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Rezension: Unter den Sternen funkelt die Hoffnung

Rezensionsexemplar aus der Verlagsgruppe Harper Collins via Bloggerportal von Harper Collins

Unter den Sternen funkelt die Hoffnung - Tanja Janz

Reiheninfos "Himmelsee":
1. Himmelsee - Über den Wellen leuchtet das Glück (15.04.2025)
2. Himmelsee - Wo der Wind von Liebe erzählt (23.06.2026)
3. Himmelsee - Unter den Sternen funkelt die Hoffnung (25.08.2026)

Beschreibung des Verlages:
Der Lübecker Wintermarkt ohne ihre liebevoll hergestellten Honigkerzen, Honigbonbons und Honigwein? Die versäumte Anmeldefrist bedeutet für Lieve den Ruin. Deshalb ist sie mehr als froh über die Chance auf einen Stand beim Weihnachtsmarkt in Himmelsee. Ihre Eltern leben seit Kurzem in dem malerischen Darß-Ort, den auch Lieve bald für seine Ruhe und seinen einzigartigen Charme zu schätzen weiß. Jeden Tag spaziert sie am Strand entlang und blickt zu den funkelnden Sternen über der Ostsee. Als sie den charmanten Künstler Falk kennenlernt, offenbart sich eine besondere Verbindung zwischen ihnen. Erfüllt sich ihre stille Hoffnung auf die wahre Liebe in Himmelsee?

Inhalt:
Der dritte Band der im fiktiven Küstenörtchen Himmelsee handelnden Reihe entführt in die gemütliche Vorweihnachtszeit. Gemütlich ist diese allerdings nur für uns Lesende, der Protagonistin Lieve und ihrer Honigmanufaktur steht das Wasser nämlich bis zum Hals, weil sie es zum ersten Mal in der Geschichte des Familienunternehmens nicht geschafft hat, einen Standplatz am begehrten Lübecker Weihnachtsmarkt zu ergattern. In grosser Sorge um die wichtigsten Einnahmen des Jahres sucht sie nach einer Alternative und wird dank dem grossen Einsatz ihrer Eltern in Himmelsee fündig. Doch die Notlösung wird für Lieve schnell zum Glückstreffer und bald muss sie sich einige zukunftsweisende Fragen stellen.

Meine Meinung:
Tanja Janz Romane entführen mich seit einigen Jahren zuverlässig an die Nord- oder Ostsee und auch diesmal hat der Darß mich verzaubert und mir zusätzlich zur Meerluft, die beim Lesen wunderbar spürbar ist, auch noch den bezaubernden Duft von Honig und Salzkaramell und ganz viel Vorweihnachtsstimmung geschenkt. Die Geschichte hat mich sofort für sich eingenommen und wirkt wunderbar realistisch erzählt. Auch wenn sich Lieve immer mal wieder einige Hürden in den Weg stellen, ist die Handlung alles andere als überzogen oder unglaubwürdig konstruiert, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Schreibstil und Aufbau:
Die Mühlen mahlen langsamer in Himmelsee und dies merken nicht nur Lieve, sondern auch wir Lesenden, die durch den gemütlichen Schreibstil eine kleine Auszeit aus dem oft hektischen Alltag erfahren dürfen. Einmal mehr hat mich Tanja Janz mit ihren sehr detaillierten Beschreibungen des Funkelns und Duftens der Winterzeit sowie der malerischen Kulisse des Romans verzaubert. Eine extrem kleine Prise Romantik versüssen die Geschichte, was für mich perfekt dosiert war, weil dafür die herzliche familiäre und freundschaftliche Stimmung um Lieve um so mehr Gewicht bekamen. Und als der erste Schnee fiel, war ich dann wirklich im Winter angekommen.

Meine Empfehlung:
Die Reihe hat mich schon mit den ersten beiden Bänden begeistern können, aber dieser Weihnachtsband mit einer sehr dezenten Prise Romantik übertrifft das noch und ist einfach eine sehr wohltuende Auszeit, die man sich auch ohne Kenntnisse der Vorgängerbände gönnen kann.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Unter den Sternen funkelt die Hoffnung (Himmelsee 3)Autorin: Tanja Janz wollte schon als Kind Bücher schreiben und malte ihre ersten Geschichten auf ein Blatt Papier. Heute ist sie Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen im Ruhrgebiet. Neben der Schreiberei und der Liebe zum heimischen Fußballverein schwärmt sie für St. Peter-Ording, den einzigartigen Ort an der Nordseeküste.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Harper Collins
Erscheinungstag: 25.08.2026
ISBN: 9783365014318

Kurzrezension: Shining

Shining - Stephen King

Beschreibung des Verlages:

Ein Hotel in den Bergen von Colorado. Jack Torrance, ein verkrachter Intellektueller mit Psycho-Problemen, bekommt den Job als Hausmeister, um den er sich beworben hat. Zusammen mit seiner Frau Wendy und seinem Sohn Danny reist er in den letzten Tagen des Herbstes an. Das Hotel "Overlook" ist ein verrufener Ort. Wer sich ihm ausliefert, verfällt ihm, wird zum ausführenden Organ aller bösen Träume und Wünsche, die sich in ihm manifestieren. Der Alptraum beginnt ...

Inhalt:
Das Hotel "Overlook" wird über den Winter in Tiefschlaf versetzt und nur der temporäre Hausmeister Jack Torrance und seine Familie sorgen vor Ort nach dem Rechten. Hätte man das Hotel wirklich eingewintert und abgeschlossen, wie man das mit Berghütten im Winter teilweise macht, wäre alles gut gegangen, aber natürlich kommt es anders und in der Einsamkeit des Eingeschneiten Ortes werden dunkle Gedanken und böse Träume plötzlich sehr laut.

Meine Meinung:
Stephen Kings Bücher habe ich vor allem als Kind gelesen und vor einem Jahr habe ich dann die Reihe um den dunklen Turm beendet. In Kings Romanen gefallen mir immer die aktuellen Bezüge, die popkulturellen Elemente, Querverweise auf andere Romane, die politischen Botschaften, die unglaublich kreative Gestaltung des Plots und die Tatsache, dass alle seine Helden irgendwie auch Antihelden sind und umgekehrt. Was mir nicht gefällt, sind die Längen, die ich bisher in fast jedem seiner Romane angetroffen habe (und lustigerweise streiten sich eingefleischte King-Fans darum, ob sich in seinen Romanen wirklich Längen finden...). So ist es mir auch mit "Shining" ergangen, das mich immer wieder überrascht und wunderbar unterhalten hat und das (abgesehen vom N-Wort) erstaunlich gut gealtert ist. Wichtige gesellschaftliche Themen wie Alkoholismus und häusliche Gewalt finden darin Einzug und bilden einen starken Kontrast zum sonst eher unterhaltsamen und spannenden Plot. Ausserdem hat mir gefallen, dass King auch in "Shining" einen kleinen Jungen mit einem mutigen Herz zum Helden macht. Aber auch in diesem Roman haben sich Passagen gefunden, die sich extrem gezogen haben und bei denen ich mich gefragt habe, warum ich mir schon wieder einen King-Roman antue... Natürlich hat sich die Anstrengung - wie bisher immer, wie ich finde - gelohnt und das Ende hat mich noch einmal so richtig mitgerissen. Auch habe ich dadurch Lust darauf bekommen, weitere Romane aus Kings Feder zu lesen, auch wenn ich genau weiss, dass ich mich beim Lesen wieder verfluchen werde für die Buchauswahl. Ein wenig gestört haben mich übrigens die vielen Tippfehler, die auf ein äusserst mangelhaftes Lektorat schliessen lassen, ich bin mir aber sicher, dass meine ziemlich alte Ausgabe, die mir übrigens ein guter Freund geliehen hat, mittlerweile schon einige Male überarbeitet worden ist. Vielleicht sogar in Bezug auf Political correctness...

Meine Empfehlung:

Dieser fünfzigjährige Klassiker hat nichts über die Jahre nichts an Spannung eingebüsst und kommt erfrischend kreativ konstruiert daher. Sicher ein Muss für Fans des Genres.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Shining
Originaltitel: Shining
Autor: Stephen Edwin King wurde am 21.9.1947 in Portland, Maine, geboren. Nach dem Studium der englischen Literatur an der University of Maine (und seiner Heirat mit Tabitha Spruce) trat er 1971 eine Stelle als Lehrer an der Hampden Academy in Maine an. Nach ersten Veröffentlichungen von Kurzgeschichten kam 1974 sein erster Roman Carrie auf den Markt - der Beginn seiner Karriere als freier Schriftsteller. Bis heute lebt und arbeitet Stephen King in Maine.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Harro Christensen
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum dieser Ausgabe: 31.10.2019
ISBN: 978-3-404-13089-4

Rezension: Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights

Rezensionsexemplar aus dem btb Verlag (via Bloggerportal von Randomhouse)

Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights - Juliane Collins

Beschreibung des Verlages:

Eigentlich hatte sich Alice auf eine ruhige Adventszeit gefreut. Doch dann wird sie nicht nur von ihrem Freund verlassen, sie verliert auch noch ihren Job in einer großen Marketingagentur. Als überraschend ein Brief ins Haus flattert, in dem der jungen Frau ein Erbe in New York in Aussicht gestellt wird, tritt sie kurzerhand die Flucht nach vorne an und bucht einen Flug von Hannover nach New York. Und siehe da: Jemand hat ihr tatsächlich ein halb verfallenes Filmtheater in Brooklyn Heights, dem quirligen Viertel am Hudson River unweit der Brooklyn Bridge, vermacht. Doch wer war der letzte Besitzer des Kinos und in welchem Verhältnis stand der zu Alice? In den folgenden Tagen vertieft sie sich in die erstaunliche Geschichte des Kinos und kommt einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Doch es gibt jemanden, der ihrem neu gefundenen Glück im Wege steht: Hunter, der junge Immobilienmakler, der scheinbar alles daran setzt, mit Alice möglichst schnell einen lukrativen Deal abzuschließen ...

