Beschreibung des Verlages:
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft
zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang
verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins
Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr
Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel
sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel
ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu
einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie
eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete
Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang
verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist
eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer
tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des
Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.
Inhalt:
In der schier unerträglichen Sommerhitze schafft es die Autorin Gyeongha kaum, eine Seite zu schreiben, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Sie wird allerdings immer wieder von einem bedrohlichen Traum aufgesucht: in einer verschneiten Landschaft stehen schwarz eingefärbte Baumstämme, die an einen mit Grabsteinen übersäten Friedhof erinnern. Auch Han Kang erwähnte übrigens in einigen Reden und Interviews, dass ein Traum sie zu diesem Buch inspiriert hat.
Gyeongha erwacht aus ihrem trägen Zustand, als es endlich Herbst wird. Ausserdem hat ihre gute Freundin Inseon einen schweren Unfall und bittet sie, auf die Insel Jeju zu reisen, um sich dort um einen kleinen Vogel zu kümmern, der nicht so lange ohne Wasser überleben kann.
Gyeongha geht der Bitte ihrer Freundin nach und ein plötzlicher Schneesturm droht, das Unterfangen scheitern zu lassen. In Inseons Wohnung auf Jeju angekommen, beginnt die Handlung in fiebertraumähnlichen Sequenzen zwischen Realität und Fiktion zu schwanken und rückt dabei ein brutales Kapitel aus Koreas Geschichte ins Zentrum der Erinnerungen der Protagonistinnen.
Meine Meinung:
Auch dieser sprachgewaltige und gekonnt erzählte Roman der Autorin hat mich sehr für sich eingenommen, berührt und zu eigenen Recherchen angeregt. Die teilweise vernichtenden Kritiken ("zu viel Schnee") kann ich dabei überhaupt nicht nachvollziehen. Es stimmt allerdings, dass man sich beim Lesen auf Han Kangs magischen Realismus, Zeitsprünge und überraschende Wendungen und Elemente einlassen muss. Da dies mein fünfter Roman der Autorin ist, ist mir dies aber überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil; dem heftigen Thema zum Trotz behält Han Kang die ihr typische Leichtigkeit bei und ihre Sätze überzeugen mit grossem handwerklichem Geschick und überwältigender sprachlicher Schönheit. Als Einstieg in ihr Werk empfehle ich das Buch aber nicht. Dafür empfinde ich "Die Vegetarierin" und dann "Menschenwerk" als sehr viel geeigneter.
Schreibstil und Aufbau:
Wie schon in ihrem unglaublich brutalen und aufrüttelnden Roman "Menschenwerk" legt Han Kang auch in "Unmöglicher Abschied" den Schwerpunkt auf ein grauenvolles Kapitel der koreanischen Geschichte und kritisiert dabei vor allem auch die Vertuschungen und den Machtmissbrauch der koreanischen Regierung. Der Schnee in Form von Schneestürmen, Schneeflocken und alle Geräusche verschluckende Schneedecken ist dabei allgegenwärtig und die Handlung besteht aus verschiedenen Ebenen. In der Gegenwart begleiten wir Gyeongha durch den Schnee ins Haus ihrer Freundin, auf der anderen Ebene erzählt Inseon (oder Inseons Geist) von ihren Nachforschungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und somit auch zu den Gräueltaten des Jeju-Massakers von 1948. Bis zum Schluss des Buches bleibt offen, welche in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse Traum und welche Realität sind. Das gekonnte Sprachspiel der Autorin lenkt mit der ihr eigenen Leichtigkeit auf genau die historischen Ereignisse, welche ihr wichtig sind und die Rahmenerzählung nutzt sie eben genau als Rahmen, als Teppich und kunstvolle Metapher.
Meine Empfehlung:
"Unmöglicher Abschied" hat es mir angetan, mich berührt, begeistert und neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht. Ich empfehle das Buch vor allem Fans von Han Kang und empfehle "Die Vegetarierin" als Einstieg in ihr Werk.
Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
Die Vegetarierin
Menschenwerk
Deine kalten Hände
Griechischstunden
Zusätzliche Infos:
Titel: Unmöglicher Abschied
Originaltitel: 작별하지 않는다 "We do not part"
Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste
literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr
erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam
mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize
ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen
Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert.
2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul.
Sprache: Deutsch
Aus dem Koreanischen von: Ki-Hyang Lee
Hardcover: 315 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Veröffentlichung: 12.08.2026
ISBN: 978-3-7466-4348-9
Rezension: Unmöglicher Abschied
Unmöglicher Abschied - Han Kang

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