, gepflegt und immer weiter getragen wird.

Heute melde ich mich hier und jetzt zu Wort, weil heute bereits so viele den Attentätern zustimmende Posts hundertfach geteilt worden sind. Heute habe ich Zustimmung von Extremisten gelesen, gesehen und gehört und dies trifft mich schlimmer als jede Schreckensmeldung in den Medien. Genau so mächtig und fatal ist aber auch die fremdenfeindliche und abschottende Bewegung, die nicht differenziert und alle Muslime in einen Topf wirft, die verurteilt, verachtet und damit verletzt und provoziert. Die Flamme des Hasses greift um sich, züngelt, brennt und zerstört alles, was sich ihr in den Weg stellt und so lange diese Flamme geschürt wird, so lange es auch hier so viele Menschen gibt, die an einen "heiligen Krieg" glauben und daran, dass die richtigen den Tod gefunden haben, so lange auch nur ein paar Menschen auf der ganzen Welt unterstützen und bejubeln, was geschehen ist, wird sich nichts ändern.

Reichen wir uns also die Hand, virtuell und auch im täglichen Leben, zünden wir ein Friedenslicht an, teilen wir unsere Gefühle und Emotionen, stehen wir zusammen und glauben weiter an die Hoffnung  und tragen unsere Anteilnahme und unsere Trauer weit in die Welt hinaus. Grenzen wir uns nicht ab, sondern öffnen wir uns. Suchen wir die Kommunikation und lassen die kleine und zerbrechliche Flamme des Friedens im Schutz unserer vorgehaltenen und ineinander verschränkten Hände wachsen und zu einem grossen, kräftigen, Trost und Hoffnung spendenden und nie erlöschenden Licht werden und die ganze Welt erhellen.

Schämt euch, ihr "Menschen"

Mein Wohnzimmer
„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Dieses Zitat von Heinrich Heine aus seiner 1823 erschienenen Tragödie "Almansor", die ich leider noch nicht gelesen habe, kennt wohl jeder, der sich ein wenig mit Geschichte und Literatur befasst hat. Dass es aber immer noch Menschen gibt, die nichts aus der Geschichte gelernt haben, beweist dieses Erlebnis:

Es war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, als ich mich kurz nach Mitternacht von einer guten Freundin verabschiedete und den Weg nach Hause in meine Wohnung unter die Füsse nahm. Weil am Mittwochmorgen Altpapiersammlung in Bern war, stapelten sich bereits in dieser Nacht Berge von Papier und Karton in den Hauseingängen. Es begann gerade zu regnen und ich rief meine Freundin an, um ihr mitzuteilen, dass ich nun doch nass werden würde. Als ich nämlich bei ihr das Haus verlassen hatte, machten wir noch Witze darüber, dass es sicher zu regnen beginnen würde, sobald ich unterwegs zu mir sei. Und genau so war es. Ich wollte ihr gerade zum letzten Mal eine gute Nacht wünschen, als ich an diesem unendlich grossen Stapel Papier vorbeiging. Mir stockte der Atem, als ich sah, dass er hauptsächlich aus Büchern und dem Kunstmagazin "art" bestand. Mehrheitlich Bücher von Dostojewski, Mann, Hemingway, Tolstoi, Böll, Keller, Hohler, Süskind, Goethe...also fast alles Weltliteratur, die man auf keinen Fall einfach so verbrennen durfte. Die acht riesigen Stapel konnte ich unmöglich nach Hause schleppen, also galt es sich zu entscheiden. Ich traf die Entscheidung schweren Herzens mit Hilfe meiner Freundin, beendete dann das Telefonat und machte mich bepackt mit den Bücherstapeln wieder auf den Weg. Zu Hause in meiner Wohnung angekommen bemerkte ich, dass es noch stärker zu regnen begonnen hatte und dass ich noch meinen Müll und mein eigenes Altpapier raus bringen musste. Also schnappte ich mir eine riesige Einkaufstasche, brachte meinen Abfall nach unten und ging wie unter Strom wieder zurück zum riesigen Altpapierstapel. Ich konnte die Bücher einfach nicht im Regen liegen lassen. Also bepackte ich mich und die Tasche mit dem Rest der Bücher und mit einem ganzen Stapel des Kunstmagazins und schleppte auch diese Last nach Hause.
Dann breitete ich alles auf dem Wohnzimmerboden aus. Es war mittlerweile schon fast ein Uhr und meine Arme schmerzten, meine Finger waren klamm von der Kälte und den Schnüren, welche die Bücher zusammen gehalten und tief in die Haut eingeschnitten hatten und es regnete noch stärker.
Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem fiesen Muskelkater in den Armen und mit einem Wohnzimmer, das mit Büchern gefüllt war.

