Neuzugänge Mai 2018

Hallo ihr Lieben

Der Mai hat mich mit fünf Nezugängen beglückt und auch wenn zwei davon einfach gekauft werden mussten ("Das kleine Waldhotel" und "Ayda, Bär und Hase"), weil ich ein wenig Recherchearbeit betreiben musste, waren es doch eher viele Bücher... Vier dieser Neuzugänge habe ich aber bereits gelesen und heute ist dann ein weiterer Neuzugang eingetrudelt, den ich im Juni verschlingen werde und auf den ich mich schon sehr, sehr freue.
Zwei der Bücher, nämlich "Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück" und "Ohne ein einziges Wort" habe ich beim Bloggerportal angefragt und "Der Gedankenspieler" ist ein Rezensionsexemplar aus dem KiWi-Verlag. Herzlichen Dank für diese wundervollen Bücher.

Weil ich aber doch ein wenig mehr Lesezeit hatte (oder sie mir einfach genommen habe) als sonst, durfte der SuB trotzdem schrumpfen. Weitere Infos zu meinem Lesemonat lest ihr dann morgen in der Lese-Statistik, ihr dürft auf meinen Lesestapel gespannt sein.

Und nun zeige ich euch meine Neuzugänge aus dem Mai 2018, für mehr Infos klickt ihr einfach aufs Bild:
https://samtpfotenmitkrallen.blogspot.com/2018/05/kinderbuchrezension-das-kleine.html
https://samtpfotenmitkrallen.blogspot.com/2018/05/rezension-ayda-bar-und-hase.html
https://samtpfotenmitkrallen.blogspot.com/2018/05/rezension-dass-man-durch-belgien-muss.html
https://samtpfotenmitkrallen.blogspot.com/2018/05/rezension-ohne-ein-einziges-wort.html
https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-gedankenspieler/978-3-462-05177-3/

Und hier noch alle Zahlen auf einen Blick:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Rezensionsexemplare: 3
Gekaufte Bücher: 2
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 155
Aktueller SuB: 152

Rezension: Mister Aufziehvogel

Mister Aufziehvogel - Haruki Murakami

Beschreibung des Verlages:
In Japan nennen ihn konservative Kritiker und Schriftstellerkollegen "batakusai - nach Butter stinkender Wessi", die anderen halten ihn für den Literaturnobelpreisträger der Zukunft. Haruki Murakami polarisiert mit seinen Geschichten und Romanen. Wie seine Helden entzieht er sich der anonymen Masse. Seine Romanfiguren werden in der japanischen Gesellschaft, in der angepasstes Verhalten von existentieller Bedeutung ist, als einsame Wölfe gebrandmarkt. Der 30-jährige Toru Okada in "Mister Aufziehvogel" steigt aus einer Anwaltskanzlei aus und gerät bei der Suche nach seinem Kater mitten in Tokio in eine Traumwelt, in der ihn erotische Verlockungen, aber auch bösartige Intrigen erwarten. Der Brunnen, der Toru den Einstieg in die geheimnisvolle Unterwelt gewährt, ist Zugang zu Vergangenem und Verdrängtem.
 
Meine Meinung:
Wie ihr sicher schon gesehen habt, habe ich "Mister Aufziehvogel" im Rahmen einer Blogleserunde zusammen mit der lieben Janine gelesen. Wir haben uns gemeinsam durch die mehr als 700 Seiten geackert und mit dem Protagonisten Toru die skurrilsten Abenteuer erlebt. Es war sicher eine gute Entscheidung, dieses Buch zusammen zu lesen und dabei sehr langsam vorzugehen. Wenn nämlich "Mister Aufziehvogel" zwei Dinge braucht, dann sind dies Zeit und Ruhe. Murakami geht nämlich mit erzählerischer Raffinesse und viel Langsamkeit, die Platz für eigene Gedanken lässt, ans Werk. Genau deshalb aber ziehen sich einige Szenen doch auch ein wenig in die Länge, was aber mit überraschenden Wendungen und einer spannenden Verschmelzung von Realität und Fiktion geschmückt und somit auch wieder wettgemacht wird.
Ausserdem hat es mir natürlich einfach sehr viel Freude bereitet, nach Hinweisen zu suchen, Symbole zu deuten (oder dies zumindest zu versuchen) und mich mit der wunderbaren Janine auszutauschen. So halt, wie wir dies bereits von zahlreichen gemeinsamen Leserunden kennen. Wir hatten also definitiv einiges zu besprechen, rätseln und diskutieren.
 
