Rezension: Im Westen nichts Neues

Im Westen nichts Neues - Erich Maria Remarque

Beschreibung des Verlages:

Zum hundertsten Jahrestag des Kriegsbeginns 1914: sämtliche Werke von Erich Maria Remarque zum Ersten Weltkrieg, durchgesehen und in neuer Ausstattung.
Wie kein anderer Autor erzählt Remarque in diesem sensationellen Erfolgsroman von den Schrecken des Ersten Weltkriegs – ein Klassiker der Weltliteratur.
»Dieses Buch sollte in Millionen Exemplaren verbreitet, übersetzt, in den Schulen gelesen, von allen den Krieg bekämpfenden Gruppen gekauft und verschenkt werden.« Ernst Toller

Dieses Buch soll weder eine Anklage
noch ein Bekenntnis sein.
Es soll nur den Versuch machen,
über eine Generation zu berichten,
die vom Kriege zerstört wurde -
auch wenn sie seinen Granaten entkam.
- Im Westen nichts Neues -

Inhalt:
Paul Bäumer hat sich freiwillig in die Armee gemeldet und dort erlebt er die Schrecken des ersten Weltkriegs an der Front. Er erfährt die Schikanen eines Ausbildners, gnadenlose Angriffe, Ohnmacht und Aussichtslosigkeit und er sieht, wie Kameraden verwundet und getötet werden, während die Gedanken an ein Leben und eine Gesellschaft nach dem Krieg immer unwirklicher werden.

Meine Meinung:
"Im Westen nichts Neues" habe ich am Sonntag vor einer Woche begonnen und seither ist so viel geschehen, dass ich kaum weiss, wo mir der Kopf steht. Dieses Buch zu lesen, während in unmittelbarer Nähe wirklich ein Krieg ausbricht und tobt (von allen anderen Konflikten und Kriegen ganz zu schweigen), hat mich sehr gefordert, aber gleichzeitig konnte ich auch nicht mit dem Lesen aufhören und wollte diese Geschichte mit ihrem ganzen Schrecken aber auch mit dieser grandios konstruierten Handlung und dem packenden, manchmal überraschend humorvollen Stil unbedingt beenden. "Im Westen nichts Neues" erinnert ein wenig an "Wo warst du, Adam" von Heinrich Böll. Auch dieser - allerdings im zweiten Weltkrieg spielende - Roman berichtet vom Schrecken und vor allem auch der Sinnlosigkeit des Krieges. So schwer es gerade fällt: dieses Buch ist wichtig, es hält uns allen und unserer Gesellschaft den Spiegel vor, es schmerzt, es ist unangenehm, aber wir dürfen die Augen nicht davor verschliessen, solange es auf diesem Planeten Kriege gibt.

Schreibstil:
Immer wieder äusserst detailliert und emotional aufwühlend beschreibt Remarque die Kampfhandlungen, das Töten und Sterben, die Verletzungen und den Schmerz, die Angst, die Rattenplagen, den Hunger und die Aussichtslosigkeit. Diesen erschütternden Szenen stellt er leichtere, manchmal sogar humorvolle Momente gegenüber, einiges an stark verpackter Gesellschafts- und Kriegskritik wird geäussert und immer wieder sorgen berührende, zutiefst menschliche Momente des Erinnerns und Vermissens, der Begegnung, der Erleichterung und der Wiedersehensfreude für ein kurzes Aufatmen.

Meine Empfehlung:
Ja, dieses Buch ist - gerade jetzt, aber auch generell - keine leichte Kost. Aber es ist meisterhaft erzählt und thematisiert die Sinnlosigkeit des Krieges, berichtet vom Grauen auf dem Schlachtfeld und der Kameradschaft, welche viele Soldaten am Leben hält. Im ausführlichen Nachwort werden die Entstehungsgeschichte sowie die Überarbeitungen und Änderungen am Roman im Detail beschrieben. Auch habe ich noch mehr über Erich Maria Remarque und sein Verhältnis zu "Im Westen nichts Neues" erfahren. Dies alles sorgt für eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Gelesenen und ein ausführliches Literaturverzeichnis lädt zu weiteren Recherchen ein. Diese Lektüre aktueller und wichtiger denn je und das Buch gehört in jedes Regal.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Im Westen nichts Neues
Autor: Erich Maria Remarque, 1898 in Osnabrück geboren, besuchte das katholische Lehrerseminar. 1916 als Soldat eingezogen, wurde er nach dem Krieg zunächst Aushilfslehrer, später Gelegenheitsarbeiter, schließlich Redakteur in Hannover und Berlin. 1932 verließ Remarque Deutschland und lebte zunächst im Tessin/Schweiz. Seine Bücher »Im Westen nichts Neues« und »Der Weg zurück« wurden 1933 von den Nazis verbrannt, er selber wurde 1938 ausgebürgert. Ab 1939 lebte Remarque in den USA und erlangte 1947 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1970 starb er in seiner Wahlheimat Tessin.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch 
Erscheinungstermin: 08.03.2014
ISBN: 978-3-462-04633-5

