Kurzrezension: Einübung ins Schweben

Einübung ins Schweben - Dževad Karahasan

Beschreibung des Verlages:

Peter Hurd, Altphilologe und Mythenforscher, kommt zu einer Lesung nach Sarajevo – wenige Tage vor Beginn des Krieges. Als sein Übersetzer und Bewunderer Rajko ihn am Busbahnhof wieder verabschieden will, fasst Peter spontan den Entschluss zu bleiben: die Chance, mitzuerleben, wie Menschen sich in Extremsituationen verhalten, will er sich nicht entgehen lassen. Mit Rajko teilt er den Alltag, er begleitet ihn durch die unter Granatenbeschuss liegenden Nachbarschaft, lernt Freunde und Verwandte kennen, auch Sanja, in die er sich verliebt. Eines Tages macht er sich allein auf den Weg und kehrt zurück, kaum wiederzuerkennen …

Inhalt:
Nach einer Lesung in Sarajevo beschliesst der Altphilologe und Mythenforscher Peter Hurd, seinen Aufenthalt in der Stadt zu verlängern. Sein Übersetzer und Freund Rajko, der ihn über alle Massen bewundert, steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Als der Krieg ausbricht und die Stadt über vier Jahre hinweg belagert wird, gibt Hurd sich einem Rausch nach dem anderen hin, probiert alle Drogen aus, die er finden kann und entfernt sich immer weiter von seinem alten Selbst, das der Ich-Erzähler Rajko vergeblich nach wie vor in ihm zu finden sucht, während er selber in seinem Alltagstrott stehen und gefangen bleibt.

Meine Meinung:
Am 8. Februar bin ich mit Marija von @alle_meine_buecher ins Literaturhaus Zürich gegangen und habe gemeinsam mit ihr die Lesung von Dževad Karahasan zu seinem neuen Buch "Einübung ins Schweben" besucht (die Bilder seht ihr HIER). Zu diesem Zeitpunkt hatte ich etwa hundert Seiten des Buches gelesen und Karahasan hat an besagtem Abend zufällig auch genau die drei Szenen vorgelesen, die mir bis dahin am besten gefallen hatten. So weit, so gut. Schon bei der Lesung zeigte sich aber auch: dieser Mann holt gerne aus, weicht ab und doziert unaufhaltsam vor sich hin und die Moderatorin Katrin Eckert hatte ihre liebe Mühe, zu Wort zu kommen. Beim weiteren Lesen dieses Buches haben genau diese Eigenschaften, das endlose Abschweifen, das zuweilen krampfhaft anmutende Suchen nach Analogien in der griechischen Mythologie und Philosophie, das Aneinanderreihen von Worten, dazu geführt, dass ich dieses Buch nur noch weglegen wollte. Nicht nur wird kaum aus der belagerten Stadt berichtet (ich frage mich, welches Buch der Feuilleton gelesen hat, wenn er einstimmig von diesen "eindringlichen Schilderungen" schwärmt), sondern vor allem Rajkos Innensicht imklusive zahlreicher philosophischer Betrachtungen abgebildet, auch wird ein Drogentrip erzählt, der konstruiert wirkt und nicht zuletzt sind die Frauenfiguren stereotyp erzählt und kleingehalten. Ausserdem wird eine vermutliche Vergewaltigung verharmlost. Karahasan, der durchaus erzählen könnte, was er in zahlreichen unterhaltsamen Anekdoten beweist und dessen Liebe zu Sarajevo ungebrochen ist, will mit seinem neuesten Buch wohl vor allem zeigen, wie belesen und lebenserfahren er ist. Vielleicht ist dieser Stil einfach ein wenig in die Jahre gekommen, aber vielleicht wird ein solcher Text von einem alten weissen Mann halt auch dann nicht besser, wenn er aus dem Land stammt, in dem das Erzählen eigentlich ein eigener Sport ist.

"Mir ist nicht einmal der Krieg passiert, mir ist auch nicht die Belagerung Sarajevos passiert. Mir ist nur der Verlust meiner Stadt passiert, und der ist mir wirklich passiert."

