Das Geheimnis der Lady Audley

Es freut mich sehr, dass meine Leserzahl wieder ein wenig gewachsen ist, obwohl ich mich im Moment nicht so viel melde. Ein herzliches Willkommen und viel Vergnügen beim Lesen meiner Texte wünsche ich euch Neudazugekommenen und allen treuen "Alten" gilt mein Dank für die vielen gemeinsamen Lesestunden.


Das Geheimnis der Lady Audley

Dieses Buch wurde mir von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt. Es stammt aus dem Dryas Verlag und ihr könnt es hier bestellen.

Beschreibung:
Ein Londoner Anwalt versucht, den Mord an seinem Freund aufzuklären, doch die wunderschöne Lady Audley will dieses mit allen Mitteln verhindern. Ihm wird schnell klar, dass Lady Audley ein dunkles Geheimnis hütet. Um den Mörder seines Freundes finden zu können, muss er es lüften. Ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt zwischen dem jungen Mann und der bildschönen Frau.
Hochgelobt von den damaligen Kritikern erlebte Lady Audley's Secret bereits im Jahr seines Erscheinens, 1862, einen bis dahin unerreichten Erfolg. Braddons Buch wurde übersetzt, verfilmt und auf die Theaterbühnen der Welt gebracht.

Inhalt:
Robert Audley ist ein absolut gemütlicher Mensch. Er lebt sein Leben von Tag zu Tag und verhindert dabei jegliche Tätigkeit, die ihn erschöpfen könnte. Auch grosse Aufregungen oder komplizierte Gefühlsregungen kann er nicht nachvollziehen. Trotzdem ist dieser scheinbar so faule Mensch Anwalt und dies hat er einigen einflussreichen Freunden zu verdanken, mit denen er an unzähligen Anwaltsessen teilgenommen hat und durch die er in der erhabenen Kreis der Anwälte aufgenommen wurde.
Als aber sein Freund George Talboys auf dem Anwesen von Roberts Onkel spurlos verschwindet, wird selbst Robert Audley stutzig. Er verstrickt sich mehr und mehr in Nachforschungen und nimmt dabei unter anderem die sonderbaren Geschichten von der Frau seines Onkels, Lady Audley, ins Visier. Doch die bildschöne und intelligente Dame gibt sich bedeckt und so muss Robert sehr weit in der Vergangenheit seiner "Tante" stöbern und dabei auch noch ganz vielen anderen Spuren nachgehen, um sich selber ein Bild zu verschaffen. Der Schwiegervater seines Freundes Talboys ist ihm dabei keine grosse Hilfe. Und als sich auch noch Roberts Cousine Lady Alicia Audley so seltsam zu benehmen beginnt, versteht Robert die Welt definitiv nicht mehr.

Meine Meinung:
Im Genre "Viktorianischer Krimi" kenne ich mich überhaupt nicht aus, habe mich aber aufgrund meiner Leidenschaft für Kriminalromane für dieses Buch bei Blogg dein Buch beworben und habe es dann ja auch tatsächlich gewonnen. Ich kann aber nun vom Aufbau her nicht mit anderen Romanen dieser Art vergleichen.
Ganz klar gestört hat mich die Tatsache, dass ich nach fünfzig Seiten schon genau wusste, wie das Buch ausgehen würde und welche Figur aus welchem Grund wie gehandelt hat und ich habe mich in keiner meiner Vermutungen getäuscht. Deshalb waren für mich die ganze Aufklärungsarbeit und die endlosen Gedankengänge von Robert Audley schon fast ein wenig mühsam, weil ich in diesem Roman einfach während keiner einzigen Sekunde Spannung gefühlt habe.
Ich muss aber sagen, dass der Schreibstil von der Übersetzerin an sich sehr passend zum Thema und zur Zeit gewählt ist und dass Anja Marschall mit der Überarbeitung des Buches eine grosse Arbeit geleistet hat. Die romantische Sprache (im Sinne der Epoche der Romantik) und die sehr feinsinnig verarbeitete Gesellschaftskritik dieses Romans, sowie die brisanten Themen der Geschichte (Bigamie, Mord, Betrug) zeugen von der Autorin als durchaus in ihrer Zeit verwurzelten aber bereits sehr aufgeschlossenen und emanzipierten Frau, die sich nicht scheute, damalige Tabus anzusprechen. Auch das Verhältnis von den Herrschaften zu ihren Dienstboten und die Kluft zwischen Mann und Frau werden durch kleinste Aspielungen in Frage gestellt und überwunden und wer gerne genau und zwischen den Zeilen liest, wird in diesem Zeitdokument sicher enige zum Nachdenken anregende und absolut durchdachte Passagen finden.
Die Figuren passen sehr gut in die Handlung hinein und ich finde sowohl den Anwalt Robert Audley in seiner gemütlichen aber scharfsinnigen Art, wie auch die von einer seltsamen Aura umgebenen Lady Audley und die ganzen anderen mehr oder weniger durchtriebenen und egoistischen oder einfach nur verliebten Figuren sehr stimmig beschrieben.