Inhalt:
Nachdem sie ihren Job verloren hat und von ihrem Freund verlassen worden ist, ist Alice bereit für einen Neuanfang. Dass der in New York sein würde, hätte sie sich allerdings nicht träumen lassen. Doch ein Traum wird wahr: sie erbt ein altes Filmtheater mitten in Brooklyn Heights. Vor Ort bemerkt sie, dass auch noch andere Menschen sich für das in Mitleidenschaft gezogene Gebäude interessieren und beginnt sich, Gedanken über einen Verkauf zu machen. Sie freundet sich aber auch schnell mit hilfsbereiten Menschen in ihrer Nachbarschaft an und findet spannende Informationen im Archiv, welche ihre Familie betreffen und ihre Entscheidungen ins Wanken bringen.

Meine Meinung:
Juliane Collins Liebe zum Kino und vor allem zur Filmgeschichte hat diesen Roman zu einer ganz besonderen Lektüre gemacht. Die wunderschöne Herbst- und Winterstimmung in Brooklyn Heights hat mich dann noch einmal zusätzlich für den Roman eingenommen. Zwei Dinge haben mir aber leider gar nicht gefallen: dass Alice als absolut hilflose und ängstliche Person dargestellt wird. Ratten? Spinnen? Tauben? Panik. Ein Wasserschaden? Briefe von einer Behörde? Keine Ahnung, wie man damit umgehen soll... Schade, dass heutzutage immer noch solche Protagonistinnen gebaut werden.
Zweitens hat mich die absolut überflüssige und sehr simpel erzählte Romanze gestört. Ohne den Immobilienhai Hunter (oder ohne Gefühle für den Immobilienhai Hunter) wäre dieses Buch eine gemütliche, berührende Geschichte voller Liebe zum Film, Freundschaft, Nachbarschaft und Zusammenhalt sowie einer geschäftstüchtigen Protagonistin gewesen und sowohl am Verlauf der Handlung als auch am Ende hätte sich überhaupt nichts geändert. Mit Hunter war dieser Roman eine berührende Geschichte voller Liebe zum Film, Freundschaft, Nachbarschaft und Zusammenhalt mit einer ein wenig ungeschickten Hauptfigur und einer absolut unpassenden Romanze...
Dafür hat mich Collins immer wieder tief bewegt mit all den schönen Beschreibungen, der kurzweiligen Erzählsprache, den Verbindungen zwischen dem Filmtheater und der Familiengeschichte von Alice, den liebenswerten Nebenfiguren und den wunderschönen Beschreibungen des Filmtheaters. Die Gefühle und die Spannung, die in einem Kinosaal entstehen können, waren mit den Händen greifbar und die winterliche Stimmung in New York hat mich natürlich ebenfalls abgeholt. 

Meine Empfehlung:
Meiner Kritik zum Trotz empfehle ich euch das Buch sehr gerne weiter und hoffe auf weitere Romane der Autorin, die vielleicht ganz ohne Romanze oder mit einer ein wenig stimmiger konstruierten Liebesgeschichte daherkommen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights
Autorin: Juliane Collins, geboren 1991 in Hameln, entdeckte ihre Leidenschaft für Filmgeschichte während ihres Public-Relations-Studiums an der Northern Kentucky University, wo sie sich in Filmwissenschaftskursen besonders mit den Marx Brothers und deutschen Stummfilmen beschäftigte. »Das kleine Filmtheater in Brooklyn Heights« ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 352 Seiten
Verlag: btb
Erschienen am: 23.09.2026
ISBN: 978-3-442-77654-2

Rezension: Die Briefeschreiberin

Die Briefeschreiberin - Virginia Evans

Beschreibung des Verlages:

Jeden Morgen greift Sybil van Antwerp zu Füller und Papier und schreibt: an ihren Bruder, an ihre beste Freundin, an Autorinnen und Autoren. Sie hält fest, was sie begeistert, bewegt oder verärgert. Und dann gibt es da den einen Brief, an dem sie seit Jahren arbeitet, ohne ihn jemals abzusenden ...
Mit ihren dreiundsiebzig Jahren nutzt Sybil ihre Klugheit und ihren geistreichen Humor, um die Welt in Wort zu fassen. Doch jenseits ihrer umfassenden Korrespondenz hält sie die Menschen, die sie liebt, seit drei Jahrzehnten auf Abstand. Bis eine Nachricht aus ihrer Vergangenheit sie zwingt, sich dem schmerzhaftesten Kapitel ihres Lebens zu stellen.
Nun muss Sybil jenen Brief abschicken, an dem sie all die Jahre geschrieben hat. Und sie muss den Mut finden, sich selbst zu vergeben.

Inhalt:
Sybil van Antwerp wirkt auf den ersten Blick einsam und ihr Alltag kommt eintönig daher. Aber durch ihre sorgfältig gepflegten Brieffreundschaften reist sie zumindest gedanklich um die halbe Welt. Sie korrespondiert mit Verwandten und Bekannten und vermeidet dabei das eine Thema, das sie seit Jahrzehnten bewegt, bis sie den Geistern der Vergangenheit nicht länger ausweichen kann.

Meine Meinung:
Das Buch ist mir bei Instagram ganz oft begegnet und als ich es dann im September in einem offenen Bücherschrank entdeckte, musste ich sofort zugreifen. Briefromane mag ich sehr gerne und weil ich schon lange keinen mehr gelesen habe, habe ich mich riesig auf die Geschichte gefreut. Leider war ich ziemlich schnell sehr enttäuscht. Nicht von der eigentlichen Handlung, die hat mir nämlich sehr gefallen, sondern von der so extrem gehässigen und missgünstigen Protagonistin. Ihre belehrende Art, der herablassende Tonfall, mit dem sie seit Jahren mit ihrer besten Freundin, welche ihr immer zur Seite gestanden hat, korrespondiert und auch die Unnahbarkeit, welche sie ihrer Tochter gegenüber an den Tag legt, haben mich das Buch fast abbrechen lassen. Aber....natürlich gibt es Gründe, die zumindest ein wenig nachvollziehen lassen, weshalb Sylvie ist, wie sie eben ist, was allerdings ihr unmögliches Verhalten in meinen Augen nicht rechtfertigt. Zudem ist das Buch aber auch sehr klug aufgebaut und erzählt, was mich letztendlich doch überzeugt hat.

Schreibstil und Aufbau:
Anders als in vielen anderen Briefromanen finden sich in "Die Briefeschreiberin" nicht alle geschriebenen Briefe. Gekonnt ausgelassene Briefe sorgen dafür, dass das Buch immer spannend bleibt. Einige Zusammenhänge erschliessen sich erst, wenn Sylvie wieder Antworten auf Fragen erhält oder gibt, von denen man anfänglich nicht einmal wusste, dass sie gestellt worden sind. Auch werden Sylvies Geheimnisse Schicht um Schicht enthüllt und dabei zeigt sie sogar ab und zu eine menschliche Seite...

Meine Empfehlung:
Nicht jede Hauptfigur muss man ins Herz schliessen, um ein Buch zu mögen, "Die Briefeschreiberin" ist das beste Beispiel dafür. Dieser intelligent aufgebaute und erzählte Roman mit seinen um so sympathischeren Nebenfiguren hat mich am Ende tatsächlich überzeugt und sogar berührt und ich empfehle euch das Buch sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Briefeschreiberin
Originaltitel: The Correspondent
Autorin: Virginia Evans stammt aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten. An der James Madison University in Harrisonburg, Virginia, und dem Trinity College in Dublin studierte sie englische Literatur, Philosophie und kreatives Schreiben. Mit ihrem Ehemann, ihren zwei Kindern und ihrem Labrador Brigid lebt sie heute in Winston-Salem, North Carolina. Ihr hochgelobtes literarisches Debüt »Die Briefeschreiberin« entwickelte sich vom Geheimtipp zum internationalen Überraschungsbestseller, die Autorin wurde dafür sowohl mit dem PEN/Faulkner Award als auch mit dem Women's Prize for Fiction ausgezeichnet.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Regina Rawlinson
Verlag: Goldmann
Erschienen am: 10.06.2026
ISBN: 978-3-442-49739-3

Rezension: Salinenkrebse

Rezensionsexemplar aus dem Verlag Kremayr & Scheriau, vielen Dank!