Aber ich hatte die Bücher gerettet und wenn ich euch alle diese Geschichte erzähle, dann erzähle ich sie, damit ihr euch Gedanken dazu macht, wie ihr mit dem umgeht, was ihr nicht mehr wollt und benötigt. Es geht nicht nur um Bücher, aber es geht mir natürlich vor allem um Bücher. Es gibt so viele Orte, an denen man verschiedenste Gegenstände gratis deponieren und abholen lassen kann. Auch ist es in den meisten Wohnhäusern möglich, Dinge im Treppenhaus hinzustellen und mit einem "zum Mitnehmen"-Schild zu versehen oder sonst kann man gerade Bücher und andere kleinere Gegenstände einfach in Kartonschachteln an die Strasse stellen.

Wir alle können mitbestimmen, was im Abfall landet und definitiv verbrannt wird und meiner Meinung nach ist es unsere menschliche Pflicht, die Menge der weggeworfenen Gebrauchsgegenstände so klein wie möglich zu halten.

Die Bücher habe ich übrigens immer noch nicht alle sortiert und in Augenschein genommen. Sie werden dann auch erst in der Septemberstatistik erscheinen, weil ich mir zuerst Gedanken dazu machen will, welche ich behalten und verschenken und welche ich ins Treppenhaus oder vielleicht auch Internet stellen kann und will.

Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und morgen einen guten Start in den September und in die neue Woche
Livia

Short stories 2014 - Freundschaft

Bine von Was eigenes und Andrea von jolijou hatten eine absolut tolle Idee, sie wollen ihre und unsere Blogs ein wenig mit erfrischenden und akutellen Themen aufpeppen. Dass man immer ein wenig im selben Trott bleibt oder aus Bequemlichkeit nur noch Bilder, statt Texte postet, kennen sicher viele Bloggerinnen und Blogger. Die zwei inovativen Frauen appellieren darum an unsere eigene Kreativität und fordern mehr Texte. Selbst geschriebene, ehrliche, persönliche und ganz unterschiedliche Texte.
Dazu veröffentlichen sie jeden Monat ein Thema, das aber nicht Vorgabe, sondern Anregung sein soll. Die Beiträge zu den jeweiligen Themen werden gesammelt und veröffentlicht, so kann man sich alle Beiträge von anderen Bloggerinnen und Bloggern anschauen. Im Januar war das Thema "Gute Vorsätze" vorgegeben, im Februar ist es nun "Freundschaft". Man kann übrigens das ganze Jahr hindurch Beiträge zu den verschiedenen Themen veröffentlichen, die Fenster dazu bleiben offen.
Hier geht es zu den Regeln und nun mache ich mich an den Text zum Thema "Freundschaft".




Wenn man Menschen fragt, was ihnen wichtig ist, so werden Freunde häufig direkt vor oder nach Familie und Partner genannt. Aus dieser Aufzählung kann man entnehmen, dass Freunde oder Freundschaft wohl für alle Menschen eine ziemlich grosse und wichtige Bedeutung haben. Doch was ist so wichtig an einer Freundschaft und wann ist ein Bekannter ein Freund?
In einer Zeit, in der es so einfach wie nie ist, eine Beziehung zu Menschen auf der ganzen Welt zu pflegen, verringert sich der Aufwand, um miteinander in Kontakt zu bleiben.
Meine damalige beste Freundin aus der Schule zog nach der ersten Klasse für vier Jahre nach Ghana. Wir schrieben uns hunderte von Briefe, wovon einige nicht und andere mit sehr grosser Verzögerung ankamen. Auch Mails nutzten wir zur Kommunikation. Aber da das Tastaturschreiben uns beiden noch grosse Mühe bereitete, kehrten wir immer wieder zu den Briefen zurück. Als meine Freundin in der sechsten Klasse wieder neben mir im Klasseszimmer sass, hatten wir uns unglaublich viel zu erzählen und wir schrieben uns weiterhin Briefe. Dies taten wir, weil wir merkten, dass wir uns und unsere Freundschaft sich verändert hatte. Indem wir uns weiterhin Briefe schrieben, konnten wir wichtige Erlebnisse verarbeiten und besprechen, während wir uns im realen Alltag erst wieder neu kennen lernen mussten. Irgendwann hörten wir auf, uns Briefe zu schreiben. Wir sehen uns nun nicht mehr so häufig, telefonieren ab und zu, schreiben uns SMS und Whatsapp-Nachrichten und sind uns dabei trotzdem so nahe, wie nur möglich. Die gemeinsamen Jahre haben uns zusammen geschweisst, die tränenreichen Wiedersehen zu Beginn und die Trennungen nach den Sommerferien, wenn meine Freundin wieder nach Afrika reiste, haben unsere Freundschaft stark gemacht.
Auch wenn ich andere Freundinnen und Freunde gefunden habe, mit denen ich mehr Zeit verbringe, die ich eher einmal um Mitternacht anrufe oder denen ich immer sofort alles erzähle, so bleibt diese langjährige Freundschaft immer noch bestehen. Und auch wenn wir uns wohl nicht mehr als beste Freundinnen bezeichnen würden, so werden wir nie vergessen, was wir aneinander haben.

