Sein Name war Annabel - Kathleen Winter
Beschreibung des Verlages:
Croydon Harbour, ein verschlafener kleiner Ort an der Küste Labradors,
1968. Die Aufbruch- und Proteststimmung der Zeit ist nicht bis in diese
abgelegene Gegend vorgedrungen, als ein freudig erwartetes Baby zur Welt
kommt. Doch dieses Kind ist anders: nicht ganz Junge und auch nicht
ganz Mädchen. Die Eltern – in erster Linie jedoch der Vater –
entscheiden, es als Jungen aufwachsen zu lassen. Aber das männliche
Rollenbild, verhaftet in alten Traditionen und bestimmt durch Jagen und
Fischen, bleibt dem Jungen fremd. Und er sucht einen Weg, um zu sich
selbst zu finden und selbstbestimmt leben zu können. Zur Seite steht ihm
dabei eine gute Freundin der Eltern, die um sein Geheimnis weiß.
Inhalt:
In Labrador, einem kleinen Ort in Kanada, in dem die Männer im Winter bei den Fallen sind und die Frauen sich um das Haus und die Kinder kümmern, wird ein intergeschlechtliches Kind geboren. Die Liebe seiner Mutter, die es gerne als Mädchen aufwachsen sehen würde, widerspricht der Idee des Vaters, der auf die Ärzte hören und sein Kind zu einem "richtigen Mann" heranziehen möchte. Thomasina, die beste Freundin von Jacinta, nennt das Kind im Geheimen und als Andenken an ihre verstorbene Tochter "Annabel" und wird zu einer engen vertrauten des Kindes, das schliesslich unter dem Namen Wayne aufwächst und immer öfter seine Andersartigkeit bemerkt und das Schweigen seiner Eltern zu deuten vermag.
Meine Meinung:
Fasziniert von Titel und Cover dieses Buches habe ich mich - ohne den Klappentext oder eine Beschreibung gelesen zu haben - ans Lesen dieses Buches gemacht. Deshalb war ich um so positiver überrascht von der einfühlsamen und wohlinformierten Integration des Themas der Intergeschlechtlichkeit. Diese steht aber gar nicht so sehr im Zentrum, respektive wird sie nie so konkret benannt und Kathleen Winter thematisiert vielmehr den (fahrlässigen aber damals wohl nicht besser informierten) Umgang der beratenden Ärzte und die Hilflosigkeit der Eltern, die eigentlich einfach nur das Beste für ihr Kind wollen. Vor allem Treadway, der Vater des Kindes, das unter dem Namen Wayne aufwächst, bemüht sich intensiv darum, seinen Sohn in eine typische, überholte Männerrolle zu zwingen. Dass dies einen chirurgischen Eingriff und lebenslange Hormonbehandlungen mit sich zieht, wird von der einfach lebenden Familie stillschweigend akzeptiert und finanziert. Nur Wally hält als Freundin und Vertraute zu Wayne und diese Freundschaft, welche sich durch die ganze Geschichte hindurch stetig verändert, hat mich wirklich berührt.
Insgesamt haben mich die Handlung sowie die abweisende, emotional distanzierte Stimmung in diesem Buch fasziniert und ausserdem empfand ich die Entwicklung der einzelnen Figuren zueinander aber auch auseinander als äusserst realistisch dargestellt. Andererseits hat mich diese Distanz beim Lesen auch gestört und während ich den Figuren manchmal sehr nahe war, beispielsweise während Annabel/Wayne brutale sexuelle Gewalt angetan wird oder während die Mutter Jacinta sich überlegt, mit ihrem Säugling vor den Chirugen im Krankenhaus zu fliehen, erlebte ich doch auch eine Leere und Unnahbarkeit, die zwar zur Stimmung gepasst, mich das Buch aber auch als ein wenig zäh haben empfinden lassen.