 
Schreibstil und Handlung:
Besonders fasziniert hat mich an "Mister Aufziehvogel" die sich während des ganzen Buches nicht veränderde Ausgangssituation: Toru hat keinen Job mehr und verbringt seinen Tag mit dem Warten auf die Heimkehr seiner Frau. Währenddessen bereitet er ihr das Abendessen zu und sucht den Kater, der ihnen entlaufen ist. Die stoische Passivität Torus und die Art, wie er sich auf alle neuen Dinge und alle noch so unwahrscheinlichen Menschen und Situationen einlassen kann, öffnen Tür und Tor für Ereignisse, die so niemand erwartet hätte und die sein Leben von einem Tag auf den anderen komplett auf den Kopf stellen. 
Immer mehr Figuren, die ich zuerst nicht immer einordnen konnte, deren Auftritt aber nach und nach Sinn ergibt und zusammen mit den anderen Figuren und Szenen in einen passenden Kontext gestellt wird, treten auf. Und Toru, der bleibt einfach Toru, nimmt jeden Tag, wie er kommt, überwindet und verwindet Schmerz, Leid, Enttäuschungen und ganz viele Rätsel, übernimmt immer wieder andere Rollen in seiner eigenen Lebensgeschichte und interragiert dabei erfrischend souverän mit seinen vielen Besuchern. Sein Leben entgleitet ihm zwar und trotzdem bleibt er immer im Zentrum des Geschehens, was wirklich grandios erzählt wird.
Einige Protagonisten erzählen Toru einen grossen Teil ihrer berührenden und zuweilen beklemmenden Lebensgeschichte, was mich nicht überrascht hat, ist Toru mit seiner freundlichen und stillen Art doch so etwas wie der perfekte Zuhörer.
 
Meine Empfehlung:
Mystische, übersinnliche und sinnliche Momente, skurrile Figuren, von denen mir einige sehr ans Herz gewachsen sind und ein Schreibstil, der mit vielen Rückblenden erzählt und fliessend von einer Welt in eine andere wechseln kann, machen dieses Buch zu einem sehr besonderen und intensiven Werk, das ich euch gerne weiterempfehle.
 
Zusätzliche Infos:
Titel: Mister Aufziehvogel
Originaltitel: Nejimaki-dori Kunonikuru
Autor: Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.
Taschenbuch, Broschur: 768 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Japanisch
Übersetzt aus dem Amerikanischen: Giovanni Bandini, Ditte Bandini 
Verlag: btb
Erschienen: 01.12.2000
ISBN: 978-3-442-72668-4 

Rezension: Ohne ein einziges Wort

 
Ohne ein einziges Wort - Rosie Walsh
Rezensionsexemplar via Bloggerportal aus dem Goldmannverlag, herzlichen Dank

Beschreibung des Verlages:
Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich aufgrund des schönen Covers, das bei mir Lust auf einen frühlingshaften Liebesroman mit Tiefgang weckte. Ohne mir die Beschreibung durchzulesen fragte ich das Buch an und las es dann am vergangenen Wochenende innerhalb von drei Tagen. Der fesselnde aber ganz flüssige Schreibstil und die spannende, tragische, romantische und überraschende Handlung, haben mich fasziniert. Dachte ich anfangs noch, ich hätte es mit einer doch ziemlich vorhersehbaren Geschichte zu tun, wurde ich ein ums andere Mal eines besseren belehrt. Immer wieder nämlich stellte sich alles als gar nicht so durchsichtig heraus, wie es auf den ersten Blick schien und als sich die Fäden dieses grossen Rätsels langsam aber sicher zusammenfügten, konnte ich über diese stimmige Handlung und die wundervoll verknüpften Handlungsstränge um die authentischen Charaktere Sarah und Eddie nur staunen.

