Rezension: Wenn's einfach wär, würd's jeder machen

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen - Petra Hülsmann

Reiheninfos "Hamburg-Reihe":

1. Hummeln im Herzen
2. Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
3. Glück ist, wenn man trotzdem liebt
4. Das Leben fällt, wohin es will
5. Wenn's einfach wär, würd's jeder machen
6. Meistens kommt es anders, wenn man denkt

Beschreibung des Verlages:
Damit hatte Glückskind Annika nicht gerechnet: Aus heiterem Himmel wird die beliebte Deutschlehrerin von ihrer Traumschule in Blankenese an eine Albtraumschule im Problembezirk versetzt. Nicht nur, dass die Schüler dort mehr an YouTube als an Hausaufgaben interessiert sind - die Musical-AG, die Annika übernommen hat, stellt sich auch noch als völlig talentfrei heraus. Hilfesuchend wendet sie sich an Tristan, ihre erste große Liebe und inzwischen Regisseur. Von nun an spielt sich das Theater jedoch mehr vor als auf der Bühne ab, und das Chaos geht erst richtig los. Aber wenn's einfach wär, würd's schließlich jeder machen ...

Inhalt:

Bisher hat die Lehrerin Annika sich weder für die Kinder, die sie unterrichtet, noch für einen solide ausgearbeiteten und vorbereiteten Unterricht interessiert. Damit ist sie an ihrer Eliteschule stets durchgekommen. Als sie aber für das neue Schuljahr in eine sogenannte "Brennpunktschule" versetzt wird, reicht diese Haltung nicht mehr. Anspruchsvolle Klassenkonstellationen verlangen nämlich definitiv eine Lehrerin, die ihren Job beherrscht und sich für ihre Klasse einsetzt. Die Idee, eine Musical-AG aus dem Boden zu stampfen, ist aber reiner Selbstzweck. Schliesslich erhofft Annika sich dadurch, dass sie nach dem Entwickeln eines erfolgreichen Abschlussmusicals wieder an ihre alte Schule zurückkehren kann. Allerdings wachsen Annika das Projekt und die Jugendlichen ans Herz und sie beginnt, einige wesentliche Dinge zu verstehen.

Meine Meinung:
Ihr glaubt es nicht und selber habe ich es auch kaum geglaubt: das Buch hätte ich bereits nach wenigen Seiten fast abgebrochen. Nicht nur ist Annika eine extrem unsympathische Hauptfigur, sie ist auch eine furchtbare und mit vielen Vorurteilen behaftete Lehrerin. Und ja: das Schulsystem und die Musikerinnenlaufbahn werden mit so viel Halbwissen und Klischees beschrieben, dass ich mich wirklich geärgert habe. Aber: Annikas Musicalprojekt und die wunderbar beschriebenen Jugendlichen, welche ihrer neuen Lehrerin das Leben zuerst natürlich sehr schwer machen, dann aber immer mehr aufblühen, haben mich begeistert und ich wollte unbedingt herausfinden, wie es mit dem Projekt weitergeht.
Nun habe ich nur noch einen Band der Hamburg-Reihe vor mir und ich muss ehrlich sagen, so langsam ähneln sich Hülsmanns Protagonistinnen schon ein wenig zu sehr: sie alle wirken eher unreif, sind aber gerade dabei, sich beruflich und persönlich ihren Weg zu bahnen. Am Tag stehen also Herausforderungen bei der Arbeit an und am Abend wird im Kiezhafen oder einer anderen Bar auf den Putz gehauen. Annika unterscheidet sich da nicht wirklich und ich hoffe sehr, dass der sechste Band der Reihe wieder ein wenig origineller daherkommt.
Eine Notiz am Rande übrigens noch: die erste Ausgabe des Buches ist wohl bereits so alt, dass ganz oft das generische Maskulinum verwendet wird, was irgendwie einfach auch in dieser neuen Ausgabe nie angepasst worden ist und beim Lesen richtiggehend irritiert. Von wegen, gendergerechte Sprache würde irritieren....stets von Schülern, Schauspielern und Lehrern zu lesen, hat mich viel mehr irritiert, als differenzierende oder auch einfach bewusst offen gehaltene Formulierungen dies mittlerweile tun. 

Fazit:
Ein wenig romantisches Geplänkel, vor allem aber so richtig viele Beschreibungen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen prägen diese Geschichte und auch wenn ich finde, dass der Roman aus viel zu vielen Klischees besteht und mindestens 100 Seiten zu dick ist, hat mich die Geschichte meistens gut unterhalten. Ich musste zwar immer wieder über einige maximal deplatzierte, uninformierte und unlogische Beschreibungen der Ausbildung zur Musikerin und Pädagogin hinweglesen, aber die Entwicklung der Bühnenproduktion, die Annika an ihrer neuen Schule in die Hand nimmt, ist wirklich überraschend gut und kurzweilig erzählt. Der leider bisher schwächste Band der Reihe....kann man lesen, muss man aber nicht.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Leben fällt, wohin es will
Autorin: Petra Hülsmann, Jahrgang 1976, wuchs in einer niedersächsischen Kleinstadt auf. Nach einem erfolgreich abgebrochenen Studium der Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie in Anwaltskanzleien und reiste sechs Monate mit dem Rucksack durch Südostasien, bevor sie mit ihren Romanen die Beststellerliste eroberte. Petra Hülsmann lebt mit ihrem Mann in Hamburg.
Taschenbuch: 576 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Bastei Lübbe
Veröffentlichungstermin dieser Ausgabe: 24.02.2023
ISBN: 978-3-404-19197-0

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