Rezension: Skandalös. Das Leben freier Frauen

Dieses Rezensionsexemplar aus dem btb-Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht. Vielen herzlichen Dank.

Beschreibung des Verlages:
Diese Frauen waren ihrer Zeit voraus: Sie eckten an und haben im 20. Jahrhundert für den ein oder anderen Skandal gesorgt. Die Welt hatte ihnen nichts zu bieten, doch sie haben sich alles genommen. Sie kämpften mit ihren Mitteln für ihren Freiraum. Mit Übermaß. Mit Fantasie. Mit Fröhlichkeit. Mit Verzweiflung. Und der Nachhall ihrer Eskapaden ist bis heute nicht verklungen.
Porträts von: Tallulah Bankhead, Louise Bourgeois, Pearl S. Buck, Lydia Cabrera, Claude Cahun, Marguerite Duras, Elsa von Freytag-Loringhoven, Tove Jansson, Toto Koopman, Else Lasker-Schüler, Clarice Lispector, Mina Loy, Grace Metalious, Nahui Olin, Jean Rhys, Niki de Saint Phalle, Albertine Sarrazin, Annemarie Schwarzenbach, Nina Simone, Violet Trefusis.

Meine Meinung:
Beim Lesen dieses Buches musste ich immer mal wieder innehalten, ein wenig recherchieren, nachdenken, mich erinnern... Denn leider waren mir längst nicht alle dieser zwanzig Frauen ein Begriff und von einigen kannte ich lediglich ein paar Bilder, Texte oder Fotografien. Cristina De Stefano ist es gelungen, zwanzig Portraits von zwanzig so unterschiedlichen Persönlichkeiten zu schaffen, dass ich nach jedem Kapitel sofort mehr sehen, lesen und hören wollte von diesen unglaublichen Frauen, die im 20. Jahrhundert für Furore gesorgt und zwischen zwei Weltkriegen, während Bürgerkriegen, in Kolonien und/oder an der Spitze der Frauenrechtsbewegung gelebt, geliebt, Kunst, Literatur und Musik geschaffen, für ihre Rechte gekämpft, sich aus unglücklichen Beziehungen geflüchtet und ihre Kinder aufgezogen und somit ganze Generationen geprägt haben. Einfühlsam und mit einem Händchen für spannende und wissenswerte Details, sowie einer grossen Bewunderung für die Werke, Gedanken und Fortschritte, welche diese Frauen uns allen hinterlassen haben, hat De Stefano mit einem feinen Sinn für die wirklich bewegenden kleinen und grossen Begebenheiten aus zwanzig verschiedenen Leben, diese Sammlung gestaltet.

Was dieses Buch uns zeigen will:
Viele dieser zwanzig Frauen haben ein Leben zwischen Extremen gelebt, mit ihrer äusserst ruhigen oder auch explosiven Art angeeckt und mit ihrem fortschrittlichen Denken und ihrer Sexualität damalige Grenzen gesprengt. Obwohl sie frei waren oder immer wieder frei sein wollten, sind sie nicht immer glücklich gestorben, aber sie haben ihre ganze Wut und ihren Schmerz, aber auch ihre Leidenschaft und Kraft dazu eingesetzt, für ihre Überzeugungen einzustehen.
Über die meisten von ihnen hätte ich gerne noch viel mehr gelesen (oder habe dies mit weiterführenden Recherchen unmittelbar nach dem jeweiligen Kapitel getan), aber die Abschnitte bleiben bewusst kurz. Die wichtigsten Lebensdaten, Werke, ein paar Anekdoten und auch viele sehr tragische Ereignisse werden behutsam zu einem kleinen Portrait verarbeitet, das berührt und aufmerksam machen will auf Menschen, auf Frauen, die für sich und ihr Geschlecht, ihre persönliche, künstlerische und sexuelle Freiheit gekämpft und uns allen nicht nur grossartige Kunst, Literatur und Musik hinterlassen haben, sondern auch eine Geschichte, die von Mut erzählt. Von Kraft, von Liebe, von Schmerz. Davon, sich nicht unterkriegen zu lassen, sich zusammenzutun, sich Hilfe zu holen, sich immer wieder aufzurichten und sich seiner eigenen Stärken, Ziele und Träume bewusst zu sein. Jede dieser Frauen ist ein Vorbild, eine Vorkämpferin. Jede von ihnen hat es verdient, vermehrt ins Bewusstsein von uns allen zu treten.

Meine Empfehlung:
Ich bin so dankbar, dass ich dieses Buch bei Jamie entdecken durfte. Es ist ein kleiner Schatz, der auf so wenigen Seiten, aber mit direkt ins Herz treffenden Worten zwanzig unglaubliche, aber wahre und äusserst mitreissende Geschichten erzählt. Ein kleiner Schatz, der definitiv in jedes Bücherregal gehört.

Zusätzliche Infos:
Titel: Skandalös. Das Leben freier Frauen
Originaltitel: Scandalose vite di donne libere
Autorin: Cristina De Stefano ist Journalistin und Autorin. Sie lebt in Paris und arbeitet als Literaturscout für große Verlage auf der ganzen Welt. Für ihre Biographie über die 2006 verstorbene italienische Journalistin Oriana Fallaci erhielt sie große Anerkennung.
Sprache: Deutsch
Aus dem Italienischen von: Franziska Kristen
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: btb
Erschienen am: 13. Januar 2020
ISBN: 978-3-442-71804-7

Rezension: Dad

 
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Rowohlt-Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen herzlichen Dank.

Dad - Nora Gantenbrink

Beschreibung des Verlages:
«Dad» ist ein Roman über einen Hippie-Vater, aber auch eine Reise in das Deutschland der 60er, 70er, 80er, 90er und Nullerjahre, in die Maghreb-Staaten und in viele Winkel Asiens. Die Ehe der Eltern, den Vater, die Wurstwarendynastie, aus der er stammte – das alles gibt es nicht mehr. Geblieben sind Geschichten von Drogentrips. Oder wie «Dad» als Student angeschossen wurde. Von großen Abenteuern. Und dem einen, das kein happy end hat, der HIV-Infektion, die er von einer seiner Reisen mitgebracht hat. «Mein Vater ist seit zehn Jahren tot, als ich ein blassblaues Notizbuch nehme und DAD vorne drauf schreibe. Das ist der Anfang.» Dies ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Sucht und Sehnsucht und über eine junge Frau, die versucht zu verzeihen.

Inhalt:
Eine junge Frau begibt sich auf die Suche nach den Spuren, die ihr Vater auf der ganzen Welt hinterlassen hat, nach seinem Andenken, seiner Liebe zu ihr und seinem Verhängnis. Ihre letzten Erinnerungen an ihn und seine Erzählungen niederschreibend und dabei nicht wissend, was davon seine Fantasie, was Wirklichkeit, was Übertreibung und was durch Drogen verzerrte Erlebnisberichte waren, beschliesst sie, ihm nachzureisen. Aus der Studie des ländlichen Deutschlands der letzten fünfzig Jahre wird eine sehr persönliche Reise in die eigene Vergangenheit und Gegenwart und der Versuch einer Schraffierung der Lebensumstände dieser mysteriösen Vaterfigur, die neben Verlustgefühlen und Ängsten auch warme, fröhliche Erinnerungen hervorruft.

Meine Meinung:
Nora Gantenbrink ist mit diesem Buch eine ganz besondere Meisterleistung gelungen, weil sie es stets schafft, mit ihrer nüchternen Sprache, die kein Blatt vor den Mund nimmt, zu berühren. Wenn sie etwas von ihrem Vater geerbt hat - so scheint es - dann der Hang zum Erzählen und Beschreiben.
Sie bastelt ihrer fiktiven Protagonistin Marlene ein ganz eigenes Leben, das diese neben dem Transenstrich auf dem Hamburger Kiez wohnen und leben lässt und das eine Vielzahl schillernder Figuren beinhalten, die mit ihrer Rolle in Marlenes Geschichte so viel zur Eingängigkeit und Warmherzigkeit dieses Buches beitragen. Marlenes Leben entwickelt sich dem der Autorin ähnlich. Auch Marlene verliert ihren Vater und hinterfragt, beschreibt, trauert und sucht und als sie dann von der Reise nach Asien berichtet, bekommt ihre Erzählung nach den Beschreibungen der Enge und Verlorenheit in Deutschland so viel Weite, Sanftheit und Sehnsucht, dass es körperlich schmerzt. So unterhaltsam und packend "Dad" ist, so bewegend und tragisch ist dieses Buch auch. Es sind die kleinen Dinge, die hängenbleiben und die sich so gnadenlos einbrennen. Die letzte gemeinsame Currywurst oder die Zigarette, die der Vater durch ein Loch in seiner Wange rauchen konnte. Oder Oleg. 
Wie auf einer grossen Lebensleinwand werden geschickt die autobiografischen Elemente aus Gantenbrinks Leben, ihre Erinnerungen und die behutsame literarische Annäherung an ihren Vater als Mensch, aber auch an die stete Abwesenheit und dann wieder das plötzliche Auftauchen dieser Vaterfigur mit Marlenes Geschichte verknüpft und versponnen, bis die Grenzen verschwimmen und ein bunter Strudel an atemloser Erzählung entsteht, die Seite um Seite umblättern und mitfiebern, mitbrennen und mitleiden lässt.

Meine Empfehlung:
"Dad" ist packend, berührend, unendlich tragisch und gleichzeitig urkomisch. Es ist sanftes, zärtliches Buch, es hadert, hinterfragt und klagt an. Und auch wenn es darin vor allem um eine junge Frau geht, die ihren Vater sucht, die versucht, ihm vielleicht sogar zu verzeihen, so geht es doch um so viel mehr, nämlich um die ganz grossen menschlichen Gefühle wie Freundschaft, Liebe und Verlust. Und "Dad" ist zudem einfach grandios gut erzählt.

