Rezension: Fang den Hasen

Fang den Hasen - Lana Bastašić

Beschreibung des Verlages:

»Eine europäische Literatur, [die] vollbringt, was hervorragende Literatur vollbringen sollte – uns hoffen lassen, dass sich Wunder erfüllen. Lana Bastašićs Geschichten müssen erzählt werden.« Saša Stanišić
Als junge Mädchen waren sie unzertrennlich, obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten: Lejla, die Schamlose, Unbändige. Sara, die besonnene Tochter des Polizeichefs. Eine zwiespältige Nähe aus Befremden und Anziehung. Eine außergewöhnliche Freundschaft, die plötzlich zerfiel wie das Land, in dem sie aufwuchsen. 12 Jahre ist es her, als Sara Bosnien verließ, um an einem besseren Ort ein neues Leben zu beginnen. 12 Jahre absoluter Funkstille, als ein Anruf sie in die verlorene Heimat zurückbringt. Die Rückkehr wird kein harmloses Wiedersehen zweier Kindheitsfreundinnen.
Mit einer fesselnden Sprache zwischen rebellischem Trotz und beißender Komik erzählt Bosniens aufregender Literatur-Shootingstar Lana Bastašić in »Fang den Hasen« von einer außergewöhnlichen Freundschaft in den Wirren der jugoslawischen Geschichte – ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Europäischen Union 2020.

Inhalt:
Sara spaziert gerade durch ihre neue Heimat Dublin, als ein Anruf von Lejla sie zwölf Jahre in die Vergangenheit katapultiert. "Armin ist in Wien", sagt Lejla und bitte Sara, nach Mostar zu reisen. Von dort aus soll sie Lejla nach Wien fahren. Zu Armin, Lejlas Bruder, der in den Neunzigerjahren aus Jugoslawien verschwunden und seither nicht mehr gesehen worden ist. Sara weiss nicht, wie ihr geschieht, aber sie stimmt zu und durchlebt die Geschichte ihrer ehemaligen Heimat, die mittlerweile genau so zerfallen ist wie ihre Familie, noch einmal schmerzlich. An ihrer Seite Lejla, die wilde junge Frau und die toxische Freundschaft, die auch immer irgendwie mitfährt durch das dunkle Bosnien, in dem es auch am Tag nicht richtig hell wird.

Meine Meinung:
Ich bin so froh, dass Saša Stanišić - der Autor von HERKUNFT (wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, soll das unbedingt nachholen) - auf "Fang den Hasen" aufmerksam gemacht hat. Es hat mich vom ersten Satz an gepackt, begeistert, berührt, sprachlos gemacht und fantasievoll unterhalten. Und ich bin so froh, dass ich bei der Lektüre von "Fang den Hasen" einige mir bekannte Orte in Bosnien besuchen durfte, die ich nun schon seit mehr als ein Jahr nicht besuchen konnte (HIER seht ihr die Wasserfälle von Jajce, Bilder von Mostar habe ich leider keine für euch).

Sprache und Handlung:
Aber es geht nicht um die Orte, es geht um die Stimmung, die Versprechungen, Verletzungen, Vorwürfe und die Bilder, die auftauchen um aus einer Zeit zu berichten, in denen Menschen ihren Namen ändern mussten, um ihr Leben zu retten. Wie die Bosniakin Lejla, die somit nur noch für Sara "Lejla" ist, aber für niemanden sonst. Genau so wie der Name, ist auch ihre Geschichte, die Geschichte ihrer Freundschaft, vor zwölf Jahren konserviert worden, aber ihre Erinnerungen sind es nicht. Sie haben sich angepasst an die Begebenheiten und das neue Leben, stimmen nicht mehr überein und sorgen für Vorwürfe und Unverständnis. Was ist es denn, das bleibt, wenn alles auseinanderfällt, wenn Personen verschwinden? Ein Bruder, ein Sohn, eine Familie, eine Heimat, ein Land, ein Gefühl, ein Hase? Was bleibt, wenn das Vergangene sich nicht in Worte fassen lässt, weil es keine Worte gibt, um das Unaussprechliche zu beschreiben? Lana Bastašić löst das, in dem sie nicht "be-", sondern "um-"schreibt. Poetisch und packend, humorvoll und hektisch und träge zugleich webt sie eine Geschichte, die dichter und dichter wird, die ein Roadtrip durch Bosnien und die Geschichte der Protagonistinnen und ein Coming-of-Age-Roman, eine Liebesgeschichte und eine Chronik ist, in der das Licht die Zukunft ist und die Dunkelheit die Gegenwart. Während Sara von Anfang an besonnen scheint, vernünftig, aufopfernd, beschönigend, ist Lejla die Rebellin, welche aufbegehrt und provoziert, welche Gefühle wie Schmerz und Leid auch einfach einmal zulassen will. Aber je länger die Geschichte dauert, desto mehr verschwimmen die Grenzen von Schuld und Verantwortung. Desto undurchdringbarer webt Lana Bastašić die unsichtbaren Fäden dieses Netzes, das Lejla und Sara zugleich aneinanderfesselt und voneinander trennt. Sie tut dies mit treffenden, zarten, heftigen und starken Worten und hat mit "Fang den Hasen" ein grossartiges Stück Literatur geschaffen, das Lust auf mehr macht.

