Lese-Statistik September 2026

Hallo zusammen

Ein wundervoller erster Herbstmonat liegt hinter mir. In der ersten Septemberwoche hatten wir zwar wieder fast täglich Temperaturen von über 30 Grad und obwohl die Hitze natürlich kürzer anhielt und die Nächte angenehm kühl waren, konnte ich noch nicht wirklich aufatmen. Nach insgesamt fünf (!!!) Monaten mit Temperaturen von über 30 Grad wurde es dann endlich ein wenig Herbst. Sogar ganz wenig Regen und um so mehr Herbstsonne und bunte Blätter...alles war dabei (wenn auch für meine Verhältnisse und die nach wie vor viel zu trockene Natur immer noch viel zu wenig Regen) und ich freue mich so, so, so, so sehr auf die kommenden Monate und hoffe auf weitere noch viel herbstlichere Tage.
Der September brachte wieder ein paar Konzerte und sehr volle Wochenenden sowie einen regionalen Instrumentalwettbewerb (der für meine Schülerinnen und somit auch für mich sehr erfolgreich verlief) mit sich. Dann begann auch schon der Herbstunterbruch und ich nutzte die Zeit, um mich für meine nächsten Konzerte und Unterrichtslektionen vorzubereiten und mich um die letzten Details für die Weihnachtskonzerte an den Musikschulen zu kümmern.
Ich dufte den runden Geburtstag meines Vaters feiern und verbringe gerade ein paar fast freie Tage mit meiner besten Freundin und meinem Patenkind bei viel Lesezeit und Babykuscheln. Der Oktober wird anfang ein paar ruhige Tage bringen und dann darf ich mich wieder in die Arbeit stürzen und ganz viele tolle November- und Dezemberkonzerte vorbereiten.

Gelesen im September:

Ein heftiges, berührendes, intensives und so, so wichtiges Debüt, das lange nachhallt


Mathematik, eine Freundschaft zwischen zwei ungleichen Menschen, viel Humor, Skurrilität und Feinsinn


Eine weitere spannende und berührende Reise nach Venedig mit Commissario Brunetti


Aufrüttelnd, intelligent, gründlich recherchiert und sehr pointiert: ein wichtiges Buch für die aktuelle Zeit


Herzerwärmende, überraschende Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Altern mit zartem Humor


Spannender zweiter Teil der Nevermoor-Reihe mit vielen überraschenden Wendungen


Simpler, kurzweiliger Weihnachtsroman, der im verschneiden Manhattan spielt, toll für Hundefans


Alle Zahlen und Rezensionen:

Heult leise, Habibis! - Sineb el Masrar  (abgebrochen nach 52 Seiten)
Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien   (255 Seiten)
Pi mal Daumen - Alina Bronsky   (272 Seiten)
Das goldene Ei - Donno Leon   (320 Seiten)
Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer   (144 Seiten)
Ruthchen schläft - Kerstin Campbell   (224 Seiten)
Wundersmith - Jessica Townsend   (525 Seiten)
Verliebt für eine Weihnachtsnacht - Sarah Morgan   (304 Seiten)

Neuzugänge:

  • Die Briefschreiberin - Virginia Evans   (Bücherschrankfund)
  • Die Riesinnen - Hannah Häffner   (Bibliotheksbuch) 
  • Affenhitze - Volker Klüpfel/Miachel Kobr   (Kluftinger 12, gebraucht gekauft)
  • Flüchtiges Begehren - Donna Leon   (Brunetti 30, gebraucht gekauft) 
  • Vielleicht ist die Liebe so - Katja Früh   (Bibliotheksbuch) 
     

Abgebrochen:

Heult leise, Habibis! - Sineb el Masrar (abgebrochen nach 52 Seiten)
Das war wohl nichts... Schon nach wenigen Seiten war ich mir mit dem Buch nicht mehr sicher. Und die Tatsache, dass ich es schnell für eher oberflächlich und ein wenig gar simpel befand, sorgte für den Abbruch.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: 1
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'096 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 69.86 Seiten
Bücher von Autorinnen: 7
Bücher von Autoren: -
Autor*innenduos (oder Gruppen): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: -
Gebraucht gekaufte Bücher: 2
Eingesammelte Bücher: 1
Bibliotheksbücher: 2
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 25
Aktueller SuB: 20 (und zwei Bibliotheksbücher)
Differenz - 3

Rezension: Verliebt für eine Weihnachtsnacht

Verliebt für eine Weihnachtsnacht - Sarah Morgan

Inhalt (via Lovelybooks):

Harriet Knight will sich jeden Tag einer Herausforderung stellen. Aber als die Hundesitterin ihren neuesten Kunden kennenlernt, gerät sie mächtig ins Stottern: Obwohl der attraktive Arzt Ethan Black bei vielen Frauen einen Fieberschub auslöst, scheitert er an der Erziehung des unbändigen Spaniels Madi kläglich. Um dem Hund zu helfen, bleibt Harriet nichts anderes übrig, als in Ethans Apartment im winterlichen Manhattan einzuziehen - wo sie sich Hals über Kopf in Ethan verliebt. Doch wenn ihre Arbeit getan ist, muss sich Harriet eines fragen: Hat sie Ethan ihr Herz nur für eine Weihnachtsnacht geschenkt? Oder für ein ganzes Leben?

Meine Meinung:
Weihnachten im September? Kann man machen. Zumindest mit diesem Roman. Der achte Band der Manhattan-Reihe (den man ganz sicher auch für sich stehend lesen kann, so habe ich es zumindest getan), eignet sich ideal, um frühzeitig mit weihnachtlichen Romanen zu starten. Das zwar winterliche aber anfangs noch gar nicht weihnachtliche Manhattan hat natürlich seinen eigenen Zauber, erschlug mich beim Lesen aber noch nicht mit Deko und Mistelzweigen. Vielmehr erzählt der Roman eine eher simpel gestrickte aber kurzweilige Geschichte rund um die Hundesitterin Harriet Knigt und den Arzt Ethan Black. Während sie sich selber täglich neue Herausforderungen stellt, privat eher ungeschickt durch ihr Leben stolpert, beruflich aber ihre Karriere so richtig im Griff hat und ihren Mitmenschen mit Herzlichkeit begegnet, setzt er stets auf kühle Distanz und lässt niemanden an sich heran. Als Arzt in der Notaufnahme hat er damit die besten Erfahrungen gemacht. Schliesslich möchte er sich nicht zu sehr vom Schicksal seiner Patienten berühren lassen. Dies geht natürlich nur so lange gut, bis die beiden Menschen sich über den Weg laufen und dabei lernen müssen, ihre jeweilige Komfortzone wieder und wieder zu verlassen.

Schreibstil und Aufbau:
Ein wenig Drama, ganz wenig Spice und gegen Ende sogar noch richtig viel Schnee und Weihnachtsstimmung machen dieses Buch aus, das übrigens auch lose mit der Snow Crystal-Trilogie verbunden ist. Die ungeschickten Flirtversuche und die Tatsache, dass bei der Übersetzung sehr lange das höfliche "Sie" zwischen den Hauptfiguren verwendet wird, liessen mich einige Male mit den Augen rollen. Auf die Kosten kommen aber alle Hundefans, die sich von Oberflächlichkeit und vorhersehbaren Entwicklungen nicht abschrecken lassen und auf der Suche nach sehr kurzweiliger Unterhaltung mit humorvollen Momenten und kulinarischen Köstlichkeiten sind. Harriet ist nämlich eine begnadete Köchin und das Rezept für ihre Schokokekse hätte ich ihr gerne abgeluchst. Das Buch beinhaltet sogar einige berührende Szenen. Dann nämlich, wenn Harriet sich auf Gespräche mit einem Obdachlosen oder Spaziergänge mit einer älteren Kundin einlässt und dabei zeigt, wie viel Menschlichkeit in ihr steckt.

