Rezension: Lempi, das heißt Liebe

 
Lempi, das heißt Liebe - Minna Rytisalo

Beschreibung des Verlages:
Die Geschichte einer großen tragischen Liebe im finnischen Norden – hinreißend erzählt
Der junge Bauernsohn Viljami hat sich in Lempi, die Tochter des Ladenbesitzers aus der kleinen Stadt Rovaniemi in Lappland, verliebt. Hals über Kopf heiraten sie, und Lempi, der das Landleben fremd ist, zieht zu Viljami auf den Hof. Um sie zu entlasten, stellt ihr Mann die Magd Elli ein, die insgeheim selbst gern an seiner Seite wäre. Nach einem einzigen glücklichen Sommer wird Viljami 1943 zum Kriegsdienst eingezogen. Als er zurückkehrt, ist die Stadt zerstört und Lempi verschwunden. Dass sie wie ihre Zwillingsschwester mit einem Offizier nach Deutschland gegangen sei, kann er sich nicht vorstellen. Vielschichtig, emotional und mitreißend erzählt Minna Rytisalo in ihrem Debütroman von der Liebe. 

Inhalt:
Eine zähe Traurigkeit und ein grosser Verlust prägen dieses Buch. Lempi ist verschwunden und abwechslungsweise erzählen ihr Ehemann, der Bauernsohn Viljami, ihre Magd Elli und ihre Zwillingsschwester Sisko von ihren Erinnerungen an Lempi, von gemeinsamen Erlebnissen, Enttäuschungen und Erfahrungen. Drei Stimmen sind es, die aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Viljamis Sicht ist von Liebe und Trauer geprägt, Ellis Abschnitt wird überschattet von ihrer Eifersucht auf Lempi, während Sisko sehr viel aus ihrem eigenen Leben verrät und stets mit Bewunderung und Fürsorge von ihrer Schwester spricht. Was aber klar wird: Lempi fehlt, sie kommt nicht zu Wort, ihre Geschichte zieht sich als einzige grosse Leerstelle durch das Buch und so zeigt sich, wie unterschiedlich Meinungen doch sein können, wie sehr sich Erfahrungen voneinander unterscheiden und dass ein Mensch, der verschwindet, immer eine Lücke hinterlässt, die es aufzufüllen gilt.

Meine Meinung:
Vor den Hintergründen des zweiten Weltkriegs entspinnt sich eine zarte Erzählung, die sich schwer vor Trauer und Sorge dahinschleppt. Gerade, wer sich mit der finnischen Geschichte nicht so gut auskennt, sollte übrigens unbedingt zuerst das Nachwort der Übersetzerin lesen, in der diese hilfreiche Hinweise auf die Verknüpfungen Finnlands mit der Geschichte Deutschlands und der Sowjetunion gibt. Im Roman selber finden sich nämlich zahlreiche Andeutungen und Ereignisse, die sich nach Lektüre des Nachworts auf jeden Fall besser eingliedern und erkennen lassen.
Von der Liebe Viljamis geprägt, erscheint das erste Drittel wie ein einziger grosser Schmerz, eine zerreissende Sehnsucht und Ungewissheit machen sich breit und die melancholische und auch ein wenig vergrämte Grundstimmung des ganzen Buches zeichnet sich schon ganz am Anfang ab. Ich konnte mich herrlich darin suhlen, habe das Leid und die Sehnsucht gespürt und hätte so gerne noch mehr erfahren. Ellis von Hass und Eifersucht geprägter Abschnitt hat mich dann aufgerüttelt und das Bild von Lempi ein wenig getrübt. Wer war sie? Wie war sie? Welche Einschätzungen stimmen nun? Welches Bild dieser auf jeden Fall sehr starken, spannenden und für sich einstehenden Frau kann man nach diesen Worten bilden?
Erst Siskos Abschnitt lässt erkennen, wie die Situation der finnischen Frauen zu Zeiten des zweiten Weltkriegs aussah. Vor welche Entscheidungen sie gestellt wurden, welche Optionen sie hatten, wie mit ihnen verfahren wurde. Einige hatten Glück, Sisko nicht. Und Lempi?

Meine Empfehlung:
"Lempi, das heißt Liebe" musste ich erst einmal sacken lassen. Es ist ein Buch, das scheinbar zart und leicht die grössten Gefühle weckt und keine der im Buch erzählten Geschichten ist schön. Jede Sicht ist tragisch und von einer persönlichen Unzufriedenheit und Trauer geprägt. Alle Personen, die zu Wort kommen, haben offene Rechnungen, ungestillte Sehnsüchte und traumatische Erinnerungen. Und gerade weil die drei Sichten auf Lempi so unterschiedlich sind und weil man dabei auch nebenbei noch so viel über Finnland und den zweiten Weltkrieg erfährt, ist dieses Buch enorm lesenswert. "Lempi", das ist eine poetische Sprache, das sind historische Hintergründe aber vor allem ist es eine Frau, die fehlt und deren Fehlen, respektive deren Verschwinden, eine riesige Lücke hinterlässt, die Raum für Spekulationen und Gelegenheit zur Abrechnung bietet.

Zusätzliche Infos:
Titel: Lempi, das heißt Liebe
Autorin:  Minna Rytisalo, geboren 1974 in Lappland, arbeitet als Finnischlehrerin und schreibt einen literarischen Blog. Lempi, das heißt Liebe ist ihr erster Roman und wurde von finnischen Bloggern als bester Roman 2016 mit dem Blogistania-Finlandia-Preis ausgezeichnet; außerdem erhielt Rytisalo 2017 den Botnia-Literaturpreis. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Finnischen von: Elina Kritzokat  
Fester Einband mit Schutzumschlag: 224 Seiten
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 23.07.2018  
ISBN: 978-3-446-26004-7

Rezension: Das Gewicht eines Pianos

https://www.harpercollins.de/products/das-gewicht-eines-pianos-9783959678582
Für dieses Rezensionsexemplar, das mich via Blogger-Portal von Harper Collins erreicht hat, bedanke ich mich sehr herzlich beim Verlag.

Das Gewicht eines Pianos - Chris Cander

Beschreibung des Verlages:
»Eine Liebeserklärung an die Macht der Musik und an die Macht des Schicksals, spannend und vielschichtig erzählt.« BÜCHERmagazin
Die neunjährige Katya wächst im Russland der 1960er-Jahre in bescheidenen Verhältnissen in einer Stadt nahe Moskau auf. Von einer tiefen Unruhe getrieben, lauscht sie jede Nacht den eindringlichen Klaviersonaten des Mansardenbewohners. Er sei ein Ungeheuer, sagt man, ein geflohener SS-Scherge. Als der Mann stirbt, erbt Katya sein Klavier. Ein Blüthner. Es wird ihre erste große Liebe. Clara ist Automechanikerin in der Nähe von L.A. Ihre Eltern sind bei einem Brand ums Leben gekommen, und ihre wichtigste Erinnerung ist das geerbte Blüthner-Piano.
Clara hasst es, denn sie hat keine Verbindung zur Musik. Aber es ist das Einzige, was ihr von ihrem Vater blieb.
Ein halbes Jahrhundert und zwei Welten trennen diese beiden Frauen, die doch auf tragische Weise so viel mehr verbindet.

Inhalt:
Clara liebt ein Blüthner-Piano, schleppt es bei jedem Umzug mit, behütet es und umsorgt es wie ein Kind. Ihre Liebe ist nicht rational, denn sie selber schafft es nicht, dem Instrument wohlklingende Töne zu entlocken. Es ist aber die einzige fassbare Erinnerung, die ihr von ihrem Vater und von ihrem Elternhaus, das komplett abgebrannt ist, geblieben ist.
Genau so krampfhaft hat sich Jahrzehnte zuvor Katya an das Blüthner geklammert. Im Russland der Sowjetzeit steht das Instrument für eine Erinnerung an ihre Karriere als Musikerin, ihre Liebe zur Musik, an ihre Jugend und Selbstständigkeit. Diese wurde ihr nämlich nicht nur vom System, sondern auch von ihrem dominanten Ehemann genommen. Durch Mutterschaft und fehlende Auftrittsmöglichkeiten an ein tristes Zuhause gefesselt, ist das Blüthner ihre einzige Flucht in eine bunte, hoffnungsvolle Welt voller Musik.


