Rezension: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war - Joachim Meyerhoff

Reiheninfos "Alle Toten fliegen hoch":
1. Amerika
2. Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
3. Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
4. Die Zweisamkeit der Einzelgänger
5. Hamster im hinteren Stromgebiet
6. Man kann auch in die Höhe fallen 

Beschreibung des Verlages:
Ist das normal? Zwischen Hunderten von körperlich und geistig Behinderten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuwachsen? Der junge Held in Joachim Meyerhoffs zweitem Roman kennt es nicht anders – und mag es sogar sehr. Sein Vater leitet eine Anstalt mit über 1.200 Patienten, verschwindet zu Hause aber in seinem Lesesessel. Seine Mutter organisiert den Alltag, hadert aber mit ihrer Rolle. Seine Brüder widmen sich hingebungsvoll ihren Hobbys, haben für ihn aber nur Häme übrig. Und er selbst tut sich schwer mit den Buchstaben und wird immer wieder von diesem großen Zorn gepackt. Glücklich ist er, wenn er auf den Schultern eines glockenschwingenden, riesenhaften Insassen übers Anstaltsgelände reitet.
Joachim Meyerhoff erzählt liebevoll und komisch von einer außergewöhnlichen Familie an einem außergewöhnlichen Ort, die aneinander hängt, aber auseinandergerissen wird. Und von einem Vater, der in der Theorie glänzt, in der Praxis aber stets versagt. Wer schafft es sonst, den Vorsatz zum 40. Geburtstag, sich mehr zu bewegen, gleich mit einer Bänderdehnung zu bezahlen und die teuren Laufschuhe nie wieder anzuziehen? Oder bei Flaute mit dem Segelboot in Seenot zu geraten und vorher noch den Sohn über Bord zu werfen?
Am Ende ist es aber wieder der Tod, der den Glutkern dieses Romans bildet, der Verlust, der nicht wieder gutzumachen ist, die Sehnsucht, die bleibt – und die Erinnerung, die zum Glück unfassbar pralle, lebendige und komische Geschichten produziert.

Inhalt:

Joachim ist noch ein Kind, als er seinen ersten Toten sieht und dieses Erlebnis macht ihn kurzzeitig zum Helden seiner Schule. Er wächst inmitten des Geländes einer Kinder- und Jugendpsychiatrie als jüngster Sohn deren Direktors auf. Begegnungen mit Patientinnen und Patienten sind an der Tagesordnung und die Schreie, die er beim Einschlafen aus den Zimmern der Psychiatrie hört, gehören für ihn zur Normalität. Auch seine ihm ganz eigene Wut, die Liebe zum Familienhund und ausgeklügelte Pläne, um seinen Willen auch als jüngstes Kind durchzusetzen, prägen seinen Alltag.
Dieser zweite Band der Reihe erzählt eine Kindheit, die im ersten Band der Reihe bereits vorbei ist und steuert auf eine Tragödie zu, die wir ebenfalls aus dem ersten Band kennen. Es erstaunt also nicht, dass sich der Skurrilität sowie den freudigen, überschwänglichen Erinnerungen zum Trotz eine tiefe Traurigkeit und Melancholie durch den gesamten Roman ziehen.

Meine Meinung:
Eine Kindheit inmitten von körperlich und geistig behinderten Menschen, die sicher keine moderne Pflege erhalten und oft sediert, verwahrlost und vereinsamt in einer Ecke sitzen oder über das Gelände der Psychiatrie streunern, sind für ein mitten in diesem Chaos aufwachsendes Kind ganz sicher ein spannendes Umfeld. Gemeinsam mit unserem Ich-Erzähler erleben wir die komischsten Situationen aus seinem Alltag und seiner Schulzeit und kommen der Dynamik der Beziehung seiner Eltern sowie den aus heutiger Sicht menschenunwürdigen Zuständen der in der Psychiatrie lebenden Menschen auf die Schliche.
Was als eine bunt schillernde, aus dem vollen Leben gegriffene Erzählung beginnt, kippt mehr und mehr ins Melancholische. Verlust und Sehnsucht prägen die Jugend und das frühe Erwachsenenalter unseres Protagonisten und beim Lesen hat auch mich eine grosse Verlorenheit ergriffen. Irgendwie tröstet es mich, dass ich den letzten und versöhnlichen Abschlussband der Reihe bereits gelesen habe und nun freue ich mich um so mehr auf die weiteren Entwicklungen in den nächsten drei Bänden.

Meine Empfehlung:
Auch der zweite Band der Reihe ist ein berührendes, humorvolles und immer wieder überraschendes Meisterwerk der Autofiktion. Was am Ende alles der Wahrheit entspricht ist dabei komplett irrelevant, schliesslich resultiert dabei eine grossartige Geschichte, die mich neugierig gemacht hat auf die weiteren Bände.

Zusätzliche Infos:
Titel: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Autor: Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, hat als Schauspieler an verschiedenen Theatern gespielt, unter anderem am Burgtheater in Wien, am Schauspielhaus in Hamburg, an der Berliner Schaubühne und den Münchner Kammerspielen. Dreimal wurde er für seine Arbeit zum Schauspieler des Jahres gewählt. 2011 begann er mit der Veröffentlichung seines mehrteiligen Zyklus »Alle Toten fliegen hoch«. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2024 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin:  08.01.2015   
ISBN: 978-3-462-04681-6

Rezension: Mein Glück in deinen Händen

Mein Glück in deinen Händen - Mary Simses

Beschreibung des Verlages:

Sara und ihre Schwester Mariel waren nie ein Herz und eine Seele. Doch als sich Mariel Hals über Kopf in Saras Freund Carter verliebt – und er sich in sie – herrscht endgültig schlechte Stimmung. Dass nun ihre Schwester ihre große Liebe heiraten wird, trifft die sonst so erfolgreiche Frau schwer. Aus verletztem Stolz kommt ihr nur eine Idee: Den schönsten Tag der beiden etwas sabotieren und ganz nebenbei Carters Herz zurückerobern. Aber ein gebrochenes Herz ist kein guter Ratgeber, und manchmal ist es vielleicht gut, nicht zu bekommen, was man will, denn eventuell wartet schon etwas viel Besseres an der nächsten Ecke …

Inhalt:
Vor achtzehn Monaten hat sich Saras Freund Carter in Saras Schwester Mariel verliebt und seit dann spricht Sara nicht mehr mit ihrer Schwester. Nun wollen Mariel und Carter sogar heiraten und Saras Mutter lockt ihre Töchter unter einem Vorwand in die alte Heimat, in der Hoffenung, dass sich die beiden Frauen miteinander versöhnen. Doch Sara hat ganz andere Dinge im Sinn. Sie will die Hochzeit ruinieren und Carter erneut von sich überzeugen.

Meine Meinung:
Vor einigen Jahren habe ich "Der Sommer der Blaubeeren" und "Der Sommer der Sternschnuppen" von Mary Simses gelesen. "Der Sommer der Blaubeeren" hat mir sogar so gut gefallen, dass ich es ein wenig bereue, dass ich dieses Buch irgendwann einmal weiterverschenkt habe. Seit Ewigkeiten stand "Mein Glück in deinen Händen" auf meiner Wunschliste und deshalb musste es unbedingt mit, als es mir in einem Bücherschrank aufgefallen ist. 
Die Sprache ist leicht und unterhaltsam, der Plot erinnert an eine Hollywood-Komödie aus den 1990ern - zum Beispiel "Die Hochzeit meines besten Freundes" - und wer eine sehr realitätsnahe Handlung erwartet, ist mit dem Buch definitiv falsch beraten. Es ist allerdings äusserst unterhaltsam erzählt und ein abenteuerliches Ereignis jagt das nächste. Die Figuren haben mich zwar nicht komplett für sich eingenommen und auch die Gefühle blieben ein wenig auf der Strecke, dafür punktet das Buch mit einer äusserst kreativen Verkettung absolut skurriler Szenen.

Schreibstil und Aufbau:
Die Schwestern Sara und Mariel wirkten leider wie zwei dreissigjährige Teenager, zu ihrer Verteidigung muss ich aber sagen, dass ihr kindisches Verhalten leider keine Überraschung ist, wenn man sich ansieht, wie ignorant und bevormundend sich ihre Mutter ihnen gegenüber verhält.
Bestens unterhalten hat mich aber die Nebenhandlung, in dem Sara gemeinsam mit einem schönen Fremden ein Kunstwerk aus Pappmaché retten will und dabei sogar ins Visier von polizeilichen Ermittlungen gerät. Dieser Handlungsstrang hätte für mein Empfinden sogar noch viel mehr Raum einnehmen dürfen, weil er die absolut unnötigen Streitereien zumindest ein wenig wettgemacht hat.

Meine Empfehlung:
Mein drittes Buch von Mary Simses hat mich leider nicht so berührt und überzeugt wie ihre anderen Romane. Unterhaltsam war es aber allemal. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Mein Glück in deinen Händen
Originaltitel: The Wedding Thief
Autorin: Mary Simses studierte Journalismus und Jura. Sie arbeitete zunächst als Anwältin und gab sich nur nach Feierabend ihrer Leidenschaft für das Schreiben hin. Bevor sie mit "Der Sommer der Blaubeeren" ihren ersten Roman schrieb, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wird, veröffentlichte sie bereits einige Kurzgeschichten. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Mann, mit dem sie auch eine Anwaltskanzlei betreibt, lebt Mary Simses im Süden Floridas.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen: von Carolin Müller 
Taschenbuch mit Farbschnitt: 400 Seiten
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 2020 (Taschenbucherstausgabe)
ISBN: 978-3-7341-0854-9

Kurzrezension: A Year at Castle Court

A Year at Castle Court - Holly Hepburn

Beschreibung des Verlages:
Sadie is a single mum, nursing a broken heart. Her best friend from childhood, Cat, is burned out from working long hours as a chef in Paris. In need of a change, they decide to invest in their dream – running their own handmade biscuit shop in gorgeous Castle Court, a three-storey food court tucked away behind Chester's bustling streets.
They soon discover that Castle Court has its own community – a little haven of delight against the stresses of the outside world. But not everyone welcomes the new business; the patisserie owner is less than pleased by what she sees as direct competition and Greg, who runs the fancy bistro that dominates one end of the courtyard, doesn't think Sadie and Cat have the talent or business acumen to succeed. Luckily, there's support in the form of the delectable Jaren, who owns the Dutch waffle house opposite Smart Cookies, and Swiss chocolate-shop owner, Elin. And if all else fails, the friends can drown their sorrows in Seb's cocktail bar on the third floor!