Meine Empfehlung:
Alles in allem war das leicht und seicht, unterhaltsam und ein wenig romantisch. Also einfach der perfekte Einstieg in die Vor-Vor-Vor-Weihnachtszeit, wenn man ein wenig eintauchen und gemütliche Lesestunden erleben will.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Verliebt für eine Weihnachtsnacht
Originaltitel:
Autorin: Sarah Morgan ist eine gefeierte Bestsellerautorin mit mehr als 21 Millionen verkauften Büchern weltweit. Ihre humorvollen, warmherzigen Liebes- und Frauenromane haben Fans auf der ganzen Welt. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von London, wo der Regen sie regelmäßig davon abhält, ihren Schreibplatz zu verlassen.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Ivonne Senn
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: MIRA Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
ISBN: 9783956497865

Rezension: Wundersmith

Wundersmith - Jessica Townsend

Reiheninfos:

1. Nevermoor
2. Wundersmith
3. Hollowpox
4. Silverborn

Beschreibung des Verlages:
The captivating and heart-pounding sequel to the New York Times bestselling follows heroine Morrigan as she battles a new evil.​
Morrigan Crow and her best friend Hawthorne Swift are now proud scholars in the elite Wundrous Society, but life is far from perfect. Does Morrigan have what it takes to prove that she belongs in the Society?

Inhalt:
Das erste Schuljahr in der Wundrous Society beginnt und Morrigan Crow muss sich zuerst an den speziellen Alltag gewöhnen. Da ist zuerst der Privatbahnhof, an dem sie und ihre Lerneinheit 919 jeden Morgen abgeholt werden, da sind aber auch die plötzlich auftauchenden Erpresserschreiben, welche die ganze Einheit 919 und Morrigans Freundschaft zu Hawthorne auf die Probe stellen...

Meine Meinung:
Ein zweites Mal bin ich nach Nevermoor gereist und habe mich von Morrigan verzaubern lassen. Vor allem der Detailreichtum der Erzählung und die generell sehr kreativen Ideen haben mich begeistert. Besonders gut gefällt mir an der Reihe, dass die Themen Freundschaft und Zusammenhalt eine so grosse Rolle spielen und das die so unterschiedlichen Fähigkeiten und Charakterzüge der Jugendlichen so liebevoll eingebunden und ausgearbeitet sind. Bis zum Ende des Buches konnte die Geschichte mich mit ihren abenteuerlichen Wendungen überraschen und ich hoffe sehr, dass der stets ein wenig gar abwesende Jupiter, Morrigans Betreuer, in Zukunft ein wenig mehr Verantwortung übernimmt. Den nächsten Band werde ich wohl schon im Oktober lesen und bin schon sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

Meine Empfehlung:
Auch der zweite Band der Reihe hat mich begeistert und schon nach wenigen (nach wie vor sehr langen...) Kapiteln war ich mitten im Abenteuer angekommen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen und empfehle euch die Reihe gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Wundersmith
Autorin: Jessica Townsend lives on the Sunshine Coast in Australia, but has lived on and off in London for a few years. She was a copywriter for eight years, and in a previous role, was the editor of a children’s wildlife magazine for Steve Irwin’s Australia Zoo. She is the bestselling author of the Nevermoor Series.
Sprache: Englisch
Taschenbuch: 525 Seiten
Verlag: Little, Brown and Company
Erschienen: 12.11.2019
ISBN-13: 9780316508926

Rezension: Ruthchen schläft

Ruthchen schläft - Kerstin Campbell

Beschreibung des Verlages:

Fast vierzig Jahre und drei Stockwerke liegen zwischen Frau Lemke und Georg. Frau Lemke wohnt schon ihr ganzes Leben in dem Haus, das Georg geerbt hat. Es hat nicht viel geklappt in seinem Leben, aber eines weiß Georg sicher: An seinem Geburtstag wartet der von Frau Lemke gedeckte Tisch auf ihn, auf Frau Lemke ist Verlass. Doch jetzt soll alles anders werden: Frau Lemke muss zu ihrem Sohn Wolfgang nach New York ziehen. Nur solange ihre Katze lebt, hat Wolfgang verfügt, darf die alte Dame in Berlin bleiben. Als Ruthchen eines Morgens nicht mehr aufwacht, ist es Zeit für Plan B: Was, wenn Ruthchen einfach weiterhin auf dem Sofa schläft, für immer vielleicht? Tierpräparatorin Caro setzt die wahnwitzige Idee in die Tat um – und stellt auch Georgs Leben auf den Kopf.Eine Freundschaft, die kein Alter kennt, eine unverhoffte Liebe und Freunde, die die bessere Familie sind.

Inhalt:
Georg hat Geburtstag. Und wie jedes Jahr verbringt er diesen nicht mit seiner Familie, sondern mit der in seinem Haus ein paar Stockwerke unter ihm wohnenden Frau Lemke und ihrer Katze Ruthchen. Seit vielen Jahren ist die ältere Dame seine Wahlfamilie in Berlin. Doch Frau Lemkes Sohn Wolfgang will sie zu sich nach New York holen. Mit Ruthchen ist dies allerdings nicht möglich. Als es Ruthchen plötzlich sehr schlecht geht, entscheiden Georg und Frau Lemke, ihr ein ewiges Leben zu schenken und sie für immer auf Frau Lemkes Sofa schlafen zu lassen.

Meine Meinung:
Selten habe ich ein Buch gelesen, das mit so einer aussergewöhnlichen Geschichte daherkommt und mitten ins Herz trifft. Jede einzelne Figur in diesem Roman hat einige Ecken und Kanten und trotzdem gelingt es Campbell, dass ich sie alle lieb gewonnen habe. Allen voran natürlich Frau Lemke und natürlich auch die Tierpräparatorin Caro, welche die beste Werbung für ihren eher seltenen Beruf macht.

Schreibstil und Aufbau:
Was anfangs nach einer klaren Sache klingt, scheint Georg nach und nach zu entgleiten. Von einem Tag auf den anderen sieht sich der Sauberkeitsfanatiker die Hand eines Tierpräparatoren schütteln, gegen das Gesetz verstossen, in fremde Leben eintauchen, Beziehungen kitten und über seine eigene Familiengeschichte nachdenken.
Abgesehen von den hervorragend skizzierten Figuren ist die Stärke dieses Buches seine Vielschichtigkeit. Sowohl Georg als auch Frau Lemke leben in einer nicht ganz einfachen Familiensituation, die mit Rückblenden nach und nach klarer wird. Aber auch über das Altern in Würde, die eigene Selbstständigkeit, finanzielle Sorgen, Vereinsamung, Freundschaft und Liebe macht sich Campbell Gedanken und lässt mit viel Feingefühl und noch mehr Humor in die plötzlich sehr turbulenten Leben ihrer Figuren blicken.

Meine Empfehlung:

Dieser herzerwärmene Roman hat mich begeistert und überrascht. Die berührende Geschichte mit dem feinen Humor ist ein wahres Lesevergnügen und wird noch lange nachhallen. Ich hoffe so sehr auf weitere Romane aus Campbells Feder und wünsche dem Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Ruthchen schläft
Autorin: Kerstin Campbell hat Romanistik und Publizistik in Berlin und in Paris studiert. Ihre Kurzgeschichten erschienen in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften. Für ihren Debütroman Ruthchen schläft erhielt sie das Merck-Stipendium der Darmstädter Textwerkstatt. Sie arbeitete als Radiomoderatorin für ein Jugendradio und berichtete aus den Berliner Clubs. Nach einer Station als Autorin in New York ist sie jetzt Redakteurin beim ZDF. Sie lebt mit ihrer Familie in dem Stadtteil Berlins, in dem auch ihr Roman spielt.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Kampa
Erscheinungsdatum: 
27.01.2022
ISBN: 
978-3-311-15037-4

Rezension: Was wäre, wenn wir mutig sind

Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer

Beschreibung des Verlages:

Seit Jahren kämpfen Menschen um die künftige Bewohnbarkeit unseres Planeten. Luisa Neubauer ist eine von ihnen. Doch bis heute scheitert die Welt daran, den notwendigen Klimaschutz demokratisch zu organisieren. Warum passiert nicht mehr, obwohl die wissenschaftlichen Fakten schon lange bekannt sind? Woher kommt die Anti-Klima-Aggression der Rechten? Warum sorgen selbst die sichtbaren Klimakatastrophen nicht für ein gesellschaftliches Umdenken? Luisa Neubauer analysiert die Machtkämpfe hinter der Klimakrise, sie legt die fossilen Wurzeln unserer Demokratie frei und zeigt, wie eine realistische Utopie auf unserem Planeten aussehen kann.
Dieses Buch ist ein Aufruf, zu intervenieren und unsere ökologischen Grenzen zu verteidigen. Eine Einladung, den Krisen in die Augen zu schauen. Und ein Plädoyer für die Hoffnung.

