Foxfire, Bekenntnisse einer Mädchengang - Joyce Carol Oates
Klappentext:
In flammender Schrift sind eines Tages auf Hauswänden Parolen zu lesen
wie: »Foxfires Rache« oder »Foxfire brennt immer weiter«. Ein
Schülerstreich, so scheint es. Doch dann verschafft sich »Foxfire«
Respekt. Und seine Opfer sind immer Männer. Hinter »Foxfire« stecken
vierzehn-, fünfzehnjährige Mädchen, die es satthaben, immer auf der
Verliererseite zu stehen. Sollen die anderen sie doch für Kriminelle
halten, sie verstehen sich als Blutsschwesternschaft, in der sie
Freundschaft, Liebe und ein Zuhause finden. Doch in ihrer Rebellion
gegen die Welt schraubt sich die Spirale der Gewalt immer höher. Und der
Absprung wird immer schwerer.
Meine Meinung:
Ich war von diesem Buch leider ziemlich genervt und auch gelangweilt und war sehr, sehr froh, als ich es endlich beendet hatte. Zeitweise spielte ich sogar mit dem Gedanken, es einfach abzubrechen, was ich dann doch nicht übers Herz gebracht habe.
Mein grösstes Problem war, dass dieses Buch versucht, eine Geschichte zu erzählen, die in der Vergangenheit, also in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, spielt. Nur leider gelingt dies überhaupt nicht. Nicht nur, dass das Cover weit entfernt von diesem Eindruck ist, auch die Sprache ähnelt so gar nicht einer Sprache, die in die Nachkriegszeit in Amerika passen könnte. Bei den Beschreibungen hätte ich gerade noch ein Auge zugedrückt, weil das Buch ja aus der heutigen Sicht wie eine Erinnerung einer mittlerweile schon älteren Frau erzählt wird. Aber auch die Dialoge haben so gar nichts mit anderen Dialogen, die in dieser Zeit spielen gemeinsam und das konnte mich einfach nicht überzeugen.
Ansonsten muss ich sagen, dass mir die Erzählerin sehr sympathisch war. Ihre eigene Familiengeschichte und ihre Lebensweisheit hat mich berührt und wirkte für mich sehr ausgearbeitet. Auch die Freundschaft der Mädchen - das wichtigste und auch eher gelungen Element im Buch - könnte sich gut so oder ähnlich ereignet haben.
Schreibstil und Handlung:
Über den Schreibstil habe ich mich schon ausgelassen und muss jetzt nun doch noch erwähnen, dass die Idee zum Buch mir wirklich gefallen hat. Die Handlung wirkte nur wegen dem Stil und wegen den teilweise zu übertrieben dargestellten Ideen der jungen Mädchen ein wenig überspitzt und konnte darum nicht überzeugen. Die Idee an sich hat mir aber eigentlich gut gefallen und man hätte noch viel mehr daraus machen können.
Was mir aber sehr gut gefallen hat war die Darstellung von Legs "Heimaufenthalt". Die Demütigungen, die sie erfahren musste wirkten sehr authentisch und ich fand es eindrücklich dargestellt, wie sie als Mensch gebrochen wurde und trotzdem noch versucht hat, ein "gutes" Leben zu führen.
Personen:
Bei der Aktion "Gemeinsam Lesen" habe ich in meinem Post die Frage beantworten müssen, mit welchen Schauspielern ich die Protagonisten aus diesem Buch besetzen würde.
Ich habe die Frage folgendermassen beantwortet:
"Ich kenne mich zu wenig aus, deshalb versuche ich einmal, zu charakterisieren.
Maddy müsste von einer mutigen, durchschnittlich attraktiven
Schauspielerin gespielt werden, Legs könnte nur von einer absolut
androgynen Sexbombe verkörpert werden und Goldie müsste grob, rauh, derb
und trotzdem attraktiv sein. Rita müsste von einer sehr wandelbaren
Schauspielerin gespielt werden. Sie müsste rothaarig sein und innerhalb
von kürzester Zeit ziemlich viel Gewicht zu- oder abnehmen können (eine
Art Renée Zellweger mit roten Haaren). Lana schliesslich ist irgendwie
sehr unscheinbar und müsste von einer absoluten No-Name-Schauspielerin
gespielt werden, die nicht zu viele Ambitionen hat, berühmt zu werden..."