Meine Meinung:
Endlich wieder einmal habe ich ein Buch gelesen, das sich intensiv mit einem Instrument, dem Leben als Musikerin und der Musik beschäftigt und das grandios recherchiert war. Ihr glaubt nicht, wie viel Schund sich in diesem Bereich von namhaften Autoren findet. Aber scheinbar haben viele Autorinnen und Autoren das Gefühl, es sei einfach, über Musik zu schreiben und es sei nicht nötig, sich zu Recherchezwecken mit einer Fachperson zusammenzusetzen, umgibt Musik uns doch irgendwie ständig, also glaubt ja auch jeder, sich irgendwie auszukennen...
Chris Cander aber hat dies getan, gründlich recherchiert und eng mit Musikern und Klavierbauern zusammengearbeitet und herausgekommen ist ein authentisches und stimmiges Werk, das es mit Worten schafft, Bilder und Melodien im Kopf des Lesers zu wecken, die sich tief einzubrennen vermögen. "Das Gewicht eines Pianos" ist eine Mischung aus Familienchronik, Liebesroman, Roadtrip und Selbstfindungsroman. Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und auch wenn Clara als Protagonistin zuweilen ein wenig anstrengend wirkt - was man ihr aber nicht übel nehmen kann, da sie durch einen Armbruch eingeschränkt und durch ihre tragische Familiengeschichte ziemlich bindungsgestört ist - habe ich diese berührende und auch fesselnde Geschichte sehr, sehr gerne gelesen.

Schreibstil:
Dieses Buch beinhaltet viele schriftstellerische Sternstunden. Sätze voller Magie, welche zart und poetisch durch die Geschichte führen. Cander hat eine Leichtigkeit in der Sprache entwickelt, mit der sie mühelos von ziemlich skurrilen Situationen auf der beschwerlichen Reise bis hin zu grausamen Erinnerungen an die Vergangenheit springt und es dabei schafft, jede Situation mit der gebührenden Eindringlichkeit zu schildern.
Und dann, als Clara ihrem Blüthner, das sie einem Fotografen für ein intensives Fotoprojekt vermietet hat, durch Feld und Wiesen folgt, weil sie die Trennung von diesem grossen Fixpunkt in ihrem Leben kaum zu ertragen vermag, zeigt Chris Cander auch ihr humoristisches Geschick, weil sich durch die zuerst unauffällige und dann immer offensichtlichere Verfolgung des Transporters mit dem Klavier einige ziemlich unangenehme und amüsante Situationen ergeben. Es wächst eine Schicksalsgemeinschaft zusammen, die ohne dieses nicht nur physisch, sondern auch vor lauter emotionalem Balast schwere Instrument, gar nicht existieren würde, was der Geschichte einen ganz eigenen Charme verleiht.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist ganz aussergewöhnlich. Es lässt sich weder eindeutig in ein Genre verordnen, noch beinhaltet es ein Thema, das man schon zu Genüge aus anderen Geschichten kennt. Mit einer ganz eigenen Idee und in einer wundervoll zarten und zugleich eindringlichen Sprache erzählt, hat es mein Herz für sich gewonnen und ich empfehle es euch sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Gewicht eines Pianos
Originaltitel: The Weight of a Piano
Autorin: Chris Cander wusste früh im Leben, dass sie Autorin werden wollte. Dem Vorsatz ist sie treu geblieben: Sie hat drei Romane für Erwachsene geschrieben, hochgelobt von den Kritikern, zudem Theaterstücke und Kinderbücher. Außerdem verfasst sie Zeitschriftenartikel über Gesundheit, Lifestyle und Fitness. In ihrer Freizeit engagiert sie sich für Schreib- und Leseförderung, freie Büchereien und ist u.a. Mitglied in der American Society for Journalists, bei PEN und MENSA. Das ehemalige Model ist lizensierte Lehrerin in Selbstverteidigung für Frauen und Meisterin in Tae-Kwon-Do. Chris Cander lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Houston, Texas.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Ursula C. Sturm
Fester Einband mit Schutzumschlag: 367 Seiten
Verlag: Harper Collins 
Erscheinungstag: 01.02.2019 
ISBN: 9783959672801

Rezension: Als wir im Regen tanzten

"Als wir im Regen tanzten" von Michaela Saalfeld ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Bastei Lübbe, das ich in einer Leserunde der Lesejury lesen durfte, vielen Dank.
 
Als wir im Regen tanzten - Michaela Saalfeld
 
Beschreibung des Verlages:
1928. Berlin pulsiert, gilt als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Schauspielerin Recha und der Regisseur Willi zur Nieden sind das Traumpaar der Metropole und ihrer blühenden Filmwelt. Hinter der Fassade bröckelt es jedoch. Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Zustimmung, auch durch die Filme der vom Großindustriellen Hugenberg übernommenen UFA. Als Jüdin ist Recha unmittelbar betroffen. Willi jedoch verschließt die Augen, und das einstige Traumpaar entfremdet sich. Werden die beiden trotz allem neu zueinander finden - oder verlieren sie einander, während die Welt um sie herum ins Wanken gerät?
Liebe und Hoffnung, Mut und Verzweiflung - der große Berlin-Roman zur Weimarer Republik
 
Inhalt:
Recha und Willi, das einstige Traumpaar der Stummfilmgeschichte, gerät in eine berufliche und persönliche Krise. Willis Schwester Felice hingegen steht als Vorzeigemutter und Karrierefrau mit ihrer glücklichen Ehe als Gegenpol da, aber auch in ihrem Leben kommen Steine ins Rollen, die sie vor einige schwere Entscheidungen stellen.
Vor allem die Entwicklung vom Stummfilm zum Tonfilm aber auch die persönlichen Hadereien der Figuren mit ihrem Leben rücken dabei unschön und eindimensional ins Zentrum, während die Verankerung in der Zeit leider absolut zu kurz kommt. Ausserdem ist dieses Buch zwar als Einzelband zu lesen, die Vorgeschichte gibt es aber auch schon als Buch und ist im Erstling der Autorin, der anscheinend viel besser angekommen ist, zu lesen. Weshalb ich es schon bei "Inhalt" erwähne? Weil der Klappentext diesbezüglich leider sehr irreführend ist.
 
Meine Meinung:
In diesem Buch hat mir die Figur der emanzipierten, starken, mutigen und sympathischen Felice sehr gut gefallen. Es war wohl die einzige Figur, die einigermassen ausgearbeitet war und vor allem glaubwürdig wirkte. Auch wenn sie gegen Ende des Buches in eine total schräge "Rettungsaktion" verwickelt war, so hat sie, die gar nicht erst im Klappentext auftaucht und als Nebenfigur gehandelt wird, am meisten Platz im Buch eingenommen und hat im Vergleich zu Recha und Willi ausserdem sehr fassbar gewirkt.
Nach dem grandiosen Einstieg, der mich auch dazu bewogen hat, mich überhaupt für das Buch zu bewerben, wirkte plötzlich alles um hundertachtzig Grad gedreht. Die Entwicklung der Filmindustrie, die im Buch viel Raum einnimmt, kam mir sehr abgehandelt und leider nicht kreativ vor und die vielfach angepreiste Verankerung im Zeitgeschehen, die ja wirklich spannend gewesen wäre und natürlich auch einiges an Zündstoff beinhalten hätte können, fehlt fast komplett. Fast immer ziehen sich lahme Dialoge und sehr sinnlose Diskussionen über viele Seiten hinweg, persönliche Dramen werden aufgebauscht und in die Länge gezogen und wenn denn wirklich einmal etwas passiert, das der Geschichte eine Wendung gibt, wird es in wenigen Sätzen behandelt. Das Buch hat mir schon nach den ersten siebzig Seiten gar keinen Spass mehr gemacht und wäre es kein Leserundenbuch gewesen, hätte ich es sofort abgebrochen. Leider wurden aus diesem eigentlich so spannenden Stoff und der sicher auch guten Grundidee ein unglaubwürdiges, langweiliges Konstrukt geschaffen, das so definitiv keine Lesefreude aufkommen lässt.
 
Schreibstil:
Auch der Schreibstil ist definitiv ein Kapitel für sich. Anfänglich fesselnd, vielversprechend und für sich sprechend, wird da alles immer verschwommener. Mehrere Seiten lang fehlen die Personalpronomen, die Figuren werden zu einem Einheitsbrei verquirlt, der gar keine Identifikation mehr zulässt und sehr viele Handlungsstränge werden angedeutet, verschwinden dann ein wenig aus dem Fokus und werden plötzlich wieder weitergeführt, als hätte die Autorin die Figuren in der Zwischenzeit vergessen und als wären sie ihr dann aus dem Nichts wieder in den Sinn gekommen. Auch wirkt es manchmal so, als hätten ganz verschiedene Personen dieses Buch geschrieben. Die Sprache ist überhaupt nicht wie ein roter Faden, stört den Handlungsaufbau sogar und zieht sich durch nicht zielführendes Geplänkel manchmal wie Kaugummi, obwohl ganz andere Dinge vielleicht hätten vertieft oder besser eingebettet werden sollen. Also auch hier wurde ich leider enttäuscht. 
 