Entwicklung:
Von eindringlich über distanziert, von packend bis zäh... Kathleen Winter zieht alle Fäden und dies gelingt leider nicht immer ganz überzeugend. Während gerade am Anfang des Buches die Stimmungen von Jacinta und ihrer besten Freundin Thomasina die Handlung mitprägen und erst so richtig fassbar machen, verschwinden sowohl Jacinta als auch Treadway leider immer mehr im Hintergrund. Dies kann durchaus gewollt sein, wird Jacinta doch im Verlauf des Buches depressiv und die Beziehung zu Treadway zerdröselt ebenfalls mehr und mehr, aber trotzdem wären diese Figuren eigentlich so wichtig für die Handlung, weil sie ihr Kind entscheidend mitgeprägt haben. Annabel/Wayne wird älter und selbstständiger, trifft Entscheidungen und dabei zeigt sich eine sehr starke Auseinandersetzung der Autorin mit Vorurteilen, mit Gewalt, Ablehnung, Intoleranz und der Suche nach sich selber, die mich wieder stark gefesselt hat.
Meine Empfehlung:
Einiger Abstriche im Schreibstil und der distanzierten Erzählhaltung dieses Buches zum Trotz, ist "Sein Name war Annabel" aktueller denn je, zeigt auf, wie wenig sich grosse Teile unserer Gesellschaft mit Menschen, die nicht in vorgefertigte Rollenbilder passen, arrangieren können und wollen und welche Schwierigkeiten dadurch für Betroffene und ihr Umfeld entstehen können. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Intergeschlechtlichkeit empfinde ich als sehr gekonnt und empfehle euch das über weite Teile faszinierendes und fesselndes Buch sehr gerne weiter.
Zusätzliche Infos:
Titel: Sein Name war Annabel
Originaltitel: Annabel
Autorin: Kathleen Winter ist Journalistin, Romanautorin, verfasst Kurzgeschichten
und schreibt Drehbücher für das kanadische Fernsehen. Ihr Debütroman
»Annabel« war ein Bestseller in Kanada und ein internationaler Erfolg.
Ihr Memoir »Eisgesang« war nominiert für den Hilary Weston Writers Trust
Prize for Nonfiction und den RBC Taylor Prize. Kathleen Winter hat
lange in St John's auf Neufundland gelebt. Heute lebt sie in Montreal.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen
von:
Elke Link
Hardcover mit Schutzumschlag: 448 Seiten
Verlag: btb
Erschienen am: 26. Juli 2021
ISBN: 978-3-442-75772-5
Rezension: Sein Name war Annabel
Rezension: Ein dunkles Geschenk
Beschreibung des Verlages:
Sie beobachtet einen Mord und verstrickt sich in ein Netz aus Macht, Tod und Verlangen
Lila Emerson liebt ihren Job als House-Sitterin. Doch als sie eines Tages vom Fenster eines fremden Apartments scheinbar einen Mord mit anschließendem Suizid beobachtet, verändert sich ihr Leben auf einen Schlag, denn Ashton Archer, der Bruder des Mörders, bittet sie um Hilfe. Lila fühlt sich von dem attraktiven Künstler mehr als angezogen, und auch Ash weiß: Die Frau mit den dunklen, tiefgründigen Augen muss er zeichnen! Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit, und bald wird klar: unschätzbar teure Kunstgegenstände stehen im Zentrum dieses Verbrechens – und ein Sammler, der für seine Obsession über Leichen geht …
Lila reist als House-Sitterin von einer luxuriösen Residenz zur nächsten. Dort kümmert sie sich um Pflanzen, Haustiere und die Post, schreibt an ihrem neuen Roman und beobachtet die Nachbarn durch die oft grossen Scheiben der modernen Häuser. Als sie eines Abends den Mord an einer jungen Frau und den angeblichen Suizid des potenziellen Täters mitansieht, verändert sich ihre Welt schlagartig. Sie lernt den Bruder des mutmasslichen Mörders, einen namhaften Künstler, kennen und begibt sich mit ihm auf eine gefährliche Spurensuche, welche die beiden mitten in die Abgründe der Kunstwelt und einander näher bringt.