Fazit:
Weniger wäre mehr gewesen. Hätte Karahasan sich auf seine Geschichte konzentriert und dem roten Faden eine Chance gegeben, sich zu entspinnen, wäre das eine schöne, runde Sache mit grossem Potenzial geworden. Ich bin froh, dass ich bereits sehr viele andere Autorinnen und Autoren aus dem ehemaligen Jugoslawien für mich entdecken durfte, die mich mehr zu überzeugen vermochten und kann für dieses Buch keine Empfehlung aussprechen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Einübung ins Schweben
Originaltitel: Uvod u lebdenje
Autor: Dževad Karahasan, 1953 in Duvno/Jugoslawien geboren, zählt zu den bedeutendsten europäischen Autoren der Gegenwart. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Essays, Erzählungen und Theaterstücke. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung 2004 und mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt 2020.
Sprache: Deutsch
Aus dem Bosnischen von: Katharina Wolf-Grießhaber
Fester Einband mit Schutzumschlag: 304 Seiten
Verlag: Suhrkamp
Ersterscheinungstermin: 16.01.2023
ISBN: 978-3-518-43122-1

Kurzrezension: Kummer aller Art

Kummer aller Art - Mariana Leky

Beschreibung des Verlages:
»Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa«, denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen.
Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann.
Die in ›Kummer aller Art‹ versammelten Texte erschienen erstmals als Kolumnen in PSYCHOLOGIE HEUTE.

Inhalt:
Liebeskummer, Schlaflosigkeit, grosse Träume, leise Wünsche, laute Schritte, Hundespaziergänge, Nachbarschaftsliebe, Zwänge, Ängste, Fürsorge, Sehnsucht, Abschied, Glück... In 39 herzerwärmenden Texten - ursprünglich für die "Psychologie heute" geschriebene Kolumnen, die Leky eigens für dieses Buch überarbeitet hat - nähert sich Leky in humorvoller, tröstlicher und genau beobachtender Art allen grossen und kleinen Gefühlen und Alltäglichkeiten der Menschheit an. Wiederkehrende und liebevoll skizzierte Figuren wie die Nachbarin Frau Wiese, der Nachbar Herr Pohl mit seinem Hund Lori oder auch Onkel Ulrich sorgen dafür, dass man sich beim Lesen immer willkommener und umsorgter fühlt.

Meine Meinung:
Von Mariana Leky habe ich bereits "Was man von hier aus sehen kann" (der Film lohnt sich übrigens auch sehr) sowie "Liebesperlen" gelesen und geliebt. In "Kummer aller Art" zeigt die Autorin, dass sie auch in den kürzesten Texten ganz grosse Geschichten und Gefühle erzählen kann. Obwohl die meisten ihrer Figuren grossen und kleinen Kummer mit sich herumtragen, ist da noch so viel Platz für Liebe, Freundschaft und Trost. Genauestens beobachtend und gewohnt poetisch erzählend nähert sich Leky dem Kummer ihrer Figuren und zeigt auf kluge und kurzweilige Art, dass es in Ordnung ist, stets Kummer mit sich herumzutragen oder dass man dem Kummer ein Schnippchen schlagen kann oder dass er manchmal kleiner wird, wenn man ihn teilt oder einfach lange genug wartet. Diese Buch ist eine literarische Umarmung, ein buchiges "Kopf hoch" und eine Erinnerung an die schönen zwischenmenschlichen Begegnungen in unserem Leben.
Mariana Leky ist eine begnadete Erzählerin, die unglaublich schöne literarische Bilder zeichnet und deren besondere Spezialität die Beschreibungen von Menschen sind. Egal, wie sonderlich eine Figur scheint, Leky nähert sich ihr stets auf wohlwollende, achtsame, respektvolle Weise und dies berührt mich jeweils bis ins Innerste.

