Rezension: Das unglaubliche Leben des Wallace Price

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem HEYNE-Verlag, das mich via Bloggerporal erreicht hat.

Das unglaubliche Leben des Wallace Price

Beschreibung des Verlages:
Der erfolgsverwöhnte Anwalt Wallace Price kennt nur drei Dinge: Arbeit, Arbeit und noch mal Arbeit. Es kommt ihm daher äußerst ungelegen, als er eines Tages tot umfällt und in der Zwischenwelt landet. Dort erwartet ihn der Wächter Hugo, der Wallace auf seine Reise ins Jenseits vorbereiten soll. Doch Wallace ist noch nicht bereit, und so wird ihm Zeit gewährt, um seine Angelegenheiten zu ordnen. Zeit, in der Wallace den wahren Sinn des Lebens entdeckt. Und die Liebe findet ...

TW: Tod, Verlust, Suizid

Inhalt:
Wallace Price ist als Mensch und Anwalt ein richtiges Ekel. Als er unerwartet an einem Herzinfarkt verstirbt, findet er sich an seiner eigenen Beerdigung wieder, wo er Mei trifft, welche sich ihm als persönlicher "Sensemann" vorstellt. Sie bringt ihn in eine eigenartige Teestube, welche zugleich als Zwischenwelt fungiert. Dort begegnet Wallace dem Fährmann Hugo, der ihm helfen soll, seine Angelegenheiten zu ordnen und in die Ewigkeit überzusetzen. Nun sieht sich Wallace plötzlich mit seinen persönlichsten Ängsten, Sorgen und Gefühlen konfrontiert und empfindet Liebe und Schmerz und sogar ein wenig Versöhnung mit dem Leben.

Meine Meinung:
Sicher erinnert ihr euch noch an meine absolut begeisterte Rezension zu "Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" von T. J. Klune. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen zum kürzlich erschienenen "Das unglaubliche Leben des Wallace Price". Nur leider sind diese nicht komplett erfüllt worden. Ich weiss sogar nicht einmal, ob ich das Buch beendet hätte, wenn es kein Rezensionsexemplar gewesen wäre, so zäh war der Mittelteil. Aber ich bin froh, dass ich das Buch beendet habe. So bin ich mit einem wundervollen, bewegenden, tränenreichen und mich zumindest ein wenig mit der Geschichte versöhnenden Schluss belohnt worden.

Handlung und Sprache:
Die Grundidee hat mich begeistert, was für ein grandioses Setting, welch toller Plot. Ausserdem haben die wunderschönen Beschreibungen vor allem der Teestube und der Liebe Hugos zu seinen Teepflanzen für sehr stimmige Szenen gesorgt und immer wieder haben mich einige besonders poetische Sätze den Atem anhalten lassen, so schön waren sie geschrieben.
Leider aber wirken vor allem die Dialoge sehr gestelzt. Die Lebensweisheiten werden definitiv zu sehr mit dem erhobenen Zeigefinger erzählt und auch wenn ich die beiden Bücher eigentlich nicht vergleichen wollte, hatte ich mehr und mehr das Gefühl, gerade Parnassus 2.0 gelesen zu haben.

Die Figuren:
Auch die Figuren haben diesen Verdacht bestärkt. Wallace war eigentlich genau wie Linus, Hugo war wie Mr. Parnassus und auch die sich sehr offensichtlich anbahnenden romantischen Gefühle waren schon irgendwie ein wenig gar konstruiert.
Ausserdem kommt die Läuterung des einstmals so ekligen, gemeinen Anwalts Wallace viel zu plötzlich, er ist von einer Sekunde auf die andere gefühlt lammfromm und das war einfach nicht stimmig für mich.
Die Nebenfiguren sind aber unglaublich gut skizziert. Mei ist der perfekte, feinfühlige Sensemann (Sensefrauen gibt es wohl nicht). Sie hat Humor, ist temperamentvoll und hat ein Herz aus Gold. Auch Hugos Opa Nelson, der mit seinem Schabernack für einige witzige Situationen sorgt und Wallace das beste Geistervorbild ist, das Wallace sich nur hätte wünschen können, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Mein persönlicher Star ist aber der Geisterhund Apollo, der wirklich eine unendlich treue Seele ist und der Geschichte sehr, sehr viel Charme verpasst.

Fazit:
Wer "Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" noch nicht gelesen hat, wird trotz einiger Längen in der Mitte sicher Freude am Buch haben und sehr schöne, bewegende, einzigartige Lesestunden mit der Geschichte erleben. Allen Fans von Mr. Parnassus empfehle ich das Buch nicht unbedingt.
Obwohl mich vor allem der Schluss richtig intensiv berührt und mich sogar ein wenig mit der ganzen Geschichte versöhnt hat, war mir das  alles insgesamt zu ausufernd und zu plakativ erzählt war. Ich würdige die grandiose Grundidee sehr, die vom persönlichen Schmerz und Erleben des Autors geprägt ist. Ich weiss aber noch nicht, ob das Buch bei mir bleiben wird. Vorerst steht es noch ein wenig im Regal, die Aufmachung und vor allem das Cover sind nämlich wunderschön, gekonnt, passend und liebevoll. Das muss ja schliesslich auch einmal erwähnt werden (ausserem habe ich erst nach mehrmaligem Betrachten den Hirsch auf dem Cover gesehen, das passt einfach soooo gut und hat mich von der Gestaltung her total umgehauen) ;-)

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das unglaubliche Leben des Wallace Price
Originaltitel: Under the Whispering Door
Autor: Im Alter von sechs Jahren griff T. J. Klune zu Stift und Papier und schrieb seine erste Geschichte – eine mitreißende Variante des Videospiels »Super Metroid«. Zu seinem Verdruss meldete sich die Videospiel-Company nie zu seiner verbesserten Variante der Handlung zurück. Doch die Begeisterung für Geschichten hat T. J. Klune auch über dreißig Jahre nach seinem ersten Versuch nicht verlassen. Nachdem er einige Zeit als Schadensregulierer bei einer Versicherung gearbeitet hat, widmet er sich inzwischen ganz dem Schreiben. Für die herausragende Darstellung queerer Figuren in seinen Romanen wurde er mit dem Lambda Literary Award ausgezeichnet. Sein Roman »Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte« ist ein internationaler Bestseller.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Michael Pfingstl
Paperback, Klappenbroschur: 480 Seiten
Verlag: HEYNE
Erschienen am: 11. April 2022
ISBN: 978-3-453-32146-5

Lese-Statistik April 2022

Auf dem Bild fehlt "Hagebuttenblut", das wird gerade von meinem Vater gelesen :-)

Hallo ihr Lieben

Nun ist der April und somit auch ein sehr arbeitsintensiver Monat bereits wieder vorbei. Meine Leseziele habe ich nicht ganz erreicht und der SuB ist leider wieder angestiegen, dafür sind aber sehr viele Bücher hier eingezogen, die ich mir schon länger gewünscht habe und/oder die mir geschenkt worden sind. Darüber freue ich mich sehr und während der Anfang des Lesemonats noch eher zäh war, hat mich am Ende des Aprils dann wieder richtig grosse Leselust gepackt, weshalb ich mich schon auf meine - hoffentlich - sehr vielen Lektüren im Mai freue.

Im April gelesen habe ich:

Packende Fortsetzung von "Löwenzahnkind", düster und spannend erzählt und äusserst klug konstruiert

Ein wenig ausschweifend erzählter zweiter Teil der Kristina-Mahlo-Reihe mit überzeugenden Ende

Monumentale Erzählung über Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Verrat sowie die turbulente Geschichte Georgiens

Feministische Kampfschrift gegen das Patriarchat, eindringliche Familiengeschichte, kraftvoll erzählt

Alle Rezensionen und Seitenzahlen:

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter   (496 Seiten)
Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler   (416 Seiten)
Das mangelnde Licht - Nino Haratischwili   (832 Seiten)
Die Wut die bleibt - Mareike Fallwickl   (384 Seiten)
Die Stunde der Lerche - Willi Fährmann   (101 von 400 Seiten)

Abgebrochen:

Willi Fährmann - Die Stunde der Lerche   (nach 101 von 400 Seiten)

Neuzugänge:

Rezensionsexemplar:
Das unglaubliche Leben des Wallace Price - T. J. Klune

Geschenkt bekommen von Martina:
Die Uhrmacherin - Claudia Dahinden

Von einer lieben Freundin bekommen (ihre Eltern haben die Bücherregale aus- und umgeräumt):

Die Frau, die Töne sehen konnte - V.S. Ramachandran
Kamala Harris - Dan Morain
Verschwiegene Kanäle - Donna Leon
Lasset die Kinder zu mir kommen - Donna Leon
Tod zwischen den Zeilen - Donna Leon

Vom Osterhasen bekommen:
Rory Shy, der Fall der roten Libelle - Oliver Schlick

Gekauft:
Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 4
Abgebrochene Bücher: 1
Aussortierte Bücher: -
Somit in die Leseeule: 5 Franken
Gelesene Seiten: 2'229 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 74.3 Seiten
Bücher von Autorinnen: 4
Bücher von Autoren: -
Gemischte Autorenduos (oder mehr): -
Geschenkt bekommene Bücher: 7
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: 1
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 98
Aktueller SuB: 100
Differenz: +2

Rezension: Das mangelnde Licht

Das mangelnde Licht - Nino Haratischwili

Beschreibung des Verlages:

Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit vom ins Taumeln geratenen Riesen stürzt der junge georgische Staat ins Chaos. Zwischen den feuchten Wänden und verwunschenen Holzbalkonen der Tbilisser Altstadt finden Ende der 1980er Jahre vier Mädchen zusammen: die freiheitshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira, die romantische Nene, Nichte des mächtigsten Kriminellen der Stadt, und die sensible Keto. Die erste große Liebe, die nur im Verborgenen blühen darf, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, die Stromausfälle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – allem trotzt ihre Freundschaft, bis ein unverzeihlicher Verrat und ein tragischer Tod sie schließlich doch auseinandersprengt.
Erst 2019 in Brüssel, anlässlich einer großen Retrospektive mit Fotografien ihrer toten Freundin, kommt es zu einer Wiederbegegnung. Die Bilder zeigen ihre Geschichte, die zugleich die Geschichte ihres Landes ist, eine intime Rückschau, die sie zwingt, den Vorhang über der Vergangenheit zu heben und eine Vergebung scheint möglich.