Zusätzliche Infos:
Titel: Dad
Autorin: Nora Gantenbrink, geboren 1986, studierte in Münster und besuchte die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Anschließend arbeitete sie als Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE. Danach schrieb sie Artikel für Stern, ZEIT, SPIEGEL und ein Wurstmagazin. Seit 2013 ist sie Reporterin beim Stern.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt
Erscheinungstermin: 18.02.2020
ISBN: 978-3-498-02535-9

Rezension: Wie ein fernes Lied

Wie ein fernes Lied - Micaela Jary

Beschreibung des Verlages:
Hamburg,1939: Verzweifelt sieht Marga dem Zug hinterher, mit dem ihr Jugendfreund Michael in die Ferne reist. Seit sie denken kann, ist sie in den jüdischen Klarinettisten verliebt, zahllose Stunden verbrachte sie mit ihm in den Tanzlokalen der Hamburger Swingjugend. Obwohl seine Herkunft ihn zur Emigration nach Paris zwingt, ist Marga fest entschlossen, ihn wiederzusehen. Denn ihre Liebe ist wie ein Lied, das niemals verklingt. Doch in dessen süße Melodie mischen sich schon bald die kalten Klänge des Krieges ...

Inhalt: 
Marga singt und tanzt den Swing, während Michael die Klarinette spielt. Nur ist Marga eine deutsche junge Frau und Michael ist Jude und muss aus Hamburg flüchten, bevor die Nazis ihn zu fassen bekommen. Marga schafft es, in einem Tanzorchester als Sängerin aufgenommen zu werden und begibt sich auf eine Tournee, die sie ihrem geliebten Michael näherbringen soll. Wie gefährlich diese Reise ist und dass sie mit ihrer naiven, liebesblinden Art nicht nur sich selber, sondern auch ihr Umfeld grossen Risiken aussetzt, ist ihr jedoch nicht bewusst. Zum Glück ist da aber noch Harald, der Leiter des Tanzorchesters, der sich stets als grosser Beschützer aufspielt. Als er sich Marga eines Tages nähert, ist sie sich ihrer Gefühle und ihrer Überzeugung, für das Gute einzustehen, plötzlich nicht mehr sicher.

Meine Meinung:
Erst nach etwa fünfzig Seiten habe ich den Einstieg in dieses Buch gefunden. Die Autorin hat alles darangesetzt, so viele musikalische Bezüge, wie nur irgendwie möglich zu schaffen, was mich dann eher ein wenig gelangweilt hat und mir auch ein wenig zu aufgesetzt wirkte. Vielleicht geht es nicht-Musiker*innen anders, aber mir waren diese Bezüge, das fortwährende Nennen von Namen, Songtiteln und Komponisten ein wenig zu gewollt. Ausserdem schien der Anfang mit der Erwähnung sehr vieler Personen und ihrer Relationen zueinander und den vielen Dingen, die gleichzeitig passieren ein wenig holprig.
Nachdem ich mich mit dem ansonsten sehr flüssigen Schreibstil abgefunden hatte und die Autorin auch in der Geschichte angekommen schien - fortan verlief die Handlung nämlich stetig in einem angenehmen Tempo und ohne grösseres Chaos - riss mich der Sog dieser Geschichte mit.
Leider konnte der packende, berührende und leicht zu lesende Schreibstil aber nicht darüber hinwegtrösten, dass die Protagonistin ein wenig gar dümmlich und naiv dargestellt worden ist. Beispielsweise erkennt sie den Mann ihrer Träume aus der Ferne, er ist es dann aber bei näherer Betrachtung nicht, sie scheint sich einem Wunschtraum hingegeben zu haben und dann ist er es doch, weil sie irgendwie zu doof und verwirrt war, ihn zu erkennen. Und stets muss sie von Männern begleitet und beschützt werden, da sie sonst in irgendwelche gefährlichen Verstrickungen gerät, weil sie nicht realisiert, in welch angespannter und überwachter Zeit sie sich befindet. Bitte? Kann man so eine Geschichte - die eigentlich ein historischer Roman über eine starke Frauenfigur, das Musikerdasein als jüdischer Musiker zur Zeit der Judenverfolgung und eine grosse Liebe sein sollte, in der heutigen Zeit noch erzählen?

Handlungsentwicklung:
Die Idee, diese Geschichte in zwei Zeitebenen zu erzählen, hat es meiner Meinung nach in sich, an der Umsetzung happert es aber vor allem deshalb, weil einige sehr konstruiert aufgebaute Zusammenhänge, die erst später hätten gelüftet werden sollten, leider sehr vorhersehbar sind. Wenn es dann endlich zur Auflösung dieser Zusammenhänge kommt, fehlt dann natürlich der Aha-Moment, weil ja so oder so schon klar war, wie alles zusammenpassen muss. Somit hätte man sich diese Umwege auch sparen und die Geschichte wesentlich schlanker und vor allem ein wenig stringenter aufbauen können. Dass sich Micela Jary am Leben ihres Vaters und einer Musikergeneration, die stets zwischen Zensur, Spitzeln und persönlicher Leidenschaft leben musste, orientiert hat, hat mich aber beeindruckt. Genau so, wie die detaillierten und genauen Recherchen.

Fazit:
Leider konnte mich das Buch bis zum Ende nicht wirklich berühren und weil sich sowohl die Liebesgeschichte in der Vergangenheit als auch die Liebesgeschichte in der Gegenwart erstens ähnlich entwickelten und zweitens fast identisch konstruiert waren und weil mich zudem die so dümmlich dargestellte Marga irgendwann gar nicht mehr erreichen konnte, wird das Buch in den offenen Bücherschrank wandern, auch wenn ich die Handlungsidee und die grandiose Recherchenarbeit noch einmal hervorheben möchte.

Zusätzliche Infos:
Titel: Wie ein fernes Lied
Autorin: Micaela Jary wurde als Tochter des Filmkomponisten Michael Jary in Hamburg geboren. Sie wuchs in der Welt des Kinos und der Musik auf und arbeitete als Zeitungsredakteurin, ehe sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Seit vielen Jahren schreibt sie nun erfolgreich Bücher. Sie lebte lange in Paris und wohnt heute mit Mann und Hund in Berlin und München.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Piper 
Erschienen am: 10.08.2015 
EAN: 978-3-492-30613-3

Kurzrezension: Die Wand

 
Die Wand - Marlen Haushofer

Inhalt:
Eine Frau verbringt ein wenig Zeit mit ihrer Cousine und deren Mann in den Bergen. Im einsam gelegenen Jagdhaus möchte sie zur Ruhe finden. Als ihre Cousine und deren Mann nach einem Ausflug ins Dorf nicht mehr zurückkehren, ahnt die namenlose Protagonistin noch nicht, was sie bald erwarten wird. Als sie am nächsten Morgen aber auf eine durchsichtige und unüberwindbare Wand stösst, die ihre eigene kleine Welt von der Aussenwelt trennt, erfasst sie Unruhe. Nach einiger Zeit bemerkt sie, dass auf der anderen Seite der Wand eine seltsame Totenstarre um sich gegriffen hat und muss fortan mit einigen ihr zugelaufenen Tieren ums Überleben kämpfen und sich auf eine lange, einsame Zeit einrichten.

Meine Meinung:
Sich vorzustellen, dass man von einer Minute auf die andere hinter einer Glaswand eingeschlossen ist - ohne alle Menschen, die man liebt, ohne alle Annehmlichkeiten der Zivilisation (mit Ausnahme dieser Dinge, die ohne Strom funktionieren oder eine noch funktionierende Batterie haben), komplett alleine und dennoch im Ungewissen, wie gross der begrenzte Lebensraum ab sofort ist und ob man diesen Lebensraum nicht doch noch vielleicht mit jemandem teilt - ist definitiv eine nicht nur beängstigende, sondern gänzlich verstörende Sache. Genau so geht es aber der Protagonistin in Marlen Haushofers Buch. Alleine mit ein paar Vorräten, ein wenig warmer Kleidung, ein paar Kerzen und einigen Bauernkalendern, sowie allem, was sich im Verlauf der Zeit in den umliegenden Wäldern und Feldern tummelt oder in anderen Hütten liegengelassen worden ist, bleibt sie hinter einer Wand zurück, während alle Menschen um sie herum tot erstarren. Es geht aber nicht um Verluste, sondern um eine Frau, die sich ganz alleine mit ihren Kräften gegen die Natur stemmt, die sich zu ernähren und beschützen weiss, die sich mit einem zugelaufenen Hund, einer Katze und einer Kuh ein kleines Zuhause einrichtet, das aber nie wirklich gemütlich wird, sondern stets eine gewisse Kälte und Einsamkeit ausstrahlt. Die namenlose Protagonistin ist stark, einsam und steht täglich vor neuen Herausforderung, sie heilt ihre Wunden und Krankheiten, erholt sich von ihrer Erschöpfung und lernt alles, was sie über die Fruchtbarkeit einer Kuh wissen muss. Im Buch werden verschiedene Themen, wie die Kritik an der Zivilisation, die sehr schnell sinn- und nutzlos wird, oder auch das Matriarchat, in dem die Protagonistin fortan lebt, eingeflochten. Sicher ist auch die Einsamkeit, ja sogar Isolation ein Thema, der sich einige Menschen freiwillig stellen, die aber andere Menschen ereilt, weil im Verlauf des Lebens die Distanz zu den Mitmenschen immer grösser wird. Wie auch immer man dieses Buch lesen oder sich in einzelnen Aspekten erkennen mag, eine Beklemmung und auch eine Dankbarkeit, dass man einerseits in solchem Luxus schwelgen darf und andererseits auch unter widrigsten Umständen überleben könnte, wenn man denn müsste, klingen noch lange nach.

