Neuzugang Februar 2018

Und es schmilzt - Lize Spit

Beschreibung des Verlages:
Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.
Mit geschlossenen Augen hätte Eva damals den Weg zu Pims Bauernhof radeln können. Sie könnte es heute noch, obwohl sie viele Jahre nicht in Bovenmeer gewesen ist. Hier wurde sie zwischen Rapsfeldern und Pferdekoppeln erwachsen. Hier liegt auch die Wurzel all ihrer aufgestauten Traurigkeit.
Dreizehn Jahre nach dem Sommer, an den sie nie wieder zu denken wagte, kehrt Eva zurück in ihr Dorf – mit einem großen Eisblock im Kofferraum. 

Und so fand dieses Buch den Weg zu mir:
Ihr lest richtig: Neuzugang. Und zwar mein erster und einziger seit Dezember 2017. Und wie es natürlich das Leben so schön will, gibt es zu diesem Buch eine Geschichte. Klar, eine Geschichte gibt es zu jedem Buch, aber diese hier ist meiner Meinung nach besonders schön :-)
Gestern war ich nämlich an der Lesung von Lukas Hartmann zu seinem neuen Roman "Ein Bild von Lydia" und zwar zusammen mit einer guten Freundin. Zuerst aber mussten die Tickets für die Lesung in einer Buchhandlung in Bern abgeholt werden. Da wir schon mal dort waren, kaufte ich meiner lieben Freundin gleich "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky, das ich ihr eigentlich schon zu Weihnachten hatte schenken wollen. Wir haben uns aber länger nicht gesehen, weshalb sie das Buch gestern bekam. Sie wollte mich aber nicht mit leeren Händen nach Hause gehen lassen und so durfte ich mir EIN BUCH AUSWÄHLEN.
Und so kam also "Und es schmilzt" von Lize Spit zu mir, das ich mich erst gerade vor einigen Tagen - nach der Lektüre der grandiosen Rezension von Damaris - erneut sehnlichst herbeigewünscht habe.

So gehen Wünsche in Erfüllung und so wird man beschenkt, wie man nur von wahren Freunden beschenkt werden kann :-)

Und hier noch die harten Fakten:
Geschenkt bekommene Bücher: 1
Rezensionsexemplare: -
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 1
SuB am Monatsbeginn: 163
Aktueller SuB: 160

Rezension: Abschied in Prag

Abschied in Prag - Alyson Richman

Beschreibung des Verlages:
Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen…

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich im Dezember beim Verlag angefragt und dann auch bekommen, worüber ich mich sehr gefreut hat. Treue Leserinnen und Leser wissen von meiner Liebe zu Prag und meinem Interesse an Geschichte und grossen Gefühlen.
Dieses Buch war aber besonders intensiv und berührend für mich. Nicht nur, weil wirklich sehr viele Emotionen transportiert und die Grauen des Krieges und der Judenverfolgung im Detail dargestellt worden sind, sondern weil ich die Schauplätze der Stadt Prag und auch Theresienstadt sehr gut kenne. Lediglich Auschwitz habe ich bis jetzt nicht besucht. Aber meine persönliche Nähe zu den Schauplätzen sowie die Tatsache, dass die Autorin sehr viele reale Schicksale erzählt und sich grundsätzlich an historischen Ereignissen orientiert hat, konnte ich beim Lesen fast gar nicht ertragen. Und trotzdem habe ich mich diesem Leseerlebnis ausgesetzt und trotzdem wollte ich unbedingt wissen, wie die Lebensgeschichte von Lenka und Josef sich entwickeln würde. Belohnt worden bin ich mit einem wundervollen Schreibstil voller Liebe zum Erzählen und den authentisch gestalteten Figuren. Auch wenn ich beim Lesen unzählige Tränen geweint habe. 