Mein SuB kommt zu Wort, 20.02.22 (ausnahmsweise am 21.02.22)

 "Mein SuB kommt zu Wort"

Hallo ihr Lieben

Mein Frauchen hat Wort gehalten und mich - einen Tag zu spät, aber hey - wieder an die Tasten gelassen, juhuuuuu :-) Und es geht gleich ans Eingemachte und zu den vier Fragen, welche Melli und Vanessa für uns/euch überlegt haben. Viel Spass beim Stöbern.

Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Bei meiner letzten Teilnahme im Januar 2022 war ich dreistellig und umfasste 101 Bücher und wir waren topmotiviert. Aktuell ist es aber zäääääääh bei uns und Livia liest zwar (respektive beginnt sie andauernd neue Bücher), aber sie beendet ihre Lektüren nicht so schnell, wie sie mit den neuen Büchern beginnt und obwohl sie sich nach wie vor mit den Neuzugängen zurückhält (*schulterklopf*), sind wir immer noch nicht im zweistelligen Bereich angekommen, sondern liegen genau bei 100 SuB-Schätzen. Dies sollte dann aber Ende Februar endlich geschafft sein. Ihr dürft uns also weiterhin die Daumen drücken - so oder so immer eine gute Sache.

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Wir sind schon ein wenig stolz, dass seit Januar nur zwei weitere Bücher hier eingezogen sind. "Sonne über dem Salzgarten" von Tabea Bach ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Bastei Lübbe, das Livia in einer Leserunde der Lesejury lesen darf. Das Buch wird diese Woche noch beendet.
"Der dunkle Wald" von Cixin Liu hat Livia sich von einem guten Freund ausgeliehen. Es ist die Fortsetzung von "Die drei Sonnen" und Livia möchte im März/April mit dem Buch beginnen.

Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt beendet hat mein Frauchen "Das Mädchen mit der lauternen Stimme" von Abi Daré und sie war ganz begeistert. Lest das Buch unbedingt. Es ist definitiv keine leichte Kost (bitte Triggerwarnung in der REZENSION beachten), aber sehr, sehr lehrreich und lesenswert. Ausserdem ist es wunderschön poetisch erzählt.


Liebe:r SuB, passend zum kurzen Monat Februar sollen diesen Monat besonders kurze Bücher gelesen werden. Welche möchtest du deiner/m Besitzer:in empfehlen?
Ohhhh, eine tolle Frage. Dünne Bücher lesen sich ja definitiv schneller weg und ausserdem finden sich einige dieser Exemplare in meinen Reihen. Drei Bücher habe ich für Livia ausgewählt. Die liegen hier schon eeeeewig und sind alles Klassiker (das Klassikercamp von Ursula dauert ja noch bis Ende Februar, somit hat Frauchen noch zusätzliche Motivation, die Bücher bald zu lesen). Sie soll bis zur nächsten Teilnahme an dieser Aktion mindestens zwei davon schaffen, mal sehen, ob es klappt.

Und jetzt machen wir uns einen gemütlichen Abend. Frauchen häkelt noch ein wenig und nachher wird gelesen. Im Verlauf der Woche werden wir bei allen Beiträgen vorbeischauen und freuen uns schon aufs Stöbern.

Alles Liebe an euch
SuBrina (und Livia)

Rezension: Das Mädchen mit der lauternen Stimme

Dieses Buch habe ich im September 2021 bei einem Gewinnspiel der Lesejury gewonnen.