TW: Suizid, Selbstverletzendes Verhalten, Gewalt, Krieg, Vergewaltigung, Drogen

Inhalt:
Vier Freundinnen, vier Schicksale, vier Familien und vier Lebensentwürfe, welche von Krieg, Armut, Gewalt, Verlusten, aber auch ersten Schwärmereien und Liebschaften und innigen Momenten der Freundschaft geprägt werden. Die Prüfungen schweissen zusammen, entzweien aber auch und die gedanklich in der Vergangenheit lebende Keto, welche im Buch als Chronistin ihrer Schicksale und zeitgleich der Geschichte Georgiens fungiert, hat alle Hände voll zu tun, die vier Freundinnen immer wieder zusammenzubringen.

Meine Meinung:
Gemeinsam mit der lieben Jamie vom Blog Librovore habe ich "Das mangelnde Licht" gelesen und weil wir beide "Das achte Leben (für Brilka)" sehr geliebt haben, waren wir zuversichtlich, dass uns auch dieses Buch von Nino Haratischwili gefallen würde. Und wir sind nicht enttäuscht worden und haben eine grossartige, bewegende Lektüre entdecken dürfen, welche uns einiges abverlangt, uns immer wieder tief berührt und erschüttert hat und uns auch ganz viele traumhaft schöne Szenen der Freundschaft und Liebe haben erleben lassen.
Ich bin froh, dass ich mich mit Jamie über das Gelesene austauschen konnte, so haben wir einzelne Unklarheiten in Bezug auf die historischen Ereignisse und Daten (Haratischwili spart aber auch sehr beim Verwenden von Jahreszahlen) ausmerzen und über die teilweise sehr bewegenden Szenen diskutieren können.
Was ich noch anmerken möchte, was aber nicht in meine Bewertung einfliessen wird: im Buch sind aussergewöhnlich viele Sätze mit fehlenden oder überzähligen Worten (vor allem Vorsilben) anzutreffen. Als wären einzelne Sätze mehrmals umgestellt und dann nicht mehr genau kontrolliert worden. Dies hat Jamie nicht so sehr gestört (obwohl es ihr auch aufgefallen ist), aber ich bin einige Male über solche Sätze gestolpert und habe noch nie so viele Fehler bei einem Buch der Frankfurter Verlagsverstalt bemerkt und möchte dies - vor allem in Hinblick auf die fast 50 Franken, die ich für dieses Buch bezahlt habe - hier doch noch erwähnt haben.

"Auch wir waren Kinder der Zeit, auch wir waren ihr versprochene Bräute. Sie hielt uns fest umklammert, und doch wollten wir ihr an jenem Tag entkommen, wollten sie überlisten und ihr einen Streich spielen, wir fühlten uns unbesiegbar, denn wir waren verliebt, und Verliebte dürfen das Recht für sich beanspruchen, von der Welt unberührt zu bleiben."
S. 485, Das mangelnde Licht - Nino Haratischwili

Aufbau der Handlung:
Mir ist der Einstieg in die Geschichte schwerer gefallen, als erwartet. Obwohl mich die Sprache von Anfang an verzaubert hat, musste ich mich zuerst ein wenig zurechtfinden. Wir befinden uns mitten im Jahr 1987 in Tbilissi und springen dann ziemlich oft zwischen dieser "Vergangenheit" und der Gegenwart in Brüssel (2019) hin und her, was es mir anfangs ein wenig erschwert hat, voll in die Szenen einzutauchen.
Keto erzählt nämlich in Rückblenden von ihrer Kindheit, von der Freundschaft zur furchtlosen Dina, welche das Leben der vier Freundinnen sowie zahlreiche Kriegshandlungen in der Region als Fotografin festhält und somit zum unfreiwilligen Mittelpunkt der Gruppe wird. Nene, deren männliche Verwandte zu den gefürchtetsten Kriminellen der Region gehören und die kluge und stille Ira, welche immer wieder die Stimme der Vernunft sein muss, ergänzen das Kleeblatt. Die tragischen Ereignisse - welche im Detail geschildert werden - die Zeit, verschiedene Lebensentscheide und auch Verluste haben die vier Freundinnen auseinandergetrieben und bei der Begegnung in Brüssel, bei der die Fotografien von Dina ausgestellt werden, blickt Keto auf ihr gemeinsames Leben zurück.
In einzelnen Erinnerungsfetzen und mit vielen Unterbrüchen, bei denen stets wieder ein neues Bild und dessen Geschichte in den Fokus rückt, erzählt Keto nach und nach von tragischen Verlusten, von Verrat und Liebe, von ihrem kurzen Glück bei ihrer Arbeit ausserhalb Georgiens und der turbulenten Geschichte dieses Landes, das immer wieder zum Spielball von Grossmächten geworden ist.
So sehr mich dieses Buch mitgenommen hat, so sehr hat es mich auch unterhalten und ich habe mich zeitweise gefühlt, als würde ich Keto, Dina, Nene und Ira kennen, als wäre ich Teil ihrer Gruppe, ihrer Freundschaft, ihrer Geschichte gewesen und als ich das Buch (mit Tränen in den Augen) zugeschlagen habe, hatte ich das Gefühl, mich gerade von liebgewonnenen Menschen verabschiedet zu haben. Schon jetzt weiss ich, dass ich mir für dieses Buch stets wünschen werde, was ich mir auch für "Das achte Leben (für Brilka)" schon so oft gewünscht habe: ich wünsche mir so sehr, dieses Buch noch einmal zum ersten Mal lesen zu können und lieben lernen zu dürfen.

Schreibstil:
Nino Haratischwilis Sprache ist einfach einzigartig. Sie schafft es, detaillierte Beschreibungen, historische Ereignisse und Personen, Schicksale, Spannung, Familiendrama, Romantik und wunderschöne Wortpoesie zu einem Gesamtkunstwerk zu verweben.
Die Ereignisse und Kriegsszenen sind erschreckend aktuell, die Ängste der Menschen sehen wir täglich in unseren Nachrichten und die geschilderte Gewalt ist keine leichte Kost. Und trotzdem ist dieses Buch wunderschön erzählt, manchmal sogar tröstend, aber immer sehr poetisch und auf eine ganz eigene Weise fesselnd, spannend und sehr, sehr klug und kurzweilig.

Meine Empfehlung:
"Das mangelnde Licht" hat mich in die tiefsten menschlichen Abgründe, an Kriegsschauplätze und in Drohenhöhlen geführt, es hat mir aber auch ganz viel Liebe und Freundschaft und einen weiteren spannenden und wichtigen Teil der Geschichte Georgiens erleben lassen. Es hat mir intensive und packende Lesestunden beschert und ist mir ans Herz gewachsen, weshalb ich es euch auch dringenst empfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das mangelnde Licht
Autorin:
Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tbilissi/Georgien, ist preisgekrönte Theaterautorin, –regisseurin und Romanautorin. Ihr großes Familienepos Das achte Leben (Für Brilka), in 25 Sprachen übersetzt, avancierte zum weltweiten Bestseller, eine große internationale Verfilmung ist in Vorbereitung. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Anna-Seghers-Literaturpreis, dem Bertolt-Brecht-Preis und dem Schiller-Gedächtnispreis, ihr Roman Die Katze und der General stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018. Heute lebt die Autorin in Berlin. Ihr neuer Roman Das mangelnde Licht wurde bereits vor Erscheinen in 15 Länder verkauft.
Sprache:
Deutsch

Hardcover mit Lesebändchen und buntem Vorsatzpapier: 832 Seiten
Verlag:
Frankfurter Verlagsanstalt

Erschienen:
25.02.2022

ISBN:
9783627002930

Rezension: Die Stimme des Vergessens

Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler

Kristina-Mahlo-Reihe:
1. Das Verstummen der Krähe
2. Die Stimme des Vergessens
3. Das böse Kind

Beschreibung des Verlages:
Als die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo das Haus des verstorbenen Albert Schettler betritt, sind die Zeichen seiner Paranoia unübersehbar. Die Türen sind mehrfach gesichert, alle Fenster vergittert. In einem Brief, den er hinterlassen hat, steht, jemand werde versuchen, an den brisanten Inhalt seines Bankschließ­fachs zu gelangen. Kristina hält das für Verfolgungswahn, doch dann werden die Unterlagen tatsächlich gestohlen. War Schettlers Angst begründet? Kristinas Recherchen bringen ungeahnte Wahrheiten ans Licht …

Inhalt:
Alles wirkt sonnenklar, Albert Schettler ist eines natürlichen Todes gestorben und die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo kann den Fall schnell abschliessen. Lediglich seine Paranoia weist darauf hin, dass Schettler wohl ein sehr einsames Leben voller Angst geführt haben muss. Als aber Schettlers Prophezeiung eintritt und wichtige Unterlagen gestohlen werden, wird Mahlo skeptisch und geht der Sache auf den Grund. Ihre Recherchen führen sie nach Korsika, lassen sie selber an ihrem Verstand zweifeln und bringen ihre Beziehung in Gefahr.