Salinenkrebse - Linda Sensenberger

Beschreibung des Verlages:

Will ist überfordert, sensibel, kritisch gegenüber dem Leben und sich selbst. Will heißt eigentlich Wilhelmine, kennt unendlich viele Tierfakten und bleibt nachts gerne wach. Auch, weil sie in ihren Träumen immer öfter riesige Salinenkrebse sieht, von denen sie nicht weiß, was sie bedeuten. Aber Will geht es gut. Davon versucht sie zumindest ihre Eltern und ihre beste Freundin Frieda zu überzeugen – und belügt dabei in erster Linie sich selbst.
Bis sie Leo kennenlernt. Leo, nichtbinär, ist wie Will auf der Suche. Still und intensiv ist die Verbindung, die zwischen ihnen entsteht, obwohl sie unterschiedliche Dinge wollen: Während Leo die Vergangenheit aufarbeiten möchte, versucht Will, diese endlich hinter sich zu lassen. Bald lernen beide, wie schön und schrecklich Fühlen sein kann – und Will muss sich der Frage stellen, wie sie Nähe zulassen kann, wenn sie diese kaum erträgt.
Poetisch und einfühlsam erzählt „Salinenkrebse“ vom Erwachsenwerden und davon, dass Überleben keine Schwäche, sondern Stärke ist.

Inhalt:
Will und Frieda sind beste Freundinnen und während Will mit ihrem Leben, ihren Ängsten, ihrem Alltag hadert, lebt Frieda in einer glücklichen Beziehung mit Jonathan. Alles ändert sich, als Will auf dem Heimweg von einer schwierigen Sitzung mit ihrer Psychologin Leo im Tram trifft. Leo mit den blauen Augen, Leo ohne Pronomen, Leo mit einem Buch in der Hand und einer grosse Liebe zum gedruckten und gesprochenen Wort.

Meine Meinung:
Gerade habe ich wirklich ein Händchen für Bücher, oder sie finden mich einfach zur richtigen Zeit. Linda Sensenbergers Debüt "Salinenkrebse" hat mich sofort angesprochen und nach nur wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen. Will ist eine wundervolle Protagonistin, die gerade zweifelt und mit dem Leben hadert, die aber ein riesiges Herz hat, sich für die Tier- und Pflanzenwelt interessiert und ihren nicht ganz einfachen Alltag mit den unterschiedlichsten Strategien zu bewältigen versucht. Die kurze Kennenlerngeschichte von Will und Leo und die Freundschaft von Will und Frieda streifen ganz viele Themen und Fragen. Wie gehen wir miteinander um, wie nähern wir uns einander an? Welchen Regeln folgen unsere Beziehungen und Freundschaften und wen kontaktieren wir, wenn es uns gerade gar nicht gut geht?

Schreibstil und Aufbau:
Besonders beeindruckt haben mich der fragmentarische Aufbau dieses Romans. Immer wieder werden Chatverläufe eingestreut und im nächsten Augenblick befinden wir und mitten in Wills Leben und/oder in Wills Gedankenwelt. Die Geschichte wird nämlich aus Wills Perspektive erzählt und kommt mehrheitlich als - von wenig Dialog unterbrochenem - innerer Monolog daher. Sensenbergers Affinität zur Lyrik zeigt sich in einigen Szenen. Es gibt Kapitel, die sich wie ein modernes Gedicht lesen und dann wieder Kapitel, die wunderschöne Prosa sind. Die eher kurzen Kapitel mit vielen sehr detaillierten Beschreibungen liessen mich den Figuren und ihren Sorgen und Gedanken nahe sein. Diese Nähe und die Natürlichkeit, mit der wir uns mitten in Wills Leben befinden, sind in meinen Augen die grössten Stärken des Textes.

Meine Empfehlung:
Ein aussergewöhnlicher, mitreissender Text, ein zarter, berührender Text. Blaue Augen, gute Literatur, wichtige Fragen des Lebens, spannende Details zum Leben von Tieren und Pflanzen und die Notwendigkeit, im richtigen Moment um Hilfe zu bitten sind Themen von "Salinenkrebse". Das Debüt hat noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient und ich kann mir gut vorstellen, dass es sich auch wunderbar als Diskussionsgrundlage für Buchclubs eignet.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Salinenkrebse
Autorin: Linda Sensenberger, geboren 2004 in Oberösterreich, schreibt Lyrik, Kurzprosa und an Romanprojekten. Sie war und ist Teilnehmerin zahlreicher Schreib- und Textwerkstätten und studiert am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Manche ihrer Texte veröffentlicht sie in verschiedenen Medien (Literarische Blätter, mosaik, lyrix, kaffeeundkippen u. a.). In der Zwischenzeit kuschelt sie mit ihrem Hund. Salinenkrebse ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Lesebändchen: 180 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau
Erschienen: Oktober 2026 (1. Auflage)
ISBN: 978-3-218-01528-8

Rezension: Vielleicht ist die Liebe so

Vielleicht ist die Liebe so - Katja Früh

Beschreibung des Verlages:
»Der Termin ist am 18. Februar um vier. Trag dir das ein!«, sagt Anjas Mutter und schlürft genüsslich ihre Won-Ton-Suppe. Sie meint damit weder Friseur noch Zahnarzt, sondern ihr eigenes Ableben. Anja, Anfang vierzig, früher Schauspielerin, nun Barkeeperin, wirft diese Ankündigung aus der so oder so ungeraden Bahn, auch wenn das Verhältnis zu ihrer eigenwilligen Mutter schon immer kompliziert war und sie unentwegt um Abstand und ihr eigenes Leben und Lieben ringt. Und außerdem: Was soll denn nur aus Mamas Hund werden?

Inhalt:
Anjas Mutter hat nach jahrelangem Hin und Her endlich einen Termin bekommen, um ihr Leben mit der Hilfe einer bekannten Sterbehilfeorganisation zu beenden. Dies teilt sie Anja in einem Nebensatz mit und erwartet im gleichen Atemzug, dass Anja, mit der sie eigentlich überhaupt kein enges Verhältnis verbindet, ihr auf ihrem letzten Weg auf Schritt und Tritt zur Seite steht.
Anja wird dabei in unmöglich absurde Situationen gebracht, die gleichzeitig zum Schreien komisch und abgrundtief traurig sind.

Meine Meinung:
Vielleicht erinnert ihr euch: im Mai durfte ich als Angies Begleitperson die Solothurner Literaturtage besuchen. Dort haben wir ein grandioses Podiumsgespräch zum Thema "Familie erzählen" besucht und sind dabei unter anderem auf Katja Frühs ersten Roman aufmerksam geworden. Im Herbst haben wir dann endlich entschieden, "Vielleicht ist die Liebe so" gemeinsam zu lesen und wir hatten spannende und unterhaltsame Lesestunden und Diskussionen mit dem Buch. 
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil er mich mit seinem schwarzen Humor für sich eingenommen hat. Die Handlung ist nicht nur sehr skurril und vor allem aussergewöhnlich konstruiert, es schwingen auch stets ernste Untertöne rund um die Themen Selbstbestimmung, Familienbande, historische Verstrickungen und Verantwortung mit.

Schreibstil und Aufbau:
Katja Früh weiss genau, was sie macht und spielt gekonnt mit den unterschiedlichsten Themen, um sich dann sofort wieder ihrer grotesken Grundidee zu widmen. Sie schafft es aber, gleichzeitig eine verstrickte Liebesgeschichte, das tragische Schicksal der jüdischen Grossmutter ihrer Protagonistin und die aussergewöhnliche Geschichte des Hundes Anton in ihrer Geschichte unterzubringen.
Die ernsteren Themen werden zwar nur eher oberflächlich gestreift und einige Kniffe und Entwicklungen wirken auch ein wenig simpel konstruiert, aber auch wenn das Buch nicht lange nachhallen wird, hat es mich sehr gut unterhalten und mich auch immer wieder überrascht.

Meine Empfehlung:
"Vielleicht ist die Liebe so" ist ein Spiel mit den Grenzen des guten Geschmacks, das Katja Früh hervorragend meistert. Die bekannte Drehbuchautorin hat ein Buch geschrieben, das richtiggehend danach schreit, auf die Bühne oder ins Kino gebracht zu werden und wer auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung, schwarzem Humor und überraschenden Entwicklungen ist, ist mit diesem Roman hervorragend beraten.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Vielleicht ist die Liebe so
Autorin: Katja Früh, 1953 in Zürich geboren, ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Nach der Schauspielausbildung in Berlin begann sie 1978, fürs Theater zu inszenieren und zu schreiben. Ab 1980 arbeitete sie beim Schweizer Radio DRS, produzierte und schrieb fürs TV (u. a. die über 10 Jahre laufende Serie ›Lüthi und Blanc‹) und realisierte Projekte mit Martin Suter und Patrick Frey. Seit 2014 schreibt sie eine regelmäßige Kolumne für ›Das Magazin‹ des Tages-Anzeiger. 2025 erschien ihr erster Roman ›Vielleicht ist die Liebe so‹.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 304 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 22. Oktober 2025
ISBN: 978-3-257-07344-7

Rezension: Die Riesinnen

Die Riesinnen - Hannah Häffner

Beschreibung des Verlages:

Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.

Inhalt:
Die Riesinnen, das sind die drei Frauen der Familie Riessberger; Oma Liese, ihre Tochter Cora und deren Tochter Eva, ein kleines Dorf im Schwarzwald und eine Metzgerei. Sie alle sind voll von Sehnsüchten und Träumen, aber auch in den Zwängen und Regeln ihrer Generation, ihres Dorfes und ihres Geschlechts gefangen.
Doch was in Stein gemeisselt scheint, lässt sich aufbrechen, mit jeder Generation ein wenig mehr. Und so beginnen die drei Frauen, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und nach ihrer ganz persönlichen Freiheit zu streben.