Meine Meinung:
Dieses Buch ist wohl mitverantwortlich dafür, dass ihr hier sehr lange keine Rezension mehr gelesen habt. Es war nämlich immer mal wieder sehr zäh und langatmig, wurde dann aber von packenden Szenen unterbrochen. Sehr gut gefallen haben mir die Einblicke in die Welt der Kunst und dabei vor allem die Ausführungen rund um die berühmten Fabergé-Eier, ihrem Schöpfer Peter Carl Fabergé und deren Geschichte, die mich weit in die Vergangenheit Russlands und der russischen Zarenfamilie reisen liessen und auf eine genaue Recherchenarbeit der Autorin hindeuten. Dies imponiert mir immer sehr. Weniger gut gefallen hat mir die Art und Weise, in der Nora Roberts (die nun wirklich nicht zu den emanzipiertesten Autorinnen gehört), versucht, ihre Protagonistin als unabhängige Frau darzustellen, die aber zeitgleich trotzdem irgendwie gerettet werden muss (von einem Mann natürlich). Dies wirkte konstruiert und widersprüchlich und hat mit unendlichen Plänkeleien zwischen den beiden für Längen gesorgt.
Die reine Krimihandlung ist spannend, brutal und von der Idee her überzeugend, die Liebesgeschichte aber, die insgesamt zu viel Raum einnimmt, war mir einfach zu gewollt dargestellt.
Schreibstil:
Überrascht hat mich, wie detailliert Nora Roberts einzelne Szenen schildet. Und nein, ich meine nicht das Bettgeflüster, das bin ich mir von ihr bereits gewohnt ;-) Vielmehr gibt es eine brutale Folterszene und eine blutige Kampfszene, die sonst so gar nicht in den leicht dahinplätschernden Erzählfluss passen und mich wohl auch deshalb eher irritiert haben und die ich sicher auch als eher heftig empfunden habe, weil der Kontrast zu den anderen Szenen sehr gross ist. Anonsten haben mir persönlich die weit ausschweifenden historischen Exkurse gefallen. Diese vielen unterschiedlichen Elemente: packende und teilweise brutale Szenen in der Krimihandlung, eine zu gewollte Liebesgeschichte und ausführliche historische Exkurse werden aber einfach nicht ganz rund zusammengefasst... Um so origineller und detaillierter beschrieben war dann aber die House-Sitting-Arbeit der Protagonistin Lila und diese Szenen waren mit die unterhaltsamsten.
Fazit:
Ein nicht ganz rundes Buch, das leider einige Längen aufweist, aber stellenweise auch sehr spannend und vor allem sehr umfassend recherchiert ist. Immerhin war das ein Erfolg für das Dicke-Bücher-Camp 2021 von Marina, aber im Regal bleibt das Buch nicht.
Zusätzliche Infos:
Titel: Ein dunkles Geschenk
Originaltitel: The Collector
Autorin: Nora Roberts wurde 1950 in Silver Spring, Maryland, als einzige und jüngste Tochter von fünf Kindern geboren. Ihre Ausbildung endete mit der Highschool in Silver Spring. Bis zur Geburt ihrer beiden Söhne Jason und Dan arbeitete sie als Sekretärin, anschließend blieb sie Hausfrau und Mutter. Anfang der siebziger Jahre zog sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Maryland aufs Land. Sie begann mit dem Schreiben, als sie im Winter 1979 während eines Blizzards tagelang eingeschneit war. Nachdem Nora Roberts jedes im Haus vorhandene Buch gelesen hatte, schrieb sie selbst eins. 1981 wurde ihr erster Roman »Rote Rosen für Delia« (Originaltitel: Irish Thoroughbred) veröffentlicht, der sich rasch zu einem Bestseller entwickelte. Seitdem hat sie über 200 Romane geschrieben, von denen mehr als 500 Millionen Exemplare verkauft wurden; ihre Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Sowohl die ROMANCE WRITERS OF AMERICA als auch die ROMANTIC TIMES haben sie mit Preisen überschüttet; sie erhielt unter anderem den Rita Award, den Maggie Award und das Golden Leaf. Ihr Werk umfasst mehr als 195 New-York-Times Besteseller. 1986 wurde sie in die Romance Writers Hall of Fame aufgenommen.