Inhalt:
Die Freundinnen Sadie und Cat haben bereits einige Herausforderungen gemeistert. Sadie ist nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann alleinerziehend und Cat hat das mit zwei Michelinsternen gekürte Restaurant in Paris verlassen, in dem sie als Köchin gearbeitet hat, um sich ein neues Leben als Geschäftsinhaberin aufzubauen. Gemeinsam stürzen sich die Frauen in dieses neue Projekt und eröffnen das Geschäft „Smart Cookies“. Schon in ihrem ersten Jahr als Unternehmerinnen werden ihnen aber zahlreiche Steine menschlicher, romantischer und geschäftlicher Natur in den Weg gelegt. Ihre Freundschaft überdauert aber auch das stärkste Unwetter.

Meine Meinung:
Holly Hepburn Bücher sind stets ein wunderbares Lesevergnügen für mich. Vier ihrer neueren Romane habe ich - in der übersetzen Version - innerhalb von kürzester Zeit gelesen. Dabei haben mich vor allem ihre Figuren, deren mitten aus dem Leben gegriffenen alltäglichen Herausforderungen und Freuden sowie die wunderschön beschriebenen Szenen der Handlung. Ob traumhafte Landschaften auf den Orkney Islands oder geschäftige Strassen in einer gemütlichen Altstadt, Hepburn holt mich einfach immer ab. Und auch das Schicksal des edlen Geschäfts „Smart Cookies“ sowie die wunderbaren und sehr modernen Nebenfiguren in „A Year at Castle Court“ haben mich überzeugt. Allen voran haben vor allem die dinosaurierliebende vierjährige Tochter von Sadie sowie der Imker Adam mein Herz im Sturm erobert.
Allerdings muss ich leider sagen, dass mir dieser Roman trotzdem nicht ganz so gut gefallen hat, wie die anderen Bücher. Das kann daran liegen, dass er ein wenig älter ist, als die anderen Bücher, die ich bisher von ihr gelesen habe, oder dass man ihm deutlich angemerkt hat, dass er zuerst in vier Teilen als eBook und dann erst als ganzer Roman erschienen ist. Dies ist zwar bei allen ihren Romanen der Fall, bei den anderen Bücher empfand ich aber die Übergänge und Zusammenhänge der einzelnen Teile als sehr viel stimmiger. Zudem beinhaltet die Handlung für meinen Geschmack zu viele romantische Irrwege und die Hauptfiguren waren mir leider nicht so sympathisch, wie die Nebenfiguren.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist in meinen Augen der bisher schwächste Roman der Autorin, er enthält aber dennoch sehr gut, liest sich leicht und stimmig, beinhaltet viele kulinarische Details und Bienenliebe und tolle Nebenfiguren.

Weitere Bücher der Autorin:
Heute Abend in der Eisdiele am Meer   (2021)
Süße Träume im Cottage am Strand   (2022)
Große Liebe im kleinen Trödelladen   (2023)
Bei Sonnenaufgang in Darling Cove   (2025)

Zusätzliche Infos: 
Titel:
A Year at Castle Court
Autorin: Holly Hepburn is the author of several novels including, Escape to Darling Cove, Return to Half Moon Farm and Healing Hearts on Thistledown Lane. Follow her on Instagram at @HollyH_Author. 
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: Simon & Schuster UK
Erschienen: 27.12. 2018
ISBN: 9781471170294

Rezension: Der geheimnisvolle Fall der Braut (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 8)

Der geheimnisvolle Fall der Braut (Rory Shy 8) - Oliver Schlick

Reiheninfos:
1. Rory Shy, der schüchterne Detektiv (erschienen im August 2020)
2. Der Fall der roten Libelle (erschienen im Juli 2021)
3. Das Rätsel um Schloss Eichhorn (erschienen im Februar 2022)
4. Das Verschwinden der Amanda Kent (erschienen am 20.09.2022)
5. Ein Clown unter Verdacht (erschienen am 14.03.2023)
6. Die
Erpressung des Soßen-Königs (erschienen am 14.03.2024)
7. Der verratene Ganove (erschienen am 12.02.2025)
8. Der geheimnisvolle Fall der Braut (erschienen am 11.03.2026)
Band 9. erscheint im Frühjahr 2027 :-D

Beschreibung des Verlages:
Witzig und wunderbar schüchtern – Rory Shy ermittelt wieder!
Die Hochzeitsgesellschaft ist in Aufruhr:
Die Braut ist beim Sektempfang vom Balkon des Nobelhotels gestürzt – direkt in den Wassergraben!
Zum Glück ist sie unverletzt, kann sich jedoch an nichts erinnern. Doch ihr Bräutigam ist sicher: Das war kein Unfall.
Rory Shy, der berühmteste schüchterne Detektiv der Welt, soll den Fall übernehmen – natürlich mit Unterstützung seiner cleveren Assistentin, der 13-jährigen Matilda und des hasenfüßigen Cockerspaniels Dr. Herkenrath.
Schon bald stößt das ungleiche Trio auf ein Geflecht aus Lügen, Geheimnissen und falschen Fährten – und auf eine Hochzeitsgesellschaft, in der fast jeder etwas zu verbergen hat…

Inhalt:
In ihrem achten Fall ermitteln Matilda und Rory in einem wunderschönen Nostalgie-Hotel inmitten einer Hochzeitsgesellschaft. Die Braut ist aus dem Fenster gestürzt, aber der Bräutigam glaubt an ein Verbrechen und hat deshalb alle Gäste gebeten, im Hotel zu bleiben und Matilda und Rory für die Ermittlungen zur Verfügung zu stehen. Schnell wird klar, dass verschiedene Menschen ein Motiv und noch viel mehr Gäste kein Alibi haben. Ausserdem fallen eine seltsame Hochzeitsfotografin, ein bissiger Hundefeind und die Eltern des Bräutigams sehr schnell negativ auf...

Meine Meinung:
Ich bin begeistert, schon wieder! Oliver Schlick hat mit seinen Figuren Matilda und Rory ein Team geschaffen, das es in sich hat. Die fantasievollen, klug aufgebauten Fälle, die schrägen, witzigen, spannenden und stets sehr detailliert und liebevoll beschriebenen Nebenfiguren und die wunderschöne Aufmachung und Vorsatzgestaltung machen jeden einzelnen Band zu einem kleinen Schatz.
An diesem Band besonders gut gefallen hat mir, dass mir lange gar nicht klar war, wie alles zusammenhängen könnte und dass die Fälle auch immer komplexer, gefährlicher und erwachsener werden. Parallel dazu wird unsere eigentliche Hauptfigur Matilda auch immer älter und dadurch zu einer um so wertvolleren und selbstbewussteren Mitarbeiterin. Rorys geheime Gabe, die ihm hilft, einige der Fälle aufzulösen, kommt in diesem Band kaum zum Einsatz, dafür überzeugt unser Team mit kluger Ermittlungsarbeit und einem gar nicht mehr so hasenfüssigen Dr. Herkenrath an seiner Seite.
Einmal mehr bin ich nur so durch die Seiten geflogen und ich hätte gerne noch lange weitergelesen. Dieser Krimi ist spannend, der Fall wird immer gefährlicher und trotzdem beinhaltet er auch eine grosse Portion Humor und ein Herz für Schüchterne.

Meine Empfehlung:
Lest die Reihe alleine oder mit den Kindern in eurem Umfeld. Lasst euch unterhalten und begeistern und beginnt natürlich unbedingt beim ersten Band.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Der geheimnisvolle Fall der Braut
Autor: Oliver Schlick wurde 1964 in Neuwied/Rhein geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er Sozialarbeit an der FH Düsseldorf. Seit mehreren Jahren ist er in der stationären Jugendhilfe und der Flüchtlingsarbeit tätig. Oliver Schlick lebt in Düsseldorf, und wenn er nicht schreibt, verbringt er die Zeit mit dem Sammeln von Schneekugeln und Blechspielzeug sowie dem exzessiven Hören von »The Cure«.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 304 Seiten
Verlag: Ueberreuter Verlag
Ersterscheinung: 11.03.2026 
ISBN:
 978-3-7641-5314-4

Kurzrezension: Walzer für Niemand

Walzer für Niemand - Sophie Hunger

Beschreibung des Verlages:
Ein Mädchen und ihr bester Freund Niemand. Als Kinder von Militärattachés ist ihr Aufwachsen geprägt von ständigen Ortswechseln. Vom Rhythmus der Musik getragen erleben sie Magie und Erschütterungen von Kindheit und Jugend. Am glücklichsten sind sie, wenn sie sich in ihrer Plattensammlung verlieren, wenn sie im Atlas die Welt nach Bandnamen neu kartografieren, wenn sie im Klavierunterricht Dezibelangaben herausbrüllen oder in Songs die Sätze finden, die schon immer in ihnen gelauert haben. Sie verstecken sich in der Musik und werden von ihr versteckt, aber immer haben sie einander.
Doch dann bekommt die Freundschaft Risse. Während Niemand eine Obsession für die Volkskunde der Walserinnen entwickelt, von denen die Erzählerin abstammt, und während sie selbst erste eigene Lieder schreibt, bahnt sich eine Katastrophe an.
Sophie Hunger gelingt es auf beeindruckende Weise, ihre besonderen Qualitäten als Songwriterin in einen vielschichtigen und bewegenden Roman über das Werden, die Freundschaft und das Elementare der Musik zu verwandeln.