Mein Fazit:
Die ersten Kapitel, die ich schon von der Leseprobe kannte (und aufgrund derer ich mich überhaupt für die Leserunde beworben habe), waren grandios. Dann aber konnten die vielen Schwächen, wie die fehlende Verankerung in der Zeit, die unglaubwürdigen Figuren, die lose gestreiften aber nie verarbeiteten Themen sowie der sprunghafte, scheinbar nicht ausgereifte und alles andere als stringente Schreibstil, mich gar nicht mehr überzeugen. Von mir gibt es definitiv keine Leseempfehlung für dieses Buch. Schade.

Zusätzliche Infos:
Titel: Als wir im Regen tanzten
Autorin: Als Autorin und Historikerin hat sich Michaela Saalfeld ganz der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschrieben. Mit ihrem Roman über die Anfänge der ersten deutschen Demokratie hat sie sich einen lebenslangen Wunsch erfüllt. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinung: 31.07.2019
ISBN: 978-3-404-17843-8

Rezension: tot.

tot. - Stephen King


Reiheninfos:
3. tot.
4. Glas
5. Wolfsmond
6. Susannah
7. Der Turm
8. Wind (zusätzlicher, nachträglich geschriebener Teil, zwischen Band vier und fünf einzuordnen)

Klappentext:
Die sterbende Welt, die Roland auf der Suche nach dem Dunklen Turm durchquert, nimmt immer groteskere Formen und seltsamere Gestalten an. Aggressive Roboter und machanische Tiere stellen sich dem letzten Revolvermann und den auserwählten Drei in den Weg. Am Rande des Wahnsinns träumt Roland von dem Schlüssel, der aus dem Nichts des wüsten Landes auftaucht, um ihm die Geheimnisse des Dunklen Turms zu offenbaren.

Inhalt:
Wir befinden uns mit Susannah, Eddie und Roland in einem Wald. Eine starke Kraft, die von alten Maschinen und mechanischen Figuren und Wächtern ausgeht, bedroht uns und die Suche nach dem Turm scheint langsam aber sicher eine Richtung zu bekommen. Eddies Erinnerungen an Henry sind in Eddies Träumen präsenter denn je und ein Junge, den er noch nicht klar erkennen kann, spricht zu ihm und weist ihm den Weg. Auch der letzte Revolvermann Roland träumt intensiv von Zeichen, Schlüsseln und Balken und fährt bei Tageslicht fort, seine Begleiter in der Kunst der Revolvermänner zu unterrichten. Gleichzeitig scheint aber Roland den Verstand zu verlieren und die drei wissen, dass ihnen wenig Zeit bleibt, um sich einen neuen Gefährten zu suchen, der ihre kleine Gruppe (zumindest vorerst) vervollständigt.

Meine Meinung:
Wie grandios ist bitte diese Reihe... Wie kann es sein, dass Stephen King vor allem für seine Horrorliteratur bekannt ist, wenn eigentlich diese Reihe sein persönlicher Jupiter ist (wie er stets betont) und wenn er vor allem alles an literarischem Können in diese Reihe gepackt hat? Die Reihe um den den letzten Revolvermann Roland, der sich auf die Suche nach dem dunklen Turm macht, ist ein Genremix zwischen Fantasy, Distopie, Horror, Krimi, Western, Romanze und Familiendrama. Sie thematisiert das Ende der Welt, Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Vergebung, die Zeit und die Suche eines jeden Menschen nach dem persönlichen "Turm" in seinem Leben. Ausserdem zeugen nur schon die ersten drei Bände der Reihe davon, dass King sich enorm viele Gedanken gemacht hat und dass der ganzen Reihe ein noch nicht überblickbares, intelligentes und alles umfassendes Gesamtkonzept innewohnt, das sich für uns Leser nur nach und nach entwirrt. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb diese durchaus anspruchsvolle Reihe nicht ganz so viele Leser erreicht, wie sie sollte?  

Schreibstil:
Stephen King schafft es, gewohnt direkt zu schildern und findet für alle seine Figuren eine ganz eigene Sprache. Der eher stille Roland, der aus einer ganz anderen Zeit kommt, als die anderen Figuren, versteht nicht alles und spricht dennoch stets überlegt, benennt die ihm unbekannten Dinge bei einem ganz eigenen Namen und wird nur selten aus der Ruhe gebracht. Eddies Sprache ist oft ein wenig derber, er lässt sich aber auch sehr stark von seinen Emotionen leiten während Susannah in der Regel die Ruhe selbst bleibt und immer wieder für entscheidende Inputs sorgt. Insgesamt wirkt die Erzählsprache ausserdem sehr flüssig und was mir besonders imponiert hat, waren die genauen und sehr aussagekräftigen Beschreibungen der Handlungsorte.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine Empfehlung für die ganze Reihe, weil sie ein enormes, fesselndes Gesamtkonzept ist und ich wünsche mir noch viel, viel mehr Leserinnen und Leser für Rolands Geschichte. 

Zusätzlich Infos:
Titel: tot.
Originaltitel: The Waste Lands - The Dark Tower III
Autor: Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk bekam er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts. 2018 erhielt er den PEN America Literary Service Award für sein Wirken, gegen jedwede Art von Unterdrückung aufzubegehren und die hohen Werte der Humanität zu verteidigen.
Taschenbuch: 768 Seiten (inklusive Einleitung und Vorrede)
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisches Englisch
Übersetzt von: Joachim Körber
Verlag: Heyne
Erschienen: 9. Auflage 2008
ISBN: 978-3-453-87558-6

Lese-Statistik Juli 2019

 
Hallo ihr Lieben

Heute Vormittag statt gestern Abend (Flugverspätung und daraus resultierende ungeplante Übernachtung in Wien inklusive) sind der Liebste und ich von sehr schönen, warmen und von Festen geprägten Ferien zurückgekehrt. Eine Geburtstagsfeier im Piemont und eine Hochzeit - inklusive Familienbesuch - in Bosnien haben uns erfreut und emotional einiges von uns verlangt. Die kleine Schwester des Liebsten hat nämlich geheiratet und so ein Anlass geht natürlich immer direkt auf die Tränendrüsen. Um unsere eigenen Formulare und Dokumente (respektive natürlich die Papiere des Liebsten) haben wir uns ebenfalls kümmern können und freuen uns über sämtliche gedrückten Daumen dafür, dass damit dann alles in Ordnung sein wird, die Dokumente akzeptiert werden und wir bald standesamtlich getraut werden können.

Wie üblich habe ich im Urlaub fast gar nich gelesen, weil Besuche bei der Familie, Ausflüge, das Entdecken von neuen Restaurants und kulturellen Highlights am Reiseort und, und, und mir auch in den letzten Tagen nicht so viel Lesezeit liessen, wie eigentlich geplant, was aber gar nicht schlimm ist, da ich um sehr viele schöne Erfahrungen, Bekanntschaften und Erlebnisse reicher nach Hause gefahren bin.

Anfangs Juli habe ich aber noch ein wenig vorgesorgt und sechs Bücher beenden können. Somit habe ich zum Glück ein wenig dafür gesorgt, dass die vielen Neuzugänge im Juli nicht ganz so sehr ins Gewicht gefallen sind, wie befürchtet und möchte nun keine Zeit mehr verlieren und euch zeigen, welche Bücher mit durch den Juli begleitet haben:

Ein romantisch-verspieltes Buch mit einer leichten und amüsanten Geschichte rund um einen Blumenladen:
https://www.fischerverlage.de/buch/mary_kay_andrews_ein_ja_im_sommer/9783596032334 

Schöner, berührender Abschluss der Reihe, leider nicht ganz vorbehaltlos zu empfehlen:

Kurzweilige, aus dem Leben gegriffene Unterhaltung mit versöhnlichem Ende:

Eine berührende und fesselnde Geschichte über das Altern und die eigene Sterblichkeit:

Das perfekte, poetische und berührende moderne Märchen für regnerische Lesestunden:


Alle Rezensionen im Überblick:
Ein Ja im Sommer - Mary Kay Andrews   (528 Seiten)
Opfer der Telefonitis - Charles Bukowski   (60 Seiten, keine Rezension)
Die kleine Straße der großen Herzen - Manuela Inusa   (320 Seiten)
Seitensprungdiät - Tanja Griesel   (336 Seiten)
Jedermann/Everyman - Philip Roth   (160 Seiten)
Sommer bei Gesomina - Florian Beckerhoff   (256 Seiten)


Und ein wenig Zahlenspielerei:
Gelesene Bücher: 6
Somit in die Leseeule: 6 Franken
Gelesene Seiten: 1660 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 53.55 Seiten
SuB am Monatsbeginn: 136
Aktueller SuB: 143
Differenz: +7

Neuzugänge Juli 2019

Hallo ihr Lieben

Im Juli wurde ich mit tollen Büchern überschwemmt und weil ich ab morgen früh ein paar Tage unterwegs bin, zeige ich euch jetzt schon, was hier alles eingetroffen ist und wie sich dies auf meinen SuB ausgewirkt hat. Wenn ich dann wieder zuhause bin, wird es August sein und alle bis dann eventuell eingetroffenen Bücher werden - for all I know - Augustneuzugänge sein ;-)

Diese Bücher haben mich nun also im Juli 2019 erreicht:

"Die kleine Straße der großen Herzen" von Manuela Inusa war ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Blanvalet hat mich via Bloggerportal erreicht. Ich habe es innerhalb weniger Stunden verschlungen, weil vor allem der Anfang wirklich wundervoll geschrieben war. Leider kann ich das Buch - obwohl es äusserst berührend geschrieben war - nicht ganz vorbehaltlos empfehlen. Warum, das lest ihr in meiner REZENSION.