Meine Empfehlung:
Es hat lange gedauert, dieses Buch zu lesen und vor allem zu verdauen. Ich frage mich nun aber ernsthaft, warum wir es nicht im Gymnasium gelesen haben, es wäre eine spannende Lektüre mit so vielen Diskussionspunkten gewesen. Ich bin froh, mich nun endlich Marlen Haushofers Buch gestellt zu haben, es hat sehr vieles in mir bewegt und ich empfehle es euch allen sehr gerne weiter. Lest es vielleicht in einer Leserunde, diskutiert miteinander und hintersinnt euch und stellt euch diesem beklemmenden Gedankenexperiment. Es lohnt sich definitiv.

Zustätzliche Infos:
Titel: Die Wand
Autorin: Marlen Haushofer
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 283 Seiten
Erschienen (diese Ausgabe): 1986
ISBN-13: 9783548301693

Rezension: Untenrum frei

 
Untenrum frei - Margarete Stokowski

Beschreibung des Verlages:
In «Untenrum frei» erzählt die Autorin und Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski, wie es ist, als Mädchen in Deutschland aufzuwachsen. Sie schreibt von unzulänglichem Aufklärungsunterricht, von Gewalterlebnissen, von Sex und von Liebe und zeigt: Noch immer besteht mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit eine kollektive Schieflage. Für Veränderung im Großen, so Stokowskis These, bedarf es den Blick auf die Details. Ein persönliches, provokantes und befreiendes Buch.
«Untenrum frei» ist weder Autobiografie noch feministisches Manifest. Sieben Kapitel, in sich geschlossene Essays, die zusammen eine Geschichte ergeben: Kindheitsmuster, Schönheit, Arbeit am Körper, Sex (guter und nicht so guter), sexualisierte Gewalt, Feminismus und Anarchismus, Sprache, Sex und Liebe. «Margarete Stokowskis Texte sind bitterböse und lustig, persönlich und polemisch» (Süddeutsche Zeitung)

Inhalt:
In sieben Kapiteln, die mit sehr persönlichen Erfahrungen gespickt sind, erzählt Margarete Stokowski von ihren eigenen Erlebnissen als Tochter, Schwester, Partnerin, Freundin, Angestellte, Mitarbeiterin und Selbstständige. Sie schreibt über Liebe, Sex, darüber, was im Aufklärungsunterricht in der Schule schief läuft und über den Gender Pay Gap. Sie fordert einen Feminismus, der allen Menschen unabhängig ihres biologischen Geschlechts, ihrer Hautfarbe und Religion die gleichen Möglichkeiten zugesteht und räumt ausserdem mit Halbwahrheiten auf, indem sie die Bedeutung einiger Begriffe verständlich erklärt, diverse Philosoph*innen und Wissenschaftler*innen zitiert und nicht nur einen äusserst aufschlussreichen und detaillierten Quellennachweis mitliefert, sondern auch gleich noch eine Auflistung weiterführender Literatur.

Meine Meinung:
Ich bin nicht die einzige (und schon gar nicht die erste) Person, die dieses Buch am liebsten bereits im Teenageralter gelesen hätte. "Untenrum frei" plädiert für Selbstliebe und das genaue Benennen von Vorgängen im und am Körper, von Körperteilen, eigenen Wünschen und Vorlieben. Ich kann mir vorstellen, dass vor allem die Kapitel, in denen über die (sexuelle) Selbstbestimmung, über auf Augenhöhe geführte Beziehungen und faire Entlöhnung geschrieben wird, junge Menschen ansprechen. Zudem wird mit einigen Vorurteilen und Verallgemeinerungen aufgeräumt, es werden Anfeindungen erwähnt, die wir wohl alle aus unserem Alltag kennen und gleich noch angeführt, wie man damit umgehen kann, damit man erstens nicht selber daran zugrunde geht und zweitens auch noch aufklären, kontern und es selber in Zukunft besser machen kann.
Margarete Stokowski steht ein für junge Menschen, die sich in ihrem Körper und mit ihre Sexualität unsicher fühlen, die von ihren Familien nicht verstanden oder akzeptiert werden und die eine durch pinke und hellblaue Spielsachen geprägte Kindheit hatten und nun nicht wissen, wie sie sich von diesen vorgefertigten Bildern lösen und ihren Kindern später mehr Möglichkeiten aufzeigen können. Ausserdem erhebt sie ihre Stimme für Frauen, die eigentlich selbstbestimmt wären und dann durch die Geburt ihres ersten Kindes in mittelalterliche Rollenverhältnisse zurückgeworfen werden, die trotz gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit nicht die gleichen Löhne bekommen, wie ihre männlichen Mitarbeiter und für Menschen, die sexuelle Gewalt, Diskriminierung und diverse Verunsicherungen erlebt haben und sich nicht selber wehren können.

Schreibstil:
Sprachlich ist dieses Buch ebenfalls sehr gelungen, da es offensichtlich von einer äusserst emanzipierten und intellektuellen Philosophin und Sozialwissenschaftlerin geschrieben worden ist, aber stets einfach gehalten ist, in kurzen, thematisch geordneten Kapiteln auf verschiedenste - meiner Meinung nach sehr wichtigen Themen - eingeht und dabei immer sehr verständlich bleibt. Neue oder eventuell mit Vorurteilen behaftete Begriffe werden ausserdem einfach und nachvollziehbar erklärt und mit ausreichend vielen Belegen, Nachweisen und weiterführender Literatur ergänzt.

Meine Empfehlung:
"Untenrum frei" ist provokativ und kritisch, aber vor allem auch sehr informativ und fundiert und ein Buch, das wirklich alle gelesen haben sollten. Es räumt mit Vorurteilen auf, liefert Erklärungen, Belege, Beispiele und Diskussionsgrundlagen und ist doch nie belehrend oder gar schwer verständlich, sondern aufgrund der vielen Beispiele (leider) komplett aus dem Leben gegriffen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Untenrum frei
Autorin: Margarete Stokowski, geboren 1986 in Polen, lebt seit 1988 in Berlin. Sie studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet als freie Autorin. Ihre wöchentliche Kolumne «Oben und unten» erscheint seit 2015 bei Spiegel Online. 2019 wurde sie für ihre Texte mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet. «Untenrum frei», ihr Debüt, avancierte zu einem Standardwerk des modernen Feminismus.
Taschenbuch: 256 Seiten 
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt
Erschienen am: 24.04.2018
ISBN: 978-3-499-63186-3

Rezension: Das Glück ist zum Greifen da

 
Dieses Buch hat mich via Bloggerjury von Bastei Lübbe erreicht, herzlichen Dank

Das Glück ist zum Greifen da - Sylvia Deloy

Beschreibung des Verlages:
Was nützt einem der schönste Ort, wenn die, die man liebt, woanders sind?
Aus und vorbei, der Job bei einem hippen Kölner Start-Up ist in letzter Minute geplatzt und damit Anas Chance, in Deutschland bleiben zu können. Der Vater ihrer Zwillinge ist unauffindbar, er tourt derweil als Hornist irgendwo durch die Weltgeschichte. An willigen Helfern fehlt es nicht, alle wollen, dass Ana und ihre Kinder bleiben. Nicht zuletzt der attraktive, aber entnervend sorglose Musiklehrer der talentierten Zwillinge, der Ana mit seinem Optimismus zur Weißglut treibt. Bis sie erkennt: Auch auf Traumtänzer ist Verlass.
Ein heiterer Roman voller Sprachwitz und großartiger Pointen 
 
Inhalt:
Anas drohende Abschiebung nach Serbien hängt wie ein Damoklesschwert über ihr und ihren Zwillingen. Die kleine Familie, die doch in Köln so wunderbar integriert ist, wird wohl bald des Landes verwiesen, weil Ana einfach keinen Job findet. Der Kindsvater, der als Hornist durch die ganze Welt reist und sich seit jeher aus jeglicher Verantwortung gezogen hat, ist auch keine grosse Hilfe. Doch der Klavierlehrer der Zwillinge, Anas beste Freundin Ella und die vielen Nachbarn aus ihrem Wohnblock nehmen Anas Glück in die Hand und stehen mit Rat und Tat zur Seite.
 
Meine Meinung:
Der Februar ist bei mir buchtechnisch nicht ganz so gut gestartet und ich kam bei vielen Büchern - ich lese ja immer parallel - nicht so richtig vom Fleck, weshalb ich dann schliesslich "Das Glück ist zum Greifen da" als leichte Lektüre zwischengeschoben habe. Das hat wunderbar geklappt und das humorvolle - wenn auch total vorhersehbare Buch - hat mich gut unterhalten. Besonders gut gefallen haben mir der lockere Schreibstil, die Dialoge und der liebevolle Bezug zu Köln, sowie die Verarbeitung einiger eher ernster Themen. Weniger toll fand ich, dass so gar keine Überraschungen anzutreffen waren und dass dieses Buch ohne grosse Umschweife zum Ziel führt. Dass es dabei aber sehr kurzweilig ist, relativiert diesen Aspekt wieder ein wenig.
 
Schreibstil:
Das Buch liest sich nur so weg und es werden auch ernste Themen intensiv verarbeitet. Obwohl handlungsmässig für keinerlei Überraschungen gesorgt worden ist, wird mit liebevollen Details erzählt. Deloys Liebe zu Köln und zum Erzählen ist in jedem Abschnitt spürbar. Die schrägen und auch sehr charmanten Nebenfiguren sorgen für eine Wohlfühlatmosphäre, Anas Angst vor der Abschiebung, ihre gesamten Existenzängste und die enge Beziehung zu ihren Kindern werden einfühlsam geschildert. Genau so wie die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und Freunde, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
 
Meine Empfehlung:
Wer sich nicht daran stört, dass ein Buch vor allem mit der Atmosphäre und der liebevollen Erzählsprache punktet, inhaltlich aber nicht sehr originell daherkommt, ist mit "Das Glück ist zum Greifen da" sicher sehr gut beraten. Aus der Masse an unterhaltsamer Literatur herauszustechen vermag das Buch aber nicht wirklich, weshalb es in den offenen Bücherschrank wandern und sicher bei weiteren Leser*innen für kurzweilige Lesestunden sorgen wird.
 