Inhalt:
Die Musikerin Sophie Hunger baut in ihrem Roman ihren 2008 erschienenen Song "Walzer für Niemand" zum Roman aus. Ihre Ich-Erzählerin erzählt von ihrer Kindheit und Jugend in einer Berner Gemeinde, ihren ersten Schritten als Musikerin und einer innigen Freundschaft, die über die Jahre zerklüftet wird.

Meine Meinung:
Das Buch habe ich aus einem Bücherschrank mitgenommen und hatte überhaupt keine Erwartungen an den Roman. Die Musikerin Sophie Hunger ist mir natürlich ein Begriff, aber ihre Songs kenne ich leider wirklich nicht so gut. Dies könnte sich allerdings bald ändern, schliesslich hat mich der Roman so richtig neugierig auf ihr Werk gemacht.
Besonders gut gefallen haben mir die kreative Erzähllust, der sehr freie Umgang mit Worten und die aussergewöhnlichen aber äusserst starken Sprachbilder, welche Erinnerungen und grosse Emotionen wecken. Ausserdem spricht natürlich aus jeder Sequenz Hungers enorme Liebe zur Musik, wohl das einzige, das sie und ihre Ich-Erzählerin verbindet.
Die teilweise ziemlich skurrilen Beschreibungen und Coming-of-Age-Elemente hatten dabei eine komische und unterhaltsame Komponente, stimmen aber auch wehmütig und die kurzen Abschnitte und Kapitel sorgten dafür, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.

Meine Empfehlung:
Dieses aussergewöhnliche Büchlein ist ein grosses Gedicht in Buchform, verbindet Legenden, Fantasie, die Liebe zur Musik und die tragische Geschichte einer zuerst innigen und später dahinschwindenden Freundschaft. Dieser Roman ist definitiv ein kleines Abenteuer für alle, die sich darauf einlassen wollen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Walzer für Niemand
Autorin: Sophie Hunger ist eine Schweizer Musikerin. Sie debütierte 2008 mit ihrem Album "Monday's Ghost" (Universal Jazz France) und spielte 2010 als erste Schweizer Künstlerin beim Glastonbury Festival. In Deutschland erhielt sie 2015 den LEA für die beste Live-Tournee und 2019 den Preis für Popkultur. In Frankreich erhielt sie 2017 den Prix Lumières für ihre Filmmusik des Oscarnominierten Films "Ma Vie de Courgette". Sie studierte Anglistik und Germanistik in Zürich, Konstanz und Bern.
Sprache: 
Deutsch
Hardcover: 192 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin: 13.03.2025 
ISBN: 978-3-462-00324-6

Rezension: Die schönste Version

Die schönste Version - Ruth-Maria Thomas

TW:
häusliche und sexualisierte Gewalt, Mobbing, Essstörung

Beschreibung des Verlages:
Ruth-Maria Thomas erzählt in ihrem gefeierten Debütroman, nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024,  die Geschichte von Jella und Yannick. Es ist eine Geschichte vom Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz und der ersten großen Liebe, deren anfängliche Leichtigkeit sich in ihr Gegenteil verkehrt und eine toxische, gewaltvolle Dynamik entwickelt.
«Ein Muss für uns und wirklich jeden Mann, der ansatzweise verstehen möchte, wie das Aufwachsen als Frau im Patriarchat uns kaputtmachen kann.» – Louisa Dellert
Mit stilistischer Brillanz und seltener Drastik legt "Die schönste Version" die Abgründe einer Beziehung und die gesellschaftlichen Strukturen dahinter frei. Es ist die funkelnde und zugleich erschütternde Geschichte eines Erwachens, eine große Introspektion und eine Anklage – fesselnd, tiefgründig und von unerhörter Aktualität.

Inhalt:
Jella und Yannick, eine scheinbar perfekte Liebesgeschichte. Doch eines Tages geht er zu weit und wird handgreiflich. Es gibt eine Zeugin, es gibt eine Aussage und in zahlreichen Rückblenden werden Hintergründe und Abgründe ertastet. Freundschaften, Machtgefälle, Missbrauch und herausfordernde Familienstrukturen prägen Jellas Alltag genau so, wie die gefährlichen Beziehungen, aus denen sie kaum ausbrechen kann.

Meine Meinung:
Ich bin froh, das Buch gemeinsam mit Sina gelesen und diskutiert zu haben. Im Austausch konnten wir einiges besser einordnen und verarbeiten. Und auch wenn zum Glück nicht alle Details aus Jellas Leben auch Teil meines Lebens sind (oder waren), so habe ich mich und mein Umfeld doch immer wieder in einigen der Szenen, Erinnerungen oder Gedanken erkannt. Ruth-Maria Thomas ist es mit ihrem Debüt gelungen, aufzurütteln, zu schockieren und zu berühren. Und leider zeigt sie einen Alltag auf, den so viele von uns so, die in den 90er-Jahren geboren worden sind, zumindest in Teilen erlebt haben. Vom Kontrollieren und Aushungern des eigenen Körpers über den Gruppenzwang, sich riskanten Spielen, Substanzen oder Menschen hinzugeben bis hin zum von abwesenden Eltern und Erziehungsberechtigten fast komplett unbeaufsichtigten Verbringen der Freizeit in Hinterhöfen, Kneipen und Betten viel älterer Männer lässt Thomas kein damals wie heute für einige Mädchen und junge Frauen noch immer hochaktuelles Thema aus.
Jella lebt und überlebt nach Yannicks Tat bei ihrem Vater. Sie beginnt, gesellschaftliche Strukturen zu durchschauen und zeigt anhand ihrer Kindheit und Jugend auf, was unter anderem dazu geführt hat, dass sie an den Punkt gelangt ist, an dem sie gerade steht. Sie erinnert sich an das Dulden, das in-Schutz-Nehmen, das Ausprobieren und das Bewundern von denen, die alles durften und konnten und älter und stärker waren.

Meine Empfehlung:
Ein paar Fragen bleiben offen, nicht alles ist ganz rund, aber der Stil und die gekonnt erzählten Figuren machen dies wett. Ruth-Maria Thomas erzählt knapp und intensiv, vulgär, messerscharf und aufrüttelnd. Sie sorgt dafür, dass wir hinsehen, dass wir unser jüngeres Ich an die Hand nehmen und gemeinsam mit unserer Protagonistin Jella heilen wollen. Und dafür, dass wir beginnen, die Vorläufer und Anfänge von häuslicher und sexualisierter Gewalt ernst zu nehmen, dass wir aufhorchen und einschreiten und mitdenken, dass wir Täter klar benennen und uns mit anderen Frauen verschwestern. Lest dieses Buch und sprecht darüber.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die schönste Version
Autorin: Ruth-Maria Thomas, 1993 geboren und in Cottbus aufgewachsen, war als Sozialarbeiterin in der Jugendhilfe tätig. Sie studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und ist Mitgründerin des erotischen Literaturmagazins Hot Topic!. 2022 war sie Finalistin des Open Mike. In ihren Texten, die u. a. im Rundfunk und in Literaturmagazinen erscheinen, beschäftigt sie sich immer wieder mit den Fallstricken weiblicher Sozialisation. Zuletzt erschien ihre Kurzgeschichte Glitzer in DAS GRAMM und wie ich frau bin bei SuKuLTuR. 
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 14.10.2025
ISBN: 978-3-499-01438-3

Rezension: 21 Tag zum Verlieben

Rezensionsexemplar aus dem Penguin Verlag (via Bloggerportal)

21 Tage zum Verlieben - Lia Louis

Beschreibung des Verlages:

Allie glaubt nicht an die große Liebe, sie analysiert sie lieber mit wissenschaftlicher Präzision. Als sie nach einem langen Forschungsprojekt erschöpft in ihre Heimat London zurückkehrt, stellt sie entsetzt fest, dass sie auf dem Flug ihr Handy mit ihrem Sitznachbarn vertauscht hat. Und dass dieser Unbekannte niemand Geringeres als Milo Ford war: der charmante Filmstar und wandelnde Inbegriff von Romantik. Kurzerhand beschließen die beiden, das digitale Leben des anderen zu übernehmen, bis sie zurücktauschen können – denn Milo ist in den rumänischen Bergen, ohne Kurierdienst, ohne eine Möglichkeit sich zu treffen für die nächsten 21 Tage. Doch während sie sich durch fremde Nachrichten, intime Einblicke und unerwartete Offenbarungen navigieren, wächst eine Verbindung, die keiner von beiden kommen sieht ...

Inhalt:
Die Forscherin Allie und der Schauspieler Milo vertauschen versehentlich ihre Handys auf einem Langstreckenflug. Allie gelingt es anschliessend, über einen anderen Kanal mit Milo Kontakt aufzunehmen und eine Übergabe der so wichtigen Geräte und Daten zu veranlassen. Doch durch den anfänglich nur oberflächlichen organisatorischen und später immer tiefgründigeren Austausch lernen sich die beiden immer näher kennen und beginnen sogar, starke Gefühle füreinander zu entwickeln. Dann aber geschieht etwas, das ihre Leben bis in die Grundfesten erschüttert.