Meine Meinung:
Soeben ist "Die Riesinnen" zum Lieblingsbuch der Unabhängigen 2026 gekürt worden und dies überrascht nicht. Der atmosphärische, immer wieder ziemlich düstere und vor allem am Anfang extrem dicht gewobene Roman, der mit Sätzen von unbändiger und zugleich feinsinniger Wildheit und Schönheit besticht, hat es also nicht nur mir angetan.
Vor allem die erste Hälfte des Romans hat mich mit ihrer Sogwirkung verzaubert, die drei Riessberger-Frauen habe ich - mit all ihren Ecken und Kanten - ins Herz geschlossen und besonders gut gefallen hat mir, wie oft ich beim Lesen von Formulierungen, Szenen, Gedanken und Gesprächen überrascht worden bin. Nach der ersten Hälfte verzweigt die Erzählung mehr und mehr, der Roman wird durchlässiger, die Zeitsprünge werden grösser, die Umrisse der Figuren verlieren ein wenig an Klarheit, aber ganz am (sehr offenen) Ende wird der Handlungsstrang noch einmal festgezurrt und der anfängliche Sog hat mich wieder komplett vereinnahmt.

Schreibstil und Aufbau:
Die Handlung wird chronologisch, aber mit einigen Rückblenden erzählt und es hat mich tief beeindruckt, wie viel Handlung, wie viele Figuren, wie viele Schicksale auf ein wenig mehr als 400 Seiten Platz haben. Jedes Wort, jeder Satz ist mit grösster Präzision konstruiert. In sehr langen Kapiteln lernen wir dabei die drei Riesinnen - wie sie im Dorf hinter nicht ganz vorgehaltener Hand genannt werden- und ihre geheimsten Sorgen und Sehnsüchte kennen. Obwohl die Grundstimmung dieses Buches bedrohlich wirkt, scheinen die Beschreibungen teilweise seltsam distanziert. Und plötzlich braut sich Satz um Satz wieder ein Abschnitt zusammen, der vor Sprachkunst trieft und Lust macht, noch ganz viele Werke von Hannah Häffner zu entdecken.

Meine Empfehlung:
Der kleinen Kritik zum Trotz ist dieser Roman vor allem aufgrund seiner poetischen, eher düsteren Sprachkunst und seiner sprachlichen Schönheit eine Entdeckung für mich. Ich empfehle euch "Die Riesinnen" sehr gerne weiter.

Zustäzliche Infos:
Titel:
Die Riesinnen
Autorin: Hannah Häffner wurde 1985 in Heidelberg geboren. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaften begann sie, als Werbetexterin zu arbeiten und sich parallel dazu verstärkt dem Schreiben zu widmen. Heute lebt sie mit ihrer Familie als freie Texterin und Schriftstellerin in der Nähe von Stuttgart.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 416 Seiten
Verlag: Penguin

Erschienen am: 25.02.2026
ISBN: 978-3-328-60433-4

Rezension: Verliebt für eine Weihnachtsnacht

Verliebt für eine Weihnachtsnacht - Sarah Morgan

Inhalt (via Lovelybooks):

Harriet Knight will sich jeden Tag einer Herausforderung stellen. Aber als die Hundesitterin ihren neuesten Kunden kennenlernt, gerät sie mächtig ins Stottern: Obwohl der attraktive Arzt Ethan Black bei vielen Frauen einen Fieberschub auslöst, scheitert er an der Erziehung des unbändigen Spaniels Madi kläglich. Um dem Hund zu helfen, bleibt Harriet nichts anderes übrig, als in Ethans Apartment im winterlichen Manhattan einzuziehen - wo sie sich Hals über Kopf in Ethan verliebt. Doch wenn ihre Arbeit getan ist, muss sich Harriet eines fragen: Hat sie Ethan ihr Herz nur für eine Weihnachtsnacht geschenkt? Oder für ein ganzes Leben?

Meine Meinung:
Weihnachten im September? Kann man machen. Zumindest mit diesem Roman. Der achte Band der Manhattan-Reihe (den man ganz sicher auch für sich stehend lesen kann, so habe ich es zumindest getan), eignet sich ideal, um frühzeitig mit weihnachtlichen Romanen zu starten. Das zwar winterliche aber anfangs noch gar nicht weihnachtliche Manhattan hat natürlich seinen eigenen Zauber, erschlug mich beim Lesen aber noch nicht mit Deko und Mistelzweigen. Vielmehr erzählt der Roman eine eher simpel gestrickte aber kurzweilige Geschichte rund um die Hundesitterin Harriet Knigt und den Arzt Ethan Black. Während sie sich selber täglich neue Herausforderungen stellt, privat eher ungeschickt durch ihr Leben stolpert, beruflich aber ihre Karriere so richtig im Griff hat und ihren Mitmenschen mit Herzlichkeit begegnet, setzt er stets auf kühle Distanz und lässt niemanden an sich heran. Als Arzt in der Notaufnahme hat er damit die besten Erfahrungen gemacht. Schliesslich möchte er sich nicht zu sehr vom Schicksal seiner Patienten berühren lassen. Dies geht natürlich nur so lange gut, bis die beiden Menschen sich über den Weg laufen und dabei lernen müssen, ihre jeweilige Komfortzone wieder und wieder zu verlassen.

Schreibstil und Aufbau:
Ein wenig Drama, ganz wenig Spice und gegen Ende sogar noch richtig viel Schnee und Weihnachtsstimmung machen dieses Buch aus, das übrigens auch lose mit der Snow Crystal-Trilogie verbunden ist. Die ungeschickten Flirtversuche und die Tatsache, dass bei der Übersetzung sehr lange das höfliche "Sie" zwischen den Hauptfiguren verwendet wird, liessen mich einige Male mit den Augen rollen. Auf die Kosten kommen aber alle Hundefans, die sich von Oberflächlichkeit und vorhersehbaren Entwicklungen nicht abschrecken lassen und auf der Suche nach sehr kurzweiliger Unterhaltung mit humorvollen Momenten und kulinarischen Köstlichkeiten sind. Harriet ist nämlich eine begnadete Köchin und das Rezept für ihre Schokokekse hätte ich ihr gerne abgeluchst. Das Buch beinhaltet sogar einige berührende Szenen. Dann nämlich, wenn Harriet sich auf Gespräche mit einem Obdachlosen oder Spaziergänge mit einer älteren Kundin einlässt und dabei zeigt, wie viel Menschlichkeit in ihr steckt.

Meine Empfehlung:
Alles in allem war das leicht und seicht, unterhaltsam und ein wenig romantisch. Also einfach der perfekte Einstieg in die Vor-Vor-Vor-Weihnachtszeit, wenn man ein wenig eintauchen und gemütliche Lesestunden erleben will.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Verliebt für eine Weihnachtsnacht
Originaltitel:
Autorin: Sarah Morgan ist eine gefeierte Bestsellerautorin mit mehr als 21 Millionen verkauften Büchern weltweit. Ihre humorvollen, warmherzigen Liebes- und Frauenromane haben Fans auf der ganzen Welt. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von London, wo der Regen sie regelmäßig davon abhält, ihren Schreibplatz zu verlassen.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Ivonne Senn
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: MIRA Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
ISBN: 9783956497865

Rezension: Ruthchen schläft

Ruthchen schläft - Kerstin Campbell

Beschreibung des Verlages:

Fast vierzig Jahre und drei Stockwerke liegen zwischen Frau Lemke und Georg. Frau Lemke wohnt schon ihr ganzes Leben in dem Haus, das Georg geerbt hat. Es hat nicht viel geklappt in seinem Leben, aber eines weiß Georg sicher: An seinem Geburtstag wartet der von Frau Lemke gedeckte Tisch auf ihn, auf Frau Lemke ist Verlass. Doch jetzt soll alles anders werden: Frau Lemke muss zu ihrem Sohn Wolfgang nach New York ziehen. Nur solange ihre Katze lebt, hat Wolfgang verfügt, darf die alte Dame in Berlin bleiben. Als Ruthchen eines Morgens nicht mehr aufwacht, ist es Zeit für Plan B: Was, wenn Ruthchen einfach weiterhin auf dem Sofa schläft, für immer vielleicht? Tierpräparatorin Caro setzt die wahnwitzige Idee in die Tat um – und stellt auch Georgs Leben auf den Kopf.Eine Freundschaft, die kein Alter kennt, eine unverhoffte Liebe und Freunde, die die bessere Familie sind.

Inhalt:
Georg hat Geburtstag. Und wie jedes Jahr verbringt er diesen nicht mit seiner Familie, sondern mit der in seinem Haus ein paar Stockwerke unter ihm wohnenden Frau Lemke und ihrer Katze Ruthchen. Seit vielen Jahren ist die ältere Dame seine Wahlfamilie in Berlin. Doch Frau Lemkes Sohn Wolfgang will sie zu sich nach New York holen. Mit Ruthchen ist dies allerdings nicht möglich. Als es Ruthchen plötzlich sehr schlecht geht, entscheiden Georg und Frau Lemke, ihr ein ewiges Leben zu schenken und sie für immer auf Frau Lemkes Sofa schlafen zu lassen.

Meine Meinung:
Selten habe ich ein Buch gelesen, das mit so einer aussergewöhnlichen Geschichte daherkommt und mitten ins Herz trifft. Jede einzelne Figur in diesem Roman hat einige Ecken und Kanten und trotzdem gelingt es Campbell, dass ich sie alle lieb gewonnen habe. Allen voran natürlich Frau Lemke und natürlich auch die Tierpräparatorin Caro, welche die beste Werbung für ihren eher seltenen Beruf macht.