Ich habe sehr viele Freundinnen und Freunde, was ich toll finde. Fast alle davon könnte ich jederzeit anrufen, fast alle davon haben ein Bett oder Sofa, auf dem sie mich übernachten lassen würden und ich vertraue allen davon. Wenn ich einem Menschen nicht vertraue, bezeichne ich ihn nicht als Freund, sondern als Bekannten. Und davon habe ich auch ganz viele. Trotzdem ist es mir lieber, wenn Bekannte zu Freunden werden.
Meine beste Freundin hat das selbe Gymnasium besucht, wie ich. Wir waren nicht in der selben Klasse, aber im gleichen Jahrgang. Ich kannte sie schon vor der Gymizeit, weil sie bei der selben Flötenlehrerin Unterricht hatte, wie ich. Dort war unser Kontakt noch nicht so intensiv. Als wir aber beide in Klassen kamen, in denen wir fast niemanden kannten, waren wir sehr froh, dass wir uns im Kantiorchester trafen und von da an in jeder Probe, bei jedem Konzert und jeder Kozertreise, jedem Musiklager, in jedem Projektorchester nebeneinander sassen. Es entwickelte sich eine ganz intensive Freundschaft und auch wenn sie jetzt in Zürich und ich in Bern studiere, so treffen wir uns doch mindestens einmal im Monat und telefonieren sehr viel. Wenn ich sie wegen einer kleinen Sache anrufe, so telefonieren wir mindestens eine Stunde und ich weiss mit Sicherheit, dass sie meine Trauzeugin sein wird, wenn ich irgendwann einmal heirate (sie weiss dies erst inoffiziell :-) ).

Vor kurzem habe ich im Bus eine interessante Unterhaltung mitverfolgt. Es ging dabei darum, seinen Schwarm anzusprechen, kann aber auch auf Freundschaften übertragen werden.
Zwei Mädchen im Alter von vierzehn/fünfzehn Jahren diskutierten, welcher Junge zu ihnen passen würde und wie sie ihn ansprechen könnten. Facebook, SMS, Whatsapp?
Und da sagte eines der Mädchen folgende - dem Sinn nach zitierte - Worte: "Eigentlich ist es schon krass. Unsere Grosseltern mussten früher einen Brief schreiben, wenn sie etwas mitteilen oder sich mit jemandem verabreden wollten. Vielleicht konnten sie noch telefonieren, aber das war viel teurer. Also konnte man nichts kurzfristig abmachen oder absagen und wenn man einen Jungen ansprechen wollte, musste man ihm zuerst ein Briefchen schreiben. Das braucht doch viel mehr Überwindung als eine schnelle SMS." So ging das noch eine Weile weiter und diese junge Frau hat genau das angesprochen, was ich mir jedes Mal denke, wenn ich ein Brief oder eine kleine Nachricht schreibe. Wie viele Gedanken muss man sich heute noch machen, wenn man jemanden kontaktieren muss oder will? Es ist doch wirklich alles zu einfach. Warum soll man sich denn überhaupt die Mühe machen eine Freundschaft ernsthaft zu pflegen, wenn man mit einer oberflächlichen Nachricht erstens einmal mehrer Menschen gleichzeitig informieren und berücksichtigen kann und zweitens sich nicht so viele Gedanken über richtig gewählte Worte machen muss?
Eine Freundschaft braucht aber genau so viel Pflege, wie eine Beziehung. Und weil ja eigentlich alle wissen, dass die Facebookfreunde nicht die sind, die in schweren Momenten mittragen helfen, ist es um so wichtiger, zu wissen, wer seine Freunde sind.

Wahrscheinlich ist es also schlussendlich egal, wie viele Freunde man hat, Freunde sind schliesslich kein Statussymbol und die Anzahl der Freunde sagt auch nichts darüber aus, wie ernsthaft diese Freundschaften sind und wie beliebt man persönlich ist.
Viel schöner ist es doch, wenn man genau weiss, dass man Freunde hat, denen man vertrauen kann und die immer da sind, wenn man sie braucht.

Mein Liebesroman-Projekt

Hallo zusammen

Wer meinen gestrigen Post gelesen hat weiss, dass mich "Ein ganzes halbes Jahr" nicht so sehr berühren konnte. Generell ist mir aufgefallen, dass ich zwar im Kino oder zu Hause bei jedem (jedem!) Liebesfilm und bei sehr vielen Theateraufführungen und Operninszenierungen mit dem Thema Liebe (also auch fast immer) weine oder zumindest sehr berührt bin.
Bei Büchern passiert mir das vergleichsweise selten mit Liebesgeschichten. Natürlich weine ich, wenn die Geschichte sehr traurig ist, aber nicht aus Rührung oder weil ich die Liebesgeschichte so schön finde, sondern weil das Buch eben halt einfach traurig ist.
Ich kann im Moment aus den in diesem Jahr gelesenen Büchern gerade einmal drei Bücher nennen, die mich aufgrund ihrer wunderschönen Liebesgeschichte zum Weinen gebracht haben. Das waren Der Märchenerzähler, Deine Juliet und Štěpán Tage der Wahrheit in Prag.

Ich würde mich als absolute Romantikerin bezeichnen, die sich sehr gut in Menschen und Geschichten einfühlen kann und so müsste es mir doch möglich sein, mich von Liebesgeschichten berühren zu lassen. Oder nicht?

