Die Riesinnen - Hannah Häffner
Beschreibung des Verlages:
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.
Inhalt:
Die Riesinnen, das sind die drei Frauen der Familie Riessberger; Oma Liese, ihre Tochter Cora und deren Tochter Eva, ein kleines Dorf im Schwarzwald und eine Metzgerei. Sie alle sind voll von Sehnsüchten und Träumen, aber auch in den Zwängen und Regeln ihrer Generation, ihres Dorfes und ihres Geschlechts gefangen.
Doch was in Stein gemeisselt scheint, lässt sich aufbrechen, mit jeder Generation ein wenig mehr. Und so beginnen die drei Frauen, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und nach ihrer ganz persönlichen Freiheit zu streben.
Meine Meinung:
Soeben ist "Die Riesinnen" zum Lieblingsbuch der Unabhängigen 2026 gekürt worden und dies überrascht nicht. Der atmosphärische, immer wieder ziemlich düstere und vor allem am Anfang extrem dicht gewobene Roman, der mit Sätzen von unbändiger und zugleich feinsinniger Wildheit und Schönheit besticht, hat es also nicht nur mir angetan.
Vor allem die erste Hälfte des Romans hat mich mit ihrer Sogwirkung verzaubert, die drei Riessberger-Frauen habe ich - mit all ihren Ecken und Kanten - ins Herz geschlossen und besonders gut gefallen hat mir, wie oft ich beim Lesen von Formulierungen, Szenen, Gedanken und Gesprächen überrascht worden bin. Nach der ersten Hälfte verzweigt die Erzählung mehr und mehr, der Roman wird durchlässiger, die Zeitsprünge werden grösser, die Umrisse der Figuren verlieren ein wenig an Klarheit, aber ganz am (sehr offenen) Ende wird der Handlungsstrang noch einmal festgezurrt und der anfängliche Sog hat mich wieder komplett vereinnahmt.
Schreibstil und Aufbau:
Die Handlung wird chronologisch, aber mit einigen Rückblenden erzählt und es hat mich tief beeindruckt, wie viel Handlung, wie viele Figuren, wie viele Schicksale auf ein wenig mehr als 400 Seiten Platz haben. Jedes Wort, jeder Satz ist mit grösster Präzision konstruiert. In sehr langen Kapiteln lernen wir dabei die drei Riesinnen - wie sie im Dorf hinter nicht ganz vorgehaltener Hand genannt werden- und ihre geheimsten Sorgen und Sehnsüchte kennen. Obwohl die Grundstimmung dieses Buches bedrohlich wirkt, scheinen die Beschreibungen teilweise seltsam distanziert. Und plötzlich braut sich Satz um Satz wieder ein Abschnitt zusammen, der vor Sprachkunst trieft und Lust macht, noch ganz viele Werke von Hannah Häffner zu entdecken.
Meine Empfehlung:
Der kleinen Kritik zum Trotz ist dieser Roman vor allem aufgrund seiner poetischen, eher düsteren Sprachkunst und seiner sprachlichen Schönheit eine Entdeckung für mich. Ich empfehle euch "Die Riesinnen" sehr gerne weiter.
Zustäzliche Infos:
Titel: Die Riesinnen
Autorin: Hannah Häffner wurde 1985 in Heidelberg geboren. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften begann sie, als Werbetexterin zu arbeiten und sich parallel dazu verstärkt dem Schreiben zu widmen. Heute lebt sie mit ihrer Familie als freie Texterin und Schriftstellerin in der Nähe von Stuttgart.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 416 Seiten
Verlag: Penguin



Liebe Livia,
AntwortenLöschenwie schön - eine ganz wunderbare Rezension! Das Buch hat meine große Tochter - jetzt habe ich ein Grund mehr, es mir von ihr zu leihen!
Liebe Grüße Anett.
Liebe Anett
LöschenOh, so toll. Bücher, die man sich leihen kann, sind doch die besten!
Alles Liebe
Livia
Liebe Livia,
AntwortenLöscheneigentlich hatte ich "Die Riesinnen" auf meiner Wunschliste, aber du hast mich nun mit dem sehr offenen Ende richtig abgeschreckt. Ich mag ja offene Enden nicht - aber es kommt natürlich auch darauf an, wie dieses ist. Fragt man sich am Ende wozu man die Geschichte eigentlich gelesen hat? (so geht es mir oft bei offenen Enden) oder ist es so, dass man es annehmen kann oder verläuft die Handlung irgendwie aus?
Liebe Grüße
Martina
Liebe Martina
LöschenOk, nun kann ich sehr gut nachvollziehen, was dich an offenen Enden stört und es wäre schade, wenn dich das Ende vom Lesen abschrecken würde. Ich finde es schwierig, das zu erklären, ohne zu spoilern. Es war aber sicher nicht so, dass ich die Geschichte gefühlt umsonst gelesen hätte, ganz im Gegenteil.
Ich denke, es ist ein wenig eine Mischung aus deinen beiden anderen Punkten. Man kann es annehmen, die Handlung läuft aber auch irgendwie aus im Sinne von, die Figuren werden eine Zeit lang durch ihr Leben begleitet und dann läuft ihr Leben ohne das Buch weiter. Verstehst du ein wenig, was ich meine?
Alles Liebe
Livia