Es lässt sich wohl gut erkennen, dass mir die Figuren insgesamt zu flach gestaltet waren, mit Ausnahme von Maddy, welche die Geschichte erzählt.
Fazit:
Vielleicht gefällt das Buch jüngeren Frauen und Mädchen besser. Ich selber konnte leider nicht so viel damit anfangen und werde es wieder in das Regal meiner Schwester zurück stellen, ohne es weiter zu empfehlen.
Zusätzliche Infos:
Autorin: Joyce Carol Oates
Taschenbuch: 448 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Birgitt Kollmann
Verlag: dtv
ISBN 978-3-423-62497-8
Paranoia
Dieses Buch wurde mir vom Goldmann Verlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.
Paranoia, der Hinterhalt - Trevor Shane
Kleppentext:
Seit er 18 Jahre alt ist, ist Joseph ein Killer. Ein Anruf genügt, und Joseph nimmt die Verfolgung auf. Warum er das tut, kann er nicht sagen. Er weiß nur, dass ein unerbittlicher Kampf zwischen zwei verfeindeten Gruppen entbrannt ist und dass er auf der Seite der Guten steht, für die er aus tiefster Überzeugung kämpft. Nur wer zuerst tötet, wird überleben, denn der Gegner lauert überall, und jeder, der seinen Weg kreuzt, kann sein Mörder sein. Lange Zeit geht alles gut, doch dann gerät er an einem einsamen Strand in New Jersey in einen Hinterhalt, der ihn beinahe das Leben kostet. In letzter Sekunde kann er entkommen und flieht nach Kanada, wo ihm allerdings ein verhängnisvoller Fehler unterläuft: Er begegnet Maria und verliebt sich unsterblich in sie. Doch damit verstösst er gegen ein ehernes Gesetz, und die gnadenlose Rache seiner Feinde ist ihm sicher...
Meine Meinung:
In unserer heutigen Welt tobt ein Krieg. Ein grosser Teil der Menschheit weiss nichts davon und wird sich ein Leben lang nur über einige rätselhafte Morde wundern. Ein anderer Teil der Menschheit ist eingeweiht. Jeder von ihnen gehört zu einer der zwei Seiten, zu den Guten oder zu den Bösen.
Wer aber wirklich gut oder böse ist, wird von den Protagonisten schon bald hinterfragt und auch der Leser wird sich diese Frage zwangsläufig stellen müssen.
Der Autor hat im Interview - welches sich vorne im Leseexemplar findet - angetönt, dass er diese Diskussion und die Gedanken um das Gute und Böse im Leben sehr befürwortet. Weil wir uns mit Joseph durch die Welt bewegen, sind wir auch auf seiner Seite. Ganz anders würde es aussehen, wenn wir mit einem anderen Krieger unterwegs wären. Auch diese subjektive Wahrnehmung, dieses Hinterfragen von bisher einfach nur so gelebten Konventionen wird im Buch sehr gut dargestellt.
Doch solche Bücher gibt es schon viele. Und auch wenn der Autor die Geschichte in die heutige Zeit und die reale Welt platziert hat, so bleibt doch ein Hauch des Unwirklichen an ihr hängen. Sind junge und gebildete Menschen wirklich so naiv, dass sie nie hinterfragen, nach Gründen suchen und einfach in einem Krieg kämpfen, dessen Hintergründe sie nicht kennen? Ich glaube nicht. Und natürlich ist an dieser ganzen Sache etwas faul. Da es sich bei "Paranoia, der Hinterhalt" aber um den ersten Teil einer Trilogie handelt, wird der Leser wahrscheinlich erst im letzten Band die ganzen grossen Ausmasse des Krieges und seine wahren Hintergründe erfahren.
Bis dahin wird gekämpft und getötet als gäbe es kein Morgen und als hätte der gesäte Hass und die zwar zweifelhaften aber trotzdem überzeugenden Argumente genug Wirkung, um ganze Familien gegeneinander aufzuhetzen.
Schreibstil und Handlung:
Atemlose Spannung und Paranoia wird beim Lesen dieses Buches versprochen. Als ich in einer Lesepause und bei völliger Dunkelheit rennen ging, schaute ich dann auch tatsächlich jedem Passanten sehr aufmerksam ins Gesicht. Doch ich beruhigte mich damit, offiziell nichts vom "Krieg" zu wissen. Zivilisten und Menschen unter achtzehn Jahren dürfen nämlich im Krieg nicht getötet werden. Aber war ich wirklich ein Zivilist? Durch das Buch hatte ich ja vom Krieg erfahren...
