Rezension: Die Ladenhüterin

Die Ladenhüterin - Sayana Murata

Beschreibung des Verlages:

Die literarische Sensation aus Japan: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist. Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sichs versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.

Inhalt:
Keiko ist anders. Sie wirkt auf andere Menschen speziell und weiss oft nicht, wie sie sich gegenüber ihren Mitmenschen verhalten soll. Also hat sie sich sorgfältig die Umgangsformen ihrer Mitarbeiter*innen angeeignet, deren Körpersprache, Stimmlage und Wortwahl kopiert und schafft es so, sich perfekt in ihre Position als Aushilfsverkäuferin in einem kleinen Supermarkt einzugliedern. Die Arbeitsabläufe, die festgelegten Höflichkeitsformen und die immer gleichen Tätigkeiten und Floskeln geben ihrem Alltag Struktur. Sie ist vielleicht sogar glücklich und sieht einen Sinn in ihrem Leben. Doch die anhaltenden Fragen nach einem Mann und Kindern sowie einem "richtigen Beruf" ihres Umfeldes bringen sie ins Zweifeln und sie beschliesst, sich einen Mann ins Leben zu holen, der ihr schönes, über Jahre hinweg aufgebautes System, sich in der Gesellschaft zu bewegen, durcheinander bringt.

Meine Geschichte als Verkäuferin:
Schon wieder habe ich durch Marias Lesekreis einen buchigen Schatz entdecken dürfen und ich habe das Buch auch noch rechtzeitig gelesen, heute nämlich findet unter diesem Post die (spoilerfreie) Schlussdiskussion statt. Schaut da also gerne vorbei.
Gleich die ersten Sätze haben mich total in ihren Bann gezogen und ich habe mich an meine Zeit als Verkäuferin in der Bäckerei zurückerinnert. Drei Jahre lang habe ich während des Gymnasiums und den ersten zwei Studienjahre dort gejobbt, immer mehr Verantwortung übernommen und vor allem in den Semesterferien im Sommer fast Vollzeit und ansonsten an jedem Wochenende und Feiertag dort gearbeitet und so die dem Geschäft eigenen Abläufe verinnerlicht und die aberwitzigsten Erfahrungen mit Kund*innen und Mitarbeiter*innen gemacht. Eine Szene in Muratas Buch - die Szene, in der Keiko noch von der Arbeit träumt und von ihrer eigenen Stimme, die "herzlich willkommen" ruft, erwacht - hat mich so sehr an mich selber erinnert. Gerade in den Semesterferien, wenn ich manchmal zehn oder zwölf Wochen fast oder ganz Vollzeit in der Bäckerei gearbeitet (und daneben unterrichtet, geübt, Konzerte gespielt, für Prüfungen gelernt, Nachhilfe gegeben, gebabysittet und Arbeiten geschrieben) habe, bin ich irgendwann komplett am Ende meiner Kräfte davon erwacht, wie ich massenweise Croissants (in der Schweiz natürlich "Gipfeli") in zahlreiche Tüten gepackt habe. Ich sass im Bett und habe mit meinen Händen die Bewegungen des Einpackens gemacht. Dann wusste ich jeweils, dass es wieder Zeit für eine Pause war und habe mein Pensum zurückgefahren.