Und genau hier brauche ich eure Hilfe, eure Ratschläge, eure Erfahrungen.
Hinterlasst mir bis am 9.11.2013 um 24.00 Uhr einen Kommentar unter diesem Post, in dem ihr mir den schönsten, berührendsten und aussergewöhnlichsten Liebesroman nennt (bitte nur ein Buch pro Person nennen), den ihr je gelesen habt. Sagt mir bitte auch, welches Buch zum Thema Liebe ihr schon immer einmal lesen wolltet, im Gewinnfall werde ich euch nämlich genau dieses gewünschte Buch schenken. Hinterlasst doch bitte noch eine Mailadresse oder euren Bloglink. Am 10.11.2013 werde ich nämlich unter allen Kommentierenden einen Namen ziehen und der Gewinnerin oder dem Gewinner ein "Liebespaket" mit dem Wunschbuch und einigen kleinen Überraschungen zukommen lassen. Es ist egal, von wo ihr kommt, ob ihr hier mitlest und ob ihr einen Blog habt.

Ich werde einige oder auch alle diese Bücher innerhalb des kommenden Jahres lesen und mir so ein eigenes Bild davon machen. Natürlich werde ich euch mit einer ausführlicher Rezension darüber informieren, wie mir die Bücher gefallen haben und von wem ich den Tipp erhalten habe.

Das Wichtigste in Kürze:
Schreibt mir bis am 9.11.2013, 24.00 Uhr einen Kommentar unter diesen Post mit eurem berührendsten Liebesroman, eurem absoluten Wunsch-Liebesroman und eurem Bloglink/eurer Maildresse.

Noch Fragen? Dann schreibt mir eine Mail auf froschknutscher@gmail.com

Ich freue mich auf ganz viele Antworten.
Liebe Grüsse und noch ein schöner Sonntag
Livia

Lesefaul?

Diesen Monat scheint es so, als wäre ich lesefaul geworden. Dies stimmt überhaupt nicht, aber leider komme ich fast gar nicht zum Lesen. Während den Ferien habe ich sehr viel gearbeitet, geübt und gelernt und als wir dann in Prag waren, kam ich auch nicht zum Lesen. Die Tage dort waren sehr lang. Wir waren meistens zehn bis zwölf Stunden unterwegs und dies immer zu Fuss (nur einmal mit der Standseilbahn). Die kalte Luft und die langen Märsche sowie die vielen Erlebnisse in Prag, haben mich am Abend jeweils todmüde ins Bett fallen und sofort einschlafen lassen. So kam ich auch dort nicht zum Lesen. Nun muss ich aber schon sagen, dass mir meine Bücher und die Geschichten darin so richtig fehlen und darum freue ich mich besonders, dass mein Buchkaufverbot bald ausläuft und ich mir endlich wieder neue Bücher kaufen darf. Es werden aber maximal halb so viele sein, wie ich bis Ende Februar von meinem SuB weggelesen haben. Also werde ich mich nun mit einer Tasse Tee und einem Buch ins Bett kuscheln und wünsche euch allen einen schönen

Aus aktuellem Anlass

Dirk Bach ist tot. Eponine liest, und schweigt. Gibt dann im Internet Dirk Bach ein und sieht, wie viele Menschen Anteil nehmen. Sie findet es lächerlich, dass so viele Leute es nötig haben R.I.P. in irgendwelchen Foren zu posten und dann noch Texte zu schreiben von wegen "kleiner, dicker Mann ist tot" und "mein Beileid an seine Angehörigen".