Inhalt:
Auf ganz wenigen Seiten spannt Luisa Neubauer einen Bogen von der Geschichte und den Grundsätzen der Fossilität über den Zusammenhang zwischen Demokratien und Klimagerechtigkeit bis hin zur unbequemen Hoffnung, die wir uns selber machen können. Kompakt, klug und mit einem ausführlichen Anhang, der zu weiteren Recherchen animiert, regt sie damit zum Nachdenken an.

Meine Meinung:
Besonders gut hat mir gefallen, wie fundiert und gleichzeitig zugänglich Neubauers Texte sind. Ihr Büchlein ist eine schmale Übersicht, die Lust auf mehr macht und die zum eigenen Nachdenken und Weiterdenken inspiriert. Kein Satz ist zu viel und aus jeder Zeile wird klar, dass Neubauer genau weiss, wovon sie spricht. Ihre kluge Haltung, die zum sofortigen Handeln im Grossen und Kleinen animiert hat auch mich ein paar Dinge ganz neu überdenken lassen. Beispielsweise meine von Filmen/Serien und den Träumen anderer geprägten Konsumwünsche.
Auch wenn Neubauer kein allzu positives Bild der näheren Zukunft zeichnet, ruft sie doch immer wieder zur sogenannten "unbequemen" Hoffnung auf. Der Hoffnung, die nicht von Ziellosigkeit und Passivität lebt, sondern der Hoffnung, die man aktiv selber gestalten muss.


Sprache und Aufbau:
In drei Teilen nähert sich Neubauer zuerst dem Begriff Fossilität an und zeigt historische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge auf, welche uns und die Macht der fossilen Industrie geprägt haben. Dann geht sie hart mit der Politik und den oft unsinnig geführten Debatten ins Gericht und zeigt am Schluss auf, wo Lösungen liegen könnten und dass letztendlich gründlich geführte Dialoge und ein starkes Miteinander uns viele Ziele werden erreichen lassen.

"Wir werden viele der künftigen Katastrophen nicht mehr verhindern, aber wir können auf eine Welt hinarbeiten, in der wir uns wieder in die Augen schauen können. Weil Menschenleben respektiert, Freiheiten verteidigt und Liebe für die Gegenwart und Liebe für die Zukunft nicht länger gegeneinander ausgespielt werden."

Meine Empfehlung:
Das Buch sollte noch viel mehr Publikum finden. Nur schon, weil der Anhang so sehr zum weiteren Stöbern einlädt. Ich empfehle diesen kurzen Text euch allen herzlich weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Was wäre, wenn wir mutig sind
Autorin: Luisa Neubauer, geboren 1996 in Hamburg, ist eine der weltweit bekanntesten Klimaaktivistinnen. Zuletzt erschienen von ihr «Gegen die Ohnmacht» (2022), zusammen mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma, sowie «Der Klima-Atlas» (2024), zusammen mit Christian Endt und Ole Häntzschel. Seit 2020 hostet sie den Klimapodcast 1,5 Grad. 2023 wurde sie mit dem Ökumenischen Predigtpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Geografin lebt in Berlin und studiert in Göttingen.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 144 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 28.01.2025
ISBN: 978-3-499-01496-3

Mein SuB kommt zu Wort, 20.09.26

Alle Informationen zur Aktion findet ihr bei Melli
Guten Morgen ihr Lieben

Auch im August war ich so beschäftigt, dass es nicht zu einer Wortmeldung gereicht hat, aber jetzt überlasse ich SuBrina wieder die Tastatur, damit sie euch auf den neusten Stand bringen kann. Viel Spass beim Lesen und Stöbern :-D

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hallo ihr Lieben
Schön, dass wir uns wieder austauschen können, Frauchen überlegt nämlich gerade, wann und wie sie ihre Regale neu sortieren soll, seit ich so klein geworden bin ;-) Falls ihr dazu Ideen und Anregungen habt, dann gerne her damit. Gerade befinden sich 23 Bücher und ein Bibliotheksbuch auf meinen Stapeln und wer weiss, vielleicht schafft Frauchen bis Ende Monat sogar den Sprung in den u20-Bereich...

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.05.2016: 222 Bücher (allererste Teilnahme bei dieser Aktion)
20.02.2017: 243 Bücher (absoluter SuB-Höchststand war im Januar 2017 mit 247 Büchern)
20.05.2017: 184 Bücher (nach der grossen Entrümpelung)
20.08.2022: 96 Bücher (definitiv im uHu-Bereich angekommen)
20.12.2022: 77 Bücher
20.12.2023: 61 Bücher
20.02.2024: 58 Bücher und 2 Bibliotheksbücher
20.10.2024: 70 Bücher
20.11.2024: 89 Bücher
01.01.2025: 90 Bücher
20.01.2025: 86 Bücher
20.02.2025: 82 Bücher
20.05.2025: 77 Bücher
30.06.2025: 69 Bücher
31.07.2025: 68 Bücher
20.08.2025: 67 Bücher
30.09.2025: 64 Bücher
20.10.2025: 66 Bücher
20.11.2025: 58 Bücher
20.12.2025: 61 Bücher...ups!!!
01.01.2026: 57 Bücher
20.01.2026: 46 Bücher
20.02.2026: 41 Bücher
20.04.2026: 36 Bücher
20.05.2026: 36 Bücher 
30.06.2026: 33 Bücher
20.07.2026: 32 Bücher und 1 Bibliotheksbuch
31.08.2026: 25 Bücher
20.09.2026: 23 Bücher und 1 Bibliotheksbuch

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel
Im September hier eingezogen sind:
  • Die Briefschreiberin - Virginia Evans   (Bücherschrankfund)
  • Die Riesinnen - Hannah Häffner   (Bibliotheksbuch)
  • Affenhitze - Volker Klüpfel/Miachel Kobr   (Kluftinger 12, gebraucht gekauft)
  • Flüchtiges Begehren - Donna Leon   (Brunetti 30, gebraucht gekauft)
Und ja, für einige mag das ungewöhnlich sein, aber hier wird einfach jedes ungelesene Buch zum SuB gezählt. Egal, ob es geliehen ist oder gerade gelesen wird, alles, was nicht gelesen/aussortiert ist, gehört zum SuB. Frauchen findet es übrigens eher irritierend, wenn man dies anders handhabt, weil das die Zahlen ja schon seeeeehr verfälschen/beschönigen kann ;-)

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deiner Besitzerin gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt beendet hat Frauchen "Was wäre, wenn wir mutig sind" von Luisa Neubauer. Das Buch lag noch nicht so lange da und hat für einige spannende Inputs gesorgt. Eine Rezension dazu wird in den nächsten Tagen erscheinen. Zuletzt rezensiert hat Frauchen "Das goldene Ei" von Donna Leon. Ein Krimi, der seit März 2021 unter meinen Fittichen war und meinem Frauchen sehr gut gefallen hat. Zur Rezension findet ihr HIER.


4. 
Liebe:r SuB, bei welchen Büchern Deiner Stapel glaubst Du, dass Dein:e Besitzer:in hohe Erwartungen daran hat (und es deshalb wohl noch ungelesen ist)?
Zuerst einmal möchte ich betonen, dass Frauchen natürlich immer sehr hohe Erwartungen an meine Schützlinge hat ;-) Und wenn ihr etwas nicht passt, wird gnadenlos abgebrochen und aussortiert... Besonders viel erwartet sie von:
  • Die Briefschreiberin - Virginia Evans
  • Die Riesinnen - Hannah Häffner
Noch offen vom April ist übrigens immer noch "Glück am Morgen" von Betty Smith, das Frauchen aber voraussichtlich erst im Oktober lesen wird...Und nun wünschen wir euch ganz eine gute Zeit und ein frohes Stöbern. Hinterlasst doch gerne den Link zu eurem Beitrag in den Kommentaren, dann kommen wir auf einen Gegenbesuch vorbei.