Meine Meinung:
Vor bald sechs Jahren habe ich den ersten Band dieser Reihe gelesen und war komplett begeistert (HIER geht es zu meiner Rezension) und jetzt war es wirklich endlich Zeit, nun auch den zweiten Band zu lesen. Anfangs habe ich ein paar Seiten gebraucht, um mich wieder an alle Figuren aus dem ersten Band erinnern zu können, dann ist mir der Einstieg aber sehr leicht gefallen. Es hat lediglich ein wenig länger gedauert, bis wirklich Spannung aufgekommen ist, aber dafür waren die Dialoge und Szenen um so amüsanter. Wenn auch ich mir ein wenig mehr Tempo und dafür weniger privates Geplänkel gewünscht hätte, so hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten und gegen Ende bin ich dann sogar noch einmal richtig schön in die Irre geführt und mit einem tollen Schluss belohnt worden.

Schreibstil:
Auch dieser zweite Band der Reihe kommt sehr unblutig daher und lässt in die Arbeit einer Nachlassverwalterin blicken. Durch ihren Beruf nutzt sie natürlich keine Forensik, muss ihre Befragungen stets als unverbindliches Gespräch tarnen (beispielsweise indem sie vorgibt, nach möglichen Erben zu suchen) und kann nicht irgendwelche Wohnungen durchsuchen oder Dinge konfiszieren. Sie ist also auf die Kooperation ihres Gegenübers und ihre Kombinationsgabe angewiesen. Diese Herangehensweise kann natürlich dazu führen, dass Mahlo nicht so schnell herausfindet, was vor sich geht, dafür finde ich die unterschiedlichen Überlegungen, welche sie anstellt, sehr nachvollziehbar und aufschlussreich geschildert.
Auch haben mir die Beschreibungen der Figuren und Orte wie auch schon im ersten Band der Reihe sehr gut gefallen und vor allem auch geholfen, mich in Kristina Mahlos Leben, privatem Umfeld und ihrer Wohnung schnell wieder orientieren zu können.

Meine Empfehlung:
Dieser zweite Band der Reihe braucht definitiv länger, bis er in Fahrt kommt, kann dann aber vor allem am Ende sehr gut mit dem Reihenauftakt mithalten. Dieser kleinen Kritik zum Trotz hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten und ich hoffe, dass es nicht wieder fast sechs Jahre geht, bis ich den nächsten Band lesen werde ;-) Deshalb empfehle ich euch diesen unblutigen Krimi, der besonders viel Denkarbeit und Einblicke in die Arbeit einer Nachlassverwalterin zeigt, sehr gerne.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Stimme des Vergessens
Autorin: Sabine Kornbichler, geboren 1957, wuchs an der Nordsee auf und arbeitete in einer Frankfurter PR-Agentur, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Schon ihr erster Roman, »Klaras Haus«, war ein großer Erfolg. Mit »Das Verstummen der Krähe«, ihrem ersten Kriminalroman um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlo, wurde sie für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Sabine Kornbichler lebt und arbeitet als Autorin in München.
Taschenbuch: 416 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Piper
Erschienen am: 01.07.2016
ISBN: 978-3-492-30944-8

Mein SuB kommt zu Wort, 20.4.22

"Mein SuB kommt zu Wort"
Eine Gemeinschaftsaktion von Melli und Vanessa

Guten Morgen liebe SuBs und SuB-Besitzer*innen

Wie geht es euch? Habt ihr euch intensiv mit euren Sub-Leichen auseinandergesetzt? Ich muss ja sagen, dass ich sehr stolz auf mich und meine SuBrina bin. Ich habe mich nämlich der vierten Frage sehr konsequent angenommen und aufgeräumt. Mehr dazu findet ihr dann ganz unten im Post :-) Und jetzt lasse ich meine SuBrina an die Tasten. Wir freuen uns übrigens riesig darüber, wenn ihr einen Kommentar (und gleich auch den Link zu eurem Beitrag) dalassen mögt. Dann finden wir euren Post schnell und können auf einen Gegenbesuch vorbeikommen.

Viel Spass beim Lesen und Stöbern und bis bald
Livia


1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Bei meiner letzten Teilnahme im März 2022 war ich zweistellig und umfasste 98 Bücher. Bis zum Monatsende konnte ich sogar auf 96 Bücher abbauen. Im April sind ganz viele Bücher bei uns eingezogen. Es sind alles Schätze, die mein Frauchen sich schon länger gewünscht hat, Geschenke und Reihenfortsetzungen. Also stört es uns überhaupt nicht, dass wir aktuell wieder bei 100 Büchern liegen. Auch wenn noch zwei Rezensionsexemplare zu uns unterwegs sind (typisch Frauchen, eskaliert es einmal, kann man sie nicht mehr bremsen), sind wir nämlich zuversichtlich, dass wir den Monat zweistellig abschliessen können, schliesslich muss Frauchen dazu nur noch drei Bücher lesen/beenden und das sollte machbar sein.

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.01.2022: 101 Bücher
21.02.2022: 100 Bücher
20.03.2022: 98 Bücher
20.04.2022: 100 Bücher

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Nun wird Klartext geredet...phhhuuu.....also: ein Bild aller neuen Schätze gibt es noch gar nicht, da die überall verstreut sind und mein Frauchen überlegt sich sogar, Ende Monat nach sehr laaanger Zeit wieder einmal einen Neuzugängepost zu tippen, da der Stapel enorm sein wird (ein neues Buch ist noch im März hier eingezogen, den Rest könnt ihr dann Ende April hier auf dem Blog bestaunen). Mal sehen, ob sie das durchzieht ;-)
Weil es also aktuell noch kein Stapelbild gibt, bekommt ihr hier eine - hoffentlich - vollständige Liste:
  1. Kalt lächelt die See - Ellis Corbet (Buchprämie der Lesejury, eingezogen am 30.3.22) 
  2. Kamal Harris - Dan Morain, von einer lieben Freundin bekommen, ihre Eltern haben aussortiert
  3. Lasset die Kinder zu mir kommen - Donna Leon (Brunetti 16), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  4. Verschwiegene Kanäle - Donna Leon (Brunetti 12), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  5. Tod zwischen den Zeilen - Donna Leon (Brunetti 23), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  6. Die Frau, die Töne sehen konnte - V. S. Ramachandran, auch von der Freundin
  7. Die Uhrmacherin, Im Sturm der Zeit - Claudia Dahinden (Die Uhrmacherin 1), von Martina bekommen
  8. Der Fall der roten Libelle - Oliver Schlick (Rory Shy 2, vom Liebsten zu Ostern bekommen
  9. Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler, Reihenfortsetzung, Buchkauf
3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Livia hat gestern Abend ziemlich spät noch "Die Stimme des Vergessens" von Sabine Kornbichler beendet. Der Krimi hat ihr nicht ganz so gut gefallen, wie der erste Band der Reihe, aber sie fand ihn dennoch sehr unterhaltsam und gegen Ende auch richtig spannend. Der dritte Band darf also auch bald hier einziehen. Das Buch ist noch nicht rezensiert, weshalb wir euch nun einfach zeigen, was zuletzt rezensiert worden ist:
Zuletzt rezensiert hat Frauchen den zweiten Teil der Charlie Lager-Reihe und sie war komplett begeistert von diesem Buch. Die Rezension findet ihr HIER.
TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

4. Liebe:r SuB, in diesem Monat wollen wir die AutorINNEN unterstützen. Welche Bücher auf deinen Stapeln wurden von Frauen verfasst?
Oh Melli und Vanessa, ihr macht es Livia einmal einfach. Es stimmt zwar, dass bei ihr auf dem SuB gerade sehr viele Autoren zu finden sind (Klassikern und alten Krimireihen sei "Dank"), aber wie die meisten, die hier mitlesen, wissen, liest Frauchen ganz viele Autorinnen aus allen Genres. Damit aber hoffentlich bald eine weitere Reihe ins Zentrum gerückt werden darf, möchte ich, dass Frauchen den ersten Teil der Brunetti-Reihe bis zum 20.5.22 liest ("Venezianisches Finale"). Vielleicht wisst ihr das ja schon, aber ich erwähne es trotzdem gerne noch einmal: Die Brunetti-Reihe komplettiert Livia seit Jahren und sie hat vor mehr als zehn Jahren auch einige der Bände gelesen. Sie weiss nicht mehr gaaaanz sicher, welche Bücher sie gelesen hat und welche nicht (typisch, aber zu ihrer VErteidigung muss auch erwähnt werden, dass die Titel sich schon sehr stark ähneln), weshalb sie bei dieser Reihe wohl alle Bücher noch einmal lesen wird und zwar schön chronologisch. Mal sehen ;-)

Frauchen hat euch ausserdem versprochen, bei der vierten Frage noch ein wenig von unserem grossen Erfolg zu erzählen. Sie hat bemerkt, dass die vierte Frage für viele von euch eine riesige Challenge ist und dass gerne einiges an Büchern untergeht. Das war bei Frauchen mit "Legende" von Ronald M. Schernikau auch der Fall. Das Buch liest sie Schritt für Schritt und seeeehr langsam seit mehr als einem Jahr, weil es auch ein gnaz spezielles Buch ist. Es ist hier einmal bei einer vierten Frage aufgetaucht, aber es ist einfach kein Buch, das man so mal schnell beenden kann, weshalb es hier nicht mehr auftauchen wird (oder evtl. nur noch einmal kurz, wenn es dann beendet ist ;-) ). Die restlichen Aufgaben der vierten Frage hat Frauchen aber allesamt im März und April 2022 abgehakt.

