Pi mal Daumen - Alina Bronsky
Beschreibung des Verlages:
Sie begegnen sich zum ersten Mal in einer Vorlesung: Der hochbegabte Oscar ist 16, hat einen Adelstitel und ist noch nie mit der U-Bahn gefahren. Moni Kosinsky hat drei Enkel, mehrere Nebenjobs und liebt knalligen Lippenstift und hohe Absätze. Sie ist fest entschlossen, sich heimlich den Traum von einem Mathe-Studium zu erfüllen.
Doch im Hörsaal wird Moni für eine Putzfrau gehalten und belächelt. Wie kommt sie dazu, sich für eines der schwierigsten Fächer überhaupt einzuschreiben? Und woher kennt sie den berühmtesten Professor der Uni?
Bald muss nicht nur Oscar feststellen, dass Monis Verstand und Beharrlichkeit größer sind als ihre Wissenslücken. Denn Mathematik schert sich nicht um Fragen der Herkunft, des Alters und des Aussehens. Oscar dagegen kämpft mit dem Alltag und findet ausgerechnet in der warmherzigen Moni eine Vertraute, die seinem Leben eine entscheidende Wendung gibt. Bald verbindet die beiden Außenseiter eine Freundschaft, die niemand für möglich gehalten hätte.
Inhalt:
Der Jungstudent Oscar bewegt sich in seiner ganz eigenen Welt. Er ist nicht nur hochbegabt, sondern auch extrem privilegiert aufgewachsen. Ausserdem blickt er ziemlich ignorant auf seine Mitmenschen herab. Moni ist das genaue Gegenteil. Sie ist bereits Oma, trägt ausschliesslich schillernde Outfits, kümmert sich ganz oft um ihre Enkelkinder und arbeitet in mehreren Jobs, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. Daneben bleibt kaum Zeit für ihr Studium. Nachdem Moni und Oscar in einer Mathe-Vorlesung zufällig nebeneinander sitzen, nähern sich die beiden Einzelgänger einander an. Wer dabei wem am meisten unter die Arme greift, wird erst auf den zweiten Blick klar.
Meine Meinung:
Schon wieder hat mich Alina Bronsky überzeugt! Und schon wieder hat sie - wie auch schon bei "Barbara stirbt nicht" - eine furchtbar unangenehme Männerfigur geschaffen, welche die Geschichte aus ihrer eigenen eher beschränkten Perspektive erzählt und dabei die eigentliche weibliche Hauptfigur nicht nur ins Zentrum rückt sondern auch um so mehr Sympathie für sie weckt.
Mir hat sehr gut gefallen, wie viele verschiedene Ebenen sich in Bronskys Roman finden. Ein wenig übertrieben kommen die Stereotype aber schon daher. Nur spielt Bronsky natürlich auch damit und macht eindrücklich auf soziale Ungerechtigkeiten und den grossen Einfluss von Vorurteilen aufmerksam.
Schreibstil und Aufbau:
In diesem Roman verbergen sich nicht nur ein hochnäsiger Jungspund und eine fleissige, interessierte und vor allem menschliche Frau, welche sich mit ihrem Mathe-Studium einen langgehegten Traum erfüllen will, sondern auch ganz viele berührende Zwischentöne. Eine tragische Familiengeschichte, eine zum Scheitern verurteilte Beziehung und Menschen, die nie gelernt haben, sich etwas zuzutrauen, die aber eine Chance packen, wenn man sie ihnen gibt sind genau so Teil dieser Geschichte, wie desinteressierte Wissenschaftler und geborene Pädagogen. Mathematische Rätsel und Spielereien sowie Einblicke in ein turbulentes Familienleben kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.
In bekannter Manier sorgt Bronsky mit ihrem zarten Humor sowie einigen kreativen Überraschungen dafür, dass die Geschichte nie langweilig wird, dass Gesellschaftskritik ankommt und trotzdem für Unterhaltung gesorgt ist.
Meine Empfehlung:
"Pi mal Daumen" ist ein sehr kurzweiliges, kreativ erzähltes Buch, das einfach Spass macht und mit seiner ungewöhnlichen Protagonistin berührt. Ich wünsche dem Roman noch viele weitere Fans und empfehle ihn euch sehr gerne weiter.
Weitere Bücher der Autorin:
Baba Dunjas letzte Liebe
Der Zopf meiner Großmutter
Barbara stirbt nicht
Zusätzliche Infos:
Titel: Pi mal Daumen
Autorin: Alina Bronsky, geboren 1978, lebt in Berlin. Ihr Debütroman »Scherbenpark« wurde zum
Bestseller und fürs Kino verfilmt. »Baba Dunjas letzte Liebe« wurde für
den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert und ein großer Publikumserfolg.
2019 und 2021 erschienen ihre Bestseller »Der Zopf meiner Großmutter«
und »Barbara stirbt nicht«, 2024 folgte ihr Roman »Pi mal Daumen«, der
als Lieblingsbuch der Unabhängigen ausgezeichnet wurde.
Sprache: Deutsch
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 272 Seiten
Verlag: KiWi
Erscheinungstermin: 15.08.2024
ISBN: 978-3-462-00425-0
Rezension: Pi mal Daumen
Rezension: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Beschreibung des Verlages:
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.
TW: sexualisierte Gewalt (auch an Kindern), Alkoholmissbrauch, Drogen, Gewalt, SVV, Essstörung, Erbrechen
Inhalt:
Lale wächst bei ihrem Pflegevater in einer Männer-WG auf, in der auch ihr Vater lebt, was die Behörden aber nicht erfahren dürfen. Schon früh macht sie Erfahrungen mit Erwachsenen, die sich berauschen, lügen und stehlen. Ihre Kindheit ist geprägt von Vernachlässigung und Missbrauch, aber auch von Abenteuern und unendlichen Freiheiten. Als Jugendliche gerät sie dann selber ein wenig aus dem Lot und als junge Frau muss sie damit beginnen, sich ihren Körper zurückzuholen und zu lernen, gesunde Grenzen zu setzen und auch zu akzeptieren.
Meine Meinung:
Viele begeisterte Rezensionen haben mich das Buch auf meine Wunschliste setzen lassen und als es dann auch noch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis landete, habe ich es mir sofort gekauft. Schnell wird klar, dass sich auf wenigen Seiten eine sehr intensive, fordernde und stellenweise auch explizite Geschichte verbirgt. Wer zwischen diesen Buchdeckeln aber Trauma-Porn vermutet, liegt komplett falsch. Vielmehr ist dieser Roman die Aufarbeitung einer komplizierten Kindheit und Jugend, die sicher nicht ganz unähnlich ist zu Tollkiens eigenen Erfahrungen. Darum soll es aber gar nicht gehen. Im Zentrum stehen eine enorme Sprachkunst und eine Kritik an einer linken Szene, die mit kritischen und modernen Werten punktet, im Bereich Kinder- und Jugendschutz aber kläglich versagt und sich der Verantwortung für Kinder und Jugendliche nicht stellen kann und/oder will. Nicht nur sind Lales Eltern ihrer Aufgabe nicht gewachsen, auch sind sämtliche Behörden, Lehrpersonen und andere "Bezugspersonen" entweder selber Täter oder zumindest bereit, ihre Augen vor der Wahrheit zu verschliessen.
Schreibstil und Aufbau:
Die Beschreibungen der oft aufwühlenden Szenen gestaltet Tollkien mit klaren Worten aber auch mit Leerstellen. Die in der ich-Person erzählende Protagonistin Lale beschreibt dabei als erwachsene Frau Szenen aus ihrer Kindheit und Jugend und lässt gleichzeitig auch immer wieder in ihr erwachsenes Leben blicken. Dies geschieht mit kunstvoll gebildeten Sätzen, deren Struktur sich oft wiederholt und die dem Roman eine ganz eigene Form gibt.
Meine Empfehlung:
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ein intensives, mitreissendes, bewegendes Debüt, das nachhallt und Lust auf mehr macht. Ich empfehle euch das Buch gerne weiter, macht euch aber auf explizite Inhalte gefasst... Und ich werde Tollkien auf jeden Fall im Auge behalten.
Zusätzliche Infos:
Titel: Mit beiden Händen den Himmel stützen
Autorin: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 255 Seiten
Verlag: aufbau
Veröffentlichung: 14.03.2026
ISBN: 978-3-351-04284-4
Lese-Statistik August 2026
Hallo zusammen
Nun ist endlich auch der - vor allem am Anfang - immer noch viel zu heisse und trockene August überstanden und meine liebste Jahreszeit beginnt. Nach dem extrem emotionalen und auch nicht ganz einfachen Juli hatte ich im August zuerst noch eine einigermassen ruhige Woche, in der ich mich wieder an meinen Alltag herantasten konnte. Dann hat auch bereits das neue Schuljahr - wie immer mit viel Chaos, Mehraufwand und vor allem ganz vielen unvorhergesehenen Herausforderungen - begonnen. Als mittlerweile alte Häsin und mit den nach der Pause wieder aufgeladenen Batterien stürze ich mich aber jeweils sehr euphorisch in den Schulstart und mag diese kleinen und grösseren Challenges eigentlich sehr gerne.
Und weil ich gleichzeitig auch mit verschiedenen Ensembles wieder die Probenarbeit aufgenommen, mein Patenkind (und ganz viele andere tolle Menschen) oft besucht, ein grosses Fest gefeiert, einige Konzerte am Lucerne Festival erlebt habe und eine wirklich tolle Konzertanfrage für März 2027 annehmen konnte, war das ein sehr schöner, erfolgreicher, spannender Monat. Wie ihr nämlich vielleicht bereits mitbekommen habt, sind dicht und abwechslungsreich gefüllte Monate mir immer am liebsten :-D
Gelesen habe ich auch; vor allem im Zug, extrem unregelmässig und absolut querbeet, aber da waren wieder einige spannende Bücher dabei.