Alles Liebe und bis bald
SuBrina (und Livia)

Rezension: Das goldene Ei

Das goldene Ei - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobiltà (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022)
  32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
  33. Feuerprobe (2024) 

Beschreibung des Verlages:
Für Patta soll Brunetti diesmal nur pro forma in einem Kavaliersdelikt ermitteln: Er soll den Ruf des Bürgermeisters schützen, dessen künftige Schwiegertochter die Gesetze übertreten hat. Paola hingegen ist unerbittlich: Sie möchte wissen, was für ein Mensch der Tote war, der bei den Brunettis in der Nachbarschaft umgekommen ist. Dabei sieht alles zunächst nach einem Unfall aus: Die Schlaftabletten waren bunt wie Bonbons und der Junge nicht ganz richtig im Kopf. Doch tatsächlich: Je mehr Brunetti sich umhört, desto mehr Widersprüche kommen ans Licht, ja am Ende gar ein Mord. Niemand will etwas gewusst haben. Doch auch Nichtstun kann zum Verhängnis führen. Brunettis privatester Fall.

Inhalt:
Brunetti ist in doppelter Mission unterwegs. Für Vize Questore Patta lässt er seine Beziehungen spielen und kann verschiedene Erkenntnisse und Gefallen für seinen Vorteil nutzen. Für sich und Paola ermittelt er im Falle des verstorbenen Mannes aus seinem Viertel. Der junge Mann scheint eine Behinderung gehabt zu haben und das Verhalten seiner Mutter wirft Fragen auf. Das schlechte Gewissen, sich zu dessen Lebzeiten nicht mehr für ihn interessiert zu haben, treibt Brunetti um und lässt ihn bald auf unerwarteten Pfaden ermitteln.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal habe ich einen Brunetti-Krimi gelesen, bei dem ich ziemlich schnell durchblickte, wie alles zusammenhängen würde. Dennoch hat mich der Roman einmal mehr von Venedig träumen, Paolas Kochkünste geniessen und am Familienleben der Brunettis teilhaben lassen. Auch haben mich Commissario Brunettis Ermittlungen, seine Gedankengänge und die immer wieder in einem gesetzlichen Graubereich getroffenen Entscheide wunderbar unterhalten. Seine persönliche Betroffenheit hat ihn um so menschlicher und nahbarer gemacht, was mir gut gefallen hat.

Meine Empfehlung:
Je neuer die Romane, desto aktueller, menschlicher und vielschichtigen kommen die Fälle daher. Brunetti macht einfach Spass und auch diesen Band empfehle ich gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Tierische Profite
Originaltitel: The Golden Egg
Autorin:
Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 320 Seiten 
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2015  
ISBN: 978-3-257-24336-9  

Rezension: Pi mal Daumen

Pi mal Daumen - Alina Bronsky

Beschreibung des Verlages:

Sie begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung: Der hochbegabte Oscar ist 16, hat einen Adelstitel und ist noch nie mit der U-Bahn gefahren. Moni Kosinsky hat drei Enkel, mehrere Nebenjobs und liebt knalligen Lippenstift und hohe Absätze. Sie ist fest entschlossen, sich heimlich den Traum von einem Mathe-Studium zu erfüllen.
Doch im Hörsaal wird Moni für eine Putzfrau gehalten und belächelt. Wie kommt sie dazu, sich für eines der schwierigsten Fächer überhaupt einzuschreiben? Und woher kennt sie den berühmtesten Professor der Uni?
Bald muss nicht nur Oscar feststellen, dass Monis Verstand und Beharrlichkeit größer sind als ihre Wissenslücken. Denn Mathematik schert sich nicht um Fragen der Herkunft, des Alters und des Aussehens. Oscar dagegen kämpft mit dem Alltag und findet ausgerechnet in der warmherzigen Moni eine Vertraute, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. Bald verbindet die beiden Außenseiter eine Freundschaft, die niemand für möglich gehalten hätte. 

Inhalt:
Der Jungstudent Oscar bewegt sich in seiner ganz eigenen Welt. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch extrem privilegiert aufgewachsen. Ausserdem blickt er ziemlich ignorant auf seine Mitmenschen herab. Moni ist das genaue Gegenteil. Sie ist bereits Oma, trägt ausschliesslich schillernde Outfits, kümmert sich ganz oft um ihre Enkelkinder und arbeitet in mehreren Jobs, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. Daneben bleibt kaum Zeit für ihr Studium. Nachdem Moni und Oscar in einer Mathe-Vorlesung zufällig nebeneinander sitzen, nähern sich die beiden Einzelgänger einander an. Wer dabei wem am meisten unter die Arme greift, wird erst auf den zweiten Blick klar.

Meine Meinung:
Schon wieder hat mich Alina Bronsky überzeugt! Und schon wieder hat sie - wie auch schon bei "Barbara stirbt nicht" - eine furchtbar unangenehme Männerfigur geschaffen, welche die Geschichte aus ihrer eigenen eher beschränkten Perspektive erzählt und dabei die eigentliche weibliche Hauptfigur nicht nur ins Zentrum rückt sondern auch um so mehr Sympathie für sie weckt.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viele verschiedene Ebenen sich in Bronskys Roman finden. Ein wenig übertrieben kommen die Stereotype aber schon daher. Nur spielt Bronsky natürlich auch damit und macht eindrücklich auf soziale Ungerechtigkeiten und den grossen Einfluss von Vorurteilen aufmerksam.

Schreibstil und Aufbau:
In diesem Roman verbergen sich nicht nur ein hochnäsiger Jungspund und eine fleissige, interessierte und vor allem menschliche Frau, welche sich mit ihrem Mathe-Studium einen langgehegten Traum erfüllen will, sondern auch ganz viele berührende Zwischentöne. Eine tragische Familiengeschichte, eine zum Scheitern verurteilte Beziehung und Menschen, die nie gelernt haben, sich etwas zuzutrauen, die aber eine Chance packen, wenn man sie ihnen gibt sind genau so Teil dieser Geschichte, wie desinteressierte Wissenschaftler und geborene Pädagogen. Mathematische Rätsel und Spielereien sowie Einblicke in ein turbulentes Familienleben kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.
In bekannter Manier sorgt Bronsky mit ihrem zarten Humor sowie einigen kreativen Überraschungen dafür, dass die Geschichte nie langweilig wird, dass Gesellschaftskritik ankommt und trotzdem für Unterhaltung gesorgt ist.

Meine Empfehlung:
"Pi mal Daumen" ist ein sehr kurzweiliges, kreativ erzähltes Buch, das einfach Spass macht und mit seiner ungewöhnlichen Protagonistin berührt. Ich wünsche dem Roman noch viele weitere Fans und empfehle ihn euch sehr gerne weiter.

Weitere Bücher der Autorin:
Baba Dunjas letzte Liebe
Der Zopf meiner Großmutter
Barbara stirbt nicht

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Pi mal Daumen
Autorin:
Alina Bronsky, geboren 1978, lebt in Berlin. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller und fürs Kino verfilmt. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. 2019 und 2021 erschienen ihre Bestseller »Der Zopf meiner Großmutter« und »Barbara stirbt nicht«, 2024 folgte ihr Roman »Pi mal Daumen«, der als Lieblingsbuch der Unabhängigen ausgezeichnet wurde.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 272 Seiten
Verlag: KiWi
Erscheinungstermin: 15.08.2024 
ISBN: 978-3-462-00425-0

Rezension: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien

Beschreibung des Verlages:
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. 
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.

TW: sexualisierte Gewalt (auch an Kindern), Alkoholmissbrauch, Drogen, Gewalt, SVV, Essstörung, Erbrechen

Inhalt:
Lale wächst bei ihrem Pflegevater in einer Männer-WG auf, in der auch ihr Vater lebt, was die Behörden aber nicht erfahren dürfen. Schon früh macht sie Erfahrungen mit Erwachsenen, die sich berauschen, lügen und stehlen. Ihre Kindheit ist geprägt von Vernachlässigung und Missbrauch, aber auch von Abenteuern und unendlichen Freiheiten. Als Jugendliche gerät sie dann selber ein wenig aus dem Lot und als junge Frau muss sie damit beginnen, sich ihren Körper zurückzuholen und zu lernen, gesunde Grenzen zu setzen und auch zu akzeptieren. 