Schreibstil und Aufbau:
Was anfangs nach einer klaren Sache klingt, scheint Georg nach und nach zu entgleiten. Von einem Tag auf den anderen sieht sich der Sauberkeitsfanatiker die Hand eines Tierpräparatoren schütteln, gegen das Gesetz verstossen, in fremde Leben eintauchen, Beziehungen kitten und über seine eigene Familiengeschichte nachdenken.
Abgesehen von den hervorragend skizzierten Figuren ist die Stärke dieses Buches seine Vielschichtigkeit. Sowohl Georg als auch Frau Lemke leben in einer nicht ganz einfachen Familiensituation, die mit Rückblenden nach und nach klarer wird. Aber auch über das Altern in Würde, die eigene Selbstständigkeit, finanzielle Sorgen, Vereinsamung, Freundschaft und Liebe macht sich Campbell Gedanken und lässt mit viel Feingefühl und noch mehr Humor in die plötzlich sehr turbulenten Leben ihrer Figuren blicken.

Meine Empfehlung:

Dieser herzerwärmene Roman hat mich begeistert und überrascht. Die berührende Geschichte mit dem feinen Humor ist ein wahres Lesevergnügen und wird noch lange nachhallen. Ich hoffe so sehr auf weitere Romane aus Campbells Feder und wünsche dem Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Ruthchen schläft
Autorin: Kerstin Campbell hat Romanistik und Publizistik in Berlin und in Paris studiert. Ihre Kurzgeschichten erschienen in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften. Für ihren Debütroman Ruthchen schläft erhielt sie das Merck-Stipendium der Darmstädter Textwerkstatt. Sie arbeitete als Radiomoderatorin für ein Jugendradio und berichtete aus den Berliner Clubs. Nach einer Station als Autorin in New York ist sie jetzt Redakteurin beim ZDF. Sie lebt mit ihrer Familie in dem Stadtteil Berlins, in dem auch ihr Roman spielt.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Kampa
Erscheinungsdatum: 
27.01.2022
ISBN: 
978-3-311-15037-4

Rezension: Was wäre, wenn wir mutig sind

Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer

Beschreibung des Verlages:

Seit Jahren kämpfen Menschen um die künftige Bewohnbarkeit unseres Planeten. Luisa Neubauer ist eine von ihnen. Doch bis heute scheitert die Welt daran, den notwendigen Klimaschutz demokratisch zu organisieren. Warum passiert nicht mehr, obwohl die wissenschaftlichen Fakten schon lange bekannt sind? Woher kommt die Anti-Klima-Aggression der Rechten? Warum sorgen selbst die sichtbaren Klimakatastrophen nicht für ein gesellschaftliches Umdenken? Luisa Neubauer analysiert die Machtkämpfe hinter der Klimakrise, sie legt die fossilen Wurzeln unserer Demokratie frei und zeigt, wie eine realistische Utopie auf unserem Planeten aussehen kann.
Dieses Buch ist ein Aufruf, zu intervenieren und unsere ökologischen Grenzen zu verteidigen. Eine Einladung, den Krisen in die Augen zu schauen. Und ein Plädoyer für die Hoffnung.

Inhalt:
Auf ganz wenigen Seiten spannt Luisa Neubauer einen Bogen von der Geschichte und den Grundsätzen der Fossilität über den Zusammenhang zwischen Demokratien und Klimagerechtigkeit bis hin zur unbequemen Hoffnung, die wir uns selber machen können. Kompakt, klug und mit einem ausführlichen Anhang, der zu weiteren Recherchen animiert, regt sie damit zum Nachdenken an.

Meine Meinung:
Besonders gut hat mir gefallen, wie fundiert und gleichzeitig zugänglich Neubauers Texte sind. Ihr Büchlein ist eine schmale Übersicht, die Lust auf mehr macht und die zum eigenen Nachdenken und Weiterdenken inspiriert. Kein Satz ist zu viel und aus jeder Zeile wird klar, dass Neubauer genau weiss, wovon sie spricht. Ihre kluge Haltung, die zum sofortigen Handeln im Grossen und Kleinen animiert hat auch mich ein paar Dinge ganz neu überdenken lassen. Beispielsweise meine von Filmen/Serien und den Träumen anderer geprägten Konsumwünsche.
Auch wenn Neubauer kein allzu positives Bild der näheren Zukunft zeichnet, ruft sie doch immer wieder zur sogenannten "unbequemen" Hoffnung auf. Der Hoffnung, die nicht von Ziellosigkeit und Passivität lebt, sondern der Hoffnung, die man aktiv selber gestalten muss.


Sprache und Aufbau:
In drei Teilen nähert sich Neubauer zuerst dem Begriff Fossilität an und zeigt historische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge auf, welche uns und die Macht der fossilen Industrie geprägt haben. Dann geht sie hart mit der Politik und den oft unsinnig geführten Debatten ins Gericht und zeigt am Schluss auf, wo Lösungen liegen könnten und dass letztendlich gründlich geführte Dialoge und ein starkes Miteinander uns viele Ziele werden erreichen lassen.

"Wir werden viele der künftigen Katastrophen nicht mehr verhindern, aber wir können auf eine Welt hinarbeiten, in der wir uns wieder in die Augen schauen können. Weil Menschenleben respektiert, Freiheiten verteidigt und Liebe für die Gegenwart und Liebe für die Zukunft nicht länger gegeneinander ausgespielt werden."

Meine Empfehlung:
Das Buch sollte noch viel mehr Publikum finden. Nur schon, weil der Anhang so sehr zum weiteren Stöbern einlädt. Ich empfehle diesen kurzen Text euch allen herzlich weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Was wäre, wenn wir mutig sind
Autorin: Luisa Neubauer, geboren 1996 in Hamburg, ist eine der weltweit bekanntesten Klimaaktivistinnen. Zuletzt erschienen von ihr «Gegen die Ohnmacht» (2022), zusammen mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma, sowie «Der Klima-Atlas» (2024), zusammen mit Christian Endt und Ole Häntzschel. Seit 2020 hostet sie den Klimapodcast 1,5 Grad. 2023 wurde sie mit dem Ökumenischen Predigtpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Geografin lebt in Berlin und studiert in Göttingen.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 144 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 28.01.2025
ISBN: 978-3-499-01496-3

Rezension: Das goldene Ei

Das goldene Ei - Donna Leon

Reiheninfos:

  1. Venezianisches Finale (1992)
  2. Endstation Venedig (1993)
  3. Venezianische Scharade (1994)
  4. Vendetta (1995)
  5. Acqua alta (1996)
  6. Sanft entschlafen (1997)
  7. Nobiltà (1998)
  8. In Sachen Signora Brunetti (1999)
  9. Feine Freunde (2000)
  10. Das Gesetz der Lagune (2001)
  11. Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
  12. Verschwiegene Kanäle (2003)
  13. Beweise, daß es böse ist (2004)
  14. Blutige Steine (2005)
  15. Wie durch ein dunkles Glas (2006)
  16. Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
  17. Das Mädchen seiner Träume (2008)
  18. Schöner Schein (2009)
  19. Auf Treu und Glauben (2010)
  20. Reiches Erbe (2011)
  21. Tierische Profite (2012)
  22. Das goldene Ei (2013)
  23. Tod zwischen den Zeilen (2014)
  24. Endlich mein (2015)
  25. Ewige Jugend (2016)
  26. Stille Wasser (2017)
  27. Heimliche Versuchung (2018)
  28. Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
  29. Geheime Quellen (2020)
  30. Flüchtiges Begehren (2021)
  31. Milde Gaben (2022)
  32. Wie die Saat, so die Ernte (2023)
  33. Feuerprobe (2024) 

Beschreibung des Verlages:
Für Patta soll Brunetti diesmal nur pro forma in einem Kavaliersdelikt ermitteln: Er soll den Ruf des Bürgermeisters schützen, dessen künftige Schwiegertochter die Gesetze übertreten hat. Paola hingegen ist unerbittlich: Sie möchte wissen, was für ein Mensch der Tote war, der bei den Brunettis in der Nachbarschaft umgekommen ist. Dabei sieht alles zunächst nach einem Unfall aus: Die Schlaftabletten waren bunt wie Bonbons und der Junge nicht ganz richtig im Kopf. Doch tatsächlich: Je mehr Brunetti sich umhört, desto mehr Widersprüche kommen ans Licht, ja am Ende gar ein Mord. Niemand will etwas gewusst haben. Doch auch Nichtstun kann zum Verhängnis führen. Brunettis privatester Fall.

Inhalt:
Brunetti ist in doppelter Mission unterwegs. Für Vize Questore Patta lässt er seine Beziehungen spielen und kann verschiedene Erkenntnisse und Gefallen für seinen Vorteil nutzen. Für sich und Paola ermittelt er im Falle des verstorbenen Mannes aus seinem Viertel. Der junge Mann scheint eine Behinderung gehabt zu haben und das Verhalten seiner Mutter wirft Fragen auf. Das schlechte Gewissen, sich zu dessen Lebzeiten nicht mehr für ihn interessiert zu haben, treibt Brunetti um und lässt ihn bald auf unerwarteten Pfaden ermitteln.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal habe ich einen Brunetti-Krimi gelesen, bei dem ich ziemlich schnell durchblickte, wie alles zusammenhängen würde. Dennoch hat mich der Roman einmal mehr von Venedig träumen, Paolas Kochkünste geniessen und am Familienleben der Brunettis teilhaben lassen. Auch haben mich Commissario Brunettis Ermittlungen, seine Gedankengänge und die immer wieder in einem gesetzlichen Graubereich getroffenen Entscheide wunderbar unterhalten. Seine persönliche Betroffenheit hat ihn um so menschlicher und nahbarer gemacht, was mir gut gefallen hat.