Zusätzliche Infos:
Titel: Das Glück ist zum Greifen da
Autorin: Sylvia Deloy, Jahrgang 1967, wuchs in einer kleinen Stadt in Niedersachsen auf. Sie studierte Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Marketing und arbeitete danach als Redakteurin und Autorin für unterschiedliche TV-Sendungen. Sie schrieb Drehbücher und Skripte für Comedy-Serien und erhielt 1999 gemeinsam mit einer Co-Autorin den zweiten Preis des Sat.1-Drehbuch-Wettbewerbs. 2011 veröffentlichte sie ihren ersten Liebesroman für Jugendliche mit dem Titel Sterne, Stress und Kussalarm.
Sylvia Deloy lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Köln.
Taschenbuch: 351 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinung: 31.01.2020
ISBN: 978-3-404-17921-3

Monatsrückblick Januar 2020

 
Hallo ihr Lieben

Der Monatsrückblick für den Januar wäre eigentlich für gestern geplant gewesen, aber ich habe mein Musikzimmer bis weit nach Mitternacht um- und ausgeräumt, um endlich wieder mit mehr Platz, Arbeitsfläche und vor allem Ordnung zu unterrichten, üben und vorbereiten.
Einen Tag später also folgt nun der Rückblick auf einen tollen Start ins Bücherjahr, auf einen Monat, in dem ich ganze neun Bücher gelesen habe und in dem ich beschlossen habe, mich intensiver mit meinem SuB zu befassen und meine liebe SuBrina - die HIER übrigens endlich, endlich, endlich wieder einmal zu Wort kam - ein wenig zu verjüngen. Wer es noch nicht gesehen hat, kann HIER zum Post springen und sich gerne auch noch einklinken. Im Monat Januar habe ich ausserdem alle meine SuB-Ziele erreicht (obwohl ich die Aktion erst sehr spät im Monat ins Leben gerufen habe) und gehe HIER noch näher auf die Ziele und meine gelesenen SuB-Bücher ein.

Nun also meinen gelesenen Bücher im Januar (klickt aufs Bild für Details):
Eine weitere Leserunde mit @mariaslesekreis, eine weitere, grandiose Buchentdeckung
https://www.kiwi-verlag.de/buch/vladimir-sorokin-der-schneesturm-9783462046823

Spitzensport und harter Kampf gegen sich selber, unterhaltsam aber kein Muss
https://www.randomhouse.de/Buch/Das-Haifischhaus/Ruediger-Barth/Heyne-Encore/e551863.rhd

Ein Buch, dessen Schwächen im Stil die eigentlich gute Idee (und die schönen Szenen) überschatteten
https://www.lovelybooks.de/autor/Atle-Naess/Die-Riemannsche-Vermutung-773980467-w/

Weihnachtlich, romantisch und sehr tiefgründig liest sich dieses Buch am besten mit Keksen am Kamin
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Weihnachten-in-dem-kleinen-Haus-am-Meer/Veronica-Henry/Diana/e563037.rhd

Ganz viel Liebe zum Erzählen, zur Literatur, zu den Buchmenschen und der Bücherwelt, herzliche Empfehlung
https://www.verbrecherverlag.de/book/detail/713

Eine spezielle Familiengeschichte, eine brillant geschilderte Mutter-Tochter-Beziehung
https://www.dumont-buchverlag.de/buch/heuser-augustas-garten-9783832197636/

Träge Erzählung mit überzeugender Grundidee, welche das Potenzial von Simon Beckett erahnen lässt
https://www.rowohlt.de/taschenbuch/simon-beckett-obsession.html

Charmant und humorvoll erzählt, kurzweilig, gesellschaftskritisch und einfach typisch Miss Marple
https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-im-Spiegel-142726210-w/


Alle Rezensionen und Seitenzahlen im Überblick:
Granit - Adalbert Stifter   (62 Seiten, keine Rezension)


Neuzugänge Januar 2020:
Ich konnte mich im Januar sehr gut zurückhalten und habe lediglich zwei neue Bücher hier einziehen lassen. Einerseits war das "Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer" von Veronica Henry aus dem Diana-Verlag, das mich als Rezensionsexemplar erreicht hat.
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Weihnachten-in-dem-kleinen-Haus-am-Meer/Veronica-Henry/Diana/e563037.rhd

Weiter hatte ich in der Bloggerjury von Bastei Lübbe Glück und das Buch "Das Glück ist zum Greifen da" von Sylvia Deloy gewonnen. Leider sind mir bereits ein paar eher negative Rezensionen begegnet, aber ich möchte mich nicht beeinflussen lassen und das Buch sehr bald lesen und vor allem geniessen.
Kennt ihr meine gelesenen Bücher oder eines meiner Neuzugängebücher schon? Auf eure Rückmeldungen bin ich schon sehr gespannt :-D

Und weil das jetzt ganz schön viel war, gibt es noch einmal alle Zahlen im Überblick:
Gelesene Bücher: 9
Somit in die Leseeule: 9 Franken
Gelesene Seiten: 2386
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 76.97 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 2
SuB am Monatsbeginn: 135
Aktueller SuB: 130
Differenz: - 5

Rezension: Mord im Spiegel

 
Mord im Spiegel - Agatha Christie:

Beschreibung (via):
Die glamouröse Schauspielerin Marina Gregg zieht ins verschlafene Dorf St. Mary Mead. Sie lädt zu einem Empfang ein, bei dem die Tratschtante Heather Badcock – gerade noch mit ihrem Filmidol ins Gespräch vertieft – tot umfällt.
War der Giftcocktail für einen anderen Gast bestimmt? Miss Marples Spürsinn schaltet sich ein, da sie weiß, dass jedes noch so harmlos erscheinende Dorf seine dunklen Geheimnisse birgt.

Inhalt:
Miss Marple ermittelt wieder und sieht sich dabei in der glamourösen Welt des Films um. Schliesslich ist bei einer Hausparty der berühmten Schauspielerin Marina Gregg eine Frau vergiftet worden. Schnell zeigt sich, dass der Fall nicht ganz so einfach ist, wie er scheint und dass vor allem verschiedene Menschen ein Tatmotiv haben könnten. Als dann eine weitere Leiche gefunden wird, kommen die Ermittlungsarbeit und auch das Getratsche im Dorf erst so richtig ins Tollen.  

Meine Meinung:
Als Teenie habe ich die Romane von Agatha Christie nur so verschlungen, weshalb es für mich fast ein wenig ein "Heimkommen" war, wieder an Miss Marples Seite zu ermitteln. Obwohl mir von Anfang an klar war, wen man am Schluss überführen würde, kam ich so gar nicht hinter die Motive und Zusammenhänge. Dazu muss ich sagen, dass es mir sonst oft sehr leicht fällt, Kriminalromane zu durchschauen (was manchmal ein wenig langweilig ist), aber mit Miss Marple kann ich es definitiv nicht aufnehmen und erst im letzten Drittel war mir dann klar, wie alles zusammenhing. Die sympathische Ermittlerin hat mir wirklich gefehlt und ich habe vor, mir wieder den einen oder anderen Miss Marple-Krimi zu gönnen. Besonders interessant übrigens: Agatha Christie hat sich bei "Mord im Spiegel" einer wahren Geschichte bedient, die äusserst dramatisch ist und sich fast genau so zugetragen hat, wie im Buch geschildert. Recherchiert bitte erst, wenn ihr "Mord im Spiegel" gelesen habt, sonst spoilert ihr euch.

Sprache:
Nach wenigen Sätzen fühlte ich mich in meine Jugendjahre zurückversetzt, der Stil, mit dem Agatha Christie erzählt und mit dem sie vor allem ihre Miss Marple beschreibt, ist wirklich einzigartig. Fesselnd, äusserst liebenswert, ein wenig schrullig und sehr humorvoll. Man merkt beim Lesen von Christies Büchern einfach, dass ihr das Schreiben eine Herzensangelegenheit war und dass sie sich stets voller Leidenschaft in die Leben ihrer Protagonisten gestürzt hat. Auch die vielen Nebenfiguren werden überzeugend, ein wenig kritisch und auch mit einer klaren Sicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und Ungleichheiten dieser Zeit beschrieben. Wie es der Autorin stets gelang, so viele Indizien in ihren Romanen zu verstecken, die dann am Ende zu einem grossen Ganzen zusammengeführt werden - und dies in der Regel mit nur wenig Polizeiarbeit und schon gar keinen Laboranalysen, sondern reiner Logik - wird mir stets ein Rätsel bleiben und davor ziehe ich den Hut. 

Meine Empfehlung:
Für "Mord im Spiegel" gibt es von mir eine herzliche Leseempfehlung. Mit ein wenig englischem Tee oder einem kleinen Sherry liest sich das Buch besonders gut. Aber passt bloss auf, dass euch niemand etwas in den Drink kippt ;-)

Zusätzliche Infos:
Titel: Mord im Spiegel
Originaltitel: The Mirror Crack’d from Side to Side
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Scherz (heute S.Fischer)
Seiten: 256
ISBN: 9783502518228

Rezension: Obsession

Obsession - Simon Beckett

Beschreibung des Verlages:
Ein Kind, das schweigt. Ein Geheimnis, das tötet.
Als seine Frau unvermutet stirbt, ist Ben am Boden zerstört. Allein Jacob, Sarahs autistischer Sohn, spendet ihm Trost.
Doch während Ben die gemeinsame Wohnung aufräumt, macht er eine ungeheuerliche Entdeckung: Jacob war gar nicht Sarahs leibliches Kind. Offenbar hatte sie den Jungen entführt, als der
noch ein Baby war. Fassungslos engagiert Ben einen Privatdetektiv, der Jacobs leiblichen Vater schnell ermittelt. Keiner ahnt, dass damit eine Lawine tödlicher Obsessionen ins Rollen gebracht wird.
Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Allein in Deutschland verkauften sich seine Bücher millionenfach.