Meine Meinung:
Viele begeisterte Rezensionen haben mich das Buch auf meine Wunschliste setzen lassen und als es dann auch noch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis landete, habe ich es mir sofort gekauft. Schnell wird klar, dass sich auf wenigen Seiten eine sehr intensive, fordernde und stellenweise auch explizite Geschichte verbirgt. Wer zwischen diesen Buchdeckeln aber Trauma-Porn vermutet, liegt komplett falsch. Vielmehr ist dieser Roman die Aufarbeitung einer komplizierten Kindheit und Jugend, die sicher nicht ganz unähnlich ist zu Tollkiens eigenen Erfahrungen. Darum soll es aber gar nicht gehen. Im Zentrum stehen eine enorme Sprachkunst und eine Kritik an einer linken Szene, die mit kritischen und modernen Werten punktet, im Bereich Kinder- und Jugendschutz aber kläglich versagt und sich der Verantwortung für Kinder und Jugendliche nicht stellen kann und/oder will. Nicht nur sind Lales Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen, auch sind sämtliche Behörden, Lehrpersonen und andere "Bezugspersonen" entweder selber Täter oder zumindest bereit, ihre Augen vor der Wahrheit zu verschliessen.

Schreibstil und Aufbau:
Die Beschreibungen der oft aufwühlenden Szenen gestaltet Tollkien mit klaren Worten aber auch mit Leerstellen. Die in der ich-Person erzählende Protagonistin Lale beschreibt dabei als erwachsene Frau Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend und lässt gleichzeitig auch immer wieder in ihr erwachsenes Leben blicken. Dies geschieht mit kunstvoll gebildeten Sätzen, deren Struktur sich oft wiederholt und die dem Roman eine ganz eigene Form gibt.

Meine Empfehlung:
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ein intensives, mitreissendes, bewegendes Debüt, das nachhallt und Lust auf mehr macht. Ich empfehle euch das Buch gerne weiter, macht euch aber auf explizite Inhalte gefasst... Und ich werde Tollkien auf jeden Fall im Auge behalten.

Zusätzliche Infos:
Titel: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Autorin: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 255 Seiten
Verlag: aufbau
Veröffentlichung: 14.03.2026
ISBN: 978-3-351-04284-4

Lese-Statistik August 2026

Hallo zusammen

Nun ist endlich auch der - vor allem am Anfang - immer noch viel zu heisse und trockene August überstanden und meine liebste Jahreszeit beginnt. Nach dem extrem emotionalen und auch nicht ganz einfachen Juli hatte ich im August zuerst noch eine einigermassen ruhige Woche, in der ich mich wieder an meinen Alltag herantasten konnte. Dann hat auch bereits das neue Schuljahr - wie immer mit viel Chaos, Mehraufwand und vor allem ganz vielen unvorhergesehenen Herausforderungen - begonnen. Als mittlerweile alte Häsin und mit den nach der Pause wieder aufgeladenen Batterien stürze ich mich aber jeweils sehr euphorisch in den Schulstart und mag diese kleinen und grösseren Challenges eigentlich sehr gerne.
Und weil ich gleichzeitig auch mit verschiedenen Ensembles wieder die Probenarbeit aufgenommen, mein Patenkind (und ganz viele andere tolle Menschen) oft besucht, ein grosses Fest gefeiert, einige Konzerte am Lucerne Festival erlebt habe und eine wirklich tolle Konzertanfrage für März 2027 annehmen konnte, war das ein sehr schöner, erfolgreicher, spannender Monat. Wie ihr nämlich vielleicht bereits mitbekommen habt, sind dicht und abwechslungsreich gefüllte Monate mir immer am liebsten :-D
Gelesen habe ich auch; vor allem im Zug, extrem unregelmässig und absolut querbeet, aber da waren wieder einige spannende Bücher dabei.

Gelesen im August:

Ein fesselndes Buch zum Nachdenken mit eher offenem Ende, für mich extrem stimmig gemacht


Eine erneute Reise nach Venedig mit einem brutalen Ausflug in einen Schlachthof, toll erzählt


Skurrile, absurde Kurzgeschichten, dunkelschwarzer Humor, zum Nachdenken und Gruseln


Eine starke Freundschaft, Schnee und Winter, ein Kriegsverbrechen um 1948, berührend und poetisch


Der unterhaltsame Abschluss der lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, gemütlich und humorvoll


Klassiker und Gesellschaftsstudie aus dem Jahr 1932 mit viel Kritik am Bildungsbürgertum, lesenswert


Zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises: schmerzhaft, bewegend, klug und hoffnungsvoll zugleich


Alle Zahlen und Rezensionen:

Krokodilwächter - Katrine Engberg   (abgebrochen nach 166 Seiten)
Mörderischer Freitag - Nicci French   (abgebrochen nach 150 Seiten)
Kleine Monster - Jessica Lind   (256 Seiten)
Tierische Profite - Donna Leon   (336 Seiten)
Mini Horror - Barbi Marković   (192 Seiten)
Unmöglicher Abschied - Han Kang   (315 Seiten)
Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann   (512 Seiten)
Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun   (208 Seiten)
Anti Müller - Yade Yasemin Önder   (240 Seiten)

Neuzugänge:

  • Shining - Stephen King (von einem guten Freund geliehen)
  • Unmöglicher Abschied - Han Kang (neu gekauft, sogar vorbestellt)
  • Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
  • Anti Müller - Yade Yasemin Önder (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
  • Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun (neu gekauft)
  • Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer (neu gekauft)
     

Abgebrochen:

Krokodilwächter - Katrine Engberg (abgebrochen nach 166 Seiten)
Was sooo interessant begonnen hat, hat sich leider nach kurzer Zeit nur noch gezogen. Ausserdem war der sehr bemüht wirkende male gaze extrem anstrengend zu lesen. Ich habe viele begeisterte Rezensionen zum Buch und zur Reihe entdeckt, aber auch einige, welche Längen und unnötige Ausschmückungen kritisiert haben (zu denen gehöre nun wohl auch ich), also habe ich entschieden, die anderen Teile der Reihe auch auszusortieren.

Mörderischer Freitag - Nicci French (abgebrochen nach 150 Seiten)
Ich kann es kaum fassen, dass ich diese Zeilen tippe, aber ich habe den 5. Band der Frieda Klein-Reihe abgebrochen und die weiteren Bände aussortiert, obwohl die Bände 5-7 im Juli erst - immerhin nur gebraucht - hier eingezogen sind... Schon der vierte Band der Reihe hat mich immer wieder gelangweilt und obwohl ich Frieda als Figur sehr mochte und obwohl der erste Band für mich damals ein absolutes Highlight war, passt die Reihe wohl einfach nicht mehr zu mir. Ich komme nicht mehr klar mit den unglaubwürdigen Ermittlungen, Menschen, die Frieda keinen Glauben schenken und damit, dass die Thriller einfach nur noch langweilig sind. Ausserdem habe ich keine Lust darauf, noch soooo viele weitere Bände auf eine Auflösung zu warten. Danke für die schöne Zeit, liebe Frieda, aber du kommst jetzt leider weg.

Ungelesen aussortiert:

  • Blutmond - Katrine Engberg (Kørner und Werner 2)
  • Das Nest - Katrine Engberg (Kørner und Werner 4)
  • Wintersonne - Katrine Engberg (Kørner und Werner 5)
  • Böser Samstag - Nicci French (Frieda Klein 6) 
  • Blutroter Sonntag - Nicci French (Freida Klein 7)  

  • Alle Zahlen in der Übersicht:

    Gelesene Bücher: 7
    Abgebrochene Bücher: 2
    Ungelesen aussortierte Bücher: 5
    Gelesene Seiten: 2'375 Seiten
    Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 76.6 Seiten
    Bücher von Autorinnen: 7
    Bücher von Autoren: -
    Autor*innenduos (oder Gruppen): -
    Geschenkt bekommene Bücher: -
    Ausgeliehen: 1 
    Buchgewinn: -
    Buchprämien: -
    Rezensionsexemplare: -
    Neu gekaufte Bücher: 5
    Gebraucht gekaufte Bücher: -
    Eingesammelte Bücher: -
    Bibliotheksbücher: -
    Gesamte Neuzugänge: 6
    SuB am Monatsbeginn: 33
    Aktueller SuB: 25
    Differenz: - 8

