Rezension: Mini Horror

Minihorror - Barbi Marković

Beschreibung des Verlages:
Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und nicht mehr schließen will.
In «Minihorror» setzt Barbi Marković den Angstarbeiter:innen unserer Gesellschaft ein Denkmal aus Perfidie und Mitgefühl, bei dessen Lektüre wir uns gleichermaßen ertappt und verstanden fühlen.

Inhalt:
In zahlreichen kurzweiligen Kapiteln widmet sich Barbi Marković dem ganz alltäglichen Horror, der sich aus scheinbar harmlosen Situationen entwickeln kann. Der Anfang eines jeden Kapitels kommt dabei (meistens) komplett unscheinbar daher und plötzlich kippt die Geschichte und eskaliert zu einer schaurig-skurrilen Erzählung, die Spass macht und dabei auch immer wieder wichtige und uns oft auch nur zu bekannte Themen wie Rassismus, eigene Privilegien, Beziehungen und Familie vor Augen führt.

Meine Meinung:
Schon sehr lange einmal wollte ich ein Buch von Barbi Marković lesen. Nach Anetts begeisterter Rezension zu "Minihorror" habe ich mir das Buch sofort gekauft. Anfangs musste ich mich ein wenig an den eher speziellen Stil gewöhnen, habe dann aber immer mehr Spass empfunden beim Lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Marković es schafft, aus den banalsten Situationen - wie Familientreffen, Spaziergänge, Katzenbegegnungen - Gedankenspiele zu machen, die plötzlich unheimlich, gruselig und bedrohlich werden. Immer dabei sind ihre Hauptfiguren Mini und Miki, die das Leben mehr oder weniger Seite an Seite verbringen und die Szenarien meistens auch ziemlich lebend aber definitiv nicht immer unversehrt überstehen. Im Anhang hat die Autorin noch weitere Texte und Horrorszenarien mit unterhaltsamen Skizzen versammelt.

Meine Empfehlung:
Von ein wenig schrägen bis komplett verstörenden Szenarien hat Marković einfach alles in ihren Texten versammelt. Der Humor ist dunkelschwarz und jeder Satz ist vom ersten bis zum letzten Wort durchdachte und höchste erzählerische Kunst. Die Kapitel sind kurz und oft auch nachdenklich stimmend.
Auf dieses kurze Büchlein muss man sich einlassen. Und dann sind der Genuss und natürlich der Horror um so grösser.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Minihorror
Autorin: Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erschien ihr Debüt «Ausgehen», noch als Übersetzung aus dem Serbokroatischen, 2016 dann der Roman «Superheldinnen», der unter anderem mit dem Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde; fünf Jahre später folgte «Die verschissene Zeit». Für «Minihorror» erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Sie lebt in Wien.
Taschenbuch: 192 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 13.05.2025
ISBN: 978-3-499-01692-9

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