Meine Empfehlung:
Lest dieses Buch, taucht ein in diese düstere Stimmung, gönnt euch die Melancholie, die poetischen, fesselnden Bilder, die kraftvollen Worte, die mir den Boden unter den Füssen genommen, mich wie ein Schnellzug überfahren und gleichzeitig auf einer Welle der schönen Formulierungen haben reiten lassen. Ich bin mir sicher, dass wir noch viel von Lana Bastašić hören (lesen) werden.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Fang den Hasen
Originaltitel: Uhvati zeca
Autorin: Lana Bastašić, 1986 in Zagreb, Kroatien, als Kind serbischer Eltern geboren, wuchs nach dem Zerfall Jugoslawiens in Bosnien auf und lebte zuletzt viele Jahre in Barcelona. Sie hat bisher zwei Erzählbände und einen Lyrikband veröffentlicht, für die sie mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet wurde. Bastašić ist Herausgeberin des spanischen Literaturmagazins »Carn de cap« und Mitbegründerin von »3+3 sisters«, einem Projekt, das Autorinnen aus dem Balkan fördert. Mit ihrem Debütroman »Fang den Hasen« (Uhvati zeca) stand sie auf der Shortlist des NIN-Award, Serbiens renommiertesten Literaturpreis, und erhielt 2020 den Literaturpreis der Europäischen Union. Bastašić ist derzeit Writer in Residence in Zürich.
Sprache: Deutsch
Aus dem Bosnischen von: Rebekka Zeinzinger
Fester Einband mit Schutzumschlag: 336 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag
Erscheinungstermin: 10.03.2021
ISBN: 978-3-10-397032-6

Unabhängig(er) lesen: Buchtipps zum Indiebookday

Heute ist wieder Indiebookday (mehr Infos dazu findet ihr HIER) und diesen Tag habe ich zum Anlass genommen, um wieder einmal durch meine Regale zu stöbern und ein paar Buchtipps für euch zusammenzustellen und euch auf einige unabhängige Verlage aufmerksam zu machen. Was mir dabei aufgefallen ist: ich lese schockierend wenige Indiebücher... Das muss sich unbedingt ändern und ich bitte euch, mir ganz viele Buchtipps zu nennen, damit ich meinen Wunschliste und meinen SuB (der heute leider wieder nicht zu Wort kommen wird, aber heute geht es um unabhängige Verlage) mit Indiebooks füllen kann.


Der bilgerverlag

Wusstet ihr, dass es in der Schweiz ziemlich viele unabhängige Verlage gibt? Klar, in einem so kleinen Land gibt es natürlich viel mehr kleinere Unternehmen und so lohnt sich ein Blick in diese Liste auf jeden Fall. Ihr findet dort ganz viele unabhängige Verlage aus dem deutschsprachigen Raum.
Und so wundert es auch nicht, dass einer meiner Herzensverlage ein Schweizer Verlag ist und zwar handelt es sich dabei um den bilgerverlag. Funfact: "Kleopatrafalter" ist das allererste Rezensionsexemplar überhaupt, das ich in meiner ganzen "Karriere" als Buchbloggerin erhalten habe. Der mit Schreibmaschine getippte Gruss des Verlagsleiters Ricco Bilger steckt immer noch als Lesezeichen im Buch.
Kleopatrafalter, Pierre Chiquet

Klappentext:

"Dass sie nicht fluchte, nicht tobte, nicht schrie, nicht wütete, war zu viel, was auf die jungen Männer, die im Gras kauerten, einstürzte, zu viel Unfassbares und Unerklärliches, was ihre Augen einfach hinnehmen mussten. Fast gleichzeitig krochen sie ein Stück zurück, erhoben sich und gingen schweigend den Weg urück in das Dorf und sahen sich nicht an, blickten vor sich in das Leere, als müssten sie ihre ganze Kraft darauf verwenden, ihren Verstand zusammenzuhalten."