Internet sei Dank (oder Fluch) ist es heute möglich, überall Anteil zu nehmen. Nicht nur Promigeburten und Hochzeiten, Babyfotos und Nacktbaden sondern auch privateste Privatmitteilungen werden mit der ganzen Welt geteilt. Freude und Leid. Und genau so oberflächlich und gedankenlos wie das alles im Netz landet, wird es auch kommentiert und am nächsten Tag wieder vergessen. Natürlich stimmt es traurig, wenn eine Persönlichkeit stirbt, die man als Fersehstar gemocht hat, natürlich betrübt der Tod des Lieblingssängers oder -schauspielers und gerade wenn jemand jung stirbt und Kinder und eine liebe Familie hinterlässt und sein Leben lang nur für positive Schlagzeilen gesorgt hat, ist die Betroffenheit gross und grösser. Ist es aber nötig, sein Beileid so auszudrücken? Wenn man die Betroffenen und deren Angehörigen nicht einmal persönlich kannte? Ist es nicht viel sinnvoller, sich vertrauensvoll an einen lieben Mitmenschen zu wenden, wenn ein Tod wirklich betroffen macht und dann im Stillen eine Kerze anzuzünden anstatt einfach eine Nachricht im Irgendwo des Irgendwos zu hinterlassen, nur weil man gerade zufällig darüber gestolpert ist und weil es eben alle so machen?
Und trotzdem sind da die vielen Dinge, die positiv stimmen. Schauspielkollegen und enge Freunde von Dirk Bach kommen zu Wort. Einige sagen nichts, einige schliessen sich den Beileidsbekundigungen an und dann gibt es noch die, welche rühmen, bewundern, loben. Alle diese Menschen, welche das Gute noch einmal hervorheben und zeigen, was genau sie gemocht und geschätzt und worüber sie gelacht und geweint haben. Und dies geschieht immer, wenn eine Person der Öffentlichkeit oder auch generell jemand stirbt. Immer dann, wenn so etwas Tragisches und Unvorgesehenes passiert, kommen Freunde zu Wort, Politiker, andere Prominente und loben posthum noch einmal den Verstorbenen. Und dies ist eine wunderschöne Geste. Schöne Geschichten und witzige Kommentare werden so immer denen in Erinnerung bleiben, die sich wirklich für jemanden interessiert haben.
Nur schade ist, dass erst jemand sterben muss, damit die Welt (und vielleicht auch er selber) erfährt, was an seiner Person und seinem Werk geschätzt wurde. So wie gewisse Musiker zu ihrer Zeit am Hungertuch nagten und als Schwachsinnige abgetan wurden und nun täglich und zu jeder Uhrzeit irgendwo gespielt werden und so, wie gewisse Maler nie auch nur einen Rappen in der Tasche hatten und nun so bekannt sind, dass ihre Bilder aufAuktionen Millionenpreise erziehlen. Diese unglaubliche, an Perversion heranreichende, Entwicklung zur Übertreibung hin macht Angst und verunsichert. Wüssten die Maler, dass ihre Bilder heute teurer verkauft werden, als alles, was sie zu ihren Lebzeiten je besessen hatten und wüssten die Komponisten berühmter Opern, dass Starsopranistinnen pro Abend eine Gage von 30'000 Franken verlangen um aufzutreten, sie würden sich alle im Grab herumdrehen und sich vielleicht sogar fragen, warum sie aus ihren Werken nicht mehr Profit geschlagen hatten. Vielleicht aber auch genau nicht. Und zwar, weil sie alles - ohne je Dank oder Lob oder übermässiges Geld zu erhalten - in erster Linie getan hatten, um des Werkes Willen. Und trotzdem hätten sie es verdient gehabt, dass jemand einmal gesagt hätte, dass sie einfach alle wunderbar, geistreich, beliebt, geliebt und verehrt sind. Genau so, wie es jeder Mensch verdient hätte, für seine Arbeit und seine Person, für seinen Charakter, sein Lachen, seine Fähigkeit zuzuhören, seine Grosszügigkeit, seine Anteilnahme, seinen Humor und allen, allen, allen Dingen, welche an ihm geschätzt werden, gelobt und geachtet zu werden.

Und Eponine greift zum Hörer und sagt jemandem, wie gerne sie ihn mag. Sie schreibt eine SMS und einen Brief. Weil das viel zu selten vorkommt und weil sie genau jetzt in der Stimmung dafür ist, gewissen Menschen einfach einmal zu sagen, was sie an ihnen schätzt. Und gewissen Menschen einfach nur Danke zu sagen. Für alles.
Denn es ist immer das Gute, was bleibt.

Glück zulassen

In den letzten Tagen gerate ich immer wieder an Grenzen. An meine Grenzen, an die Grenzen von anderen Menschen, Grenzen, die einfach gesetzt werden aufgrund von "Be"-grenzungen... Und dann immer wieder - trotz allem was schwer und unlösbar und unüberwindbar scheint - gibt es diese Momente, in denen ich an der Dönerbude so viel Trinkgeld gebe, dass mich der Verkäufer ratlos anblickt und dann in mein fröhliches Lachen einstimmt. Oder dass ich der afrikanischen Frau neben mir im Zug auf Englisch zu erklären versuche, wie sehr mir ihre Frisur gefällt und wir dann beide mit einem Lächeln im Herzen aus dem Zug steigen. In diesen Momenten, wo ich Glück wirklich zulassen kann, werde ich daran erinnert, dass man Glück nicht suchen kann. Und ich denke auch nicht, dass man sich das Glück immer wieder selber zusammen schmieden kann. Aber wenn es da ist, und man offen und bereit dafür ist, kann man es zulassen. Und dann muss man es auch zulassen und was mir dann, wenn ich es zugelassen, wahrgenommen und genossen habe, wirklich leicht fällt, ist das Teilen von Glück. Glück teilen und gute Laune, Liebe, Freude und Fröhlichkeit. Und gerade in Tagen wie diesen, wo es wieder kälter und dunkler wird und viele Menschen - auch ich - in einer melancholischen Minute vom Herbst-Blues überrollt werden, lohnt es sich, auf lächelnde Menschen zuzugehen und sich anstecken zu lassen oder auch einfach selber Glück zu teilen.

Sehnsucht...