Tanja Griesel ist mir bei Instagram begegnet, wo sie unter @tanja griesel (maxie) zu finden ist. Ich folge ihr schon länger und habe ihr zum Erscheinen ihres neuen Buches gratuliert, woraufhin sie mir gleich ein Rezensionsexemplar angeboten hat, was ich natürlich nicht ablehnen konnte. Innerhalb von kürzester Zeit habe ich "Seitensprungdiät" gelesen und mich dabei köstlich amüsiert. Hier geht es zur REZENSION

 
Dieses wundervolle Rezensionsexemplar hat mich via Blogger-Portal von Harper Collins erreicht. Es erzählt eine berührende und poetische Geschichte, die mich tief bewegt und zugleich mit zartem Humor bestens unterhalten hat. Meine Rezension findet ihr HIER.

https://www.harpercollins.de/products/das-gewicht-eines-pianos-9783959678582
Ein weiteres Rezensionsexemplar, das mich via Blogger-Portal von Harper Collins erreicht hat ist "Das Gewicht eines Pianos" von Chris Cander. Ich bin schon ganz gespannt auf dieses Buch, in dem die Musik und die Liebe dazu so eine grosse Rolle spielen.

"Als wir im Regen tanzten" von Michaela Saalfeld ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Bastei Lübbe, das ich in einer Leserunde der Lesejury lesen darf. Die ersten Kapitel, die ich schon von der Leseprobe kannte, waren grandios, dann aber zeigte das Buch deutliche Schwächen. Ich habe erst ein Drittel gelesen, kann also noch nicht abschliessend sagen, was ich davon halte. Es bleibt aber sicher spannend.

Ausserdem musste ich diese Bücher aus einem offenen Bücherschrank, der anscheinend stets überquillt, einfach mitnehmen. Drei Tische voller Bücher. Viele davon fast neuwertig... Ein Wunder, dass ich nur diese fünf Bücher mitgenommen habe ;-)

"Über uns der Himmel" von Kristin Harmel stammt aus dem Verlag Blanvalet. Das Cover hat mich einfach überzeugt, mehr gibt es gar nicht zu sagen :-)

Genau so verhält es sich mit "Augustas Garten" von Andrea Heuser erschienen bei Dumont, ein wahrer Hingucker, findet ihr nicht auch?

"Lempi, das heißt Liebe" von Minna Rytisalo ist bei Hanser erschienen und musste aufgrund der vielen guten Rezensionen, die ich bereits gelesen habe, einfach mit.

Was habe ich damals "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson geliebt.... Kein Wunder also, dass das Buch "Die Analphabetin, die rechnen konnte" des gleichen Autors, erschienen bei carl's books, natürlich auch mit.

"Wovon du träumst" von Kira Gembri ist beim Arena-Verlag erschienen und ich freue mich, bald wieder einmal ein Jugendbuch zu lesen, dieses Genre kommt bei mir immer ein wenig zu kurz.

Im Juli habe ich mich ausserdem viel im Brockenhaus (das wäre in etwa ein Trödelladen, aber hier sagt man Brockenhaus und das klingt doch wirklich gut, findet ihr nicht auch?) herumgetrieben. Nicht vorbeigehen konnte ich am "Tagebuch" der Anne Frank, erschienen im S.Fischerverlag. Dieses so wichtige Buch habe ich nämlich zu meiner Schande immer noch nicht gelesen.






Ebenfalls im Brockenhaus habe ich noch "Mein Leben mit Mozart" von Eric-Emmanuel Schmitt in der wunderschönen Ausgabe aus dem Amman-Verlag und "Tiere und Töne" von Donna Leon, erschienen bei Diogenes, erstöbert. Die beiden Bücher sehen aus wie neu, sogar der Schutzumschlag von "Mein Leben mit Mozart" hat keinen einzigen Knick oder Riss.

Diese beiden Bücher habe ich mir ebenfalls für wenig Geld gegönnt und immerhin damit entschuldigen können, dass ich sie sozusagen als "Weiterbildung" ansehen kann :-)





Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 5
Gekaufte Bücher: 3
Eingesammelte Bücher: 5
Gesamte Neuzugänge: 13
SuB am Monatsbeginn: 136
Aktueller SuB: 143

Rezension: Sommer bei Gesomina

 
Dieses wundervolle Rezensionsexemplar hat mich via Blogger-Portal von Harper Collins erreicht.

Sommer bei Gesomina - Florian Beckerhoff

Beschreibung des Verlages:
In der Straße mit dem kleinen Supermarkt von Herrn Dong, dem Frisör Ergün, der fast immer geschlossenen Bar Centrale, der Weinhandlung und dem Geschäft für tasmanische Stiefel geht jeder seiner eigenen Wege. Von der italienischen Nonna Gesomina mit den köstlichsten Gerichten bekocht, verbringt der zwölfjährige Jona hier seine Sommerferien und lernt eine neue, freiere Welt kennen. Bis er von der tragischen Vergangenheit seiner Gastgeberin erfährt, die bis nach Mogadischu führt. Wurde sie dort vor fünfzig Jahren wirklich von ihrem Sohn getrennt? Jona will ihr helfen, ihn wiederzufinden, aber dafür muss er erst die Bewohner der Straße verbinden: Denn eine gemeinsame Hoffnung wirkt stärker als jeder Verlust.

Inhalt:
Es liegt etwas in der Luft und das ist nicht nur der Regen, der seit Tagen fast ununterbrochen fällt. Seit der kleine Jona ferienhalber bei Gesomina wohnt, ziehen in der kleinen, heruntergekommenen Strasse mitten in Berlin nämlich köstliche Düfte auf. Eine ganz besondere Köstlichkeit - Gesominas Quatschlappen - bringt einiges ins Rollen, weil bei deren Verzehr Erinnerungen geweckt werden und bei den Bewohnern der kunterbunten Strasse lange verschollene Wünsche und Sehnsüchte aufkommen. Stück für Stück erzählt Gesomina Jona ihre Lebensgeschichte und als Jona erfährt, dass Gesominas vor Jahren von ihrem Sohn getrennt worden ist, beginnt eine spannende Suche, welche die Bewohner der Strasse in Aufruhr bringt.

Lesegefühl:
Dieses zauberhafte Buch macht nicht nur hungrig, es weckt vor allem auch Sehnsüchte. Einfühlsam und berührend erzählt Gesomina Jona an regnerischen Tagen Geschichten aus ihrem Leben und diese wundervoll erzählten Geschichten haben mich gefesselt und bewegt. Besonders gut gefallen haben mir die liebevoll beschriebenen und auch ein wenig schrulligen Menschen, die in Gesominas Strasse leben und alle einen sehr eigenen Charakter und eine herzerwärmende Geschichte haben.

Schreibstil und Handlungsverlauf:
Es regnet fast durchgehend. Es ist guter, warmer Sommerregen, der zwar auch für eine kleine Überschwemmung sorgt, aber vor allem viele Gelegenheiten für lange Abende mit Tee und Quatschlappen und Gesominas Geschichten bietet. Diese melancholische aber trotzdem positive Grundstimmung hat Florian Beckerhoff mit wenigen Worten skizziert und so die perfekte Grundlage für spannende Veränderungen, Sehnsüchte, Träume und gemeinsame Ausflüge der Figuren geschaffen. So kommt bald Bewegung in die Strasse, eine Aufbruchstimmung zieht ein, neue Hoffnungen werden geschürt und diese zart und poetisch erzählte Geschichte beginnt, ihre Fäden zu spinnen.