Gelesen im August:
Ein fesselndes Buch zum Nachdenken mit eher offenem Ende, für mich extrem stimmig gemacht
Eine erneute Reise nach Venedig mit einem brutalen Ausflug in einen Schlachthof, toll erzählt
Skurrile, absurde Kurzgeschichten, dunkelschwarzer Humor, zum Nachdenken und Gruseln
Eine starke Freundschaft, Schnee und Winter, ein Kriegsverbrechen um 1948, berührend und poetisch
Der unterhaltsame Abschluss der lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, gemütlich und humorvoll
Klassiker und Gesellschaftsstudie aus dem Jahr 1932 mit viel Kritik am Bildungsbürgertum, lesenswert
Zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises: schmerzhaft, bewegend, klug und hoffnungsvoll zugleich
Alle Zahlen und Rezensionen:
Krokodilwächter - Katrine Engberg (abgebrochen nach 166 Seiten)
Mörderischer Freitag - Nicci French (abgebrochen nach 150 Seiten)
Kleine Monster - Jessica Lind (256 Seiten)
Tierische Profite - Donna Leon (336 Seiten)
Mini Horror - Barbi Marković (192 Seiten)
Unmöglicher Abschied - Han Kang (315 Seiten)
Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann (512 Seiten)
Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun (208 Seiten)
Anti Müller - Yade Yasemin Önder (240 Seiten)
Neuzugänge:
- Shining - Stephen King (von einem guten Freund geliehen)
- Unmöglicher Abschied - Han Kang (neu gekauft, sogar vorbestellt)
- Mit beiden Händen den Himmel stützen - Lilli Tolkien (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
- Anti Müller - Yade Yasemin Önder (Longlist Deutscher Buchpreis, neu gekauft)
- Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun (neu gekauft)
- Was wäre, wenn wir mutig sind - Luisa Neubauer (neu gekauft)
Abgebrochen:
Krokodilwächter - Katrine Engberg (abgebrochen nach 166 Seiten)
Was sooo interessant begonnen hat, hat sich leider nach kurzer Zeit nur noch gezogen. Ausserdem war der sehr bemüht wirkende male gaze extrem anstrengend zu lesen. Ich habe viele begeisterte Rezensionen zum Buch und zur Reihe entdeckt, aber auch einige, welche Längen und unnötige Ausschmückungen kritisiert haben (zu denen gehöre nun wohl auch ich), also habe ich entschieden, die anderen Teile der Reihe auch auszusortieren.
Mörderischer Freitag - Nicci French (abgebrochen nach 150 Seiten)
Ich kann es kaum fassen, dass ich diese Zeilen tippe, aber ich habe den 5. Band der Frieda Klein-Reihe abgebrochen und die weiteren Bände aussortiert, obwohl die Bände 5-7 im Juli erst - immerhin nur gebraucht - hier eingezogen sind... Schon der vierte Band der Reihe hat mich immer wieder gelangweilt und obwohl ich Frieda als Figur sehr mochte und obwohl der erste Band für mich damals ein absolutes Highlight war, passt die Reihe wohl einfach nicht mehr zu mir. Ich komme nicht mehr klar mit den unglaubwürdigen Ermittlungen, Menschen, die Frieda keinen Glauben schenken und damit, dass die Thriller einfach nur noch langweilig sind. Ausserdem habe ich keine Lust darauf, noch soooo viele weitere Bände auf eine Auflösung zu warten. Danke für die schöne Zeit, liebe Frieda, aber du kommst jetzt leider weg.
Ungelesen aussortiert:
Alle Zahlen in der Übersicht:
Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: 2
Ungelesen aussortierte Bücher: 5
Gelesene Seiten: 2'375 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 76.6 Seiten
Bücher von Autorinnen: 7
Bücher von Autoren: -
Autor*innenduos (oder Gruppen): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: 1
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: 5
Gebraucht gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Bibliotheksbücher: -
Gesamte Neuzugänge: 6
SuB am Monatsbeginn: 33
Aktueller SuB: 25
Differenz: - 8
Rezension: Anti Müller
Anti Müller - Yade Yasemin Önder
Beschreibung des Verlages (stark gekürzt):
„Liebe
ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem
Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur
Desillusion werden kann.“
In ihrem neuen Roman erzählt Yade
Yasemin Önders seziert mit großer poetischer Präzision die Mechanismen
moderner Beziehungen. Im Zentrum steht eine Mittdreißigerin, die um eine
Beziehung, ihren Wunsch nach Familie und ihren Drang nach Geborgenheit
kämpft.
Doch
Anti Müller erzählt nicht nur von der Suche nach Liebe und Nähe. Dieser
Roman nimmt auch einen vermeintlich feministischen Kulturbetrieb ins
Blickfeld, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt.
Unter
den lackierten Nägeln der sanften Vollstrecker verkrusteter Strukturen
lauert noch immer der Schmutz des Patriarchats. Mit sprachlicher
Genauigkeit legt Yade Yasemin Önder offen, wie sich diese
Machtverhältnisse in Beziehungen, im Kulturbetrieb und im Umgang mit
weiblichen Körpern fortschreiben.
Anti
Müller verbindet die persönliche Geschichte einer Mittdreißigerin mit
einer scharfen Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Der Roman
fragt, wie frei Beziehungen wirklich sind und wer bestimmt, was auf den
Bühnen und über die Körper geschieht.
Inhalt:
Die namenlose Protagonistin schreibt ihren ersten Roman und sucht nach einer zerbrochenen Beziehung einen neuen Partner, mit dem sie ihren Kinderwunsch verwirklichen kann. Unter anderem kommt sie Andi Müller näher, der bereits Zwillingsvater ist und gerade als Schauspieler durchstartet. Er vertröstet sie lange und sie bemerkt, dass sie nicht nur droht, sich selber zu verlieren, sondern dass ihr in dieser schwierigen Mischung aus Abhängigkeit und Selbstbestimmtheit auch die Zeit davonrennt.
Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich innerhalb von kürzester Zeit inhatiert und auch wenn wohl einige Lesenden den Schreibstil als nicht so zugänglich empfunden haben, habe ich mich beim Lesen perfekt abgeholt, unterhalten und nachdenklich gestimmt sowie wütend gemacht gefühlt. Schicht für Schicht gelingt es, Yade Yasemin Önders, Machtstrukturen innerhalb von (vor allem hetero-)Beziehungen auf den Punkt zu bringen und sie macht ihren "Müller" zu genau der Figur Mann, die eigentlich verstanden hat, wie Feminismus funktioniert, die mit dem Kinderwunsch der Partnerin aber zufällig ein Druckmittel in die Hände gespielt bekommen hat und dieses auch bewusst und unbewusst ausnutzt. Unsere Protagonistin hingegen ist selbstbestimmt und wird beruflich immer erfolgreicher, sie geniesst ihre Freiheiten, Tinderdates und die Selbstbestimmung über ihre Beziehungen, ihr Leben und ihren Körper und sucht gleichzeitig nach einem sicheren Hafen, den sie in einer eigenen Familie vermutet. Dies ist schmerzhaft und einige Szenen haben mich an einen schwierigen Besuch in einer Kinderwunschklinik an der Seite einer lieben Freundin erinnert. An den von der Ärztin erstellen Ausdruck mit den Berechnungen der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft in ihrer zitternden Hand und an die anderen Frauen im Wartebereich, einige davon tränenüberströmt, andere hochschwanger...
Das Buch lässt aber auch in einen Kulturbetrieb blicken, den ich selber nur zu gut kenne und der immer wieder vorgibt, sich selber zu überdenken und überarbeiten, zu modernisieren und für mehr Diversität und Inklusion einzustehen. Was er ehrlich gesagt stellenweise auch tut und dies sogar auf überzeugende Art. Wenn es dann um Ruhm, Preisgelder oder aber auch Shitstorms geht, ist allerdings immer ganz klar gegendert, wer davon am meisten abbekommt.
Und als wäre alle dies noch nicht Inhalt genug, schafft es Önders auch noch, eine weitere Ebene ins Spiel zu bringen. Ihre Protagonistin ist nämlich mit immer wieder streitenden und immer wieder getrennten Eltern aufgewachsen und ihre Mutter hat eine Migrationsgeschichte. So wächst die Protagonistin mit und auch wieder nicht mit Migrationshintergrund auf und weigert sich, sich ausschliesslich darüber zu definieren, wie dies so viele andere Autoren (gendern nicht nötig) tun, er ist aber natürlich trotzdem Teil von ihr.
Das Buch hat so vieles lustige Szenen, wie die "toten" Exfreunde der Protagonistin. Aber dieses Buch ist auch extrem traurig und aufrüttelnd und zeigt eine gleichzeitig zur erfolgreichen Karriere stattfindende Leere und Zerrissenheit, mit der sich wohl viele Frauen Mitte Dreissig herumschlagen, die aber noch kaum so gut in Worte gefasst worden ist, trotzdem verliert es nie einen auch irgendwie hoffnungsvollen Ton. Und dann überzeugt das Buch auch noch sprachlich. Mal kommt es derb und brutal, bissig und böse daher, mal dominieren die leisen Töne und lassen Raum für eigene Gedanken.