In den letzten Tagen verspüre ich in mir einen sehr starken Drang. Ich möchte unbedingt wieder einmal nach Prag. Irgend etwas von dieser Stadt trage ich immer mit mir herum und nun muss ich einfach wieder dorthin. Ich überlege mir sogar, dort ein Austauschsemester zu machen. Ich werde allerdings warten, bis ich im Masterstudium bin. Während meinen drei Bachelorjahren ist es ziemlich schwierig, ins Ausland zu gehen, da die Punkteanrechnungen nach teilweise willkürlichen Prinzipien funktionieren und ich es mir sehr schwer vorstelle, Musiktheorie oder Musikgeschichte in Tschechisch oder auch in Englisch zu besuchen. Da ich im Master weniger Theoriefächer haben werde, wird so ein Wechsel einfacher. Aber mein Liebster und ich haben schon beschlossen, dass wir bald wieder dorthin müssen. Er war auch schon einmal dort und hat mir vorgeschlagen, dass wir vielleicht vor meinem Geburtstag nach Prag fahren und dort einige Tage bleiben. Das wird toll und ich freue mich schon so...

Einen wunderschönen Abend und lebt eure Träume
Eponine

Ich liebe Kirchen

Keine Angst ihr lieben Atheistinnen und Atheisten, es geht hier nicht um Religion. Es geht auch nicht um irgendwelche kirchliche Institutionen obwohl sicher einige davon ihre jeweiligen Berechtigungen haben und auch sinnvoll sind. Es geht um etwas, das ich sonst nirgends in dieser Form finde; es geht um das Gebäude an sich und um Stille. Nicht diese Ruhe, die man auf dem Land oder in einem abgeschlossenen Raum findet, Idylle oder Einsamkeit. Stille. Stille ist etwas sehr schwer zu beschreibendes. Aber ich meine genau diese Stille, die man in Kirchen und Klöstern findet. Diese mit Andacht gefüllte, kühle, weihrauchgeschwängerte Stille. Diese Stille in die ich mich zurücklehnen kann. Ich lasse dann meine Gedanken schweifen und tauche ab in eine andere Welt. Kirchen sind meiner Meinung nach etwas unglaublich faszinierendes. Dieser tiefe Glaube, der Menschen dazu gebracht hat, ihr ganzes Leben lang Pläne zu zeichnen oder Steine aufeinanderzuschichten, bewundere ich. Diese kleinen Ewigkeiten, welche man den Kirchenwänden ansieht, suche ich. Nicht selten habe ich mich schon gefragt, welche Wünsche und Träume, Hoffnungen und Glückseligkeiten, aber auch Trauer, Schmerz und Verzweiflungen in diesen Wänden ruhen. Und die Wände nehmen einfach an. Auf ihre tröstlich tröstende Art sind sie still und kühl. Sie verurteilen nicht und hören nur zu. Und ich bin überzeugt davon, dass ein Teil dieser Gedanken seine Spuren in den Wänden hinterlassen hat. Dass genau die Wucht dieser Spuren diese "meine" Stille eingrenzt und beschreibt.
Aber die Stille wird auch von dem geprägt, was uns Menschen ausmacht; Schmerz und Glück. Menschen werden beerdigt, getauft, verheiratet und nirgendwo sonst liegen Leben und Tod über so viele Generationen schon beisammen, wie in einer Kirche.
Und immer wenn ich diese Stille suche, wenn ich alleine sein muss, nachdenken muss, Ruhe benötige, gehe ich in eine Kirche. Und wenn ich mit meinen Gedanken ganz nahe bei jemandem sein will, zünde ich Kerzen an. Der, meiner Meinung nach, schönste Brauch, um Anteilnahme, Verbundenheit, Hoffnung und Liebe darzustellen sind Kerzen. Es rührt mich jedes Mal fast zu Tränen, wenn ich eine in Gedanken versunkene oder trauernde Familie beobachte, welche Kerzen entzündet. So viele kleine Wärme- und Trostspender. Und die Wärme, die man anderen wünscht erhält man beim Entzünden sofort zurück. Und nirgendwo sonst brennen so viele Lichter der Hoffnung aus so vielenen unterschiedlichen Gründen direkt neben- und beieinander, wie in einer Kirche.
Und auch darum liebe ich Kirchen.

Frage in die Nacht

Wer hier im Netz schläft auch nicht ein vor lauter Gefühlen und Gedanken? Wer zündet Kerzen mit mir an?

Ergänzung

Während ich in Kroatien und Bosnien war, viele Geschichten gehört, viele Menschen getroffen und viele zerstörte Häuser gesehen hatte, konnte ich nicht in Worte fassen, was ich fühlte. Auch fand ich keine Worte - oder meiner Meinung nach zumindest nicht genügend aussagekräftige Worte -  um mich für alle Dinge, die ich geniessen durfte (Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Menschlichkeit) zu bedanken. Auch heute noch fällt es mir schwer zu beschreiben, wie es mir ergangen ist, als ich den Ecken sah, in dem sich die Grossmütter des Liebsten während des Krieges "versteckten" oder was ich fühlte, als eine der Grossmütter bat, mich zum Abschied küssen zu dürfen (ich könnte noch tausende Dinge erwähnen, die mich zum Weinen, Lachen oder Fluchen brachten).

