Rezension: Die hundert Jahre von Lenni und Margot

Dieses Rezensionsexemplar aus dem C.Bertelsmann Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht.


Die hundert Jahre von Lenni und Margot - Marianne Cronin

Beschreibung des Verlages:

Manchmal ist es nicht so wichtig, was du im Leben erreichst, sondern mit wem du es teilst …

Das Leben ist kurz. Niemand weiß das besser als die siebzehnjährige Lenni. Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit, die ihr nicht mehr viel Zeit lässt. Was soll sie mit gleich
altrigen Freunden, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben? Was soll sie anfangen mit der ihr verbleibenden Zeit, wenn sie noch so viele Fragen hat, die das Leben ihr nie beantworten wird?
In einem Malkurs im Krankenhaus trifft sie auf Margot: dreiundachtzig, voller Lebenserfahrung, Witz und Widerspenstigkeit. Margot weiß, wie es ist, im letzten Kapitel des Lebens angekommen zu sein. Als sie entdecken, dass sie zusammen genau einhundert Jahre gelebt haben, fühlt es sich für Lenni an wie ein Weckruf. Sie wollen gemeinsam Bilder malen – für jedes ihrer hundert Jahre eins. Für all die kostbaren Momente, voller Liebe, Lachen und Weinen, voller Erinnerungen, von denen sie sich gegenseitig erzählen. Und auch wenn ihre gemeinsame Geschichte sich dem Ende neigt, spüren sie doch umso mehr, dass im Leben jeder Moment zählt, bis zum letzten Augenblick …

Inhalt:
Lenni ist siebzehn Jahre alt und unheilbar krank. Ihr einziger Freund ist der Klinikpater Arthur, mit dem sie sich über das Leben und Sterben austauscht. In einem Kunstkurs trifft sie unerwartet auf die dreiundachtzigjährige Margot und die beiden unterschiedlichen Frauen beschliessen, ihre gemeinsamen hundert Jahre mit einem Kunstrprojekt zu würdigen im Rahmen dessen sie für jedes dieser hundert Jahre ein Bild malen und sich die dazugehörige Lebensgeschichte erzählen. So reisen wir mit Margot in eine belagerte Stadt im zweiten Weltkrieg, erleben mit Lenni eine glückliche Kindheit und begleiten die beiden Figuren durch zahlreiche Höhen und Tiefen in ihrer Biografie.

Meine Meinung:
"Die hundert Jahre von Lenni und Margot" habe ich schon lange beim Bloggerportal angefragt und mich dann riesig gefreut, dass das Buch nach mehreren Anläufen (es ist wohl auf dem Postweg verloren gegangen, evtl. sogar zweimal) bei mir angekommen ist. Eine wunderschöne Rezension (und einer der Gründe, weshalb ich es kaum mehr erwarten konnte, das Buch endlich lesen zu dürfen) findet ihr bei der lieben Jamie von Librovore.
Mich persönlich hat die Geschichte sofort für sich eingenommen. Marianne Cronin erzählt einfühlsam und liebevoll von zwei todkranken Frauen, die in einem Krankenhaus einen eher eintönigen Alltag erleben, bis sie diesen mit ihren Bildern, ihren Geschichten und vor allem ihrer Freundschaft immer bunter, voller, lebenswerter gestalten dürfen.
Die Ausflüge in Margots Vergangenheit, ein Leben voller Verluste aber auch Begegnungen mit Seelenverwandten und zahlreiche glückliche Momenten, haben mir besonders gut gefallen. Auch sehr für sich eingenommen haben Lennis wenige Erinnerungen an ihre Familie und ihre wunderschönen, zu Herzen gehenden und vor allem auch sehr unterhaltsamen Gespräche mit Pater Arthur. Dieser Diener Gottes erkennt schnell, dass sich Lenni nicht mit Allgemeinplätzen und auch nicht mit gemeinsamen Gebeten oder Bibelmetaphern zufrieden gibt, sondern dass die junge Frau täglich und mit einer enormen Willensstärke die Wahrheit wissen und Antworten auf die schwierigsten, intimsten und gewichtigsten Lebensfragen finden will. So entstehen Gespräche, die provokativ und traurig sind, aber auch immer wieder für hoffnungsvolle Momente sorgen und Lenni aber auch Pater Arthur in ihrer jeweiligen Lebenssituation Halt geben.