Schreibstil und Handlung:
Lenka und Josef treffen sich im hohen Alter auf der Hochzeit ihrer Enkel wieder und erkennen sich auf den ersten Blick gar nicht, obwohl kein Tag vergangen ist, an dem sie nicht aneinander gedacht haben. Mehr als sechzig Jahre sind seit ihrer eigenen Hochzeit vergangen und was die beiden in der Zwischenzeit erlebt haben und erleben mussten, erfahren wir nach dem Prolog. Wir lernen dann nämlich Lenka und Josef als Kinder kennen und sind dabei, wenn sie sich treffen, sich verlieben, heiraten und auseinandergerissen werden.
Während der angehende Arzt Josef nach einem Schiffsunglück auf dem Weg in die USA fälschlicherweise für tot erklärt wird, deportieren die Nazis die junge Künstlerin Lenka und ihre Familie nach Theresienstadt.
Und was dann geschieht, ist an Grauen, Schmerz und Angst kaum zu überbieten und zu ertragen und es gelingt der Autorin meisterhaft, wahre Geschichten, historische Figuren und die verschiedensten Emotionen in diesem Buch unterzubringen. Durch all diese schrecklichen Ereignisse wird aber auch immer wieder die Liebe thematisiert, welche Lenka und Josef über all diese Jahre wie ein unsichtbares Band verbunden hat. Aber nicht nur diese Liebe zwischen Frau und Mann, sondern auch die Liebe zwischen Familienmitgliedern, die Liebe zur Kunst und Musik und die vielen wunderbaren Versuche, sich in den Todeslagern über Wasser zu halten und gegenseitig zum Weiterleben zu motivieren oder gar Widerstand zu leisten, nehmen in diesem Buch eine wichtige Rolle ein. So werden Freundschaft, Geschick, aber auch Verlust und Schmerz zur Kulisse des tragischen Schicksals einer jungen Künstlerin und ihrer Familie, sowie einer Liebesgeschichte, die sich wirklich fast genau so oder ganz ähnlich hat.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch, das mich komplett fassungslos und erschüttert zurückgelassen hat ist unendlich grausam, und zugleich auch wunderschön geschrieben. Detaillierte Beschreibungen, genaueste Recherchen, eine Autorin, die ihr Handwerk beherrscht und mit wenigen Worten gigantische Gefühle festhalten und auslösen kann, sowie historische Ereignisse und Figuren ergeben im perfekten Verhältnis und von einer schriftstellerischen Meisterleistung zusammengehalten ein Gesamtkunstwerk, das vor Liebe, Freundschaft, Trauer und Angst nur so überquillt und genau darum so wichtig ist, weil es - trotz allem - Mut und Hoffnung macht.

Zusätzliche Infos:
Titel: Abschied in Prag
Originaltitel: The Lost Wife
Autorin: Die amerikanische Bestsellerautorin Alyson Richman hat bereits mehrere Romane verfasst, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt erschien Ein italienischer Garten im Diana Verlag. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf Long Island, New York.
Taschenbuch, Klappenbroschur: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisch
Verlag: Diana
Erschienen: 11.12.2017
ISBN: 978-3-453-35959-8 

SuB-Sonntag

Hallo ihr Lieben

Schon vor einem Monat wollte ich bei der Aktion "SuB-Sonntag" von Julia teilnehmen, kam aber einfach nicht dazu. Heute soll es aber nun klappen und ich hoffe, auch in nächster Zeit immer mal wieder an dieser Aktion teilzunehmen. Anders als Julia möchte ich euch aber jeweils nur ein einziges Buch vorstellen, das ich dann mit Sicherheit im nächsten Monat lese, sonst setze ich mich nämlich zu sehr unter Druck und das wollen wir ja nicht :-)

Das heutige Thema ist: Einzelbände

Einige von euch lesen sicher viele Reihen, ich bevorzuge aber tatsächlich Einzelbände und hatte deshalb nicht so grosse Mühe, mir ein Buch auszuwählen, das ich im März lesen werde. Ich kann es nämlich auch zur Bookish Rainbow-Challenge von Ines zählen, was dann gleich perfekt passt.