Heute lebt die Bestsellerautorin mit ihrem Ehemann in Keedysville/Maryland.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Margarethe van Pée
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0389-6
Mein SuB kommt zu Wort, 20.08.21

Hallo ihr Lieben
Schon ein halbes Jahr ist es her seit unserer letzten Teilnahme (das war im Januar 2021) und die von *Annas Bücherstapel* ins Leben gerufene Aktion wird mittlerweile bei *Mellis Buchleben* und *Vanessas Literaturblog* weitergeführt. Wir haben ausserdem eine grosse Neuigkeit zu verkünden, weshalb wir uns hier wieder einmal melsen. Nun lasse ich SuBrina an die Tastatur und verabschiede mich ins Bett. Morgen wird dann ausgiebig gestöbert. Schlaft alle gut :-)
Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Ein grosses Hallo in die Runde auch von mir
Mein Frauchen hat mich lange nicht zu Wort kommen lassen und das hatte seine Gründe. Vor allem waren es Zeitmangel und Unlust, aber wir beide hatten auch wieder einmal eine grössere kleinere Krise. Nachdem wir uns aber zu einem intensiven Gespräch getroffen haben, bei dem einige Lösungen ausgearbeitet worden sind (unter anderem hat Frauchen deutlich ausgemistet und darf Bücher nur noch mit Einkaufsliste shoppen), haben wir wieder einen gemeinsamen Weg und sogar ein Ziel gefunden und sind zum ersten Mal seit wahrscheinlich etwa 10 Jahren endlich, endlich weider im zweistelligen Bereich angekommen. Ja, richtig gelesen: ich wiege/messe/beinhalte aktuell 97 Bücher (hier einmal laut jubeln bitte)🎉🎉🎉.
Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Im August ist nur ein einziges Buch hier eingezogen und zwar "Koma" von Jo Nesbø, den zehnten Teil der Reihe um den Ermittler Harry Hole. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, möchte Livia einige Reihen (darunter eben auch diese Reihe) komplettieren und stöbert dabei oft in Bücherschränken und im Brocki. "Koma" hat Livia aber gar nicht selber gekauft, sondern von einer Freundin und Mitmusikerin bekommen, die das Buch aussortiert und sich noch an Livias Vorliebe für diese Reihe erinnert hat. Mein Frauchen hatte bei diesem Neuzugang die Finger also eigentlich gar nicht im Spiel ;-)
Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde?
War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein
Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit
Rezensionslink)?
Zuletzt gelesen hat Livia "Ein dunkles Geschenk" von Nora Roberts. Die Rezension dazu wird wohl morgen oder am Sonntag online gehen. Zuletzt rezensiert worden ist aber "Was bleibt, wenn alles verschwindet" von Hermien Stellmacher. HIER geht es zur Rezension.
Liebe:r
SuB, im August ist Urlaubszeit, also hat Dein:e Besitzer:in
vielleicht etwas mehr Zeit, um in längere Geschichten abzutauchen?!
Deshalb sind diesmal die richtig starken Wälzer, also Bücher ab 500 Seiten, gefragt.
Der Urlaub ist hier schon lange wieder vorbei, aber gerade läuft ja noch das Dicke-Bücher-Camp-2021 bei Marina und Livia steckt (immer noch und wohl noch langer) in Ronald M. Schernikaus Opus magnum "Legende" (1300 Seiten). Das Buch möchte sie bis Ende Jahr beenden. Eigentlich wäre dies bis zum 20.2.21 geplant gewesen, um hier davon zu erzählen, aber das Buch lässt sich nicht unter Druck lesen, deshalb haben wir den Druck einfach rausgenommen. Dann liest sie aktuell "Die Verlobten des Winters" von Christelle Dabos (535 Seiten) und wollte eigentlich noch "Das Haupt der Welt" von Rebecca Gablé (864 Seiten) und "Melnitz" von Charles Lewinsky (776 Seiten) lesen, aber das wird wohl ein wenig knapp... Mal sehen, was sich noch machen lässt.