Meine Empfehlung:
Ich möchte dieses Buch am liebsten allen Menschen in meinem Umfeld schenken, die es gerade nicht so leicht haben oder einfach generell allen Menschen. Ich hätte gerne noch sehr viele weitere Kummer-Erzählungen gelesen und empfehle euch dieses Herzensbuch sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel: Kummer aller Art
Autorin: MARIANA LEKY studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Sie lebt in Berlin und Köln. Bei DuMont erschienen der Erzählband ›Liebesperlen‹ (2001), die Romane ›Erste Hilfe‹ (2004), ›Die Herrenausstatte¬rin‹ (2010) sowie ›Bis der Arzt kommt.‹ (2013). 2017 veröffentlichte sie den SPIEGEL-Bestsellerroman ›Was man von hier aus sehen kann‹, der in über zwanzig Sprachen übersetzt und für das Kino verfilmt wird.
Gebunden mit farbigem Vorsatz und Lesebändchen: 176 Seiten
Verlag:DuMont
Erscheinungstag: 19.07.2022
ISBN: 978-3-8321-8216-8

Rezension: In fünf Jahren

In fünf Jahren - Rebecca Serle

Beschreibung des Verlages:

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Als die ehrgeizige New Yorker Anwältin Dannie dies beim wichtigsten Bewerbungsgespräch ihrer jungen Karriere gefragt wird, ist ihre Antwort klar, hat sie doch einen minutiös ausgeklügelten Lebensplan. An diesem Abend macht ihr Freund ihr einen Heiratsantrag, und sie legt sich schlafen mit dem guten Gefühl, dass alles so läuft, wie sie es sich gewünscht hat. Doch als sie mitten in der Nacht aufwacht, befindet sie sich in einer fremden Wohnung, an ihrem Finger steckt ein anderer Ring, und neben ihr liegt ein ganz anderer Mann. Im Hintergrund laufen die Nachrichten, und sie sieht das Datum: Es ist derselbe Tag, der 15. Dezember, doch fünf Jahre in der Zukunft. Nach einer Stunde, die alles in Frage stellt, an das sie bisher geglaubt hat, wacht sie in ihrem eigenen Bett wieder auf. Und obwohl sie versucht, diesen Moment zu vergessen, kann sie es nicht. Bis sie viereinhalb Jahre später dem Mann aus ihrem Traum begegnet ...

Inhalt:
Dannie und David sind das Traumpaar schlechthin. Sie sind beide sehr erfolgreich in ihrem Beruf und haben sowohl einen beruflichen als auch einen privaten Fünfjahresplan. Sie unterstützen sich gegenseitig und als David Dannie den erwarteten Antrag macht, scheint ihr Glück perfekt. Doch ein sehr realistisch wirkender Traum katapultiert Dannie fünf Jahre in die Zukunft und in die Arme eines fremden Mannes. Zurück in ihrem Alltag kriegt sie den Traum nicht aus dem Kopf und findet immer mehr Gründe, die Hochzeit zu verschieben. Als schliesslich der Mann aus ihren Träumen an der Seite ihrer besten Freundin Bella in Dannies Leben tritt, muss Dannie sich über einige Dinge klar werden.

Meine Meinung:
"In fünf Jahren" stand lange auf meiner Wunschliste, die vielen begeisterten Rezensionen haben mich neugierig gemacht. Dann endlich habe ich es in einem offenen Bücherschrank entdeckt und am gleichen Tag hat Daniela vom Blog readeatlive das Buch im Rahmen des Posts "Fünf Bücher, die mich glücklich machen" erneut empfohlen (schon ihre Rezension hat mir sehr gut gefallen). Nur leider hat mir die Geschichte nicht wie erwartet zugesagt. Die Protagonistin Dannie, die sich in ihrem Leben und ihrem Beruf verrannt hat, empfand ich als ziemlich anstrengend. Ich definiere mich selber auch sehr stark über meinen Beruf und trotzdem ist es mir möglich, auf mein Herz zu hören. Das kann Dannie überhaupt nicht. Wahre Liebe empfindet sie eigentlich nur für ihre beste Freundin Bella. Diese Freundschaft wird aber sehr schön dargestellt, finde ich. Und es ist eigentlich die einzige wirkliche und überzeugende Liebesgeschichte in diesem Buch. Die Handlung entwickelt sich ganz anders, als erwartet. Der schon von einigen erwähnte Plottwist konnte auch mich überraschen, was mir sehr gut gefallen hat, das Ende war dann aber leider sehr vorhersehbar. Der tragischen Entwicklung zum Trotz kamen bei mir keine Emotionen auf, die Figuren haben sich in meinen Augen zu wenig entwickelt und die Geschichte blieb oberflächlich und sehr, sehr seicht. Immerhin liest sich das Buch sehr leicht, so bin ich immerhin schnell zum Ende gekommen ;-)

Fazit:
Leider hat dieses Buch meinen Geschmack nicht ganz getroffen. Die Geschichte hat sich viel zu schwerfällig und oberflächlich entwickelt und Dannie ist eine ziemlich anstrengende Protagonistin, die sich selber permanent im Weg steht. Von mir gibt es - allen positiven Rezensionen zum Trotz - keine Empfehlung und das Buch wandert zurück in den Bücherschrank.