Und nun hoffe ich, dass es wirklich ein Einzelband ist, das wäre sonst mittelpeinlich :-)

Naokos Lächeln. Nur eine Liebesgeschichte - Haruki Murakami

Beschreibung des Verlages
Tokio in den späten 60er Jahren: Während sich auf der ganzen Welt die Studenten versammeln, um das Establishment zu stürzen, gerät auch das private Leben von Toru Watanabe in Aufruhr. Mit seiner ersten Liebe Naoko verbindet ihn eine innige Seelenverwandtschaft, doch ihre Beziehung ist belastet durch den tragischen Selbstmord ihres gemeinsamen Freundes Kizuki. Als die temperamentvolle Midori in sein Leben tritt, die all das ist, was Naoko nicht sein kann, muss Watanabe sich zwischen Vergangenheit und Zukunft entscheiden …

Wer kennt das Buch? Wer ist bei der Aktion mit dabei? Ich freue mich sehr auf eure Beiträge und komme auf jeden Fall auf einen Gegenbesuch vorbei.

Und nun wünsche ich allen ganz einen schönen Sonntag und morgen einen guten Start in die Woche
Livia

Mein SuB kommt zu Wort, 20.2.18

"Mein SuB kommt zu Wort"
Guten Vormittag ihr Lieben

Geschlafen habe ich zwar nicht so gut, aber ich sitze mit meinem Kaffe da und die Sonne scheint ins Zimmer. Ein perfekter Tag also, um ein wenig zu geniessen und meiner lieben SuBrina (ja, wir haben uns immer noch nicht gezofft) die Tastatur zu überlassen und dies natürlich wie immer im Rahmen der tollen Aktion von Anna. Nachher werde ich hier an der Masterarbeit weitertippen, bevor es dann bis spät am Abend an die Hochschule geht (und Hunger habe ich auch langsam, mal sehen...)
Viel Spass beim Lesen ihrer Antworten und habt einen guten Dienstag.

Wie groß/dick bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Guten Tag liebe SuBs und SuB-Menschen. Ich darf zuerst einmal ganz stolz mit meinem Gewicht prahlen. Ich umfasse/messe/wiege/staple/horte aktuell nämlich 161 Bücher (ihr erinnert euch, vor einem Monat waren es 165, die Tendenz ist klar zu erkennen).

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeige mir deine drei neuesten Schätze!
Und jetzt werdet ihr uns verprügeln. Ja, ihr werdet uns tun. Wir sind uns beide sicher, dass ihr dies tun werdet. Livia hatte so unendlich viel zu tun in diesem Monat und hat es irgendwie "vergessen" Bücher zu kaufen und zu bestellen. In Ordnung, ein Sachbuch ist unterwegs, sie benötigt es für ihre Masterarbeit, wartet aber schon mehrere Wochen darauf und ja, in Ordnung, zwei Rezensionsexemplare sind angefragt. Aber wann und ob die überhaupt hier ankommen, ist sehr ungewiss. Und deshalb kommt nun das Geständnis: die letzten Bücher, die hier eingezogen sind, stammen aus dem Dezember... OK, ihr müsst das jetzt erst einmal verarbeiten. Vor allem, wenn ich euch sage, dass ich das gar nicht schlimm finde, sondern vielmehr den Platz im Regal geniesse...

Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Gestern hat Livia "Die Mittagsfrau" von Julia Franck beendet. Sie war begeistert von diesem Buch und hat sogar bereits die Rezension getippt, dafür dann halt aber die kurze Nacht (vor allem, weil sie nachher noch bis in die frühen Morgenstunden Mails beantwortet und ihre nächsten Wochen organisiert hat). Schaut euch die Rezi unbedingt an, Livia ist nämlich der Meinung, dass Franck zu Recht den Deutschen Buchpreis für "Die Mittagsfrau" bekommen hat und dass sie wichtige und spannende Fragen aufwirft mit diesem Buch.
Wie lange das Buch aber hier auf dem SuB lag...das wissen wir beide nicht mehr. (Livia schreit gerade, dass sie nachgeschaut hat, das Buch liegt seit 2014 bei mir, OK...).