Und nun seid ihr an der Reihe. Lasst die Seiten rascheln und erzählt uns, wie es bei euch in den Regalen gerade aussieht. Lasst uns gerne auch euren Link da, wir schauen auf jeden Fall bald vorbei.
Ganz liebe Grüsse
SuBrina (und schon fast schlafende Livia)
Rezension: Was bleibt, wenn alles verschwindet
Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Insel Verlag zur Verfügung gestellt, vielen Dank.
Was bleibt, wenn alles verschwindet - Hermien Stellmacher
Beschreibung des Verlages:
Beste
Freundinnen seit über dreißig Jahren: Ruth und Susanne haben alles
miteinander geteilt, doch nun wird ihre Freundschaft nicht mehr dieselbe
sein. Susanne zeigt erste Anzeichen einer Demenz, die Gedächtnislücken
und Aussetzer häufen sich, und sie spürt, dass ihr Leben ihr immer mehr
entgleitet. Während Ruth, unterstützt von ihrem Mann und Freunden, alle
Hebel in Bewegung setzt, damit es ihrer Freundin auch in Zukunft an
nichts fehlen wird, quält die noch eine ganz andere Sorge: Es ist
höchste Zeit, Ruth ein gut gehütetes Geheimnis zu offenbaren, das ihrer
beider Leben seit langem schicksalhaft miteinander verknüpft. Doch
dieses Geständnis könnte die Freundschaft für immer zerstören …
Ein berührender Roman über die Kraft der Freundschaft und zwei starke Frauen, die dem Schicksal mutig die Stirn bieten.
Inhalt:
Ruth und Susanne waren jahrelang Arbeitskolleginnen und sind sich als beste Freundinnen nicht nur im Lehrerzimmer, sondern in allen Lebenslagen zur Seite gestanden. Ausserdem verbindet sie die Liebe zur Literatur und zum Wandern und guten Essen, das sie gerne in einem Gasthof mit skurrilem Namen einnehmen. Bei einem ihrer Wochenendtrips fällt Ruth auf, dass Susanne noch müder und zerstreuter ist, als sonst und bald wird bei ihr Alzheimer diagnostiziert.
Als Susanne spürt, dass sie den Bezug zu ihrem eigenen Leben und ihr Gedächtnis langsam aber sicher verliert, setzt sie sich schweren Herzens daran, ihre Erinnerungen niederzuschreiben und Ruth dabei ein Geständnis zu machen, das ihre Freundschaft in grosse Gefahr bringt.
Meine Meinung:
Bisher habe ich Hermien Stellmacher als Autorin berührender Katzenbücher (HIER, HIER und HIER) und bei lebhaften Leserunden sowie durch den Austausch via Social Media kennengelernt. Um so neugieriger war ich auf dieses ganz andere Buch, das eine bewegende Geschichte um ein sehr ernstes Thema verspricht und dieses Versprechen mehr als erfüllt. Ich war beeindruckt von der Leichtigkeit und Natürlichkeit, mit der sich Hermien Stellmacher dem Thema Demenz annähert und wie einfühlsam sie sowohl Ruths Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Erkrankung ihrer besten Freundin, als auch Susannes zunehmender Verlust ihrer Erinnerungen beschreibt. Ausserdem finde ich, dass Susannes grosses Geheimnis spannend und stimmig in die Geschichte integriert wird und zum Verlauf der Erzählung passt. Eine besondere Freude hat mir bereitet, dass die "Mondnacht" von Schumann (und generell die Liebe zur Musik) im Buch eine prominente Rolle spielt, was in meinen Augen sehr gut zur Handlung und den beiden Freundinnen passt.
