Rezension: Fluchtstücke

https://www.piper.de/buecher/fluchtstuecke-isbn-978-3-8333-0042-4 
Fluchtstücke - Anne Michaels

Beschreibung des Verlages:
Anne Michaels ist Dichterin. Sie hat als solche zu veröffentlichen begonnen und für ihre 1986 und 1991 erschienenen Gedichtbände «The Weight of Oranges» und «Miner's Pond» Auszeichnungen erhalten. Auch ihr erster Roman mit dem deutschen Titel «Fluchtstücke» enthält Sätze von atemberaubender lyrischer Dichte: Knappheit und Härte der Anfangsseiten ihres Romans üben beim Lesen einen Sog aus, dem man sich nicht entziehen kann: So grauenerregend die Geschichte einsetzt, man will weiterlesen, mehr über das Schicksal des Protagonisten erfahren. Der siebenjährige Jakob Beer wird Zeuge, wie im Zweiten Weltkrieg Deutsche seine Eltern, polnische Juden, erschlagen und seine ältere Schwester verschleppen. Er flieht und versteckt sich auf dem Gelände einer archäologischen Grabungsstätte. Dort wird er nach Tagen von einem griechischen Forscher gefunden und gerettet. In der Obhut dieses Mannes verbringt er seine Kindheit und Jugend auf einer griechischen Insel, später wandert er mit ihm nach Toronto aus. Jakob wird Autor, wird Dichter und versucht seine Erfahrungen auf diesem Wege zu verarbeiten. Die schrecklichen Bilder seiner Kindheit lassen ihn lange nicht los. Eine erste Ehe scheitert daran, und erst als reifer Mann findet er in der Beziehung zu einer jungen Frau zu einer Art innerer Ruhe.

Inhalt:
Was genau stellt dieses Buch dar? Wie es der Titel vielleicht schon zu umschreiben versucht, handelt es sich bei "Fluchtstücke" um eine Sammlung loser Enden, die zu einer ganzen Geschichte zusammengefügt werden. Flüchtige Gedanken, einzelne Erinnerungsfetzen, Erzählungen, Zitate und Fundstücke. Ob nun Jakob in den ersten, grausam geschilderten Szenen von seinem Überleben und seiner Flucht erzählt, ob er später mit seiner zweiten Ehefrau auf der Suche nach Wurzeln, Antworten und Heimat an die Schauplätze seiner Kindheit zurückkehrt, oder ob Jakobs Freund Ben, dessen Eltern den Holocaust nicht überlebten, sich auf die Suche nach Jakobs Dichtungen macht und sich mit ergreifenden Worten an seinen Freund wendet, dieses Buch bewegt, fesselt, schockiert und umhüllt die Leserschaft mit einer zarten, poetischen, brutalen, kraftvollen Sprache.

Lesegefühl:
Zuerst fiel es mir nicht sehr leicht, die Figuren und ihre Geschichten auseinanderzuhalten, weil die einzelnen Fäden dieses Geflechts so lose zusammengefügt werden, dass immer ein Abschnitt in den anderen übergeht und die Erinnerungen sich sozusagen stetig überlappen und ergänzen. Da werden einerseits äusserst bedrückende und schockierende Szenen mit nüchternen Worten beschrieben und gleichzeitig ist der Rest der Handlung so poetisch und manchmal fast schon schwülstig aufgebaut, dass ich einerseits sehr angetan war von der Schönheit dieses Buches, andererseits aber auch immer wieder aufgerüttelt von der ganzen Brutalität.