Meine Meinung:
Auf der Suche nach einem kurzweiligen, ein wenig romantischen und vor allem unterhaltsamen Buch bin ich über diesen Roman gestolpert. Die Idee hat es mir angetan und zahlreiche Überraschungen und Wendungen sorgen dafür, dass doch nicht alles so kommt, wie es anfänglich scheint. Allerdings war mir das Ganze dann nach mehr als der Hälfte der Seiten voller Hin- und Her doch ein wenig zu künstlich in die Länge gezogen. Jedes einzelne Missverständnis und jedes Hindernis, das man sich für eine solche Liebesgeschichte vorstellen kann, kommt in diesem Buch vor. Trotzdem bin ich nur so durch die Seiten geflogen und besonders gut gefallen hat mir, dass Allies Arbeit als Biologin und Forscherin so viel Gewicht bekommt und dass dabei auf bedrohte Arten hingewiesen wird und dass die Wunder der Natur und die sagenhaften Landschaften der Arktis eine wundervolle Kulisse für diese Liebesgeschichte bilden.

Schreibstil und Aufbau:
Auf den ersten hundert Seiten erfahren wir aus Tagebuchauszügen und Chatverläufen, wie es zur verhängnisvollen Verwechslung der Telefone gekommen ist. Durch diese hundert Seiten bin ich innerhalb von kürzester Zeit geflogen und sie haben mich bestens unterhalten. Dann passiert etwas, das die Geschichte noch einmal ganz neu ins Rollen bringt und das ich so nicht erwartet hätte. Diese Idee hat mir sehr gut gefallen und lediglich die mit der Zeit immer anstrengenderen Szenen, in denen sich Allie und Milo gegenseitig die Schuld für die Geschehnisse in die Schuhe schieben, haben mich gestört.
Etwa im zweiten Drittel des Buches reisen wir mit unseren Figuren in die Arktis und dort sorgen die Nebenfiguren und die Kulisse für ein angenehmes Lesevergnügen.

Meine Empfehlung:
Zu viel Hin- und Her und zu viele Missverständnisse haben dafür gesorgt, dass sich die Geschichte ein wenig gezogen hat. Ansonsten hat mir der Roman aber schöne und unterhaltsame Lesestunden beschert und kann vor allem mit seinen Beschreibungen der Flora und Fauna der Arktis und seiner einzigartigen Grundidee überzeugen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
21 Tage zum Verlieben
Originaltitel: The Phone Swap
Autorin: Lia Louis lebt mit ihrer großen Liebe und ihren drei kleinen Kindern in England. Bevor sie sich voll und ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie freiberuflich als Werbetexterin und Bloggerin. Nach ihrem sensationellen Debüt »Jedes Jahr im Juni«, das sich in vierzehn Länder verkauft hat und wochenlang in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste stand, begeisterte sie ihre Leser*innen mit »Acht perfekte Stunden« und »Unser Lied für immer«. Zuletzt erschien »Tausend ungesagte Worte«. Ihre Fans warten bereits sehnsüchtig auf ihren neuesten Roman.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Jara Dressler-Rohilla
Paperback, Klappenbroschur: 432 Seiten
Verlag: Penguin
Erschienen: 11.02.2026
ISBN: 978-3-328-11327-0

Rezension: Zusammenkunft

Zusammenkunft - Natasha Brown

TW:
Rassismus, Krebs, Sexismus, sexuelle Belästigung

Beschreibung des Verlages:
Nach oben kommen. Das war immer der Plan. Seit Jahrhunderten. Dafür hat sie, dafür haben alle vor ihr gekämpft. Und als Schwarze Frau stand ihr letztlich nur ein Weg offen: Völlige Verausgabung, Oxbridge, Londoner Hochfinanz, ein Freund mit Geld so alt und dreckig wie das Empire. Doch als sie endlich eingeladen wird, Mitglied einer Familie, Angehörige einer Klasse, Teil eines Landes zu werden, muss sie am eigenen Körper erfahren, dass die erlittenen Ungerechtigkeiten tiefere Wurzeln geschlagen haben. Wie kann sie sich retten? Wie mit dem Erbe der Geschichte leben?

Inhalt:
Fragmentarisch setzen sich in diesem dünnen Buch Szenen aus dem Leben der namenlosen Schwarzen Ich-Erzählerin zu einem nachhallende Einblick in ihren Alltag zusammen. In Grossbritannien erlebt sie alltäglichen Rassismus und Sexismus, muss einen enormen Mehraufwand leisten, um ernst genommen zu werden und voranzukommen, muss einstecken, sich zusammenreissen und wird dabei immer wieder mit eigenen (körperlichen) Grenzen konfrontiert.

Meine Meinung:

Das Buch ist mir schon oft begegnet und empfohlen worden, entsprechend wollte ich mir selber ein Bild machen. Und obwohl es nur wenige Seiten hat, liest es sich nicht so schnell, wie erwartet. Die Themen sind intensiv, lassen Raum zum Nachdenken und Leerstellen, die man selber füllen kann, aber nicht muss. Die einzelnen Textfragmente, Listen und Gedanken springen zwischen verschiedenen Szenen hin und her. Mal befinden wir uns in einem Büro im beruflichen Kontext, mal im hart erarbeiteten Townhouse der Protagonistin, mal auf einer Gartenparty und mal im Krankenhaus.
Natasha Brown benennt Missstände, das immer noch kolonialistische Gedankengut und das kaum überwindbare Klassensystem, in dem ihre unbenannt bleibende Protagonistin agiert und ohne Namen steht sie um so mehr für so viele Frauen, welche ähnliche Abwertungen, Hürden und Übergriffe erfahren.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist eine sprichwörtliche Zusammenkunft von schlechten Erfahrungen aber auch von Mut und Kraft, welche sich diesen entgegenstellen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Geschichte zu lesen, sich den teilweise äusserst unangenehmen Szenen zu stellen und sich und das eigene (rassistische) Handeln zu hinterfragen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Zusammenkunft
Autorin: Natasha Brown arbeitete nach ihrem Mathematikstudium an der Universität Cambridge zehn Jahrelang im Londoner Finanzsektor. Mit ihrem Roman Zusammenkunft gelang ihr eines der erfolgreichsten literarischen Debüts Englands der letzten Jahre. Er stand auf der Shortlist des Folio Prize, des Goldsmiths Prize und des Orwell Prize und wurde in 17 Sprachen übersetzt. Natasha Brown gehört zu den alle zehn Jahre ernannten Grantaʼs Best of Young British Novelists.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Jackie Thomae
Hardcover mit Schutzumschlag: 113 Seiten
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungstermin: 17.05.2023
ISBN: 
978-3-518-47322-1

Lese-Statistik Februar 2026

Hallo ihr Lieben

Der Februar hat ein wenig Frühling und ein wenig Winter, viele Sonnenstunden, Lesestunden auf Balkonien und die ersten Gartenarbeiten mit sich gebracht und so angesichts der täglich immer schlimmen Nachrichten für ein wenig Zerstreuung gesorgt.
Leider war ich wieder nicht ganz fit (ich denke, die Magen-Darm-Erkrankung im Januar hat mein Immunsystem nachhaltig ein wenig lahmgelegt) und ich hatte am Monatsanfang zwar nur eine leichte Erkältung und schon genug Kraft für meine Arbeit und meinen Alltag, hatte aber nicht wirklich die Energie und den Kopf, um zu lesen oder mich auf meinem Blog zu betätigen. Das konnte ich in der fast ganz schulfreien zweiten Februarwoche dann endlich nachholen und wieder ausgiebig schmökern und auf euren Blogs stöbern. Und auch wenn wieder sehr viel Schreibtischarbeit anstand (Stichworte Steuern und Konzertplanung), so liebe ich es immer sehr, in der unterrichtsfreien Zeit ganz in meinem Tempo zu arbeiten und meinen Tagesablauf zu gestalten. Zwei Konzerte, viele hoffnungsvoll grüne Bücher und noch mehr Schneeglöckchensichtungen haben den Monat komplett gemacht und nun hoffe ich, dass ich genug Energie und Motivation für den sehr arbeitsintensiven März gesammelt habe, freue mich aber auch auf diesen mit tollen Projekten gefüllten Monat, der heute bereits mit einem Konzert gestartet hat.

Gelesen im Februar

Erster Band einer Familienchronik (Trilogie), anfänglich packend, dann eher zäh, trotzdem lesenswert


Berührende, zart melancholische und gleichzeitig hoffnungsvolle lose Fortsetzung zu "Prima Aussicht"


Zwei Freunde, die einander durch dick und dünn begleiten, Freundschaft, Familie und ein Gewinnspiel


Ein kleiner Schatz in Buchform, das perfekte Geschenk und ganz viel Liebe für ein kleines Lebewesen


Mein bisher liebster Teil der Reihe, sehr viel Humor, Kulinarik, grandiose Protagonistin und Hamburgliebe

Kinderbuchklassiker und einfach immer absolut lesenswert!