Schreibstil und Handlung:
Rosie Walshs Debüt überzeugt sprachlich mit einem leicht dahinfliessenden und trotzdem enorm fesselnden Schreibstil. Der Wechsel der Erzählperspektiven und die vielen Rückblenden sorgen dafür, dass sich nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Immer wieder geht die Geschichte dabei zurück zu der Woche, in der sich Sarah und Eddie trafen und ineinander verliebten. Zuerst wird vor allem aus Sarahs Sicht erzählt. Sarah, die mit ihren besten Freunden Jo und Tommy eine Reise in die Vergangenheit unternimmt und dabei von ihrer grossen Liebe Eddie erzählt. Eddie, in den sie sich in nur einer Woche Hals über Kopf verliebt hat, Eddie, der sich nicht mehr gemeldet, Eddie, der ihr das Herz gebrochen hat. Und erst ganz langsam wird klar, was es mit dieser Geschichte wirklich auf sich hat und wie alles zusammenhängt.
Besonders gut hat mir übrigens neben Sarah und Eddie Rudi, Jos kleiner Sohn gefallen. Sein Witz, seine Klugheit und sein besonderer Charme haben ihn sofort zu einer meiner liebsten Figuren gemacht. Und durch Sarahs allerbeste Freundin Jenni bekommt die Geschichte meiner Meinung nach eine noch ganz andere, tiefgründige Komponente.
So oder so kommen die ganz grossen Gefühle nicht zu kurz und ich spreche aktuell nicht nur von Romantik und Leidenschaft, sondern von Verlust, Einsamkeit und Trauer. Dies hat das Buch erst zu einer Besonderheit gemacht, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln und begeistern konnte und nicht selten zum Taschentuch greifen liess...

Meine Empfehlung:
"Ohne ein einziges Wort" beschreibt das Horrorszenario einer frisch verliebten Person und als Sarah Eddies Wortlosigkeit auf den Grund geht, bekommt die ganze Geschichte erst richtig tragische Ausmasse. Fehler, Verluste, Familienfehden und ganz viel Enttäuschung, aber auch Liebe, Vertrauen und ganz tiefe und wichtige Freundschaften sorgen für Gefühlsachterbahnen, richtig gute Unterhaltung, Rührung, Ergriffenheit und ganz viel Lesefreude, weshalb ich euch dieses Buch sehr herzlich empfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ohne ein einziges Wort
Originaltitel: The Man Who Didn't Call
Autorin: »Ohne ein einziges Wort« ist das Debüt der britischen Autorin Rosie Walsh und wurde über Nacht in 30 Länder verkauft. Wenn sie nicht schreibt, liebt sie es, draußen zu sein, spielt Violine in einem Orchester, kocht und rollt ihre Yogamatte aus, so oft sie kann. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Bristol.
Taschenbuch, Klappenbroschur: 528 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Stefanie Retterbush 
Verlag: Goldmann
Erschienen: 14.05.2018
ISBN: 978-3-442-48738-7 

Rezension: Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück

Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück - Judith Kuckart
Rezensionsexemplar via Bloggerportal aus dem btb-Verlag, herzlichen Dank

Beschreibung des Verlages:
Manchmal verlangt das Leben, ungestüm gelebt zu werden.
Silvester verbringt der achtzehnjährige Leonhard allein im Haus seiner Eltern. Am Neujahrsmorgen kommt das Leben dann einfach zu ihm: Eine fremde Frau schläft auf dem Boden in der Diele. In der nächsten Nacht schläft Leonhard mit ihr im Gästezimmer. Emilie und Maria hingegen, beide über siebzig, sind unternehmungslustig, wenn auch den Ereignissen auf ihrer Reise in ein tschechisches Kurhotel nicht mehr ganz gewachsen. War es wirklich ein Klavierlehrer, der sie dorthin fuhr, und hat er tatsächlich betrunken die Nacht im Bett zwischen den alten Damen verbracht? In einem Reigen aus elf Episoden erleben Judith Kuckarts Figuren Unerhörtes. Es gibt ihrem Leben eine unerwartete Wendung und dem Leser eine Ahnung, dass alles zusammengehört: Lust und Schrecken, Liebe und Tod, Schuld und Glück.