Fazit:
Dieser Roman ist an sich durchaus lesenswert, enthält mir persönlich aber zu wenig prickelnde Spannung und verrät sein Ende leiter schon in den ersten fünfzig Seiten.

Zusätzliche Infos:
Autorin: Mary Elizabeth Braddon
Taschenbuch: 334 Seiten
Verlag: Dryas Verlag
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Anja Marschall
ISBN 978-3-940855-47-3

Fritzi und ich

Fritzi und ich - Jochen König

Beschreibung:
Jochen ist 27 als er erfährt, dass seine Freundin schwanger ist. Er will das Kind, sie ist skeptisch. Daraufhin entscheiden die beiden sich für einen radikalen Rollenwechsel: Nach ihrer Geburt zieht Fritzi zu ihrem Vater. Für den beginnt nun eine turbulente Zeit zu zweit - er will nicht nur ein guter Vater sein, sondern auch sein Leben im hippen Berlin nicht aufgeben. Ein authentisches Buch über das Leben eines echten "neuen Vaters", über Rollenklischees, Partys und die Liebe.

Inhalt:
Jochens Freundin erwartet ein Kind und weil seine Freundin eigentlich noch nicht mit einem Kind gerechnet, das Paar sich aber gegen eine Abtreibung entschieden hat, ist schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass Jochen das Kind, sobald es auf der Welt ist, zu sich nehmen und so zukünftig als alleinerziehender Vater leben wird. Nach einer traumatischen und sehr langen Geburt, zieht Fritzi zu ihrem überglücklichen Vater und schon bald bewältigt Jochen kleine und grössere Probleme im Alltag, kocht, füttert und kümmert sich um seine Tochter, organisiert Ferien, einen Kitaplatz und trifft sich mit anderen Müttern und Väter. Das Paar entscheidet gemeinsam, wie die Betreuung von Fritzi genau geregelt wird, wie viel Geld Jochen erhält und wann Fritzi die Nacht oder das Wochenende bei ihrer Mutter verbringt.
Am schwersten ist jedoch immer der Gang zur Behörde. Immer dann wenn es ums An- oder Abmelden und um irgendwelche Regelungen geht, die mit Fritzi zu tun haben, wird Jochens Geduld auf die Probe gestellt. Ist es in der heutigen Zeit immer noch so ungewöhnlich, alleinerziehender Vater zu sein? Selbstkritisch, humorvoll und sehr ehrlich berichtet Jochen König vom Alltag mit seiner Tochter und den täglichen Schwierigkeiten und Freuden, die er mit ihr erlebt.

Meine Meinung:
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich von diesem Buch ein Mitleid heischendes Bekenntnis eines Vaters erwartet, der täglich überfordert ist und trotzdem davon berichtet, was für ein Held er doch sei, weil er die Zeit mit seinem Kind verbringe.
Jochen König hat mich mit seinem Buch "Fritzi und ich" sehr positiv überrascht und mir meine Vorurteile gerade einmal auf die Nase gebunden. Er jammert nämlich nicht, er beschreibt, er ist nicht überfordert, nur gefordert und dass man dabei ab und zu an seine Grenzen stösst, ist normal und er stellt sich überhaupt nicht als Held dar sondern zweifelt sogar ganz häufig an sich und dem gewählten Familienmodell. Eine Meinung zu diesem Buch zu formulieren ist nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine fiktive Geschichte, sondern um die Beschreibung des Alltags einer Familie handelt. Man kann alle Entscheidungen und jede Handlung des Paares gut oder schlecht finden, kritisieren oder loben. Tatsache ist aber, dass sich Jochen König mehr Gedanken gemacht hat, als viele andere Väter, dass sein Engagement grösser ist, als das Engagement anderer Männer und dass er immer versucht, das Beste für seine Tochter zu tun. Auch wenn dieses Familienmodell überhaupt nicht meines wäre, weil ich ein absoluter Beziehungsmensch bin, das Leben als Paar sehr schätze und darum auch mit meinem Partner zusammen wohnen würde, so präsentiert uns König doch eine Alternative zum traditionellen Modell und viele Gründe dafür und dagegen. Er liefert eine Diskussionsgrundlage, viele Anregungen und berichtet manchmal auch einfach nur aus seinem Alltag.
Probleme, Streits und verkaterte Vormittage spielen dabei eine genau so wichtige Rolle, wie Liebe, Sex und Ausflüge mit der Tochter.
Ausserdem ist das Buch ganz toll geschrieben. Es ist sehr verständlich aber nicht simpel aufgebaut und wirkt so ehrlich erzählt und voller Liebe zu diesem Kind, dass man den Autor dafür einfach mögen muss.