Meine Empfehlung:
Je neuer die Romane, desto aktueller, menschlicher und vielschichtigen kommen die Fälle daher. Brunetti macht einfach Spass und auch diesen Band empfehle ich gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Tierische Profite
Originaltitel: The Golden Egg
Autorin:
Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 320 Seiten 
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2015  
ISBN: 978-3-257-24336-9  

Rezension: Pi mal Daumen

Pi mal Daumen - Alina Bronsky

Beschreibung des Verlages:

Sie begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung: Der hochbegabte Oscar ist 16, hat einen Adelstitel und ist noch nie mit der U-Bahn gefahren. Moni Kosinsky hat drei Enkel, mehrere Nebenjobs und liebt knalligen Lippenstift und hohe Absätze. Sie ist fest entschlossen, sich heimlich den Traum von einem Mathe-Studium zu erfüllen.
Doch im Hörsaal wird Moni für eine Putzfrau gehalten und belächelt. Wie kommt sie dazu, sich für eines der schwierigsten Fächer überhaupt einzuschreiben? Und woher kennt sie den berühmtesten Professor der Uni?
Bald muss nicht nur Oscar feststellen, dass Monis Verstand und Beharrlichkeit größer sind als ihre Wissenslücken. Denn Mathematik schert sich nicht um Fragen der Herkunft, des Alters und des Aussehens. Oscar dagegen kämpft mit dem Alltag und findet ausgerechnet in der warmherzigen Moni eine Vertraute, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. Bald verbindet die beiden Außenseiter eine Freundschaft, die niemand für möglich gehalten hätte. 

Inhalt:
Der Jungstudent Oscar bewegt sich in seiner ganz eigenen Welt. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch extrem privilegiert aufgewachsen. Ausserdem blickt er ziemlich ignorant auf seine Mitmenschen herab. Moni ist das genaue Gegenteil. Sie ist bereits Oma, trägt ausschliesslich schillernde Outfits, kümmert sich ganz oft um ihre Enkelkinder und arbeitet in mehreren Jobs, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. Daneben bleibt kaum Zeit für ihr Studium. Nachdem Moni und Oscar in einer Mathe-Vorlesung zufällig nebeneinander sitzen, nähern sich die beiden Einzelgänger einander an. Wer dabei wem am meisten unter die Arme greift, wird erst auf den zweiten Blick klar.

Meine Meinung:
Schon wieder hat mich Alina Bronsky überzeugt! Und schon wieder hat sie - wie auch schon bei "Barbara stirbt nicht" - eine furchtbar unangenehme Männerfigur geschaffen, welche die Geschichte aus ihrer eigenen eher beschränkten Perspektive erzählt und dabei die eigentliche weibliche Hauptfigur nicht nur ins Zentrum rückt sondern auch um so mehr Sympathie für sie weckt.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viele verschiedene Ebenen sich in Bronskys Roman finden. Ein wenig übertrieben kommen die Stereotype aber schon daher. Nur spielt Bronsky natürlich auch damit und macht eindrücklich auf soziale Ungerechtigkeiten und den grossen Einfluss von Vorurteilen aufmerksam.

Schreibstil und Aufbau:
In diesem Roman verbergen sich nicht nur ein hochnäsiger Jungspund und eine fleissige, interessierte und vor allem menschliche Frau, welche sich mit ihrem Mathe-Studium einen langgehegten Traum erfüllen will, sondern auch ganz viele berührende Zwischentöne. Eine tragische Familiengeschichte, eine zum Scheitern verurteilte Beziehung und Menschen, die nie gelernt haben, sich etwas zuzutrauen, die aber eine Chance packen, wenn man sie ihnen gibt sind genau so Teil dieser Geschichte, wie desinteressierte Wissenschaftler und geborene Pädagogen. Mathematische Rätsel und Spielereien sowie Einblicke in ein turbulentes Familienleben kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.
In bekannter Manier sorgt Bronsky mit ihrem zarten Humor sowie einigen kreativen Überraschungen dafür, dass die Geschichte nie langweilig wird, dass Gesellschaftskritik ankommt und trotzdem für Unterhaltung gesorgt ist.

Meine Empfehlung:
"Pi mal Daumen" ist ein sehr kurzweiliges, kreativ erzähltes Buch, das einfach Spass macht und mit seiner ungewöhnlichen Protagonistin berührt. Ich wünsche dem Roman noch viele weitere Fans und empfehle ihn euch sehr gerne weiter.

Weitere Bücher der Autorin:
Baba Dunjas letzte Liebe
Der Zopf meiner Großmutter
Barbara stirbt nicht

Zusätzliche Infos:
Titel:
 Pi mal Daumen
Autorin:
Alina Bronsky, geboren 1978, lebt in Berlin. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum Bestseller und fürs Kino verfilmt. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg. 2019 und 2021 erschienen ihre Bestseller »Der Zopf meiner Großmutter« und »Barbara stirbt nicht«, 2024 folgte ihr Roman »Pi mal Daumen«, der als Lieblingsbuch der Unabhängigen ausgezeichnet wurde.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 272 Seiten
Verlag: KiWi
Erscheinungstermin: 15.08.2024 
ISBN: 978-3-462-00425-0

Rezension: Mit beiden Händen den Himmel stützen

Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien

Beschreibung des Verlages:
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. 
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.

TW: sexualisierte Gewalt (auch an Kindern), Alkoholmissbrauch, Drogen, Gewalt, SVV, Essstörung, Erbrechen

Inhalt:
Lale wächst bei ihrem Pflegevater in einer Männer-WG auf, in der auch ihr Vater lebt, was die Behörden aber nicht erfahren dürfen. Schon früh macht sie Erfahrungen mit Erwachsenen, die sich berauschen, lügen und stehlen. Ihre Kindheit ist geprägt von Vernachlässigung und Missbrauch, aber auch von Abenteuern und unendlichen Freiheiten. Als Jugendliche gerät sie dann selber ein wenig aus dem Lot und als junge Frau muss sie damit beginnen, sich ihren Körper zurückzuholen und zu lernen, gesunde Grenzen zu setzen und auch zu akzeptieren. 

Meine Meinung:
Viele begeisterte Rezensionen haben mich das Buch auf meine Wunschliste setzen lassen und als es dann auch noch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis landete, habe ich es mir sofort gekauft. Schnell wird klar, dass sich auf wenigen Seiten eine sehr intensive, fordernde und stellenweise auch explizite Geschichte verbirgt. Wer zwischen diesen Buchdeckeln aber Trauma-Porn vermutet, liegt komplett falsch. Vielmehr ist dieser Roman die Aufarbeitung einer komplizierten Kindheit und Jugend, die sicher nicht ganz unähnlich ist zu Tollkiens eigenen Erfahrungen. Darum soll es aber gar nicht gehen. Im Zentrum stehen eine enorme Sprachkunst und eine Kritik an einer linken Szene, die mit kritischen und modernen Werten punktet, im Bereich Kinder- und Jugendschutz aber kläglich versagt und sich der Verantwortung für Kinder und Jugendliche nicht stellen kann und/oder will. Nicht nur sind Lales Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen, auch sind sämtliche Behörden, Lehrpersonen und andere "Bezugspersonen" entweder selber Täter oder zumindest bereit, ihre Augen vor der Wahrheit zu verschliessen.

Schreibstil und Aufbau:
Die Beschreibungen der oft aufwühlenden Szenen gestaltet Tollkien mit klaren Worten aber auch mit Leerstellen. Die in der ich-Person erzählende Protagonistin Lale beschreibt dabei als erwachsene Frau Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend und lässt gleichzeitig auch immer wieder in ihr erwachsenes Leben blicken. Dies geschieht mit kunstvoll gebildeten Sätzen, deren Struktur sich oft wiederholt und die dem Roman eine ganz eigene Form gibt.

Meine Empfehlung:
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ein intensives, mitreissendes, bewegendes Debüt, das nachhallt und Lust auf mehr macht. Ich empfehle euch das Buch gerne weiter, macht euch aber auf explizite Inhalte gefasst... Und ich werde Tollkien auf jeden Fall im Auge behalten.

Zusätzliche Infos:
Titel: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Autorin: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 255 Seiten
Verlag: aufbau
Veröffentlichung: 14.03.2026
ISBN: 978-3-351-04284-4

Rezension: Anti Müller

Anti Müller - Yade Yasemin Önder

Beschreibung des Verlages (stark gekürzt):

„Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.“
In ihrem neuen Roman erzählt Yade Yasemin Önders seziert mit großer poetischer Präzision die Mechanismen moderner Beziehungen. Im Zentrum steht eine Mittdreißigerin, die um eine Beziehung, ihren Wunsch nach Familie und ihren Drang nach Geborgenheit kämpft.
Doch Anti Müller erzählt nicht nur von der Suche nach Liebe und Nähe. Dieser Roman nimmt auch einen vermeintlich feministischen Kulturbetrieb ins Blickfeld, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt.
Unter den lackierten Nägeln der sanften Vollstrecker verkrusteter Strukturen lauert noch immer der Schmutz des Patriarchats. Mit sprachlicher Genauigkeit legt Yade Yasemin Önder offen, wie sich diese Machtverhältnisse in Beziehungen, im Kulturbetrieb und im Umgang mit weiblichen Körpern fortschreiben.
Anti Müller verbindet die persönliche Geschichte einer Mittdreißigerin mit einer scharfen Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Der Roman fragt, wie frei Beziehungen wirklich sind und wer bestimmt, was auf den Bühnen und über die Körper geschieht.