Meine Empfehlung:
Das Buch habe ich nicht nur zu einem für mich perfekt passenden
Zeitpunkt gelesen - nämlich nach "Das kunstseidene Mädchen" und vor
"Heult leise, Habibis" - , es ist auch generell absolut zurecht auf der
Longlist des Deutschen Buchpreises. Unbedingte Empfehlung!
Zusätzliche Infos:
Titel: Anti Müller
Autorin: Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den
Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater
uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike.
Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron
(2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem
Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für
den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des
Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 240 Seiten
Verlag: park x ullstein
Erscheinungstag: 26.02.2026
ISBN: 9783988160652
Rezension: Das kunstseidene Mädchen
Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
Beschreibung des Verlages:
Der herausragende literarische Klassiker, der Irmgard Keun
1932 zum Literaturstar und eine der wichtigsten deutschsprachigen
Autorinnen des 20. Jahrhunderts machte: fesselnd, eindringlich,
zeitkritisch und humorvoll!
»Irmgard Keun war die
erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre
lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ
»Ich will ein Glanz werden«
Doris,
das kunstseidene Mädchen, ist Sekretärin bei einem zudringlichen
Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagein, tagaus Briefe tippen, sondern
ein Star werden, will die große Welt erobern. Die große Welt, das ist
für die Achtzehnjährige Berlin. Dort stürzt sie sich in das Leben der
Tanzhallen, Bars und Literatencafés, lässt sich in vornehme Lokale
einladen, goutiert die »gute Gesellschaft«– und bleibt doch allein. Ihre
Affären mit Männern aus »besseren Kreisen« sind kurzlebig, die
erträumte Karriere bleibt eine Illusion.
Doch Doris weiß sich zu trösten ...
Irmgard
Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer »naiv und brilliant, witzig und
verzweifelt, volkstümlich und feurig« beschrieben (Hermann Kesten).
Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine
seltene Einheit und ein wahrer Klassiker der Literatur.
Inhalt:
Von Sommer 1931 bis Frühling 1932 begleiten wir die achtzehnjährige Protagonistin und Ich-Erzählerin Doris durch ihren turbulenten Alltag. Nach den Annäherungen ihres Arbeitgebers verlässt sie ihre Stelle als Sekretärin und ihre Heimatstadt und zieht nach Berlin, wo sie sich eine Karriere erhofft und davon träumt, ein "Glanz" zu werden und den sozialen Aufstieg zu schaffen. Zahlreiche skurrile bis gefährliche Männerbekanntschaften, Alkohol, Naivität, aber auch eine gehörige Portion Mut und Pragmatismus prägen diese Reise.
Meine Meinung:
Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich während Julia Webers Lesung zu ihrem Buch "Weil ich Ruth bin". Sie verwies dabei auf "Das kunstseidene Mädchen" und hat mich sehr neugierig gemacht. Vor der Lektüre wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich flog aber nur so durch die Seiten dieses spannenden Zeitromans und hätte Doris manchmal am liebsten in den Arm genommen oder sie, respektive ihre zwielichtigen männlichen Kumpanen - je nach Situation - auch ausgeschimpft. Auf jeden Fall aber habe ich mich gefragt, weshalb wir diesen Klassiker nie in der Schule gelesen und besprochen haben. Dort würde er in meinen Augen unter anderem hingehören.
Schreibstil:
Der Schreibstil ist bewusst schlicht und ein wenig kindlich gehalten. Der Inhalt des Romans besteht ausschliesslich aus Tagebucheinträgen, Gedanken und Aufzeichnungen der scheinbar ein wenig naiven Protagonistin Doris. Keun versetzt sich mit einer spielerischen Leichtigkeit in diese Figur, die man allen Ecken und Kanten zum Trotz einfach mögen muss, was nicht zuletzt an ihrem Lebensmut und ihrer Bauernschläue in scheinbar ausweglosen Situationen liegt. Was auf den ersten Blick simpel und schlicht wirkt, ist aber ein sprachliches Meisterwerk, das dem - vor allem männlichen - Bildungsbürgertum einen Spiegel vorhält und gekonnt gesellschaftliche Missstände anprangert.
Als besonders wertvoll habe ich die zwei Texte im Anhang empfunden. Der Text von Annette Keck beleuchtet "Das kunstseidene Mädchen" noch einmal differenziert, während der Text von Anna Barbara Hagin sich vor allem mit Keuns Leben auseinandersetzt.
Meine Empfehlung:
Das Buch empfehle ich euch sehr gerne weiter und ich bin schon gespannt auf weitere Werke der Autorin. Es lohnt sich in meinen Augen nämlich unbedingt, Irmgard Keun kennenzulernen.
Zusätzliche Infos:
Titel: Das kunstseidene Mädchen
Autorin: Irmgard Keun, 1905 in Berlin geboren, feierte mit ihren beiden ersten Romanen, Gilgi – eine von uns und Das kunstseidene Mädchen,
sensationelle Erfolge. 1936 ging sie ins Exil und kehrte vier Jahre
später mit falschen Papieren nach Deutschland zurück, wo sie unerkannt
lebte. Im Literaturbetrieb der Nachkriegszeit konnte sie zunächst nicht
an die Erfolge ihrer ersten Bücher anknüpfen, bis ihre Romane Ende der
Siebzigerjahre von einem breiten Publikum wiederentdeckt wurden. Irmgard
Keun starb 1982 und zählt heute zu den wichtigsten deutschsprachigen
Autorinnen des 20. Jahrhunderts.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 208 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Rezension: Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Nele stellt sich und ihre Wünsche stets zurück. Sie kümmert sich um ihre Mitmenschen, ihre Familie, ihre Arbeit und vergisst dabei, auch mal für sich und ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Als sie nach einer Trennung in ihrem neuen Traumjob durchstartet, muss sie sich nicht nur mit einem gehässigen Mitarbeiter und einem schwer in die Gänge zu kriegenden Lokalpolitiker und dessen PR-Kampagne abkämpfen, sie verliebt sich auch noch Hals über Kopf in ihren Chef. Als wäre das nicht genug, verlangen auch ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Freundeskreis einiges von ihr und es müssen zuerst die Fetzen fliegen, bevor sie sich eingesteht, was sie wirklich will.
Meine Meinung:
Ausgerechnet beim Lesen dieses letzten Bandes der gaaaaanz lose zusammenhängenden Hamburg-Reihe, hatte ich das Gefühl es wirklich mit einer Reihe zu tun zu haben, schliesslich ist Nele die Mitbewohnerin von Annika, der Protagonistin aus dem fünften Band und entsprechend kommen einige Figuren aus dem Vorgängerband auch im Abschlussband wieder vor. Und auch Taxifahrer Knut hat einen seiner berühmten Gastauftritte und gibt Nele genau dann, als sie an einem Tiefpunkt angekommen ist, einen lebensverändernden Rat. Gefallen hat mir übrigens vor allem wie konstruktiv Nele mit Konflikten innerhalb ihrer Familie umgeht und wie sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ausserdem haben mir die Einblicke in ihre Arbeit sehr gefallen und vor allem die Szenen mit Rüdiger Hofmann-Klassing, dem Bürgermeisterkandidaten der Durchschnittspartei, haben mich bestens unterhalten. Schade fand ich allerdings, dass Hamburg, das stets mit viel Liebe beschrieben worden ist, nur noch eine Nebenrolle spielt und auch wenn der sechste Band ebenfalls kurzweilig geschrieben ist, wird beim Lesen vor allem eines klar: die Reihe ist definitiv auserzählt.
Meine Empfehlung:
Das Buch ist einfach ein schöner, unterhaltsamer Reihenabschluss mit einer Prise Romantik und viel Humor. Perfekt für lange Zugstunden und Zwischendurch.
Titel: Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 512 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag:Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19198-7
Rezension: Unmöglicher Abschied
Beschreibung des Verlages:
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft
zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang
verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins
Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr
Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel
sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel
ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu
einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie
eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete
Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang
verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist
eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer
tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des
Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.
Inhalt:
In der schier unerträglichen Sommerhitze schafft es die Autorin Gyeongha kaum, eine Seite zu schreiben, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Sie wird allerdings immer wieder von einem bedrohlichen Traum aufgesucht: in einer verschneiten Landschaft stehen schwarz eingefärbte Baumstämme, die an einen mit Grabsteinen übersäten Friedhof erinnern. Auch Han Kang erwähnte übrigens in einigen Reden und Interviews, dass ein Traum sie zu diesem Buch inspiriert hat.
Gyeongha erwacht aus ihrem trägen Zustand, als es endlich Herbst wird. Ausserdem hat ihre gute Freundin Inseon einen schweren Unfall und bittet sie, auf die Insel Jeju zu reisen, um sich dort um einen kleinen Vogel zu kümmern, der nicht so lange ohne Wasser überleben kann.
Gyeongha geht der Bitte ihrer Freundin nach und ein plötzlicher Schneesturm droht, das Unterfangen scheitern zu lassen. In Inseons Wohnung auf Jeju angekommen, beginnt die Handlung in fiebertraumähnlichen Sequenzen zwischen Realität und Fiktion zu schwanken und rückt dabei ein brutales Kapitel aus Koreas Geschichte ins Zentrum der Erinnerungen der Protagonistinnen.