Das Mädchen mit der lauternen Stimme - Abi Daré

TW: Vergewaltigung, körperliche und sexuelle Gewalt, Menschenhandel

Beschreibung des Verlages:
Die vierzehnjährige Adunni weiß genau, was sie will: Bildung. Denn das ist der einzige Weg für ein nigerianisches Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, Unabhängigkeit zu erlangen und den eigenen Träumen ein Stück näherzukommen.
Doch stattdessen verkauft sie ihr Vater als dritte Ehefrau an den deutlich älteren Morufu, damit sie ihm einen Sohn schenkt. Adunni flieht nach Lagos, in der Hoffnung, dort in die Schule gehen zu können. Aber auch hier scheint sie zunächst kein Glück zu haben …

Inhalt:
Als Adunnis Mutter stirbt, ändert sich auf einen Schlag ihr ganzes Leben. Nun kümmert sich ihr Vater um die Finanzen und die Haushaltsführung und vertrinkt die Reserven der Familie. Zuerst ist kein Geld mehr da, um Adunni in die Schule gehen zu lassen und dann kann ihr Vater auch die Miete nicht mehr bezahlen und verkauft Adunni kurzerhand an den älteren Morufu. Als dessen dritte Ehefrau hat sie noch weniger Rechte als im Haushalt ihres Vaters und als ihr die Flucht nach Lagos gelingt, schöpft sie neue Hoffnung, die aber bald enttäuscht wird. Ihre Arbeit als Hausmädchen der reichen "Big Madame" entpuppt sich nämlich als die Hölle auf Erden.

Black History Month:
Wusstet ihr, dass der Februar traditionell als Black History Month gilt? Seit vielen Jahren werden in diesem Monat Errungenschaften und vor allem auch Kunst und Kultur von PoC besonders aufmerksam gewürdigt, gelesen, gezeigt und gefeiert, damit Schwarze Künstler:innen vermehrt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gelangen und damit es diesen Monat hoffentlich ganz bald nicht mehr geben muss. "Das Mädchen mit der lauternen Stimme" wollte ich mir eigentlich erst gegen Ende Jahr vornehmen. Angeregt durch die vielen Lehrreichen Posts und Beiträge zum Black History Month habe ich mir meinen SuB einmal ein wenig näher angesehen und jetzt schon zu diesem Buch gegriffen, was sich definitiv gelohnt hat.

Meine Meinung:
Nach wenigen Sätzen bin ich in einer Geschichte angekommen, die mich komplett gefesselt hat. Es gelingt der Autorin, das Schicksal ihrer Protagonistin äusserst intensiv und bildgewaltig zu beschreiben. Adunnis Familiensituation und vor allem die Liebe zu ihrem jüngeren Bruder, den sie im Haus ihres Vaters zurücklassen muss, haben mich tief berührt. Ihr Wille, zur Schule zu gehen, zu lernen und für sich und andere Mädchen und Frauen einzustehen und Chancen zu schaffen, haben mir imponiert. Beim Lesen wird schmerzlich bewusst, wie klein der Wert von Frauen in gewissen Regionen dieser Welt noch immer ist und dass Frauen in diesen Regionen leider oft nur dann geschätzt werden, wenn sie (jung und mit einem reichen Mann) verheiratet sind und Kinder gebären. Adunni will diesen Teufelskreis durchbrechen und kommt vom Regen in die Traufe, als sie es schafft, ihrem Mann davonzulaufen und eine Stelle als Haushälterin einer sehr wohlhabenden und angesehenen Frau in Lagos zu erhalten. Diese aber behandelt Adunni sehr schlecht und Adunni muss erneut um ihr Überleben und für ihren grossen Traum, eine Schule zu besuchen, kämpfen.
Sie hat schon als kleines Kind von ihrer verstorbenen Mutter gelernt, dass man stets hilfsbereit sein und sich anderen Menschen gegenüber aufmerksam und dankbar verhalten soll. Es ist erstaunlich, wie sehr dies Adunni auch in den schwierigsten Situationen gelingt und mit ihrer liebenswürdigen und nicht auf den Mund gefallenen Art schafft sie es immer wieder, die Menschen für sich zu gewinnen und Unterstützung zu erhalten.

