Beschreibung des Verlages:
»Der Termin ist am 18. Februar um vier. Trag dir das ein!«, sagt Anjas Mutter und schlürft genüsslich ihre Won-Ton-Suppe. Sie meint damit weder Friseur noch Zahnarzt, sondern ihr eigenes Ableben. Anja, Anfang vierzig, früher Schauspielerin, nun Barkeeperin, wirft diese Ankündigung aus der so oder so ungeraden Bahn, auch wenn das Verhältnis zu ihrer eigenwilligen Mutter schon immer kompliziert war und sie unentwegt um Abstand und ihr eigenes Leben und Lieben ringt. Und außerdem: Was soll denn nur aus Mamas Hund werden?
Inhalt:
Anjas Mutter hat nach jahrelangem Hin und Her endlich einen Termin bekommen, um ihr Leben mit der Hilfe einer bekannten Sterbehilfeorganisation zu beenden. Dies teilt sie Anja in einem Nebensatz mit und erwartet im gleichen Atemzug, dass Anja, mit der sie eigentlich überhaupt kein enges Verhältnis verbindet, ihr auf ihrem letzten Weg auf Schritt und Tritt zur Seite steht.
Anja wird dabei in unmöglich absurde Situationen gebracht, die gleichzeitig zum Schreien komisch und abgrundtief traurig sind.
Meine Meinung:
Vielleicht erinnert ihr euch: im Mai durfte ich als Angies Begleitperson die Solothurner Literaturtage besuchen. Dort haben wir ein grandioses Podiumsgespräch zum Thema "Familie erzählen" besucht und sind dabei unter anderem auf Katja Frühs ersten Roman aufmerksam geworden. Im Herbst haben wir dann endlich entschieden, "Vielleicht ist die Liebe so" gemeinsam zu lesen und wir hatten spannende und unterhaltsame Lesestunden und Diskussionen mit dem Buch.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil er mich mit seinem schwarzen Humor für sich eingenommen hat. Die Handlung ist nicht nur sehr skurril und vor allem aussergewöhnlich konstruiert, es schwingen auch stets ernste Untertöne rund um die Themen Selbstbestimmung, Familienbande, historische Verstrickungen und Verantwortung mit.
Schreibstil und Aufbau:
Katja Früh weiss genau, was sie macht und spielt gekonnt mit den unterschiedlichsten Themen, um sich dann sofort wieder ihrer grotesken Grundidee zu widmen. Sie schafft es aber, gleichzeitig eine verstrickte Liebesgeschichte, das tragische Schicksal der jüdischen Grossmutter ihrer Protagonistin und die aussergewöhnliche Geschichte des Hundes Anton in ihrer Geschichte unterzubringen.
Die ernsteren Themen werden zwar nur eher oberflächlich gestreift und einige Kniffe und Entwicklungen wirken auch ein wenig simpel konstruiert, aber auch wenn das Buch nicht lange nachhallen wird, hat es mich sehr gut unterhalten und mich auch immer wieder überrascht.
Meine Empfehlung:
"Vielleicht ist die Liebe so" ist ein Spiel mit den Grenzen des guten Geschmacks, das Katja Früh hervorragend meistert. Die bekannte Drehbuchautorin hat ein Buch geschrieben, das richtiggehend danach schreit, auf die Bühne oder ins Kino gebracht zu werden und wer auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung, schwarzem Humor und überraschenden Entwicklungen ist, ist mit diesem Roman hervorragend beraten.
Zusätzliche Infos:
Titel: Vielleicht ist die Liebe so
Autorin: Katja Früh, 1953 in Zürich geboren, ist Drehbuchautorin und Regisseurin. Nach der Schauspielausbildung in Berlin begann sie 1978, fürs Theater zu inszenieren und zu schreiben. Ab 1980 arbeitete sie beim Schweizer Radio DRS, produzierte und schrieb fürs TV (u. a. die über 10 Jahre laufende Serie ›Lüthi und Blanc‹) und realisierte Projekte mit Martin Suter und Patrick Frey. Seit 2014 schreibt sie eine regelmäßige Kolumne für ›Das Magazin‹ des Tages-Anzeiger. 2025 erschien ihr erster Roman ›Vielleicht ist die Liebe so‹.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 304 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 22. Oktober 2025
ISBN: 978-3-257-07344-7


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