Erzählsprache und Aufbau:
Cronin hat sich mit ihrem Erstlingswerk einem sehr schwierigen Thema gewidmet und dies mit sehr viel Feingefühl gemeistert. Ihre Figuren wirken dabei wie mitten aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, trauern, sind wütend, hadern, geniessen und lachen zusammen. In diesem Buch geht es um die Liebe und Freundschaft, um Seelenbekannte, Verluste, das Leben und das Sterben und um alle möglichen, bunten Beziehungen und Lebensentwürfe.
Lenni und Margot erzählen ihre Geschichten jeweils in der Ich-Perspektive und dabei wird es immer wieder sehr emotional. Dabei schafft Cronin es stets, bildhaft zu bleiben, ohne ausschweifend zu werden, ihre Figuren sind nie pathetisch, es bleibt viel Raum für Humor, einige Leerstellen bleiben offen und die Geschichte verströmt Hoffnung und Zuversicht.

"Genau genommen", sagte Pippa und legte endlich den Pinsel ab, "stirbst du nicht".
"Nicht?"
"Nein."
"Kann ich also nach Hause?", fragte ich.
"Was ich meine, ist: Im Moment stirbst du nicht. Jetzt im Moment lebst du."
(S. 56)


Meine Empfehlung:
Für die letzten dreissig Seiten dieses Buches habe ich enorm lange gebraucht, weil meine Tränen die Sicht auf die Buchstaben pausenlos verschleiert haben. Und obwohl dieses Buch unendlich traurig ist, ist es doch so schön und hoffnungsvoll erzählt und zeigt auf, dass es im Leben vor allem darauf ankommt, glückliche, bewegende aber auch traurige Momente zu sammeln und mit lieben Menschen zu teilen. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung für diesen buchigen Schatz.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die hundert Jahre von Lenni und Margot
Originaltitel: The Hundred Years of Lenni and Margot
Autorin: Marianne Cronin wurde 1990 in Warwickshire, England, geboren. Nach ihrem Studium hat sie in Birmingham promoviert und nebenbei an ihrem ersten Roman gearbeitet. Von der ersten Idee bis zum letzten Satz hat sie die Geschichte von Lenni und Margot fast sieben Jahre lang begleitet. Dass der Roman so ein großer Erfolg werden würde, hätte sie niemals zu träumen gewagt: innerhalb weniger Tage wurde das Buch in 25 Länder verkauft und die Filmrechte gingen nach Hollywood. Marianne Cronin schreibt bereits an einem neuen Roman – unter den wachsamen Augen ihrer neuen vierbeinigen Mitbewohnerin, einer kleinen Katze aus der Haustierauffangstation, die es sich gerne unter ihrem Schreibtisch gemütlich macht.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Charlotte Breuer, Norbert Möllemann
Hardcover mit Schutzumschlag: 400 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
Erschienen am:
18. April 2022
ISBN: 978-3-570-10462-0

Rezension: Endstation Venedig

Endstation Venedig - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobilta (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022


Beschreibung des Verlages:

Eine Leiche schwimmt in einem stinkenden Kanal in Venedig. Und zum Himmel stinken auch die Machenschaften, die sich hinter diesem Tod verbergen: Mafia, amerikanisches Militär und geldgierige Geschäftsleute sind gleichermaßen verwickelt. Commissario Brunetti muß sich anstrengen, um nicht selbst im Kanal zu landen. Wer Giftmüll verschwinden lassen kann, für den sind unliebsame Mitwisser kein Problem.

Inhalt:
Noch vor der Morgendämmerung wird Brunetti zur Leiche eines jungen Mannes gerufen. Schnell wird klar, dass dieser dem amerikanischen Militär angehörige Mann in Machenschaften verwickelt war, die weit grösser sind, als der als Raubüberfall getarnte Mord vermuten lässt. Mehrere scheinbar zusammenhangslose Verbrechen und Menschen in wichtigen Positionen, welche im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen, halten Brunetti in Atem.

Meine Meinung:
Erst gerade habe ich mich mit "Venezianisches Finale" nach Venedig gelesen und habe mich nun auch mit "Endstation Venedig" in die charmante Stadt, den kauzigen Brunetti und zahlreiche kulinarische Entdeckungsreisen verliebt. Das Buch war mir trotz anhaltender Spannung insgesamt ein wenig zu langsam erzählt und wirkte ziemlich konstruiert. Vor allem die spezielle Rolle des amerikanischen Militärs und des Militärstützpunkts Vicenza schien das Venedig-Idyll ein wenig zu stören. Das war aber natürlich auch die Absicht der Autorin, schliesslich ist so ein Mord (oder mehrere) kein Spass und es darf auch einmal ungemütlich, gesellschaftskritisch und politisch werden.
Sehr gut gefallen hat mir aber wieder, wie Brunetti mit seinem oberflächlichen und nur an seine wichtigen Beziehungen denkenden Chef Patta umgeht. Leons Schreibstil ist diesbezüglich äusserst humorvoll.

