Lese-Statistik August 2026

Hallo zusammen

Nun ist endlich auch der - vor allem am Anfang - immer noch viel zu heisse und trockene August überstanden und meine liebste Jahreszeit beginnt. Nach dem extrem emotionalen und auch nicht ganz einfachen Juli hatte ich im August zuerst noch eine einigermassen ruhige Woche, in der ich mich wieder an meinen Alltag herantasten konnte. Dann hat auch bereits das neue Schuljahr - wie immer mit viel Chaos, Mehraufwand und vor allem ganz vielen unvorhergesehenen Herausforderungen - begonnen. Als mittlerweile alte Häsin und mit den nach der Pause wieder aufgeladenen Batterien stürze ich mich aber jeweils sehr euphorisch in den Schulstart und mag diese kleinen und grösseren Challenges eigentlich sehr gerne.
Und weil ich gleichzeitig auch mit verschiedenen Ensembles wieder die Probenarbeit aufgenommen, mein Patenkind (und ganz viele andere tolle Menschen) oft besucht, ein grosses Fest gefeiert, einige Konzerte am Lucerne Festival erlebt habe und eine wirklich tolle Konzertanfrage für März 2027 annehmen konnte, war das ein sehr schöner, erfolgreicher, spannender Monat. Wie ihr nämlich vielleicht bereits mitbekommen habt, sind dicht und abwechslungsreich gefüllte Monate mir immer am liebsten :-D
Gelesen habe ich auch; vor allem im Zug, extrem unregelmässig und absolut querbeet, aber da waren wieder einige spannende Bücher dabei.

Gelesen im August:

Ein fesselndes Buch zum Nachdenken mit eher offenem Ende, für mich extrem stimmig gemacht


Eine erneute Reise nach Venedig mit einem brutalen Ausflug in einen Schlachthof, toll erzählt


Skurrile, absurde Kurzgeschichten, dunkelschwarzer Humor, zum Nachdenken und Gruseln


Eine starke Freundschaft, Schnee und Winter, ein Kriegsverbrechen um 1948, berührend und poetisch


Der unterhaltsame Abschluss der lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, gemütlich und humorvoll


Klassiker und Gesellschaftsstudie aus dem Jahr 1932 mit viel Kritik am Bildungsbürgertum, lesenswert


Zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises: schmerzhaft, bewegend, klug und hoffnungsvoll zugleich


Alle Zahlen und Rezensionen:

Krokodilwächter - Katrine Engberg   (abgebrochen nach 166 Seiten)
Mörderischer Freitag - Nicci French   (abgebrochen nach 150 Seiten)
Kleine Monster - Jessica Lind   (256 Seiten)
Tierische Profite - Donna Leon   (336 Seiten)
Mini Horror - Barbi Marković   (192 Seiten)
Unmöglicher Abschied - Han Kang   (315 Seiten)
Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann   (512 Seiten)
Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun   (208 Seiten)
Anti Müller - Yade Yasemin Önder   (240 Seiten)

Neuzugänge:

  • Shining - Stephen King (von einem guten Freund geliehen)
  • Unmöglicher Abschied - Han Kang (neu gekauft, sogar vorbestellt)
  • Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
  • Anti Müller - Yade Yasemin Önder (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
  • Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun (neu gekauft)
  • Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer (neu gekauft)
     

Abgebrochen:

Krokodilwächter - Katrine Engberg (abgebrochen nach 166 Seiten)
Was sooo interessant begonnen hat, hat sich leider nach kurzer Zeit nur noch gezogen. Ausserdem war der sehr bemüht wirkende male gaze extrem anstrengend zu lesen. Ich habe viele begeisterte Rezensionen zum Buch und zur Reihe entdeckt, aber auch einige, welche Längen und unnötige Ausschmückungen kritisiert haben (zu denen gehöre nun wohl auch ich), also habe ich entschieden, die anderen Teile der Reihe auch auszusortieren.