Meine Meinung:
Auch dieser sprachgewaltige und gekonnt erzählte Roman der Autorin hat mich sehr für sich eingenommen, berührt und zu eigenen Recherchen angeregt. Die teilweise vernichtenden Kritiken ("zu viel Schnee") kann ich dabei überhaupt nicht nachvollziehen. Es stimmt allerdings, dass man sich beim Lesen auf Han Kangs magischen Realismus, Zeitsprünge und überraschende Wendungen und Elemente einlassen muss. Da dies mein fünfter Roman der Autorin ist, ist mir dies aber überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil; dem heftigen Thema zum Trotz behält Han Kang die ihr typische Leichtigkeit bei und ihre Sätze überzeugen mit grossem handwerklichem Geschick und überwältigender sprachlicher Schönheit. Als Einstieg in ihr Werk empfehle ich das Buch aber nicht. Dafür empfinde ich "Die Vegetarierin" und dann "Menschenwerk" als sehr viel geeigneter.
Schreibstil und Aufbau:
Wie schon in ihrem unglaublich brutalen und aufrüttelnden Roman "Menschenwerk" legt Han Kang auch in "Unmöglicher Abschied" den Schwerpunkt auf ein grauenvolles Kapitel der koreanischen Geschichte und kritisiert dabei vor allem auch die Vertuschungen und den Machtmissbrauch der koreanischen Regierung. Der Schnee in Form von Schneestürmen, Schneeflocken und alle Geräusche verschluckende Schneedecken ist dabei allgegenwärtig und die Handlung besteht aus verschiedenen Ebenen. In der Gegenwart begleiten wir Gyeongha durch den Schnee ins Haus ihrer Freundin, auf der anderen Ebene erzählt Inseon (oder Inseons Geist) von ihren Nachforschungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte und somit auch zu den Gräueltaten des Jeju-Massakers von 1948. Bis zum Schluss des Buches bleibt offen, welche in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse Traum und welche Realität sind. Das gekonnte Sprachspiel der Autorin lenkt mit der ihr eigenen Leichtigkeit auf genau die historischen Ereignisse, welche ihr wichtig sind und die Rahmenerzählung nutzt sie eben genau als Rahmen, als Teppich und kunstvolle Metapher.
Meine Empfehlung:
"Unmöglicher Abschied" hat es mir angetan, mich berührt, begeistert und neugierig auf weitere Werke der Autorin gemacht. Ich empfehle das Buch vor allem Fans von Han Kang und empfehle "Die Vegetarierin" als Einstieg in ihr Werk.
Weitere Empfehlungen für Bücher der Autorin:
Die Vegetarierin
Menschenwerk
Deine kalten Hände
Griechischstunden
Zusätzliche Infos:
Titel: Unmöglicher Abschied
Originaltitel: 작별하지 않는다 "We do not part"
Autorin: Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste
literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr
erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie gemeinsam
mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize
ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen
Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert.
2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul.
Sprache: Deutsch
Aus dem Koreanischen von: Ki-Hyang Lee
Hardcover: 315 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Veröffentlichung: 12.08.2026
ISBN: 978-3-7466-4348-9
Rezension: Mini Horror
Beschreibung des Verlages:
Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich,
dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem werden sie verfolgt
von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht
um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des
perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und
gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und
nicht mehr schließen will.
In «Minihorror» setzt Barbi Marković
den Angstarbeiter:innen unserer Gesellschaft ein Denkmal aus Perfidie
und Mitgefühl, bei dessen Lektüre wir uns gleichermaßen ertappt und
verstanden fühlen.
Inhalt:
In zahlreichen kurzweiligen Kapiteln widmet sich Barbi Marković dem ganz alltäglichen Horror, der sich aus scheinbar harmlosen Situationen entwickeln kann. Der Anfang eines jeden Kapitels kommt dabei (meistens) komplett unscheinbar daher und plötzlich kippt die Geschichte und eskaliert zu einer schaurig-skurrilen Erzählung, die Spass macht und dabei auch immer wieder wichtige und uns oft auch nur zu bekannte Themen wie Rassismus, eigene Privilegien, Beziehungen und Familie vor Augen führt.
Meine Meinung:
Schon sehr lange einmal wollte ich ein Buch von Barbi Marković lesen. Nach Anetts begeisterter Rezension zu "Minihorror" habe ich mir das Buch sofort gekauft. Anfangs musste ich mich ein wenig an den eher speziellen Stil gewöhnen, habe dann aber immer mehr Spass empfunden beim Lesen. Besonders gut gefallen hat mir, dass Marković es schafft, aus den banalsten Situationen - wie Familientreffen, Spaziergänge, Katzenbegegnungen - Gedankenspiele zu machen, die plötzlich unheimlich, gruselig und bedrohlich werden. Immer dabei sind ihre Hauptfiguren Mini und Miki, die das Leben mehr oder weniger Seite an Seite verbringen und die Szenarien meistens auch ziemlich lebend aber definitiv nicht immer unversehrt überstehen. Im Anhang hat die Autorin noch weitere Texte und Horrorszenarien mit unterhaltsamen Skizzen versammelt.
Meine Empfehlung:
Von ein wenig schrägen bis komplett verstörenden Szenarien hat Marković einfach alles in ihren Texten versammelt. Der Humor ist dunkelschwarz und jeder Satz ist vom ersten bis zum letzten Wort durchdachte und höchste erzählerische Kunst. Die Kapitel sind kurz und oft auch nachdenklich stimmend.
Auf dieses kurze Büchlein muss man sich einlassen. Und dann sind der Genuss und natürlich der Horror um so grösser.
Zusätzliche Infos:
Titel: Minihorror
Autorin: Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, studierte
Germanistik und arbeitete zunächst als Lektorin. 2009 erschien ihr Debüt
«Ausgehen», noch als Übersetzung aus dem Serbokroatischen, 2016 dann
der Roman «Superheldinnen», der unter anderem mit dem Förderpreis des
Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet wurde; fünf Jahre später
folgte «Die verschissene Zeit». Für «Minihorror» erhielt Barbi Marković
den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den
Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Sie lebt in Wien.
Taschenbuch: 192 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 13.05.2025
ISBN: 978-3-499-01692-9
Rezension: Tierische Profite
Tierische Profite - Donna Leon
Reiheninfos:
- Venezianisches Finale (1992)
- Endstation Venedig (1993)
- Venezianische Scharade (1994)
- Vendetta (1995)
- Acqua alta (1996)
- Sanft entschlafen (1997)
- Nobiltà (1998)
- In Sachen Signora Brunetti (1999)
- Feine Freunde (2000)
- Das Gesetz der Lagune (2001)
- Die dunkle Stunde der Serenissima (2002)
- Verschwiegene Kanäle (2003)
- Beweise, daß es böse ist (2004)
- Blutige Steine (2005)
- Wie durch ein dunkles Glas (2006)
- Lasset die Kinder zu mir kommen (2007)
- Das Mädchen seiner Träume (2008)
- Schöner Schein (2009)
- Auf Treu und Glauben (2010)
- Reiches Erbe (2011)
- Tierische Profite (2012)
- Das goldene Ei (2013)
- Tod zwischen den Zeilen (2014)
- Endlich mein (2015)
- Ewige Jugend (2016)
- Stille Wasser (2017)
- Heimliche Versuchung (2018)
- Ein Sohn ist uns gegeben (2019)
- Geheime Quellen (2020)
- Flüchtiges Begehren (2021)
- Milde Gaben (2022)
- Wie die Saat, so die Ernte (2023)
- Feuerprobe (2024)
Beschreibung des Verlages:
Ein toter Mann, der von niemandem vermisst wird, weder von den
Venezianern noch von Touristen. Und ein teurer Lederschuh am Fuß dieser
Leiche. Brunetti muss all seine Menschenkenntnis aufbieten und sein
ganzes Kombinationstalent, um diesen Fall zu lösen, der ihn bis aufs
Festland nach Mestre führt.
Inhalt:
Nicht nur von seiner mittlerweile fast komplett vegetarisch lebenden Tochter, auch von seiner Arbeit wird dem empathischen Kommissar Brunetti der Fleischkonsum immer madiger gemacht. Sein aktuellster Fall führt ihn nämlich in verschiedene Tierarztpraxen und einen Schlachthof in Mestre. Vor allem letzterer hinterlässt bleibende Eindrücke und obwohl schnell klar wird, womit es Brunetti in diesem Fall zu tun haben könnte, tauchen doch bis zum Schluss noch neue Entdeckungen und Zusammenhänge auf.
Meine Meinung:
Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven und doch finde ich es um so wichtiger, dass Menschen, welche Fleisch und/oder tierische Produkte konsumieren, sich mit der Haltung und Schlachtung von Tieren auseinandersetzen. Und auch wenn zu hoffen bleibt, dass nicht auf allen Schlachthöfen so fürchterliche Zustände herrschen, wie in Mestre in diesem Krimi, so bleibt die industrielle Tötung von Tieren doch ein schmutziges Geschäft. Schmutzig geht es aber auch innerhalb der Leitung des Schlachthofes zu und nach einem Leichenfund, der Brunetti zuerst vor einige Rätsel stellt, muss der Kommissar immer tiefer in Machenschaften herumwühlen, deren Wurzeln bis ganz nach oben reichen. Also genau so, wie wir es uns von einem richtigen Brunetti-Krimi erhoffen. Gegessen und das eine oder andere Gläschen Prosecco und Wein getrunken wird ebenfalls, Patta wütet wieder und sogar Paola Brunetti ist in einen eigenen beruflichen Feldzug involviert, sodass es definitiv niemandem langweilig wird, weder den Figuren, noch uns Lesenden.
Am Ende des Buches hatte ich übrigens einfach nur Mitleid. Mit dem menschlichen und den tierischen Opfern des Romans und generell mit den Opfern von Systemen, welche von einer kleinen Gruppe von skrupellosen, von Gier getriebenen Menschen gesteuert werden, um andere auszubeuten und zu unterdrücken.