Meine Meinung:
Aber auch abgesehen von meinem persönlichen Wiedererkennungswert habe ich dieses äusserst gesellschaftskritische Buch sehr gerne und heute innerhalb von kürzester Zeit verschlungen. In "Die Ladenhüterin" wird vor allem der von aussen forcierte Drang, sich sowohl im beruflichen als auch privaten Bereich nahtlos in die Gesellschaft einzugliedern, thematisiert. Es scheint mir, wenn ich mir andere Kritiken und vor allem auch andere Literatur aus Japan anschaue, ein Drang zu sein, der in Japan noch mehr vorherrscht, als hier. Die Haltung, dass man der Gesellschaft - vor allem als Frau - nur dienlich ist, wenn man sich entweder fortpflanzt und/oder einem wichtigen Beruf nachgeht, lässt sich natürlich auch in der Schweiz und den umliegenden Ländern finden, aber es scheint mir so, als würde diese fast schon zwanghafte Eingliederung eines jeden Individuums in das vorherrschende einheitlich machende System in Japan noch einmal ganz andere Züge annehmen.
Und hier kommt Keiko ins Spiel. Keiko, die nicht versteht, warum man um einen verstorbenen Vogel trauern muss, wenn man ihn doch auch einfach essen kann und Keiko, die schon wüsste, wie sie ihren schreienden Neffen zum Verstummen bringen würde und dabei wäre nicht endloses Schaukeln, sondern vielmehr ein Messer die Lösung. Aber Keiko ist nicht grausam, vielmehr ist sie über alle Massen praktisch veranlagt. Und diese Veranlagung lässt sie auch zur logischen Überlegung kommen, dass ein Mann im Haus die Fragen nach einem Mann im Haus würde verstummen lassen. Dass dies natürlich nicht aufgeht und vor allem ihr sorgsam und seit Jahren bewährtes System durcheinander bringt, stellt sie vor neue Herausforderungen, welchen sie mit dem ihr eigenen Pragmatismus, Verstand und ihrer Leidenschaft für den Beruf begegnet.

Schreibstil:
Kurze, prägnante Sätze, die dennoch genau beschreiben, was vor sich geht und auch viel zwischen den Zeilen lesen lassen, machen den Schreibstil dieses Buches aus. Sayaka Murata trifft mit ihrer Sprache mitten ins Herz und schafft eine Protagonistin, die man - ein wenig schrullig hin oder her - einfach lieben muss. Die Übersetzerin Ursula Gräfe, die ja auch für ihre Murakami-Übersetzungen bekannt ist, hat ganze Arbeit geleistet und wundervolle Worte für dieses erfrischende und kritische Buch gefunden.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch dieses herzerwärmende, zum Schmunzeln und Nachdenken bringende Buch, das so liebenswert erzählt, wie sich das Leben als eigentlich glückliche Aussenseiterin in einer nach Vereinheitlichung schreienden Gesellschaft anfühlt, sehr gerne weiter.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Ladenhüterin
Originaltitel: Konbini Ningen
Autorin: Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr Roman »Die Ladenhüterin« gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans und war in mehr als einem Dutzend Ländern ein großer Erfolg.
Aus dem Japanischen von: Ursula Gräfe
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 145 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag
Erschienen: 2019 (zweite Auflage)
ISBN: 978-3-351-03703-1

Rezension: Mängelexemplar

Mängelexemplar - Sarah Kuttner

Beschreibung des Verlages:
»Die Psyche ist so viel komplizierter als eine schöne glatte Fraktur des Schädels.«
Karo lebt schnell und flexibel. Sie ist das Musterexemplar unserer Zeit: intelligent, selbstironisch und liebenswert. Als sie ihren Job verliert, ein paar falsche Freunde aussortiert und mutig ihre feige Beziehung beendet, verliert sie auf einmal den Boden unter den Füßen. Plötzlich ist die Angst da. Als auch die cleversten Selbsttäuschungen nicht mehr helfen, tritt sie verzweifelt und mit wütendem Humor ihrer Depression entgegen.
Dem Wahnwitz unserer Gegenwart gibt Sarah Kuttner eine Stimme. Lustig und tieftraurig, radikal und leidenschaftlich erzählt sie von dem der Verlorenheit, die manches Leben heute aushalten muss.

Inhalt:
Karo hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich, steckt in einer unglücklichen Beziehung fest und verliert ihren Job. Ihre Trauer und Angst lähmen sie und sie beginnt, ihr Leben zu sortieren, sich Hilfe zu holen und sich von Dingen und Menschen, welche sie unglücklich machen, zu trennen. Zur Angst kommen Panikattacken hinzu und Karo realisiert, dass die Psyche nicht eine Wohnung ist, die man einfach abstauben und umräumen kann und schon ist alles wieder gut. Um tiefe und alte Wunden heilen zu lassen, braucht es mehr Zeit und Unterstützung, als sie erwartet hat. Und auf diesem Weg begleiten wir sie ein Stück.