Mörderischer Freitag - Nicci French (abgebrochen nach 150 Seiten)
Ich kann es kaum fassen, dass ich diese Zeilen tippe, aber ich habe den 5. Band der Frieda Klein-Reihe abgebrochen und die weiteren Bände aussortiert, obwohl die Bände 5-7 im Juli erst - immerhin nur gebraucht - hier eingezogen sind... Schon der vierte Band der Reihe hat mich immer wieder gelangweilt und obwohl ich Frieda als Figur sehr mochte und obwohl der erste Band für mich damals ein absolutes Highlight war, passt die Reihe wohl einfach nicht mehr zu mir. Ich komme nicht mehr klar mit den unglaubwürdigen Ermittlungen, Menschen, die Frieda keinen Glauben schenken und damit, dass die Thriller einfach nur noch langweilig sind. Ausserdem habe ich keine Lust darauf, noch soooo viele weitere Bände auf eine Auflösung zu warten. Danke für die schöne Zeit, liebe Frieda, aber du kommst jetzt leider weg.

Ungelesen aussortiert:

  • Blutmond - Katrine Engberg (Kørner und Werner 2)
  • Das Nest - Katrine Engberg (Kørner und Werner 4)
  • Wintersonne - Katrine Engberg (Kørner und Werner 5)
  • Böser Samstag - Nicci French (Frieda Klein 6) 
  • Blutroter Sonntag - Nicci French (Freida Klein 7)  

  • Alle Zahlen in der Übersicht:

    Gelesene Bücher: 7
    Abgebrochene Bücher: 2
    Ungelesen aussortierte Bücher: 5
    Gelesene Seiten: 2'375 Seiten
    Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 76.6 Seiten
    Bücher von Autorinnen: 7
    Bücher von Autoren: -
    Autor*innenduos (oder Gruppen): -
    Geschenkt bekommene Bücher: -
    Ausgeliehen: 1 
    Buchgewinn: -
    Buchprämien: -
    Rezensionsexemplare: -
    Neu gekaufte Bücher: 5
    Gebraucht gekaufte Bücher: -
    Eingesammelte Bücher: -
    Bibliotheksbücher: -
    Gesamte Neuzugänge: 6
    SuB am Monatsbeginn: 33
    Aktueller SuB: 25
    Differenz: - 8

    Rezension: Anti Müller

    Anti Müller - Yade Yasemin Önder

    Beschreibung des Verlages (stark gekürzt):

    „Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.“
    In ihrem neuen Roman erzählt Yade Yasemin Önders seziert mit großer poetischer Präzision die Mechanismen moderner Beziehungen. Im Zentrum steht eine Mittdreißigerin, die um eine Beziehung, ihren Wunsch nach Familie und ihren Drang nach Geborgenheit kämpft.
    Doch Anti Müller erzählt nicht nur von der Suche nach Liebe und Nähe. Dieser Roman nimmt auch einen vermeintlich feministischen Kulturbetrieb ins Blickfeld, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt.
    Unter den lackierten Nägeln der sanften Vollstrecker verkrusteter Strukturen lauert noch immer der Schmutz des Patriarchats. Mit sprachlicher Genauigkeit legt Yade Yasemin Önder offen, wie sich diese Machtverhältnisse in Beziehungen, im Kulturbetrieb und im Umgang mit weiblichen Körpern fortschreiben.
    Anti Müller verbindet die persönliche Geschichte einer Mittdreißigerin mit einer scharfen Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Der Roman fragt, wie frei Beziehungen wirklich sind und wer bestimmt, was auf den Bühnen und über die Körper geschieht.