Meine Empfehlung:
Ich lege euch dieses humorvolle und bewegende Buch mit dieser wundervollen, melancholischen Grundstimmung sehr ausrücklich ans Herz. Es ist ein liebevoll erzähltes Buch, das man am besten mit einer süssen Köstlichkeit und einer Tasse Tee bei Regen geniessen sollte. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Sommer bei Gesomina
Autor: Florian Beckerhoff, 1976 in Zürich geboren, wuchs in Bonn auf. Er studierte Literaturwissenschaften in Berlin und Paris und promovierte an der Universität Hamburg. Sein erster Roman „Frau Ella“ war ein großer Erfolg und wurde erfolgreich für das deutsche Kino verfilmt. Heute lebt Florian Beckerhoff in Berlin.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 256 Seiten
Verlag: Harper Collins  
Erscheinungstag: 01.03.2019 
ISBN/Artikelnummer: 9783959672450

Rezension: Jedermann/Everyman

Jedermann/Everyman - Philipp Roth

Beschreibung des Verlages:
"Ein erbarmungsloses und gleichwohl bewegendes Buch." (Neue Zürcher Zeitung)
Eine intime und doch universale Geschichte von Verlust, Reue und stoischem Gleichmut. Der Bestsellerautor des Romans „Verschwörung gegen Amerika“ verlagert seine Aufmerksamkeit nun von „der erschütternden Begegnung einer Familie mit der Geschichte“ (The New York Times) zum Kampf eines Mannes gegen die Sterblichkeit.
Roth zeichnet das Schicksal seines Jedermann nach, von der ersten schockierenden Konfrontation mit dem Tod an dem idyllischen Strand seiner Kindheitssommer über die familiären Wirren und die beruflichen Erfolge in seinem Erwachsenenleben bis hin zu der Zeit, als ihm die Hinfälligkeit seiner Altersgenossen und die eigene Gebrechlichkeit zusetzen.
Das Terrain dieses gewaltigen Romans ist der menschliche Körper. Sein Thema ist das, was wir alle erleben und was uns doch so erschreckt.

Inhalt:
Jedermann altert. Sein scheinbar jugendlicher Körper wird plötzlich zur Last, ist krank, benötigt Operationen, Medikamente und stetige Pflege. Nicht nur er selber, auch sein Umfeld scheint vor seinen Augen zu zerfallen und so erinnert er sich zurück an seine drei Ehefrauen, seine Kinder, seine Seitensprünge, seine Eltern, seine Karriere als Juwelier und weitere Momente und Menschen, die sein Leben geprägt haben.

Meine Meinung:
"Jedermann" ist so viel Geschichte auf nur wenigen Seiten, dass diese bewegende Lektüre noch lange nachklingt. Die Flüchtigkeit des Lebens wird mit Sprüngen durch die Zeit, diverse Lebenssituationen und vor allem auch durch eine Achterbahn der Gefühle dargestellt. Immer wieder hat sich die bedrückende Stimmung auf mich übertragen, ich habe mir Gedanken um mich und meine eigene Vergänglichkeit und die scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens gemacht und bin einigen nicht ganz leichten Gedanken zum Trotz versöhnt aus der Umarmung dieses kleines Büchleins entlassen worden. 

Schreibstil:
Was genau Philip Roths Schrsibstil ausmacht, ist schwer in Worte zu fassen. Schon nach wenigen Sätzen hat mich ein beklemmender Sog erfasst, der mich schmerzlich berührend durch diese Erzählung gezwungen und mich stets voller Spannung eine Seite nach der anderen hat umblättern lassen. Schnörkellos und trotzdem ausschweifend beschreibt Roth die Gefühle und Gebrechen seines Protagonisten und stellt dessen zerfallenden Körper ins Zentrum einer Erzählung, die innerhalb nur weniger Seiten ein komplettes Leben beschreibt. 

Meine Empfehlung: 
Diese intensive, berührende aber manchmal auch überraschend ironische Lektüre empfehle ich euch von Herzen weiter. Lasst euch fordern, bewegen und fesseln von diesem kleinen Buch mit grossem Inhalt.

Zusätzliche Infos:
Titel: Jedermann
Originaltitel: Everyman
Autor: Philip Roth war Träger der wichtigsten US-amerikanischen Literaturpreise und hoch geehrt von der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. 1998 erhielt Philip Roth für ‹Amerikanisches Idyll› den Pulitzerpreis. Im gleichen Jahr wurde ihm im Weißen Haus die National Medal of Arts verliehen, und 2001 erhielt er die höchste Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters, die Gold Medal, mit der unter anderem John Dos Passos, William Faulkner und Saul Bellow ausgezeichnet worden sind.
Er hat zweimal den National Book Award und den National Book Critics Circle Award erhalten und dreimal den PEN/Faulkner Award und außerdem den PEN/Nabokov Award und den PEN/Saul Bellow Award. 2011 wurde ihm der Man Booker International Prize verliehen. Der 1933 in Newark, New Jersey, geborene Autor mit europäisch-jüdischem Hintergrund schrieb unermüdlich, schonungslos und in drastischer Sprache über seine Landsleute. Das erste Buch mit Short Storys erschien 1959. Die folgenden Romane und Erzählungen über die jüdische Mittelklasse der Nachkriegszeit, über ihre Beziehungen, Zwänge und Neurosen, lösten oft Skandale aus. Bis 1992 unterrichtete Roth an verschiedenen Universitäten. Liebe, Sexualität und Tod waren bis zuletzt die Themen seines Werks. Philip Roth ist 2018 gestorben.
Aus dem Amerikanischen von: Werner Schmitz
160 Seiten
Verlag: rororo
Erscheinungstermin:  01.03.2008
ISBN: 978-3-499-24594-7

Rezension: Seitensprungdiät

 
Seitensprungdiät - Tanja Griesel

Beschreibung (via):
Ein erfolgreicher Ehemann, zwei zuckersüße Kinder und ein Eigenheim im Grünen – doch eine junge, hübsche und vor allem gertenschlanke Kollegin schlägt Romys heile Welt in Scherben. Sofort ist ihr klar: Die Babypfunde müssen von den Hüften verschwinden. Und verbrennt die schönste Nebensache der Welt nicht jede Menge Kalorien? Romy lässt sich von der Affäre ihres Mannes nicht ins Bockshorn jagen und will sich ihr eigenes Leben zurückholen. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, stürzt sie sich in ihre eigens erfundene „Seitensprungdiät“ – soweit zumindest der Plan. Romy entdeckt witzige, romantische und skurrile Menschen – und am Ende sich selbst.

Meine Meinung: 
Tanja Griesel ist mir bei Instagram begegnet, wo sie unter @tanja griesel (maxie) zu finden ist. Ich folge ihr schon länger und habe ihr zum Erscheinen ihres neuen Buches gratuliert, woraufhin sie mir gleich ein Rezensionsexemplar angeboten hat, was ich natürlich nicht ablehnen konnte. Innerhalb von kürzester Zeit habe ich "Seitensprungdiät" gelesen und mich dabei köstlich amüsiert. Insgesamt dauerte es mir zwar ein wenig zu lange, bis die Geschichte in Gang kam und Romy und ihre ganz neue Lebensweise ins Zentrum gerückt wurde, aber ansonsten empfand ich die Handlung als sehr aus dem Leben gegriffen, realistisch und vor allem kreativ.
Ebenfalls gut gefallen hat mir das Ende, das nicht ein Happy-End nach Schema F, sondern eine realistische und sicher für alle Protagonisten zufriedenstellende Lösung bietet.

Handlung und Schreibstil:
Als Romy von der Affäre ihres Mannes erfährt, zerbricht ihre Welt und sie verliert kurzfristig den Boden unter den Füssen. Hat sie als Mutter und Ehefrau an Attraktivität, Gewebespannung, Experimentierfreude und Spontaneität verloren? Vielleicht ein wenig. Dafür hat sie zwei wundervolle Kinder geboren, ihrem Mann den Rücken freigehalten und den Haushalt sowie einen Nebenjob unter einen Hut gebracht. Als "Dank" hat ihr Ehemann sie durch eine junge, sexy Arbeitskollegin ersetzt und bei Romy nach dem ersten Schock nicht für Verzweiflung gesorgt, sondern Romys Kampfgeist geweckt. Mit Hilfe ihrer besten Freundin und einigen zweifelhaften Datingangeboten stürzt sie sich ins Leben und will herausfinden, was sie wirklich braucht und ob es vielleicht doch noch eine Chance für ihre Beziehung gibt.
Ja, dieses Buch spielt mit Stereotypen und ja, manchmal hätte ich es schön gefunden, wenn die Figuren ein wenig detaillierter ausgearbeitet gewesen wären. Ansonsten hat mir der Stil sehr gut gefallen, der kurzweilig und mit viel Humor eine Geschichte erzählt, die sich so oder ähnlich schon hundertfach ereignet haben könnte und die auch nicht einen Schuldigen präsentiert, sondern vielmehr beschreibt, wie es dazu kommen kann, dass man sich in einer Beziehung auseinanderlebt und welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, nach Lösungen zu finden.