Lieber SuB, welche 3 Bücher sollte dein Besitzer dieses Jahr unbedingt lesen und wieso?
Hmmm..... *stöberstöber*
  https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ein-wenig-leben/978-3-446-25471-8/https://www.randomhouse.de/Buch/Der-Ruf-des-Kuckucks/Robert-Galbraith/Blanvalet-Hardcover/e454939.rhd
Livia muss endlich, endlich einmal "Eine wie Alaska" von John Green lesen und zwar vor allem darum, weil sie noch nie eine Buch dieses Autoren gelesen hat (ja, noch keines und ja, sie weiss, an welches Buch ihr jetzt denkt...hat sie auch nicht gelesen...).
"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara musste beim vorweihnachtlichen Buchkauf einfach mit und gerade weil es so viel diskutiert wurde und Livia auch endlich mitreden möchte (und weil es auch wirklich eine Stange Geld gekostet hat), muss dieses Buch einfach bald gelesen werden.
"Der Ruf des Kuckucks" von Robert Galbraith (J. K. Rowling) soll sie ebenfalls endlich, endlich lesen. Schon so oft hat sie es sich vorgenommen, dann doch wieder verworfen, dann wieder vorgenommen und das Buch ist da, hallo, im Regal, nimm es raus, lies es.

Und nun seid ihr an der Reihe. Wir wollen wissen, wie es euch geht, wie eure SuBs sich stapeln und wie gross die Hass-Liebe zwischen euch aktuell ist :-)

Haut in die Tasten, wir kommen auf jeden Fall auf einen Gegenbesuch vorbei
SuBrina (und Livia, klar)

Rezension: Die Mittagsfrau

Die Mittagsfrau - Julia Franck

Beschreibung des Verlages:
1945. Flucht aus Stettin in Richtung Westen. Ein kleiner Bahnhof irgendwo in Vorpommern. Helene hat ihren siebenjährigen Sohn durch die schweren Kriegsjahre gebracht. Nun, wo alles überstanden, alles möglich scheint, lässt sie ihn allein am Bahnsteig zurück und kehrt nie wieder.
Julia Franck erzählt das Leben einer Frau in einer dramatischen Zeit - und schafft zugleich einen großen Familienroman und ein eindringliches Zeitepos.
 
Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich aufgrund des Covers (und der im Titel enthaltenen Farbe Orange) aus meinem SuB gezogen. Weder habe mich mir den Klappentext durchgelesen, noch wusste ich sonst, was mich erwarten würde. Und ich wurde gepackt von einem Sog von Nachkriegswirren, vom Leben einer verzweifelten Mutter und ihres Sohnes, der sie richtiggehend anbetet und den sie trotzdem - oder vielleicht genau deswegen - an einem Bahnhof in Vorpommern zurücklässt. Dann macht das Buch einen Zeitsprung und und erzählt die Geschichte von Helene. Von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Familie, ihrer depressiven Mutter, ihrem Vater, der schwer verwundet aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrt und ihrer älteren Schwester Martha, die sie sehr bewundert.
In "Die Mittagsfrau" wird vor grandios erzähltem historischem Hintergrund ein Frauenbild verhandelt, das sehr zeitgemäss und antiquiert zugleich erscheint, eine Mutterrolle, die ganz weit weg von unseren heutigen Helikoptereltern wesentlich pragmatischer und existenzieller daherkommt. Und zugleich sind auch die systematische Unterdrückung der Frauen durch die ganze Gesellschaft ein Thema. Nur, weil man über eine Gebärmutter verfügt, heisst das noch lange nicht, dass man sie nutzen muss, will und kann. Und doch will zur Zeit unserer Protagonistin Helene (und leider nicht nur dann) ein Staat und ein kleiner, schnauztragender Mann mit schnarrender Stimme, darüber verfügen, wer sich vermehren darf und sogar soll und wer dies bleiben lassen muss. Franck erzählt von einer Frau, die Selbstbestimmung wünscht und (noch) nicht bekommen kann, eingeschränkt durch eine ungewollte und nicht zu verhindernde Mutterschaft. Diese Frau ist aber zugleich eine so fürsorgliche Mutter, dass sie einen Weg findet, sich und ihr Kind glücklich zu machen. Julia Franck bietet uns Leserinnen und Lesern viele Gründe an, viele Überlegungen und Argumente, die letztendlich dazu führen können, dass eine Mutter ihr Kind zurücklässt. Dies geschieht ohne Wertung, was die ganze Handlung in "Die Mittagsfrau" noch eindringlicher macht.
 