Packend und eindringlich erzählte Geschichte, keine leichte Kost, heftig, tragisch, verstörend, grandios




Alle Seitenzahlen und Rezensionslinks:

Die Glücksformel - Stefan Klein   (quergelesen/einzelne Kapitel gelesen, 120 Seiten ganz gelesen)
Der Geschmack von Apfelkernen - Katharina Hagen   (abgebrochen nach 22 Seiten)
Für immer, oder was? - Ellen Berg   (abgebrochen nach 29 Seiten)
Das Land der Anderen - Leïla Slimani   (384 Seiten)
Leonard und Paul - Rónán Hession   (320 Seiten)
aufrappeln - Judith Poznan   (160 Seiten)
Das Geräusch einer Schnecke beim Essen - Elisabeth Tova Bailey   (176 Seiten)
Glück ist, wenn man trotzdem liebt - Petra Hülsmann   (416 Seiten)
Ronja Räubertochter - Astrid Lindgren   (ReRead, 240 Seiten)
Deine kalten Hände - Han Kang   (312 Seiten)
Revolution der Verbundenheit - Franziska Schutzbach   (320 Seiten)

Neuzugänge: 

Die Stadt der verschwundenen Kinder - Caragh O'Brien   (Bücherschrankfund)
21 Tage zum Verlieben - Lia Louis   (Rezensionsexemplar)
Sternflüstern, die Geschichte eines Neuanfangs - Paula Carlin   (Geschenk von Andrea)

Abgebrochen:

Die Glücksformel - Stefan Klein: Das Buch habe ich grosszügig quergelesen, weil mich nicht alle Kapitel interessiert haben. Mindestens 120 Seiten habe ich aber ganz gelesen, weshalb ich einfach nur 120 Seiten zu meinen gelesenen Seiten zählen werde.
Der Geschmack von Apfelkernen - Katharina Hagen   (abgebrochen nach 22 Seiten, Stil passte nicht)
Für immer, oder was? - Ellen Berg   (abgebrochen nach 29 Seiten, Klischees und anstrengende Protagonistin)

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 8
Abgebrochene Bücher: 3
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'499 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 89.25 Seiten
Bücher von Autorinnen: 7
Bücher von Autoren: 1
Autor*innenduos (oder Gruppen): 
Geschenkt bekommene Bücher: 1
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Neu gekaufte Bücher: 
Gebraucht gekaufte Bücher: 
Eingesammelte Bücher: 1
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 3
SuB am Monatsbeginn: 44
Aktueller SuB: 38
Differenz: - 6

Rezension: Revolution der Verbundenheit

Revolution der Verbundenheit, wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert - Franziska Schutzbach

(Extrem ausführliche) Beschreibung des Verlages:
Inmitten einer scheinbar tief zerrütteten und krisengeschüttelten Gesellschaft fragt Franziska Schutzbach nach Perspektiven der Verbundenheit.
«Wir müssen noch miteinander eine große Freiheit erringen.»
Das schrieb Bettina von Arnim an ihre Freundin Karoline von Günderode. Seither sind viele Jahre vergangen, die Emanzipation der Frauen ist vorangeschritten – vor allem dann, wenn sich Frauen aufeinander bezogen. Dieses Buch macht sich auf die  Suche nach starken und nährenden Frauenbeziehungen , nach Liebe und Freundschaft unter Frauen, nach politischer Schwesternschaft und Solidarität, nach emanzipatorischen Mutter-Tochter-Beziehungen und weiblichen Familiengenealogien.
Die Soziologin und Sachbuchautorin Franziska Schutzbach zeigt anhand zahlreicher fesselnder Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart, wie Frauen trotz Spaltung und Differenz durch ihre Beziehungen Revolutionen ermöglicht haben. Wie sie patriarchale Strukturen in Alltag und Politik lockerten, weil sie sich verbündeten und befreundeten. Sie beschreibt, was möglich ist, wenn Frauen sich an anderen Frauen orientieren.
Wider die Spaltung der Frauen
Sie zeigt aber auch, wie schwer das ist. Denn  die Spaltung der Frauen ist eine der Grundlagen patriarchaler Macht . Frauen sollen sich an Männern orientieren, nicht aneinander. Sie sollen sich an sexistischen Maßstäben und an der männlichen Gunst ausrichten. Sie sollen mit unterdrückerischen Systemen kooperieren, anstatt sich gemeinsam dagegen aufzulehnen.
Einigkeit und Harmonie sind keine Selbstverständlichkeit unter Frauen, es gibt Risse und Differenzen, wir finden Zerwürfnisse, Entsolidarisierung und Machtausübung. Und einen großen Mangel an Zeit. Auch diesen Herausforderungen geht das Buch auf den Grund.
»Frauen können hier und heute damit beginnen, ihre Orientierung an der Männerwelt zu lösen und überkommenen Mustern wie Hierarchie und Konkurrenz ihre Sehnsucht nach Kooperation und Freundschaft entgegensetzen.« Franziska Schutzbach
Anhand von Essays und Briefen lässt Franziska Schutzbach in diesem Buch eine Revolution der Verbundenheit als eine konkrete und persönliche Praxis spürbar werden.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für stärkende, ermutigende weibliche Beziehungen.

Inhalt:
Auf eine ausführliche Einleitung folgen die fünf Kapitel "Freundschaft", "Frauenbeziehungen in Familien", "Revolution der Liebe", "Sisterhood" und "Weibliche Verweigerung: Separatismus, Autonomie und Ausstieg", welche Schutzbach mit einem Brief an eine Frau in ihrem Leben eröffnet und dann mit vielen Gedanken, Zitaten, Theorien aus verschiedenen Jahrhunderten und eigenen Zusammenfassungen ergänzt.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich schon riesig gefreut und die Briefe, welche die einzelnen Abschnitte einleiten, haben mich sehr berührt und gut unterhalten. Gestört hat mich allerdings, dass Schutzbach zu vielen Wiederholungen neigt. Nicht nur werden in mehreren Kapiteln immer wieder die gleichen Gedanken repetiert, auch formuliert sie manchmal seitenweise einen einzigen Gedanken immer wieder neu oder manchmal leider sogar mit nahezu identischen Worten. Die fünf doch eher ausführlichen Abschnitte hätten in meinen Augen fünf sehr viel kürzere und dadurch auch kurzweiligere Essays sein können.
Ausserdem verstehe ich zwar, dass Schutzbach immer wieder in die Vergangenheit reist. Sie begründet dies folgendermassen: "Für mich ist der Blick in die Vergangenheit wichtig, weil sich damit ausgelöschte Erzählungen rekonstruieren lassen (...). Es ermutigt mich, wenn ich weiss, (...) dass die patriarchale Macht eben nie total war, dass es immer auch Eigensinn und Widerstand gab." Dazu muss ich aber sagen, dass ich sehr viel lieber zeitgenössischere Beispiele oder auch noch mehr Anregungen und praktische Alltagsübungen für weiblichen Zusammenhalt, als beispielsweise wiederholte Schilderungen über die unterwürfige, dienende, mütterliche Rolle Marias in der Bibel gelesen hätte...
Trotzdem haben mich sehr viele Gedanken im Buch berührt, wütend gemacht, inspiriert und zum Weiterdenken angeregt. Wahrscheinlich habe ich einfach schon so viel zum Thema gelesen, dass für mich vieles nicht mehr komplett neu war. Das sehr ausführliche Quellenverzeichnis im Anhang beinhaltet allerdings sehr viele weiterführende Literaturtipps und macht neugierig auf mehr. 

Meine Empfehlung:
Ein wenig Kritik zum Trotz empfehle ich das Buch sehr gerne weiter und denke, dass es vor allem für Menschen, welche sich zum ersten Mal mit weiblicher Solidarität auseinandersetzen und entsprechend auch noch viele Ausführungen zum Thema benötigen, ein idealer Einstieg ins Thema ist.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Revolution der Verbundenheit, wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert
Autorin: Franziska Schutzbach, geboren 1978, ist promovierte Geschlechterforscherin und Soziologin, Publizistin, feministische Aktivistin und Mutter von zwei Kindern. Im Jahr 2017 initiierte sie den #SchweizerAufschrei, seither ist sie eine bekannte und gefragte feministische Stimme auch über die Schweiz hinaus. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschlechterthemen wie Misogynie und Sexismus, darüber hinaus befasst sie sich mit den Kommunikationsstrategien von Rechtspopulisten. Franziska Schutzbach lebt in Basel.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 320 Seiten
Verlag: Droemer HC
Erscheinungstermin: 01.10.2024
ISBN: 978-3-426-27904-5

Rezension: Deine kalten Hände


Deine kalten Hände - Han Kang

TW: sexualisierte Gewalt, Essstörung, Bulimie, Erbrechen

Beschreibung des Verlages:
Nobelpreis für Literatur 2024
Von der Autorin des internationalen Bestsellers »Die Vegetarierin«
Ein großer Roman über die Einsamkeit der menschlichen Existenz. Eines Tages verschwindet der Bildhauer Jang Unhyong beinahe spurlos. Er hinterlässt seine faszinierenden Gipsabdrücke von Händen und Körpern – und ein bewegendes Tagebuch, das seine lebenslange Suche nach Nähe und Wahrhaftigkeit in einer Welt voller Masken schildert.
»Han Kang erzählt zugleich mit großer Brutalität und großer Poesie – eine Mischung, die nur wenigen Schriftstellern gelingt.« stern
 »Man kann sich dieser Stimme nicht entziehen.« Independent

Inhalt:
Die Ich-Erzählerin H. entdeckt mehrere der beeindruckenden Skulpturen des Künstlers Jang Unhyong. Er stellt diese her, indem er Gipsabdrücke von Körpern nimmt und die Abdrücke anschliessend ausgiesst. Weil die Technik sehr anspruchsvoll und für das Modell mit grossen Unannehmlichkeiten und Schmerzen verbunden ist, hat er Mühe, geeignete Freiwillige zu finden. Er kommt mit H. in Kontakt und verschwindet dann plötzlich. Jang Unhyongs Schwester sucht H. auf und überreicht ihr ein intimes Tagebuch des Künstlers, indem er seine Herangehensweise schildert, von den Frauen erzählt, die für ihn als Modell gearbeitet haben und von den Frauen, die er geliebt hat.