Meine Empfehlung:
"Seitensprungdiät" ist eine erfrischende, kurzweilige und aus dem Leben gegriffene Lektüre, die für ein paar leichte Lesestunden am Strand oder auf dem Balkon sorgt. Wer auf der Suche nach einem Buch mit Witz und Charme ist, ist mit "Seitensprungdiät" bestens beraten.

Zusätzliche Infos:
Titel: Seitensprungdiät
Autorin: Tanja Griesel lebt, schreibt und liebt in Berlin. Schreiben ist ihre Leidenschaft - und sie macht erst eine Pause, wenn der Familienhund Boomer ihr seine gelockte Pfote aufs Knie legt und sie zum Gassigehen auffordert. Ihre beiden humorvollen Kriminalgeschichten um die exzentrische Köchin Maxie Kaiser sind im Dotbooks-Verlag erschienen.
Tanja Griesel schreibt Stories, Buchrezensionen und seit neuestem auch Beziehungsgeschichten. Mehr von ihr ist in Arbeit... oder einfach auf lettergirl.blog.de vorbeischauen!
Taschenbuch: 336 Seiten (ich habe das Buch als PDF gelesen)
Sprache: Deutsch
Verlag: Independently published
Erschienen: 1. Juli 2019 
ISBN-13: 978-1077360815

Rezension: Die kleine Straße der großen Herzen

 
Dieses Rezensionsexemplar aus dem Verlag Blanvalet hat mich via Bloggerportal erreicht. 

Reiheninfos, Valerie Lane-Reihe:
6. Die kleine Straße der großen Herzen - Manuela Inusa 

Die kleine Straße der großen Herzen - Manuela Inusa  (VORSICHT SPOILER, 6. Band der Reihe)

Beschreibung des Verlages:
Wiedersehen in der Valerie Lane, der romantischsten Straße der Welt!
In den letzten drei Jahren ist viel passiert in der Valerie Lane. Die kleine Tochter von Laurie, der Besitzerin des Teeladens, hat ein Geschwisterchen bekommen, Chocolatière Keira hat sich getraut, und Orchid ist ihrer großen Liebe gefolgt. Doch auch wenn nicht mehr alle beisammen sind und sich vieles verändert hat, herrscht doch Zufriedenheit in der kleinen Straße im Herzen Oxfords, denn nach wie vor halten alle zusammen und versuchen, Gutes zu tun. Doch dann passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hätte, und die Frauen der Valerie Lane erfüllen einer lieben alten Freundin einen großen Wunsch …

Inhalt:
Ein paar Jahre sind vergangen und nach wie vor ist die Valerie Lane eine Strasse, in der Wünsche wahr werden, die schönsten Geschenke und zartesten Pralinen gekauft werden können und in der ganz viele starke und herzensgute Ladenbesitzerinnen eine grosse Gemeinschaft bilden. Nach einem tragischen Ereignis muss jede Protagonistin sich mit ihrer eigenen Lebenssituation auseinandersetzen und in die Valerie Lane zurückkehren, in der es eine grosse, festliche Feier vorzubereiten und Klarheit in einige Beziehungen zu bringen gilt.

Meine Meinung:
Auf diesen letzten Band der Reihe war ich schon sehr gespannt, weil ich bereits einen Verdacht hatte, welches Ereignis die Valerie Lane in Aufruhr bringen würde und leider wurde ich nicht überrascht. Was mir aber sehr gut gefallen hat, waren die ersten Kapitel, in denen alle Protagonistinnen in ihrer aktuellen Lebenssituation gezeigt werden und in denen dann beschrieben wird, wie genau die Ladenbesitzerinnen auf die Neuigkeit reagieren und welche Konsequenzen diese Veränderung für ihr Leben haben wird. Da kann ich auf jeden Fall einmal verraten, dass es sehr, sehr, sehr emotional wird und Manuela Inusa ihr ganzes schriftstellerisches Potezial ausschöpfen kann (genau so wie bei der Beschreibung der Festlichkeiten) und ich sehr viele Tränen vergossen habe.
Wie sich alles entwickelt und auflöst - obwohl es auf die Figuren bezogen eigentlich keine Entwicklung gibt, sondern nur von den verschiedenen Ereignissen her - war dann äusserst romantisch und liebevoll gestaltet, Friede kehrt ein in die Valerie Lane und der herzliche und fürsorgliche Umgang miteinander, die ganze Freundschaft, Zuneigung und das Miteinander nehmen einen grossen Platz ein und ist meiner Meinung nach total schön gestaltet.

Was mir nicht ganz so gut gefallen hat:
Wie bereits angetönt, findet nicht mehr sehr viel Entwicklung statt, die Protagonistinnen haben ihren Platz im Leben gefunden, was ja schön ist, aber leider dann insgesamt ein wenig zu sehr scheint, als würde sich gar nichts mehr ereignen. Auch wird permanent beschrieben, wer jetzt welchen Tee trinkt, welchen Schal strickt und welches Plätzchen nascht, um auch ja immer die Figuren den Läden zuzuordnen (als könnte Laurie beispielsweise nicht ein einziges Mal in ihrem Leben auch einen Schal stricken, einen Keks backen oder einen Kaffee trinken, weil ihr ja schliesslich der Teeladen gehört), was ein wenig repetitiv wirkt, aber eigentlich nicht gross stört.
Lediglich das leide Thema, das mich schon im Band um das Wollparadies gestört hat, kommt wieder zum Tragen: nur Frauen, welche Kinder gebären (und wollen) und natürlich auch einen Partner an ihrer Seite haben, sind vollwertige Frauen. Wenn dann der richtige Partner da ist, stellt sich der Kinderwunsch dann schon ein und wer keine Kinder bekommen kann, ist halt schon sehr zu bemitleiden. Und Männer weinen übrigens auch nicht, wusstet ihr das schon? Genau so wenig, wie sie im Teenageralter Geschenke für ihre Freundinnen kaufen, weil pink halt nur den Frauen vorbeghalten ist...ätzend.

Mein Fazit:
Manuela Inusa kann zeigen, was sie ausmacht, wie liebevoll und berührend sie schreiben kann. Wer auf der Suche nach Happy Ends und einem in sich stimmigen Abschluss dieser Reihe ist (respektive generell eine sehr kitschige Reihe sucht, die für ganz viele Wohlfühlmomente sorgt), ist mit diesem Buch gut beraten. Ich finde es allerdings wichtig, dass man die doch sehr stereotypen Figuren, die man natürlich in jedem Liebesroman finden kann, die hier aber nicht harmlos klischeehaft, sondern effektiv frauenfeindlich sind, kritisch betrachtet. Schade, dass dies auch im Abschlussband der Reihe so präsent ist, weil eben die ersten hundert/hundertfünfzig Seiten wirklich sehr gelungen sind und das schriftstellerische Potenzial der Autorin zeigen. Ihr seht, das Buch, das mich eigentlich anfangs so begeistert hatte, lässt mich leider mit sehr gemischten Gefühlen zurück und ich kann es deshalb nicht vorbehaltlos empfehlen.

Zusätzliche Infos: 
Titel: Die kleine Straße der großen Herzen
Autorin: Manuela Inusa wurde 1981 in Hamburg geboren und wollte schon als Kind Autorin werden. Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag sagte die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin sich: »Jetzt oder nie«! Nach einigen Erfolgen im Selfpublishing erscheinen ihre aktuellen Romane bei Blanvalet und verzaubern ihre Leser. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in einem idyllischen Haus auf dem Land. In ihrer Freizeit liest sie am liebsten Thriller und reist gerne, vorzugsweise nach England und in die USA. Sie hat eine Vorliebe für englische Popmusik, Crime-Serien, Duftkerzen und Tee.
Taschenbuch: 320 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Blanvalet
Erschienen am: 18. Juni 2019
ISBN: 978-3-7341-0724-5

Rezension: Ein Ja im Sommer

https://www.fischerverlage.de/buch/mary_kay_andrews_ein_ja_im_sommer/9783596032334
Ein Ja im Sommer - Mary Kay Andrews:

Beschreibung des Verlages:
Cara versucht Fuß auf dem Heiratsmarkt zu fassen. Natürlich nur beruflich. Als Floristin entwirft sie romantische Blumenarrangements für den großen Tag. Privat glaubt Cara schon lange nicht mehr an die Liebe, und mit ihrem Ehemann ist es aus. In ihrem Leben läuft es wirklich alles andere als rund: Ihr Assistent will lieber für die Konkurrenz arbeiten, ihr strenger Vater fordert sein Geld zurück, und ein Hundedieb hat es auf ihren Vierbeiner abgesehen. Warum nur sieht der Kerl so unverschämt gut aus?
Sommerflair, Blumen und viele Hochzeiten – zurücklehnen und einfach genießen.