Zu meiner Rezension geht es HIER



Zaïda - Anne Cuneo

Inhalt:
Zaïda De Vico wird 1859 im Süden Englands geboren. Sie ist jung und unbeschwert und gerade dabei, sich von ihrer konservativen Mutter zu lösen, die Zaïda in die gute Gesellschaft einführen und reich verheiraten will. Auf dem Weg zur Schneiderin, welche ihr ein Ballkleid nähen soll, verunfallt die Kutsche und die junge Dame macht sich alleine auf, um im nächsten Ort Hilfe zu holen. Ein junger Maler, ein plötzlicher Sturzregen und das Verpassen eines Zuges führen dazu, dass sich Zaïdas Leben von einer Sekunde auf die andere verändert. Innerhalb weniger Wochen ist sie verlobt und verheiratet und nach einigen Jahren gelingt ihr, wovon andere Frauen dieser Zeit nur zu träumen wagen: sie beginnt, in Zürich Medizin zu studieren und als Ärztin zu praktizieren. Zwischen persönlichen Tragödien, zwei Welt- und einigen Bürgerkriegen und stets gegen die patriarchischen Windmühlen der Zeit und den Faschismus ankämpfend, lebt Zaïda das Leben einer selbstbestimmten, grossherzigen und mutigen Frau.

Meine Rezension findet ihr HIER

Štěpán Tage der Wahrheit in Prag, Anne Cuneo

Klappentext:
Anne Cuneos mitreissender und bewegender Roman erzählt die Geschichte der Paola Rouge-Malatesta, die während des Prager Frühlings 1968 an der Seite des Prager Studentenführers Štěpán Spacek Tage der leidenschaftlichen Liebe und Tage des Schmerzes nach der Ermordung des gemeinsamen Freundes František Schwarz erlebt.
Einundzwanzig Jahre später, während der Samtenen Revolution reist Paola Rouge-Malatesta wieder nach Prag. Diesmal wird es zu einer Reise in die Vergangenheit, die das Ende der Sorglosigkeit bedeutete.

Zu meiner Rezension geht es HIER

Auf meinem SuB befindet sich aus dem bilgerverlag auch noch "Das Benefizium des Ettore Camelli" von Isabelle Huser, auf dieses Buch freue ich mich auch schon sehr.


Die Frankfurter Verlagsanstalt

In der Frankfurter Verlagsanstalt ist mein abolutes Herzensbuch erschienen. Das Buch, das mein Leben in ein Vorher und ein Nachher geteilt hat und das Buch, das ich bisher wohl am meisten empfohlen habe. Wer "Das achte Leben (für Brilka)" von Nino Haratischwili noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt sehr, sehr, sehr bald tun.
 
Das achte Leben (für Brilka) - Nino Haratischwili

Beschreibung des Verlages:
Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen.
Deutschland, 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und deren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält.

Zu meiner Rezension findet ihr HIER

 
Dunkelgrün fast schwarz - Mareike Fallwickl

Beschreibung des Verlages:
Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn – mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit – und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht.

Meine Rezension könnt ihr HIER lesen

"Das Licht ist hier viel heller", das zweite Buch von Mareike Fallwickl, habe ich ebenfalls gelesen, war aber leider nicht ganz so begeistert und kann es euch deshalb nicht ganz uneingeschränkt empfehlen. Lest euch MEINE REZENSION aber gerne trotzdem durch, damit ihr euch eine eigene Meinung bilden könnt.


Verbrecher Verlag

Aus dem Verbrecher Verlag lese ich - immer noch - "Legende" von Ronald M. Schernikau. Wenn ihr (hoffentlich bald) meine Rezension zum Buch lesen dürft, werdet ihr verstehen, weshalb ich so viel Zeit mit diesem Buch verbracht habe. Von Ronald M. Schernikau habe ich bereits "Königin im Dreck" gelesen und viele weitere Bücher aus dem Verlag befinden sich noch auf meiner Wunschliste.

Königin im Dreck - Ronald M. Schernikau

Dieses Buch versammelt erstmals Beiträge von Ronald M. Schernikau für Zeitungen, Journale und Anthologien. Zeittexte Reportagen, Gedichtinterpretationen, Berichte, Glossen, Interviews , die nach wie vor brennenden Fragen nachgehen: Wieso sind die Schlager der DDR so gut? Was macht ein revolutionärer Künstler ohne Revolution? Ficken mit AIDS? Das Besondre am Sonett? Wie wird ein Brötchen ein Brötchen im Sozialismus? Wofür verkaufe ich mich eigentlich, wie gehe ich mit Größe durch den Schund der Zeit? Die umfassende Auswahl belegt noch am kleinsten Text Schernikaus Zugriff: Leben ohne Haltung, Kunst ohne Politik wird nicht zu haben sein.