Momente der Spannung hat es also bei mir durchaus gegeben. Leider aber auch Momente des Unverständnisses. Wie oben schon erwähnt glaube ich nicht, dass junge Menschen so naiv sind, wie die beschriebenen Protagonisten. Ausserdem war mir als Leserin die Struktur und Organisation dieses Krieges noch viel zu wenig ausgearbeitet. Man hätte da noch mehr Einblick in organisatorische Abläufe geben und verschiedene technische Details genauer ausleuchten können.
Personen:
Die Protagonisten Maria und Joseph - in bewusster Anlehnung an die biblischen Figuren - erleben innerhalb von kürzester Zeit, wie ihr ganzes Leben komplett auf den Kopf gestellt wird. Maria scheint für ihr Alter schon eher reif, mutig und entschlossen zu sein. Trotzdem war es mir unverständlich, dass sie sich vor ihrer Flucht nicht noch ein letztes Mal bei ihren Eltern gemeldet hat. Joseph hingegen schien mir jünger als fünfundzwanzig Jahre alt zu sein. Trotz eintrainierter Reflexe schafft er es in einigen Situationen nicht, sich besser zu beherrschen oder sich mehr für sich und Maria einzusetzen.
Trotzdem waren mir beide sympathisch.
Meine Empfehlung:
Ich empfehle dieses Buch Lesern weiter, die sich nicht zu viele Gedanken über eine Geschichte machen wollen und sich an kleinen logischen Schwächen eines Buches nicht stören. Spannung und schnelle Unterhaltung ist aber garantiert.
Zusätzliche Infos:
Autor: Trevor Shane
Taschenbuch: 479 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisch
Übersetzt von: Thomas Bauer
Verlag: Goldmann
ISBN 978-3-442-31265-8
Paranoia, der Hinterhalt - Trevor Shane
Kleppentext:
Seit er 18 Jahre alt ist, ist Joseph ein Killer. Ein Anruf genügt, und Joseph nimmt die Verfolgung auf. Warum er das tut, kann er nicht sagen. Er weiß nur, dass ein unerbittlicher Kampf zwischen zwei verfeindeten Gruppen entbrannt ist und dass er auf der Seite der Guten steht, für die er aus tiefster Überzeugung kämpft. Nur wer zuerst tötet, wird überleben, denn der Gegner lauert überall, und jeder, der seinen Weg kreuzt, kann sein Mörder sein. Lange Zeit geht alles gut, doch dann gerät er an einem einsamen Strand in New Jersey in einen Hinterhalt, der ihn beinahe das Leben kostet. In letzter Sekunde kann er entkommen und flieht nach Kanada, wo ihm allerdings ein verhängnisvoller Fehler unterläuft: Er begegnet Maria und verliebt sich unsterblich in sie. Doch damit verstösst er gegen ein ehernes Gesetz, und die gnadenlose Rache seiner Feinde ist ihm sicher...
Meine Meinung:
In unserer heutigen Welt tobt ein Krieg. Ein grosser Teil der Menschheit weiss nichts davon und wird sich ein Leben lang nur über einige rätselhafte Morde wundern. Ein anderer Teil der Menschheit ist eingeweiht. Jeder von ihnen gehört zu einer der zwei Seiten, zu den Guten oder zu den Bösen.
Wer aber wirklich gut oder böse ist, wird von den Protagonisten schon bald hinterfragt und auch der Leser wird sich diese Frage zwangsläufig stellen müssen.
Der Autor hat im Interview - welches sich vorne im Leseexemplar findet - angetönt, dass er diese Diskussion und die Gedanken um das Gute und Böse im Leben sehr befürwortet. Weil wir uns mit Joseph durch die Welt bewegen, sind wir auch auf seiner Seite. Ganz anders würde es aussehen, wenn wir mit einem anderen Krieger unterwegs wären. Auch diese subjektive Wahrnehmung, dieses Hinterfragen von bisher einfach nur so gelebten Konventionen wird im Buch sehr gut dargestellt.