Zusätzliche Infos:
Titel:
In fünf Jahren
Originaltitel: In Five Years
Autorin: Rebecca Serle ist Autorin und Drehbuchschreiberin und lebt in New York und Los Angeles. »In fünf Jahren« wurde von Leser*innen und Presse begeistert aufgenommen und stand monatelang auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Rebecca Serles Bücher erscheinen in 24 Ländern.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Judith Schwaab
Paperback, Klappenbroschur: 320 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 14. Juni 2022
ISBN: 978-3-442-77014-4


Rezension: Laienspiel

Laienspiel (Kluftinger 4) - Volker Klüpfel, Michael Kobr

Reiheninfos:

  1. Milchgeld
  2. Erntedank
  3. Seegrund
  4. Laienspiel
  5. Rauhnacht
  6. Schutzpatron
  7. Herzblut
  8. Grimmbart
  9. Himmelhorn
  10. Kluftinger
  11. Funkenmord
  12. Affenhitze
Beschreibung des Verlages:
Terror im Allgäu! Ein packend-lustiger Fall für Kommissar Kluftinger 
Mit Terrorismus ist nicht zu spaßen. Es sei denn, Klufti muss sich damit befassen. Im vierten Band der erfolgreichen Allgäu-Krimis kommen Spannung und Humor garantiert nicht zu kurz. 
Das Leben im Allgäu kann wirklich beschaulich sein. Solange man nicht Hauptkommissar Kluftinger heißt. Dieses Mal muss er sich mit einem Unbekannten unter Terrorverdacht, einer Zusammenarbeit von BKA, österreichischer Polizei und den Ermittlern vor Ort, einem Tanzkurs und einem "Laienspiel" herumschlagen. 
Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr gönnt Kommissar Kluftinger in seiner erfolgreichen  Regionalkrimireihe aus dem Allgäu nicht eine Sekunde zum Durchatmen. Und die Leser lieben es! Große Themen und rasante Fälle werden mit einer gehörigen Portion Humor serviert, die jeden Krimi-Bestseller dieser Reihe zu einem besonderen Lesevergnügen für Fans klug konstruierter Mordgeschichten machen. 

Inhalt:
Kommissar Kluftiger kann sich vor Herausforderungen kaum retten. Er steckt mitten in den Endproben für die grosse Freilichtspiel-Inszenierung des "Wilhelm Tell", Erika Kluftinger hat ihn und das Ehepaar Langhammer zu einem Tanzkurs angemeldet, bei dem Klufti Doktor Langhammer ungewollt nahe kommt, der Umzug in neue Büroräumlichkeiten steht unmittelbar bevor und österreichische Ermittler bringen einen brisanten Fall ins Allgäu, der das BKA auf den Plan ruft, mit Terroristen ist schliesslich nicht zu spassen...

Meine Meinung:
Kommissar Kluftinger und das Autorenduo Klüpfel-Kobr laufen in diesem Krimi definitiv zu Höchstleistungen auf. Nicht nur ist dieser Kluftinger der in meinen Augen bisher unterhaltsamste Teil der Reihe, der Fall ist auch äusserst klug und spannend erzählt. Nicht selten ist es unser grummeliger Liebslingskommissar, der entscheidende Hinweise liefert und die richtigen Fragen stellt, der aber auch immer wieder für grosse Erheiterung sorgt. Kluftinger wird Teil einer Sonderermittlungstruppe, die von Faruk Yildrim, Terrorexperte des BKA, geleitet wird. Nicht nur wird die diffuse Bedrohung durch einen Terroranschlag im Allgäu äusserst realistisch thematisiert, auch unterschiedliche Vorurteile gegenüber Religionen und spannende Diskussionen zwischen Klufti und Yildrim sorgen für Tiefgang. Spannend finde ich, dass Kluftinger einerseits kein Fettnäpfchen auslässt und dass vor allem durch sein Unverständnis gegenüber der moderndsten Technik auch einiges an Situationskomik entsteht, dass aber andererseits auch immer Platz für leise, nachdenkliche Töne ist. Was geschieht, wenn plötzlich unschuldige Bürgerinnen und Bürger durch anonyme Drohungen gefährdet sind, was es mit den Menschen macht, wenn plötzlich alles und alle ein potenzielles Ziel darstellen, wird dabei eindringlich gezeigt. Vor allem das Ende des Krimis hat es mir diesbezüglich angetan und ich bin schon sehr neugierig auf weitere spannende Fälle aus dem Allgäu.