"über die lippen dieser leute wird
keine einzige klage kommen. ihre
psycho-geschichten intressieren
mich nicht. mich intressiert:
was macht eine königin im dreck?

rms

Meine Rezension findet ihr HIER

Verfasser unser - Giwi Magwelaschwili

Inhalt:
In diesem schmalen Bändchen versammeln sich Kurzgeschichten und Gedichte, die mit ihrer ganz eigenen Erzählsprache unterhalten und beim Lesen für anschauliche Bilder sorgen. Die Buchmenschen, die Giwi Margwelaschwili ganz besonders am Herzen liegen, werden immer wieder zum Zentrum der Geschichte gemacht und Wortpoesie, neue Wortschöpfungen, Systemkritik, feinsinniger Humor und vor allem eine Liebe zum Beschreiben und Erzählen, zu Gedankenspielen und ungewöhnlichen Auslegungen, versammeln sich hier auf engstem Raum.

HIER kommt ihr zu meiner Rezension

Fotzenfenderschweine - Almut Klotz

Beschreibung des Verlages:
Herausgegeben von Aaron Klotz und Reverend Christian Dabeler, mit einem Nachwort von Jörg Sundermeier.
Die Musikerin und Autorin Almut Klotz beschreibt in diesem Buch ihre Liebesgeschichte mit dem Musiker und Autor Rev. Christian Dabeler – den sie im Mai 2013 heiratete. Zugleich aber ist »Fotzenfenderschweine« eine Abrechnung mit der Indie-Pop-Szene und den alten und neuen Frauenrollen darin. Almut Klotz schreibt leidenschaftlich und mitreißend, offen und ohne Denkverbote.
Almut Klotz hat mit ihrem Text eine genaue Beschreibung eines Künstlerlebens gegeben und eine wunderschöne Liebesgeschichte mit allen Höhen und Tiefen erzählt.
Bis zu ihrem Tod hat sie an »Fotzenfenderschweine« gearbeitet, der Text erscheint nun erstmals und ungekürzt aus ihrem Nachlass.

Und HIER lest ihr meine Rezension


Kremayr & Scheriau

Aus dem Verlag Kremayr & Scheriau habe ich bisher erst ein Buch gelesen. Das hatte es aber in sich und ich denke, dass ich noch einige weitere Male zu einem Buch aus diesem spannenden Verlag greifen werde.
 
Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft - Simone Hirth

Inhalt:
Unsere Protagonistin lebt mit einem toten Maulwurf neben und in den Trümmern ihres Elternhauses und errichtet - Stein um Stein - eine Notunterkunft, in der sie bescheiden lebt. Alles, was sie braucht, schafft sie aus ihrem Elternhaus in ihre neue Bleibe oder sammelt und klaut es sich aus der Natur und den Geschäften der Umgebung zusammen. "Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft" ist ein Buch über einen alternativen Lebensentwurf, über die Jugend und das Notwendige, das Vergängliche, Verluste und Minimalismus.

Meine Rezension findet ihr HIER



Und nun seid ihr an der Reihe: welche Bücher aus euren Regalen stammen aus Indieverlägen? Und welche davon könnt ihr mir besonders ans Herz legen? Ich freue mich auf eure hoffentlich zahlreichen Empfehlungen.

Alles Liebe und wir lesen uns
Livia

Rezension: Sie hat Bock

Sie hat Bock - Katja Lewina

Beschreibung des Verlages:
Was ist sexistisch an unserem Sex?
Katja Lewina hat Bock, und sie schreibt darüber. Wäre sie ein Mann, wäre das kein Ding. So aber ist sie: »Schlampe«, »Nutte«, »Fotze«, »Hoe« …
Seit #metoo werden die Rufe nach der potenten Frau laut und lauter. Aber hat eine, die ihr sexuelles Potenzial jenseits von »stets glatt rasiert und gefügig« lebt, in unserer Gesellschaft tatsächlich einen Platz?
Lewina führt die Debatte über weibliches Begehren fort und erforscht entlang ihrer eigenen erotischen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt. Kindliche Masturbation, Gynäkolog*innenbesuche, Porno-Vorlieben oder Fake-Orgasmen: Kein Thema ist ihr zu intim. Und nichts davon so individuell, wie wir gern glauben. Aber die Krusten unserer Sozialisation lassen sich abkratzen! Und so ist Sie hat Bock mehr Empowerment als Anprangern, mehr Anleitung zur Potenz als Opferdenke. Denn nach der Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten und Tabus ist es an der Zeit, den Weg zur Selbstermächtigung einzuschlagen.

Inhalt:
Katja Lewina schreibt in erster Linie über sich und ihre Erfahrungen und bettet immer wieder sehr informative Kapitel ein. So zum Beispiel zu gleichberechtigten Beziehungen, zur Menstruation, der richtigen Intimhygiene, der Pornoindustrie und dem Aufbau der Klitoris. Eine Triggewarnung vorweg (die fehlt nämlich im Buch): sexueller Missbrauch und die zum Glück kurz gefasste Schilderung einer Vergewaltigung sind ebenfalls Teil dieses Buches.