Doch solche Bücher gibt es schon viele. Und auch wenn der Autor die Geschichte in die heutige Zeit und die reale Welt platziert hat, so bleibt doch ein Hauch des Unwirklichen an ihr hängen. Sind junge und gebildete Menschen wirklich so naiv, dass sie nie hinterfragen, nach Gründen suchen und einfach in einem Krieg kämpfen, dessen Hintergründe sie nicht kennen? Ich glaube nicht. Und natürlich ist an dieser ganzen Sache etwas faul. Da es sich bei "Paranoia, der Hinterhalt" aber um den ersten Teil einer Trilogie handelt, wird der Leser wahrscheinlich erst im letzten Band die ganzen grossen Ausmasse des Krieges und seine wahren Hintergründe erfahren.
Bis dahin wird gekämpft und getötet als gäbe es kein Morgen und als hätte der gesäte Hass und die zwar zweifelhaften aber trotzdem überzeugenden Argumente genug Wirkung, um ganze Familien gegeneinander aufzuhetzen.
Schreibstil und Handlung:
Atemlose Spannung und Paranoia wird beim Lesen dieses Buches versprochen. Als ich in einer Lesepause und bei völliger Dunkelheit rennen ging, schaute ich dann auch tatsächlich jedem Passanten sehr aufmerksam ins Gesicht. Doch ich beruhigte mich damit, offiziell nichts vom "Krieg" zu wissen. Zivilisten und Menschen unter achtzehn Jahren dürfen nämlich im Krieg nicht getötet werden. Aber war ich wirklich ein Zivilist? Durch das Buch hatte ich ja vom Krieg erfahren...
Momente der Spannung hat es also bei mir durchaus gegeben. Leider aber auch Momente des Unverständnisses. Wie oben schon erwähnt glaube ich nicht, dass junge Menschen so naiv sind, wie die beschriebenen Protagonisten. Ausserdem war mir als Leserin die Struktur und Organisation dieses Krieges noch viel zu wenig ausgearbeitet. Man hätte da noch mehr Einblick in organisatorische Abläufe geben und verschiedene technische Details genauer ausleuchten können.
Personen:
Die Protagonisten Maria und Joseph - in bewusster Anlehnung an die biblischen Figuren - erleben innerhalb von kürzester Zeit, wie ihr ganzes Leben komplett auf den Kopf gestellt wird. Maria scheint für ihr Alter schon eher reif, mutig und entschlossen zu sein. Trotzdem war es mir unverständlich, dass sie sich vor ihrer Flucht nicht noch ein letztes Mal bei ihren Eltern gemeldet hat. Joseph hingegen schien mir jünger als fünfundzwanzig Jahre alt zu sein. Trotz eintrainierter Reflexe schafft er es in einigen Situationen nicht, sich besser zu beherrschen oder sich mehr für sich und Maria einzusetzen.
Trotzdem waren mir beide sympathisch.
Meine Empfehlung:
Ich empfehle dieses Buch Lesern weiter, die sich nicht zu viele Gedanken über eine Geschichte machen wollen und sich an kleinen logischen Schwächen eines Buches nicht stören. Spannung und schnelle Unterhaltung ist aber garantiert.
Zusätzliche Infos:
Autor: Trevor Shane
Taschenbuch: 479 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisch
Übersetzt von: Thomas Bauer
Verlag: Goldmann
ISBN 978-3-442-31265-8
Die blinde Kommissarin
Die blinde Kommissarin - Patrizia Rinaldi
Klappentext:
Es ist Herbst in Neapel. Blanca Occhiuzzi, Hauptkommissarin der örtlichen Polizei - schön, charismatisch und blind - wird immer dann gerufen, wenn ein Fall aussichtslos erscheint. Als der bekannte Musiker und Lebemann Jerry Vialdi ermordet wird, gibt es viele, die ein Motiv haben. Zu viele. Ein Fall für Blanca und ihr besonderes Gespür für menschliche Abgründe. Lüge und Täuschung: Niemand macht der Kommissarin etwas vor, denn Stimmen lügen nicht. Diese Gabe bringt oft den Erfolg. In diesem Fall bringt sie Blanca jedoch in höchste Gefahr...