Meine Meinung:
In wenigen Minuten komme ich in Brüssel an - bin also bereits in Belgien - und schreibe diese Zeilen aus dem Zug. Das Buch wollte ich unbdingt auf meiner Reise lesen, weil ich vermutete, dass das darin enthaltene Gefühl sich dadurch noch besser auf mich übertragen liesse. Und ich hatte recht.
Anfangs war ich jedoch durch sehr laute Mitreisende noch ein wenig abgelenkt, was aber nicht verwundert, ist der btb-Verlag doch bekannt dafür, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern ganz weit in die manchmal auch unangenehmen Tiefen des Menschseins zu gehen, weshalb man schon ein wenig Ruhe benötigt, sich mit dem Buch zu befassen. Dann konnte ich aber immer tiefer in die Geschichte eintauchen und wurde sofort zutiefst berührt.
Mit "Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück" hatte ich es nämlich mit einem Buch zu tun, das sich mit den grossen Themen der Menschheit beschäftigt. Mit dem Sterben, dem Tod, der Verlassenheit, den Zufällen und den Schicksalen und damit, dass sich letztendlich jedes Puzzleteil, jede Bekanntschaft und jede Lebenssituation zu einem grossen Ganzen zusammenfügt. Und dass man im Leben manchmal mutig sein und etwas riskieren muss, auch wenn man dann am Ende vielleicht verliert.

Schreibstil und Handlung:
In elf Episoden aus elf Blickwinkeln erzählt Kuckart von den fast schon an Träumerei erinnernden Erlebnissen ihrer Figuren. Wer sich aber auf diese Erzählweise einlässt und auf das enorme Glück und Unglück, das Leid und die Liebe, wird mit einer Geschichte belohnt, die an feinen Silberfäden aufgezogen wird, zuerst noch zögerlich und dann immer konkreter, sich langsam verdichtet und gegen Ende ein schier unglaubliches Gesamtbild ergibt. Immer wieder ergänzen sich somit die einzelnen Episoden und obwohl dieser Geschichte ein höchst intelligentes Konstrukt zugrunde liegt, wirken die Sprache nie bemüht, die Situationen nie an den Haaren herbeigezogen. Und diese Dichte der Erzählung, die unerwarteten Wendungen und die sprachliche Feinheit, die tief in das Wesen der Charaktere blicken lässt, machen dieses Buch zu einem aussergewöhnlichen Leseerlebnis.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch empfehle ich für melancholische Momente und Reisestunden, als Anregung zum Nachdenken über die wirklich intensiven Themen des Lebens und als unterhaltsame, tragische und auch amüsante Lektüre sehr gerne weiter. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Dass man durch Belgien muss auf dem WEg zum Glück
Autorin: Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm/Westfalen, absolvierte eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen und studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in Köln und Berlin. 1986 gründete sie das Tanztheater Skoronel in Berlin, mit dem sie bis 1998 an verschiedenen deutschen und internationalen Bühnen Stücke aufführte, an denen sie als Autorin, Tänzerin, Choreografin und Regisseurin mitwirkte. Für ihr Werk wurde Judith Kuckart vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2012, dem Margarete-Schrader-Preis für Literatur der Universität Paderborn 2006 und dem Deutscher Kritikerpreis 2004. Ihr Roman "Wünsche" stand 2013 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Taschenbuch: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: btb
Erschienen:  13.11.2017 
ISBN: 978-3-442-71555-8

Rezension: Dunkelgrün fast schwarz

 
Dunkelgrün fast schwarz - Mareike Fallwickl

Beschreibung des Verlages:
Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn – mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit – und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht.