Nur eines kann ich euch mitgeben und mit euch teilen. Es ist ein Gedicht, welches ich in diesen Tagen immer in Gedanken mit mir herumgetragen habe. Warum ich es überhaupt kenne, weiss ich gar nicht und wieso es für mich persönlich ausgerechnet zu meinen Erlebnissen passt kann ich nicht beschreiben. Es lässt mich mit einer ähnlichen Sprachlosigkeit zurück, mit der ich von dort gegangen bin. Vielleicht versteht ihr mich.



Vater komm erzähl vom Krieg

Vater komm erzähl vom Krieg
Vater komm erzähl wiest eingrückt bist
Vater komm erzähl wiest gschossen hast
Vater komm erzähl wiest verwundt wordn bist
Vater komm erzähl wiest gefallen bist
Vater komm erzähl vom Krieg

Ernst Jandl (1925 - 2000)

Sie

Sie ist sehr schlank und wunderschön. Eher klein aber nicht unauffällig. Schweizerin. Im Gegenteil zu anderen Menschen auf der Strasse sieht sie überhaupt nicht verwahrlost aus. Als es im Winter so unglaublich kalt war, hat sie sich den dicken Schal mit klammen Fingern um den Hals geschlungen und die nicht unbedingt für den Winter bestimmte Jacke krampfhaft vorne zusammen gehalten.
Damals hat sie mich in der Bahnhofsunterführung um ein paar Münzen angebettelt. Ich habe sie von oben bis unten betrachtet und bemerkt, dass sie wohl nicht viel älter ist als ich. Wütend habe ich sie angeschnauzt, sie solle sich einen Job suchen. Sie hat mich noch den ganzen Weg lang - bis ich aus der Unterführung verschwunden war - beschimpft.

Ich verstehe es, wenn ältere Menschen, von der Gesellschaft ausgegrenzt und enttäuscht, durch alle Maschen des sozialen Netzes gefallen, betteln und auf der Strasse leben. Sie leben auf der Strasse, weil dies ein bewusster Entscheid gegen die Sozialwerke dieses Landes ist. Ausserdem sind einige menschliche Schicksale so traurig, dass es für Betroffene gar nicht mehr möglich ist, sich ohne Hilfe in diese Gesellschaft zu integrieren und wenn man gewisse Jahre lang auf der Strasse gelebt hat, ist es auch verständlich, dass man sein Leben nicht komplett umkrempeln will und kann. Ich gebe nie Geld, nur Esswaren. Aber ich gebe in solchen Situationen gerne. Ich weiss, es gäbe Einrichtungen und Gelder und natürlich muss man sich anpassen, um solche Gelder zu erhalten, aber man kann wählen, ob man diese an Bedingungen geknüpfte Hilfe annimmt oder auf der Strasse lebt.

Aber ich verstehe das alles nicht, wenn man so jung ist. So junge Menschen können sich ziemlich schnell einen Job besorgen. Junge und tüchtige Menschen können eine Schule besuchen, eine Ausbildung machen und sich dann eine Stelle suchen. Sie würden also eigentlich gar nicht auf der Strasse leben. Oder sie können sich einarbeiten lassen und dann als Hilfskraft irgendwo einspringen. Wie kann ein junger Mensch in diesem Land schon so verzweifelt sein? Wie geht das? Ich verstehe das nicht und werde es wohl auch nie so richtig verstehen.

Vor kurzem habe ich sie wieder gesehen. Kurz vor Mitternacht am Bahnhof. In einen Ladeneingang gepresst und total verloren. Sie hielt einen Becher in der Hand, welchen sie gierig ausleckte. Wohl etwas, das jemand weggeworfen hatte.
Da hat sie mir leid getan. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen.
Wenn ich sie wieder sehe, lade ich sie zum Essen ein.
Vielleich kann sie mir erklären, was ich nicht verstehe.

Rückblick

Fast ein Jahr, aber nicht ganz und trotzdem fühle ich immer noch genau gleich.
Gedanken zum Karfreitag.
Hier (klick)

Ich mag keine Brotback- oder Teigknetmaschinen


Das Schönste am Brotbacken ist für mich das Kneten des Teigs. Ich spüre dann, wie einzelne "Teile", also Zutaten, unter meinen Händen zu einem Ganzen werden. Eigentlich ist es wie in der Musik. Einzelne Noten ergeben ein ganzes Werk. Und der Entstehungsprozess ist genau so spannend und auch wundersam, wie das Werk selber.

Gedankenflug

Musikstudenten unter sich

Viel Fröhlichkeit und Glück
Auch Sorgen und Ängste
Aber gute Freunde.

Wir sprachen
Lachten, weinten
Beschwerten uns miteinander.

Nun haben wir Zeit
Für uns alleine
Für unsere Gedanken.

Und jeder befasst sich nur mit sich
Und lässt die Erlebnisse auf sich wirken,
Lässt alles im Kopf ein wenig weiter arbeiten.

Wir alle haben die selben Sorgen
Die selben Probleme
Die selbe Zukunft.

Man sprach von Vorurteilen
Faulheit, Angst
Und alle fühlten mit.