Meine Meinung:
So gut und spannend dieses Buch auch klingt und so wichtig es auch ist, über psychische Erkrankungen zu lesen, sprechen und schreiben, so unpassend erscheint mir "Mängelexemplar" als Grundlage für den Austausch über dieses wichtige Thema. Das Buch war mir zu brav, zu oberflächlich, zu stereotyp und ein wenig zu gewollt provokativ. Der Stil erinnert sehr stark an eine Mischung aus "Axolotl Roadkill" und "Drüberleben". Einerseits gewollt überspitzt, was die Schilderungen der psychischen Erkrankung anbelangt und andererseits gekünstelt intellektuell, wenn es um den sprachlichen Ausdruck geht. Radikal war das nicht, eher ermüdend. Als tieftraurig und leidenschaftlich habe ich "Mängelexemplar" ebenfalls nicht erlebt, eher ähnlich brav wie "Schäfchen im Trockenen". Es stört mich sehr, dass dieser Schreibstil anscheinend ein Merkmal für zeitgenössische Literatur vor allem von Frauen sein soll (HIER finden sich Hinweise darauf in den Pressestimmen) und ich frage mich wirklich, ob es die Idee sein soll, dass man in der zeitgenössischen, Missstände anprangernden Literatur (vor allem als Frau) über ernste, anspruchsvolle Themen nur noch gewollt provokativ, ein wenig derb aber trotzdem gerade noch brav genug, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, schreiben darf. Wenn jemand Wut und Schmerz ausdrücken will, soll diese Person doch wütend und schmerzvoll schreiben. Gerne düster, brutal, heftig, aber - wenn es der Person besser entspricht - auch melancholisch, leise und zart. Dieser nichtssagenden Einheitsbrei, bei dem irgendwie jedes Buch, zu dem ich aktuell greife, ähnlich klingt, ist mir leider zu undifferenziert, was schade ist, weil so Themen, die mehr Aufmerksamkeit erhalten sollten oder auch Autor*innen, welche gelesen werden sollten, in der Masse untergehen. 

Mein Fazit:
Das Buch kommt in den offenen Bücherschrank, weil ich mir sicher bin, dass es jemand anderem viel besser gefallen wird als mir. Es ist nicht schlecht geschrieben, es ist nicht langweilig, aber es ist ein wenig nichtssagenden, was schade ist, weil das sehr viel Potenzial auf der Strecke geblieben ist.

Zusätzliche Infos:
Titel: Mängelexemplar
Autorin: Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und arbeitet als Moderatorin. Sie wurde mit ihren Sendungen »Sarah Kuttner – Die Show« (VIVA) und »Kuttner.« (MTV) bekannt und arbeitete mehrfach für die ARD. Bei zdf.neo hat sie das Großstadtmagazin »Bambule« und die Talkshow »Kuttner plus Zwei« moderiert. Seit 2016 produziert und moderiert sie die monatliche Veranstaltungsreihe »Kuttners schöne Nerdnacht« und seit 2017 moderiert sie gemeinsam mit Stefan Niggemeier den Podcast »Das kleine Fernsehballett« auf Deezer. Ihre Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress wurden im Fischer Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Ihr erster Roman »Mängelexemplar« erschien 2009 und stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Danach erschienen die Romane »Wachstumsschmerz« (2011), »180 Grad Meer« (2015) und »Kurt« (2019). Sarah Kuttner lebt in Berlin.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 320 Seiten
Erschienen am: 19.01.2012
ISBN: 978-3-596-51189-1

Lese-Statistik September 2020

Hey ihr Lieben

Der September war ein aufregender Monat, der gleich mit einer Konzertreihe mit meinem Trio startete. Wir spielten drei Konzerte innerhalb von zwei Tagen und davor waren die Intensivproben und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unglaublich toll es ist, wieder auf der Bühne zu stehen und so intensiv mit meinen Mitmusikerinnen zu arbeiten. Im November ist es dann wieder so weit und ich trete mit dem Duo auf, im Dezember und Januar steht auch schon einiges an und einige Projekte für das nächste Jahr sind in Planung. So soll es sein.
Was lange nicht klar und nicht konkret geplant war, war unsere kirchliche Hochzeit vom 10.10.2020, die nach unserer standesamtlichen Hochzeit und der keltischen Trauung in Irland vor einem Jahr nun doch ansteht. Alles ist organisiert, nur die Deko mache ich in dieser Woche noch fertig und dann gilt es auch schon ernst. Nach einer langen und ungewissen Planungszeit freuen wir uns sehr darauf, werden aber sicher auch ein wenig erleichtert sein, wenn dann alles vorbei ist.