Schreibstil und Handlung:
Es lässt sich bei fast jedem Satz (und die meisten davon könnte man sich entweder an den Kühlschrank kleben, in ein Achtsamkeitstagebuch schreiben oder an den Badezimmerspiegel hängen) erkennen, dass die Autorin vor allem Gedichte schreibt. So bildlich und reich an Metaphern und Ausschmückungen der Stil aber auch ist, er wirkt nur ganz selten überladen und meistens einfach nur wunderschön. Dies beisst sich leider ein wenig mit der wirklich tragischen Geschichte, die erzählt wird und hat in mir sehr ambivalente Gefühle für die ganze Handlung, aber auch für die grundsätzliche Notwendigkeit des Erzählens solcher Geschichten geweckt. Was hat sprachliche Schönheit in einer Geschichte über Tod, Schmerz, Verlust, Betrug und rohe Gewalt zu suchen? Und wie kann es überhaupt sein, dass man es liebt, dieses Buch zu lesen, obwohl es zuweilen so grausame Geschichten erzählt? Ich werde keine abschliessenden Antworten auf diese Fragen finden und dies ist wohl auch nicht nötig. Denn wenn das Buch doch auch schwülstig wirken kann, so hat die Schönheit der Sprache zumindest den Zweck erfüllt, dass man mittels all der erzählerischen Bilder noch genauer vor sich hat, was überhaupt beschrieben wird und dass man das Buch vor allem auch unbedingt lesen und trotz allem geniessen und nachher auch darüber sprechen will.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch wird mich sicher noch länger beschäftigen und es ist gut, dass ich erst morgen wieder zu einem Buch greifen werde, bis dann hat sich der Sturm in mir sicher sicher ein wenig gelegt. Aber das ist eigentlich ein positiver Sturm, weil er aufwühlt, aufweckt und zum Austausch anregt, weshalb ich euch dieses manchmal zart, manchmal kraftvoll und insgesamt sehr poetisch erzählte Buch sehr gerne ans Herz legen möchte.

Zusätzliche Infos:
Titel: Fluchtstücke
Originaltitel: Fugitive Pieces
Autorin: Anne Michaels wurde 1958 in Toronto geboren. Mit ihrem ersten Roman »Fluchtstücke« gelang ihr ein internationaler Bestseller, der in 30 Sprachen übersetzt wurde.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Beatrice Howeg 
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 368 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Erschienen: 2. Auflage 1997 
ISBN: 3-8270-0230-3

Neuzugänge Juni 2019

 
Hallo ihr Lieben

Ein intensiver Monat geht heute Abend vorbei und dann haben wir die Jahresmitte schon wieder überschritten und sobald der Sommer vorbei ist, rückt Weihnachten in greifbare Nähe. So erlebe ich es jeweils und tröste mich an diesen heissen Tagen mit dem Gedanken an kühle Winterabende. Der Juni hat mir aber neben der Hitze auch so viele wunderschöne Stunden gebracht, unendlich viel Arbeit aber auch einige sentimentale Momente. Seit nun einem Jahr stehe ich nämlich komplett auf eigenen Beinen ohne das Netz und den doppelten Boden des Studiums (HIER eine kleine Erinnerung). Und hell yeaah, das war ein tolles Jahr mit spannenden Konzerten, ganz vielen Schülern, neuen Projekten und neuen Kontakten.

Und weil der Juni auch lesetechnisch ein toller Monat war (mehr erfahrt ihr morgen in der Statistik, ich möchte heute nämlich noch ein Buch beenden), habe ich mich grosszügig mit Neuzugängen eingedeckt und dennoch meinen SuB verringern können. Grandios, ja?


Diese Bücher haben im Juni zu mir gefunden (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite):

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Hibiskusbluetenmeer/Isabelle-Broom/Diana/e543628.rhd
"Hibiskusblütenmeer" von Isabelle Broom habe ich als Rezensionsexemplar aus dem Dianaverlag via Bloggerportal bekommen und auch sofort gelesen. Die romantische, unterhaltsame und sehr tiefgründige Geschichte hat mich bestens unterhalten, was sich auch in meiner begeisterten REZENSION zeigt.

https://www.randomhouse.de/Paperback/Wild-at-Heart-Willkommen-im-Hotel-der-Herzen/Anne-Sanders/Blanvalet-Hardcover/e546074.rhd
"Wild at Heart, Willkommen im Hotel der Herzen" von Anne Sanders ist ebenfalls ein Rezensionsexemplar. Es ist im Verlag Blanvalet erschienen und auch via Bloggerportal bei mir gelandet. Auch dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten, wenn auch mir manchmal alles ein wenig over the top war, was ihr hier in meiner REZENSION nachlesen könnt.

https://www.piper.de/buecher/fluchtstuecke-isbn-978-3-8333-0042-4
"Fluchtstücke" von Anne Michaels habe ich mir aus dem offenen Bücherschrank geholt und werde das tragische und trotzdem wunderschön poetische Buch heute noch beenden. Ich freue mich schon darauf, bald die Rezension zu tippen, das wird sicher ziemlich anspruchsvoll.

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Buecherdiebin/Markus-Zusak/Blanvalet-Taschenbuch/e312074.rhd
Auch "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak stammt aus dem offenen Bücherschrank und sieht übrigens aus, wie neu. Bei so einem dicken Buch ist das wirklich erstaunlich. Keine Leserillen, keine geknickten Seiten, nichts. Ich möchte das Buch im Juli lesen und werde es wahrscheinlich in meinen Urlaub mitnehmen.