Fazit:
"Fritzi und ich" ist sehr unterhaltsam und kurzweilig. Das Buch hat mich einige Male zum Lachen gebracht und mich darin bestätigt, dass es nicht nur eine Möglichkeit gibt im Leben, sondern immer ganz viele verschiedene Wege.

Zusätzliche Infos:
Autor: Jochen König
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Herder
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-451-30679-2

Stadtrandritter

Stadtrandritter - Nils Mohl

Beschreibung:
 Feuer, Eifersucht und Glaube, fühlt es sich so an, erwachsen zu werden?
Ein Ausflug in deinen Kopf, das wäre, glaube ich, ein Abenteuer!
Mädchen trifft Junge wieder. Traum wird Wirklichkeit wird Alptraum. Am Stadtrand, dort, wo die Hochhäuser stehen. Ein Fest wirft seine Schatten voraus, und der Herbst kommt. Laub fällt. Regen, Regen, Regen. Und am Ende gerät die Zeit aus dem Takt, steht die Kirche in Flammen. Ein Kurzschluss? Brandstiftung? Die Folge all der Kreuzzüge, die im Namen von Eifersucht, Trauer, Rache und Überzeugung geführt wurden? Die Frage, die bleibt: Was, wenn sich alle bisherigen Gewissheiten in Rauch auflösen. Woran überhaupt glauben?

Inhalt:
Merle von Aue und Silvester Lanzen. Merle mag Silvester, Silvester ist mit Domino zusammen und mag Merle, eine Ausgangslage, die für alle Beteiligten nicht ganz einfach ist. Aber eigentlich geht es ja gar nicht um die grosse Liebe, sondern ist viel komplizierter. Da ist nämlich auch noch Kitty, Silvesters Schwester, deren Tod ihn komplett aus der Bahn geworfen hat und die er schmerzlich vermisst. Nur langsam findet er wieder in sein Leben zurück und muss sich dabei ständig Sorgen um seine Mutter machen, die mit dem Verlust ihrer Tochter noch immer nicht klar kommt. Die Mitarbeiter der Kirchgemeinde, die sich als Anspielung an mittelalterliche Tafelrunden Knappen nennen, sind Merle und Silvester eine grosse Hilfe. Die Jugendarbeit gibt ihrem Leben Strukturen und Verantwortung und darum ist es gar nicht so schlimm, wenn man manchmal mitten in der Nacht und einsam auf einem Hochhausdach am Stadtrand sitzt, weil man nicht weiss, wohin man sonst gehen soll. Als wäre alles nicht schon genug verstrickt, ist da auch noch Kondor, der - vielleicht, vielleicht aber auch nicht - etwas mit dem rätselhaften Verschwinden von Kittys Katze zu tun hat und dessen zwielichtige Vergangenheit ihn immer wieder einholt.