Meine Meinung:
Normalerweise lasse ich die Hände von Büchern, die einen Hype auslösen. So lange, bis sich der Hype beruhigt hat. Bei diesem Buch konnte ich mich nicht zurückhalten und ich wurde belohnt. Denn alles, was über dieses Buch gesagt und geschrieben wurde, ist wahr (mit Ausnahme der Aussage, dass das Ende nicht passen würde, das stimmt überhaupt nicht, das Ende passt perfekt, es ist sogar so, dass ich mir für dieses Buch gar kein anderes Ende hätte vorstellen können).
"Dunkelgrün fast schwarz" ist fordernd, laut, schmerzhaft, manchmal unangenehm. Und die Gefühle und Abgründe sind so unbarmherzig direkt und mitten ins Herz hinein beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als berührt zu werden. 
In schillernden, sanften, schrillen und schmerzenden Farben sieht Motz die Menschen und erkennt ihr Innerstes manchmal besser, als sie selber. Seine sensible und auch ein wenig naive Art lassen ihn aber so sehr an das Gute im Menschen glauben, dass er nur mit einem Kohlestift auf Papier erfassen kann, was er wirklich fühlt. Klar, dass dies ausgenutzt wird, von Raf, einer Figur, für die man nur Abscheu und Faszination zugleich empfinden kann und weil Jo das Duo zu einem Trio macht, weil alle älter werden und die Verletzungen damit auch grösser und tiefer und weil es Marie nicht mehr immer gelingt, die Fäden zusammenzuhalten, wird das Chaos perfekt.

Da sind also zuerst Motz und Raf, Anhängsel und Anführer, da sind Gewalt, Freundschaft, Familienzwiste und ein Gefühl von Macht und Ohnmacht. Immer wieder erfahren wir auch die Sicht von Marie, der Mutter von Motz, die so lange schon wusste, wie alles enden würde, aber immer weggeschaut hat. Ausserdem springt die Geschichte zwischen den einzelnen Figuren und Jahren hin und her. Und dann kommt Jo ins Spiel und die Geschichte wird komplizierter. Denn jetzt geht es auch um Liebe, um Verrat, um Selbstzerstörung. Vielleicht um Hass.
Und auch wenn es immer wieder um Schuld geht und um Unschuld, um die Tatsache, dass ein Hinsehen vielleicht besser gewesen wäre als ein Wegschauen, so geht es doch am Ende immer um die Kraft, die fehlt, damit sich wirklich etwas ändern kann. Die Kraft, sich von jemandem loszusagen, die Kraft, treu zu bleiben oder sich ganz zu trennen, die Kraft, gar nicht erst anzufangen mit dem Betrug, dem Verrat, mit den Lügen und die Kraft, den Mund aufzumachen, bevor alles zu spät ist. Und warum fehlt diese Kraft? Weil alle Figuren, auch die, welche eher glücklich sind und sich auf eine eigensinnige Art und Weise mit ihrem Leben arrangiert haben, gelähmt sind von einer Dunkelheit, von einer Angst und von einem erstickten Zorn auf die eigene Situation und die Macht der anderen und auf diesen verdammten Ort, an dem alle über alle sprechen und an dem alles seinen Anfang nimmt.

Meine Empfehlung:
Die Kunst der Autorin Mareike Fallwickl besteht nicht in erster Linie darin, eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, mit Rückblenden und Zeitsprüngen, so zu erzählen, dass plötzlich alles zusammenpasst, dass alles Sinn macht. Und dass man sich auf den letzten Seiten an die ersten Seiten erinnert und ein Lächeln im Gesicht hat. Und die Kunst besteht auch nicht in erster Linie darin, dass jede Figur für sich so einen eigenen Charakter hat, dass Jo, Motz und Raf so verschieden denken und fühlen, als wären sie von unterschiedlichen Autoren geschaffen worden. Obwohl das schon so viel ist, mehr als andere Bücher zuweilen bieten können (leider), dass dies allein vielleicht sogar schon ausreichen würde. Aber nein, Fallwickl toppt dies noch. Sie schreibt nicht nur eine grandiose und mitreissende Geschichte voller Figuren, von denen man ausgehen muss, dass es sie gibt (wie sonst hätten sie so fesselnd beschrieben werden können). Nein, sie erzählt dies alles und auch alles, was zwischen den Zeilen steht, in einer Sprache, für die es keine Worte gibt. Es gibt darum keine Worte, weil Mareike Fallwickl alle Worte, denen eine aussergewöhnliche Kraft und Härte und Derbheit und Verletzlichkeit und Ästhetik innewohnt, schon verwendet hat, sie stehen alle in diesem Buch. Lest es. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Dunkelgrün fast schwarz
Autorin: Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog.
Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.
Fester Einband mit Schutzumschlag: 480 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungstermin: 2018
ISBN: 9783627002480