Meine Empfehlung:
Ein wenig langsam erzählt und ein wenig konstruiert wirkt dieses Buch zwar schon und das Venedig-Flair kam für meinen Geschmack fast ein wenig zu kurz. Dafür ist es Donna Leon gelungen, einen Politkrimi auf insgesamt sehr spannende und immer mal wieder humorvolle Art zu erzählen und dabei auch mehr Details aus dem Familienleben der Brunettis einfliessen zu lassen, was mir sehr gefallen hat. Natürlich empfehle ich auch diesen Band und die Reihe sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Endstation Venedig
Originaltitel: Death in a Strange Country
Autorin: Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Monika Elwenspoek
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 31. Oktober 1996
ISBN: 978-3-257-22936-3

Rezension: Die Uhrmacherin, im Sturm der Zeit

Die Uhrmacherin, im Sturm der Zeit - Claudie Dahinden

Beschreibung des Verlages (in meinen Augen äusserst irreführend):

Schweiz, 1873: Neu anfangen – das ist es, was sich die junge, aus gutem Hause stammende Sarah sehnlichst wünscht. Entschlossen nimmt sie kurzerhand eine Stelle als Hauslehrerin an, doch kaum ist sie im aufstrebenden Uhrendorf Grenchen angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Als ein Dienstmädchen zu Tode kommt, weckt der mysteriöse Unfall Sarahs Neugier. Dabei kommt sie Paul, dem ältesten Sohn ihres Dienstherrn, näher und lernt durch ihn die Kunst der Uhrmacherei kennen. Fasziniert von dem filigranen Handwerk, verspürt sie den brennenden Wunsch, Uhrmacherin zu werden. Doch mit ihrem Traum stellt sie sich gegen die Konventionen ihrer Zeit ...

Inhalt:
Nach einem tragischen Schicksalsschlag verlässt Sarah ihr Elternhaus und beginnt in Grenchen ein neues Leben als Hauslehrerin der angesehenen Familie Schneider. Als das Dienstmädchen der Familie Schneider zu Tode kommt, glaubt Sarah nicht an einen Unfall und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Es kommt zu weiteren Todesfällen und Personen in Sarahs nächstem Umfeld geraten unter Verdacht. Ihre Ermittlungen führen sie in ein Bordell in der Region und lassen sowohl einige Vertreter der Oberschicht als auch der regionalen Polizei um ihre Posten zittern.

Titel und Klappentext:

Zuerst möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bei Martina für dieses Buch bedanken. Sie hat es mir ganz überraschend geschenkt und ich habe mich riesig darüber gefreut. Martinas Rezension findet ihr HIER.
Weil ich Martinas Rezension bereits kannte, war mir vor dem Lesen bewusst, dass der Inhalt des Buches nur sehr wenig mit dem Titel und Klappentext zu tun hat. Ich möchte dies aber hier noch einmal erwähnen. Wer sich nämlich vor allem für den Ort Grenchen und das Handwerk der Uhrmacherei interessiert, ist mit diesem Buch nicht richtig beraten. Wer aber einen historischen Krimi mit ein wenig Lokalkolorit lesen möchte, könnte mit diesem Buch sehr glücklich werden.

