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Wege


Sicherheiten

Es gibt Situationen im Leben,
Schmerzvolle und traurige,
Aber auch fröhliche und beglückende,
Wo man sich nicht sicher ist, welchen Weg man einschlagen,
Welcher Spur man folgen will.
Und vor allem:
Welche Gefährten man auf seine Wanderungen mitnehmen kann.

Und es gibt Situationen im Leben,
Welche schmerzvoll und traurig und verletzend sind
Und in denen man trotzdem genau weiss,
Wie und mit wem man welchen Weg gehen will.
Auch wenn es nicht leicht wird,
Auch wenn es noch einige Erschütterungen geben wird.
Auch wenn niemand sonst daran glaubt.

Genau diese Situationen,
Welche eine bewusste persönliche Entscheidung verlangen und beinhalten,
Welche kränken und zugleich stark machen,
Welche Versöhnungen und Glück nach sich ziehen,
Diese Situationen verlangen Mut
Und machen stark und sicher miteinander,
Stark und sicher für Grosses, Zukünftiges.

Diese zugleich entscheidenden und gewissen Sicherheiten,
Diese Stärke und diesen Mut, sich selber treu zu bleiben,
Genau dies alles trage ich in mir.
Immer schon und immer wieder neu.
Unerschütterlich und von meinem Herzen gut beschützt.
Für dich und für mich.
Für uns.

Ausgegraben

Unnahbare Schönheit

Schwarzes Haar,
Dunkle Augen.
Lange Wimpern
Schirmen dich ab.

Breite Schultern,
Kräftige Arme.
Gepflegte Hände,
Die mich nicht berühren.

Ein Gedanke,
Ein Blick.
Und doch eine kalte Aura,
So abweisend.

Geschmeidiger Gang,
Singende Stimme.
Worte,
Die mich in deinen Bann ziehen.

Umgeben von Wärme,
Umgeben von Licht.
Ein Leuchten,
Nicht für mich bestimmt.

Zartes Gesicht,
Scharf geschnittene Nase.
Ein Mund,
Den ich nicht küssen kann.

Ein Lächeln, dein Lächeln.
Strahlend.
Und doch
So unnahbar.

Eponine 18.10.2010

nichts

nichts

nichts wärmer als sonne
nichts kühler als wind
nichts langsamer als wolken,
die im himmel verschwinden
und wieder auftauchen
und weiterziehn
nichts mit mehr farben gefüllt als eine sommerwiese
nichts lauter als käfer,
direkt neben deinem ohr
nichts so tröstend wie sorgen,
die verschwinden
und probleme,
die sich lösen
nichts schöner, als unter einem baum zu liegen

Ergänzung

Während ich in Kroatien und Bosnien war, viele Geschichten gehört, viele Menschen getroffen und viele zerstörte Häuser gesehen hatte, konnte ich nicht in Worte fassen, was ich fühlte. Auch fand ich keine Worte - oder meiner Meinung nach zumindest nicht genügend aussagekräftige Worte -  um mich für alle Dinge, die ich geniessen durfte (Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Menschlichkeit) zu bedanken. Auch heute noch fällt es mir schwer zu beschreiben, wie es mir ergangen ist, als ich den Ecken sah, in dem sich die Grossmütter des Liebsten während des Krieges "versteckten" oder was ich fühlte, als eine der Grossmütter bat, mich zum Abschied küssen zu dürfen (ich könnte noch tausende Dinge erwähnen, die mich zum Weinen, Lachen oder Fluchen brachten).

Nur eines kann ich euch mitgeben und mit euch teilen. Es ist ein Gedicht, welches ich in diesen Tagen immer in Gedanken mit mir herumgetragen habe. Warum ich es überhaupt kenne, weiss ich gar nicht und wieso es für mich persönlich ausgerechnet zu meinen Erlebnissen passt kann ich nicht beschreiben. Es lässt mich mit einer ähnlichen Sprachlosigkeit zurück, mit der ich von dort gegangen bin. Vielleicht versteht ihr mich.



Vater komm erzähl vom Krieg

Vater komm erzähl vom Krieg
Vater komm erzähl wiest eingrückt bist
Vater komm erzähl wiest gschossen hast
Vater komm erzähl wiest verwundt wordn bist
Vater komm erzähl wiest gefallen bist
Vater komm erzähl vom Krieg

Ernst Jandl (1925 - 2000)

Gefunden

Gefunden

Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
"Soll ich zum Welken
Gebrochen sein"?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.


 Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Gedankenflug

Musikstudenten unter sich

Viel Fröhlichkeit und Glück
Auch Sorgen und Ängste
Aber gute Freunde.

Wir sprachen
Lachten, weinten
Beschwerten uns miteinander.

Nun haben wir Zeit
Für uns alleine
Für unsere Gedanken.

Und jeder befasst sich nur mit sich
Und lässt die Erlebnisse auf sich wirken,
Lässt alles im Kopf ein wenig weiter arbeiten.

Wir alle haben die selben Sorgen
Die selben Probleme
Die selbe Zukunft.

Man sprach von Vorurteilen
Faulheit, Angst
Und alle fühlten mit.

Wir alle tranken wenig Wein,
Fühlten die Traurigkeit trotzdem
Und lachten darüber.

Privilegiert weil wir studieren dürfen,
Aber irgendwie immer auf der Kippe,
Immer am kämpfen.

Wollen wir das?
Können wir das?
Für wen machen wir das alles?

Und wenn die Antwort "Ja" ist,
Ein stolzes "Ja" zu allem
Sind wir auf dem richtigen Weg.


Gute Nacht ihr Lieben und urteilt nicht zu hart
Bis bald
Eponine

Ein wenig träumen

Einmal fliegen

Vielleicht ein mühsamer Aufstieg,
Aber ein Ziel vor Augen.
Eine anstrengende Reise,
Aber ohne Gepäck.

Reise zum Hügel,
Zu Blumenwiesen und Felsen.
Reise zu sich selber,
Voller Mut und Vertrauen.

Oben angekommen eine Pause.
Erst einmal atmen.
Dann sehen und staunen.
So weit habe ich es also gebracht.

Dann zögernd einen Fuss vor den anderen setzen,
Langsam aber sicher vorwärts gehen.
Sich bewegen, sich lösen
Und mit sich selber eins werden.

Immer näher am Abgrund.
Voller Zuversicht weiter gehen.
Immer schneller.
Immer näher.

Dann ein Entschluss.
Die Flügel ausbreiten.
Und springen.
Frei sein.

Einmal fliegen können.
Nur einmal.

Ein Jahr

Heute vor einem Jahr
Weiche Knie und pochendes Herz
Zitternde Hände und ein fröhliches Lachen.

Auf der Bank am See
Sonnenuntergang und warmer Wind
Zaghafte Küsse im Abendlicht

Dann ein Entschluss
Eine Bindung für länger
Und darauf haben wir uns zugeprostet.

Ein Jahr kann lange sein
Traurig und fröhlich
Verändernd und neu.

Und wir haben vieles erlebt
Vieles durchgestanden
Und trotzdem (oder genau deswegen) immer wieder zusammen gelacht.

Und in schweren Stunden
Werden wir weiterhin zueinander stehen
Uns stützen und aufmuntern und später darüber lachen.

Heute ist es ein erstes Jahr
Und es sollen noch viele mehr werden.
Überwiegend gefüllt mit Freude, Glück und Zärtlichkeit.


 

Fensterblicke

Die Wand

Ich blicke aus dem Fenster.
Betrachte Häuser, Fenster, Blumen.
Grau in grau, beige, braun.
Ockerfarbene Fensterläden, welkes Grünzeug.

Ab und zu ein Gesicht an einem Fenster,
Eine Bewegung, ein wehender Vorhang.
Selten auch Blickkontakt
Und bei näherer Betrachtung Dekoration.

Häuser sind wie Menschen.
Aussen ist alles anders, als im Innern.
Und von Aussen sieht alles stiller aus.
Stiller, als es im Innern ist.

Doch das Innere sehen wir nicht.
Nicht auf den ersten Blick.
Manchmal nicht einmal auf den zweiten.
Und doch geben wir vor, zu wissen.

Durch die Scheibe gesehen,
An die Hauswand geblickt
Und doch nur an der Oberfläche gekratzt.
Ganz wenig gefunden, vieles erahnt.

Aber wenn man dann mal auf einer Spur ist
Und vielleicht mehr erahnt, als man sieht
Wagt man nicht, zu fragen.
Weil die Antworten fürchterlich sein könnten.

Und wenn sich Abgründe auftun
Und wenn wir jemanden verzeifeln sehen.
Wir greifen nicht ein.
Angst vor einem zu-nahe-Treten.