Schreibstil:
Besonders beindruckt hat mich, wie sehr es der Autorin und vor allem auch der Übersetzerin - welche sich im Nachwort auch noch dazu äussert - gelungen ist, die Sprache der Protagonistin so gut an deren Situation anzupassen. Anfangs spricht Adunni ein von Dialektworten und grammatikalischen Fehlern geprägtes, sehr umgangssprachliches Englisch. Durch die stetige Ausseinandersetzung mit der Sprache und dem Sprechen an sich, durch ihr Lernen und Entdecken werden ihr Wortschatz grösser und ihre Sätze komplexer und korrekter.
Weiter beschreibt die Autorin Abi Daré ihre Figuren und Landschaften sehr bildhaft. Ihre Sätze sind voller Farben, Gefühle und Eindrücke, welche eine einzigartige Stimmung hervorrufen und sowohl den inneren Monolog von Adunni als auch die zahlreichen erschütternden, bewegenden und beeindruckenden Situationen schildern.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung für dieses bewegende Buch. Es ist definitiv keine leichte Kost, aber um so lesenswerter und lehrreicher.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Mädchen mit der lauternen Stimme
Originaltitel: The Girl With the Louding Voice
Autorin: Abi Daré ist in Lagos / Nigeria aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Großbritannien. Sie hat in Wolverhampton und Glasgow studiert, sowie Kreatives Schreiben an der Birkbeck University of London. „The Girl With the Louding Voice“ hat 2018 den Bath Novel Award für noch unveröffentlichte Manuskripte gewonnen und schaffte es außerdem ins Finale bei der Literary Consultancy Pen Factor Competition. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Essex. Ihre Töchter haben sie zum Schreiben dieses Debütromans inspiriert.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Simone Jakob
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 368 Seiten
Verlag: eichborn
Ersterscheinung: 27.08.2021
ISBN: 978-3-8479-0091-7

Rezension: Thirteen (Th1rt3en)

Dieses Rezensionsexemplar aus dem Goldmann Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht, vielen Dank

Thirteen (Th1rt3en) - Steve Cavanagh

Beschreibung des Verlages:
Es ist Amerikas spektakulärster Mordfall. Doch der Killer steht nicht vor Gericht. Er sitzt in der Jury. 
Der New Yorker Strafverteidiger Eddie Flynn soll Amerikas prominentesten Mordverdächtigen vor Gericht vertreten: Robert »Bobby« Solomon – jung, attraktiv und der Liebling von ganz Hollywood. Eddies Klienten zählen normalerweise nicht zu den Reichen und Schönen. Aber wenn er von der Unschuld eines Angeklagten überzeugt ist, tut Eddie alles, um ihn freizubekommen. Und er glaubt Bobby, dass dieser nichts mit dem Mord an seiner Frau und deren Liebhaber zu tun zu hat, obwohl alle Beweise gegen ihn sprechen. Der Fall scheint aussichtslos, bis Eddie erkennt: Der wahre Killer sitzt in der Jury ...

Inhalt:
Eddie Flynn ist Strafverteidiger und hat ein eisernes Prinzip: er verteidigt nur Angeklagte, wenn er sie für unschuldig hält, wovon er auch bei Bobby Solomon, einem erfolgreichen Schauspieler, überzeugt ist. Bobby wird verdächtigt, seine Frau und deren Geliebten kaltblütig ermordet zu haben. Nach und nach schafft es Eddie, Beweise dafür zusammenzutragen, dass der eigentliche Mörder Bobby das Verbrechen lediglich in die Schuhe schieben will und es sogar in die Jury dieses aufsehenerregenden Prozesses geschafft hat...

Meine Meinung:
Kennt ihr das Gefühl, ein anderes Buch gelesen zu haben, als der Rest der Welt? Eventuell habt ihr bei Instagram gesehen oder hier in einem Kommentar oder Beitrag gelesen, dass ich mich mit "Thirteen" ziemlich schwer getan habe. Und ich war gefühlt die einzige, der es so erging, alle weiteren Rezensionen, die mir begegnet sind, überschlugen sich förmlich vor lobenden Worten. Zum Lesen angefixt haben mich meine Lieblingshühner vom Blog Lesendes Federvieh und ich bin ihnen - obwohl ich ihnen nicht in allen Punkten zustimmen kann - sehr dankbar für den Buchtipp. Die Grundidee dieses Thrillers finde ich nämlich grandios. Der Killer, der in der Jury sitzt? Eine unglaubliche und äusserst ausgefuchste Idee, die zudem alles andere als unrealistisch in die Handlung eingebaut wird.