Meine Meinung:
Auch dieser Roman entführt in Han Kangs Heimatstadt Gwangju und begleitet einen Künstler durch seinen Alltag, der an einen Fiebertraum erinnert. Immer wieder schwankt er zwischen Wahn und Apathie und die Menschen, denen er begegnet - meistens seine Modelle - betrüben ihn zusätzlich, weil er stets nach Modellen sucht, die eine Geschichte, eine bestimmte Traurigkeit oder Düsternis mit sich herumtragen, welche ihn bei der gemeinsamen Arbeit natürlich auch mehr und mehr umgibt.
Entsprechend atemlos erzählt ist dieses Buch. Es lässt an grossem Leid teilhaben und zeigt doch immer wieder, dass es manchmal auch Wege gibt, sich von seiner schwierigen Geschichte zu lösen.
Das Buch hat mich tief beeindruckt, mich immer wieder auch verstört und zugleich enorm fasziniert.

Schreibstil und Aufbau:
"Deine kalten Hände" ist wohl das älteste der bisher aus dem Koreanischen übersetzten Bücher von Han Kang. Und es es wurde auch von einer anderen Übersetzerin übersetzt, als "Die Vegetarierin" und "Menschenwerk" und dennoch ist Han Kangs absolut grandiose, nüchtern beschreibende und zugleich eine extreme Nähe zu ihren Figuren aufbauende Sprache auch hier klar erkennbar.
Die Geschichte ist in drei ungleich lange Teile gegliedert und beginnt mit einem Prolog, der damit endet, dass H. das Tagebuch von Jang Unhyong liest. Ab dann erzählt Jang Unhyong durch sein Tagebuch in der Ich-Perspektive aus seinem Leben und somit erfahren wir, was ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist keine leichte Kost und thematisiert - wie ich nun schon von Han Kang kenne - sehr heftige, tragische, verstörende Themen. Die Schilderungen sind sehr detailliert und dadurch um so packender. Mich hat das Buch begeistert und ich empfehle es euch sehr gerne weiter und freue mich schon auf "Griechischstunden" das bereits hier liegt.

Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
Die Vegetarierin
Menschenwerk

Zusätzliche Infos:
Titel:
Deine kalten Hände
Originaltitel: 그대의 차가운 손 Deine kalte Hand, Munhak-kwa chisŏngsa
Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Koreanischen von: Kyong-Hae Flügel
Hardcover: 312 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Veröffentlichung: 22.09.2020
ISBN: 978-3-7466-3731-0

Kurzrezension: Ronja Räubertochter

Ronja Räubertochter - Astrid Lindgren

Beschreibung des Verlages:

"In der Nacht, als Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge. Ja, es war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald hausten, erschrocken verkrochen…"
Mitten im Wald, zwischen Räubern, Graugnomen und Wilddruden, wächst Ronja, die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis, auf. Eines Tages trifft sie auf ihren Streifzügen Birk, den Räubersohn aus der verfeindeten Sippe von Borka. Und als die Eltern den beiden verbieten, Freunde zu sein, fliehen Ronja und Birk in die Wälder.

Meine Meinung:
Wie so viele von euch bin ich mit den Geschichten von Astrid Lindgren aufgewachsen und es freut mich immer sehr, dass ich als Erwachsene noch einmal einen ganz anderen Zugang zu ihren Geschichten finden darf. Mein liebstes Buch von Lindgren ist "Die Brüder Löwenherz", allerdings muss ich sagen, dass ich noch längst nicht alle ihre Bücher gelesen habe.
Mein erneutes Eintauchen in "Ronja Räubertochter" hat mir wunderbare Lesestunden beschert, in mir die Vorfreude auf den Frühling geweckt und mich einmal mehr entdecken lassen, wie fortschrittlich Lindgren ihre Kinderbücher konzipiert hat. Freundschaft und Familie spielen eine grosse Rolle, das Erwachsenwerden und das Einstehen für die eigenen Werte und die Menschen, die man liebt. Die mutige Ronja behauptet sich gegen ihren Vater und seine Räuberbande und setzt sich ein für ihre Unabhängigkeit und ihren Freund Birk ein, der seinerseits ebenfalls gegen veraltete Vorstellungen seiner Familie ankämpfen muss.
Zahlreiche fantasievoll beschriebene Fabelwesen, Wildpferde und Erlebnisse im Wald und auf der Räuberburg machen das Buch zu einem spannenden, unterhaltsamen Leseerlebnis und die liebevollen und auch sehr bekannten Illustrationen von Ilon Wikland komplettieren das Werk.

Meine Empfehlung:
Lindgrens Bücher eignen sich vom Vorlesen, zum Erstlesen und zum erneuten Lesen als erwachsene Person und die wunderschöne Ausgabe von "Ronja Räubertochter" kann ich euch dafür nur sehr herzlich empfehlen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ronja Räubertochter
Originaltitel: Ronja rövardotter
Autorin: Astrid Lindgren
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Schwedisch
Übersetzt von: Anna-Liese Kornitzky
Einband und Illustrationen: Ilon Wikland, 1930 in Estland geboren, studierte Kunst in Stockholm und London und arbeitet als freie Illustratorin. 1954 begann ihre Zusammenarbeit mit Astrid Lindgren, aus der mehr als dreißig Bücher hervorgegangen sind. Sie prägte über Generationen das Bild von Astrid Lindgrens Kindern aus Bullerbü, Karlsson vom Dach oder Ronja Räubertochter. Ilon Wikland wurde für ihr Gesamtwerk mit dem Elsa-Beskow-Preis ausgezeichnet und bereits mehrfach für den international bedeutenden »Astrid Lindgren-Gedächtnispreis« nominiert.
Fester Einband: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.02.1982
ISBN: 978-3-7891-2940-7

Mein SuB kommt zu Wort, 20.02.26

Alle Informationen zur Aktion findet ihr bei Melli
Hallo ihr Lieben

Nach einem intensiven aber sehr erfolgreichen Tag freut es mich nun sehr, dass ich SuBrina an die Tasten lassen und euch wieder ein wenig aus unseren Regalen berichten lassen kann. Ich übergebe ihr direkt das Wort und wünsche euch viel Spass beim Lesen und Stöbern.

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hallo liebe SuBs und SuB-Menschen, ich darf mich auch wieder melden und erzählen, was hier so geschieht. Wir bauen weiter ab und schaffen Platz für neue Schätze (psssst, sagt das meinem Frauchen bitte nicht) und aktuell befinden sich genau 41 Bücher auf meinem Stapel und die Tendenz ist weiterhin schrumpfend, was für ordentlich Platz auf meinen Regalbrettern sorgt und meine Schätze so richtig schön zur Geltung kommen lässt.

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.05.2016: 222 Bücher (allererste Teilnahme bei dieser Aktion)
20.02.2017: 243 Bücher (absoluter SuB-Höchststand war im Januar 2017 mit 247 Büchern)
20.05.2017: 184 Bücher (nach der grossen Entrümpelung)
20.08.2022: 96 Bücher (definitiv im uHu-Bereich angekommen)
20.12.2022: 77 Bücher
20.12.2023: 61 Bücher
20.02.2024: 58 Bücher und 2 Bibliotheksbücher
20.10.2024: 70 Bücher
20.11.2024: 89 Bücher
01.01.2025: 90 Bücher
20.01.2025: 86 Bücher
20.02.2025: 82 Bücher
20.05.2025: 77 Bücher
30.06.2025: 69 Bücher
31.07.2025: 68 Bücher
20.08.2025: 67 Bücher
30.09.2025: 64 Bücher
20.10.2025: 66 Bücher
20.11.2025: 58 Bücher
20.12.2025: 61 Bücher...ups!!!
01.01.2026: 57 Bücher

20.01.2026: 46 Bücher
20.02.2026: 41 Bücher

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!Im Februar sind zwei Bücher hier eingezogen. Frauchen hat heute das Rezensionsexemplar "21 Tage zum Verlieben" von Lia Louis aus dem Briefkasten gezogen und dann hat sie letzte Woche noc"Die Stadt der verschwundenen Kinder" von Caragh O'Brien aus einem Bücherschrank geholt.

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deiner Besitzerin gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Livia hat gestern "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann, den dritten Teil der Hamburg-Reihe (den man auch einzeln lesen kann) gelesen und sie war ganz begeistert davon. Die Rezension findet ihr HIER. Das Buch ist im Oktober 2025 hier eingezogen, lag also nicht so lange bereit.


4. L
iebe:r SuB, Reihen fühlen sich oft an wie eine unendliche Geschichte. Zeig uns deshalb Reihenfolgebände von Deinen Stapeln. 
Mittlerweile sind etwa die Hälfte meiner Schätze Reihenbände. Frauchen liest Reihen zwar chronologisch, lässt aber oft lange Pausen zwischen den einzelnen Folgebänden und jetzt, wo ich so deutlich schrumpfe, bleiben hier plötzlich die Reihenbücher stehen. Diese sollen aber bald wieder ein wenig in den Fokus gerückt werden und zwar möchte Frauchen bald "Reiches Erbe" von Donna Leon lesen.

Und nun wünschen wir euch ganz eine gute Zeit und ein frohes Stöbern. Hinterlasst doch gerne den Link zu eurem Beitrag in den Kommentaren, dann kommen wir auf einen Gegenbesuch vorbei und zwar hoffentlich schon ganz bald...