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Die Orte, in denen die Geschichte spielt sind mir zwar nicht sehr vertraut, aber natürlich kenne ich die Region trotzdem ein wenig. Sarah war mir von der ersten Seite an sehr sympathisch und ich habe mich über ihre neugierige Art gefreut und sie gerne durch die Ermittlungen begleitet. Nach knapp 200 Seiten ist das Buch aber ziemlich zäh geworden. Der eine Polizist rennt eigentlich nur zwischen einem Bordell und den Volksaufständen hin und her und die Ermittlungen gehen nicht mehr voran. Mir ist natürlich bewusst, dass dies in der normalen Ermittlungsarbeit genau so vorkommt, aber das möchte ich in einem Krimi einfach nicht lesen. Der soll gerne spannend sein und mich an die Geschichte fesseln. Ich war also nicht mehr sehr aufmerksam dabei, habe aber trotzdem weitergelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt.
Ich bin mit dem Aufkeimen einer sanften Romanze, sehr unvorhersehbaren Zusammenhängen und einer überraschenden Auflösung belohnt worden.
Neben der Länge hat mich aber die sehr starke Fixierung auf die Religion gestört. Natürlich hat mich die Abspaltung der Christkatholiken von den Katholiken interessiert, das meine ich mit meiner Kritik auch gar nicht, schliesslich sind das sehr wichtige Ereignisse dieser Zeit. Mich haben die permanenten Berufungen der Figuren auf ihre Gebete, ihren Gott, ihre Psalme usw. gestört. Anschliessend an die Lektüre habe ich gelesen, dass die Autorin selber auch sehr religiös ist, deshalb war mir schnell klar, weshalb die Figuren genau so und nicht anders gedacht und gehandelt haben. Religion wird aber im Buch irgendwie nicht als etwas individuelles, grundsätzlich positives, sondern irgendwie aufgesetzt und teilweise einschränkend dargestellt.
Wieder sehr gut gefallen haben mir die ausführlichen Verzeichnisse der historischen und fiktiven Figuren, der historischen Ereignisse, Begriffe des Uhrmacherhandwerks sowie der Glossar. Wer möchte, kann sich hier also durchaus noch mit den historischen und sprachlichen Hintergründe des Buches befassen, was mir persönlich immer sehr gut gefällt.

Meine Empfehlung:
Ich denke, dass dieses Buch mit einem anderen Titel und einem anderen Klappentext als leichter, unterhaltsamer historischer Krimi erscheinen könnte, der zwar noch Luft nach oben hat, aber auch mit einer einnehmenden Protagonistin und gründlicher Recherchearbeit zu überzeugen vermag.
Wer sich für das Uhrmacherhandwerk interessiert, wird vom Buch sicher eher enttäuscht werden und ich bin mir selber nicht sicher, ob ich die weiteren Bände lesen möchte. Ich werde wohl zuerst einmal ein paar Rezensionen abwarten :-) Wer aber gerne historische Krimis liest und dabei auch ein paar Längen verkraften kann, wird dieses Buch mögen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Uhrmacherin, im Sturm der Zeit
Autorin: Claudia Dahinden lebt gemeinsam mit ihrem Mann in der Kleinstadt Grenchen in der Nordwestschweiz, in der sie auch aufgewachsen ist. Sie studierte Zeitgeschichte und arbeitet heute als freischaffende Autorin, Sängerin und Songwriterin. Wenn sie nicht gerade schreibt, singt oder liest, engagiert sie sich in der städtischen Literarischen Gesellschaft und in ihrer Kirche. Ihr erster Roman »Die Uhrmacherin – Im Sturm der Zeit« stand auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Klappenbroschur: 480 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen am: 13. Dezember 2021
ISBN: 978-3-328-10563-3

Lese-Statistik Mai 2022

Hallo ihr Lieben

Der Mai war ein äusserst intensiver Monat und entsprechend wenig Zeit hatte ich für Blogbesuche und Gemeinschaftsaktionen. Immerhin habe ich es ab und zu geschafft, zu einem Buch zu greifen und es freut mich, dass auch bereits alle Bücher aus dem vergangenen Lesemonat rezensiert sind.

Ich habe im Mai vier Konzerte gespielt und eine Trauerfeier umrahmt, vier Schulbesuche gemacht, um mein Instrument und die Musikschule vorzustellen, zwei Probelektionen (darunter für meine Traumstelle) gehalten und beide Stellen leider nicht bekommen, einige Konzertreihen mitgeplant, sieben meiner Schülerinnen erfolgreich durch einen Stufentest gebracht und ein langes Wochenende mit meiner liebsten Freundin und unseren Männern in Würzburg gebracht.
Ausserdem habe ich für meine Projekte und die Musikschulen gerade sehr viel zu organisieren und freue mich zwar auf die Semesterabschlüsse an den Musikschulen sowie auf tolle Konzerte mit den unterschiedlichsten Besetzungen im Juni, bin aber auch froh, wenn es dann im Juli definitiv ruhiger wird und ich sogar einmal zum Aufräumen komme ;-)