Gelesen habe ich einigermassen viel, beendet aber nicht ganz so viel, wie geplant, was unter anderem daran lag, dass ich am 30.9. noch zwei Bücher beenden wollte, dann aber meine beste Freundin dazwischen kam, die ziemlich spontan hereinschneite und die geht natürlich immer vor. Dafür dürft ihr euch in den nächsten Tagen bereits auf eine Rezension freuen.
 

Diese Bücher habe ich im September beendet:

 
Das absolute Highlight im September hat mir gleich den Beginn des Monats ver-bitter-süsst


Die Tochter begehrt gegen die Mutter auf und damit gegen die Gesellschaft, bös, bissig und witzig


Eine Mutter bereitet ihre Kinder auf das Leben vor und kritisiert die Gesellschaft und ihren Freundeskreis


Berührende und wichtige Liebesgedichte aus einem mir nicht sehr bekannten Teil der Welt


Ein Liebesroman, ein Familienroman und gleichzeitig eine Liebeserklärung an Lappland, haaach....

Alle Rezensionen auf einem Blick

Alte Sorten - Ewald Arenz   (256 Seiten)


Aus dem SuB aussortiere Bücher:

Hans Traxler - Die Wahrheit über Hänsel und Gretel 
Inez Corvi - Im Tal des wilden Eukalyptus
Hans Koppel - Entführt
 

 
Neuzugänge

Uuuuuups....
"Die Marschallin" habe ich bei Jamie vom Blog Librovore entdeckt und musste das Buch dann unbedingt kaufen. Die Reihe um den Comissario Brunetti von Donna Leon vervollständige ich nach und nach, deshalb mussten auch diese Bücher in den Einkaufskorb. Die Krimis sind übrigens alle gebraucht gekauft aber in einem guten bis sehr guten Zustand. 
Ausserdem waren "So träume und verschwinde ich" und "Das Palais muss brennen" im September als Rezensionsexemplare bei mir im Briefkasten.
 
 

Und hier noch einmal alle Zahlen:

Gelesene Bücher: 5
Abgebrochene Bücher: -
Somit in die Leseeule: 8 Franken (drei aussortierte Bücher)
Gelesene Seiten: 1'200
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 40 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 2
Gekaufte Bücher: 7
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 9
SuB am Monatsbeginn: 114
Aktueller SuB: 115
Differenz: +1

Rezension: Helle Tage, helle Nächte

 

Helle Tage, helle Nächte - Hiltrud Baier

Beschreibung des Verlages:
Zwei ungleiche Frauen, eine alles für immer verändernde Entscheidung und die große Weite der Natur. Ein besonderes Leseerlebnis von Bestsellerautorin Hiltrud Baier
Die Kirschbäume blühen, als Anna Albinger in ihrem Haus am Fuß der Schwäbischen Alb einen Entschluss fasst: Sie möchte die größte Lüge ihres Lebens nicht länger verheimlichen. Schweren Herzens schreibt sie einen langen Brief, den ihre Nichte Frederike für sie nach Lappland bringen soll. Doch als Frederike im menschenleeren Norden ankommt, scheint der Mann, an den Annas Brief adressiert ist, verschwunden zu sein. Allein auf sich gestellt in der stillen Bergwelt Lapplands merkt Frederike, dass man manchmal auch am falschen Ort das Richtige finden kann.