 
Zuletzt habe ich mir übrigens noch "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji gegönnt, mein erster Buchkauf seit ziemlich langer Zeit. Es ist eine Belohnung für diesen arbeitsintensiven Monat und hat am Freitag zu mir gefunden. Gekauft habe ich es in der Voirol Buchhandlung in Bern. 

Welche Bücher sind bei euch im Juni eingezogen? Welche meiner Neuzugänge kennt ihr schon und womit soll ich beginnen?

Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: 1
Eingesammelte Bücher: 2
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 140
Aktueller SuB: 136

Rezension: Emma

 
Emma - Jane Austen

Leicht schockiert waren die vornehmen Leserinnen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als ihnen Jane Austen ihre Heldinnen vorstellte, die nicht ständig in Tränen ausbrachen oder in Ohnmacht fielen und die nicht von überirdischer Vollkommenheit waren. Hier wurden Frauen unerhört realistisch geschildert, voller Schwächen, die ihnen jedoch eine liebenswerte Natürlichkeit verliehen. Eine aus dem Reigen dieser Frauengestalten ist Emma Woodhouse. Gutherzig, kapriziös, verwöhnt, auch ein wenig arrogant, aber bei allen Mängeln sympathisch, meint sie in ihrer Umgebung Vorsehung spielen zu müssen, und versucht, wie es ihr die Phantasie gerade eingibt, ihre männlichen und weiblichen Bekannten miteinander zu verheiraten. Das geht natürlich ständig schief, und es gelingt ihr auf diese Weise, das stille, eintönige Highbury gründlich durcheinanderzuwirbeln. Schließlich kommt auch sie, die nie heiraten wollte, zu Vernunft und Ehemann.

Meine Meinung:
Was habe ich mich anfangs schwergetan mit diesem Buch. Monatelang las ich immer wieder einmal ein paar Seiten und legte es dann weg, weil die überspitzten Figuren, die langatmigen Beschreibungen und die überhaupt nicht bescheidene Protagonistin mir den letzten Nerv raubten. Dann aber machte es "klick", ich blieb ein wenig länger konzentriert und las grössere Abschnitte, gewöhnte mich an den Stil, der eigentlich vor (Selbst-)Ironie nur so trieft und ein zart überspitztes aber insgesamt in erster Linie eher beobachtendes als wertendes Bild über die damalige Gesellschaft bietet. Besonders gut gefallen hat mir auch das Nachwort, das "Emma" in Austens Schaffen einordnet und einzelne erklärende Hinweise bietet, vor allem aber eine grosse Lanze für die äusserst genau beobachtende und sehr liebevoll und charakterstark beschreibende Autorin bricht.

Schreibstil und Handlung:
Jane Austen schreibt über ein Leben, das sie kennt. Bürgerinnen und Bürger aus gutem Hause, die eigentlich nicht wirklich arbeiten und ihre fast unbegrenzte Freizeit mit dem Planen, Ausführen und Nachbesprechen von Abendgesellschaften, Bällen und Ausritten verbringen. Da wird über jede und jeden getratscht, jede Verlobung genau analysiert und doch immer aufgeklärter, fast sogar schon vereinzelt emanzipiert gedacht. So ist Emma eine Protagonistin, die ihren eigenen Kopf und einen nicht nur angenehmen Charakter hat, die aber dennoch von fast allen gemocht wird. Sie spricht frei heraus, lehnt die Ehe als Institution ab und will ihr Umfeld unter romantischen Kriterien verkuppeln. Somit ist Austen eine liebevoll ironische, wenn nicht gar vereinzelt ziemlich kritische Gesellschaftsstudie gelungen und nicht nur ist zu Austens Zeit die Rolle der finanziell unabhängigen und aus Liebe heiratenden Protagonistin eher neu, Austen hat wesentlich zur Entwicklung des Genres des Sittenromans/Gesellschaftsromans und der Technik der "erlebten Rede" beigetragen und somit auch formal Meilensteine errichtet und dies in einer Zeit, in der Autorinnen rar waren und Romane als Schundliteratur galten. 