Inhalt:
Die namenlose Protagonistin schreibt ihren ersten Roman und sucht nach einer zerbrochenen Beziehung einen neuen Partner, mit dem sie ihren Kinderwunsch verwirklichen kann. Unter anderem kommt sie Andi Müller näher, der bereits Zwillingsvater ist und gerade als Schauspieler durchstartet. Er vertröstet sie lange und sie bemerkt, dass sie nicht nur droht, sich selber zu verlieren, sondern dass ihr in dieser schwierigen Mischung aus Abhängigkeit und Selbstbestimmtheit auch die Zeit davonrennt.

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich innerhalb von kürzester Zeit inhatiert und auch wenn wohl einige Lesenden den Schreibstil als nicht so zugänglich empfunden haben, habe ich mich beim Lesen perfekt abgeholt, unterhalten und nachdenklich gestimmt sowie wütend gemacht gefühlt. Schicht für Schicht gelingt es, Yade Yasemin Önders, Machtstrukturen innerhalb von (vor allem hetero-)Beziehungen auf den Punkt zu bringen und sie macht ihren "Müller" zu genau der Figur Mann, die eigentlich verstanden hat, wie Feminismus funktioniert, die mit dem Kinderwunsch der Partnerin aber zufällig ein Druckmittel in die Hände gespielt bekommen hat und dieses auch bewusst und unbewusst ausnutzt. Unsere Protagonistin hingegen ist selbstbestimmt und wird beruflich immer erfolgreicher, sie geniesst ihre Freiheiten, Tinderdates und die Selbstbestimmung über ihre Beziehungen, ihr Leben und ihren Körper und sucht gleichzeitig nach einem sicheren Hafen, den sie in einer eigenen Familie vermutet. Dies ist schmerzhaft und einige Szenen haben mich an einen schwierigen Besuch in einer Kinderwunschklinik an der Seite einer lieben Freundin erinnert. An den von der Ärztin erstellen Ausdruck mit den Berechnungen der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft in ihrer zitternden Hand und an die anderen Frauen im Wartebereich, einige davon tränenüberströmt, andere hochschwanger...
Das Buch lässt aber auch in einen Kulturbetrieb blicken, den ich selber nur zu gut kenne und der immer wieder vorgibt, sich selber zu überdenken und überarbeiten, zu modernisieren und für mehr Diversität und Inklusion einzustehen. Was er ehrlich gesagt stellenweise auch tut und dies sogar auf überzeugende Art. Wenn es dann um Ruhm, Preisgelder oder aber auch Shitstorms geht, ist allerdings immer ganz klar gegendert, wer davon am meisten abbekommt.
Und als wäre alle dies noch nicht Inhalt genug, schafft es Önders auch noch, eine weitere Ebene ins Spiel zu bringen. Ihre Protagonistin ist nämlich mit immer wieder streitenden und immer wieder getrennten Eltern aufgewachsen und ihre Mutter hat eine Migrationsgeschichte. So wächst die Protagonistin mit und auch wieder nicht mit Migrationshintergrund auf und weigert sich, sich ausschliesslich darüber zu definieren, wie dies so viele andere Autoren (gendern nicht nötig) tun, er ist aber natürlich trotzdem Teil von ihr.
Das Buch hat so vieles lustige Szenen, wie die "toten" Exfreunde der Protagonistin. Aber dieses Buch ist auch extrem traurig und aufrüttelnd und zeigt eine gleichzeitig zur erfolgreichen Karriere stattfindende Leere und Zerrissenheit, mit der sich wohl viele Frauen Mitte Dreissig herumschlagen, die aber noch kaum so gut in Worte gefasst worden ist, trotzdem verliert es nie einen auch irgendwie hoffnungsvollen Ton. Und dann überzeugt das Buch auch noch sprachlich. Mal kommt es derb und brutal, bissig und böse daher, mal dominieren die leisen Töne und lassen Raum für eigene Gedanken. 

Meine Empfehlung:
Das Buch habe ich nicht nur zu einem für mich perfekt passenden Zeitpunkt gelesen - nämlich nach "Das kunstseidene Mädchen" und vor "Heult leise, Habibis" - , es ist auch generell absolut zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Unbedingte Empfehlung!

Zusätzliche Infos:
Titel:
Anti Müller
Autorin: Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike. Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist. 
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 240 Seiten
Verlag: park x ullstein
Erscheinungstag: 26.02.2026
ISBN: 9783988160652

Rezension: Das kunstseidene Mädchen

Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Beschreibung des Verlages:

Der herausragende literarische Klassiker, der Irmgard Keun 1932 zum Literaturstar und eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts machte: fesselnd, eindringlich, zeitkritisch und humorvoll!
»Irmgard Keun war die erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ
»Ich will ein Glanz werden«
Doris, das kunstseidene Mädchen, ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagein, tagaus Briefe tippen, sondern ein Star werden, will die große Welt erobern. Die große Welt, das ist für die Achtzehnjährige Berlin. Dort stürzt sie sich in das Leben der Tanzhallen, Bars und Literatencafés, lässt sich in vornehme Lokale einladen, goutiert die »gute Gesellschaft«– und bleibt doch allein. Ihre Affären mit Männern aus »besseren Kreisen« sind kurzlebig, die erträumte Karriere bleibt eine Illusion.
Doch Doris weiß sich zu trösten ...  
Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer »naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig« beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine seltene Einheit und ein wahrer Klassiker der Literatur.

Inhalt:
Von Sommer 1931 bis Frühling 1932 begleiten wir die achtzehnjährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Doris durch ihren turbulenten Alltag. Nach den Annäherungen ihres Arbeitgebers verlässt sie ihre Stelle als Sekretärin und ihre Heimatstadt und zieht nach Berlin, wo sie sich eine Karriere erhofft und davon träumt, ein "Glanz" zu werden und den sozialen Aufstieg zu schaffen. Zahlreiche skurrile bis gefährliche Männerbekanntschaften, Alkohol, Naivität, aber auch eine gehörige Portion Mut und Pragmatismus prägen diese Reise.

Meine Meinung:
Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich während Julia Webers Lesung zu ihrem Buch "Weil ich Ruth bin". Sie verwies dabei auf "Das kunstseidene Mädchen" und hat mich sehr neugierig gemacht. Vor der Lektüre wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich flog aber nur so durch die Seiten dieses spannenden Zeitromans und hätte Doris manchmal am liebsten in den Arm genommen oder sie, respektive ihre zwielichtigen männlichen Kumpanen - je nach Situation - auch ausgeschimpft. Auf jeden Fall aber habe ich mich gefragt, weshalb wir diesen Klassiker nie in der Schule gelesen und besprochen haben. Dort würde er in meinen Augen unter anderem hingehören.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist bewusst schlicht und ein wenig kindlich gehalten. Der Inhalt des Romans besteht ausschliesslich aus Tagebucheinträgen, Gedanken und Aufzeichnungen der scheinbar ein wenig naiven Protagonistin Doris. Keun versetzt sich mit einer spielerischen Leichtigkeit in diese Figur, die man allen Ecken und Kanten zum Trotz einfach mögen muss, was nicht zuletzt an ihrem Lebensmut und ihrer Bauernschläue in scheinbar ausweglosen Situationen liegt. Was auf den ersten Blick simpel und schlicht wirkt, ist aber ein sprachliches Meisterwerk, das dem - vor allem männlichen - Bildungsbürgertum einen Spiegel vorhält und gekonnt gesellschaftliche Missstände anprangert.
Als besonders wertvoll habe ich die zwei Texte im Anhang empfunden. Der Text von Annette Keck beleuchtet "Das kunstseidene Mädchen" noch einmal differenziert, während der Text von Anna Barbara Hagin sich vor allem mit Keuns Leben auseinandersetzt.

Meine Empfehlung:
Das Buch empfehle ich euch sehr gerne weiter und ich bin schon gespannt auf weitere Werke der Autorin. Es lohnt sich in meinen Augen nämlich unbedingt, Irmgard Keun kennenzulernen.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das kunstseidene Mädchen
Autorin: Irmgard Keun, 1905 in Berlin geboren, feierte mit ihren beiden ersten Romanen, Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen, sensationelle Erfolge. 1936 ging sie ins Exil und kehrte vier Jahre später mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt lebte. Im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit konnte sie zunächst nicht an die Erfolge ihrer ersten Bücher anknüpfen, bis ihre Romane Ende der Siebzigerjahre von einem breiten Publikum wiederentdeckt wurden. Irmgard Keun starb 1982 und zählt heute zu den wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 208 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch

Erscheinungstag dieser Ausgabe: 01.02.2001
ISBN: 9783548600857

Rezension: Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Pechvogel Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind - aus gutem Grund, wie Nele bald herausfindet. Ausgerechnet jetzt beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. In dieser turbulenten Zeit stellt sich gerade Claas als große Hilfe heraus. Aber soll Nele sich wirklich von der Liebe einen Strich durch ihre Pläne machen lassen?