Inhalt:
In Neapel geht es hoch her. Ein Mordfall erregt grosse öffentliche Aufmerksamkeit. Beim Opfer handelt es sich um niemand geringeren als einen bekannten Schlagersänger. So erstaunt es nicht, dass auf dem Polizeipräsidium selber bald die vertraktesten Gerüchte die Runde machen. Hat man es mit einer Serie zu tun? Warum wählte der Mörder ein leeres Fussballstadion, um seine Leiche zu drapieren? Was haben Jerry Vialdis Frauengeschichten mit dem Mord zu tun und geht es am Ende vielleicht doch nur um Geld?
Dieser sehr stille Krimi beschreibt ein Feld der Kriminalarbeit, das sonst eher zu kurz kommt. Blanca Occhiuzzi, die blinde Hauptkommissarin, führt uns nämlich in ihre Welt ein, in der sie die Augen mit ihrem Gehörsinn ersetzt und so noch feinste Nuancen in Stimmen und Geräuschen heraus filtert, erkennt und vergleichen kann. Diese Eigenschaft macht sie zu einer unverzichtbaren und nicht zu täuschenden Ermittlerin.
Meine Meinung:
Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil mich die Geschichte über eine blinde Kommissarin interessierte. Ausserdem finde ich das Cover wunderschön und sehr geheimnisvoll und wollte das Buch unbedingt in meinem Regal stehen haben. Nur leider wurde ich dann sofort ein wenig enttäuscht. Ich hatte es mit einem sehr rätselhaften, stillen, unpersönlichen, nicht überaus spannenden und sehr, sehr ungewöhnlichen Krimi zu tun, erfuhr aber fast nichts über Blanca, die laut Klappentext und Titel eigentlich die Protagonistin hätte sein sollen.
Generell werden die Personen sehr wenig ausgeleuchet und ich hatte bis am Ende grosse Mühe, die Namen auseinander zu halten und mich zurecht zu finden. Dass aber Blanca nur ab und zu am Rande erwähnt wird, hat mich dann schon sehr negativ überrascht. Sie ist zwar - neben Kommissar Martusciello und den Zeugen und Verdächtigen - die einzige Figur, die man als Leser nach Hause begleitet und bei der man etwas über ihr Privatleben erfährt. Trotzdem kommt sie nicht einmal in der Hälfte der Kapitel vor und ihre Rolle, die sie im Aufklärungsdrama um den Mord an Vialdi spielt, ist verhältnismässig klein. Sie trägt zwar einiges zur Auklärung bei und liefert immer wieder wichtige Informationen, darf sich aber selber fast gar nicht an den Ermittlungen beteiligen und erhält von der Autorin nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit, was ich sehr, sehr schade finde.
Spannung im eigentlichen Sinne ist aber in diesem Buch nicht wirklich vorhanden. Wer schnelle Unterhaltung und Wortwechsel erwartet, ist mit "Die blinde Kommissarin" nicht gut beraten. Viel mehr wird eine sehr filligrane Stimmung erzeugt, die durch ihre poetische Sprache eine subtile "Spannung" kreiert und ihren grossen Vorteil vor allem in den rätselhaften Hinweisen findet. Auch die vom Mörder erzählten Kapitel tragen sehr viel zur gewollten Verwirrung bei. Nur leider wurde diese nie ganz aufgelöst und der Schluss kam so überraschend und irgendwie erzwungen, dass das Buch bei mir einen komischen Nachgeschmack hinterlassen hat.
Sprache und Handlung:
Eine unglaublich poetische, sehr ausgeklügelte aber leider nicht genug ins Detail beschreibende Sprache ist der grosse Pluspunkt dieses Buches. Patrizia Rinaldi hat definitiv das Zeug zur grossartigen Autorin, sie konnte aber mit diesem Kriminalroman nicht annähern ihr ganzes Potenzial ausschöpfen.
Die an sich wirklich gute Idee dieser Geschichte wird mit zu vielen verwirrenden und sich nicht wirklich ergänzenden Passagen immer wieder aufgebrochen und die Protagonistin wird viel zu wenig thematisiert. Auch macht es für mich keinen Sinn, einen so starken Titel zu wählen und dann die blinde Kommissarin als zerbrechliche und zweifelnde Figur darzustellen.
Fazit:
Eine Aneinanderreihung fantastischer schriftstellerischer Elemente wie der tollen Idee, der faszinierenden und sehr stimmungsvollen Sprache, der an sich interessanten aber zu wenig ausgearbeiteten Figuren und der so gut gewählten Landschaft, die aber leider überhaupt kein italienisches Flair verbreiten kann, obwohl sich das wirklich angeboten hätte, machen einfach noch kein gutes Buch aus. Es fehlt vor allem an der zu Ende gedachten Umsetzung, was ich wirklich sehr schade fand.