Die Bücher der vierten Frage:
Januar 2022: "Vor Rehen wird gewarnt" - Vicki Baum (gelesen im März 2022) REZENSION
Februar 2022: "Hierzulandee" - Heinrich Böll (gelesen im März 2022), "Poetenleben" - Robert Walser (aussortiert im März 2022), "Der Räuber" - Robert Walser (noch im Regal), Frauchen sollte zwei aus drei Büchern lesen/aussortieren
März 2022: "Alles, was wir geben mussten" - Kazuo Ishiguro, "Die Stunde der Lerche" - Willi Fährmann (abgebrochen im April 2022), eines davon sollte Frauchen lesen/aussortieren

April 2022: Endstation Venedig- Donna Leon

Soooooo, nun sind wir schon sehr gespannt auf eure Bücher, Erfolge, Zahlen und Tabellen und freuen uns bereits riesig auf das Stöbern bei euch. Denkt bitte an den Link im Kommentarfeld, so finden wir euch viel schneller.

Alles Liebe
SuBrina (und Livia)

Rezension: Hagebuttenblut

TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
2. Hagebuttenblut

Beschreibung des Verlages:
Sie ist Stockholms beste Ermittlerin. Doch dieser Fall kann sie alles kosten.
Nie wieder wollte Charlie Lager in ihren Heimatort Gullspång zurückkehren. Doch die brillante Stockholmer Ermittlerin ist gezwungen, diesen Schwur zu brechen, als sie von einem ungelösten Fall Wind bekommt: Vor dreißig Jahren verschwand die sechzehnjährige Francesca aus Gullspång und wurde nie gefunden. Das große verfallene Herrenhaus ihrer Familie steht seitdem leer. Sobald das düstere Gebäude vor Charlie aufragt, spürt sie, dass ihr dieser Fall alles abverlangen wird – denn sie erinnert sich dunkel an diesen Ort. Und Charlie ahnt, dass sie alles zu verlieren hat: Wenn sie die Wahrheit um Francescas Verschwinden ans Licht zerrt, kann sie ihr eigenes Leben für immer zerstören.

Inhalt:
Charlie Lager stösst eher zufällig auf einen ungelösten Vermisstenfall und reist widerwillig und äusserst ruhelos in ihre Heimat Gullspång, um die Ermittlungen neu aufzurollen. Bei der Suche nach Hinweisen zum drei Jahrzehnte zurückliegende Verschwinden der sechzehnjährigen Francesca begegnen ihr einige Geister aus der Vergangenheit und immer mehr Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend werden sehr präsent. Dabei entdeckt sie nicht nur zahlreiche Geheimnisse sondern erfährt auch erschreckende Dinge über ihre Mutter.

Meine Meinung:
Beim Tippen der Rezension habe ich bemerkt, dass dieses Buch heute vor einem Jahr erschienen ist und ich muss ehrlich sagen, dass mir dies kurz Gänsehaut beschert hat. Das passt irgendwie sehr gut zum Buch, denn in "Hagebuttenblut" wird nichts dem Zufall überlassen, die Handlug knüpft nahtlos an "Löwenzahnkind" an, alte Bekannte und viele neue Figuren tauchen auf und Charlie Lager gibt sich auf gefährliche Spurensuche. Nicht nur ihre eigenene Vergangenheit wird immer fassbarer, auch viele weitere Geheimnisse aus und um Gullspång kommen ans Tageslicht.
Am liebsten würde ich sofort noch einmal "Mohnblumentod" lesen und die Geschichte nun mit dem Vorwissen aus den ersten beiden Bänden erleben. Sicher würden dabei noch mehr Dinge über Charlie Lager und ihre Familie klar und ich werde in den nächsten Tagen wohl zumindest noch einmal intensiv im Buch blättern.
Charlie Lager und ihre manchmal schroffe, äusserst intelligente und scharfsinnig kombinierende Art mag ich sehr gerne. Auch die anderen Figuren sind passend und facettenreich beschrieben und so düster es in Gullspång auch ist, so gerne reise ich trotzdem dahin, um einen weiteren grandios konstruierten und bis ins letzte Details stimmigen Fall an Charlie Lagers Seite aufzuklären.

Stimmung und Sprache:
Lina Bengtsdotter erzählt diese ausgeklügelte und tragische Geschichte mit einer Sprache, die vor Dunkelheit nur so trieft. Es scheint nie hell zu werden in Gullspång, die meisten Menschen im kleinen Ort sind sehr arm, die wenigen reichen Menschen sind um so unglücklicher und die Geheimnisse, welche alle mit sich tragen, sind unendlich abgründig. Diese Sprache ist etwas ganz Besonderes, sie kann sehr kalt und abweisend wirken, aber trotzdem blickt Bengtsdotter ihren Figuren stets mitten ins Herz. Sie beschreibt einfühlsam und nachvollziehbar, welche Schicksale die Menschen mit sich tragen und zu dem machen, was sie sind.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine dringende Empfehlung für "Hagebuttenblut" und die ganze Reihe und ausnahmsweise empfehle ich es wirklich sehr, die Bücher chronologisch zu lesen. Bei meinen Recherchen habe ich übrigens nicht ganz abschliessend herausgefunden, ob noch ein weiterer Band folgen wird, oder ob wir es hier mit einer Trilogie zu tun haben. Ich hoffe ja sehr, sehr, sehr auf viele Fortsetzungen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Hagebuttenblut
Originaltitel: Francesca
Autorin: Lina Bengtsdotter wuchs in der schwedischen Kleinstadt Gullspång auf, die sie zum Setting ihrer beliebten Thriller-Serie um die Ermittlerin Charlie Lager machte. Nach dem sensationellen Reihenauftakt »Löwenzahnkind« stürmte auch »Hagebuttenblut« sofort die SPIEGEL-Bestsellerliste. Mit »Mohnblumentod« schreibt sie die einmalige Erfolgsgeschichte fort. Lina Bengtsdotter lebt inzwischen in Stockholm.
Sprache: Deutsch
Aus dem Schwedischen von: Sabine Thiele
Taschenbuch, Broschur: 496 Seiten
Erschienen am: 13 April 2021
ISBN: 978-3-328-10736-1

Rezension: Die Wut, die bleibt

TW: Suizid, sexualisierte und körperliche Gewalt, Essstörung, selbstverletzendes Verhalten

Die Wut, die bleibt - Mareike Fallwickl

Beschreibung des Verlages:

Mareike Fallwickls neuer Roman über die Last, die auf den ­Frauen ­abgeladen wird, und das Aufbegehren: ­radikal, wachrüttelnd, empowernd.
Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit. Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.

Inhalt:
Es wird ihr alles zu viel. Der Mental Load, der scheinbar in einer Parallelwelt lebende Ehemann, die Kinder, welche stets verlangen, rufen, toben, die Pandemie, die Einsamkeit und der Satz "Haben wir kein Salz" am viel zu lauten, viel zu vollen Esstisch. Und Helene steht auf, geht auf den Balkon und springt wortlos in den Tod, verlässt ihre Familie, ihre beiden kleinen Söhne Maxi und Lucius ihre fünfzehnjährige Tochter Lola, ihre beste Freundin Helene.
Und diese Menschen versuchen, weiterzuleben. Sarah übernimmt allzu schnell und allzu leicht Helenes Rolle und merkt erst nach Wochen, was schief läuft, Lola kann vor Verachtung für die Frauen in ihrem Leben nicht mehr essen und schlafen und so sucht jede ihren Weg, mit der Trauer umzugehen oder ihr Ventil, um die Wut zu kanalisieren.

Der Beginn:
Natürlich war es klar, dass ich dieses Buch einfach lesen musste, nachdem mir "Dunkelgrün fast schwarz" so sehr und "Das Licht ist hier viel heller" immer noch sehr gut, wenn auch weniger gut gefallen hat. Angefixt durch die begeisterten Rezensionen, die lobenden Worte, die tiefgründigen, lauten, wütenden, rotzigen, packenden Schnipsel, welche Mareike Fallwickl bei Instagram bereits veröffentlicht hatte, habe ich mir das Buch vorbestellet und hielt es dann wenige Tage nach dem Erscheinungstermin in den Händen. Aber die ersten Seiten haben nicht das geweckt, was ich zu spüren erwartete. Einige schrieben von Tränen, von Schmerz, mir war dieser Anfang zu schlicht und offensichtlich. Bei mir dauerte das ein wenig länger, aber dann wurde ich um so heftiger gepackt.