Inhalt:
Plötzlich sind Ben und Jacob alleine, Sarah fehlt und kommt nicht wieder. Zeit also, ein wenig Ordnung zu schaffen und die gemeinsame Wohnung aufzuräumen. Dabei fallen Ben ein paar Zeitungsartikel in die Hand, welche eine eindeutige Sprache sprechen: es scheint, als hätte Sarah Jacob damals aus einer Entbindungsstation entführt. Ben macht sich auf die Suche nach den leiblichen Eltern des autistischen Jungen und bespricht sich zudem mit seinem besten Freund Keith, einem Anwalt. Doch was Ben herausfindet, ist gefährlicher als er je gedacht hätte. Und weil der Privatdetektiv, der ihm bei seinen Ermittlungen geholfen hat, zu plaudern beginnt, ist plötzlich niemand mehr sicher. Ben steht nämlich auf einmal Jacobs leiblichem Vater John Cole gegenüber. Ben Murray erkennt nicht nur die Gefahr, die von diesem kaltblütigen Menschen ausgeht, sondern es entwickelt sich auch eine gefährliche Obsession John Coles Frau gegenüber und der Gedanke, Jacob auf jeden Fall wieder zu sich zurückzuholen nimmt Besitz von ihm...

Meine Meinung:
Ich wusste nicht, auf was genau ich mich einlassen würde, weil ich schon einige Male gelesen und gehört hatte, dass die "rote Reihe" von Beckett nicht gerade seine beste Buchreihe wäre. Dem kann ich mich sicher jetzt schon anschliessen, obwohl ich bis jetzt nur "Obsession" gelesen habe. Die ersten ca. 150 Seiten passiert nicht wirklich etwas, das auch nur annähernd zu einem Thriller passen könnte. Vielmehr wirkt der Anfang dieses Buches (respektive das erste Drittel), wie ein "normales" Familiendrama, bei dem die Behörden nach Strich und Faden versagen und der Stiefvater eines autistischen Jungen den Bezug zum Kind zu verlieren droht. Ben sind die Hände gebunden, schliesslich hat er Jacob damals nicht adoptiert und somit keine Rechte an seinem Stiefsohn. Als der leibliche Vater John Cole plötzlich die Szenerie betritt, verändert sich die Grundstimmung. Das Buch ist nicht nur dramatisch, sondern es wird plötzlich bedrohlich. Von John Cole geht nämlich eine grosse Gefahr aus. Dies fand ich spannend dargestellt, aber auch wenn das Buch - bis zum fulminanten Ende - eher langsam und vor allem unblutig (und ohne eigentlichen Ermittler) auskommt, waren mir das ein paar Längen zu viel. Ausserdem hätten alle diese Ereignisse gar nicht eintreten können, wenn das Jugendamt, die Justiz und die Polizei nicht auf ganzer Linie versagt hätten und anstatt mich zu gruseln, habe ich mich vielmehr über diese unrealistische und somit eigentlich komplett haltlose Grundlage aufgeregt.

Schreibstil:
Auch von der Erzählsprache her kann ich mir zwar sehr gut erklären, weshalb Simon Beckett so beliebt ist. Seine Figuren haben Ecken und Kanten und vor allem die Gänsehautmomente, die zwar selten sind, die es aber durchaus gibt, lassen auf die Qualität dieses Autors schliessen. Wenn man "Obsession" als Schreibübung ansieht, als "erste Schritte", so hat das Buch sicher etwas, zumal die Grundidee in meinen Augen grandios ist. Gleichzeitig fehlt da aber auch noch sehr viel und leider sind Becketts Recherchen gar nicht gründlich betrieben worden. Wenn man nämlich schon mit dem Kinder- und Jugendschutz zusammenarbeitet und auch anderweitige Hintergrundrecherchen betreibt, wie dies Beckett seinen Dankesworten nach anscheinend getan haben will, sollte man sich wirklich genau überlegen, ob die geschilderten Situationen auch nur annähernd der Realität entsprechen könnten oder nicht.

Fazit:
Ja, ich denke, dass Beckett sicher wieder einziehen darf in meine Regale, aber ich werde mich der Hunter-Reihe widmen, die mir schon einige Male empfohlen worden ist. "Obsession" war in Ordnung, aber keine Leseempfehlung wert. Wer weiss, vielleicht würde dem Buch eine zeitgemässe und gründlicher recherchierte Überarbeitung gut tun, die Grundidee macht nämlich einiges her. Mehr aber leider auch nicht wirklich. Also ab damit in den offenen Bücherschrank.

Zusätzliche Infos:
Titel: Obsession
Originaltitel: Owning Jacob
Autor: Simon Beckett ist einer der erfolgreichsten englischen Thrillerautoren. Seine Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter wird rund um den Globus gelesen: «Die Chemie des Todes», «Kalte Asche», «Leichenblässe», «Verwesung» und «Totenfang» waren allesamt Bestseller. «Die ewigen Toten», Teil 6 der Reihe, erreichte Platz 1 der Bestsellerliste, ebenso wie sein atmosphärischer Psychothriller "Der Hof". Simon Beckett ist verheiratet und lebt in Sheffield.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Andree Hesse
Taschenbuch: 416 Seiten
Erscheinungstermin: 01.04.2009
ISBN: 978-3-499-24886-3

Wir entrümpeln unseren SuB 2.0: SuB-Ziele 2020

 
Hallo ihr Lieben

Es ist wieder einmal Zeit, mich intensiver mit meinem SuB zu befassen. Seit der grossen Entrümpelungsaktion im Mai 2017 mit Leni - Meine Welt voller Welten und Tanja - Der Duft von Büchern und Kaffe ist mein SuB konstant geschrumpft (mit einigen kleinen Ausreissern nach oben) und vor allem im Jahr 2018 konnte ich sehr konsequent sein, habe alle Neuzugänge immer sofort gelesen und weiter abgebaut. Im Jahr 2019 war ich dann aber nicht mehr so erfolgreich, der SuB ist zwar weiter geschrumpft, aber nur ganz wenig. Nun habe ich mich der harten Wahrheit gestellt und meine SuB-Bücher einmal nach Einzugsdatum sortiert. 

Schaut euch hier meine kunterbunte SuB-Seite an. Schön, oder? Aber die Farben sprechen eine deutliche und leider auch ziemlich ungut klingende Sprache: mein SuB ist hoffnlungslos überaltert. Ja, klar, da sind extrem viele Klassiker der Weltliteratur dabei und die lesen sich nicht einfach so schnell weg und vor allem kann ich nicht zu viele davon nacheinander lesen, aber das kann nicht länger meine Entschuldigung sein, mich nicht mit meinen SuB-Leichen zu befassen...

Deshalb habe ich beschlossen, eine Aktion "Wir entrümpeln unseren SuB" 2.0 ins Leben zu rufen und zwar soll es diesmal nicht einen einzigen Tag geben, an dem wir gemeinsam ausmisten, sondern ihr könnt ganz einfach jederzeit einsteigen und mitmachen:
  • Übernehmt gerne mein Banner und formuliert einen Post mit euren SuB-Zielen für das Jahr 2020, ihr könnt auch eine eigene Seite auf eurem Blog dafür einrichten
  • Lasst mir auf jeden Fall den Link zur Seite oder eurem Blogpost hier
  • Wie oft ihr eure Fortschritte postet oder ob ihr erst am Ende des Jahres ein Fazit zieht, ist komplett egal
  • Wichtig ist mir, dass ihr die anderen Teilnehmer*innen ab und zu besucht, ein wenig anspornt, aufmuntert oder ihnen sagt, welche Bücher ganz bald vom SuB befreit werden müssen

Und diese Blogs sind noch mit dabei:

Dies sind meine SuB-Ziele für das Jahr 2020

  • pro Monat wird ein Buch aus der Kategorie "Reclam und dazu passende Werke" gelesen oder aussortiert
  • pro Monat wird ein weiteres pink markiertes Buch gelesen oder aussortiert
  • ausserdem wird zusätzlich ein rotes oder oranges Buch gelesen oder aussortiert
  • Neuzugänge werden - sofern es nicht Reihenfortsetzungen sind - jeweils sofort gelesen
  • Bis Ende 2020 soll der SuB in den zweistelligen Bereich gelesen werden
  • Über die Fortschritte wird monatlich HIER berichtet
 
Und was sind eure SuB-Ziele für das Jahr 2020? Verfasst gleich einen Post, lasst mir den Link da und dann können wir uns fleissig austauschen.
Baut gut ab und wir lesen uns
Livia

Rezension: Augustas Garten

 
Augustas Garten - Andrea Heuser

Beschreibung des Verlages:
Eine schmerzlich schöne Mutter-Tochter-Geschichte
Als die fünfjährige Augusta mit ihrer Mutter Barbara ihr Zuhause verlässt, ahnt sie nicht, dass dies ein Abschied von ihrem bisherigen Leben ist. Den Ort, an dem sie bald darauf wohnen, mag sie nicht. Genauso wenig wie Eduard, den Freund der Mutter. Doch Barbara verschweigt ihrer Tochter die Wahrheit. Auf Augustas Frage, wann sie endlich wieder nach Hause fahren, antwortet sie stets nur mit einem unbestimmten »Bald«. Dieses Wort gibt Augusta Zuversicht, doch an ihrem sechsten Geburtstag muss sie erkennen, dass sie nie mehr zu ihrem Vater zurückkehren werden. Augusta läuft davon.
Während die Polizei nach dem Kind sucht, wird die Mutter in ihrer Angst auf sich selbst zurückgeworfen. Es zeigt sich, dass ihr Leben schon immer von Flucht und der verzweifelten Suche nach Halt geprägt war. Auf fatale Weise hat Barbara die Fehler ihrer Familie wiederholt – und wird damit das Leben ihrer Tochter auf immer verändern.
›Augustas Garten‹ ist die ebenso poetische wie aufwühlende Geschichte einer Trennung und eines ersehnten Neubeginns, eine Geschichte über das Verschwinden und über die tragischen Folgen, die aus zu langem Schweigen erwachsen können. Ein Roman, der zu Herzen geht.