Handlung:
Nach einer unschönen Scheidung hat sich Cara mutig selbstständig gemacht und lebt seither den Traum eines eigenen Blumengeschäfts und kann sogar einen Mitarbeiter beschäftigen. Gemeinsam mit ihrem Hund Poppy bewohnt sie die Wohnung oberhalb ihres Ladens und muss leider mitansehen, wie ihr finanziell die Felle davonschwimmen. Zwar sind einige grosse Aufträge zu erledigen - die ganze High-Society der Region scheint heiraten zu wollen - aber auch unvorhergesehene Kosten türmen sich auf und an ihr eigenes Liebesleben will Cara gar nicht denken. Inmitten von hysterischen Müttern, zahlenden Vätern, davonstürmenden Bräuten, starker Konkurrenz und welkenden Blumen kommt ihr auch noch ihr Hund abhanden und es tun sich plötzlich Möglichkeiten auf, die Cara sich nicht einmal im Traum ausmalen wollte. 

Meine Meinung:
Dieses Buch verspricht "Sommerflair, Blumen und viele Hochzeiten" und bietet genau das. Besonders schön habe ich dabei gefunden, dass äusserst detailliert über die Blumengestecke und -arrangements, die einzelnen Blüten und das dekorative Grün geschrieben wird, träume ich doch auch manchmal von einer kleinen nebenberuflichen Floristenkarriere und wer Blumen und die Beschreibungen wundervoller Dekorationen, Gärten und Brautsträussen mag, ist mit diesem Buch schon einmal sehr gut beraten. Ausserdem wird sehr viel geheiratet, was fast ein wenig aufgesetzt wirkt, aber sind wir ehrlich: wer dieses Buch lesen will, muss Hochzeiten einfach mögen und ausserdem kennen wir es alle aus unserem Bekanntenkreis, dass plötzlich scheinbar alle gleichzeitig heiraten. Was dann aber für mich als Braut, die ihre Hochzeit(en) selber plant, organisiert und bezahlt, doch ein wenig befremdlich wirkte, waren die vielen Bräute, die von ihren Eltern (meistens Väter) eine enorme Hochzeit bezahlt bekamen und dann aber auch spuren mussten und kaum mehr Einfluss auf die Planung nehmen konnten. Das ist vielleicht in gehobeneren Kreisen in den USA so üblich, persönlich kenne ich das aber natürlich nicht und es hat mich auch ein wenig geärgert, dass Low-Budget-Feiern gar nicht gross dargestellt, respektive von Cara mit ihrem Geschäft "Bloom" kaum unterstützt werden konnten. Ansonsten hat mir diese leichte und sehr unterhaltsame Sommerlektüre sehr gut gefallen und mir ein paar anstrengende Arbeitstage versüsst.
Trotz vielen unterhaltsamen und manchmal auch ein wenig skurrilen Figuren und Situationen schafft es die Autorin übrigens auch, die persönliche Not der Protagonistin sehr fassbar zu machen und die finanzielle Situation von "Bloom" zwar nicht zu dramatisch darzustellen, aber durchaus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, was dann beim Lesen auch für ein wenig Spannung sorgt und von der Protagonistin einiges mehr an Emotionen, Organisation und Durchhaltevermögen abverlangt, was mir persönlich immer sehr gut gefällt und mir die bewundernswert disziplinierte Cara noch näher gebracht hat.

Meine Empfehlung:
Mary Kay Andrews kann nicht nur zauberhafte Weihnachtsromane mit viel Herz, Kitsch, Wärme und wundervoll beschriebenen Dekoelementen schreiben, ihr Sommerroman "Ein Ja im Sommer" ist ein Fest für alle Sinne, unterhält bestens und sorgt mit den leicht überspitzten - und zugegebenermassen auch ein wenig stereotypen - Figuren für ein amüsantes Lesevergnügen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ein Ja im Sommer
Origialtitel: Save the Date
Autorin: Mary Kay Andrews wuchs in Florida, USA, auf und lebt mit ihrer Familie in Atlanta. Im Sommer zieht es sie zu ihrem liebevoll restaurierten Ferienhaus auf Tybee Island, einer wunderschönen Insel vor der Küste Georgias. Seit ihrem Bestseller ›Die Sommerfrauen‹ gilt sie als Garantin für die perfekte Urlaubslektüre.
Sprache: Deutsch
Übersetzt aus dem Amerikanischen von: Andrea Fischer
Taschenbuch: 528 Seiten
Erscheinungsjahr: 2015 (deutsche Ausgabe)
ISBN: 978-3-596-03233-4

Lese-Statistik Juni 2019

Guten Morgen ihr Lieben :-D


Ein bombastischer Lesemonat liegt hinter mir:
Gestern ist mein bisher erfolgreichster Lesemonat seit sehr, sehr, sehr langer Zeit zu Ende gegangen. Nicht nur habe ich weit mehr abwechslungsreiche, spannende, romantische, mitreissende und lehrreiche Bücher gelesen, als in den Monaten davor, ich habe auch mehr Seiten gelesen als in jedem einzelnen Monat in den letzten Jahren. Ähnlich viele Seiten waren es nur im Mai 2018 (3080 Seiten) in dem ich mich kurz vor meiner grossen Abschlussprüfung befand und mich viel ablenken musste und dann ganz lange vorher einmal, nämlich im Februar 2014!! (3152 Seiten). Spannend ist auch, dass ich in den Jahren 2013 und 2012 (und auch davor, aber da habe ich noch nicht alle Zahlen erfasst) 3000-4000 Seiten pro Monat las, was immer etwas 8-12 Büchern entsprach.
Nun endlich habe ich es wieder geschafft, besser auf mich aufzupassen, mich besser einzuteilen, effizienter zu sein und nicht nur im Zug, sondern auch sonst im Alltag wieder ein paar Seiten mehr zu lesen. Und: die Schlaflosigkeit in den besonders schwülen Nächten hat natürlich auch geholfen ;-)


Meine gelesenen Bücher im Juni (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite)


Ein kurzweiliges und sehr selbstironisches Buch über eine um Worte ringende Autorin:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/jessica-durlacher/schriftsteller--9783257237849.html

Eine romantische Geschichte, das malerische Städchen Mojácar und eine Reise in die Vergangenheit:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Hibiskusbluetenmeer/Isabelle-Broom/Diana/e543628.rhd

Ein Briefroman, der viele Facetten der Liebe beleuchtet, aber auch ein wenig oberflächlich bleibt:
https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/frauenromane/zeilen-ans-meer/id_6964133

Eine humorvolle, berührende Geschichte um eine Frau, die einen Neuanfang mit ihrer eigenen Bäckerei führt:
https://www.piper.de/buecher/die-kleine-baeckerei-am-strandweg-isbn-978-3-8333-1053-9

Der Creeper und die Grundidee haben es in sich, leider hat mich das Buch nicht ganz gepackt:

Eine amüsante Inselgeschichte fürs Herz, Familie, Freundschaft, Liebe und ganz viel Wohlfühlfaktor:

Ein nachdenklich stimmendes Buch, das uns alle betrifft und dennoch für ein wenig Hoffnung sorgt:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Geschichte-der-Bienen/Maja-Lunde/btb-Taschenbuch/e543271.rhd

Ein Klassiker, bei dem sich das Durchhalten definitiv lohnt:
https://www.diogenes.ch/leser/titel/jane-austen/emma-9783257608540.html

fguzgiulo
https://www.piper.de/buecher/fluchtstuecke-isbn-978-3-8333-0042-4

Und hier noch alle Rezensionen in der Übersicht:

Alle Zahlen auf einen Blick:
Gelesene Bücher: 9
Somit in die Leseeule:  Franken
Gelesene Seiten: 3712 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 123,73 Seiten
SuB am Monatsbeginn: 140
Aktueller SuB: 136
Differenz: - 4

Rezension: Fluchtstücke

https://www.piper.de/buecher/fluchtstuecke-isbn-978-3-8333-0042-4 
Fluchtstücke - Anne Michaels

Beschreibung des Verlages:
Anne Michaels ist Dichterin. Sie hat als solche zu veröffentlichen begonnen und für ihre 1986 und 1991 erschienenen Gedichtbände «The Weight of Oranges» und «Miner's Pond» Auszeichnungen erhalten. Auch ihr erster Roman mit dem deutschen Titel «Fluchtstücke» enthält Sätze von atemberaubender lyrischer Dichte: Knappheit und Härte der Anfangsseiten ihres Romans üben beim Lesen einen Sog aus, dem man sich nicht entziehen kann: So grauenerregend die Geschichte einsetzt, man will weiterlesen, mehr über das Schicksal des Protagonisten erfahren. Der siebenjährige Jakob Beer wird Zeuge, wie im Zweiten Weltkrieg Deutsche seine Eltern, polnische Juden, erschlagen und seine ältere Schwester verschleppen. Er flieht und versteckt sich auf dem Gelände einer archäologischen Grabungsstätte. Dort wird er nach Tagen von einem griechischen Forscher gefunden und gerettet. In der Obhut dieses Mannes verbringt er seine Kindheit und Jugend auf einer griechischen Insel, später wandert er mit ihm nach Toronto aus. Jakob wird Autor, wird Dichter und versucht seine Erfahrungen auf diesem Wege zu verarbeiten. Die schrecklichen Bilder seiner Kindheit lassen ihn lange nicht los. Eine erste Ehe scheitert daran, und erst als reifer Mann findet er in der Beziehung zu einer jungen Frau zu einer Art innerer Ruhe.