Meine Empfehlung:
Auch dieser packende, nachdenklich stimmende Roman hat mich überzeugt und ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Brunetti-Krimi. Zum Glück habe ich noch etwas mehr als zehn weitere Bände vor mir.
Zusätzliche Infos:
Titel: Tierische Profite
Originaltitel: Beastly Things
Autorin: Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, arbeitete als Reiseleiterin in
Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin und Dozentin im
Iran, in China und Saudi-Arabien. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie
weltberühmt. Donna Leon lebte viele Jahre in Italien und wohnt heute in
der Schweiz. In Venedig ist sie nach wie vor häufig zu Gast.
Sprache: Deutsch
Aus dem amerikanischen Englisch von: Werner Schmitz
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2014
ISBN: 978-3-257-24302-4
Rezension: Kleine Monster
Kleine Monster - Jessica Lind
Beschreibung des Verlages:
Pia und Jakob sitzen im Klassenzimmer der 2B, ihnen gegenüber die
Lehrerin ihres Sohnes. Es habe einen Vorfall gegeben, mit einem Mädchen.
Pia kann zunächst nicht glauben, was ihrem siebenjährigen Kind da
vorgeworfen wird. Denn Luca ist ein guter Junge, klug und sensibel. Doch
während Jakob von Lucas Unschuld überzeugt ist, beginnt Pia zu
zweifeln. Sie kennt die Abgründe, die auch in Kindern schlummern, das
Misstrauen der anderen erinnert sie an ihre eigene Kindheit. Sie lässt
ihren Sohn nicht mehr aus den Augen und sieht einen Menschen, der ihr
von Tag zu Tag fremder wird. Bei dem Versuch, ihre Familie zu schützen,
wird Pia schließlich mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Inhalt:
Die ich-Erzählerin Pia ist mit zwei Schwestern aufgewachsen und hatte eine glückliche Kindheit, bis ein Drama die Familie erschütterte. Einige unangenehme Charakterzüge ihrer Schwester Romi glaubt Pia nun auch in ihrem siebenjährigen Sohn Luca zu erkennen. Nach einem Vorfall in der Schule, bei dem zuerst Luca und dann seine ganze Familie unter Verdacht geraten, beginnt Pia an ihrem Sohn zu zweifeln. Durch die Unstimmigkeiten werden Keile zwischen Pia und ihren Mann Jakob getrieben und die traumatischen Ereignisse aus Pias Kindheit rücken wieder in den Vordergrund.
Meine Meinung:
Das Buch habe ich von der lieben Irene bekommen und übrigens hat auch Martina ganz eine tolle Rezension dazu geschrieben. "Kleine Monster" stand auf meiner Wunschliste, seit es bei seinem Erscheinen so einen grossen Hype ausgelöst hat. Ohne zu wissen, worauf genau ich mich einlassen würde, habe ich dieses Buch aufgeschlagen und war von Anfang an begeistert. Besonders gut gefallen hat mir die unterschwellige und nicht wirklich fassbare bedrohliche Grundstimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht.
Auch war ich sehr angetan von der Themenwahl. Jessica Lind verknüpft geschickt das Thema Mutterschaft/Elternschaft mit einer tragischen Familiengeschichte und den Dynamiken, die innerhalb von Familien plötzlich ein Eingenleben entwickeln und dabei menschliche Abgründe offenbaren können.
Schreibstil und Aufbau:
Alles beginnt mit einem Gespräch an Lucas Schule. Pia und Jakob werden mit einer Tat konfrontiert, die Luca laut Aussage einer Mitschülerin verübt haben soll. Pia beginnt sofort, an ihrem Sohn zu zweifeln, während Jakob Luca vertraut. Beim Lesen sind wir direkt mitten im Geschehen und können dabei vor allem Pias Gedankengängen folgen. Nach und nach erfahren wir durch Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend, weshalb sie an ihrem Sohn zweifelt und die Frage, wer jetzt nun eigentlich das Monster ist, oder wie wir alle für andere Menschen zu Monstern werden können, treibt uns bis zum Schluss des Buches um. Ein Hinweis für alle, die nicht gerne mit Leerstellen und offenen Enden konfrontiert sind: das Buch ist ein eher loses Geflecht von Szenen, die immer enger zusammenfinden und das Ende bleibt sehr offen. Mir persönlich hat dies gut gefallen, weil es damit zur spannenden, bedrohlichen Atmosphäre passt. Ich kann aber verstehen, wenn das nicht für alle aufgeht.
Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich überrascht und gefesselt, mich nachdenken und immer wieder neue Blickwinkel auf die Geschehnisse entdecken lassen. Ich empfehle euch "Kleine Monster" deshalb sehr gerne.
Zusätzliche Infos:
Titel: Kleine Monster
Autorin: Jessica Lind wurde 1988 in St. Pölten, Österreich, geboren und lebt
heute mit ihrer Familie als Drehbuchautorin und Schriftstellerin in
Wien. Sie studierte an der Filmakademie Wien und schrieb u. a. mit der
Regisseurin Magdalena Lauritsch den Film »Rubikon«. 2015 gewann sie mit
der Erzählung »Mama« den open mike, woraus ihr gleichnamiger Debütroman
hervorging. Ihr zweiter Roman, »Kleine Monster«, ist 2024 erschienen und
war für den Österreichischen Buchpreis nominiert.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 256 Seiten
Verlag: Blessing
Erschienen am: 21.01.2026
ISBN: 978-3-89667-000-7
Lese-Statistik Juli 2026
Der Juli hat mit einem Highlight begonnen, einem Jahres-, ja Lebenshighlight: meine beste Freundin hat einen Sohn geboren und mich zur stolzesten Patentante der Welt gemacht!!!
Einige Tage später hat allerdings ein Todesfall unsere Familie erschüttert und einfach einmal mehr aufgezeigt, wie nahe Freud und Leid beisammenliegen. In der gleichen Woche das grösste Glück zu erleben, mein Patenkind zum ersten Mal im Arm zu halten, und wenige Tage später eine sehr traurige Beerdigung besuchen zu müssen, hatte ich definitiv nicht auf dem Zettel für 2026. Aber ich bin meinem Vergangenheits-Ich so dankbar, dass wir ausgerechnet für diesen Sommer keine Reisen geplant haben.
Auch hatte ich mit dem Abschluss des vergangenen Schuljahres und dem Planen des neuen Schuljahres sehr viel mehr zu tun und auch sehr viel mehr Mühe als die Jahre davor. Nicht nur haben die Stundenpläne mir den letzten Nerv geraubt, ich habe auch begonnen, für die kommenden Jahre (wenn alles klappt, wie geplant) ein neues Planungs- und ein neues Ordnungssystem zu etablieren und das war sehr herausfordernd, zehrend und zäh, wird mir aber in Zukunft (auch hier wieder "wenn alles klappt, wie geplant") enorm viel Arbeit ersparen.
Als dies alles endlich geschafft und überstanden war, standen wirklich ruhige Tage an. Lange Spaziergänge, entspanntes Üben für viele tolle Herbstkonzerte, letzte Vorbereitungen an den Musikschulen, gemütliches Grillen/Kaffeetrinken/Essen mit Herzensmenschen und ganz viel Babykuscheln standen an. Und nachdem ich zu Beginn des Monats - logischerweise - auch weder Energie noch Lust zum (langen) Lesen hatte, war die zweite Monatshälfte dann mit um so mehr Geschichten gefüllt. Bücher, die ich noch aus dem Juni mitgenommen hatte, konnte ich endlich beenden und ich habe so viele Stunden lesend (und mit Eiskaffee) auf unserem blühenden Balkon oder an einem anderen Schattenplatz verbracht, dass ich auch wieder neue Energie tanken konnte. Die Hitze und vor allem die extreme Dürre sind nämlich nach wie vor eine grosse Qual für die Natur und für mich; der Juli ist bereits der dritte Monat in Folge ohne nennenswerten Regen und mit Temperaturen von fast durchgehend über 30 Grad, aber ich versuche krampfhaft, mich mit dem Jammern zurückzuhalten und mich einfach um so mehr auf den Herbst zu freuen.
Ihr seht, der Juli war eine (emotionale) Achterbahnfahrt, ich habe aber auch extrem viel für mich geschafft und gelernt und einige einfach nur perfekte Momente voller Liebe, Gemeinschaft, Beistand und Freundschaft erleben dürfen. Auch haben vor allem in der zweiten Monatshälfte sehr unterschiedliche Bücher dafür gesorgt, dass ich im grossen Stile ganz unterschiedliche Dinge erleben, erlesen, erfahren und mich auch einfach unterhalten lassen durfte.
Jetzt geniesse ich noch ein letztes einigermassen ruhiges Wochenende und versuche, ab Montag wieder in meinen Arbeitsrhythmus zurückzufinden. Am 6.8. habe ich nämlich bereits die erste grosse Eröffnungskonferenz und am 10.8. startet dann schon nächste Schuljahr und ich freue mich schon sehr auf ganz viele tolle Konzerte, Projekte und natürlich darauf, meine Schülerinnen wieder zu sehen.