Meine Meinung:
Ich habe mir vor dem Lesen überhaupt kein Bild von "Stadtrandritter" gemacht und wollte mich von diesem Buch einfach nur überraschen lassen. Das ist dem Buch auch sofort gelungen. In viele unterschiedlich lange - zuerst wirr und dann immer logischer angeordnet scheinende - Kapitel gegliedert, macht es dieses Buch dem Leser nicht ganz einfach, es auf Anhieb zu verstehen. Zwischenhalte, Personen, die sich selber vorstellen und einige Seiten Bonusmaterial könnten darauf hin deuten, dass dieses Buch eigentlich ein Film sein will. "Verfilme mich" scheint schon ganz von Anfang zwischen den Zeilen zu stehen. Ich bin mir aber fast sicher, dass diese offensichtliche Provokation eher versucht, mit den Genres zu spielen, als dass der Autor es nötig hat, dieses Buch auf der Leinwand zu sehen. Es ist nämlich schon für sich selbst stehend ganz grosses Kino und ich denke nicht, dass ein Film diesen unendlich vielen Details, Verzierungen und Extras gerecht werden könnte.
Aber was will das Buch dann? Was will der Autor uns damit sagen?
In erster Linie ist "Stadtrandritter" eine epische Geschichte voller Liebe, Verzweiflung, Schmerz und Glaube, die unterhaltsam und atemlos spannend ist und ein unglaublich intimes Bild der jungen Protagonisten zeichnet, so, als würde der Autor genau wissen, von was er schreibt. Dieser Roman hat einen ziemlich hohen Anspruch an den Leser und liest sich deshalb nicht einfach zwischen zwei Meetings, sondern schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Es scheint mir aber so, als würde dieses Buch verstanden werden wollen. Es ist nicht einfach ein Stück Kunst, welches verwirren, verblüffen und schockieren will, es ist ein Stück Kunst mit einem tieferen Sinn, das gelesen, diskutiert, und nicht mehr vergessen werden will.
"Stadtrandritter" von Nils Mohl zeigt uns, dass nichts im Leben immer genau so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und dass jede Gewissheit hinterfragt oder sogar umgangen werden kann. Der Glaube wird in diesem Buch häufig aber nie missionarisch thematisiert. Jede Figur hat eine eigene Auffassung von der Kirche, von Gott und vom Glauben. Dabei geht es aber häufig nicht um einen Glauben im religiösen Sinn, sondern um den Glauben an sich selbst und andere, das Vertrauen auf die eigene Stärke und darauf, dass es für jede noch so vertrackte Situation einen Ausweg geben kann, wenn man nur intensiv genug sucht und bereit ist, Kompromisse zu machen.

Fazit:
"Stadtrandritter" ist der zweite aber für sich stehende Teil der Trilogie Liebe-Glaube-Hoffnung und hat mich so überzeugt, dass ich mir den ersten Teil sofort bestellt habe. Unkonventionell, überraschend und episch lässt dieser Roman den Leser mit der Lust auf mehr zurück.

Zusätzliche Infos:
Autor: Nils Mohl
Taschenbuch: 688 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-499-21614-5

Auslosung Liebesroman-Projekt

Hallo zusammen

Es freut mich sehr, dass ich vierzehn Buchempfehlungen erhalten habe und unter diesen vierzehn Empfehlungen verlose ich ganz gerne den Liebesroman der Wahl in einem "Liebespaket" voller kleiner Überraschungen.
Ausgelost habe ich mit random.org und hier ist die Gewinnerin:
Die Nummer 10 ist Lotta Lunatic, herzliche Gratulation!
Eine Mail an dich macht sich in wenigen Sekunden auf den Weg. Bitte sende mir so schnell wie möglich deine Kontaktdaten, sonst wird noch einmal gelost.

Allen, die leer ausgegangen sind kann ich hoffentlich schon bald wieder eine Chance anbieten.
Alles Gute und noch ein schöner Sonntagnachmittag
Livia

Vom Atmen unter Wasser

Das ist nun noch die letzte ausstehende Rezension vom Oktober. Ich wollte mich ein wenig an die Reihenfolge halten, bevor ich schon mit den Rezensionen der November-Bücher beginnen. Das mache ich dann aber schon bald.

Vom Atmen unter Wasser - Lisa-Marie Dickreiter

Beschreibung:
Die Bergmanns waren eine ganz normale Familie. Bis Sarah, die sechzehnjährige Tochter, eines Abends auf dem Nachhauseweg ermordet wird. Jetzt, ein Jahr später, ist der Gerichtsprozess vorbei, der Täter verurteilt. Doch was geschieht mit denen, die zurückbleiben, die mit ihrem Leben nicht einfach weitermachen können? Vom Atmen unter Wasser erzählt vom Versuch einer Familie, mit ihrer Trauer umzugehen. Als die Mutter am ersten Jahrestag von Sarahs Ermordung einen Suizidversuch unternimmt, bittet der Vater den Sohn um Hilfe. Ausgerechnet Simon, der Zeit seines Lebens im Schatten der jüngeren Schwester stand, soll nun die Balance der Familie wiederherstellen. Und tatsächlich: Es gelingt ihm, seine Mutter in ihrem Kokon aus Trauer und Wut zu erreichen - doch dabei gerät er an seine Grenzen und droht sich selbst zu verlieren.