Meine Empfehlung:
Das Durchhalten lohnt sich definitiv. Denn auch wenn die einzelnen Geplänkel und die aus heutiger Sicht nicht mehr ernstzunehmenden Dialoge, sowie die ellenlangen Beschreibungen zeitweise ermüdend wirken können, lohnt es sich, diesen Roman einmal versuchsweise aus damaliger Sicht zu betrachten. Erst dann wird klarer, wie kritisch und pointiert Austens Beschreibungen sind, wie emanzipiert ihre Protagonistin eigentlich ist und welche spannenden literarischen Grundsteine die Autorin mitbegründet und geformt hat. Von mir gibt es deshalb eine überzeugte Empfehlung für diesen grossen Roman.

Zusätzliche Infos:
Titel: Emma
Autorin: Das Leben Jane Austens (1775 bis 1817) verlief ähnlich unberührt von den historischen Ereignissen ihrer Zeit wie das ihrer Heldinnen und Helden. Ihre Welt war die verträumte Provinz, doch entdeckte sie hier eine überraschende Vielfalt der Temperamente und Typen, die sie mit heiter-ironischem Humor und kritischem Blick in ihren Romanen nachzeichnete. Durch ihre geradezu modern anmutende Kunst der Seelenanalyse entstand ein Bild menschlicher Tugenden und Unzulänglichkeiten, das bis heute nichts von seiner Farbigkeit und Frische verloren hat.
Taschenbuch: 560 Seiten
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Horst Höckendorf
Mit einem Nachwort von: Klaus Udo Szudra 
Verlag: Diogenes
Veröffentlicht als Diogenes Taschenbuch: 1991
ISBN: 978-3-257-21903-2

Mädelsabend bei Leni und Tanja

 
Hallo ihr Lieben

Heute um 18.00 Uhr wurde ein Mädelsabend bei Leni und Tanja gestartet und ich kann endlich, endlich, endlich wieder einmal mitlesen. Mein letzter Mädelsaben war am .... *stöber* ....... 18.11.17....wow!!! Und ich starte sofort mit den Updates, respektive verrate ich euch nun zuerst einmal meine heutigen Leseziele und dann melde ich mich wieder und zeige euch meine aktuelle Lektüre :-)

18.18 Uhr :-)
Ich bin vor zehn Minuten total geschafft nach Hause gekommen und werde jetzt dann gleich mein Abendessen vorbereiten (das zeige ich euch dann) eine Flasche Wein öffnen (darauf freue ich mich seit Montag) und euch dann natürlich auch noch mein Buch zeigen.

Ich habe ein paar Ziele, die ich heute unbedingt erreichen will. Morgen steht ganz viel Haushalt und vor allem auch Schreibtischarbeit auf dem Programm, das alles lasse ich heute sein. Ich räume nichts auf und putze nichts und ich beantworte auch keine Mails. Aber ich möchte blog- und lesetechnisch ein paar Dinge schaffen und zwar:
  • Ich möchte meine aktuelle Lektüre "Fluchtstücke" von Anne Michaels beenden (238/368 Seiten)
  • Die Rezension zu "Emma" von Jane Austen tippen
  • Die Rezension zu "Fluchtstücke" nach Möglichkeit auch gleich noch tippen
  • Meinen Neuzugängepost vorbereiten (der wird dann erst nächste Woche erscheinen, damit nicht alles gleichzeitig online geht)
  • Ein paar Kommentare beantworten und viel stöbern
So und jetzt bin ich einmal kurz in der Küche und melde mich nachher wieder :-)


19.00 Uhr
 
Ich lese auf dem Balkon, auch wenn es noch sehr warm ist und gönne mir dazu mein Abendessen. Bei mir gibt es Tomaten mit Burrata, Salz, Pfeffer, getrockneten Kräutern und richtig gutem Olivenöl. Das ist immer mein Belohnungs-Soul-Food im Sommer und darauf freue ich mich jeweils den ganzen Winter und Frühling, bis es im Juni wieder die ersten Tomaten gibt. Dazu habe ich mir ein paar Gurken und Pilze geschnitten und ich trinke Montepulciano d'Abruzzo aus Italien und natürlich viel Wasser. 