Die Wut, die bleibt:
Irgendwann kam die Wut. Vielleicht, als Sarah plötzlich beginnt, bei Helene zu putzen, vielleicht, als Helenes Mann Johannes einmal mehr mitten im grössten Chaos das Haus verlässt und sich um nichts kümmert, auch nicht um seine Kinder, vielleicht, als diese kleinen Kinder nicht mehr aufhören, sich gegenseitig zu ärgern, vielleicht, als Lola und ihre beste Freundin erleben müssen, wie ihre Grenzen von Männern nicht respektiert werden.
Was wurde ich - einmal mehr - wütend auf eine ganze Generation von Frauen, welche sich ganz selbstverständlich in den Haushalt hineingefügt, ihrem Mann den Rücken freigehalten, ihre Kinder bespasst und dabei ihre eigenen Ziele und Träume aufgegeben haben. Ohne zu fordern, ohne für sich einzustehen, ohne ihren Kindern gute Vorbilder zu sein, ohne diesen eigentlich genau die Werte mitzugeben, welche sie ihnen mitgeben wollten, weil es schlicht nur zum Überleben gereicht hat. Und was wurde ich wütend auf diese Männer, welche - von ihren Müttern so erzogen (und diese unendliche Wut auf diese Mütter) - nur fordern, nur verlangen, nur Raum einnehmen, nur laut sind, stark, gewalttätig. Die es gewagt haben, unsere Gesellschaft nach ihren Rahmenbedingungen zu formen.

Lola:
Ich denke, dass wir alle uns in unterschiedlichen Figuren in diesem Buch wiedererkennen und ich selbst habe mich Helenes Tochter Lola so unendlich verbunden gefühlt. Habe mich gefragt, wann Sarah sich für ihre "Dienste" endlich bezahlen lässt, endlich einmal aufbegehrt, für sich einsteht, reinen Tisch macht. Habe mich - einmal mehr - gefragt, weshalb Frauen Kinder haben mit Männern, die schon als Partner nichts taugen, nur eine Last sind, zusätzliche Arbeit machen. Und die sich dann irgendwann zwischen vollen Windeln und dem unerledigten Abwasch fragen, wo sie eigentlich falsch abgebogen sind.
Und wisst ihr, was meine Wut noch grösser gemacht hat?
Lola begehrt auf. Sie gewinnt die Kontrolle zurück über ihren Körper, sie nimmt ab, mehr und mehr. Ungesund viel, verletzt sich selber, leidet und entscheidet sich dann, zurückzuschlagen und wieder zuzunehmen und schliesslich auf die Ansprüche an den weiblichen Körper, die Rollenbilder und die Bewertungen zu scheissen. Und dies alles zeigt doch um so deutlicher, wie sehr wir alle in diesem Patriarchat unterdrückt sind, weil es eben genau dann, wenn wir entscheiden, sämtliche Bewertungen, alle diese Verletzungen und Einschränkungen nicht mehr zu akzeptieren, eben doch wieder um genau diese Einschränkungen geht und um die Menschen, welche dafür verantwortlich sind. Lola nimmt also nicht zu, weil sie selber einfach wieder so richtig Lust auf geile Gerichte hat, sie nimmt zu, um der Gesellschaft zu zeigen, dass es in Ordnung ist, zuzunehmen. Sie trainiert nicht, weil sie Freude am Sport gewonnen hat, sondern um ihre Wut und Angst zu kanalisieren und im Notfall zurückschlagen zu können.
Und so sind alle Frauenfiguren in diesem Buch durch eine gemeinsame traurige Wahrheit verbunden. Es ist die selbe traurige Wahrheit, welche uns alle vereint: wir werden oft erst aktiv und laut und wütend, wenn uns bereits etwas angetan worden ist, das unsere Welt erschüttert, unsere Grenzen, Körper und Seelen verletzt hat.

Der Humor:
Überrascht hat mich, wie humorvoll dieses Buch neben aller Ernsthaftigkeit ist. Es ist ein schwarzer aber mitten aus dem Leben gegriffener Humor. Ein Humor, der schallend lachen lässt und dann ein wenig Bitterkeit hinterlässt.
Vor allem diese eine Szene hat mich bestens unterhalten: Sarah betritt Helenes Wohnung und trifft eine laute Diskussion an, ein Kind, das ihr entgegenrennt und dabei einmal der Länge nach hinfällt und ein zweites Kind, das in der auf den Sturz folgenden Stille mitten ins Wohnzimmer kotzt, unmittelbar, bevor der Vater das Haus verlässt, um arbeiten zu gehen. Was habe ich gelacht, kannte ich doch genau solche und ähnliche Szenen von meiner jahrelangen Arbeit als Nanny. Der Unterschied zu einer Mutter oder einer besten Freundin genau dieser kürzlich vom Balkon in den Tod gesprungenen Mutter? Ich bin für meine Arbeit bezahlt worden, wenn auch nicht immer angemessen... (und jetzt seht ihr, wie die Bitterkeit ins Spiel kommt).

Die Sprache:
Ja, die Männerfiguren in diesem Buch sind und bleiben eher blass, unbeholfen und so gar nicht empathisch, ja, die (erwachsenen) Frauen im Roman sind ein wenig gar selber verantwortlich für die scheinbar ausweglose Situation, in die sie sich in ihrer Beziehung manövriert haben, aber dies spielt eine untergeordnete Rolle, vielmehr werden nämlich Lola und ihre Freundinnen ins Zentrum gestellt. Junge Frauen, welche sich nichts vorschreiben lassen wollen, welche zurückschlagen, sich wehren, ihre weiblichen Vorbilder hinterfragen und am Ende zusammenstehen. Und sich - auch wenn sie rational gesehen einen falschen Weg wählen, um ihre Wut auszudrücken - unterstützen anfeuern und damit sich selber und der älteren Generation Steine aus dem Weg räumen. Wortgewaltig reisst Fallwickl Fassaden ein, um Missstände aufzuzeigen und baut Brücken, um Frauen einander die Hand reichen zu lassen.
Wie Sarah immer noch mit ihrer besten Freundin Helene spricht, sich an gemeinsame Erlebnisse erinnert und Kraft aus diesen "Unterhaltungen" zieht, hat mich tief berührt. Die Lücke, welche Helene in Sarahs und Lolas Leben hinterlassen hat, ist permanent spürbar. Dieser Verlust, diese Liebe und dieser Schmerz sowie der Umgang und auch das Hadern mit diesem Verlust sind äusserst realistisch und bewegend beschrieben und in diesen Szenen wird fast schon zart erzählt, während andere Szenen brutal sind, roh, ungezähmt und messerscharf.

Meine Empfehlung:
Lest dieses Buch, sprecht darüber, sprecht über euch und eure Belastungen, sprecht über Ängste, Sorgen, Bedürfnisse, über angemessene Bezahlung und Freizeit und hört endlich auf, alle Probleme dieser Welt alleine lösen zu wollen, weil ihr anderen nicht zugestehen wollt, ihren Teil beitragen zu müssen. Aber noch einmal und vor allem: lest dieses Buch.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Wut, die bleibt
Autorin: Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Autorin und lebt mit ihrer Familie im Salzburger Land. 2018 erschien ihr literarisches Debüt "Dunkelgrün fast schwarz" in der Frankfurter Verlagsanstalt, das für den Österreichischen Buchpreis sowie für das Lieblingsbuch der Unabhängigen nominiert wurde. 2019 folgte der Roman "Das Licht ist hier viel heller", dessen Filmrechte optioniert wurden. Sie setzt sich auf diversen Bühnen sowie Social-Media-Kanälen für Literaturvermittlung ein, mit Fokus auf weiblichen Erzählstimmen.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Rowohlt Buchverlag
Erscheinungstermin: 22.03.2022
ISBN: 978-3-498-00296-1

Lese-Statistik März 2022

Hallo ihr Lieben

Wie war denn euer März so? Ich habe mich leider mit einer Leseflaute herumgeplagt und die Weltlage, welche mich nach wie vor sehr stark beschäftigt aber auch ganz viel (sehr schöne) Arbeit haben mir im März nicht so viele Lesestunden beschert. Ausserdem hat mich meine Lektüre nur langsam vorankommen lassen.

Mein SuB ist weiter geschrumpft, aber ich befürchte einen Anstieg im April. Ich habe mir nämlich ein Buch gekauft, das nächste Woche hier ankommen wird, ein Buch vom Osterhasen gewünscht und zwei Rezensionsexemplare angefragt (mal sehen, ob ich die dann bekommen werde). Ausserdem hat mir die liebe Martina ein Buch gesendet, das wohl bald hier eintreffen wird und eine gute Freundin wird mich nächste Woche besuchen und mir einige Brunetti-Bände mitbringen, die ihre Eltern aussortiert haben... Ihr seht schon... Ich muss im April ganz einfach auch ganz viel lesen, bin aber nach dem eher mässigen März topmotiviert :-)

Und das sind meine gelesenen und rezensierten Bücher im März:

Ein Klassiker, der in der Mitte nicht vom Fleck kommt, aber ansonsten sehr unterhaltsam ist

Ein packendes, poetisches, liebevoll erzähltes Buch, Familienroman, Krimi und Gesellschaftsstudie, LESEN!