Inhalt:
Was genau stellt dieses Buch dar? Wie es der Titel vielleicht schon zu umschreiben versucht, handelt es sich bei "Fluchtstücke" um eine Sammlung loser Enden, die zu einer ganzen Geschichte zusammengefügt werden. Flüchtige Gedanken, einzelne Erinnerungsfetzen, Erzählungen, Zitate und Fundstücke. Ob nun Jakob in den ersten, grausam geschilderten Szenen von seinem Überleben und seiner Flucht erzählt, ob er später mit seiner zweiten Ehefrau auf der Suche nach Wurzeln, Antworten und Heimat an die Schauplätze seiner Kindheit zurückkehrt, oder ob Jakobs Freund Ben, dessen Eltern den Holocaust nicht überlebten, sich auf die Suche nach Jakobs Dichtungen macht und sich mit ergreifenden Worten an seinen Freund wendet, dieses Buch bewegt, fesselt, schockiert und umhüllt die Leserschaft mit einer zarten, poetischen, brutalen, kraftvollen Sprache.

Lesegefühl:
Zuerst fiel es mir nicht sehr leicht, die Figuren und ihre Geschichten auseinanderzuhalten, weil die einzelnen Fäden dieses Geflechts so lose zusammengefügt werden, dass immer ein Abschnitt in den anderen übergeht und die Erinnerungen sich sozusagen stetig überlappen und ergänzen. Da werden einerseits äusserst bedrückende und schockierende Szenen mit nüchternen Worten beschrieben und gleichzeitig ist der Rest der Handlung so poetisch und manchmal fast schon schwülstig aufgebaut, dass ich einerseits sehr angetan war von der Schönheit dieses Buches, andererseits aber auch immer wieder aufgerüttelt von der ganzen Brutalität.

Schreibstil und Handlung:
Es lässt sich bei fast jedem Satz (und die meisten davon könnte man sich entweder an den Kühlschrank kleben, in ein Achtsamkeitstagebuch schreiben oder an den Badezimmerspiegel hängen) erkennen, dass die Autorin vor allem Gedichte schreibt. So bildlich und reich an Metaphern und Ausschmückungen der Stil aber auch ist, er wirkt nur ganz selten überladen und meistens einfach nur wunderschön. Dies beisst sich leider ein wenig mit der wirklich tragischen Geschichte, die erzählt wird und hat in mir sehr ambivalente Gefühle für die ganze Handlung, aber auch für die grundsätzliche Notwendigkeit des Erzählens solcher Geschichten geweckt. Was hat sprachliche Schönheit in einer Geschichte über Tod, Schmerz, Verlust, Betrug und rohe Gewalt zu suchen? Und wie kann es überhaupt sein, dass man es liebt, dieses Buch zu lesen, obwohl es zuweilen so grausame Geschichten erzählt? Ich werde keine abschliessenden Antworten auf diese Fragen finden und dies ist wohl auch nicht nötig. Denn wenn das Buch doch auch schwülstig wirken kann, so hat die Schönheit der Sprache zumindest den Zweck erfüllt, dass man mittels all der erzählerischen Bilder noch genauer vor sich hat, was überhaupt beschrieben wird und dass man das Buch vor allem auch unbedingt lesen und trotz allem geniessen und nachher auch darüber sprechen will.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch wird mich sicher noch länger beschäftigen und es ist gut, dass ich erst morgen wieder zu einem Buch greifen werde, bis dann hat sich der Sturm in mir sicher sicher ein wenig gelegt. Aber das ist eigentlich ein positiver Sturm, weil er aufwühlt, aufweckt und zum Austausch anregt, weshalb ich euch dieses manchmal zart, manchmal kraftvoll und insgesamt sehr poetisch erzählte Buch sehr gerne ans Herz legen möchte.

Zusätzliche Infos:
Titel: Fluchtstücke
Originaltitel: Fugitive Pieces
Autorin: Anne Michaels wurde 1958 in Toronto geboren. Mit ihrem ersten Roman »Fluchtstücke« gelang ihr ein internationaler Bestseller, der in 30 Sprachen übersetzt wurde.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Beatrice Howeg 
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 368 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
Erschienen: 2. Auflage 1997 
ISBN: 3-8270-0230-3

Neuzugänge Juni 2019

 
Hallo ihr Lieben

Ein intensiver Monat geht heute Abend vorbei und dann haben wir die Jahresmitte schon wieder überschritten und sobald der Sommer vorbei ist, rückt Weihnachten in greifbare Nähe. So erlebe ich es jeweils und tröste mich an diesen heissen Tagen mit dem Gedanken an kühle Winterabende. Der Juni hat mir aber neben der Hitze auch so viele wunderschöne Stunden gebracht, unendlich viel Arbeit aber auch einige sentimentale Momente. Seit nun einem Jahr stehe ich nämlich komplett auf eigenen Beinen ohne das Netz und den doppelten Boden des Studiums (HIER eine kleine Erinnerung). Und hell yeaah, das war ein tolles Jahr mit spannenden Konzerten, ganz vielen Schülern, neuen Projekten und neuen Kontakten.

Und weil der Juni auch lesetechnisch ein toller Monat war (mehr erfahrt ihr morgen in der Statistik, ich möchte heute nämlich noch ein Buch beenden), habe ich mich grosszügig mit Neuzugängen eingedeckt und dennoch meinen SuB verringern können. Grandios, ja?


Diese Bücher haben im Juni zu mir gefunden (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite):

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Hibiskusbluetenmeer/Isabelle-Broom/Diana/e543628.rhd
"Hibiskusblütenmeer" von Isabelle Broom habe ich als Rezensionsexemplar aus dem Dianaverlag via Bloggerportal bekommen und auch sofort gelesen. Die romantische, unterhaltsame und sehr tiefgründige Geschichte hat mich bestens unterhalten, was sich auch in meiner begeisterten REZENSION zeigt.

https://www.randomhouse.de/Paperback/Wild-at-Heart-Willkommen-im-Hotel-der-Herzen/Anne-Sanders/Blanvalet-Hardcover/e546074.rhd
"Wild at Heart, Willkommen im Hotel der Herzen" von Anne Sanders ist ebenfalls ein Rezensionsexemplar. Es ist im Verlag Blanvalet erschienen und auch via Bloggerportal bei mir gelandet. Auch dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten, wenn auch mir manchmal alles ein wenig over the top war, was ihr hier in meiner REZENSION nachlesen könnt.

https://www.piper.de/buecher/fluchtstuecke-isbn-978-3-8333-0042-4
"Fluchtstücke" von Anne Michaels habe ich mir aus dem offenen Bücherschrank geholt und werde das tragische und trotzdem wunderschön poetische Buch heute noch beenden. Ich freue mich schon darauf, bald die Rezension zu tippen, das wird sicher ziemlich anspruchsvoll.

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Buecherdiebin/Markus-Zusak/Blanvalet-Taschenbuch/e312074.rhd
Auch "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak stammt aus dem offenen Bücherschrank und sieht übrigens aus, wie neu. Bei so einem dicken Buch ist das wirklich erstaunlich. Keine Leserillen, keine geknickten Seiten, nichts. Ich möchte das Buch im Juli lesen und werde es wahrscheinlich in meinen Urlaub mitnehmen.

 
Zuletzt habe ich mir übrigens noch "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji gegönnt, mein erster Buchkauf seit ziemlich langer Zeit. Es ist eine Belohnung für diesen arbeitsintensiven Monat und hat am Freitag zu mir gefunden. Gekauft habe ich es in der Voirol Buchhandlung in Bern. 

Welche Bücher sind bei euch im Juni eingezogen? Welche meiner Neuzugänge kennt ihr schon und womit soll ich beginnen?

Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: 1
Eingesammelte Bücher: 2
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 140
Aktueller SuB: 136