Mein Lesemonat war leider auch eher durchwachsen, aber immerhin bin ich froh, dass ich eher viele Seiten gelesen habe und dass mein SuB geschrumpft ist. Aber seht selbst:


Meine gelesenen Bücher im Mai:

Leider nicht ganz überzeugender aber dennoch bewegender Roman über den Tod und das Leben

Nicht an den ersten Teil heranreichende Fortsetzung der Trisolaris-Trilogie, sehr schade

Herausragender, unterhaltsamer zweiter Band der Rory-Shy-Reihe mit toller, mutiger Protagonistin

Leider nicht ganz gelungener Mix aus Familienchronik, Ratgeber und Was-wäre-wenn-Moment

Schöne und unterhaltsame Rückkehr nach Venedig und zu den Anfängen der Brunetti-Reihe

Alle Rezensionen auf einen Blick:

Das unglaubliche Leben des Wallace Price - T. J. Klune   (480 Seiten)
Der dunkle Wald - Cixin Liu   (816 Seiten)
Der Fall der roten Libelle - Oliver Schlick   (352 Seiten)
Denn wir werden Schwestern bleiben - Patricia Küll   (301 Seite)
Venezianisches Finale - Donna Leon   (352 Seiten)

Meine Neuzugänge im Mai:

Im Mai habe ich nur zwei Neuzugänge zu verbuchen und "Denn wir werden Schwestern bleiben" ist ja bereits gelesen und rezensiert.
Es ist aber irgendwie lustig, wie ich zu meinem zweiten Neuzugang gekommen bin. Mitte Mai hatte ich eine der beiden besagten Probelektion für eine Musikschulstelle, die ich wirklich sehr gerne bekommen hätte. Vor dieser Musikschule steht ein offener Bücherschrank (das ist nicht der Grund, weshalb ich die Stelle gerne bekommen hätte, glaube ich... ;-) ) und ich habe mich darin umgesehen und darin tatsächlich ein weihnächtliches Wunschlistenbuch entdeckt. Irgendwie musste ich - vielleicht mit dem Gedanken "Dann habe ich wenigstens ein Buch, falls es mit der Stelle nicht klappt" - einfach zugreifen.
Ich darf also nun "Der Weihnachtswald" von Angelika Schwarzhuber in meinem SuB-Regal willkommen heissen.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 5
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: -
Somit in die Leseeule: 5 Franken
Gelesene Seiten: 2'301 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 74.23 Seiten
Bücher von Autorinnen: 2
Bücher von Autoren: 3
Gemischte Autorenduos (oder mehr): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: 1
Gesamte Neuzugänge: 2
SuB am Monatsbeginn: 100
Aktueller SuB: 97
Differenz: -3

Rezension: Venezianisches Finale

Venezianisches Finale - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobilta (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022


Beschreibung des Verlages:

Skandal in Venedigs Opernhaus ›La Fenice‹: In der Pause vor dem letzten Akt der ›Traviata‹ wird der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer tot aufgefunden. In seiner Garderobe riecht es unverkennbar nach Bittermandel – Zyankali. Ein großer Verlust für die Musikwelt und ein heikler Fall für Commissario Guido Brunetti. Dessen Ermittlungen bringen Dinge an den Tag, wonach einige Leute allen Grund gehabt hätten, den Maestro unter die Erde zu bringen. Der Commissario entdeckt nach und nach einen wahren Teufelskreis aus Ressentiments, Verworfenheit und Rache. Sein Empfinden für Recht und Unrecht wird auf eine harte Probe gestellt. Mit ihrem ersten Kriminalroman zeichnet Donna Leon ein intimes Portrait Venedigs und stellt mit Guido Brunetti einen absolut unwiderstehlichen Detektiv vor.

Inhalt:
Ausgerechnet im Opernhaus La Fenice in Venedig geschieht ein Mord. Das Opfer ist niemand geringeres als Helmut Wellauer, der als einer der letzten grossen Dirigenten seiner Zeit gilt. Alles weist auf einen Giftmord hin und mehrere Menschen sind zwischen dem ersten und zweiten Akt von "La Traviata" bei ihm in der Garderobe gesehen worden. Commissario Guido Brunetti beginnt, den brisanten Fall - Wellauers Nazivergangenheit und seine Frauengeschichten haben ihm einige Feinde beschert - aufzurollen und die Musikszene Venedigs sowie die nur noch an ihren alten Glanz erinnernde Stadt selber bieten eine vor Verstecken und Geheimnissen strotzende Kulisse.