Schreibstil und Handlung:
Wie sehr muss Helenes Rolle als Mutter überhaupt diskutiert werden? Will Franck diese Diskussion überhaupt anzetteln, oder geht es ihr vor allem darum, eine Frau zu porträtieren, die mit grossen Zielen und realistischen Träumen ins Leben startet, der aber gleich zwei Weltkriege diese Pläne zerstören und zwei Männer auf unterschiedliche Art und Weise das Herz brechen? Helene verliert mit jeder Seite ein Stück ihrer Fröhlichkeit, ihres Selbstbewusstseins, ihrer Sprache. In ihrem Beruf als Krankenschwester geht sie aber voll auf, zeigt sich fürsorglich, geduldig und behält in den hektischsten Situationen die Nerven. Dieser Beruf begleitet sie als ganz junge Frau und auch später noch, als sie Nachtschichten, Haushalt und die Betreuung eines Kindes unter einen Hut bringen muss.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mir die Herangeheinsweise der Autorin an diese schwierige Epoche unserer Geschichte imponiert hat. Statt von den Kriegsschauplätzen schreibt sie nämlich von der vermeintlichen Oberschicht und deren Umgang mit Inflation, Zwangsrekrutierung, Verlusten, plötzlichem Aufschwung und einem nächsten Krieg. Dabei bleibt die Sprache stets dicht, jeder Satz ist prall gefüllt mit Bildern, Farben, Gefühlen, Stimmungen. Unendlich viele kleine Details, Andeutungen und einzelne Gedankenstränge sorgen dafür, dass so viel Handlung und Inhalt wie nur möglich auf diese knapp 450 Seiten verteilt wird. Trotz dieser Komplexität und der emotionalen Schwere des Stoffes, wirkt dabei aber "Die Mittagsfrau" nie überladen oder konstruiert. Vielmehr scheint es so, als könnte man diese Geschichte gar nicht anders erzählen, als müsste sie einfach so aufgeschrieben werden. Und dies macht die besondere Atmosphäre dieses Buches auch aus; eine Dringlichkeit, die einen stets vorantreibt und doch auch immer wieder innehalten lässt.
 
Meine Empfehlung:
Pure Emotionen, schwerste Schicksale, ein grosses Familiendrama, zwei Weltkriege, eine Legende und eine mutige und zugleich verzweifelte Protagonistin finden in "Die Mittagsfrau" zusammen und vereinen sich zu einer Erzählung, die an Dichte kaum zu überbieten ist. Julia Franck hat für dieses Meisterwerk, das übrigens von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert ist, zu Recht den deutschen Buchpreis bekommen. Von mir gibt es also eine deutliche Leseempfehlung.
 
Zusätzliche Infos:
Titel: Die Mittagsfrau
Autorin: Julia Franck wurde 1970 in Berlin geboren. Sie studierte Altamerikanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin. 1997 erschien ihr Debüt ›Der neue Koch‹, danach ›Liebediener‹ (1999), ›Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen‹ (2000) und ›Lagerfeuer‹ (2003). Sie verbrachte das Jahr 2005 in der Villa Massimo in Rom. Für ihren Roman ›Die Mittagsfrau‹ erhielt Julia Franck den Deutschen Buchpreis 2007. Der Roman wurde in 35 Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien der Roman ›Rücken an Rücken‹ (2011).
Julia Francks Roman ›Lagerfeuer‹ wurde 2012/13 für das Kino unter der Regie von Christian Schwochow unter dem Titel ›Westen‹ verfilmt.
Taschenbuch: 432 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Erschienen: April 2009
ISBN: 978-3-596-17552-9