Die Frage um 18.00 Uhr war: Wir lassen dich mit dem Start des Mädelsabends auch direkt in die Geschichte springen. Was würde sich mit dir an der Handlung verändern? Welche Charaktere würdest du gerne kennenlernen? Was würdest du ihnen sagen?
Selbstverständlich möchte ich nicht im Roman "Fluchtstücke" leben und wenn ich die Handlung verändern könnte, würde ich natürlich den zweiten Weltkrieg gar nicht erst geschehen lassen... Darum geht es nämlich im Buch: "Der siebenjährige Jakob Beer wird Zeuge, wie im Zweiten Weltkrieg Deutsche seine Eltern, polnische Juden, erschlagen und seine ältere Schwester verschleppen. Er flieht und versteckt sich auf dem Gelände einer archäologischen Grabungsstätte. Dort wird er nach Tagen von einem griechischen Forscher gefunden und gerettet. In der Obhut dieses Mannes verbringt er seine Kindheit und Jugend auf einer griechischen Insel, später wandert er mit ihm nach Toronto aus. Jakob wird Autor, wird Dichter und versucht seine Erfahrungen auf diesem Wege zu verarbeiten. Die schrecklichen Bilder seiner Kindheit lassen ihn lange nicht los. Eine erste Ehe scheitert daran, und erst als reifer Mann findet er in der Beziehung zu einer jungen Frau zu einer Art innerer Ruhe."
Das ist nicht einladend, nicht schön, sondern grausam und hart und trotzdem ist das Buch sehr poetisch, manchmal fast schon schwülstig geschrieben, weshalb ich beim Lesen sicher gut vorankommen werde - wie auch bisher schon - und das Buch hoffentlich bald beenden kann. Die Geschichte ist nämlich sprachlich wunderschön, aber manchmal inhaltlich kaum auszuhalten und das ist nicht immer ganz einfach...

Die Frage jetzt um 19.00 Uhr ist: Die Charaktere unserer Bücher sollen sich für uns auf dem Laufsteg präsentieren. Welche Art von Mode würde(n) die/der Charakter/e deines Buches heute tragen?
Das werde ich natürlich ebenfalls nicht beantworten, das wäre schon ziemlich geschmacklos, dafür darf ich nun endlich etwas essen und lesen und melde mich dann nachher um so ausführlicher :-) 


20.17 Uhr
Soooo, ich habe bin in die Wohnung aufs Sofa geflüchtet, auf dem Balkon war es einfach immer noch zu warm, und ich geniesse jetzt Eiskaffee und frische Kirschen, die ich auch heute Morgen früh noch beim Bauern geholt habe. Ich komme gut voran, habe allen einen Besuch abgestattet und zwanzig Seiten gelesen und möchte nun die 20-Uhr-Frage beantworten:

Nun haben wir eine persönliche Frage an dich: Mit welchem der heutigen Teilnehmer würdest du gerne einmal deinen Leseplatz tauschen? Begründe deine Entscheidung.
Ich würde sehr gerne Tanjas Cookies essen, Lenis Lichterketten sehen (Tanja hat davon geschwärmt), Vivkas Kühlschrank plündern, Alicas Bücherregal durchstöbern (weil sie so andere Bücher liest, als ich es tue und ich da sicher total viele neue Bücher entdecken könnte) und Lillys Buch würde ich sofort klauen, das gefällt mir total. Könnten wir uns nicht einfach an einem neutralen Ort mit Picknick treffen? Das wäre toll :-) 


21.09 Uhr
Jede/r Held/in hat mal Urlaub nötig. Was treibt dein/e Protagonist/in so in seiner/ihrer Freizeit? Hat er/sie Hobbies? Bzw. welches Hobby könntest du dir bei ihm/ihr gut vorstellen?
Diese Frage kann ich tatsächlich beantworten. Erst gerade hat der Ich-Erzähler Ben (ein Freund Jakobs) nämlich berichtet, dass er als Kind eine Lötstation besessen hat, das lasse ich so jetzt einmal gelten. Insgesamt kommen einige viele Figuren vor, die über Generationen miteinander verbandelt sind und ich komme zwar gut voran, lege aber auch ab und an Pausen ein, um zu kommentieren, was bei diesem Buch wirklich Sinn macht...   


22.24 Uhr
Hallo ihr Lieben 
Ich vergesse irgendwie immer, dass die Mädelsabende oft so kurz sind, deshalb habe ich mir wohl doch ein wenig zu viel vorgenommen. Aber das ist gar kein Problem, ich leide nach wie vor sehr stark unter der Hitze, weshalb ich so oder so vielleicht lieber zuerst eine Rezension tippe und später noch ein wenig lese. Vor Mitternacht werde ich so oder so nicht schlafen. Leni und Tanja fragen nach einer Lieblingsstelle im Buch, das finde ich sehr schwer, da die Handlung natürlich nicht schön oder so ist, sich aber fast jeder Satz als Zitat eignet, weil die Sprache einfach soooo poetisch daherkommt. Mal sehen, ob ich das Buch heute noch schaffe, aber wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm. Auf jeden Fall möchte ich mich bei Leni und Tanja sehr herzlich für den tollen Abend, der wirklich sehr gemütlich und entspannt war, bedanken.