    Rezension: Anti Müller

    Anti Müller - Yade Yasemin Önder

    Beschreibung des Verlages (stark gekürzt):

    „Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.“
    In ihrem neuen Roman erzählt Yade Yasemin Önders seziert mit großer poetischer Präzision die Mechanismen moderner Beziehungen. Im Zentrum steht eine Mittdreißigerin, die um eine Beziehung, ihren Wunsch nach Familie und ihren Drang nach Geborgenheit kämpft.
    Doch Anti Müller erzählt nicht nur von der Suche nach Liebe und Nähe. Dieser Roman nimmt auch einen vermeintlich feministischen Kulturbetrieb ins Blickfeld, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt.
    Unter den lackierten Nägeln der sanften Vollstrecker verkrusteter Strukturen lauert noch immer der Schmutz des Patriarchats. Mit sprachlicher Genauigkeit legt Yade Yasemin Önder offen, wie sich diese Machtverhältnisse in Beziehungen, im Kulturbetrieb und im Umgang mit weiblichen Körpern fortschreiben.
    Anti Müller verbindet die persönliche Geschichte einer Mittdreißigerin mit einer scharfen Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Der Roman fragt, wie frei Beziehungen wirklich sind und wer bestimmt, was auf den Bühnen und über die Körper geschieht.

    Inhalt:
    Die namenlose Protagonistin schreibt ihren ersten Roman und sucht nach einer zerbrochenen Beziehung einen neuen Partner, mit dem sie ihren Kinderwunsch verwirklichen kann. Unter anderem kommt sie Andi Müller näher, der bereits Zwillingsvater ist und gerade als Schauspieler durchstartet. Er vertröstet sie lange und sie bemerkt, dass sie nicht nur droht, sich selber zu verlieren, sondern dass ihr in dieser schwierigen Mischung aus Abhängigkeit und Selbstbestimmtheit auch die Zeit davonrennt.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch habe ich innerhalb von kürzester Zeit inhatiert und auch wenn wohl einige Lesenden den Schreibstil als nicht so zugänglich empfunden haben, habe ich mich beim Lesen perfekt abgeholt, unterhalten und nachdenklich gestimmt sowie wütend gemacht gefühlt. Schicht für Schicht gelingt es, Yade Yasemin Önders, Machtstrukturen innerhalb von (vor allem hetero-)Beziehungen auf den Punkt zu bringen und sie macht ihren "Müller" zu genau der Figur Mann, die eigentlich verstanden hat, wie Feminismus funktioniert, die mit dem Kinderwunsch der Partnerin aber zufällig ein Druckmittel in die Hände gespielt bekommen hat und dieses auch bewusst und unbewusst ausnutzt. Unsere Protagonistin hingegen ist selbstbestimmt und wird beruflich immer erfolgreicher, sie geniesst ihre Freiheiten, Tinderdates und die Selbstbestimmung über ihre Beziehungen, ihr Leben und ihren Körper und sucht gleichzeitig nach einem sicheren Hafen, den sie in einer eigenen Familie vermutet. Dies ist schmerzhaft und einige Szenen haben mich an einen schwierigen Besuch in einer Kinderwunschklinik an der Seite einer lieben Freundin erinnert. An den von der Ärztin erstellen Ausdruck mit den Berechnungen der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft in ihrer zitternden Hand und an die anderen Frauen im Wartebereich, einige davon tränenüberströmt, andere hochschwanger...
    Das Buch lässt aber auch in einen Kulturbetrieb blicken, den ich selber nur zu gut kenne und der immer wieder vorgibt, sich selber zu überdenken und überarbeiten, zu modernisieren und für mehr Diversität und Inklusion einzustehen. Was er ehrlich gesagt stellenweise auch tut und dies sogar auf überzeugende Art. Wenn es dann um Ruhm, Preisgelder oder aber auch Shitstorms geht, ist allerdings immer ganz klar gegendert, wer davon am meisten abbekommt.
    Und als wäre alle dies noch nicht Inhalt genug, schafft es Önders auch noch, eine weitere Ebene ins Spiel zu bringen. Ihre Protagonistin ist nämlich mit immer wieder streitenden und immer wieder getrennten Eltern aufgewachsen und ihre Mutter hat eine Migrationsgeschichte. So wächst die Protagonistin mit und auch wieder nicht mit Migrationshintergrund auf und weigert sich, sich ausschliesslich darüber zu definieren, wie dies so viele andere Autoren (gendern nicht nötig) tun, er ist aber natürlich trotzdem Teil von ihr.
    Das Buch hat so vieles lustige Szenen, wie die "toten" Exfreunde der Protagonistin. Aber dieses Buch ist auch extrem traurig und aufrüttelnd und zeigt eine gleichzeitig zur erfolgreichen Karriere stattfindende Leere und Zerrissenheit, mit der sich wohl viele Frauen Mitte Dreissig herumschlagen, die aber noch kaum so gut in Worte gefasst worden ist, trotzdem verliert es nie einen auch irgendwie hoffnungsvollen Ton. Und dann überzeugt das Buch auch noch sprachlich. Mal kommt es derb und brutal, bissig und böse daher, mal dominieren die leisen Töne und lassen Raum für eigene Gedanken. 

    Meine Empfehlung:
    Das Buch habe ich nicht nur zu einem für mich perfekt passenden Zeitpunkt gelesen - nämlich nach "Das kunstseidene Mädchen" und vor "Heult leise, Habibis" - , es ist auch generell absolut zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Unbedingte Empfehlung!

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Anti Müller
    Autorin: Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike. Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist. 
    Sprache: Deutsch
    Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 240 Seiten
    Verlag: park x ullstein
    Erscheinungstag: 26.02.2026
    ISBN: 9783988160652

    Rezension: Das kunstseidene Mädchen

    Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

    Beschreibung des Verlages:

    Der herausragende literarische Klassiker, der Irmgard Keun 1932 zum Literaturstar und eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts machte: fesselnd, eindringlich, zeitkritisch und humorvoll!
    »Irmgard Keun war die erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ
    »Ich will ein Glanz werden«
    Doris, das kunstseidene Mädchen, ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagein, tagaus Briefe tippen, sondern ein Star werden, will die große Welt erobern. Die große Welt, das ist für die Achtzehnjährige Berlin. Dort stürzt sie sich in das Leben der Tanzhallen, Bars und Literatencafés, lässt sich in vornehme Lokale einladen, goutiert die »gute Gesellschaft«– und bleibt doch allein. Ihre Affären mit Männern aus »besseren Kreisen« sind kurzlebig, die erträumte Karriere bleibt eine Illusion.
    Doch Doris weiß sich zu trösten ...  
    Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer »naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig« beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine seltene Einheit und ein wahrer Klassiker der Literatur.

    Inhalt:
    Von Sommer 1931 bis Frühling 1932 begleiten wir die achtzehnjährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Doris durch ihren turbulenten Alltag. Nach den Annäherungen ihres Arbeitgebers verlässt sie ihre Stelle als Sekretärin und ihre Heimatstadt und zieht nach Berlin, wo sie sich eine Karriere erhofft und davon träumt, ein "Glanz" zu werden und den sozialen Aufstieg zu schaffen. Zahlreiche skurrile bis gefährliche Männerbekanntschaften, Alkohol, Naivität, aber auch eine gehörige Portion Mut und Pragmatismus prägen diese Reise.

    Meine Meinung:
    Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich während Julia Webers Lesung zu ihrem Buch "Weil ich Ruth bin". Sie verwies dabei auf "Das kunstseidene Mädchen" und hat mich sehr neugierig gemacht. Vor der Lektüre wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich flog aber nur so durch die Seiten dieses spannenden Zeitromans und hätte Doris manchmal am liebsten in den Arm genommen oder sie, respektive ihre zwielichtigen männlichen Kumpanen - je nach Situation - auch ausgeschimpft. Auf jeden Fall aber habe ich mich gefragt, weshalb wir diesen Klassiker nie in der Schule gelesen und besprochen haben. Dort würde er in meinen Augen unter anderem hingehören.