Zusätzliche Infos:
Autorin: Patrizia Rinaldi
Taschenbuch: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Italienisch
Übersetzt von: Ulrike Schimming
Verlag: ullstein
ISBN 978-3-548-28613-6
Neuzugänge
"Die blinde Kommissarin" habe ich von Blogg dein Buch bekommen und "Der Sommer der Blaubeeren" wurde mir freundlicherweise vom Blanvalet Verlag zur Verfügung gestellt. Es wurde in einer schönen Schachtel mit einem zum Buch passenden Trinkbecher aus Keramik geliefert, worüber ich mich besonders gefreut habe.
Diese beiden Bücher werde ich wohl bis Freitag gelesen haben und ich versuche, meine Rezis am Wochenende oder spätestens nächste Woche zu schreiben. Weiter "schulde" ich euch die Rezensionen von "Foxfire" und von "Paranoia" und die werde ich wahrscheinlich auch noch diese Woche "liefern".
Im Moment dreht sich bei mir alles nur noch um den 12.6. An diesem Tag werde ich um 16.00 Uhr meine praktische Bachelorprüfung haben. Eine Mischung aus Angst, Nervosität und Freude hat sich in mir bereit gemacht. Am Montag wird meine letzte Probe mit der Pianistin und meinem Dozenten sein und ich hoffe sehr, dass die gut gehen wird. Dann kann ich schon sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Bis dann wird es hier wohl wieder eher ruhig zugehen. Ich habe zwar eigentlich keinen Unterricht mehr, bin aber so viel mit Organisieren und mich selber sammeln beschäftigt, dass ich kaum zum Lesen komme. Meinen Computer hatte ich seit dem letzten Blogeintrag nicht mehr an, es gibt also gerade wirklich keine freie Minute.
Ab nächster Woche wird es dann vielleicht trotzdem ein wenig entspannter. Ich hoffe es auf jeden Fall sehr und vielleicht kann ich dann auch wieder ausführlicher berichten. Bis dann müsst ihr euch mit Rezensionen "zufrieden geben", was hoffentlich auch nicht weiter schlimm ist :-)
Ich wünsche euch noch eine gute Woche
Livia
Gemeinsam Lesen 20.5.14
Schon so viele Male habe ich mich durch tolle Fragen und spannende Antworten geklickt und immer habe ich entweder den Wochentag verpasst (und wenn es nicht mehr Dienstag ist, finde ich es witzlos), die Aktion wieder vergessen oder die Fragen nicht beantworten können. Heute versuche ich es einfach einmal.Ihr findet die Fragen jede Woche immer dienstags bei Asaviel.
Und los:
1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Gerade lese ich "Foxfire - Bekenntnisse einer Mädchengang" von Joyce Carol Oates.
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Der erste Satz auf Seite 368 lautet: "Also wirklich, Legs, so blöd bin ich auch nicht", sagte Violet gekränkt.
3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)
Das Buch nervt mich unglaublich und ich bin froh, dass ich es bald beendet habe. Ich gebe es ungern zu, aber meine Schwester hatte Recht... (normalerweise hat sie einen gegenteiligen Büchergeschmack wie ich).3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)
4. Mit welchen Schauspielern würdest du die Hauptcharaktere deines aktuellen Buches besetzen, wenn es verfilmt werden würde?
Ich kenne mich zu wenig aus, deshalb versuche ich einmal, zu charakterisieren.
Maddy müsste von einer mutigen, durchschnittlich attraktiven Schauspielerin gespielt werden, Legs könnte nur von einer absolut androgynen Sexbombe verkörpert werden und Goldie müsste grob, rauh, derb und trotzdem attraktiv sein. Rita müsste von einer sehr wandelbaren Schauspielerin gespielt werden. Sie müsste rothaarig sein und innerhalb von kürzester Zeit ziemlich viel Gewicht zu- oder abnehmen können (eine Art Renée Zellweger mit roten Haaren). Lana schliesslich ist irgendwie sehr unscheinbar und müsste von einer absoluten No-Name-Schauspielerin gespielt werden, die nicht zu viele Ambitionen hat, berühmt zu werden...