Inhalt:
Augusta will nach Hause, sie will zu ihrem Vater zurück, in ihr Kinderzimmer, in ihr altes Leben. Aber ihre Eltern haben sich getrennt. Barbara, Augustas Mutter, ist mit Augusta zu Eduard gezogen. In sein Haus mit seinem Garten. Kurz vor ihrem sechsten Geburtstag wird Augusta damit konfrontiert, dass dies nun definitiv ihr neues Zuhause ist, dass sie nicht nur zu Besuch sind bei Eduard, sondern nun wirklich dort wohnen. Nn ihrem sechsten Geburtstag läuft sie weg, lässt ihre Mutter alleine zurück und Barbara wird durch dieses Warten, Hoffen und Bangen mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, ihrer Kindheit, ihren Eltern und ihrer Beziehung zu Augustas Vater konfrontiert.

Meine Meinung:
In kurzen Kapiteln und Abschnitten, mit vielen Rückblenden und inneren Monologen wird die Geschichte von Augustas Verschwinden, die eigentlich vor allem auch Barbaras Geschichte ist, erzählt. Barbara nämlich muss sich intensiv mi ihrem eigenen Leben auseinandersetzen und dabei erkennen, welche Fehler dazu geführt haben könnten, dass Augusta nun nicht mehr da ist. Die beklemmende Grundstimmung aber auch die süsse Melancholie, mit der Barbara an vergangene Ereignisse, Reisen, ihre jugendliche Unbeschwertheit und die Anfänge ihrer Beziehung mit Augustas Vater Andreas denkt, lassen diesen Erstling zu einem nachdenklich stimmenden Buch werden, das süchtig macht. Besonders gut gefallen hat mir, wie auch Augustas Gedankengänge, die Unbeschwertheit und auch das Unverständnis ihrer Lebenssituation und ihre wundervollen Träume und Wünsche eingebunden werden. Augusta ist ein Kind, das - vor lauter Liebe - irgendwie untergegangen ist, an das niemand mehr gedacht hat im ganzen Strudel der Ereignisse voller Schmerz über eine Trennung und voller Hoffnung auf einen Neubeginn. Und dies rächt sich grausam, was sehr berührend und überzeugend geschildet wird.

Schreibstil:
Manchmal wechselt die Perspektive von Absatz zu Absatz, manchmal erst nach einigen Abschnitten. Aber immer sehen wir in Augustas Gedankengänge hinein, erkennen, wie minutiös die Sechsjährige ihre "Flucht" plant und welche Sorgen, Wünsche und Ängste ihren Alltag ausmachen. Dies wird kindlich-naiv und äusserst feinfühlig geschildert und besticht mit einer insgesamt sehr poetischen, ruhig dahinfliessenden Sprache. Genau wie bei Augusta können wir auch an Barbaras Gefühlswelt teilhaben, nur landen wir mit ihr oft in der Vergangenheit. Der Autorin Andrea Heuser gelingt es, die spätsommerliche Schwüle dieser Jahreszeit, die Hitze und den Geruch der Heckenrosen wie ein düsteres Versprechen wirken zu lassen. Eine Wehmut und zugleich Sanftheit durchzieht die Sprache, ein kleiner Hoffnungsschimmer leuchtet auf und verströmt eine starke Sogwirkung.

Meine Empfehlung:
Es wundert mich sehr, dass dieses Buch nicht viel bekannter ist, weil die darin behandelten Themen - wie Verlust, Trennung, Neubeginn, Hoffnung, scheidende Liebe und vor allem auch die Liebe zum eigenen Kind - zeitlos sind. Berührend, fesselnd und wunderschön erzählt ist "Augustas Garten" eine lohnenswerte Entdeckung, die bitte mehr Leser*innen verdient.

Zusätzliche Infos:
Titel: Augustas Garten
Autorin: Andrea Heuser, geboren 1972 in Köln, lebt heute mit ihrer Familie in München. Sie studierte Germanistik, Politik und Vergleichende Religionswissenschaften in Köln und Bonn. Promotion 2008 mit einer Studie zur deutsch-jüdischen Literatur. Literarische Arbeiten im Bereich Lyrik, Prosa, Libretti und Musiktheater. 2008 erschien ihr Lyrik-Debüt ›vor dem verschwinden‹, für das sie u. a. mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis des Literarischen März Darmstadt ausgezeichnet wurde. 2012 war sie unter den Finalisten für den Lyrikpreis Meran. ›Augustas Garten‹ ist Andrea Heusers erster Roman.
Hardcover mit Schutzumschlag: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 01.10.2014
ISBN: 978-3-8321-9763-6

Kurzrezension: Verfasser unser

Verfasser unser - Giwi Magwelaschwili

Beschreibung des Verlages:
Herausgegeben von Kristina Wengorz und Jörg Sundermeier
Giwi Margwelaschwili erzählt von Nashörnern, Kavalieren und dem Mond. Bei ihm wird der Seitenrand eines Buches zum Strand und Interpunktion kann tödlich sein. Er nimmt seine Leserinnen und Leser mit in die Welt der Buch- und Bildfiguren, entführt sie in die bedeutenden Werke der Weltliteratur von Goethe, Schiller, Heine und dem mittelalterlichen Dichter Neidhart, von Jorge Luis Borges, Zbigniew Herbert oder Georg Trakl und Emanuel Geibel. In deren Texten verändert die Buch- und Versweltverwaltung gemeinsam mit den Leserinnen und Lesern das gewohnte Geschehen zum Wohle der Buchfiguren: Mephisto erhält bei seinem Spaziergang im Garten ungewohnte Gesellschaft, der Taucher darf überleben und die „Wohnblume“ Arik Brauers wird als Transportmittel eingesetzt.
Die hier versammelten Geschichten und Gedichte präsentieren anlässlich der Verleihung des Italo-Svevo-Preises 2013 an Giwi Margwelaschwili „Sprachwitz und fantastische Ideenfülle“ (Insa Wilke) dieses bedeutenden deutsch-georgischen Autors und Philosophen.
Dem Band beigefügt sind die Laudatio von Insa Wilke sowie Giwi Margwelaschwilis Dankesrede.

Inhalt:
In diesem schmalen Bändchen versammeln sich Kurzgeschichten und Gedichte, die mit ihrer ganz eigenen Erzählsprache unterhalten und beim Lesen für anschauliche Bilder sorgen. Die Buchmenschen, die Giwi Margwelaschwili ganz besonders am Herzen liegen, werden immer wieder zum Zentrum der Geschichte gemacht und Wortpoesie, neue Wortschöpfungen, Systemkritik, feinsinniger Humor und vor allem eine Liebe zum Beschreiben und Erzählen, zu Gedankenspielen und ungewöhnlichen Auslegungen, versammeln sich hier auf engstem Raum.

Meine Meinung:
Ich bin froh, Giwi Margwelaschwili endlich für mich entdeckt zu haben und "Verfasser unser" ist mit seinen meistens sehr kurzen Gedichten und Texten ein hervorragender Einstieg in ein Werk, das kritisch und voller Widerstand gegen bestehende Grenzen und Regeln anschreibt, das aber innerhalb dieser Grenzen alles macht, was mit Worten auch nur annähernd machbar und vorstellbar ist. Ein so kreativer, intelligenter und vor allem bewusster Umgang mit Sprache ist mir noch nie begegnet und dennoch muss man keine Angst vor Margwelaschwili haben. Ja, der grosse Philisoph und Autor macht rege Querverweise zu grossen Klassikern der Weltliteratur, bedient sich sogar ihrer Figuren und greift in Handlungen ein, seine Beschreibungen und Formulierungen und sogar seine Wortschöpfungen erklären sich aber für Menschen mit einer gewissen natürlichen Intuition für Sprache ganz von selbst. Aber nicht nur das: es macht auch einfach riesigen Spass, sich in diesen Buchwelten zu bewegen und es berührt, wie Margwelaschwili seine turbulente Lebensgeschichte und seine Erfahrungen mit strengen politischen Systemen immer wieder verarbeitet und vor allem auch zum Anlass nimmt, sich nicht mundtot machen zu lassen, sondern stets gegen Grenzen, Systeme, Tyrannen und Engstirnigkeiten anschreibt und dabei seinen Buchpersonen auch immer zu ein wenig mehr Glück im Leben verhelfen will.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch diesen kleinen literarischen Schatz und die vielen weiteren Werke dieses leider eher unbekannten deutsch-georgischen Wortkünstlers von Herzen weiter und hoffe darauf, dass seine Bücher noch ganz viele Leser*innen in fremde und bekannte Buchwelten entführen, zum Nachdenken anregen, zum Lachen und Weinen bringen und vor allem zum Staunen und Geniessen einladen werden. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Verfasser unser
Autor: Giwi Margwelaschwili wurde am 14.12.1927 als Sohn georgischer Emigranten in Berlin geboren. Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war. Sein Vater lehrte Philosophie und Orientalistik. 1946 wurde er zusammen mit seinem Sohn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD entführt. Der Vater wurde ermordet, Giwi Margwelaschwili in Sachsenhausen interniert, anschließend nach Georgien verschleppt. Dort lehrte er Deutsch. Erst 1987 konnte er nach Deutschland ausreisen. Ihn begleitete eine Unzahl von in der Emigration auf Deutsch geschriebenen Romanen und Erzählungen. Er wohnte bis 2011 in Berlin, seitdem in Tiflis.
1994 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und ein Ehrenstipendium des Bundespräsidenten. 1995 erhielt er den „Brandenburgischen Literatur- Ehrenpreis“ für sein Gesamtwerk, 2006 die Goethe-Medaille, 2008 das Bundesverdienstkreuz. 2013 erhielt er für sein Gesamtwerk den Italo-Svevo-Preis. Er ist Mitglied des P.E.N, Werke u.a.: „Muzal – ein georgischer Roman“, „Das böse Kapitel“, „Kapitän Wakusch“, „Der ungeworfene Handschuh“. 2012 erschien der Roman "Das Lese-Liebeseheglück" als Lizenzausgabe im Gollenstein Verlag, Saarbrücken, der nun im Verbrecher Verlag lieferbar ist.
Seit 2007 erscheint eine Werkschau Giwi Margwelaschwilis im Verbrecher Verlag.
Sprache: Deutsch
Leinen mit Lesebändchen: 120 Seiten
Erschienen: 12.11.2013
ISBN: 9783943167689 