    Inhalt:
    Die namenlose Protagonistin schreibt ihren ersten Roman und sucht nach einer zerbrochenen Beziehung einen neuen Partner, mit dem sie ihren Kinderwunsch verwirklichen kann. Unter anderem kommt sie Andi Müller näher, der bereits Zwillingsvater ist und gerade als Schauspieler durchstartet. Er vertröstet sie lange und sie bemerkt, dass sie nicht nur droht, sich selber zu verlieren, sondern dass ihr in dieser schwierigen Mischung aus Abhängigkeit und Selbstbestimmtheit auch die Zeit davonrennt.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch habe ich innerhalb von kürzester Zeit inhatiert und auch wenn wohl einige Lesenden den Schreibstil als nicht so zugänglich empfunden haben, habe ich mich beim Lesen perfekt abgeholt, unterhalten und nachdenklich gestimmt sowie wütend gemacht gefühlt. Schicht für Schicht gelingt es, Yade Yasemin Önders, Machtstrukturen innerhalb von (vor allem hetero-)Beziehungen auf den Punkt zu bringen und sie macht ihren "Müller" zu genau der Figur Mann, die eigentlich verstanden hat, wie Feminismus funktioniert, die mit dem Kinderwunsch der Partnerin aber zufällig ein Druckmittel in die Hände gespielt bekommen hat und dieses auch bewusst und unbewusst ausnutzt. Unsere Protagonistin hingegen ist selbstbestimmt und wird beruflich immer erfolgreicher, sie geniesst ihre Freiheiten, Tinderdates und die Selbstbestimmung über ihre Beziehungen, ihr Leben und ihren Körper und sucht gleichzeitig nach einem sicheren Hafen, den sie in einer eigenen Familie vermutet. Dies ist schmerzhaft und einige Szenen haben mich an einen schwierigen Besuch in einer Kinderwunschklinik an der Seite einer lieben Freundin erinnert. An den von der Ärztin erstellen Ausdruck mit den Berechnungen der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft in ihrer zitternden Hand und an die anderen Frauen im Wartebereich, einige davon tränenüberströmt, andere hochschwanger...
    Das Buch lässt aber auch in einen Kulturbetrieb blicken, den ich selber nur zu gut kenne und der immer wieder vorgibt, sich selber zu überdenken und überarbeiten, zu modernisieren und für mehr Diversität und Inklusion einzustehen. Was er ehrlich gesagt stellenweise auch tut und dies sogar auf überzeugende Art. Wenn es dann um Ruhm, Preisgelder oder aber auch Shitstorms geht, ist allerdings immer ganz klar gegendert, wer davon am meisten abbekommt.
    Und als wäre alle dies noch nicht Inhalt genug, schafft es Önders auch noch, eine weitere Ebene ins Spiel zu bringen. Ihre Protagonistin ist nämlich mit immer wieder streitenden und immer wieder getrennten Eltern aufgewachsen und ihre Mutter hat eine Migrationsgeschichte. So wächst die Protagonistin mit und auch wieder nicht mit Migrationshintergrund auf und weigert sich, sich ausschliesslich darüber zu definieren, wie dies so viele andere Autoren (gendern nicht nötig) tun, er ist aber natürlich trotzdem Teil von ihr.
    Das Buch hat so vieles lustige Szenen, wie die "toten" Exfreunde der Protagonistin. Aber dieses Buch ist auch extrem traurig und aufrüttelnd und zeigt eine gleichzeitig zur erfolgreichen Karriere stattfindende Leere und Zerrissenheit, mit der sich wohl viele Frauen Mitte Dreissig herumschlagen, die aber noch kaum so gut in Worte gefasst worden ist, trotzdem verliert es nie einen auch irgendwie hoffnungsvollen Ton. Und dann überzeugt das Buch auch noch sprachlich. Mal kommt es derb und brutal, bissig und böse daher, mal dominieren die leisen Töne und lassen Raum für eigene Gedanken. 

    Meine Empfehlung:
    Das Buch habe ich nicht nur zu einem für mich perfekt passenden Zeitpunkt gelesen - nämlich nach "Das kunstseidene Mädchen" und vor "Heult leise, Habibis" - , es ist auch generell absolut zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Unbedingte Empfehlung!

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Anti Müller
    Autorin: Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike. Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist. 
    Sprache: Deutsch
    Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 240 Seiten
    Verlag: park x ullstein
    Erscheinungstag: 26.02.2026
    ISBN: 9783988160652