Viele Szenen haben mich an eine wunderbare Nachbarin erinnert, die leider seit einigen Jahren nicht mehr lebt, aber mit der ich als Kind viel Zeit verbracht habe. Auch sie ist an Alzheimer erkrankt und vor allem die vielen Strategien zum Verbergen der kleinen Aussetzer, aber auch der humorvolle Umgang damit, kenne ich nur zu gut von damals.
Sprache:
Hermien Stellmacher erzählt sowohl aus der Sicht von Ruth, als auch von Susanne und beleuchtet manchmal auch zweimal die gleiche Szene aus diesen verschiedenen Blickwinkeln. So wird bewusst, wie Susannes Gedächtnis sie mehr und mehr im Stich lässt und welche Schwierigkeiten dies in ihrem Alltag verursachen kann. Szenen voller Schmerz und Ärger, aber auch sehr unterhaltsame Momente werden dabei einfühlsam in die ruhig erzählte Geschichte integriert. Zugleich beschreibt Stellmacher mit äusserst treffenden Worten, wie bitter es für Angehörige und Bekannte sein kann, wenn geliebte Menschen nach und nach den Bezug zu ihrem eigenen Leben verlieren.
Meine Empfehlung:
"Was bleibt, wenn alles verschwindet" ist eine einfühlsame und berührende, aber auch sehr humorvoll erzählte Geschichte über zwei enge Freundinnen und die Themen, Demenz, Verlust, Liebe, Verantwortung und das Verzeihen und Versöhnen. Musik und gutes Essen spielen im Buch genau so eine Rolle, wie der Wert von Erinnerungen und kleinen und grösseren Gesten im Alltag und ich empfehle euch dieses schöne Buch von ganzem Herzen weiter.
Zusätzliche Infos:
Titel: Was bleibt, wenn alles verschwindet
Autorin: Hermien Stellmacher, geboren 1959, wuchs in Amsterdam auf. Im Alter von
15 Jahren zog sie nach Deutschland. Sie illustrierte zahlreiche Kinder-
und Jugendbücher. Seit einigen Jahren schreibt sie hauptsächlich für
Erwachsene, zum Teil unter dem Pseudonym Fanny Wagner. Wenn sie nicht
gerade in der Provence weilt, lebt sie mit ihrem Mann und zwei Katern in
einem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 367 Seiten
Verlag: Insel Taschenbuch
Erscheinungstermin: 18.07.2021
ISBN: 978-3-458-68152-6
Lese-Statistik Juli 2021
Ein turbulenter Monat Juli mit Stundenplandiskussionen (same procedure as every year), einer kurzen Auszeit in Bosnien und vielen buchigen Veränderungen ist vorbei. Das alltägliche Üben und die Organisationsarbeit haben mich wieder und es freut mich sehr, dass ich in der ersten Augstwoche fast täglich für Proben mit meinem Trio in Luzern sein werde und dass ich in der zweiten Augustwoche mit meinem Duo proben und ein Stück aufzeichnen darf. Ausserdem werde ich am 13.8.21 ein Solokonzert spielen, bei dem ich ein Werk einer guten Freundin uraufführe.
Auch die Musikschularbeit startet in der zweiten Augustwoche mit einer ganztägigen Lehrer:innenkonferenz und ab der dritten Augustwoche beginne ich wieder mit dem Unterrichten an der Musikschule, in diesem Jahr mit 60% statt 50% Festanstellung, was sicher neben der aktuell regen Konzerttätigkeit (Leute, ich bin bis März 2022 nicht schlecht gebucht, bis Mai 2022 sind ebenfalls schon Projekte in Planung) sehr herausfordernd wird, aber meinem Alltag auch viel Struktur gibt und wer weiss, wie sich der Herbst/Winter entwickelt...
Ihr wisst auch, dass ich ein absolutes Regen- und Herbstkind bin, das Sommerwetter war genau "mein" Wetter und ich bin nach sehr vielen kühlen, regnerischen und bewölkten Tagen erholter, entspannter und lebensfreudiger denn je (die letzten zwei, drei Sommer waren der Horror für mich) und natürlich fühle ich trotzdem von Herzen mit allen mit, die so stark von den Unwettern betroffen waren und sind, ihre Habe, Ernte, geliebte Menschen oder sogar ihr Leben verloren haben...