Inhalt:
Nele stellt sich und ihre Wünsche stets zurück. Sie kümmert sich um ihre Mitmenschen, ihre Familie, ihre Arbeit und vergisst dabei, auch mal für sich und ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Als sie nach einer Trennung in ihrem neuen Traumjob durchstartet, muss sie sich nicht nur mit einem gehässigen Mitarbeiter und einem schwer in die Gänge zu kriegenden Lokalpolitiker und dessen PR-Kampagne abkämpfen, sie verliebt sich auch noch Hals über Kopf in ihren Chef. Als wäre das nicht genug, verlangen auch ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Freundeskreis einiges von ihr und es müssen zuerst die Fetzen fliegen, bevor sie sich eingesteht, was sie wirklich will.

Meine Meinung:
Ausgerechnet beim Lesen dieses letzten Bandes der gaaaaanz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, hatte ich das Gefühl es wirklich mit einer Reihe zu tun zu haben, schliesslich ist Nele die Mitbewohnerin von Annika, der Protagonistin aus dem fünften Band und entsprechend kommen einige Figuren aus dem Vorgängerband auch im Abschlussband wieder vor. Und auch Taxifahrer Knut hat einen seiner berühmten Gastauftritte und gibt Nele genau dann, als sie an einem Tiefpunkt angekommen ist, einen lebensverändernden Rat. Gefallen hat mir übrigens vor allem wie konstruktiv Nele mit Konflikten innerhalb ihrer Familie umgeht und wie sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ausserdem haben mir die Einblicke in ihre Arbeit sehr gefallen und vor allem die Szenen mit Rüdiger Hofmann-Klassing, dem Bürgermeisterkandidaten der Durchschnittspartei, haben mich bestens unterhalten. Schade fand ich allerdings, dass Hamburg, das stets mit viel Liebe beschrieben worden ist, nur noch eine Nebenrolle spielt und auch wenn der sechste Band ebenfalls kurzweilig geschrieben ist, wird beim Lesen vor allem eines klar: die Reihe ist definitiv auserzählt.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist einfach ein schöner, unterhaltsamer Reihenabschluss mit einer Prise Romantik und viel Humor. Perfekt für lange Zugstunden und Zwischendurch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 512 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag:Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19198-7

Rezension: Unmöglicher Abschied

Unmöglicher Abschied - Han Kang

Beschreibung des Verlages:
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.

Inhalt:
In der schier unerträglichen Sommerhitze schafft es die Autorin Gyeongha kaum, eine Seite zu schreiben, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Sie wird allerdings immer wieder von einem bedrohlichen Traum aufgesucht: in einer verschneiten Landschaft stehen schwarz eingefärbte Baumstämme, die an einen mit Grabsteinen übersäten Friedhof erinnern. Auch Han Kang erwähnte übrigens in einigen Reden und Interviews, dass ein Traum sie zu diesem Buch inspiriert hat.
Gyeongha erwacht aus ihrem trägen Zustand, als es endlich Herbst wird. Ausserdem hat ihre gute Freundin Inseon einen schweren Unfall und bittet sie, auf die Insel Jeju zu reisen, um sich dort um einen kleinen Vogel zu kümmern, der nicht so lange ohne Wasser überleben kann.
Gyeongha geht der Bitte ihrer Freundin nach und ein plötzlicher Schneesturm droht, das Unterfangen scheitern zu lassen. In Inseons Wohnung auf Jeju angekommen, beginnt die Handlung in fiebertraumähnlichen Sequenzen zwischen Realität und Fiktion zu schwanken und rückt dabei ein brutales Kapitel aus Koreas Geschichte ins Zentrum der Erinnerungen der Protagonistinnen.

Meine Meinung:
Auch dieser sprachgewaltige und gekonnt erzählte Roman der Autorin hat mich sehr für sich eingenommen, berührt und zu eigenen Recherchen angeregt. Die teilweise vernichtenden Kritiken ("zu viel Schnee") kann ich dabei überhaupt nicht nachvollziehen. Es stimmt allerdings, dass man sich beim Lesen auf Han Kangs magischen Realismus, Zeitsprünge und überraschende Wendungen und Elemente einlassen muss. Da dies mein fünfter Roman der Autorin ist, ist mir dies aber überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil; dem heftigen Thema zum Trotz behält Han Kang die ihr typische Leichtigkeit bei und ihre Sätze überzeugen mit grossem handwerklichem Geschick und überwältigender sprachlicher Schönheit. Als Einstieg in ihr Werk empfehle ich das Buch aber nicht. Dafür empfinde ich "Die Vegetarierin" und dann "Menschenwerk" als sehr viel geeigneter.

Schreibstil und Aufbau:
Wie schon in ihrem unglaublich brutalen und aufrüttelnden Roman "Menschenwerk" legt Han Kang auch in "Unmöglicher Abschied" den Schwerpunkt auf ein grauenvolles Kapitel der koreanischen Geschichte und kritisiert dabei vor allem auch die Vertuschungen und den Machtmissbrauch der koreanischen Regierung. Der Schnee in Form von Schneestürmen, Schneeflocken und alle Geräusche verschluckende Schneedecken ist dabei allgegenwärtig und die Handlung besteht aus verschiedenen Ebenen. In der Gegenwart begleiten wir Gyeongha durch den Schnee ins Haus ihrer Freundin, auf der anderen Ebene erzählt Inseon (oder Inseons Geist) von ihren Nachforschungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und somit auch zu den Gräueltaten des Jeju-Massakers von 1948. Bis zum Schluss des Buches bleibt offen, welche in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse Traum und welche Realität sind. Das gekonnte Sprachspiel der Autorin lenkt mit der ihr eigenen Leichtigkeit auf genau die historischen Ereignisse, welche ihr wichtig sind und die Rahmenerzählung nutzt sie eben genau als Rahmen, als Teppich und kunstvolle Metapher.

Meine Empfehlung:
"Unmöglicher Abschied" hat es mir angetan, mich berührt, begeistert und neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht. Ich empfehle das Buch vor allem Fans von Han Kang und empfehle "Die Vegetarierin" als Einstieg in ihr Werk.

Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
Die Vegetarierin
Menschenwerk
Deine kalten Hände
Griechischstunden

Zusätzliche Infos:
Titel:
Unmöglicher Abschied
Originaltitel: 작별하지 않는다 "We do not part"
Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Koreanischen von: Ki-Hyang Lee
Hardcover: 315 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Veröffentlichung: 12.08.2026
ISBN: 978-3-7466-4348-9

Rezension: Mini Horror

Minihorror - Barbi Marković

Beschreibung des Verlages:
Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und nicht mehr schließen will.
In «Minihorror» setzt Barbi Marković den Angstarbeiter:innen unserer Gesellschaft ein Denkmal aus Perfidie und Mitgefühl, bei dessen Lektüre wir uns gleichermaßen ertappt und verstanden fühlen.

Inhalt:
In zahlreichen kurzweiligen Kapiteln widmet sich Barbi Marković dem ganz alltäglichen Horror, der sich aus scheinbar harmlosen Situationen entwickeln kann. Der Anfang eines jeden Kapitels kommt dabei (meistens) komplett unscheinbar daher und plötzlich kippt die Geschichte und eskaliert zu einer schaurig-skurrilen Erzählung, die Spass macht und dabei auch immer wieder wichtige und uns oft auch nur zu bekannte Themen wie Rassismus, eigene Privilegien, Beziehungen und Familie vor Augen führt.

Meine Meinung:
Schon sehr lange einmal wollte ich ein Buch von Barbi Marković lesen. Nach Anetts begeisterter Rezension zu "Minihorror" habe ich mir das Buch sofort gekauft. Anfangs musste ich mich ein wenig an den eher speziellen Stil gewöhnen, habe dann aber immer mehr Spass empfunden beim Lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Marković es schafft, aus den banalsten Situationen - wie Familientreffen, Spaziergänge, Katzenbegegnungen - Gedankenspiele zu machen, die plötzlich unheimlich, gruselig und bedrohlich werden. Immer dabei sind ihre Hauptfiguren Mini und Miki, die das Leben mehr oder weniger Seite an Seite verbringen und die Szenarien meistens auch ziemlich lebend aber definitiv nicht immer unversehrt überstehen. Im Anhang hat die Autorin noch weitere Texte und Horrorszenarien mit unterhaltsamen Skizzen versammelt.

Meine Empfehlung:
Von ein wenig schrägen bis komplett verstörenden Szenarien hat Marković einfach alles in ihren Texten versammelt. Der Humor ist dunkelschwarz und jeder Satz ist vom ersten bis zum letzten Wort durchdachte und höchste erzählerische Kunst. Die Kapitel sind kurz und oft auch nachdenklich stimmend.
Auf dieses kurze Büchlein muss man sich einlassen. Und dann sind der Genuss und natürlich der Horror um so grösser.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Minihorror
Autorin: Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, studierte Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erschien ihr Debüt «Ausgehen», noch als Übersetzung aus dem Serbokroatischen, 2016 dann der Roman «Superheldinnen», der unter anderem mit dem Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde; fünf Jahre später folgte «Die verschissene Zeit». Für «Minihorror» erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Sie lebt in Wien.
Taschenbuch: 192 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 13.05.2025
ISBN: 978-3-499-01692-9