Gleichzeitig zieht sich der Anfang des Buches wie Kaugummi. Es wird bis ins kleinste Detail beschrieben, wie es dem Killer überhaupt gelingt, in der Jury zu landen. Und dass er in der Jury landet, weiss man ja schon, bevor man den ersten Satz liest, aber trotzdem dauert es gute 300 Seiten, bis dann endlich mal der Prozess beginnt.
Sehr gestört hat mich, dass nach etwas mehr als 100 Seiten ein Hinweis auftaucht, dem hätte nachgegangen werden müssen. Obwohl nach und nach mehr Spuren auftauchen und sogar das FBI eingeschaltet wird, bleibt dieser Hinweis aber unbeachtet und tataaaa, natürlich wäre der super wichtig gewesen... Mehr sage ich nicht dazu, aber hey, im sonntäglichen Tatort ist man sich dies gewohnt, aber doch bitte nicht in einer solchen Geschichte. Es kann in meinen Augen nämlich einfach nicht sein, dass ein Thriller/Krimi nur funktioniert, wenn bereits zu Beginn der Ermittlungen entscheidende Fehler begangen werden...

Als dann aber endlich, endlich, endlich der Prozess beginnt, zeigt Cavanagh sein wahres Können und vor allem auch sein Fachwissen. Als Anwalt weiss er genau, wie der Hase läuft und streut interessante Details, Tricks, Finten und Beschreibungen ein, welche plötzlich sogar so etwas wie Spannung aufkommen lassen und ein wenig an "Die Jury" (vor allem in Bezug auf die Arbeit der Geschworenen) oder "Das Urteil" (weil dort ebenfalls eine Jury manipuliert wird) von John Grisham erinnern.

Mir haben insgesamt zwei Dinge gefehlt: anhaltende Spannung und aufkommende Emotionen. "Pageturner" wurde das Buch genannt, aber ich habe diesen ganz besonderen Sog, dieses Kribbeln beim Lesen und den angehaltenen Atem gänzlich vermisst. Ja, das lag zum Einen daran, dass ich zwei entscheidende Dinge ziemlich schnell durchschaut hatte und dass das Buch für mich dann leider ein wenig vorhersehbar war, aber zum Anderen auch, dass der Schreibstil insgesamt sehr nüchtern geblieben ist. Erst gerade habe ich "Löwenzahnkind" von Lina Bengtsdotter verschlungen und war von der düsteren Grundstimmung, der packenden und bewegenden Geschichte komplett gefesselt und spüre das Buch immer noch in mir nachhallen. Natürlich hatte es "Thirteen" dadurch wohl auch ein wenig schwerer bei mir, aber Fakt ist: es sind überhaupt keine Emotionen aufgekommen. Ich habe nicht mitgefiebert, war nicht betroffen, angewidert, bewegt, unterhalten, eingeschüchtert...ja ich kann mir sogar trotz detaillierter Beschreibungen, die aber trotzdem allesamt nichtssagend blieben, die Figuren immer noch nicht wirklich vorstellen.

Diese Oberflächlichkeit hat mich richtig gestört und die zeigt sich besonders schlimm im Ende, das - obwohl der Autor aus Irland kommt - sehr "typisch amerikanisch" wirkt, also ziemlich übertrieben und vor allem komplett unrealistisch und leider auch überladen daherkommt.

Zwei Figuten stechen positiv heraus und das sind Eddie Flynn und seine Kollegin Harper. "Thirteen" ist nämlich eigentlich der dritte Teil einer Reihe (aber das erste Buch von Cavanagh, das bei Goldmann erschienen ist, weshalb die ersten beiden Bände auch ganz anders aussehen) und hat schon eine ziemliche Entwicklung hinter sich. Eddies private Familiengeschichte aber auch sein ehrenswertes Prinzip, nur unschuldig Angeklagte zu verteidigen, haben mir gefallen. Auch sind seine Ermittlungsmethoden und Gedankengänge sehr realistisch dargestellt und er sowie Harper, deren Mithilfe für die Aufklärung des Falles unverzichtbar ist, sind die entscheidenden Faktoren, welche das Buch zusammenhalten.