Wir haben nach langem Hin und Her entschieden, wegzufahren und waren knapp zehn Tage in Bosnien bei der Schwiegerfamilie und das war - nachdem wir einige uns sehr liebe Verwandte nun zwei ganze Jahre lang nicht gesehen haben - wirklich sehr, sehr schön, wenn auch natürlich überhaupt nicht erholsam, weshalb wir die letzte Juliwoche sehr ruhig angehen lassen haben, uns um den Haushalt und die Post - sowie die in unserer Abwesenheit eingegangenen Mails (und ich mich um meine Instrumente) - gekümmert und einfach ganz in unserem Tempo gelebt haben, was uns wieder viel Energie gegeben hat. Unter anderem auch deshalb, weil wir gestern als Wochenabschluss den ganzen Tag mit meiner besten Freundin und ihrem Freund segelnd und essend unterwegs waren, was einfach wundervoll war. Heute ist herrliches Regenwetter und damit Zeit zu zweit, gutes Essen, ein Regenspaziergang, Zeit im Musikzimmer und am Schreibtisch und natürlich einige Stunden lesend und bloggend angesagt und so werden wir diese Woche ruhig abschliessen.
Grosse, buchige News gibt es ebenfalls zu verkünden:
Im Juli habe ich mir (wieder einmal) einen eher grossen Stapel Bücher (HIER) aus dem Bärner Brocki geholt und entschieden, dass mein Sammelverhalten in Bezug auf die Reduktion des SuBs und die Idee, die ungelesenen Bücher gerne und voller Vorfreude zu lesen und nicht immer neue ungelesenen Bücher anzuschaffen, die dann entweder ebenfalls verstauben oder sofort gelesen werden, was dann halt einfach die anderen Bücher verstauben lässt...irgendwie nicht zielführend ist. Ausserdem wollte ich im Musikzimmer schon lange ein Bücherregal. Ein tiefes Regal für die Noten steht da bereits und ich wollte unbedingt ein weniger tiefes Bücherregal, damit ich die Komponistenbiografien, Sachbücher usw. sowie meine Instrumente, ein wenig Deko und noch mehr Noten sinnvoll unterbringen kann. Also habe ich begonnen, meine Bücherregale im Wohnzimmer aus- und umzuräumen.
Es sind so viele Bücher - auch 20 Bücher vom SUB (die finden sich alle unten aufgelistet) - gewichen, dass ich erstens nun nicht mehr vier, sondern nur noch drei Bücherregale im Wohnzimmer habe und dass mein SuB zweitens nun endlich, nach etwa zehn Jahren (ich erfasse meinen SuB leider erst seit Januar 2014 und damals waren auf dem SuB 111 Bücher), im uHu-Bereich liegt und "nur" noch 98 Bücher umfasst *korkenknall*.