Inhalt:
Eine ganz normale vierköpfige Familie wird von einem Tag auf den anderen vor das Nichts gestellt. Die bei allen beliebte und hübsche Tochter Sarah wird ermordet und lässt ihre Eltern und ihr Umfeld voller Trauer zurück. Auch ihr Bruder Simon hadert mit dem Schicksal. Als kleines Kind hat er seine Schwester nämlich einmal sogar los werden wollen, weil er immer eifersüchtig auf sie war und nun steht er plötzlich als Einzelkind dar und muss mit dem Verlust der Schwester, der Trauer der Eltern und mit einem unbestimmten Schuldgefühl klar kommen, welches stark an ihm nagt.
Da klingelt bei Simon mitten in der Nacht das Handy, er muss schnell in den Notfall. Dort findet er seine Mutter vor, welche sich die Pulsschlagadern aufgeschnitten hat und nichts mehr vom Leben erwartet und seinen Vater, der hilflos am Bett seiner Frau steht und nicht mehr weiss, wie er weiter machen kann.
Ausgerechnet Simon soll sich nun um seine Mutter kümmern, soll von zu Hause aus lernen und seine Arbeiten schreiben und so versuchen, seine Mutter von weiteren Verzweiflungstaten abzuhalten. Der eigentlich schon längst ausgezogene Sohn findet zurück in seine Familie und beginnt, seine eigene Geschichte und die Geschichte seiner Schwester aufzuarbeiten.

Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch aufgrund des Klappentextes gekauft und habe natürlich erwartet, dass es sehr rührend und gut recherchiert sein wird. Dies war auch der Fall, allerdings trotzdem anders, als erwartet. Berührend, statt rührend und so offen und ehrlich, voller Gefühle und Schmerz, dass es genau so gut eine Biografie hätte sein können. Der Autorin muss für ihre Recherchearbeit, ihre genaue Beobachtungsgabe und ihr Einfühlungsvermögen wirklich ein sehr grosses Kompliment gemacht werden.
Die Figuren sind sehr vielschichtig gestaltet. Da ist auf der einen Seite die verzweifelte Mutter, welche keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht und sich krampfhaft an alles klammert, was ihr von ihrer Tochter geblieben ist und der Vater, der seine Frau und seinen Sohn in er Situation nicht mehr erkennt und dabei fast vergisst, dass er auch noch einen Weg finden muss, um glücklich zu werden. Auf der anderen Seite steht Simon, der mit seinem Studium beschäftigt ist, sich verliebt und seine Schwester zwar vermisst, aber nicht genau weiss, wie er mit der neuen Rolle als "Einzelkind" umgehen soll.
Die Vergangenheit wird nicht chronologisch, aber in einer sehr stimmigen Anordnung erzählt und aufgerollt, die Position der verschiedenen Figuren wird genau beschrieben und auch wenn jede Figur immer wieder in der Ich-Form ihre eigene Sicht erklärt, so wirkte es auf mich so, als würden Simon, sein neues Leben und sein Umgang mit der Vergangenheit im Zentrum stehen.
Dies finde ich eine sehr sinnvolle Entscheidung der Autorin. Simon ist nämlich die einzige Figur, die wirklich vorwärts geht, die bereits in der Lage ist, zu reflektieren und die nicht hadert, sondern versucht, einen Weg zu finden.

Fazit:
Dieses Buch ist eine absolut gelungene und sehr einfühlsame Erzählung über das Schlimmste, was einer Familie geschehen kann. Es wird aber nie reisserisch oder gar belehrend, sondern zeigt den Weg der verschiedenen Familienmitgliedern auf und versucht, das Verarbeiten einer solchen Tragödie zu verstehen.

Zusätzliche Infos:
Autorin: Lisa-Marie Dickreiter
Fester Einband: 271 Seiten
Verlag: Bloomsbury
Sprache: Deutsch
ISBN  978-3-8270-0945-6