Fazit:
Ihr seht meiner Rezension vielleicht an, wie schwer sie mir gefallen ist, aber es war mir sehr wichtig, alle Aspekte dieses Buches zu beleuchten und euch meine ehrliche Kritik zu begründen. Von mir gibt es keine Empfehlung für dieses Buch, aber ich ich bin anscheinend sehr alleine mit dieser Meinung. Manchmal passt es halt einfach nicht ;-)

Zusätzliche Infos:
Titel: Thirteen (Th1rt3en)
Originaltitel: Thirteen
Autor: Steve Cavanagh wuchs in Belfast auf und zog mit 18 Jahren nach Dublin, wo er Jura studierte. Er arbeitete als Tellerwäscher, Türsteher, für einen Sicherheitsdienst und als Call-Center-Agent, bevor er einen Job bei einer großen Anwaltskanzlei in Belfast ergatterte. In seiner irischen Heimat machte sich Steve Cavanagh als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert. Mittlerweile konzentriert er sich auf seine Arbeit als Autor. Seine Thrillerserie um Eddie Flynn machte ihn zu einem der erfolgreichsten internationalen Spannungsautoren.
Paperback, Klappenbroschur: 544 Seiten
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Jörn Ingwersen
Verlag: Goldmann
Erschienen am: 10. Januar 2022 
ISBN: 978-3-442-49215-2

Lese-Statistik Januar 2022

Hallo ihr Lieben

Nun ist der erste Monat von 2022 auch schon wieder Geschichte und das ist auch gut so. Der Januar war nicht nur lesetechnisch durchwachsen, auch ist bei mir jobtechnisch einiges im Umbruch und im Ungewissen. Eine Entscheidung, die bereits im November gefallen ist, muss noch in die Tat umgesetzt werden und die Konzerte lassen durch die erneut sehr unsichere Corona-Situation wieder sehr stark auf sich warten, was mich immer ein wenig mit meiner Motivation kämpfen lässt. Aber schon im Februar wird das besser werden, der Januar ist ja generell oft ein wenig dunkel, kalt und deprimierend.

Deshalb ist jetzt genug gejammert, ich zeige euch einfach, was ich im Januar alles gelesen habe:

Unterhaltsamer und spannender Regionalkrimi, der in den weiteren Bänden noch Luft nach oben hat


Ein autobiographisches Buch über das Sterben, das mich zwar berührt aber leider auch gelangweilt hat

Eine skurrile und unterhaltsame Kurzgeschichtensammlung rund um die Liebe und allem, was dazugehört


Ein tiefgründiges Jugendbuch mit einer gehörlose Protagonistin, einfühlsam erzählt, toll recherchiert


Enorm packender und bewegender Reihenauftakt, düstere Grundstimmung, beeindruckende Ermittlerin


Unterhaltsame Kurzgeschichten und Auszüge aus Texten rund um den (gefährlichen) Genuss von Schokolade


Alle Rezensionen in der Übersicht:

Milchgeld - Volker Klüpfel, Michael Kobr   (320 Seiten)
Eine kurze Geschichte vom Fallen - Joe Hammond   (256 Seiten)
Das Buch der lächerlichen Liebe - Milan Kundera   (288 Seiten)
Wovon du träumst - Kira Gembri   (336 Seiten)
Löwenzahnkind - Lina Bengtsdotter   (448 Seiten)
Schokolade - ausgewählt von Anna von Planta   (288 Seiten)


Mein Neuzugang


Im Januar hat mich lediglich ein Neuzugang erreicht und ich möchte in den nächsten Monaten auch noch ein wenig standhaft bleiben. Klar, wenn sich wieder sehr viele Reihenfortsetzungen finden, werde ich mir diese gönnen, aber abgesehen von je einer Neuerscheinung, die ich im Februar und März lesen möchte, soll vor allem mein SuB abgebaut werden. Diesmal wirklich :-)
Zu "Th1rt3en" von Steve Cavanagh haben mich die lieben Hühner vom Blog Lesendes Federvieh greifen lassen. Nur leider kann ich die Begeisterung bisher nicht teilen... Ich hoffe aber, das Buch morgen beenden zu können, dann kann ich sicher mehr dazu sagen.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 6
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: -
Somit in die Leseeule: 6 Franken
Gelesene Seiten: 1936 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 62.45 Seiten
Bücher von Autorinnen: 2
Bücher von Autoren: 3
Gemischte Autorenduos (oder mehr): 1
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 1
SuB am Monatsbeginn: 104
Aktueller SuB: 100
Differenz: - 4 (ja, da müsste 99 stehen, aber "Schokolade" war wohl nie auf meinem SuB erfasst, upsi...)