Meine Beziehung zur Brunetti-Reihe:
Sicher habe ich es hier schon einige Male angetönt, aber ich möchte es noch einmal ausführen und werde von da an einfach immer auf diesen Post verweisen :-)
Die Brunetti-Reihe bedeutet mir persönlich sehr viel, weil ich damit einige sehr schöne Erinnerungen verknüpfe. Im Alter von 15 und 16 Jahren habe ich jeweils zwei Wochen lang in meinen Sommerferien bei einer meiner vielen Tanten in ihrem Café gejobbt. Diese Tante ist gelernte Köchin und es war stets ein Traum von ihr, sich mit einem kleinen Café mit ausgewählten Spezialitäten und originalen italienischen Gelati selbstständig zu machen. Ausserdem liebt sie Krimis über alles.
Und da komme ich ins Spiel. Um mein Taschengeld aufzubessern, jobbte ich also bei ihr im Café, servierte, putzte, räumte auf und dies sechs Tage in der Woche, am Samstag jeweils nur bis zum Mittag. Jeden Abend sassen wir lange zusammen, plauderten, assen ihre selbstgekochten Leckereien, schauten TV-Krimis und am Samstagabend gingen wir ins Kino und liessen es dann am Sonntag immer sehr ruhig angehen.
Weil ich noch so jung war, musste/durfte ich am Mittag jeweils ein bis zwei Stunden Pause machen sowie am Abend meistens früher aufhören. In dieser Zeit las ich und schaffte fast täglich einen Brunetti-Krimi, den ich dann jeweils Abends im Bett oder morgens direkt nach dem Aufstehen noch beendete. Meine Tante hat wohl immer noch nicht die ganze Reihe zusammen, aber die ersten paar Bände, die ich auch alle bereits gelesen habe auf jeden Fall (aber das war vor super langer Zeit). Irgendwann habe ich mich entschlossen, die Reihe komplett zu sammeln und noch einmal chronologisch zu lesen, respektive endlich ganz zu lesen.
Fun Fact: Der erste Band ist in Originalsprache 1992 erschienen (mein Jahrgang) und während ich Ende 2022 dreissig werde, wird Donna Leon im September achtzig Jahre alt :-)

Meine Meinung:
Es hat sich wunderbar angefühlt, nach so langer Zeit wieder einmal nach Venedig zu reisen und die Anfänge des Commissario Brunetti mitzuerleben. Aus heutiger Sicht wirken die Figuren zwar teilweise schon ein wenig angestaubt, weil traditionelle Rollenklischees und sehr katholische Werte in gefühlt jeder Familie anzutreffen sind (wobei Brunetti sich zumindest bezüglich Wertvorstellungen sehr offen gibt und ausserdem arbeitet seine Frau als Dozentin).
Und auch die Handlung selber wirkt ein wenig gar um Skandale bemüht, was manchmal an einen sonntäglichen Tatort zur besten Sendezeit erinnert (wobei Brunetti natürlich wesentlich besser und menschenfreundlicher ermittelt als so manches Tatort-Duo).
Sehr viel Venedig-Liebe (insbesondere auch während nebliger Tage) und auch einzelne kulinarische Leckerbissen sorgen aber für viel Charme, Brunetti war und bleibt trotz oder gerade auch wegen seiner manchmal im ersten Moment ein wenig schroff wirkenden Art sympathisch und ich habe es geliebt, wie er seinem faulen, korrupten und ich-bezogenen Chef auf der Nase herumgetanzt ist. Donna Leon beweist diesbezüglich und auch in Hinblick auf die fast schon zum guten Ton gehörenden Bestechungsgelder einiges an Humor und ich freue mich schon sehr auf die Entwicklung des Commissario und seiner Familie in den nächsten dreissig Bänden. Mareike Fallwickl hat mit DIESER REZENSION nämlich ganz viel Vorfreude in mir geweckt.

Meine Empfehlung:
Diese Reihe ist mittlerweile Kult und ich mag Donna Leons Humor und ihre unterschwellig gesellschaftskritische Erzählweise sowie ihren leicht kauzigen Commissario Brunetti einfach gerne. Deshalb gibt es natürlich - ein wenig angestaubter Handlung zum Trotz - eine Empfehlung von mir.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Venezianisches Finale
Originaltitel: Death at La Fenice
Autorin: Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Monika Elwenspoek
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 28. April 1995
ISBN: 978-3-257-22780-2