Meine Empfehlung:
Ganz ehrlich: dieser vierte Teil der Kluftinger-Reihe hat mich bis jetzt am besten unterhalten. So lustig (und trotzdem nicht plump) war Klufti noch nie und der Fall hat es ebenfalls in sich und ist klug und packend aufgebaut. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos:
Titel: Laienspiel
Autoren: Volker Klüpfel, geboren 1971 in Kempten, aufgewachsen in Altusried, studierte Politikwissenschaft und Geschichte. Danach arbeitete er bei einer Zeitung in den USA und stellte beim Bayerischen Rundfunk fest, dass ihm doch eher das Schreiben liegt. Seine letzte Station vor dem Dasein als Schriftsteller war die Feuilletonredaktion der Augsburger Allgemeinen. Mit seiner Familie lebt er im Allgäu.
Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten, studierte in Erlangen Romanistik und Germanistik, und war danach als Lehrer tätig. Momentan hat er schweren Herzens dem Klassenzimmer den Rücken gekehrt, um sich dem Schreiben, den ausgedehnten Lesetouren und natürlich seiner Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und den beiden Töchtern im Unterallgäu. Die beiden Autoren sind seit ihrer Schulzeit befreundet. Für ihre Werke erhielten Volker Klüpfel und Michael Kobr zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Bayerischen Kunstförderpreis 2005, die Corine 2008, die Mimi 2008 und 2009, den Kulturpreis Bayern 2011, den Memminger Kulturpreis 2008, den Hörbuchpreis Osterwold 2012 sowie die Bürgermedaille in Gold der Gemeinde Altusried 2012.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 368 Seiten
Verlag:Piper
Erschienen: 01.08.2009
EAN: 978-3-492-25482-3

Rezension: Schokolade am Meer - Süße Wünsche

Dieses Rezensionsexemplar aus dem Heyne-Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht. Vielen Dank!

Schokolade am Meer, Süße Wünsche - Marie Schönbeck

Die Schokoladen-Reihe:
1. Schokolade am Meer - Süße Wünsche
2. Schokolade am Meer - Süße Träume
3. Schokolade am Meer - Süßes Erbe

Beschreibung des Verlages:
Ein Neuanfang auf der süßesten Insel der Welt

Für Hannah wird ein Albtraum wahr: Vor dem Traualtar muss sie erfahren, dass ihr Verlobter bereits verheiratet ist. Wenig später erhält sie auch noch die Nachricht, dass ihre Tante Bente verstorben ist. Um vor ihrem Liebeskummer zu flüchten, reist Hannah an den Ort, an dem ihre geliebte Tante gelebt hat: zur berühmten nordfriesischen »Schokoladeninsel« Möwesand. Dort, in Bentes wunderschönem Reetdachhaus, findet Hannah Zuflucht. Als sie Thies Lorentz begegnet, einem der drei unverschämt attraktiven Lorentz-Brüder, die die zahlreichen Schokoladenmanufakturen auf der Insel führen, verfällt sie seinem warmherzigen Charme sofort. Sie beschließt, in Bentes Haus zu ziehen, doch davon zeigen sich die Lorentz-Brüder wenig begeistert. Hat Thies etwa nur mit ihr geflirtet, um an Bentes Erbe zu kommen?