Gelesen im Juli:
2. Band der Himmelsee-Reihe: Meerliebe, Bücherliebe, Blaubeerenliebe und gute Unterhaltung
Beeindruckender, magischer, fesselnder Reihenauftakt, Jugendbuch, das auch Erwachsene packt
Sehr träger aber im letzten Drittel berührender Roman, grandios beschriebenes Landleben
Aneinandergereihte Plattitüden und halbgare Metaphern....Buchclubbuch und nur deshalb nicht abgebrochen
Solider 2. Band der Buks-Reihe, nicht ganz so kritisch und packend, wie der erste Band, trotzdem gut gemacht
Langsam und liebevoll erzählter Roman, Trauer, Verlust, Verzeihen und ganz viel Freundschaft
Der bisher schwächste Band der Hamburg-Reihe, mindestens 100 Seiten zu lang, trotzdem unterhaltsam
Alle Zahlen und Rezensionen:
Himmelsee. Wo der Wind von Liebe erzählt - Tanja Janz (336 Seiten)
Nevermoor. The Trials of Morrigan Crow - Jessica Townsend (512 Seiten)
Zwei Leben - Ewald Arenz (368 Seiten)
25 letzte Sommer - Stephan Schäfer (176 Seiten)
Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon - Nina George und Jens J. Kramer (384 Seiten)
Sternflüstern. Die Geschichte eines Neuanfangs - Paula Carlin (288 Seiten)
Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - Petra Hülsmann (576 Seiten)
Neuzugänge:
- Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon - Nina George und Jens J. Kramer (neu gekauft)
- 25 letzte Sommer - (Bibliotheksbuch)
- Mörderischer Freitag - Nicci French (Frieda Klein 5, gebraucht gekauft)
- Böser Samstag - Nicci French (Frieda Klein 6, gebraucht gekauft)
- Blutroter Sonntag - Nicci French (Frieda Klein 7, gebraucht gekauft)
- Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen - Aimee Bender (gebraucht gekauft)
- Heult leise, Habibis! - Sined el Masrar (gebraucht gekauft)
Alle Zahlen in der Übersicht:
Gelesene Bücher: 7
Abgebrochene Bücher: -
Ungelesen aussortierte Bücher: -
Gelesene Seiten: 2'640 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 85.16 Seiten
Bücher von Autorinnen: 4
Bücher von Autoren: 2
Autor*innenduos (oder Gruppen): 1
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: -
Neu gekaufte Bücher: 1
Gebraucht gekaufte Bücher: 5
Eingesammelte Bücher: -
Bibliotheksbücher: 1
Gesamte Neuzugänge: 7
SuB am Monatsbeginn: 33
Aktueller SuB: 33
Differenz: -
Rezension: Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - Petra Hülsmann
Reiheninfos "Hamburg-Reihe":
1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt
Beschreibung des Verlages:
Damit hatte Glückskind Annika nicht gerechnet: Aus heiterem Himmel wird
die beliebte Deutschlehrerin von ihrer Traumschule in Blankenese an eine
Albtraumschule im Problembezirk versetzt. Nicht nur, dass die Schüler
dort mehr an YouTube als an Hausaufgaben interessiert sind - die
Musical-AG, die Annika übernommen hat, stellt sich auch noch als völlig
talentfrei heraus. Hilfesuchend wendet sie sich an Tristan, ihre erste
große Liebe und inzwischen Regisseur. Von nun an spielt sich das Theater jedoch mehr vor als auf der Bühne ab, und das Chaos geht erst richtig los. Aber wenn's einfach wär, würd's schließlich jeder machen ...
Inhalt:
Bisher hat die Lehrerin Annika sich weder für die Kinder, die sie unterrichtet, noch für einen solide ausgearbeiteten und vorbereiteten Unterricht interessiert. Damit ist sie an ihrer Eliteschule stets durchgekommen. Als sie aber für das neue Schuljahr in eine sogenannte "Brennpunktschule" versetzt wird, reicht diese Haltung nicht mehr. Anspruchsvolle Klassenkonstellationen verlangen nämlich definitiv eine Lehrerin, die ihren Job beherrscht und sich für ihre Klasse einsetzt. Die Idee, eine Musical-AG aus dem Boden zu stampfen, ist aber reiner Selbstzweck. Schliesslich erhofft Annika sich dadurch, dass sie nach dem Entwickeln eines erfolgreichen Abschlussmusicals wieder an ihre alte Schule zurückkehren kann. Allerdings wachsen Annika das Projekt und die Jugendlichen ans Herz und sie beginnt, einige wesentliche Dinge zu verstehen.
Meine Meinung:
Ihr glaubt es nicht und selber habe ich es auch kaum geglaubt: das Buch hätte ich bereits nach wenigen Seiten fast abgebrochen. Nicht nur ist Annika eine extrem unsympathische Hauptfigur, sie ist auch eine furchtbare und mit vielen Vorurteilen behaftete Lehrerin. Und ja: das Schulsystem und die Musikerinnenlaufbahn werden mit so viel Halbwissen und Klischees beschrieben, dass ich mich wirklich geärgert habe. Aber: Annikas Musicalprojekt und die wunderbar beschriebenen Jugendlichen, welche ihrer neuen Lehrerin das Leben zuerst natürlich sehr schwer machen, dann aber immer mehr aufblühen, haben mich begeistert und ich wollte unbedingt herausfinden, wie es mit dem Projekt weitergeht.
Nun habe ich nur noch einen Band der Hamburg-Reihe vor mir und ich muss ehrlich sagen, so langsam ähneln sich Hülsmanns Protagonistinnen schon ein wenig zu sehr: sie alle wirken
eher unreif, sind aber gerade dabei, sich beruflich und persönlich
ihren Weg zu bahnen. Am Tag stehen also Herausforderungen bei der Arbeit
an und am Abend wird im Kiezhafen oder einer anderen Bar auf den Putz gehauen. Annika
unterscheidet sich da nicht wirklich und ich hoffe sehr, dass der
sechste Band der Reihe wieder ein wenig origineller daherkommt.
Eine Notiz am Rande übrigens noch: die erste Ausgabe des Buches ist wohl bereits so alt, dass ganz oft das generische Maskulinum verwendet wird, was irgendwie einfach auch in dieser neuen Ausgabe nie angepasst worden ist und beim Lesen richtiggehend irritiert. Von wegen, gendergerechte Sprache würde irritieren....stets von Schülern, Schauspielern und Lehrern zu lesen, hat mich viel mehr irritiert, als differenzierende oder auch einfach bewusst offen gehaltene Formulierungen dies mittlerweile tun.
Fazit:
Ein wenig romantisches Geplänkel, vor allem aber so richtig viele Beschreibungen der Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen prägen diese Geschichte und auch wenn ich
finde, dass der Roman aus viel zu vielen Klischees besteht und mindestens 100 Seiten zu dick ist, hat mich die
Geschichte meistens gut unterhalten. Ich musste zwar immer wieder über
einige maximal deplatzierte, uninformierte und unlogische Beschreibungen
der Ausbildung zur Musikerin und Pädagogin hinweglesen, aber die Entwicklung der
Bühnenproduktion, die Annika an ihrer neuen Schule in die Hand nimmt, ist wirklich überraschend gut und kurzweilig erzählt. Der leider bisher schwächste Band der Reihe....kann man lesen, muss man aber nicht.
Zusätzliche Infos:
Titel: Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen
Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der
Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und
reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit
ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit
ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 576 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19197-0
Rezension: Sternflüstern
Sternflüstern - Paula Carlin
Beschreibung des Verlages:
Es ist ein wunderbarer Sommer. Die 56-jährige Künstlerin Irith hadert
jedoch mit dem Verlust ihres Freundes Lunis. Sie versucht sich durch
ihre Arbeit in einem Hotel abzulenken. Dann taucht plötzlich die junge
Sophie bei ihr auf. Sie ist ebenfalls Künstlerin und verkauft
ungewöhnliche Bilderrahmen. Die Frauen inspirieren sich gegenseitig und
beschließen kurzerhand, gemeinsam an einem Wandmosaik zu arbeiten. Irith
hat allerdings noch eine Aufgabe zu erfüllen: Lunis hat ihr ein
verschlossenes Päckchen hinterlassen, um es einer Frau namens Alix zu
geben. Aber wer ist diese Frau? Und welche Rolle hat sie in seinem Leben
gespielt? Die Begegnung der drei Frauen, die durch Lunis schicksalhaft
verbunden sind, wird zum Wendepunkt ihrer Leben.
In wundervollen
Bildern erzählt die Autorin, wie es sich anfühlt, an einem Scheideweg
im Leben zu stehen und wie ein klarer Blick nach innen, aber auch die
Begegnung mit anderen Menschen helfen können, sich auf den richtigen Weg
zu machen.
Inhalt:
Irith steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Ihre Arbeit in einem Hotel gibt ihr Halt und ihre Kunst - sie kreiert Mosaike aus Alltagsgegenständen und bunten Glasscherben - hilft ihr bei der Bewältigung ihrer Trauer um ihren Freund Lunis. Da bietet ihr Arbeitgeber ihr an, den Eingangsbereich seines Hotels mit einem grossen Kunstwerk zu versehen. Sie folgt ihrer Intuition und teilt sich die Arbeit mit der Künstlerin Sophie, der sie erst gerade begegnet ist und lässt auch Alix in ihr Leben, die ebenfalls mit Lunis verbunden scheint. Stück für Stück setzen die Frauen Erinnerungen und Gefühle zusammen, besuchen einen verlassenen Garten und trauern einem Menschen nach, der ihre Leben ganz anders geprägt hat, als sie es auf den ersten Blick erkennen konnten.