Dann ein wenig Nachdenken,
Intensives Betrachten der Hauswand gegenüber.
Und wir merken: Menschen sind wie Häuser.
Alles nur Fassade.

...aber auch Freude

Sichtbar

Ein wenig Liebe
Ein wenig Freude
Ein wenig Stolz
Und viel Zuversicht.

Ein wenig Wärme
Ein wenig Freundschaft
Ein wenig Vertrauen
Und viel Seeligkeit.

Ein wenig Schmerz
Ein wenig tröstende Worte
Ein wenig Verletzung
Und heilende Hände.

Ein wenig Grenze
Ein wenig Freiheit
Ein wenig Aufmunterung
Und viel Halt.

Ein wenig Abenteuer
Ein wenig Mut
Ein wenig Neugier
Und viele Erlebnisse.

Ein wenig gute Musik
Ein wenig leckeres Essen
Ein wenig spannende Gespräche
Und viel Menschlichkeit.

Ein wenig
Von allem
Und das Glück
Wird sichtbar.



Und ich freue mich so sehr, Lydia in meiner Leserschaft willkommen heissen zu dürfen. Sei herzlich begrüsst und fühl dich hier wohl.

Alles Liebe euch allen da draussen
Eponine

Ein wenig Melancholie...

Seelendunkel

Der Regen, die Kälte
Die Menschen werden auch kalt.
Sie eilen und hetzen,
Drehen sich nicht um.

Doch auf den Strassen
Liegt Schmerz
Liegen Tränen
Und verbotenen Wünsche.

Sie werden
Mit Füssen getreten
Belächelt
Ignoriert.

Die Träumer
Träumen still weiter
Die Wünscher
Werden zwanghaft wunschlos.

Die Suchenden
Bleiben suchend
Und die Weinenden
Vermischen Tränen mit Regen.

Unsichtbar und leise
Schreien sie schmerzvoll
Aber trotzdem
Ungehört.

Doch einige
Sie stehen, horchen
Ach, nur ein Vogel/Auto/Zug
Und gehen weiter.

Selten scheint die Sonne
Wärmt ein wenig
Wird vergessen
Wird nichtig.

Manchmal
Ist es sogar hell
Und manchmal
Ist es seelendunkel.

Wunsch für heute

Und wenn ich einsam
und nachdenklich
durch die Strassen gehe,

Und wenn die Leute
in meiner Nähe
laut und oberflächlich sind,

Dann weiss ich,
dass Weihnachten wieder
vorbei ist.




Ich wünsche euch heute Könige, die eine Botschaft verkünden, welche euch froh macht.
Ich wünsche euch Mitmenschen, welche Mensch sind und Anteil nehmen,
Mitmenschen, welche sich mitfreuen und mitweinen.
Und ich wünsche euch, dass das Kind in euch drin
auch heute und das ganze Jahr
lacht und wärmt.
Euch und alle eure Lieben.


Herzlichst
Eponine

Melancholisches Wortspiel

Graupelregen, ein schönes Wort

Graupelregen
fällt auf den trockenen Asphalt,
hinterlässt seine schwarzen Spuren.
Wie eine Ameisenarmee, die sich immer vermehrt.
Und sie
sitzt dort.
Frierend.
Die Nase im Schal ihres Freundes vergraben.
Damit sie wenigstens seinen Geruch bei sich hat.
Und der alte Mann.
Geht vorbei.
Sie grüsst
und lächelt.
Aber innerlich
weint sie still.

Nebel

Nebel legt sich wieder
Über die Stadt,
Auf die sich verfärbenden Blätter der Bäume.
Alles ist feucht, nass, kalt.

Der Boden,
Asphalt und Wiesen
Von einer feinen Tropfenschicht überzogen.
Nichts bleibt trocken.

Nur die Luft
Ist trotz allem
Schneidend kalt und klar
Nur manchmal atme ich einige Wassertropfen ein.

Atemwölkchen,
Feuchtigkeit im Gesicht.
Rauch aus den Schornsteinen,
Die Sonne bleibt versteckt.

Auch die Vögel
Plötzlich verschwunden.
Selten einmal ein kurzes Pfeifen.
Und schon wieder vorbei.

Die Dunkelheit
Liegt schwer
Auf dem Herzen der Stadt.
Umklammert und deckt zu.




Und ich begrüsse noch ganz herzlich Kiwi's Nest in meiner Leserschaft. Ich freue mich sehr, dass du dabei bist und wünsche dir hier viel Spass.