Alles Liebe
SuBrina (und Livia)

Rezension: Glück ist, wenn man trotzdem liebt

Glück ist, wenn man trotzdem liebt - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Es gibt Dinge, die Isabelle absolut heilig sind: Ihre Arbeit in einem schönen Blumenladen. Ihre Daily Soap. Und ihr tägliches Mittagessen in der alten Klitsche gegenüber. Doch die wird eines Tages von dem ambitionierten Koch Jens übernommen, der nicht nur mit seiner aufmüpfigen Teenieschwester für reichlich Wirbel sorgt - und plötzlich bricht das Chaos über Isabelles wohlgeordnete kleine Welt herein. Während sie noch versucht, alles wieder in ruhige Bahnen zu lenken, scheint ihr Herz allerdings schon ganz andere Pläne zu haben ...

Inhalt:
Die Floristin Isabelle liebt ihre täglichen Routinen. Ihr Alltag ist entsprechend geplant und für Spontaneität ist nicht viel Platz. Das Chaos beginnt, als der Besitzer ihres Lieblingsrestaurants wechselt und sie nicht mehr täglich vietnamesische Nudelsuppe zu Mittag essen kann. Der neue Koch Jens macht es ihr gar nicht leicht, ihren Essgewohnheiten treu zu bleiben und auch sonst lockt er sie ziemlich aus der Reserve. Dazu kommt noch, dass eine ihrer besten Freundinnen aufs Land ziehen will und dass der Blumenladen, in dem Isabelle arbeitet, mit einigen Problemen zu kämpfen hat, denen sie aber sehr beherzt und mit grossem Ideenreichtum entgegentritt.

Meine Meinung:
Die beiden - übrigens komplett unabhängig zu lesenden - Vorgängerbände haben mir schon sehr gut gefallen, dieser dritte Band hat mich aber komplett begeistert und einfach nur wunderbar unterhalten. Die einzige Figur, die bisher in jedem Band vorkam, ist der Taxifahrer Knut, der in diesem Band ein wenig mehr in den Vordergrund rücken darf, was mir gut gefallen hat. Auch die Protagonistin Isabelle hat mich für sich eingenommen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sie jeder Herausforderung des Alltags mit viel Kreativität begegnet und dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie steht für sich ein, ist für ihre Mitmenschen da und sammelt ihre ganz persönlichen Glücksmomente.
Auch Merle, die kleine Schwester von Jens, hätte ich gerne kennengelernt und ich finde generell, dass die Figuren in diesem Band besonders liebevoll und nahbar gestaltet sind. Ein weiterer Pluspunkt bekommt der Roman übrigens für die vielen toll beschriebenen kulinarischen Highlights, die Genussmomente, das Sommerfeeling (obwohl ich Sommer eigentlich nicht mag) und die Abendstimmungen.

Meine Empfehlung:

Dieses Buch macht einfach Spass, zaubert einen angenehmen, genussvollen Sommer herbei und ist bisher mein liebster Band der Reihe. Ich empfehle es euch für gemütliche und unterhaltsame Lesestunden sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Glück ist, wenn man trotzdem liebt
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 416 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinung: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19195-6

Rezension: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Beschreibung des Verlages:
Durch eine Krankheit ist die Journalistin Elisabeth Bailey ans Bett gefesselt. Als sie von einer Freundin eine Topfpflanze geschenkt bekommt, unter deren Blättern eine Schnecke sitzt, beginnt sie diese zu beobachten. Nachts wird ihr neues Haustier aktiv, fährt seine Fühler aus, geht auf die Jagd und vollführt seltsame Rituale. Fasziniert beschäftigt sich Bailey mit Biologie und Kulturgeschichte der Schnecke und erfährt Verblüffendes über ein unterschätztes Lebewesen.

Inhalt:
Als Elisabeth Bailey - durch eine schwere Erkrankung seit Monaten bettlägerig - von einer Freundin ein Veilchen mit einer lebenden Schnecke im Blumentopf geschenkt bekommt, ahnt sie noch nicht, dass ihr Alltag schon ganz bald von diesem kleinen Wesen und dessen Verhalten geprägt wird. Während ihrer kräftezehrenden Genesung schenkt ihr die Schnecke Ablenkung, Struktur und Inspiration und innerhalb von kürzester Zeit ist dieses kleine Wesen nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken.

Meine Meinung:
Schnecken gehören seit meiner Kindheit zu meinen liebsten Tieren und das Buch von Elisabeth Tova Bailey stand deshalb schon sehr lange auf meiner Wunschliste. Zum Glück habe ich es dann von einem lieben Freund geschenkt bekommen und habe es nun innerhalb von wenigen Tagen verschlungen.
Bailey gelingt es, ihre schwere Erkrankung, ihre Verzweiflung und ihre Hoffnungslosigkeit eindringlich in Worte zu fassen. Sie kämpft täglich dafür, gesund zu werden und trotzdem ist sie bereit, sich komplett auf das kleine Wesen in ihrem sonst eher eintönigen Leben einzulassen.
Bailey verbindet in diesem Buch Erinnerungen aus ihrem Krankenhausalltag mit nachträglich recherchierten wissenschaftlichen Fakten rund um Schnecken und schafft es gleichzeitig, allen Menschen, welche sie in ihrer dunkelsten Zeit unterstützt haben, ein Denkmal zu setzen und Faszination und Respekt für ein komplett unterschätztes Wesen aufkommen zu lassen. Die Kapitel sind mit passenden Zitaten überschrieben und im Anhang findet sich ein ausführliches Quellenverzeichnis, das zum Stöbern und zum weiteren Lesen einlädt.

Meine Empfehlung:
Erinnerungen, Emotionen, Fakten, Zitate, weiterführende Literatur...dieses Buch ist ein Gesamtkunstwerk, ein kleiner Schatz im Bücherregal, eine Liebeserklärung an das Leben, das Staunen und Entdecken. Ich empfehle es euch sehr gerne weiter und möchte euch ans Herz legen, es gebraucht zu kaufen oder zu leihen, um den Verlag nicht zu unterstützen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
Originaltitel: The Sound of a Wild Snail Eating
Autorin: Elisabeth Tova Bailey wurde in New England (USA) geboren. Sie machte zunächst eine Ausbildung als Gärtnerin und arbeitete später als Journalistin, veröffentlichte Essays und Kurzgeschichten, bis sie im Alter von 34 Jahren auf einer Europareise an einem Virus erkrankte, der sie monatelang ans Bett fesselte. In dieser Zeit beschäftigte sich Bailey mit der Kulturgeschichte der Schnecke und schrieb „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“. Elisabeth Tova Bailey lebt heute im Bundesstaat Maine.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Kathrin Razum
Paperback, Klappenbroschur: 176 Seite
Sprache: Deutsch
Verlag: wird nicht genannt und verlinkt, weil er eine Autorin rassistisch beleidigt hat
Erschienen am: 20.01.2014
ISBN: 978-3-492-30237-1

Rezension: Leonard und Paul

Leonard und Paul - Rónán Hession

Beschreibung des Verlages:

Leonard und Paul sind allerbeste Freunde. Während Leonard als Ghostwriter Kinderenzyklopädien verfasst, arbeitet Paul als Aushilfspostbote. Das Leben der beiden verläuft in ruhigen, wohlgeordneten Bahnen – bis jedem von ihnen etwas widerfährt, das eine ganze Reihe von Veränderungen in Gang setzt.
Dieser hochgelobte Debütroman rückt jene Menschen in den Mittelpunkt der Erzählung, die im Alltag oftmals übersehen werden. Leonard und Paul beteiligen sich nicht am Lärmen der Welt, sondern zeichnen sich durch Eigenschaften aus, die immer seltener anzutreffen sind: Freundlichkeit, Sanftmut und Bescheidenheit. Eine hinreißend charmante Lektüre voller Humor, die nachdrücklich vor Augen führt, wie bereichernd es sein kann, sich auf den Nebenstraßen des Lebens zu bewegen.
»Wenn Sie in diesem Jahr nur ein einziges Buch lesen, dann bitte dieses. Und wenn Sie fertig sind, dann gehen Sie in Ihre Buchhandlung und kaufen noch ein Exemplar für einen lieben Menschen. Denn jeder sollte einen Leonard oder einen Paul haben – und wenn nur in Buchform.« WDR 5 SCALA

Inhalt:
Paul lebt bei seinen Eltern, arbeitet wenige Tage im Monat als Postbote und hat eine Schwester, die bald heiratet. Sein bester Freund Leonard hat gerade seine Mutter verloren und verfasst als Ghostwriter Kinderenzyklopädien. Die beiden Einzelgänger verbringen ihre Abende mit Gesellschaftsspielen und langen Gesprächen. Ihr geregelter Alltag verändert sich aber von einem Tag auf den anderen, als Paul an einem Wettbewerb teilnimmt und Leonard Gefühle für eine Mitarbeiterin entwickelt.

Meine Meinung:
Das Buch hat mir Jamie im vergangenen Sommer aus ihren Regalen "vererbt" und ich bin so froh, dass ich durch sie diese wunderbare Geschichte entdeckt habe. Die Freundschaft von Leonard und Paul und die Liebe, welche sie beide für Pauls Eltern und seine Schwester Grace empfinden, ist absolut bedingungslos und auch wenn es einmal Unstimmigkeiten gibt, sind sie doch immer füreinander da. Das Buch ist extrem warmherzig und sorgt auch immer wieder für sehr humorvolle Szenen, die durch Missverständnisse oder in der Hektik rund um die Hochzeitsvorbereitungen entstehen. Das Buch zeigt aber auch auf, wie Familienbeziehungen und Freundschaften sich im Laufe eines Lebens verändern und welch ein Geschenk es ist, wenn erwachsene Geschwister einander unterstützen und immer noch gerne und oft in ihr Elternhaus zurückkehren.