Meine Meinung:
Ich bin froh, bereits einige feministische Bücher gelesen zu haben und somit kann ich von mir behaupten, in diesem  Buch nicht wirklich etwas Neues gelernt, aber dennoch ein paar andere Meinungen zu gewissen Themen erfahren zu haben. Und genau da liegt der Hund auch schon begraben. Katja Lewina schreibt ausschliesslich aus ihrer persönlichen Erfahrung und obwohl sie wissenschaftliche Informationen einbaut, bleibt sie in der Art, wie sie über Menschen schreibt, sehr stereotyp und oberflächlich. Sie teilt aus. Gegen Männer vor allem und dies in der Regel sehr schubladisierend und teilweise abwertend. Aber auch gegen Frauen. Ja, dieses Buch ist kein feministisches Buch, sondern ein antifeministisches Buch. Es spielt unterschiedliche Lebensformen und Frauen gegeneinander aus. Beispiele gefällig?

1. Katja Lewina lebt mit ihrem Mann in einer offenen Beziehung (die auch nur entstanden ist, weil ihr Mann sie damals betrogen hatte und sie beide dann erfahren haben, dass sie doch gerne noch weitere Menschen in ihre Betten lassen wollen, der Schmerz und die Enttäuschung über den Betrug und die Hörigkeit gegenüber ihres Mannes sind aber immer noch sehr spürbar. Ehrlich und mutig, wie ich finde, aber auch nicht unbedingt selbstbestimmt). So weit aber eigentlich nichts Neues, alle, wie sie wollen. Dass Lewina es nötig hat, monogam lebende Menschen als langweilige, prüde Menschen, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen und ihre wahre Natur nicht ausleben, darzustellen, finde ich ein wenig unpassend.

2. Als sehr freiheitsliebende und offene Person, akzeptiert die Autorin selbstverständlich alle Lebensformen (Achtung: Ironie), aber: es gibt doch noch Ausnahmen, wer andere Präferenzen hat - auch hier wieder - wird als "merkwürdig" bezeichnet (man beachte, geschrieben wird in dieser Szene über eine - hypothetische - Frau).
"Oder weil sie das "merkwürdige" Bedürfnis danach, gefesselt und geknebelt von drei Unbekannten gleichzeitig gevögelt zu werden (...).
(Seite 59/60)

3. Obwohl sie sonst sehr schnell mit Stereotypen bei der Hand ist, hat Katja Lewina Mühe, ihre eigene Sexualität in eine Schublade zu packen. Muss sie ja auch gar nicht. Pansexuelle aber als "selbstgerecht" zu betiteln, geht dennoch nicht.
"Darum werde ich mir zwar noch lange nicht in selbstgerechter Manier ein "pansexuell"-Krönchen aufsetzen."
(Seite 69)

4. Wunschkaiserschnitte übrigens, werden auf Seite 201 im Buch als "hirnverballert" bezeichnet. So weit also zur Selbstbestimmung von Gebärenden...

5. Nach Lewinas "erstem Mal", einer Vergewaltigung, hat sie sehr schnell ihre Freude an der Sexualität gefunden. Sie tut diese Gewalttat und den Übergang zum alltäglichen Vögeln salopp ab. Ich kann das verstehen, schliesslich möchte man ein Trauma nicht mehrmals durchleben oder detailliert schildern. In einem solchen Buch aber könnte man die Plattform nutzen und wenigstens zwei bis drei Sätze dazu verlieren, wie man mit seinem Trauma umgeht, wie man sich selber hilft und wie man rechtlich gegen einen Täter vorgeht. Schliesslich muss man davon ausgehen, dass betroffene Personen dieses Buch lesen und erstens durch die fehlende Triggerwarnung und zweitens durch den unsensiblen Umgang mit dem Thema getriggert werden können.

Ach, dieses Buch... Es hat es mir so schwer gemacht. Und es hat mich sehr stark mit meinem eigenen Feminismus konfrontiert, was super ist und wichtig. Denn eigentlich mag ich Frauen, die Dinge beim Namen nennen, die derb und offen sind, die Raum einnehmen und diesen selbstverständlich einfordern. Aber ich mag es nicht, wenn diese Frauen ihre durch diesen Raum entstehende Macht nutzen, um andere klein zu machen. Frauen oder Männer. Missstände aufzuzeigen muss sein, Dinge beim Namen nennen auch, abwerten und in Schubladen denken geht aber nicht. Kein einziges Wort dazu, dass Lewina als weisse cis Frau in Deutschland gegenüber Frauen in anderen Kulturen privilegiert ist. Keine Sensibilität für die Befindlichkeiten anderer Personen.... Feminismus geht anders.