Nun kommen wir aber endlich zu meinen gelesenen Bücher im Juli 2021:
So viele gelesene Bücher habe ich gar nicht zu vermelden und vor allem habe ich bisher keines meiner Camp-Bücher für das Dicke-Bücher-Camp beendet, aber da ich im Urlaub (und vor allem im Familienurlaub in Bosnien) nur sehr wenig lese, lässt sich der Stapel dennoch sehen:





Alle Rezensionen auf einen Blick:
- Der Traum von Freiheit (Speicherstadt-Saga 3) - Fenja Lüders (448 Seiten)
- Das dreißigste Jahr - Ingeborg Bachmann (192 Seiten)
- Dein Herz ist mein Meer - Courney Pepernell (288 Seiten)
- Die Unbezwingbare - Katja Kettu (336 Seiten)
- Mohnblumentod - Lina Bengtsdotter (384 Seiten)
- Das kleine Café der Bücherträume - Lena Hofmeister (288 Seiten)
Meine Juli-Neuzugänge:
Im Juli gab es wieder so viele Neuzugänge, dass ich mit den Fotos nicht mehr hinterherkomme und irgendwie lohnt sich in meinen Augen ein eigener Post auch nicht, da ich die meisten Neuzugänge entweder bereits gelesen habe, aktuell lese oder sehr bald lesen werde (so der Plan), weshalb ich die euch nun einfach aufliste. In der Hoffnung, ab jetzt nicht mehr so viele Bücher hier zu horten (Ausnahmen sind immer Reihenfortsetzungen), sondern wieder vermehrt die SuB-Bücher zu lesen oder anzulesen und auszusorteiren.Rezensionsexemplare:
Mohnblumentod - Lina Bengtsdotter
Was bleibt, wenn alle verschwinden - Hermien Stellmacher
Das kleine Café der Bücherträume - Lena Hofmeister
Sein Name war Annabel - Kathleen Winter
Gekaufte Bücher:
Venezianisches Finale - Donna Leon (Brunetti 1)
Juja - Nino Haratischwili
Unorthodox - Deborah Feldmann
Es wird Zeit - Ildiko von Kürthy
Laienspiel - Klüpfel/Kobr (Kluftinger 4)
Herzblut - Klüpfel/Kobr (Kluftinger 7)
Grimmbart - Klüpfel/Kobr (Kluftinger (8)
Ausgeliehene Bücher:
Löwenzahnkind - Lina Bengtsdotter
Karolinas Töchter - Ronald H. Balson
Bücher, die mir weitergegeben worden sind:
Loyalitäten - Delphine de Vigan
Ein dunkles Geschenk - Nora Roberts
Hafen der Träume - Nora Roberts
Aus meinem SuB aussortierte Bücher:
Ja, ich habe wirklich zahlreiche Bücher aussortiert. Bücher, die ich wohl so oder so nie lesen werde, Bücher, die ich eigentlich unbedingt lesen wollte und die mich dann doch entweder gelangweilt oder gar nie wirklich gereizt haben. Bücher von Autor:innen, die mich eigentlich gar nicht wirklich überzeugt haben und die deshalb nicht nach weiteren gemeinsamen Lesestunden schreien. Bücher, die hier standen, weil ich sie am Strassenrand gefunden und einfach behalten habe, ohne mich wirklich in sie "zu verlieben" und Klassiker, die ich auf jeden Fall noch lesen möchte, die aber in einer so alten Ausgabe/Übersetzung hier stehen, dass ich sie mir lieber einmal neu und aktuell übersetzt kaufe und dann direkt lese.Jean-Pascal Ansermoz - La logique des poissons (Französisch)
Margaret Mitchell - Vom Winde verweht
Theodor Fontane - Der Stechlin
Fjodor Dostojewski - Der Jüngling
Der Menschenmacher - Cody McFadyen
Das Wort im Krieg - Dunja Melčić
Gott schütze dieses Haus - Elizabeth George
Joy Fielding - Das Verhängnis
Lisa Jackson - Der Zorn des Skorpions
Träumereien an französischen Kaminen - R. von Volkmann-Leander
Aphorismen - G. Chr. Lichtenberg
Der Verschwender - Ferdinand Raimund
Ausgewählte Kinder- und Hausmärchen - Brüder Grimm
Der abenteuerliche Simplicissimus - Grimmelshausen
Herr Peter Squenz - Andreas Gryphius
Aus dem Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes - Johann Peter Hebel
Wunderlicher Traum von einem grossen Narrennest - Abraham a Sancta Clara
In zwei Sprachen leben
Liam O'Flaherty - Silbervogel
Alle Zahlen auf einen Blick:
Gelesene Bücher: 6Ausgeliegen: 2
Buchgewinn: -
Rezensionsexemplare: 4
Gekaufte Bücher: 8
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 18
SuB am Monatsbeginn: 106
Aktueller SuB: 98