    Schreibstil:
    Der Schreibstil ist bewusst schlicht und ein wenig kindlich gehalten. Der Inhalt des Romans besteht ausschliesslich aus Tagebucheinträgen, Gedanken und Aufzeichnungen der scheinbar ein wenig naiven Protagonistin Doris. Keun versetzt sich mit einer spielerischen Leichtigkeit in diese Figur, die man allen Ecken und Kanten zum Trotz einfach mögen muss, was nicht zuletzt an ihrem Lebensmut und ihrer Bauernschläue in scheinbar ausweglosen Situationen liegt. Was auf den ersten Blick simpel und schlicht wirkt, ist aber ein sprachliches Meisterwerk, das dem - vor allem männlichen - Bildungsbürgertum einen Spiegel vorhält und gekonnt gesellschaftliche Missstände anprangert.
    Als besonders wertvoll habe ich die zwei Texte im Anhang empfunden. Der Text von Annette Keck beleuchtet "Das kunstseidene Mädchen" noch einmal differenziert, während der Text von Anna Barbara Hagin sich vor allem mit Keuns Leben auseinandersetzt.

    Meine Empfehlung:
    Das Buch empfehle ich euch sehr gerne weiter und ich bin schon gespannt auf weitere Werke der Autorin. Es lohnt sich in meinen Augen nämlich unbedingt, Irmgard Keun kennenzulernen.

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Das kunstseidene Mädchen
    Autorin: Irmgard Keun, 1905 in Berlin geboren, feierte mit ihren beiden ersten Romanen, Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen, sensationelle Erfolge. 1936 ging sie ins Exil und kehrte vier Jahre später mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt lebte. Im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit konnte sie zunächst nicht an die Erfolge ihrer ersten Bücher anknüpfen, bis ihre Romane Ende der Siebzigerjahre von einem breiten Publikum wiederentdeckt wurden. Irmgard Keun starb 1982 und zählt heute zu den wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.
    Sprache: Deutsch
    Taschenbuch, Broschur: 208 Seiten
    Verlag: Ullstein Taschenbuch

    Erscheinungstag dieser Ausgabe: 01.02.2001
    ISBN: 9783548600857

    Rezension: Meistens kommt es anders, wenn man denkt

    Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann

    Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
    1. Hummeln im Herzen
    2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
    3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
    4. Das Leben fällt, wohin es will
    5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
    6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

    Beschreibung des Verlages:
    Pechvogel Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind - aus gutem Grund, wie Nele bald herausfindet. Ausgerechnet jetzt beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. In dieser turbulenten Zeit stellt sich gerade Claas als große Hilfe heraus. Aber soll Nele sich wirklich von der Liebe einen Strich durch ihre Pläne machen lassen?

    Inhalt:
    Nele stellt sich und ihre Wünsche stets zurück. Sie kümmert sich um ihre Mitmenschen, ihre Familie, ihre Arbeit und vergisst dabei, auch mal für sich und ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Als sie nach einer Trennung in ihrem neuen Traumjob durchstartet, muss sie sich nicht nur mit einem gehässigen Mitarbeiter und einem schwer in die Gänge zu kriegenden Lokalpolitiker und dessen PR-Kampagne abkämpfen, sie verliebt sich auch noch Hals über Kopf in ihren Chef. Als wäre das nicht genug, verlangen auch ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Freundeskreis einiges von ihr und es müssen zuerst die Fetzen fliegen, bevor sie sich eingesteht, was sie wirklich will.

    Meine Meinung:
    Ausgerechnet beim Lesen dieses letzten Bandes der gaaaaanz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, hatte ich das Gefühl es wirklich mit einer Reihe zu tun zu haben, schliesslich ist Nele die Mitbewohnerin von Annika, der Protagonistin aus dem fünften Band und entsprechend kommen einige Figuren aus dem Vorgängerband auch im Abschlussband wieder vor. Und auch Taxifahrer Knut hat einen seiner berühmten Gastauftritte und gibt Nele genau dann, als sie an einem Tiefpunkt angekommen ist, einen lebensverändernden Rat. Gefallen hat mir übrigens vor allem wie konstruktiv Nele mit Konflikten innerhalb ihrer Familie umgeht und wie sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ausserdem haben mir die Einblicke in ihre Arbeit sehr gefallen und vor allem die Szenen mit Rüdiger Hofmann-Klassing, dem Bürgermeisterkandidaten der Durchschnittspartei, haben mich bestens unterhalten. Schade fand ich allerdings, dass Hamburg, das stets mit viel Liebe beschrieben worden ist, nur noch eine Nebenrolle spielt und auch wenn der sechste Band ebenfalls kurzweilig geschrieben ist, wird beim Lesen vor allem eines klar: die Reihe ist definitiv auserzählt.

    Meine Empfehlung:
    Das Buch ist einfach ein schöner, unterhaltsamer Reihenabschluss mit einer Prise Romantik und viel Humor. Perfekt für lange Zugstunden und Zwischendurch.

    Zusätzliche Infos:
    Titel: Meistens kommt es anders, wenn man denkt
    Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
    Taschenbuch: 512 Seiten
    Sprache: Deutsch
    Verlag:Bastei Lübbe
    Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
    ISBN: 978-3-404-19198-7

    Rezension: Unmöglicher Abschied

    Unmöglicher Abschied - Han Kang

    Beschreibung des Verlages:
    »Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
    Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.

    Inhalt:
    In der schier unerträglichen Sommerhitze schafft es die Autorin Gyeongha kaum, eine Seite zu schreiben, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Sie wird allerdings immer wieder von einem bedrohlichen Traum aufgesucht: in einer verschneiten Landschaft stehen schwarz eingefärbte Baumstämme, die an einen mit Grabsteinen übersäten Friedhof erinnern. Auch Han Kang erwähnte übrigens in einigen Reden und Interviews, dass ein Traum sie zu diesem Buch inspiriert hat.
    Gyeongha erwacht aus ihrem trägen Zustand, als es endlich Herbst wird. Ausserdem hat ihre gute Freundin Inseon einen schweren Unfall und bittet sie, auf die Insel Jeju zu reisen, um sich dort um einen kleinen Vogel zu kümmern, der nicht so lange ohne Wasser überleben kann.
    Gyeongha geht der Bitte ihrer Freundin nach und ein plötzlicher Schneesturm droht, das Unterfangen scheitern zu lassen. In Inseons Wohnung auf Jeju angekommen, beginnt die Handlung in fiebertraumähnlichen Sequenzen zwischen Realität und Fiktion zu schwanken und rückt dabei ein brutales Kapitel aus Koreas Geschichte ins Zentrum der Erinnerungen der Protagonistinnen.

    Meine Meinung:
    Auch dieser sprachgewaltige und gekonnt erzählte Roman der Autorin hat mich sehr für sich eingenommen, berührt und zu eigenen Recherchen angeregt. Die teilweise vernichtenden Kritiken ("zu viel Schnee") kann ich dabei überhaupt nicht nachvollziehen. Es stimmt allerdings, dass man sich beim Lesen auf Han Kangs magischen Realismus, Zeitsprünge und überraschende Wendungen und Elemente einlassen muss. Da dies mein fünfter Roman der Autorin ist, ist mir dies aber überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil; dem heftigen Thema zum Trotz behält Han Kang die ihr typische Leichtigkeit bei und ihre Sätze überzeugen mit grossem handwerklichem Geschick und überwältigender sprachlicher Schönheit. Als Einstieg in ihr Werk empfehle ich das Buch aber nicht. Dafür empfinde ich "Die Vegetarierin" und dann "Menschenwerk" als sehr viel geeigneter.

    Schreibstil und Aufbau:
    Wie schon in ihrem unglaublich brutalen und aufrüttelnden Roman "Menschenwerk" legt Han Kang auch in "Unmöglicher Abschied" den Schwerpunkt auf ein grauenvolles Kapitel der koreanischen Geschichte und kritisiert dabei vor allem auch die Vertuschungen und den Machtmissbrauch der koreanischen Regierung. Der Schnee in Form von Schneestürmen, Schneeflocken und alle Geräusche verschluckende Schneedecken ist dabei allgegenwärtig und die Handlung besteht aus verschiedenen Ebenen. In der Gegenwart begleiten wir Gyeongha durch den Schnee ins Haus ihrer Freundin, auf der anderen Ebene erzählt Inseon (oder Inseons Geist) von ihren Nachforschungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und somit auch zu den Gräueltaten des Jeju-Massakers von 1948. Bis zum Schluss des Buches bleibt offen, welche in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse Traum und welche Realität sind. Das gekonnte Sprachspiel der Autorin lenkt mit der ihr eigenen Leichtigkeit auf genau die historischen Ereignisse, welche ihr wichtig sind und die Rahmenerzählung nutzt sie eben genau als Rahmen, als Teppich und kunstvolle Metapher.