Äusserst unterhaltsames Jugendbuch, spannend erzählt, wundervolle Figuren, absolute Leseempfehlung

Alle Rezensionen und Seitenzahlen:
Vor Rehen wird gewarnt - Vicki Baum   (412 Seiten)
Baba Dunjas letzte Liebe - Alina Bronsky   (192 Seiten)
Rory Shy, der schüchterne Detektiv- Oliver Schlick   (320 Seiten)
Hierzulande - Heinrich Böll   (152 Seiten, keine Rezension)


Aussortiert:
Zwei Bücher habe ich angelesen und aussoriert. Das waren "Poetenleben" von Robert Walser und "Ideen" von Peter Watson (das schon lange angelesen hier lag und definitiv nicht beendet wird).


Neu eingezogen im März:
Im März sind ganze vier Bücher bei mir eingezogen. Drei Bücher habe ich mir gekauft. Das waren "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky, "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili (das ich im April beginnen werde) und "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl (das ich heute oder morgen beenden werde). Ausserdem habe ich mir mit meinen Bonuspunkten der Lesejury die Buchprämie "Kalt lächelt die See" von Ellis Corbet gegönnt.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 4
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: 2
Somit in die Leseeule: 6 Franken
Gelesene Seiten: 1076 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 34.71 Seiten
Bücher von Autorinnen: 2
Bücher von Autoren: 2
Gemischte Autorenduos (oder mehr): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: 1
Rezensionsexemplare: -
Gekaufte Bücher: 3
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 98
Aktueller SuB: 96
Differenz: -2

Rezension: Vor Rehen wird gewarnt

Vor Rehen wird gewarnt - Vicki Baum

Beschreibung des Verlages:
„Ich kriege immer, was ich will“ – das ist das Lebensmotto von Ann Ambros. Denn so rehäugig und aufopferungsvoll Ann auch wirken mag, so entschlossen und rücksichtslos macht sie sich die Welt untertan. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, um das schillernde Leben an der Seite eines Geigenvirtuosen zu führen, und hinterlässt von San Francisco bis Wien eine Schneise der Verwüstung. Eine Frau, der man nicht in die Quere kommen will und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann. Ein quirliger, höchst unterhaltsamer Roman von großer psychologischer Tiefe und atmosphärischer Dichte.

Inhalt:
Angelina (Ann) Ambros hat als kleines Kind gelernt, ihre Mitmenschen um den Finger zu wickeln, zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen. Durch ihr unschuldiges und zerbrechliches Aussehen kommt sie immer damit davon, bis sie gemeinsam mit ihrer Stieftochter Joy eine Zugreise antritt, deren unvorhergesehener Ausgang sie ihr Leben als Tochter eines aufopfernden Vaters, als jüngere Schwester der liebevollen Schwester Maud, welcher sie schliesslich den Mann - einen damals berühmten Musikers - ausspannt und als Ehefrau und Mutter Revue passieren lässt.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist mir von der lieben Jamie vom Blog Librovore geschenkt worden und ich habe mich riesig über die schöne Ausgabe aus der Büchergilde gefreut. Jamie hat sich eher schwer getan mit dem Buch und ich konnte dies sehr gut nachvollziehen, hatte ich selber doch in der Mitte auch einen Durchhänger. Der Beginn hat mich nämlich gepackt und obwohl ich ein paar Seiten gebraucht habe, um mich auf die Sprache einzulassen, war ich ziemlich begeistert. Besonders gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin ganz unterschiedliche historische Ereignisse und viele Figuren aber auch einiges an Gesellschaftsstudien und Gesellschaftskritik unterbringt.
In der Mitte war mir die Geschichte dann ein wenig zu langsam und ausschweifend erzählt, aber gegen Ende, als vor allem wieder aus der Perspektive von Angelinas Stieftochter Joy berichtet wird, kommt wieder viel Fahrt auf, was mir sehr gut gefallen hat.

Schreibstil:
Vicki Baum, deren Lebensgeschichte mich tief berührt hat, erzählt in eher gemächlichem Tempo und beleuchtet die mittlere bis höheren Gesellschaftsschichten San Franciscos und Wiens. Ausserdem lässt sie Hinter die Fassaden einer Musikerfamilie und tief in den Musikeralltag der damaligen Zeit blicken (wenn man sich vorstellt, dass eine Stradivari damals um die 5'000 bis vielleicht ca. 30'000 Dollar gekostet hat...), was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Die verschiedenen Figuren werden sehr ausführlich beschrieben und Anns manipulative Art, die ihr viele Vorteile verschafft, aber auch ganze Leben zerstört, während sie sich natürlich nie einer Schuld bewusst ist, sondern stets noch die scheinbar geschädigte mimt, verbindet alle Ereignisse und Personen miteinander.

Meine Empfehlung:
Dem ein wenig trägen Schreibstil zum Trotz habe ich in "Vor Rehen wird gewarnt" eine unterhaltsame und gesellschaftskritische Geschichte entdecken dürfen, die mich auf Vicki Baums weiteres Werk neugierig gemacht hat. Deshalb empfehle ich das Buch den Geduldigen unter euch weiter, es wird sich am Ende lohnen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Vor Rehen wird gewarnt
Originaltitel: Danger from Deer
Autorin: Vicki Baum (1888–1960), geboren in Wien, zählt zu den erfolgreichsten Erzählerinnen der Weimarer Republik. Sie arbeitete als Redakteurin und Autorin in Berlin, wo sie in den Zwanzigerjahren zum Medienstar wurde. In Deutschland wurde Baum von den Nationalsozialisten diskriminiert und ausgebürgert und ihre Bücher verbrannt. 1931 wanderte sie nach Kalifornien aus und lebte dort bis zu ihrem Lebensende.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Carl-Heinz Ostertag
Hardcover, bedrucktes Leinen und Lesebändchen: 412 Seiten
Verlag: Büchergilde mit freundlicher Genehmigung der Arche Literatur Verlag AG
Ersterscheinung: 21.02.2020 (Arche Literatur Verlag AG)
ISBN: 978-3-7632-7216-7

Rezension: Baba Dunjas letzte Liebe

Baba Dunjas letzte Liebe - Alina Bronsky

Beschreibung des Verlages:
Der Bestseller von Alina Bronsky im attraktiven Geschenkbuchformat (9,2 x 14,4 cm), das in jede Hand- und Hosentasche passt.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sie sich mit Gleichgesinnten
ein neues Leben auf. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Voller Poesie, Herz und Witz erzählt Alina Bronsky von einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.

Inhalt:
Baba Dunja lebt im fiktiven, Tschernobyl nachempfundenen Ort Tschernowo, einem Teil der sogenannten Todeszone. Sie ist einige der wenigen Rückkehrer*innen, welche stur und einfach ihr restliches Leben in der verstrahlten Gegend, ihrer Heimat, verbringen. Ohne fliessendes Wasser und mit einer nur teilweise funktionierenden Telefonverbindung leben die bereits alten und kranken Menschen als eingeschworene Gemeinschaft, welche sich vor der Radioktivität in ihrem selbstgezogenen Gemüse und im Brunnenwasser nicht mehr zu fürchten brauchen, zusammen. Alle paar Wochen fährt die längst pensionierte ehemalige Hilfsschwester Baba Dunja, die als eine Art unfreiwillige Dorfvorsteherin fungiert, mit dem Bus in die Stadt, um einige Einkäufe zu tätigen und die Post zu holen. Der beschauliche und stets ein wenig gleichförmige Alltag der nebeneinanderher existierenden aber in ihren Überzeugungen zusammenhaltenden Menschen wird jäh erschüttert, als ein Vater mit seiner jungen und gesunden Tochter in die Gegend ziehen will, was von den Bewohner*innen Tschernowos, die zwar ihre eigenen Krankheiten und ihren eigenen bevorstehenden Tod akzeptiert haben, aber dieses Risiko für ein gesundes Kind nicht zulassen können, mit allen Mitteln verhindert wird. Die Ereignisse überschlagen sich und locken einige dieser von der restlichen Gesellschaft zugleich bewunderten, bemitleideten und gefürchteten Menschen aus ihrer Reserve. Auch todgeweihte Menschen lieben und leben noch, wollen sich Träume erfüllen und ihren Frieden finden.

Meine Meinung:
"Baba Dunjas letzte Liebe" stand schon jahrelang auf meiner Wunschliste. Durch die aktuellen Ereignisse in der Ukraine erschüttert, habe ich mich dazu entschieden, dieses Buch zu kaufen und sofort zu lesen. Die sehr berührende und kurzweilige Lektüre hat mir ganz viele Einblicke in das Leben von Tschernobyl-Rückkehrer*innen beschert, orientiert sich Alina Bronsky doch an historischen Fakten und den realen Geschichten der Menschen, welche sich - des Risikos bewusst, aber ohne etwas zu verlieren zu haben - in ihrer alten Heimat, der heutigen Todeszone um Tschernobyl niedergelassen haben und in fast kompletter Unabhängigkeit und Freiheit ihre restlichen Jahre erleben wollen.