Mein SuB kommt zu Wort, 20.01.20

"Mein SuB kommt zu Wort"
Hallo ihr Lieben
Im Juni habe ich SuBrina die Tastatur zum letzten Mal überlassen und es wird nun Zeit, dies wieder einmal zu tun. Wie geht es euch und euren SuBs denn so? Ich bin schon ganz gespannt auf den Austausch :-)

Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hallo ihr Lieben
Livia hat mich ein wenig unter Verschluss gehalten, weil sie wohl mit unseren Fortschritten nicht ganz zufrieden war (sie sagt zwar, sie hätte einfach zu viel um die Ohren gehabt, aber wer weiss das schon), aber nun darf ich endlich wieder einmal erzählen, was sich hier in letzter Zeit so getan hat. Seit Juni bin ich um vier Bücher geschrumpft und wiege/messe/zähle aktuell 132 Bücher. Das soll nun wirklich weniger werden, mein Frauchen träumt von einem Regalfach mit ungelesenen Büchern. Oder davon, mich bald nur noch auf dem Nachttischchen stapeln zu können. Ich würde mal sagen: "träum schön weiter", aber klar, auch ich möchte weniger werden, so in den dezent zweistelligen Bereich soll es gehen. Was ich nämlich in den letzten Monaten und sogar bereits Jahren des (langsamen aber konstanten) Abbaus gemerkt habe: je mehr Platz ich habe, je übersichtlicher ich mich präsentiere, desto mehr Freude hat mein Frauchen am mir und meinem Angebot und das passt mir dann natürlich auch.

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Diese beiden Fragen kombiniere ich nun einfach. Schliesslich hat Livia den ersten und bisher einzigen Neuzugang im Januar bereits gelesen und rezensiert. Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar aus dem Dianaverlag und hat uns via Bloggerportal erreicht. Es handelt sich dabei um "Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer" von Veronica Henry, das Livia irgendwie vor Weihnachten angefragt, dann aber vergessen und vor einigen Tagen plötzlich im Briefkasten gefunden hat. So kann es gehen... :-D Das Buch kam bei meinem Frauchen übrigens sehr gut an.
Beschreibung des Verlages:
Alle lieben Weihnachten … besonders Lizzy Kingham. Doch in diesem Jahr will ihre Familie sie einfach nicht bei den Vorbereitungen unterstützen. Zwischen Tannenbaum und Weihnachtsbraten stellt Lizzy sich die Frage: Was würde passieren, wenn sie alles stehen und liegen ließe und sich eine Auszeit nähme? Gesagt, getan. Lizzy flüchtet an ihren Lieblingsort, ein Häuschen am Strand. Aber auch hier kann sie sich dem Weihnachtszauber nicht entziehen, und schon bald ist das Strandhäuschen mit Lichterketten dekoriert, und der Duft von Glühwein vermischt sich mit der salzigen Brise des Meeres. Doch irgendetwas fehlt, und Lizzy merkt, dass Weihnachten ohne ihre Familie einfach nicht das Gleiche ist …

Januar 2020: Lieber SuB – gesundes neues Jahr dir, auf das du weiter munter vor dich hinstapelst und dein/e BesitzerIn fleißig deine Bücher liest. Um direkt etwas Schwung ins neue Jahr zu bringen, zeige uns doch bitte eine Auswahl jener Bücher, die dein BesitzerIn dieses Jahr unbedingt endlich lesen soll!
Jaaaaa, das mache ich. Ich zeige euch drei Bücher, die schon länger hier stapeln, stapeln, stapeln, stapeln.... und ihr tut mir den Gefallen und wählt aus, was Livia bis zum nächsten Mal lesen soll, ja? Klickt einfach auf den Link, dann kommt ihr sofort zur Buchinfo und könnt euch ansehen, was Livia alles erwartet. Das wird ein Spass :-D
Und nein, das sind nicht die ältesten Bücher aus meinen Reihen und ja, da sind noch einige dabei, die mehr als fünf Jahre lagern...

Und nun seid ihr an der Reihe, lasst uns gerne eure Links da, wir schauen im Verlauf der nächsten Woche auf jeden Fall vorbei.

Auf ganz bald und startet gut in den Tag
SuBrina und Livia

Rezension: Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Dianaverlag und hat mich via Bloggerportal erreicht.

Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer - Veronica Henry

Beschreibung des Verlages:
Alle lieben Weihnachten … besonders Lizzy Kingham. Doch in diesem Jahr will ihre Familie sie einfach nicht bei den Vorbereitungen unterstützen. Zwischen Tannenbaum und Weihnachtsbraten stellt Lizzy sich die Frage: Was würde passieren, wenn sie alles stehen und liegen ließe und sich eine Auszeit nähme? Gesagt, getan. Lizzy flüchtet an ihren Lieblingsort, ein Häuschen am Strand. Aber auch hier kann sie sich dem Weihnachtszauber nicht entziehen, und schon bald ist das Strandhäuschen mit Lichterketten dekoriert, und der Duft von Glühwein vermischt sich mit der salzigen Brise des Meeres. Doch irgendetwas fehlt, und Lizzy merkt, dass Weihnachten ohne ihre Familie einfach nicht das Gleiche ist …

Inhalt:
Lizzy Kingham ist wie auf Nadeln. Erst gerade hat sie ihren Job gekündigt und eine Absage für einen absoluten Traumjob erhalten. Ausserdem soll sie innerhalb von wenigen Stunden die ganzen Weihnachtsvorbereitungen erledigen und als wäre dies alles noch nicht genug, ist ihr von der Exfrau ihres Mannes auch noch mitgeteilt worden, dass ihre Schwiegermutter das Weihnachtsfest im Hause Kingham zu verbringen gedenkt. Als dann an dem Abend, an dem die ganze Familie - wie jedes Jahr - den Weihnachtsbaum hätte schmücken sollen,  niemand nach Hause kommt, beschliesst Lizzy, dem Alltagstrubel zu entfliehen. Sie hinterlässt ihrer Familie eine Nachricht und verbringt die folgenden Tage in einem Strandhaus, in dem sehr plötzlich verschiedene Schicksale aufeinanderprallen und Lizzys Tapferkeit und Warmherzigkeit gebraucht werden.

Meine Meinung:
Auch wenn Weihnachten schon wieder ein paar Wochen her ist, hat mich dieses Buch mehr in Weihnachtsstimmung versetzt, als die Tulpen, die bereits seit November ihre grünen Spitzen in die Luft recken und die Schneeglöckchen, die schon in einigen Gärten blühen...
Lizzy Kingham ist eine typische Mutterfigur, wie sie im Buche steht. Sie umsorgt ihre Familie, hat bis vor Kurzem zugleich auch erfolgreich in ihrem Beruf brilliert und möchte nun ein grandioses Weihnachtsfest gestalten, das einfach perfekt wird. Sie hat aber zwei linke Hände und ist zugleich eher unsicher, respektive hat sie ein wenig verlernt, für sich einzustehen und ihre eigenen Bedürfnisse einzubringen. Diese Protagonistin mit ihren Ecken und Kanten hat mir sehr entsprochen und vor allem hat mir auch gefallen, wie sich die Geschichte entwickelt hat. Auch wenn die einzelnen Wendungen - Lizzys "Flucht", die Menschen, denen Lizzy in den Strandhäuser begegnet und die überraschenden Erkenntnisse rund um Lizzys Schwiegermutter und die Exfrau ihres Mannes Simon - ziemlich ausgefallen scheinen, hat Veronica Henry es geschafft, alle diese Entwicklungen stimmig unter einen Hut zu bringen. Toxische Beziehungen, häusliche Gewalt, das Teenageralter, Verlust und Trauer werden genau so feinfühlig in dieser Geschichte verarbeitet, wie herzerwärmende Nächstenliebe, köstliche Weihnachtsmenues, dekorative Highlights und eine romantisch-weihnachtliche Atmosphäre.

Schreibstil:
Diese Geschichte, die sich definitiv perfekt in einer kalten Winternacht an einem Kaminfeuer lesen lässt, während rundum Kekse gebacken werden und Glühwein auf dem Herd köchelt, verströmt eine besondere weihnachtliche Wärme und eine Liebe zum Erzählen und den Protagonisten, die ansteckend wirken.
Vor allem Veronica Henrys Beschreibungen, welche die Düfte des köstlichen Essens und des Glühweins direkt zum Lesesessel befördern und auch die zwischenmenschlichen Empfindungen, die von Liebe und Glück über Trauer bis hin zu Angst reichen, waren meiner Meinung nach sehr realistisch dargestellt. Auch die Schauplätze, wie die Strandhütte oder das Pepperpot Cottage, das die Familie Kingham bewohnt, sind äusserst liebevoll beschrieben und scheinen perfekt zu den Menschen zu passen, die sich innerhalb dieser Schauplätze bewegen.