    Meine Empfehlung:
    "Unmöglicher Abschied" hat es mir angetan, mich berührt, begeistert und neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht. Ich empfehle das Buch vor allem Fans von Han Kang und empfehle "Die Vegetarierin" als Einstieg in ihr Werk.

    Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
    Die Vegetarierin
    Menschenwerk
    Deine kalten Hände
    Griechischstunden

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Unmöglicher Abschied
    Originaltitel: 작별하지 않는다 "We do not part"
    Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. 
    Sprache: Deutsch
    Aus dem Koreanischen von: Ki-Hyang Lee
    Hardcover: 315 Seiten
    Verlag: Aufbau Verlag
    Veröffentlichung: 12.08.2026
    ISBN: 978-3-7466-4348-9

    Rezension: Mini Horror

    Minihorror - Barbi Marković

    Beschreibung des Verlages:
    Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und nicht mehr schließen will.
    In «Minihorror» setzt Barbi Marković den Angstarbeiter:innen unserer Gesellschaft ein Denkmal aus Perfidie und Mitgefühl, bei dessen Lektüre wir uns gleichermaßen ertappt und verstanden fühlen.

    Inhalt:
    In zahlreichen kurzweiligen Kapiteln widmet sich Barbi Marković dem ganz alltäglichen Horror, der sich aus scheinbar harmlosen Situationen entwickeln kann. Der Anfang eines jeden Kapitels kommt dabei (meistens) komplett unscheinbar daher und plötzlich kippt die Geschichte und eskaliert zu einer schaurig-skurrilen Erzählung, die Spass macht und dabei auch immer wieder wichtige und uns oft auch nur zu bekannte Themen wie Rassismus, eigene Privilegien, Beziehungen und Familie vor Augen führt.

    Meine Meinung:
    Schon sehr lange einmal wollte ich ein Buch von Barbi Marković lesen. Nach Anetts begeisterter Rezension zu "Minihorror" habe ich mir das Buch sofort gekauft. Anfangs musste ich mich ein wenig an den eher speziellen Stil gewöhnen, habe dann aber immer mehr Spass empfunden beim Lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Marković es schafft, aus den banalsten Situationen - wie Familientreffen, Spaziergänge, Katzenbegegnungen - Gedankenspiele zu machen, die plötzlich unheimlich, gruselig und bedrohlich werden. Immer dabei sind ihre Hauptfiguren Mini und Miki, die das Leben mehr oder weniger Seite an Seite verbringen und die Szenarien meistens auch ziemlich lebend aber definitiv nicht immer unversehrt überstehen. Im Anhang hat die Autorin noch weitere Texte und Horrorszenarien mit unterhaltsamen Skizzen versammelt.

    Meine Empfehlung:
    Von ein wenig schrägen bis komplett verstörenden Szenarien hat Marković einfach alles in ihren Texten versammelt. Der Humor ist dunkelschwarz und jeder Satz ist vom ersten bis zum letzten Wort durchdachte und höchste erzählerische Kunst. Die Kapitel sind kurz und oft auch nachdenklich stimmend.
    Auf dieses kurze Büchlein muss man sich einlassen. Und dann sind der Genuss und natürlich der Horror um so grösser.

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Minihorror
    Autorin: Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erschien ihr Debüt «Ausgehen», noch als Übersetzung aus dem Serbokroatischen, 2016 dann der Roman «Superheldinnen», der unter anderem mit dem Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde; fünf Jahre später folgte «Die verschissene Zeit». Für «Minihorror» erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Sie lebt in Wien.
    Taschenbuch: 192 Seiten
    Sprache: Deutsch
    Verlag: Rowohlt Taschenbuch
    Erscheinungstermin: 13.05.2025
    ISBN: 978-3-499-01692-9

    Rezension: Tierische Profite

    Tierische Profite - Donna Leon

    Reiheninfos:

    1. Venezianisches Finale (1992)
    2. Endstation Venedig (1993)
    3. Venezianische Scharade (1994)
    4. Vendetta (1995)
    5. Acqua alta (1996)
    6. Sanft entschlafen (1997)
    7. Nobiltà (1998)
    8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
    9. Feine Freunde (2000)
    10. Das Gesetz der Lagune (2001)
    11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
    12. Verschwiegene Kanäle (2003)
    13. Beweise, daß es böse ist (2004)
    14. Blutige Steine (2005)
    15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
    16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
    17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
    18. Schöner Schein (2009)
    19. Auf Treu und Glauben (2010)
    20. Reiches Erbe (2011)
    21. Tierische Profite (2012)
    22. Das goldene Ei (2013)
    23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
    24. Endlich mein (2015)
    25. Ewige Jugend (2016)
    26. Stille Wasser (2017)
    27. Heimliche Versuchung (2018)
    28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
    29. Geheime Quellen (2020)
    30. Flüchtiges Begehren (2021)
    31. Milde Gaben (2022)
    32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
    33. Feuerprobe (2024) 

    Beschreibung des Verlages:
    Ein toter Mann, der von niemandem vermisst wird, weder von den Venezianern noch von Touristen. Und ein teurer Lederschuh am Fuß dieser Leiche. Brunetti muss all seine Menschenkenntnis aufbieten und sein ganzes Kombinationstalent, um diesen Fall zu lösen, der ihn bis aufs Festland nach Mestre führt.

    Inhalt:
    Nicht nur von seiner mittlerweile fast komplett vegetarisch lebenden Tochter, auch von seiner Arbeit wird dem empathischen Kommissar Brunetti der Fleischkonsum immer madiger gemacht. Sein aktuellster Fall führt ihn nämlich in verschiedene Tierarztpraxen und einen Schlachthof in Mestre. Vor allem letzterer hinterlässt bleibende Eindrücke und obwohl schnell klar wird, womit es Brunetti in diesem Fall zu tun haben könnte, tauchen doch bis zum Schluss noch neue Entdeckungen und Zusammenhänge auf.

    Meine Meinung:
    Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven und doch finde ich es um so wichtiger, dass Menschen, welche Fleisch und/oder tierische Produkte konsumieren, sich mit der Haltung und Schlachtung von Tieren auseinandersetzen. Und auch wenn zu hoffen bleibt, dass nicht auf allen Schlachthöfen so fürchterliche Zustände herrschen, wie in Mestre in diesem Krimi, so bleibt die industrielle Tötung von Tieren doch ein schmutziges Geschäft. Schmutzig geht es aber auch innerhalb der Leitung des Schlachthofes zu und nach einem Leichenfund, der Brunetti zuerst vor einige Rätsel stellt, muss der Kommissar immer tiefer in Machenschaften herumwühlen, deren Wurzeln bis ganz nach oben reichen. Also genau so, wie wir es uns von einem richtigen Brunetti-Krimi erhoffen. Gegessen und das eine oder andere Gläschen Prosecco und Wein getrunken wird ebenfalls, Patta wütet wieder und sogar Paola Brunetti ist in einen eigenen beruflichen Feldzug involviert, sodass es definitiv niemandem langweilig wird, weder den Figuren, noch uns Lesenden.
    Am Ende des Buches hatte ich übrigens einfach nur Mitleid. Mit dem menschlichen und den tierischen Opfern des Romans und generell mit den Opfern von Systemen, welche von einer kleinen Gruppe von skrupellosen, von Gier getriebenen Menschen gesteuert werden, um andere auszubeuten und zu unterdrücken.

    Meine Empfehlung:
    Auch dieser packende, nachdenklich stimmende Roman hat mich überzeugt und ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Brunetti-Krimi. Zum Glück habe ich noch etwas mehr als zehn weitere Bände vor mir.

    Zusätzliche Infos:
    Titel:
    Tierische Profite
    Originaltitel: Beastly Things
    Autorin:
    Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
    Sprache: Deutsch
    Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
    Taschenbuch: 336 Seiten 
    Verlag: Diogenes
    Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2014  
    ISBN: 978-3-257-24302-4