Meine Meinung:
"Sternflüstern" hat mir die liebe Andrea vom Blog LeseBlick geschenkt und es hat sich wunderbar in meinen Juli eingefügt. Mitten in diesem unerträglich heissen und trockenen Sommer, wo Regen rar ist und die Natur (und ich mit ihr) an ihre Grenzen kommt, kämpft nämlich auch die Protagonistin Irith mit der Hitze und Dürre und sehnt sich nach dem Erlösung bringenden Regen und Herbst. Dadurch habe ich mich Irith sofort sehr nahe und verbunden gefühlt und besonders gut gefallen hat mir, wie sie beginnt, sich einem verlassenen Haus mit Garten und dem sich darin befindlichen Fuchs anzunähern. Das Buch habe ich im April nach wenigen Kapiteln zur Seite gelegt, weil dann einfach nicht der richtige Lesezeitpunkt dafür war. Im Juli habe ich auch wieder ein wenig Zeit gebraucht, um ins Buch zu finden und wusste zuerst nicht, wohin das Buch mich führen würde. Und dann hat sich eine Ebene nach der anderen entfaltet und dabei eine wunderschöne, zarte Geschichte offenbart.
Schreibstil und Aufbau:
Der Garten eines verlassenen Hauses, zu dem sich Irith immer wieder wie von Zauberhand hingezogen fühlt, gibt dieser leise erzählten Geschichte einen zarten, grünen Rahmen, der nach und nach ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Auch Iriths und Sophies Kunstprojekt, das wächst und sich verändert, scheint, sich parallel zum Leben der Figuren zu entwickeln.
Und obwohl die Themen Trauer und Tod im Buch sehr präsent sind, wirkt es doch alles andere als bedrückend und ist vielmehr hoffnungslos und erzählt vom Mut, etwas zu wagen und sich auf Menschen, Chancen, buntes Glas und Gärten, immer wieder Gärten, einzulassen, gross zu Träumen und sich dabei stets neu zu erfinden.
Meine Empfehlung:
Dieses Buch der leisen Töne hat mich nach einem eher trägen Start verzaubert und für sich eingenommen. Ich habe jetzt richtig Lust, weitere Bücher von Patricia Koelle für mich zu entdecken.
Zusätzliche Infos:
Titel: Sternflüstern
Autorin: Paula Carlin ist das Pseudonym der deutschen Spiegel-Bestsellerautorin
Patricia Koelle. Sie wurde 1964 in Alabama/USA geboren und lebt seit
1965 in Berlin. Ihre größte Leidenschaft gilt dem Schreiben, in dem sie
ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren
sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 288 Seiten
Verlag: Diederichs
Rezension: Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon
Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon - Nina George, Jens J. Kramer und Hauke Kock
Reihenfinfos - Die magische Bibliothek der Buks:
1. Das verrückte Orakel
2. Das verfluchte Medaillon
3. Der Phantánasische Schlüssel
Beschreibung des Verlages:
Um die Zerstörung der zauberhaften Buchwelt zu verhindern, müssen sich die Buks in ihr bislang größtes Abenteuer wagen: Sie erobern zum ersten Mal das für sie unbekannte „Draußen“ jenseits ihrer magischen Bibliothek. Zeitgleich reisen die Kinder Finn und Nola mithilfe von machtvollen Kristallmedaillons durch die Welt der tollsten Geschichten auf der Suche nach dem verschollenen Buchmeister und der Heilung gegen die schreckliche Bleichkrankheit. Inzwischen entdecken Mira und Thommy in der Welt der Menschen die geheime Büchergilde und kommen dem unbekannten Zerstörer der Bücher gefährlich nah. Doch nur gemeinsam können sie das Spiel um Freiheit und Fantasie gewinnen.
Inhalt:
Die Zwillinge Finn und Nola sowie Geraldine, die Tochter der Ministerin, reisen auf der Suche nach einander sowie nach dem Buchmeister durch ein Kraftbuch. Während dessen versuchen Mira und Thommy gemeinsam mit den Buks und der Büchergilde die geheime Bibliothek zu beschützen. Klar ist: es wird zu einem Kampf kommen, der den Lauf der Welt für immer entscheiden wird...
Meine Meinung:
Wie auch schon beim ersten Band der Reihe war ich sofort mitten im Geschehen. Der zweite Band schliesst sogar so nahtlos an den ersten Band an, dass ich mich zuerst ein wenig orientieren und erinnern musste. Dann aber war ich wieder begeistert vom Inhalt, der kreativen Geschichte, den vielen literarischen Anspielungen und den politischen Verstrickungen.
Die Geschichte verzweigt sich mehr und mehr, es werden mehrere Szenen gleichzeitig erzählt, weil die Kinder und die Buks sich in so viele verschiedene Abenteuer stürzen und dadurch bleibt die Geschichte sehr spannend. Es wird richtig fantasievoll, gefährlich und sogar ein wenig sentimental.
Ich habe auch den zweiten Band der Reihe sehr gerne gelesen, wenn auch mir der erste Band noch ein wenig besser gefallen hat. Dies vor allem, weil der erste Band sehr viel gesellschaftskritischer und auch anspruchsvoller erzählt ist.
Dafür wird im zweiten Band um so mehr auf Abenteuer und Unterhaltung gesetzt, was aber auch sehr gelungen ist und mir schöne Lesestunden beschert hat.
Meine Empfehlung:
Dieser abenteuerliche und klug aufgebaute zweite Band der Reihe hat mich zwar nicht ganz so sehr gefesselt, wie der erste Band, aber trotzdem hat er mich begeistert und ich möchte euch die Reihe sehr herzlich empfehlen.
Zusätzliche Infos:
Titel: Die magische Bibliothek der Buks. Das verfluchte Medaillon
Autorin: Die mehrfach ausgezeichnete internationale Bestsellerautorin Nina
George, geboren 1973 in Bielefeld, schreibt seit 1992 Romane,
Sachbücher, Essays, Reportagen, Kurzgeschichten, Blogs und Kolumnen. Ihr
Roman Das Lavendelzimmer wurde in 36 Sprachen übersetzt und eroberte
weltweit die Charts, so etwa die New York Times-Bestsellerliste in den
USA. Sie lebt in Berlin und in der Bretagne. Seit Juni 2019 ist Nina
George Präsidentin des European Writers’ Council, dem Dachverband von 46
europäischen Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverbänden.
Autor: Jens J. Kramer, Jahrgang 1957, studierte in Berlin Ethnologie und
Publizistik. 1999 debütierte er mit einem historischen Roman über das
koloniale Afrika (Die Stadt unter den Steinen), dem zwei weitere folgten
(Das Delta, Der zerrissene Schleier). Als Jo Kramer schrieb er
romantische Komödien, als Mike Schulz Krimikomödien und zusammen mit
seiner Ehefrau, der Bestsellerautorin Nina George, ist er Jean Bagnol,
der Erfinder des provenzalischen Ermittlers „Commissaire Mazan“. Zuletzt
erschien von ihm Johannas Rache, Droemer, 2020. Kramer ist seit 2017
Vorsitzender des SYNDIKAT e.V.
Illustrator: Hauke Kock ist als Kind in ein Fass voller Tusche gefallen und kann
seitdem nicht mehr aufhören zu zeichnen. Folgerichtig macht er aus der
Not eine Tugend und wird Illustrator und Autor. Neben unzählig
bebilderten Büchern für Klein und Groß, Spielen und allerlei anderen
Projekten mit Illustrationsbedarf, traut sich der gebürtige
Schleswig-Holsteiner ab und zu aus der Komfortzone und versucht sich an
einem Marathonlauf. Weitere Kalamitäten unter: www.haukekock.de
www.haukekock-fantasyart.com
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Thienemann
Erschienen am: 24.01.2025
ISBN: 978-3-522-50823-0
Rezension: 25 letzte Sommer
Beschreibung des Verlages:
Am Küchentisch eines alten Bauernhauses treffen zwei Menschen
aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Erzähler
dieser Geschichte führt ein gehetztes Leben, das er als endlose
To-do-Liste empfindet; Karl hingegen sortiert Tag für Tag Kartoffeln -
und denkt nach. Als Karl seinen Gast mit der Tatsache konfrontiert, dass
ihm noch ungefähr 25 Sommer bleiben, beginnen beide ein Gespräch über
die großen Fragen des Lebens: Warum verbringen wir so viel Zeit mit
unserer Arbeit anstatt mit den Menschen und Dingen, die uns wirklich
wichtig sind? Woher nehmen wir den Mut, unsere eigenen Träume zu
verwirklichen? Und warum beginnt das richtige Leben oft erst, wenn wir
erkennen, dass wir nur eines haben?
Stephan Schäfer bringt uns
dazu, Antworten auf diese Fragen in uns selbst zu suchen. 25 letzte
Sommer ist eine warme, tiefe Erzählung, die uns in unserer Sehnsucht
nach einem Leben in Gleichgewicht abholt, uns mitnimmt zu Karl und
seinem Hof, zum See und auf den Kartoffelacker – zu einer Geschichte
über Freundschaft, über das Zu-viel und Zu-wenig im Leben. Und über die
Fragen, auf die wir alle so gerne Antworten finden wollen.
Inhalt:
An einem freien Samstag trifft der namenlose Erzähler den Kartoffelbauer Karln. Dieser verwickelt unseren Erzähler sofort in ein Gespräch, lädt ihn zu sich auf den Hof ein, bekocht ihn und lässt ihn an einem Alltag und seinen zahlreichen Gedanken zum Leben, Arbeiten und Geniessen teilhaben.
Meine Meinung:
Alles schon mal dagewesen... Das Buch, das ich für den Buchclub in Burgdorf gelesen habe, hat mich leider nicht überzeugen können und hätte ich es nicht für diesen Anlass gelesen, hätte ich es nach wenigen Seiten abgebrochen. Viel zu simpel ist die Geschichte gestrickt und viel zu sehr erinnert der Inhalt an Bücher wie "Das Café am Rande der Welt" und wie sie alle heissen. Dies an sich wäre nicht schlimm, kann es doch manchmal wohltuend sein, sich ein paar Sinnfragen zu stellen und sich Gedanken zur vielbesungenen Work-Life-Balance zu machen.