Mein Fazit:
Feministische Bücher lesen: ja, sehr, sehr gerne. Aber wenn ihr nicht bloss oberflächliche und provokative Parolen, sondern ein richtig gutes, wissenschaftlich fundiertes, bewegendes und tiefgründiges feministisches Buch lesen wollt, dann greift doch zu "Untenrum frei" von Margarete Stokowski oder zu "Periode ist politisch" von Franka Frei.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Sie hat Bock
Autorin: Katja Lewina wurde 1984 in Moskau geboren. Nach ihrem Studium der Slavistik, Literatur- und Religionswissenschaften arbeitete sie als freie Lektorin und im Künstlermanagement. Heute ist sie freie Autorin und schreibt für alles von Herren- bis Familienmagazin, u. a. Brigitte, Eltern Family, jetzt, Playboy und ZEIT Online. Mit Mann und drei Kindern lebt sie in der Nähe von Berlin.
Hardcover mit Lesebändchen und Schutzumschlag: 224 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag
Erscheinungstag: 18.02.2020
ISBN: 978-3-8321-8117-8

Rezension: Die Buchhandlung zum Glück

Dieses Buch habe ich via Bloggerportal von Harper Collins als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen herzlichen Dank.

Die Buchhandlung zum Glück - Susan Wiggs

Beschreibung des Verlages:
Nach einem schweren Schicksalsschlag ändert sich für Natalie Harper alles. Um für ihren Großvater da zu sein, zieht sie in das kleine Apartment über der Buchhandlung in San Francisco. Am vernünftigsten wäre es, das Geschäft aufzugeben. Doch als Natalie sieht, wie viel die Buchhandlung ihrem Großvater und den Stammkunden bedeutet, übernimmt sie den Laden. Und zwischen den Wänden, an denen noch Schwarz-Weiß-Fotografien hängen, findet Natalie, was sie völlig verloren geglaubt hatte: echte Nähe, Hoffnung und einen ungeahnten Schatz, der Träume wahr machen kann.

Inhalt:
Natalie verliert den Boden unter den Füssen, als ihr Leben sich von einem Tag auf den anderen um hundertachtzig Grad dreht. Schweren Herzens entscheidet sie sich dazu, ihren lukrativen Job zu künden und zurück nach San Francisco zu ziehen. Dort übernimmt sie zumindest vorübergehend die in schwere finanzielle Nöte geratene Buchhandlung ihres dementen Grossvaters und bemerkt bald, dass nur noch ein Wunder das Geschäft und Zuhause ihres Grossvaters retten kann.

Meine Meinung:
Es ist kein Geheimnis, dass ich Bücher über Buchhandlungen sehr, sehr gerne mag. Oft wird mit wenigen Worten ein gemütliches Ambiente gezaubert und es fühlt sich beim Lesen fast so an, als würde man selber in einer Buchhandlung stehen. Genau so erging es mir auch mit "Die Buchhandlung zum Glück". Was mir aber leider gefehlt hat, waren ganz viele andere Emotionen. Obwohl ich Natalie als Protagonistin sehr gemocht habe, so nehme ich ihr zum Beispiel ihre Trauer und ihren Schmerz über einen plötzlichen und schweren Verlust nicht ab. Auch wirkte die Handlung zuweilen ein wenig stockend. Gerade, was die romantischen Verstrickungen anbelangt wird ein typisches Liebesdreieck (bei dem zwei Beteiligte auch nicht von den Gefühlen der jeweils anderen Person wissen) wie man es aus Teenagerromanen kennt, bemüht. Das war mir dann doch ein wenig zu konstruiert. Abgesehen davon habe ich die Geschichte sehr, sehr gerne gelesen und mich dabei vor allem in die rührenden Beschreibungen der Beziehung zwischen Natalie und ihrem "Grandy" verliebt.

Schreibstil:
Was Natalies Verlust anbelangt, ist es Susan Wiggs nicht gelungen, grosse Gefühle bei mir zu wecken. Die Stimmung in der Buchhandlung, die liebevolle Beziehung, die Natalie zu ihren Mitarbeitern und Stammkunden pflegt, sowie Natalies einfühlsame Art, waren hingegen wundervoll beschrieben. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass die Handlung immer wieder ein wenig ins Stocken gerät und obwohl einzelne Fügungen ein wenig gar positiv waren (was man in Hinblick auf Natalies Verlust aber auch einfach als Karma verstehen kann), lässt sich dieses Buch ganz leicht lesen und dabei kann man sich problemlos in eine mit viel Liebe gepflegte Buchhandlung entführen lassen.