Schreibstil und Aufbau:
Die Geschichte ist sehr unaufgeregt erzählt und überzeugt mit liebenswerten und mitten aus dem Leben gegriffenen Figuren und einer leise und zart beschreibenden Sprache. Besonders berührt haben mich die Gespräche zwischen Pauls Eltern und ihren Kindern und immer wieder hätte ich mich sehr gerne einem Spieleabend der bunt gemischten Gruppe angeschlossen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist ein kleiner Schatz, der mit Gefühl, Humor und unglaublich charmanten Figuren überzeugt. Ich werde Hession auf jeden Fall im Auge behalten.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Leonard und Paul
Originaltitel: Leonard and Hungry Paul
Autor: RÓNÁN HESSION ist ein irischer Schriftsteller und Musiker, der in Dublin lebt. ›Leonard und Paul‹ ist sein hochgelobter Debütroman, der u. a. auf der Shortlist der Irish Book Awards rangierte und für die British Book Awards nominiert war. In Deutschland stand er 2023 auf der Shortlist ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹.
Sprache: Deutsch
Aus dem irischen Englisch von: Andrea O'Brien
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 15.07.2024
ISBN: 978-3-7558-0500-7

Rezension: Aufrappeln

Aufrappeln - Judith Poznan

Hinweis:
lose Fortsetzung von "Prima Aussicht"

Beschreibung des Verlages:
Als Judith am Morgen des Karfreitags ihr Bad betritt, ereignet sich etwas Unerwartetes: Aus dem Klo heraus schaut ihr eine Ratte entgegen. Die nächsten Tage werden auch nicht besser, denn aus heiterem Himmel trennt ihr Freund sich von ihr. Jetzt also alleinstehend mit Kind. Die nächsten Monate werden nicht einfach. Die Welt geht unter, mehrmals. Und dann wieder doch nicht. Die Seelenlage gerät durcheinander. Niemand muss den anderen nach einer Trennung am nächsten Tag noch mal wiedersehen – es sei denn, man hat ein gemeinsames Kind. Als Paar scheitern, aber zusammen Eltern bleiben ist das erklärte Ziel. Ein neuer Lebensplan muss also her, für sie drei als Patchworkfamilie, aber auch für Judith als Mutter und Single-Frau. Wie all dies gelingen kann, erzählt Judith Poznan in ›Aufrappeln‹. Sie erzählt von traurigen und ernsten, aber auch von absurden und heiteren Momenten nach einer Zäsur im Leben – aufrichtig, warmherzig und unheimlich witzig.

Inhalt:
Judith wird von ihrem Freund verlassen und muss sich als nun getrennt vom Vater ihres Kindes lebende Mutter nicht nur mit einer Rattenplage, sondern auch mit dieser für sie ganz neuen Form der Elternschaft auseinandersetzen. Wie bringt man das Hin und Her dieser Situation mit Flirtereien im Ausgang, dem alltäglichen Geldverdienen und dem Umzug in ein neues Zuhause unter einen Hut? Den Figuren gelingt dies manchmal ganz und manchmal gar nicht und dies alleine sorgt schon für wundervollste, herzerwärmendste Unterhaltung.

Meine Meinung:
Wie schon mit ihrem ersten Roman "Prima Aussicht" hat mich Judith Poznan mit "Aufrappeln" komplett für sich eingenommen. Und obwohl die - autofiktiv erzählte - Protagonistin Judith und ich nicht wirklich viel gemeinsam haben, fühlte ich mich ihr beim Lesen sehr verbunden. Die tragisch-komischen Szenen, der aus Traurigkeit und Verzweiflung entstehende Humor, die Erinnerungen an alte Schulschwärmereien und die Verknüpfung der Handlung mit aktuellem und vergangenem Zeitgeschehen machen diesen kurzen Roman zu einer sehr unterhaltsamen und zugleich auch nachdenklich und hoffnungsvoll stimmenden Lektüre.

Schreibstil und Aufbau:
Poznan gelingt es wie keiner zweiten, aus den einfachsten Alltagssituationen eine Nostalgie und Sehnsucht entstehen zu lassen, die ihresgleichen sucht. Und dennoch sind diese teilweise tieftraurigen Szenen alles andere als zermürbend oder entmutigend. Vielmehr gelingt es der Autorin, ihre Figuren nach jedem Fall wieder aufstehen und neuen Mut schöpfen zu lassen. Poznan zu lesen ist, wie einer ein wenig chaotischen und unendlich liebenswerten Freundin beim Erzählen zuzuhören und dieser Stil macht einfach Lust auf mehr.

Meine Empfehlung:
Natürlich empfehle ich auch auch "Aufrappeln" von Judith Poznan und möchte euch aber zuerst "Prima Aussicht" ans Herz legen. Ich freue mich schon sehr auf weitere Texte der Autorin.

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Aufrappeln
Autorin: JUDITH POZNAN wurde 1986 in Berlin-Lichtenberg geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie an der Freien Universität Berlin Literaturwissenschaften und Publizistik. Sie schreibt regelmäßig für ZEIT ONLINE, die BERLINER ZEITUNG und SPIEGEL ONLINE. Mit ihrem Instagram-Account (@judith_poznan) erreicht sie täglich Tausende Follower. Bei DuMont erschien 2021 ihr Debüt ›Prima Aussicht‹.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 15.05.2024
ISBN: 978-3-8321-6729-5

Rezension: Das Land der Anderen

Das Land der Anderen - Leïla Slimani

Reiheninfos:
1. Das Land der Anderen
2. Schaut, wie wir tanzen
3. Trag des Feuer weiter

Beschreibung des Verlages:
Mathilde, eine junge Elsässerin, verliebt sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine Belhaj, einen marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden heiraten und lassen sich in der Nähe von Meknès nieder, am Fuß des Atlas-Gebirges, auf einem abgelegenen Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er versucht, dem steinigen Boden einen kargen Ertrag abzutrotzen, zieht Mathilde die beiden Kinder groß. Voller Freiheitsdrang hatte sie den Aufbruch in ein neues, unbekanntes Leben gewagt und muss doch bald ernüchternde Erfahrungen machen: den alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialgesellschaft, in der eine Ehe zwischen einem Araber und einer Französin nicht vorgesehen ist, die patriarchalischen Traditionen der Einheimischen, das Unverständnis des eigenen Mannes. Aber Mathilde gibt nicht auf. Sie kämpft um Anerkennung und ihr Leben im Land der Anderen.

Inhalt:
Marokko in den 1950er Jahren; Mathilde, eine junge Französin, Amine, ein marokkanischer Offizier, eine unmögliche Liebe und Unruhen, die ihre gemeinsame Heimat zu einem Pulverfass machen. "Das Land der Anderen" erzählt davon, stets fremd zu sein, für die eigenen Überzeugungen, die Liebe und die Familie zu kämpfen und dabei von Leid, Armut, Rassismus und religiösem Fanatismus umgeben zu sein.

Meine Meinung:
Von der ersten Sekunde an hatte mich Slimani mit ihrer Geschichte für sich eingenommen. Zwar hatte ich manchmal meine liebe Mühe, für Mathilde und die Zeit, in der sie leben musste, Verständnis aufzubringen. Schliesslich lebt sie in einem sehr patriarchalischen System und ihr wird auch durch ihren eigenen Mann häusliche Gewalt angetan, sie erlebt Verbote und Sanktionen gegen sie und ihre Kinder. Und trotzdem ist sie ihrer Zeit voraus und eine Frau, die zumindest für sich selber einsteht, den Menschen in ihrem Dorf unter die Arme greift und sich sogar versucht, medizinisch weiterzubilden.
Leider wurde aber meine anfängliche Begeisterung irgendwann ein wenig gedämpft. Die Geschichte wurde für mein Empfinden in der zweiten Hälfte sehr zäh und ich musste mir das Buch leider ein wenig erkämpfen. Es hat mir allerdings gefallen, wie Mathildes Tochter Aïcha, welche im zweiten Band der Trilogie immer wichtiger wird, gegen Ende des ersten Bandes ins Zentrum des Geschehens rückt. Ausserdem werden der Rassismus und die Aufstände sowie die generell sehr vertrackte Situation, in der sich Mathilde und Amines Familie befindet, sehr eindringlich geschildert. Genau durch solche Kniffe zeigt Slimani einfach auf, wie grossartig sie ihr Handwerk versteht.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich lange beschäftigt und es mir nicht ganz leicht gemacht, mich aber auch sehr fasziniert. Die weiteren Bände werde ich mir sicher nicht neu kaufen, aber ich ich kann mir sehr gut vorstellen, sie mir gebraucht zu holen. Wer aber ein wenig Ausdauer hat und sich für die Geschichte und Politik Marokkos und eine Familienchronik interessiert, ist mit der Reihe sicher bestens beraten.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Land der Anderen
Originaltitel: Le Pays des Autres
Autorin: Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Ihre Bücher sind internationale Bestseller. Slimani, 1981 in Rabat geboren, wuchs in Marokko auf und studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po. Für den Roman »Dann schlaf auch du« wurde ihr der renommierte Prix Goncourt zuerkannt. Zuletzt erschien im Luchterhand Literaturverlag die Romane »Das Land der Anderen«, »Schaut, wie wir tanzen« sowie »Trag das Feuer weiter«. Sie sind Teil einer Trilogie, die auf der Geschichte von Leïla Slimanis eigener Familie beruht. »Leïla Slimani hat auf traumhaft schöne, lebendige, mitreißende Weise Weltgeschichte in Literatur verwandelt, die uns über drei Generationen trägt.« (Volker Weidermann, DIE ZEIT)
Sprache: Deutsch
Aus dem Französischen von: Amelie Thoma
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 14.12.2022
ISBN: 978-3-442-77261-2