Aber: der Protagonist der Geschichte weiss Frau und Kinder übrigens stets gut beschäftigt und betreut, während er sich auf seine Abenteuer begibt und ist auch sonst in seinem Alltag eigentlich nicht für seine Familie zuständig. Ich lasse das mal so stehen...
Schreibstil und Aufbau:
Wie auch schon Streleckys Bücher bleibt "25 letzte Sommer"
oberflächlich. Dass sich ausserdem nur Menschen, denen es
eigentlich viel zu gut geht, überlegen können, ob sie einen faulen
Sonntag verbringen oder sich doch den liegengebliebenen Mails widmen
möchten, dass also die Sinnfrage sowie die Erfüllung der persönlichen
Lebensziele vor allem maximal privilegierte Personen betrifft, wird
dabei komplett ausgeklammert.
Schäfer wirft mit lose aneinandergereihten Plattitüden und halbgaren Metaphern nur so um sich und Tiefgang, Selbstkritik oder das Einbeziehen unterschiedlicher Lebensrealitäten fehlen dabei komplett. Aber wenn es ja schon so viele Bücher gibt, welche in die Achtsamkeits-Kerbe schlagen, finde ich es eigentlich nicht zu viel verlangt, die Geschichte ein wenig anders zu gestalten. Dies habe ich aber leider im Buch so gar nicht angetroffen, was ich sehr schade finde. Immerhin sind die ein wenig mehr als 170 sehr locker bedruckten und mit simplen Sätzen gefüllten Seiten innerhalb von kürzester Zeit gelesen.
Fazit:
Wer sich zum ersten Mal mit einer persönlichen Sinnsuche, oder den Themen Achtsamkeit und Genuss auseinandersetzt, hat vielleicht mit diesem Buch einen perfekten Einstieg ins Thema gefunden. Wer aber keine Lust hat, sich schon wieder von einem Mann, der sich lediglich um sich und seinen Job kümmern muss, während seine Frau sich um die Kinder kümmert, erklären zu lassen, wie man das Leben maximal geniesst (eventuell sogar ein Widerspruch, wenn man auch den Genuss optimieren muss?), wird mit "25 letzte Sommer" definitiv nicht glücklich.
Zusätzliche Infos:
Titel: 25 letzte Sommer
Autor: Stephan Schäfer, geboren 1974 in Witten, war lange Jahre als Journalist, Chefredakteur und Vorstand tätig. Sein Roman 25 letzte Sommer stand
über 30 Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in mehrere
Sprachen übersetzt und inspirierte ihn zu den in der Reihe Das Buch, das bleibt erschienenen Büchern 100 Fragen an meine Mutter und 100 Fragen an meinen Vater sowie 100 Fragen an mich. Mit seiner Familie lebt er in Hamburg und an der Schlei.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 176 Seiten
Verlag: park x ullstein
Erscheinungstag: 14.03.2024
ISBN: 9783988160096
Rezension: Zwei Leben
Zwei Leben - Ewald Arenz
Beschreibung des Verlages (gekürzt, damit ihr nicht gespoilert werdet):
Ein Dorf, die Welt – und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben
1971
in einem Dorf in Süddeutschland. Nach einer Art Schneiderlehre in der
Stadt kehrt die 20-jährige Roberta auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie
ist das einzige Kind und wird irgendwann einmal die Bäuerin sein. Hier
auf dem Land sind Vergangenheitsbewältigung, Kriegsdienstverweigerung,
Feminismus, Popkultur und Miniröcke nichts, womit man sich beschäftigt.
Hier zählen Arbeit, Gehorsam und moralisches Verhalten. Roberta träumt
davon, eigene Kleider zu entwerfen, aber sie weiß genau, dass das Träume
bleiben werden. Zugleich liebt sie ihren Hof und die körperliche Arbeit
in der Natur, wo sie sich ganz und gar spürt. Und sie liebt Wilhelm,
den Pfarrerssohn. Wilhelm ist nicht nur für Roberta der Grund, im Dorf
zu bleiben. Auch seine Mutter Gertrud bleibt wegen ihres Sohnes. Im
Gegensatz zu Roberta hasst sie das Landleben und wünscht sich nichts
mehr, als weggehen zu können, hinaus in die Welt.
Inhalt:
Roberta möchte hinaus in die Welt und sich ihren Traum vom Leben als Schneiderin und Modedesignerin erfüllen. Doch sie fühlt sich ihrer grossen Liebe Wilhelm, ihren Eltern und dem Hof verpflichtet, den sie als einziges Kind übernehmen wird. So ist es schon immer gewesen, so wird es bleiben.
Aber auch Wilhelms Mutter Gertrud träumt sich weg aus dem ländlichen, hinaus in ein moderneres, städtisches Leben. Vor vielen Jahren ist sie an der Seite des Pfarrers aufs Land gezogen und hat dann Wilhelm geboren, der im kleinen Dorf aufgewachsen ist und dort seinen Platz gefunden hat. Doch ihr fällt die Decke auf den Kopf.
Die beiden Frauen sind gefangen zwischen ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Lieben und ihrem Wunsch nach Selbstverwirklichung.
Meine Meinung:
In der persönlichen emotionalen Achterbahnfahrt, die der Juli für mich war, habe ich dieses Buch gelesen. Es mir stellenweise erarbeitet und erkämpft und einige Male wollte ich es abbrechen, bin aber trotzdem dabei geblieben und mit einem wunderschönen, versöhnlichen, spannenden, hoffnungsvollen Schluss belohnt worden. Ich habe das Buch vor allem in der Woche gelesen, in der ich ganz überglücklich mein Patenkind zum ersten Mal im Arm halten durfte und in der ich wenige Tage später einen plötzlich und viel zu früh verstorbenen Onkel beerdigen musste...
Aber zurück zum Buch: Die beiden Hauptfiguren waren mir anfangs wohl genau deshalb so nahe, weil ich ihre Gefühle und ihren Zwist so gut verstehen konnte. Das Leben, das sie führen, könnte so oder ähnlich das Leben vieler Mitglieder meiner weitverzweigten Familie sein. Viele von ihnen leben genau so in ihren Dörfern auf ihren Höfen in ihrer eigenen - oft ein wenig aus der Zeit gefallenen - Welt. Und genau diese Familienmitglieder, ihre Sorgen und Ängste und ihr Alltag, der sich so stark von meinem unterscheidet, habe ich letzte Woche erst auf einem zugigen Friedhof in einem kleinen Dorf angetroffen.
Schreibstil und Aufbau:
"Zwei Leben" hat mich wohl auch deshalb, weil ich mich in Robertas und Gertruds Leben so schnell heimisch fühlte, sofort für sich eingenommen, aber nach etwa hundert
Seiten nur noch gelangweilt. Die Sprache dümpelt mehr und mehr dahin, die Figuren sind mir fast komplett entglitten und es wirkt, als hätte die Geschichte ihren roten Faden verloren. Weil in allen Beschreibungen und
Rezensionen aber die Rede davon ist, dass dann doch mal noch etwas
geschieht, habe ich weitergelesen und mich dabei ziemlich gequält. Die
letzten hundert Seiten haben dann aber bewiesen, wie
grandios Arenz erzählen und beschreiben kann. Mit welcher Finesse er
sich den Menschen und ihren tiefsten Gefühlen nähert und dass er diese so sanft
und klar in Worte fassen kann, hat mich tief beeindruckt. In "Zwei Leben" geht es um Chancen im Leben. Die am Schopf gepackten, aber vor allem um die verpassten. Und um zweite Chancen, die alles noch einmal auf Anfang setzen. Es geht um Liebe und Freundschaft, Träume und Ziele, Vertrauen und Vergebung. Und in all diesen grossen Gefühlen schafft es Arenz, dass die Figuren, denen ich mich in der Mitte des Buches so gar nicht mehr nahe gefühlt hatte, mir plötzlich wieder lieb und teuer wurden. Vor allem die Geschichte von Roberta und ihrem Opa, dem sie sich im Laufe des Romans mehr und mehr annähert, hat diesen Roman für mich ganz besonders gemacht.
Fazit/Empfehlung?:
Ich verstehe alle, die das Buch nach hundert Seiten abbrechen und ich verstehe alle, die vom Roman zutiefst berührt werden. Insgesamt glaube ich, dass dem Buch etwa hundert Seiten weniger überhaupt nicht geschadet hätten und ich bin überzeugt davon, dass belohnt wird, wer durchhält und es bis zum Schluss von "Zwei Leben" schafft. Dieser hat mich nämlich für meine Lesemühen grosszügig entschädigt.
Weitere Bücher von Ewald Arenz:
Alte Sorten (21.07.2020)
Der grosse Sommer (14.06.2022)
Zusätzliche Infos:
Titel: Zwei Leben
Autor: EWALD ARENZ, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische
Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Gymnasiallehrer in
Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke wurden mit zahlreichen Preisen
ausgezeichnet. Mit ›Alte Sorten‹ stand er auf der Liste »Lieblingsbuch
der Unabhängigen« 2019, und ›Der große Sommer‹ erhielt 2021 ebenjene
Auszeichnung. Zuletzt erschienen ›Zwei Leben‹ (2024), ›Katzentage‹
(2025) und ›Fünf, sechs, sieben, acht‹ (2026, alle DuMont).
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag:Dumont
Erscheinungstag: 12.08.2025
ISBN: 978-3-7558-0558-8