Meine Empfehlung:
"Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer" ist ein Buch, das ich euch sehr gerne weiterempfehle, weil es wirklich ganz eine herzerwärmende Geschichte erzählt, die nicht nur die hektische Weihnachtszeit und das Getue, das darum manchmal veranstaltet wird, ein wenig hinterfragt, sondern das vor allem ins Zentrum stellt, was wirklich wichtig ist: aufrichtige Liebe und Nähe zwischen Partnern, Familienmitgliedern und Freunden. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer
Originaltitel: Christmas at the Beach Hut
Autorin: Veronica Henry arbeitete für die BBC und als Drehbuchautorin für zahlreiche Fernsehproduktionen, bevor sie sich dem Schreiben von Romanen zuwandte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Devon, England. Nach »Für immer am Meer«, »Wie ein Sommertag«, »Nachts nach Venedig«, »Liebe zwischen den Zeilen« und »Ein Haus fürs Herz« ist »Weihnachten in dem kleinen Haus am Meer« ihr sechster Roman im Diana Verlag.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 384 Seiten
Verlag: Diana
Erschienen am: 14. Oktober 2019  
ISBN: 978-3-453-36063-1

Rezension: Die Riemannsche Vermutung

Die Riemannsche Vermutung - Atle Næss

Beschreibung via Lovelybooks:
Terje Huuse, von Haus aus Mathematiker, hat sich vorgenommen, die Biografie seines großen Vorbilds Bernhard Riemann zu schreiben. Doch von dem Leben eines anderen zu erzählen, birgt für ihn unerwartete Schwierigkeiten, die Arbeit gerät ins Stocken. Und als er sich in seine einzige Vertraute Ingvild verliebt, wird er in einen gefährlichen Strudel der Leidenschaft gezogen ...

Meine Meinung:
Was vielversprechend beginnt und immer wieder einmal von poetischen, romantischen Schilderungen aufgewertet wird, entwickelt sich leider zu einer eher zähen und vor allem trägen Geschichte. Es sind nicht die detaillierten mathematischen Schilderungen, die Formeln und die Liebe zu den Zahlen, die das Buch zu langatmig machen, im Gegenteil. Wie in "Das Geheimnis der Eulerschen Formel" von Yoko Ogawa werden die Primzahlen in den Fokus gerückt und dies hat mir sehr gut gefallen. Verschiedenste Funktionen werden erklärt oder eine Erklärung wird zumindest angedeutet und wer mag, kann sich detailliertere Informationen immer noch aus dem Internet besorgen. Vielmehr waren es die Schilderungen von eintönigen Tagesabläufen, von erloschener Leidenschaft und einem lieblosen Familienleben, welche die Erzählung in die Länge gezogen haben, was komplett schade ist, da der Stoff eigentlich noch viel mehr hätte hergeben können. Das Ende des Buches hat mir dann aber wieder gut gefallen, wenn auch dies nicht über die vielen Längen hinwegtrösten kann.

Erzählsprache und Stil:
Der fiktive Ich-Erzähler Terje Huuse erzählt seine Geschichte in Form von Tagebucheinträgen. Darin hält er fest, wie er sich ans Schreiben der Biografie des grossen Mathematikers Bernhard Riemann macht und sich anfangs sehr schwer damit tut. In einem Schreibkurs lernt er Ingvild kennen und lieben und es entwickelt sich eine Romanze, von der nicht klar wird, was davon Realität, was die - gewünschte und erträumte - Fiktion des Erzählers ist. Viele Leerstellen sorgen dafür, dass man sich zusammenreimen muss, was zwischen den Zeilen und Tagebucheinträgen geschieht, was mir persönlich jeweils sehr gut gefällt und die romantischen Abenteuer der Turteltauben sind äusserst poetisch, sinnlich und stilvoll beschrieben, was immer wieder zu einer Aufwertung des ganzen Stils führt.

Fazit:
Insgesamt waren mir das ein paar negative Kritikpunkte zu viel, auch wenn die Sprache immer wieder für positive Überraschungen sorgt und der Plott eigentlich sehr viel hätte hergeben können, weil die Grundidee mir wirklich gut gefallen hat. Von mir gibt es aber keine Leseempfehlung für dieses Buch, das mir alles in allem ein wenig zu langatmig und oberflächlich war.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Riemannsche Vermutung
Originaltitel: roten av minus en
Autor: Atle Næss 
Sprache: Deutsch
Aus dem Norwegischen von: Günther Frauenlob
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 204 Seiten
Verlag: Piper
Erschienen: 2007 (Deutsche Ausgabe)
ISBN: 978-3-492-05110-1 

Rezension: Das Haifischhaus

Das Haifischhaus - Rüdiger Barth

Beschreibung des Verlages:
Toto Berger war die gefeierte Nummer eins des Welttennis. Bis er überraschend zurücktrat, schwer krank, medikamentenabhängig. Ein Geheimnis, das niemand wissen durfte. Drei Jahre danach liegt sein Leben in Trümmern. Da fordert ihn die neue Nummer eins zu einem letzten Duell. Vor 30.000 Zuschauern auf Schalke. 10 Millionen Preisgeld. All or nothing. Noch einmal versammelt Toto Berger in einem einsam gelegenen Haus an der Ostsee seine Gefährten von einst um sich. Darunter die Frau, die er schon lange liebt. Und sein Sohn, den er stets verleugnet hat. Noch einmal bringt er sich in Form. Bis er begreift: Bei diesem Spiel muss er nicht seinen Rivalen besiegen, sondern sich selbst.

Inhalt:
Ein wenig zugenommen hat er, Toto Berger, seit er vom Profisport zurückgetreten ist. Seine Blutwerte sind auch nach dem Überwinden seiner Medikamentensucht noch nicht rosig und sein Konto ist komplett leer. Da fordert ihn sein ehemaliger Erzrivale, die aktuelle Nummer eins im Tennis Frédéric Lamenteau, zu einem letzten grossen Duell. Zehn Millionen stehen auf dem Spiel und vor allem auch Bergers Ehre. Sein ehemaliger enger Kreis von Vertrauten zieht mit ihm ins sogenannte Haifischhaus ein, in dem er sich auf dieses alles entscheidende Spiel vorbereien will. Dass er aber zuerst mit sich selber ins Reine kommen, alte Rechnungen begleichen und seine persönliche Lebenssituation klären muss, überrascht und fordert ihn auf unerwartete Weise.

Meine Meinung:
Vom Tennissport weiss ich lediglich das Nötigste. Vor allem mit meiner Grossmutter verfolge ich ab und an die grossen Turniere, sie ist nämlich ein grosser Fan von Roger Federer. Wie es sich aber anfühlt, im Rampenlicht zu stehen und unter grossem Druck eine Leistung zu erbringen - oft auch in einer Wettbewerbssituation - weiss ich als Musikerin sehr genau, was sich sicher ein wenig mit einigen Situationen im Sportlerleben vergleichen lässt. Um so beeindruckender empfand ich die äusserst authentischen und detaillierten Schilderungen der Situation auf dem Tennisplatz, der Unsicherheit, der Wut, dem Schmerz und dem fokussierten Denken und Handeln der Spieler. Auch der Aufbau des Protagonisten Toto Berger durch seinen Betreuerstab, die harten Trainings und die unterschiedlichen zwischenmenschlichen Situationen der Figuren im Haifischhaus waren spannend geschildert und stimmig aufeinander aufgebaut. Auch wenn viele Begriffe aus dem Tennissport fallen, ist das Buch sehr verständlich geschrieben und mit einer durchschnittlichen Allgemeinbildung ohne Probleme zu verstehen, ihr müsst also keine Sportler sein, um nachvollziehen zu können, was auf dem Platz vor sich geht.

Figuren und Sprache:
Bergers Sohn Nils, zu dem Toto Berger bis kurz vor seinem geplanten Comeback gar keinen Kontakt mehr hatte, übernimmt eine immer wichtigere Rolle in Bergers Leben und seine ehemalige grosse Liebe Liv, an der immer noch sein Herz hängt, ist zugleich eine grosse Unterstützung als auch ein Hindernis für sein hoch gestecktes sportliches Ziel. Wie die Personen in Bergers Betreuerstab interragieren, wie die Atmosphäre im Haifischhaus und auf dem Tennisplatz beschrieben ist, hat mich tief beeindruckt. In seinen Beschreibungen zeigt Rüdiger Barth nämlich nicht nur, dass er sich im Tennissport auskennt, sondern dass er auch sehr genau beobachtet und sich intenisv mit seinen Figuren auseinandergesetzt hat. Die Stimmungen werden intensiv spürbar, die Spannung gegen Ende des Buches steigt und der Schluss des Buches hat mich sehr zufrieden zurückgelassen, weil er eher überraschend kam, aber meiner Meinung nach wirklich gut gepasst hat. Die Sprache bleibt aber leicht und gut verständlich und war mir - mein einziger Kritikpunkt - manchmal ein wenig zu oberflächlich gehalten.

Meine Empfehlung:
"Das Haifischhaus" ist ein Buch über den Weg zum Erfolg, die unangenehmen Begleiterscheinungen von Berühmtheit, über Freundschaft, Liebe und ganz viel Schweiss und Tränen. Es ist ein besonderes Leseerlebnis, das die Leserschaft in die Welt des Profisports entführt und die Atmosphäre auf dem Tennisplatz auch für Laien greifbar machen kann. Deshalb empfehle ich euch dieses packende Buch sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Haifischhaus
Autor: Rüdiger Barth, Jahrgang 1972, wuchs im Schwarzwald auf und lebt mit seiner Familie am Rande Hamburgs. Er arbeitet als Head of Print bei der Looping Group, die er gemeinsam mit drei Freunden gründete. In seinen fünfzehn Jahren als Reporter für das Magazin »stern« traf er viele Größen des Sports, etwa Bastian Schweinsteiger, Pete Sampras, Oliver Kahn und Joachim Löw. Als Tennisspieler verfügt Barth über eine, wie er sagt, recht vertrauenswürdige Vorhand und eine Rückhand, die er meist vergeblich zu umlaufen versucht. Er schrieb mehrere Sachbücher, zuletzt »Die Totengräber« (mit Hauke Friederichs). »Das Haifischhaus« ist sein Romandebüt.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 512 Seiten 
Verlag: Heyne Encore
Erschienen am: 02. September 2019
ISBN: 978-3-453-27239-2