Meine Empfehlung:
Einigen kleinen Kritikpunkten zum Trotz empfehle ich euch diese leichte und unterhaltsame Lektüre sehr gerne für Zwischendurch. Wer aber sehr viel Tiefgang und eine einzigartige Story sucht, wird mit diesem Buch nicht fündig.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Buchhandlung zum Glück
Originaltitel: The Lost And Found Bookshop
Autorin: Im Leben von Susan Wiggs dreht sich alles um Familie, Freunde und Fiktion. Sie wohnt auf einer Insel im Puget Sound direkt am Wasser, und bei gutem Wetter fährt sie mit einem kleinen Motorboot zu ihrer Schreibgruppe. Sie hat in den Botschaften von Buenos Aires und Montevideo Vorlesungen gehalten und ist sowohl national als auch international eine beliebte Rednerin.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Maike C Müller
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Harper Collins Germany
Erschienen am: 26.01.2021
ISBN: 9783749900114

Buchtipps zum internationalen feministischen Kampftag

Es ist wieder so weit und einzelne Firmen und Geschäfte locken mit Blumen, Rabatten, Schmuck und Unterwäsche für Frauen und schiessen damit so weit übers Ziel hinaus, dass man lachen könnte, wenn es nicht zum Weinen wäre. "Purplewashing" nennt sich diese Marketingstrategie, mit der vermeintlich feministische Ziele verfolgt werden, die aber eigentlich lediglich dazu dient, weiteren Schund an die Frau zu bringen.

Fakt ist: auch in den westlichen Ländern gibt es Bereiche, in denen Frauen weiterhin benachteiligt werden. Seien es durch den Gender Data Gap, Lohnungleichheiten, Ungleichheiten in der Aufteilung der Care-Arbeit, Nachteile durch Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaftsurlaub/Karenz am Arbeitsplatz, sowie alltägliche Diskriminierungen und Sexismus bis hin zu Missbrauch und Bedrohung von Leib und Leben im beruflichen und privaten Bereich.

Es ist nicht nur nötig, Frauen eine Stimme zu geben, sondern vor allem, diese Stimme auch zu hören. Zu lernen, zu sehen und zu verstehen. Denn oft kommt Sexismus nicht alleine, sondern wird begleitet von Rassismus, Misogynie, Ableismus, und, und, und. Was also könnte aufschlussreicher und passender sein, als heute Buchtipps zu teilen?

Sehr gerne empfehle ich euch Bücher von grossartigen Frauen. Es sind Bücher, die mich in den letzten Jahren begleitet haben oder aktuell begleiten. Bücher, die mehr Aufmerksamkeit verdienen, mein Herz im Sturm erobert haben oder einen Mehrwert bieten, der sich sehen lassen kann.

Bereit? Los:

Aktuell lese ich das Tagebuch von Anne Frank, das ihr sicher alle kennt. Es ist ein Buch, das nicht nur den Alltag einer jungen jüdischen Frau thematisiert, sondern auch das Leben einer Schriftstellerin. Ich bin froh, mich endlich mit dieser schwierigen Lektüre zu befassen und mich auch in diesem Bereich zu bilden. Um weitere Völkermorde verhindern zu können, muss man verstehen, welche (rassistischen) Mechanismen dazu geführt haben und diese Mechanismen bereits im Kern ersticken und selber vehement antirassistisch sein.


Weiter befasse ich mich gerade mit "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" von Jesmyn Ward, das mir - zusammen mit "Die Frauen von Salaga" von  Ayesha Harruna Attah und "Vor Rehen wird gewarnt" von Vicki Baum - von Jamie vom Blog librovore geschenkt worden ist. In "Sing, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" wird der Alltag einer schwarzen Familie thematisiert, die an der Golfküste von Mississippi in einer von Rassismus geprägten Gesellschaft lebt und dabei täglich um das eigene Überleben kämpfen muss.


Periode ist politisch- Franka Frei
In kurzen und flüssig zu lesenden Kapiteln werden nicht nur diverse Periodenprodukte und deren Einsatz, sowie zahlreiche informative Fakten, sondern vor allem auch menstruierende Personen aus verschiedenen Teilen der Welt und ihre Lebensumstände vorgestellt. Die Autorin hat auf ihren Reisen Gespräche mit sehr vielen Menschen geführt und dabei herausfinden und nachvollziehbar aufbereiten können, inwiefern Menstruierenden oft der Zugang zu Bildung, Integration in die Gesellschaft und Selbstbestimmung erschwert oder gar verweigert wird und welche Probleme daraus für ganze Familien, Wirtschaftszweige und Länder entstehen können.