Wir alle tranken wenig Wein,
Fühlten die Traurigkeit trotzdem
Und lachten darüber.

Privilegiert weil wir studieren dürfen,
Aber irgendwie immer auf der Kippe,
Immer am kämpfen.

Wollen wir das?
Können wir das?
Für wen machen wir das alles?

Und wenn die Antwort "Ja" ist,
Ein stolzes "Ja" zu allem
Sind wir auf dem richtigen Weg.


Gute Nacht ihr Lieben und urteilt nicht zu hart
Bis bald
Eponine

Und wieder beginnt eine neue Woche

Nach einem wunderschönen und sonnigen Sonntag gefüllt mit lieben Leuten und lieben Worten, beginnt heute wieder eine neue Woche. Nur diese eine Stunde, die ich gestern irgendwie verloren habe, macht die Umstellung in die neue Woche nicht ganz leicht.
Ich weiss, dass mir diese Stunde im Herbst dann wieder geschenkt wird - sozusagen eine längerfristige Investition - aber ich weiss auch, dass mir das irgendwie nichts nützt. Weil die Stunde in der Nacht fehlt und in einem halben Jahr wieder in der Nacht geschenkt wird, merke ich fast nichts davon. Ich schlafe zwar vielleicht eine Stunde mehr oder weniger oder habe - wenn ich nicht schlafe - eine Stunde mehr oder weniger vom Tag, kann aber diese eine Stunde weder nutzen noch irgendwie kompensieren.
Ausserdem macht der halbjährliche Mini-Jetlag den Menschen aus medizinischer Sicht mehr zu schaffen, als am Anfang dieser Idee gedacht. Erst kürzlich habe ich wieder gelesen, dass die meisten Menschen bis zu drei Wochen benötigen, um ihren Rhythmus anzupassen und in dieser Zeit dementsprechend produktiv, oder eben nicht, sind. Nur eine Stunde denkt man. Aber alles wird um eine Stunde verschoben. Und ich denke nicht, dass es diese Stunde ist, die uns so zu schaffen macht. Ich glaube eher, dass es die Helligkeit/Dunkelheit ist, die uns verwirrt. Nur ein kleines Beispiel dazu. Wenn ich die letzten paar Wochen um sechs Uhr in der Früh aufgestanden bin, war es schon ziemlich hell und mir fiel es sehr leicht, meine müden Teile aus dem Bett zu hieven. Als ich gestern um diese Zeit (schon in der neuen Zeit) aufstehen wollte, war es noch wirklich dunkel und ich habe mich wieder hingelegt. Umgekehrt fällt es mir schwerer, am Abend schlafen zu gehen, da es noch ziemlich lange sehr hell ist. Zusammenfassend habe ich also am Morgen jetzt immer ein wenig mehr Mühe mit dem Aufstehen, fühle mich den ganzen Tag durch nicht ganz fit und bin am Abend bereits müde, obwohl es noch hell und auch "früh" ist und will darum noch nicht schlafen gehen.
Aber was mich am meisten an dieser Zeitverschiebung nervt sind die Menschen, welche sich nur darüber beschweren. Im Moment gehöre ich auch dazu, aber eigentlich geht es uns allen gleich. Und somit sollten wir uns vielleicht wirklich nicht zu viele Gedanken dazu machen, sondern uns einfach auf die Stunde freuen, die wir im Herbst wieder zurück kriegen.
Somit also wirklich eine längerfristige Investition.

Kleine Weisheiten

Da war eine Freundin, welche bald mit einer anderen Freundin zusammen ziehen will, bei mir im zu Besuch und sagte: "So einen Teppich will ich auch im Badezimmer. So einen flauschigen wie du!"
Sie meinte diesen hier:
 
Und ich befürchtete (aus Erfahrung) sofort:
"Mit diesem Ding hast du nur Stress. Die Fusseln sind überall und du musst fast jeden Tag die ganze Wohnung saugen.
"Weisst du was?", antwortete sie mir, " ich lebe sicher noch siebzig Jahre und habe noch genügend Zeit, um vernünftig zu sein. Ich kaufe mir den Teppich, weil er mir gefällt."

Recht hat sie. Irgendwie.

Neuanfang

Heute habe ich die erste Flötenstunde nach den langen Ferien und am Montag beginnt dann schon das zweite Semester meines Studiums. Meine Wohnung habe ich komplett auf den Kopf gestellt, weil ich heute Mittag ein Elektropiano bekomme und dieses Ding ist zwar toll, benötigt aber auch eine Menge Platz. Dann fahre ich noch einmal zu meinen Eltern, packe meinen Koffer und gehe babysitten. Am Sonntagnachmittag fahre ich mit meinem Liebsten nach Bern. Wir haben einige erlebnisreiche Tage hinter uns, die sicher noch die eine oder andere Frage offen gelassen haben.
Gerade breitet sich ein Sonnenstrahl aus in meinem Quartier. Goldiges Licht kitzelt mich in der Nase und lässt die Häuser ein wenig märchenhaft wirken.
Ich fühle: das wird ein toller Tag.

Ganz herzlich
Eponine