Figuren:
Innerhalb von so wenigen Seiten gelingt es Alina Bronsky, eindrückliche Charakterskizzen der Bewohner*innen von Tschernowo zu erstellen. Da ist Baba Dunja, die bedächtig, überlegt und voller Dankbarkeit für die Schätze, welche ihr Garten und die umliegenden Wälder hergeben, ihren Alltag begeht und voller Sehnsucht zu ihrer Tochter und der Enkelin, welcher sie noch nie begegnet ist, Briefe nach Deutschland schreibt. Sie hinterfragt dabei zwar stets ihre Qualität als Mutter, sendet ihrer Tochter aber im gleichen Atemzug die schönsten, optimistischsten Berichte in die Ferne, damit sich diese auf keinen Fall Sorgen machen muss. Sie ist eine Art Bürgermeisterin wider Willen und kümmert sich nicht nur um die täglichen Sorgen, Nöte und Bedürfnisse ihrer Nachbar*innen, sondern kommuniziert auch permanent mit den Toten, welche die friedliche Umgebung immer noch bewohnen.
Auch Marja, die sich gefühlt nur von den von Baba Dunja gekochten Gerichten und mitgebrachten Medikamenten ernährt und stets ihrem verstorbenen Mann nachtrauert, obwohl er sie geschlagen hat, nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Ihr Hahn und ihre gute Seele lassen sie zuerst ein Festmahl und später einen zweiten Frühling erleben und sie steht für die Hoffnung in einer selbstgewählten, todgeweihten Schicksalsgemeinschaft.
Besonders gut unterhalten haben mich die Szenen, in denen Sidorow, der über das einzige und eigentlich nie funktionierende Telefon verfügt und der krebskranke Petrow, dessen entschlossenes Handlung zum entscheidenden Wendepunkt der Geschichte führt, vorkommen. Das Ehepaar Gavrilow übernimmt die Rolle der neureichen Zugezogenen und Lenotschka die der ewig vor sich hinstrickenden Frau, welche nie Kinder bekommen wollte.

Schreibstil:
Alina Bronsky schafft es, diverse existenzielle Themen und zutiefst menschliche Regungen und Dramen, aber auch ganz viel Humor, Zusammenhalt und wunderschöne Naturschilderungen in diesem so kurzen Büchlein unterzubringen. Die Geschichte scheint langsam und poetisch erzählt und ist dennoch durch die enorme Vielschichtigkeit sehr dicht gewoben, wirkt aber nie überladen, sondern vielmehr sehr schlicht. Ein ganz besonderes Gewicht erhält die nur durch Briefe und Erinnerungen aufrecht erhaltene Beziehung zwischen Baba Dunja und ihrer Tochter Irina sowie Baba Dunjas Enkelin Laura. Diese in ihrer Schönheit und Tragik einzigartige Familienstudie hat mich tief berührt.

Meine Empfehlung:
Voller Begeisterung empfehle ich euch diesen unaufgeregt erzählten Aussteigerroman, der gleichzeitig auch ein Familienroman und eine Art Krimi ist. Die einfühlsamen und warmherzigen Charakterstudien, die am Rande mitschwingende Gesellschaftskritik und die mitten ins Herz treffende und mit dem Leben und Sterben versöhnende Sprache haben mich komplett für sich eingenommen und auf die weiteren Bücher von Alina Bronsky neugierig gemacht.

Zusätzliche Infos:
Titel: Baba Dunjas letzte Liebe
Autorin: Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit den Neunzigerjahren in Deutschland. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller und fürs Kino verfilmt. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. 2019 erschien ihr letzter Roman »Der Zopf meiner Großmutter«, der ebenfalls wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste stand.
Sprache: Deutsch
Hardcover (Geschenkausgabe): 192 Seiten
Erscheinungstermin dieser Ausgabe: 05.03.2020 
ISBN: 978-3-462-05472-9

Mein SuB kommt zu Wort, 20.03.22

"Mein SuB kommt zu Wort"
Eine Gemeinschaftsaktion von Melli und Vanessa

 

Hallo ihr Lieben

Unglaublich aber wahr: mein Frauchen lässt mich schon wieder an die Tastatur und schweigt gleich ganz, schliesslich muss sie sich die Bücher einmal näher ansehen, welche ich ihr für die vierte Frage vorschlage, damit sie nicht wieder keinen meiner Vorschläge liest (ja, richtig gelesen, die drei Bücher der vierten Februarfrage hat sie nicht beendet, aber immerhin ist eines davon begonnen).

Nun aber starten wir und lassen gleich einmal die Zahlen sprechen. Viel Spass beim Lesen und gebt uns ein wenig Zeit für den Gegenbesuch, Frauchen ist immer noch sehr langsam beim Lesen und Besuchen, wir schauen aber auf jeden Fall bei euch vorbei.

1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Bei meiner letzten Teilnahme im Februar 2022 war ich dreistellig und umfasste genau 100 Bücher. Aktuell liegen wir bei 98 Bücher und dies, obwohl mein Frauchen gerade kaum zum Lesen kommt. Aber wenn nur wenige Bücher einziehen, hilft das dem Schrumpfen ja auch schon.

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.01.2022: 101 Bücher
21.02.2022: 100 Bücher
20.03.2022: 98 Bücher

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Bei uns sind seit unserer letzten Begegnung bei dieser Aktion erst zwei Bücher eingezogen und ein weiteres Buch ist unterwegs zu uns. Wenn Frauchen noch ein wenig Gas gibt beim Beenden ihrer aktuell begonnenen Lektüren, dann werde ich bis Ende März sogar noch ein wenig schrumpfen.
Hier eingezogen sind: "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky, das Livia gestern beendet hat und "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili, das Livia im April lesen wird. Da ihr "Das achte Leben (für Brilka)" so gut gefallen hat, erhofft sie sich packende und sehr berührende Lesestunden.

3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt gelesen hat Livia "Baba Dunjas letzte Liebe", das Buch ist allerdigs noch nicht rezensiert. Livia hat es geliebt und empfiehlt es euch sehr herzlich. Die letzte Rezension, welche online gegangen ist, hat mein Frauchen zum Buch "Rory Shy" getippt. Auch dieses Buch hat ihr sehr, sehr gut gefallen und sie kann die Fortsetzungen kaum mehr erwarten. HIER geht es zur Rezension.


4. Liebe:r SuB, der Frühling beginnt, zeig' uns passend dazu Bücher mit Blumen und Pflanzen auf dem Cover oder im Titel. Welche würdest du deiner/m Besitzer:in empfehlen?
Ich habe zwei Bücher aus meinen Regalen ausgewählt, von denen Livia eines lesen soll. Die Februar-Aufgabe (zwei aus drei Büchern) steht ja auch noch an und das hier soll sich schliesslich nicht bis Ende Jahr auftürmen ;-)
"Alles, was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro sowie "Die Stunde der Lerche" von Willi Fährmann sind zwar alles andere als fröhlich im Inhalt, die Cover vermitteln aber viel Frühlingsstimmung und eines davon sollte mein Frauchen bald schaffen.

Somit bleiben aus dem Februar (zwei aus drei soll Frauchen bald lesen):
Hierzulande - Heinrich Böll (begonnen)
Der Räuber - Robert Walser
Poetenleben - Robert Walser

Und aus dem März (eines soll Frauchen lesen):
Alles, was wir geben mussten - Kazuo Ishiguro
Die Stunde der Lerche - Willi Fährmann

Und wie sieht es bei euch aus? Entwickelt ihr euch in eine gute Richtung? Und schaffen eure Besitzer*innen eure Aufgaben?

Wir lesen uns bald
SuBrina

Rezension: Rory Shy, der schüchterne Detektiv

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Oliver Schlick

Reiheninfos:
1. Rory Shy, der schüchterne Detektiv (erschienen im August 2020)
2. Der Fall der roten Libelle (erschienen im Juli 2021)
3. Das Rätsel um Schloss Eichhorn (erschienen im Februar 2022)

Beschreibung des Verlages:
Rory Shy ist ein ungewöhnlicher Detektiv: Es ist ihm unangenehm, Zeugen zu befragen, er ist zu schüchtern, um mit Informanten zu sprechen, und viel zu höflich, um Verdächtige mit Fragen nach einem Alibi zu belästigen. Dafür besitzt er eine hochgeheime eigene Methode, mit der er bislang auch die kniffligsten Rätsel lösen konnte. Bis jetzt: In der Villa einer Millionenerbin ist eine Perle spurlos verschwunden. Und von der Sekretärin bis zum Butler scheint jeder ein Geheimnis zu hüten. An Befragungen führt kein Weg vorbei! Mithilfe der zwölfjährigen Matilda stellt sich Rory dem schwersten Fall seiner Karriere …
Ein außergewöhnlicher Krimi mit einem originellen Detektivduo: der schüchterne Detektiv und seine redefreudige zwölfjährige Assistentin!

Inhalt:
Die zwölfjährige Matilda ist eine aufgeweckte Hobby-Detektivin, welche es liebt, Fälle in ihrer Nachbarschaft zu lösen. Immer an ihrer Seite aber nur mässig hilfreich ist dabei ihr überaus ängstlicher Cockerspaniel Dr. Herkenrath. Ihr grösstes Vorbild ist der berühmte Detektiv Rory Shy, den sie bei einer abendlichen Gassirunde aus einer misslichen Situation befreit. Als Entschädigung für die Rettungsaktion verlangt sie, Rory Shy als Praktikantin zur Seite stehen zu dürfen. Zumindest während der Weihnachtsferien. Innerhalb von wenigen Stunden geraten die beiden mitten in einen komplizierten Fall und die mitteilsame Matilda wird zum grössten Trumpf für den schüchternen Detektiv.