Herzliche Grüsse
Eponine

Wie ein Schmetterling


Wie ein Schmetterling breite ich meine Flügel aus.
Ich mache mich auf, zu neuen Ufern,
Stürze mich in neue Abenteuer.
Manchmal gerate ich in einen Sturm und muss Schutz suchen,
Denn meine Flügel sind zwar wunderschön, aber zerbrechlich.
Manchmal muss ich flüchten.
Vor einer Katze oder einem grösseren Vogel.
Dann wieder werde ich betrachtet, bewundert
Und auch immer mal wieder kritisiert.
Aber auch wenn ich jung bin, zart und hilflos
So finde ich doch immer meinen Weg.
Auch wenn mich meine Neugier an Orte treibt,
An denen ich nicht sein sollte,
Weil sie gefährlich sind oder einfach nicht für mich bestimmt,
So werde ich trotzdem dorthin gehen, wo der Wind mich hinträgt.
Wie ein Schmetterling breite ich meine Flügel aus
Und stürze mich Hals über Kopf
In mein Leben hinein.

Schönheit


Schönheit ist

Manchmal so schlicht
Zwingt sich nicht auf
Ist einfach da
Versucht, uns zu erreichen
Doch wir sehen sie häufig nicht.

Was wir sehen wollen,
Sehen wir.
Alles andere
Bleibt für immer
Unsichtbar.

Schau hin!

Inspiration in der Heide


Die Sterne am Himmel erzählen und flüstern
Geschichten vom singenden Mond
Und auch vom Wesen ganz kalt und so düster
Das hinter dem Sternenzelt wohnt.

Und wenn ich sie höre in Nächten wie diesen
So lieblich und trotzdem so laut,
Dann träum ich von duftenden, blumigen Wiesen,
Von unserem Liebeskraut.

Das Kraut, es wächst nur immer im Sommer
Beleuchtet vom lächelnden Mond,
Erlebt den Regen und auch den Donner,
Der manchmal am Himmelszelt thront.

Genährt wird das Kraut von der Sonne der Heiden
Es lässt mich die Liebe erahnen,
Erträgt alle Sorgen, die Tränen, die Leiden,
Vergisst nicht, die Menschen zu mahnen.

Das dunkle Wesen am himmlischen Zelt
Steht immer hinter der Liebe,
Verdirbt alle Freuden und Sonnen der Welt,
Zerstört selbst die jüngsten Triebe.

Oh Kraut, lass dich finden und pflücken von mir.
Mondenschein wird dich entfalten.
Danken muss ich und werde ich dir,
Lass deine Kräfte walten.

Du wirst mit Liebe die Menschen umhüllen,
Nur Schönheit und zärtliches Licht.
Mit Freude wirst du uns dann ewig füllen,
An Neider denken wir nicht.

Und wird der schwarze menschliche Hass
Den Weg zur Erde finden,
So sorge für Liebe, Vergebung und dass
Verachtung und Ärger verschwinden.

So werden die Sterne nur weiter erzählen
Geschichten vom staunenden Mond
Und werden sich freuen am ewigen Frieden,
Der Erde und Himmel bewohnt.


Endzeit?

Was wäre, wenn...?

Was wäre, wenn wir plötzlich Nahrung in Würfelform zu uns nehmen würden?
Was wäre, wenn die Sonne nur noch drei Stunden am Tag scheinen würde?
Was wäre, wenn niemand mehr hungern müsste?
Was wäre, wenn das Trinkwasser ausginge?
Was wäre, wenn Tiere Menschen fressen würden?
Was wäre, wenn wir morgen alle tot wären?
Was wäre, wenn wir nicht mehr sprechen könnten?
Was wäre, wenn die Zeit sich rückwärts drehen würde?
Was wäre, wenn wir wie Vögel fliegen könnten?
Was wäre, wenn wir acht Arme hätten?
Was wäre, wenn wir immer Waffen auf uns tragen müssten?
Was wäre, wenn Tote wieder leben könnten?
Was wäre, wenn alle die gleichen Rechte hätten?
Was wäre, wenn die Welt untergehen würde?
Und:
Was wäre, wenn wir die Antworten auf alle unsere Fragen hätten?

Oder...






Oder
vielleicht doch
ein endlos langer
Tunnel voller Glück und
Licht.

Aber...







Wenn
doch Liebe
wäre, am Ende.
Aber dort ist nur
schwarz.