Alles Liebe und wir lesen uns vielleicht später noch (ich stöbere nachher noch einmal bei allen)
Livia 

Rezension: Die Geschichte der Bienen

 
Die Geschichte der Bienen - Maja Lunde

Beschreibung des Verlages:
England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.
Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.
China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.
Wie alles mit allem zusammenhängt: Mitreißend und ergreifend erzählt Maja Lunde von Verlust und Hoffnung, vom Miteinander der Generationen und dem unsichtbaren Band zwischen der Geschichte der Menschen und der Geschichte der Bienen. Sie stellt einige der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie gehen wir um mit der Natur und ihren Geschöpfen? Welche Zukunft hinterlassen wir unseren Kindern? Wofür sind wir bereit zu kämpfen?

Inhalt:
Dieses Buch ist eine Mischung aus Dystopie, Familiendrama, Gesellschaftsroman und Sachbuch. In einem düsteren Grundton wird die Geschichte dreier Menschen erzählt, die - abgesehen von ihrer Arbeit, ihrer Faszination für das Leben der Bienen und auch ihrer Abhängigkeit von bestehenden Systemen - nicht viel gemeinsam haben. Wir sind auf drei Kontinenten und werden in drei Familiengeschichten involviert, die zeitlich weit auseinanderliegen. Mit William erleben wir eine Blütezeit, eine Zeit voller Aufschwung und erfahren einiges über das Leben der Bienen. Mit George sind wir mitten in der Krise angelangt, in einer Gegenwart gefangen, die keine positive Prognosen für die Zukunft bieten kann und mit Tao reisen wir in eine beängstigend realistisch anmutende Zukunftsvision, die für Beklemmung sorgt.

Meine Meinung:
"Die Geschichte der Bienen" hat mich mit der komplexen Idee von drei lose zusammenhängenden Strängen und Zeitebenen, sowie mit den sehr unterschiedlich entworfenen Ausgangslagen der jeweiligen Protagonisten für sich einnehmen können. Die kurzen Kapitel, die abwechslungsweise von Erzählstrang zu Erzählstrang springen und dabei dank klaren Kapitelüberschriften und fortlaufend mit dem Namen des aktuellen Protagonisten beschrifteten Seiten sehr übersichtlich bleiben, haben mich das Buch innerhalb weniger Tage verschlingen lassen. Wenn auch die Sprache zuweilen befremdlich nüchtern wirkt, haben mich die einzelnen Familiengeschichten, die allesamt eher dramatisch verlaufen und die wissenswerten, definitiv aufwendig recherchierten Informationen über die Bienenvölker und ihr Leben für sich einnehmen können.

Schreibstil:
Maja Lundes Sprache ist sehr schlicht, manchmal ein wenig monoton und oft ein wenig kindlich anmutend. Trotzdem schafft sie es, durchs Band eine sehr düstere Grundstimmung zu erzeugen, die nachdenklich stimmt und beklemmend wirkt. Vor allem die in der Zukunft spielende Handlung um die Arbeiterin Tao, deren Sohn um sein Leben bangt und deren eigene Existenz von strengen Regeln, Überwachung und Rationierung geprägt ist, bedrückt und zwingt zum Überdenken unserer eigenen aktuellen Lage. Wie geht es mit unserem Klima weiter? Wie viel Sorge tragen wir zu unserem Planeten und der Pflanzen- und Tierwelt? Welche kleinen Schritte können wir im Alltag tun, um zu verhindern, dass wir uns bald in einem solchen Alptraum wiederfinden?

Meine Empfehlung:
"Die Geschichte der Biene" ist definitiv keine leichte Kost, regt aber zum Nachdenken an, berührt und lässt gegen Ende doch ein wenig Hoffnung aufblitzen. Für die spannenden Familienportraits, die wissenswerten Exkursionen rund um das Leben der Bienen und der Bau von Bienenbeuten, sowie für die bedrückende Grundstimmung und die aussergewöhnliche Handlungsidee gibts von mir trotz der zeitweise ein wenig zu nüchternen und simplen Sprache eine ganz klare Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Geschichte der Bienen
Originaltitel: Bienes historie
Autorin: Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.
Sprache: Deutsch
Aus dem Norwegischen von: Ursel Allenstein
Taschenbuch, Klappenbroschur: 528 Seiten
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-71741-5
Erschienen am: 10. September 2018