Meine Meinung:
Auf die Reihe aufmerksam geworden bin ich bei Aleshanee vom Blog Weltenwanderer. Ihre begeisterten Rezensionen haben mich dazu bewegt, mir diesen ersten Band der Reihe von meinem Mann zu Weihnachten schenken lassen und ich habe es nicht bereut. Rory Shy und vor allem seine Assistentin Matilda, welche die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und die eigentliche Hauptperson des Krimis ist, habe ich sofort ins Herz geschlossen und die beiden haben mich ein wenig aus meinem turbulenten Alltag entfliehen lassen.
Den Fall um die verschwundene Perle der Millionenerbin Charlotte Strudel habe ich mit grösstem Vergnügen gelesen und besonders gut gefallen haben mir dabei der unkomplizierte Umgang unserer Heldin Matilda mit Rory Shys Schüchternheit und allen anderen Eigenschaften der auftretenden Figuren, aber auch die leicht überzogenen und um so amüsantere Situationskomik. Zur Jahreszeit passend - das Buch spielt mitten in Matildas Weihnachtsferien - sorgen eine riesige aber gemütliche Villa, ein verschneiter Park und eisig kalte Temperaturen für Lesestunden, die man am liebsten schön eingekuschelt mit einem Heissgetränk geniessen möchte, was ich auch im März noch gerne getan habe.

Schreibstil:
Das Buch liest sich äusserst flüssig und ist sehr, sehr unterhaltsam geschrieben. Auf den Vorsatzseiten finden sich Skizzen der vorkommenden Personen und die Kapitelanfänge sowie die einzelnen Seiten sind sehr liebevoll gestaltet. Die Altersempfehlung des Verlages (ab 10 Jahren) empfinde ich als sehr passend und die Erzählsprache ist dem jungen Publikum angemessen. Besonders aufgefallen sind mir die zu den Figuren passenden Namen - so wird Matildas Lieblingscafé beispielsweise von Doro Puderzucker geführt - Details, welche mich immer sehr für sich einnehmen. Ausserdem plappert Matilda in allen Gesprächen so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist (oder spinnt ihre wilden Theorien in ihren Gedanken fort), geht aber mit ihren Mitmenschen trotzdem sehr rücksichtvoll und einfühlsam um, erzählt keine Geheimnisse weiter und und tritt niemandem zu nahe, was ich für ein Kinder- und Jugendbuch als besonders schöne und wichtige Botschaft empfinde.
Der Fall bleibt übrigens bis zum Schluss spannend und mit Matildas Hilfe und Rory Shys ganz besonders geheimen (und schrägen) Fähigkeit, kommen wir diversen Geheimnissen und Verstrickungen auf die Spur, die letztendlich zu einem grossen Ganzen zusammengefügt werden können.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung für dieses spannende und herzerwärmende Jugendbuch, das sich sicher wunderbar im Winter oder zur Weihnachtszeit lesen lässt, aber auch sonst für ganz viele unterhaltsame Lesestunden sorgt.

Zusätzliche Infos:
Titel: Rory Shy, der schüchterne Detektiv
Autor: Oliver Schlick wurde 1964 in Neuwied/Rhein geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er Sozialarbeit an der FH Düsseldorf. Seit mehreren Jahren ist er in der stationären Jugendhilfe und der Flüchtlingsarbeit tätig. Oliver Schlick lebt in Düsseldorf, und wenn er nicht schreibt, verbringt er die Zeit mit dem Sammeln von Schneekugeln und Blechspielzeug sowie dem exzessiven Hören von »The Cure«.
Hardcover: 320 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Ueberreuter
Erschienen: August 2020 (1. Auflage)
ISBN: 978-3-7641-5188-1

Lese-Statistik Februar 2022

Hallo ihr Lieben

Wie geht es euch denn so?
Ich bin ehrlich, für den Februar hatte ich grosse Pläne und wollte mich so richtig intensiv mit meinen Büchern auseinandersetzen aber auch sonst viel erleben. Ihr alle wisst, was der Februar mit sich gebracht hat und viele von uns mussten sich mehr, als ihnen lieb ist, mit einem mittlerweile acht Jahre andauernden Bürgerkrieg befassen, der durch den Angriff der Ukraine durch Putin zu einer noch grösseren Bedrohung Europas geworden ist.

Auch meine Gedanken sind bei den Opfern und den Flüchtenden und es hat sich komisch angefühlt, weiter Rezensionen zu tippen und Kommentare zu lesen. Oder generell zu lesen, Bücher konnten mich in den letzten bald zwei Wochen nämlich nicht packen. Deshalb bin ich vor allem bei Instagram gewohnt aktiv, teile Infos und lasse Betroffene zu Wort kommen, habe meinen Buchcontent aber ziemlich heruntergefahren.
Ausserdem haben der Liebste und ich endlich die mühsamen Diskussionen mit unserer ehemaligen Hausverwaltung (ihr erinnert euch, wir sind im November umgezogen) abgeschlossen und unsere Mietkaution zurückbezahlt bekommen haben. Diese haben wir fast komplett gespendet, was uns das Gefühl gegeben hat, wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten.

So langsam kommt die Lust auf neuen Lesestoff zurück und ich kann das Lesen als Alltagsflucht nutzen, was mir bis vor wenigen Tagen überhaupt nicht gelungen ist. Nun kann ich auch den schon ziemlich lange auf sich aufmerksam machenden Frühling geniessen (seit Februar ist es hier viel zu warm, was leider für trockene Wiesen und Wälder sorgt, aber die Frühblüher seit Wochen spriessen lässt) und vor allem freue ich mich darüber, dass ich meine im November getroffene Entscheidung endlich umgesetzt und eine meiner Musikschulstellen auf das kommende Schuljahr gekündigt habe.
Ja, jetzt ist es raus, hier steht einiges an beruflicher Veränderung an. Nach neun Jahren Arbeit in meinem Heimatort in der Zentralschweiz, bin ich ab August 2022 dann nur noch in meinem Wahlheimatkanton Bern festangestellt. Meine Musikschulstelle in Bern möchte ich deshalb auch vergrössern, weshalb ich fleissig Schüler:innen anwerbe und an jedem Musikschulanlass sehr aktiv bin, damit ich auf mich aufmerksam machen kann. Durch die wegfallende Reisezeit und ein wohl insgesamt auch ein wenig schrumpfendes Pensum, habe ich ab August mehr Zeit für meine musikalischen Projekte, also für die Projektplanung, für Proben und hoffentlich zahlreiche Konzerte. Darauf freue ich mich schon sehr.

Und ja, ein wenig gelesen habe ich im Februar trotzdem. Obwohl die letzte Februarwoche schwierig war und obwohl der Februar leider mit einem absoluten Flop gestartet ist. Jetzt aber spanne ich euch nich mehr länger auf die Folter und zeige euch meine gelesenen Bücher aus dem Monat Februar:

Langatmiger, zu konstruierter "Thriller", der diesen Namen leider nicht verdient und 200 Seiten zu viel hat


Packende, wunderschön und sehr poetisch erzählte und aufrüttelnde Lektüre zum #blackhistorymonth


Ein fast unerträglich aktueller Antikriegsroman, grandios erzählt und ein Klassiker, eine Wucht, ein Muss!


Leichter, ein wenig zu 08/15 erzählter La Palma-Roman, der aber mit traumhaften Beschreibungen entschädigt


Alle Rezensionen auf einen Blick:

Thirteen (Th1rt3en) - Steve Cavanagh   (544 Seiten)
Das Mädchen mit der lauternen Stimme - Abi Daré   (368 Seiten)
Im Westen nichts Neues - Erich Maria Remarque   (336 Seiten)
Sonne über dem Salzgarten - Tabea Bach   (365 Seiten)

Meine Neuzugänge im Februar:


Ich bin schon ziemlich stolz, dass im Februar nur zwei Bücher bei mir eingezogen sind. "Sonne über dem Salzgarten" von Tabea Bach ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Bastei Lübbe, das ich in einer Leserunde der Lesejury lesen durfte.
"Der dunkle Wald" von Cixin Liu habe ich mir von einem guten Freund ausgeliehen. Es ist die Fortsetzung von "Die drei Sonnen" und ich möchte im März/April (wohl eher im April) mit dem Buch beginnen.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 4
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: -
Somit in die Leseeule: 4 Franken
Gelesene Seiten: 1613 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 57.6 Seiten
Bücher von Autorinnen: 2
Bücher von Autoren: 2
Gemischte Autorenduos (oder mehr): 1
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: 1
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 2
SuB am Monatsbeginn: 100
Aktueller SuB: 98 (yeeesss)
Differenz: -2

Und nun freue ich mich auf den Austausch mit euch. Lasst mir gerne den Link zu eurer Lese-Statistik in den Kommentaren und ich schaue auf jeden Fall bei euch vorbei, gebt mir nur ein wenig Zeit, ich muss mich erst wieder ein wenig an das viele Kommentieren gewöhnen ;-)

Passt gut auf euch auf, verbreitet Liebe und Frieden in eurem Umfeld und fühlt euch umarmt
Livia