Inhalt:
Anna erhält eine Schockdiagnose und möchte ihr Leben ordnen und eine grosse Lebenslüge, welche sie schon seit Jahrzehnten mit sich herumträgt, endlich ans Tageslicht bringen und so mit ihrer Vergangenheit aufräumen. Sie hofft sehr, dass ihre Nichte Frederike für sie nach Lappland reisen und einen wichtigen Brief überreichen wird. Auch Frederikes Leben wird sich dadurch verändern und während diese sich in der atemberaubend schönen Landschaft Lapplands von der Trennung von ihrem Mann zu erholen versucht, muss auch sie sich über einige Dinge in ihrem Leben klar werden.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch bin ich bei Daniela vom Blog Buchvogel aufmerksam geworden. Ihre begeisterte Rezension hat mich das Buch sofort kaufen lassen und Daniela hat nicht zu viel versprochen :-)
"Helle Tage, helle Nächte" eignet sich perfekt für den Frühling oder Herbst (obwohl es ein wenig besser in den Frühling passt, diese Jahreszeit ist nämlich auch gerade bei Frederike und Anna) und beinhaltet eine Geschichte, die Liebe, Freundschaft und Wärme ausstrahlt. Ich muss allerdings sagen, dass die Auflösung äusserst vorhersehbar ist und dass ich schon nach wenigen Seiten wusste, wie alles zusammenhängt. Nichtsdestotrotz entführt uns Hiltrud Baier in eine traumhafte Welt und erzählt die Geschichte einer Familie, die sehr viele Rückschläge, Verletzungen und Enttäuschungen verkraften musste und deren einzelne Mitglieder sich vor Sehnsucht nach ihrer Heimat oder nach verlorenen Familienmitglieder verzehren. Gleichzeitig wird die wundervolle Beziehung zwischen Anna und ihrer Enkelin beschrieben und dabei werden die unterschiedlichen Lebensabschnitte der Protagonistinnen und die wundervolle Fähigkeit, auch im Alter noch Liebe zu empfinden, suchen und erleben beschrieben.
 
Schreibstil:
Nicht nur der Inhalt dieses Buches ist absolut herzerwärmend. In jedem Satz ist nämlich auch Hiltrud Baiers Liebe zu Schweden, insbesondere zu Lappland, anzutreffen und die wundervollen Beschreibungen der Landschaft haben mich beim Lesen ein starkes Fernweh empfinden lassen. Die Jahreszeit, also der tiefe Winter, der langsam einem versöhnlichen Frühling weicht, ist äusserst klug gewählt und passt sehr gut zur Grundstimmung des Buches und den Figuren, welche sich durch die Entscheidungen und Ereignisse in ihrem Leben ebenfalls auf einige Veränderungen einstellen müssen.

Meine Empfehlung:
Obwohl die Geschichte sehr hervorsehbar ist, sind die einzelnen Beziehungen zwischen den Protagonisten und vor allem die wundervollen Beschreibungen der Bergwelt Lapplands eine Reise in den tiefen Winter allemal wert. Von mir gibt es eine herzliche Leseempfehlung für dieses einfühlsame Buch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Helle Tage, helle Nächte
Autorin: Hiltrud Baier hat eine so authentische deutsch-schwedische Familiengeschichte geschrieben, wie es nur eine Frau kann, die selbst in Süddeutschland geboren und dann nach Lappland ausgewandert ist. An Nordschweden liebt Hiltrud Baier vor allem die spektakuläre Natur und, dass man stundenlang unterwegs sein kann, ohne eine Menschenseele zu treffen. Die Minustemperaturen im Winter und die lange Dunkelheit mag sie nicht so sehr. Aber sie hat ein gutes Alternativprogramm entwickelt: prasselndes Holzfeuer, samische Musik und viel heißen Tee. Die Autorin lebt mit ihrem Mann im schwedischen Lappland, in Jokkmokk, und hat zwei Töchter.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 352 Seiten
Erscheinungstermin: 26.02.2020 
ISBN: 978-3-596-29854-9 

Kurzrezension: So träume und verschwinde ich

 

Dieses Buch hat mich als Rezensionexemplar aus dem btb Verlag via Bloggerportal von Randomhouse erreicht. Vielen herzlichen Dank dafür.

So träume und verschwinde ich - Angelika Overath, Nursel Gülenaz (Hg.)