Inhalt:
Hannah hat sich nicht nur komplett in ihrem ehemaligen Verlobten getäuscht, nun erbt sie auch noch überraschend sämtlichen Besitz ihrer verstorbenen Tante Bente, welche auf der berühremten Schokoladeninsel gelebt und gearbeitet hat. Hannah macht sich auf die Suche nach Hinweisen und Erklärungen in Bentes Haus und kommt dabei Thies Lorentz, einem der drei Lorentz-Brüder und Mitbesitzer der Schokoladeninsel, näher. Doch weitere unerwartete und unangenehme Überraschungen lassen sie an seinen Gefühlen für sie aber auch an ihrer Familie zweifeln.

Meine Meinung:
Zuerst hat es mir dieses Buch schwer gemacht und mich mit sehr vielen Themen überschwemmt und ich konnte mich gar nicht auf die Protagonistin einlassen. Ausserdem sind einige dieser Themen nicht ganz ohne, werden aber in meinen Augen nicht mit dem nötigen Respekt behandelt. Joos Lorentz beispielsweise ist in seiner Kindheit entführt worden und ihm fällt es seither schwer, Menschen zu trauen. Natürlich ist mir bewusst, dass Joos Lorentz in einem weiteren Band der Reihe eine grössere Rolle spielen wird und dass ich es hier mit einem eher leichten Roman zu tun habe, dennoch hat es mich stark irritert, dass ein so heftiges Thema in einem Nebensatz erwähnt wird und dann kaum mehr zur Sprache kommt.
Ausserdem haben mich einige überzogene Geschlechterklischees stark gestört und so idyllisch die Schokoladeninsel in meinen Träumen aussieht, so wenig spielt sie im Buch eine Rolle. Es riecht immer mal wieder nach den verschiedensten Leckerein und Hannah probiert zwei oder drei dieser Süssigkeiten auch, das war es dann aber schon mit der Schokoladeninsel. Stattdessen spielen viele Geheimnisse (von denen ich die meisten von Anfang an durchschaut hatte, welche den Figuren aber erst so laaaangsam klar werden) eine Rolle.
Die beschriebenen Figuren haben mir aber sehr zugesagt und nach einigen Kapiteln bin ich richtig gut in der Geschichte angekommen und dann nur noch so durch die Seiten geflogen. Der wirklich gut eingebaute und ziemlich offene Cliffhanger hat mich ausserdem neugierig gemacht auf die weiteren Bände. Ich mag es immer gerne, mehrere Personen einer Region oder Familie näher kennenzulernen und bin gespannt, wie die nächsten Bände in der Leserschaft ankommen werden.

Sprache und Aufbau:
Eine schlankere Themenauswahl hätte der Geschichte auf jeden Fall gutgetan. Ausserdem wäre es schön gewesen, wenn Schönbeck sich vermehrt auf die Schokoladeninsel und ihre Figuren konzentriert hätte. Die Beschreibungen hat sie nämlich wirklich drauf und ich bin mir sicher, dass sie noch viele weitere Schilderungen der Leckereien, Gerüche und des Handwerks an sich - die ganze Insel ist voller kleiner Läden und Manufakturen, in denen die verschiedensten Süssigkeiten hergestellt werden - hätte in die Geschichte integrieren können, ohne mich zu langweilen.

Meine Empfehlung:
Starken Anfangsschwierigkeiten zum Trotz hat es mir diese Geschichte angetan und ich denke, dass sich die Autorin im Verlauf der Reihe noch entwickeln wird. Ob ich die weiteren Bände lese, wird von den Rezensionen abhängen, die mir begegnen. Der Cliffhanger hat mich auf jeden Fall sehr, sehr neugierig gemacht.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Schokolade am Meer - Süße Wünsche
Autorin: Marie Schönbeck hat sich in das Nordfriesische Wattenmeer verliebt. Für sie sind die Küsten und Inseln Sehnsuchtsorte. Oft fährt sie mit ihrem Mann und ihren Hunden an die Nordsee, um lange Spaziergänge am Strand zu machen und die wildromantische Natur zu genießen. Während sie eines Tages in einem Strandcafé saß, Tee trank und friesisches Mandelgebäck mit Schokoladenguss aß, kam ihr die Idee zur Romanreihe um die fiktive »Schokoladeninsel« Möwesand.
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Heyne
Erschienen am: 15. März 2023
ISBN: 978-3-453-42513-2