Die Brüder Löwenherz - Astrid Lindgren
Wer kennt sie nicht, die Kinderbuchautorin, welche wohl die Kindheit von uns allen begleitet hat. Mein absolutes Lieblingsbuch von ihr, das mich stets von der ersten Seite an fesselt und konsequent zu Tränen rührt und berührt ist die Geschichte um die mutigen Brüder Krümel und Jonathan Löwe, welche mit ihrer Freundschaft und Liebe dem Tod den Schrecken nehmen.

Dunkelgrün fast schwarz - Mareike Fallwickl
Dieses Buch war definitiv mein absolutes Highlight aus dem Jahr 2018. Mareike Fallwickl ist ein Debütroman gelungen, der aufhorchen lässt. Sie schreibt über toxische Beziehungen und Freundschaften mit einer starken, manchmal derben, manchmal poetischen Sprache und hat mich nicht mehr losgelassen.


Das achte Leben (für Brilka) - Nino Haratischwili
Dieses Buch war (gemeinsam mit "Herkunft" von Saša Stanišić) mein absolutes Lesehighlight aus dem Jahr 2019 und ich bin enorm dankbar, dass ich dieses Buch - das mein Leben definitiv in ein "vor Brilka" und "nach Brilka" geteilt hat-  durch Maria Christina Piwowarski entdecken durfte. Wer ihr bei Instagram noch nicht folgt, sollte dies definitiv bald nachholen. Und wer "Das achte Leben (für Brilka)" noch nicht gelesen hat, sollte dies ebenfalls schnellstmöglich tun.


Untenrum frei - Margarete Stokowski
"Untenrum frei" ist eine Art feministisches Manifast. Es ist provokativ und kritisch, aber vor allem auch sehr informativ und fundiert und ein Buch, das wirklich alle - unabhängig von Alter und Geschlecht - gelesen haben sollten. Es räumt mit Vorurteilen auf, liefert Erklärungen, Belege und Diskussionsgrundlagen und ist doch nie belehrend oder gar schwer verständlich, sondern aufgrund der vielen Beispiele (leider) komplett aus dem Leben gegriffen.


Fotzenfenderschweine - Almut Klotz
Die Musikerin und Autorin Almut Klotz beschreibt in diesem Buch ihre Liebesgeschichte mit dem Musiker und Autor Rev. Christian Dabeler und lässt tief in die deutsche Indie-Pop-Szene und die darin konservierten und veralteten Frauenrollen blicken. Ihr Buch "Fotzenfenderschweine" (jep, der Titel erklärt sich beim Lesen) ist eine Autobiografie, an der sie bis zu ihrem Tod gearbeitet hat und in der sie kritisch, liebevoll und leidenschaftlich aus ihrem Leben, ihren Beziehungen und ihrer Arbeitswelt erzählt.


Schreibtisch mit Aussicht - Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Ilka Piepgras
"Schreibtisch mit Aussicht", das sind ein Vorwort und 23 Berichte von Autorinnen, insgesamt also 24 Texte, die sich perfekt als Adventskalender lesen lassen ;-) Texte von 24 Schriftstellerinnen, die alle ihren einzigartigen Werdegang haben und die sich schreibend eine eigene Welt erschaffen, von ihrem Alltag und ihren Gewohnheiten, ihrer Inspiration und ihren Sorgen erzählen und sich mit Sexismus im Literaturzirkus oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen. Und somit ist "Schreibtisch mit Aussicht" ein feministisches Buch, ein kritisches und poetisches Buch, eine Liebeserklärung an das Schreiben (auch wenn es sich dabei manchmal um eine Hass-Liebe handelt) und das geschriebene Wort.


Die Frauen von Salaga - Ayesha Harruna Attah
Im heutigen Ghana treffen zwei Welten aufeinander: die Welt von Wurche, der Königstochter, die aus politischen Gründen verheiratet wird und die Welt von Aminah, einer pflichtbewussten jungen Frau, die beim Überfall auf ihr Dorf versklavt wird. Mitten in einer Zeit des Umbruchs, in der weisse Männer immer mehr Einfluss in zahlreichen Regionen Afrikas gewinnen und sich als Erlöser und Erretter aufspielen, dabei aber ganze Dörfer gegeneinander aufhetzen und damit für noch mehr Leid und Ungleichheit sorgen, kämpfen die beiden Frauen um ihr nacktes Überleben und nähern sich beim Versuch, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, einander an.


Und nun seid ihr an der Reihe. Erzählt doch gerne einmal, welche Bücher von (und über) Frauen eure Leben verändert und bereichert haben und welche meiner Lektüren ihr bereits kennt.

Macht euch einen schönen Welttag der Frau, lasst euch nicht unterkriegen und wir lesen uns
Livia