Beschreibung des Verlages:
Türkische Liebesgedichte erstmals auf Deutsch. Exklusiv im Geschenkformat.
Sie sind der Pulsschlag der Freiheit in der Türkei: Seit den 50er und 60er Jahren prägen Turgut Uyar (1927-1985), Edip Cansever (1928-1986) und Cemal Süreya (1931-1986) die türkische Poesie. Ihre Lyrik ist nicht explizit politisch, dafür aber subversiv, sie experimentieren mit der Sprache, verfremden und collagieren. Ihre Themen sind Liebe, Alkohol, Melancholie und eine als befreiend empfundene Sexualität. "Wir sind ein Vers von Turgut Uyar" schrieben die Gezi-Park-Aktivisten an die Mauern Istanbuls, und noch heute werden sie in die Straßen gesprayt und über soziale Medien verbreitet.
Die Geschenkausgabe mit der abgerundeten Ecke: anspruchsvolle Haptik, hochwertiges Papier, mit Lesebändchen, kleines Format.

Meine Meinung:
Zuerst einmal muss ich erwähnen, wie schön und liebevoll aufgemacht diese kleine und feine, zweisprachige Ausgabe daherkommt. Ob man gerade Deutsch oder Türkisch lernt, beide Sprachen spricht oder auch nur eine davon, dieses Buch ist perfekt als Geschenk oder auch für die heimische Bibliothek geeignet. Ich persönlich spreche nur Deutsch und habe trotzdem die Türkischen Seiten überflogen, nach Regelmässigkeiten gesucht, nach vertrauten oder ähnlichen Wörtern...
Besonders gerne habe ich übrigens die ausführliche Einleitung gelesen. Darin wird erklärt, wie beim Übersetzen vorgegangen worden ist und welche Schwierigkeiten und Lösungen sich dabei ergeben haben. Das fand ich unglaublich spannend. Auch sind einige Hintergrundinformationen zu den Gedichten, sowie die Biografien von Turgut Uyar, Edip Cansever und Cemal Süreya im Buch zu finden, was zusätzlich beim Einordnen dieser sorgfältig zusammengetragenen Auswahl hilft.

Ein paar Worte zum Lesen von Gedichten:
Beim Lesen dieses Büchleins bin ich tief in die Welt der Lyrik eingetaucht, die ich oft meide, wenn es um Bücher geht, weil ich immer irgendwie das Gefühl habe, den Gedichten nicht gerecht zu werden, weil ich mir nicht immer für jedes einzelne Gedicht viel Zeit nehme, alles analysiere und hinterfrage.       
Aber ganz ehrlich? Das ist doch auch gar nicht nötig. An einzelnen Gedichten bin ich lange hängengeblieben, habe sie immer und immer wieder gelesen, habe in der Sprache und Stimmung gebadet und nach dem Lesen eine Pause eingelegt. Andere habe ich gelesen, für in Ordnung befunden und bin weitergegangen. Die Zeit der Gedichtanalysen ist vorbei, es ist nicht mehr nötig, jedes Wort auf die Waagschale zu legen, ich kann ganz nach Lust und Laune die Stimmungen erkennen, die Wörter geniessen und mir das aus dem Gedicht holen, was ich gerade brauche. Schön, nicht wahr?

Meine Empfehlung:
Mir hat sich eine neue Welt eröffnet, die Welt der Türkischen Gedichte. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mich in meiner weissen, Westeuropäischen Blase bewege und genau deshalb war dieser Ausflug enorm wichtig und bereichernd und gerade weil dieses Büchlein als so schön aufgemachte und mit vielen Hintergrundinformationen versehene Geschenkausgabe daherkommt, lohnt es sich definitiv, "So träume und verschwinde ich" für einzelne Weihnachtsgeschenke vorzumerken...

Zusätzliche Infos:
Titel: So träume und verschwinde ich
Sprachen: Türkisch und Deutsch
Herausgegeben und übersetzt von: Angelika Overath, Ayşe Nursel Gülenaz
Taschenbuch, Flexibler Einband mit Lesebändchen: ca. 128 Seiten
Verlag: btb
Erschienen am: 10. August 2020
ISBN: 978-3-442-71757-6