Rezension: Das Alphabethaus

Das Alphabethaus - Jussi Adler Olsen

Beschreibung des Verlages:

Der internationale Bestseller von Jussi Adler-Olsen

Der Absturz zweier britischer Piloten hinter den feindlichen Linien …
Ein Krankenhaus im Breisgau, in dem psychisch Kranke als Versuchskaninchen für Psychopharmaka dienen …
Die dramatische Suche eines Mannes nach seinem Freund, den er dreißig Jahre zuvor im Stich gelassen hat …
»Eine unfassbare Geschichte: die Schrecken des Krieges und das Schicksal psychisch zutiefst beschädigter Patienten einer Nervenheilanstalt auf der einen Seite, die Freundschaft zweier englischer Piloten und die Suche nach einem Verschwundenen auf der anderen, gehört zum Besten, was Jussi Adler-Olsen je geschrieben hat. Wie er das groteske Elend der Patienten einer Nervenklinik als Folge des Krieges schildert, ist anrührend und beklemmend zugleich. Man liest das Buch mit allen Sinnen.« Ingrid Brekke in ‚Aftenposten‘

Inhalt:
Bryan und James, zwei britische Piloten, stürzen über Deutschland ab und überleben wie durch ein Wunder. Bei ihrer Flucht vor den deutschen Truppen schaffen sie es, auf einen Sanitätszug aufzuspringen. Dort verstecken sie sich in einem Wagen mit lauter ranghohen deutschen Offizieren, welche als geisteskrank eingestuft worden sind. Sie nehmen die Identität zweier dieser Männer an und geben sich fortan ihrem unbestimmten Schicksal hin. In Freiburg im Breisgau landen sie in einem Krankenhaus, das mit den damaligen fragwürden Methoden versucht, psychische Erkrankungen zu behandeln und in dem ausserdem Medikamente getestet werden. Schnell stellt sich heraus, dass Bryan und James nicht die einzigen Simulanten sind und dass dieser Umstand sie in Lebensgefahr bringt.
Dreissig Jahre später schaut ein in England lebender Mann auf sein Leben zurück und erinnert sich mit grossem seelischem Schmerz und nagenden Gewissensbissen an seinen Freund, den er in einer ausweglosen Situation zurückgelassen hat. Ein letztes Mal begibt er sich auf Spurensuche um mit seiner Vergangenheit aufzuräumen und seine Schuld ein für alle mal zu tilgen. Er reist dazu nach Deutschland und begegnet den Geistern seiner Vergangenheit wieder, welche sich als reale Bedrohung für Leib und Leben entpuppen.

Ein erster Eindruck:
Ich habe dieses Buch mit gemischten Gefühlen zur Hand genommen, schliesslich habe ich bisher nicht sehr viele gute Rezensionen dazu gelesen. Die eher negativen Meinungen stammen vor allem von Menschen, welche dir Krimis des Autors sehr gerne gelesen haben und die teilweise auch ganz andere Erwartungen an den Roman hatten. Ich selber habe noch kein anderes Buch von Jussi Adler Olsen gelesen und weiss jetzt schon, dass ich das bald tun möchte, schliesslich besitzt mein Vater einen grossen Teil seiner Kriminalromane und der Schreibstil hat Lust auf mehr in mir geweckt. So kann ich aber in Bezug auf dieses Buch sagen, dass ich keinerlei Erwartungen an den Stil und die Handlung hatte und insgesamt positiv überrascht worden bin.
Das Buch ist in zwei Teile unterteilt, von dem sich vor allem die Szenen im Krankenhaus und davon vor allem die endlosen und sich wiederholenden Schilderungen des Tagesablaufs der Patienten sehr stark in die Länge ziehen. Da hätte man das Buch definitiv ein wenig raffen können, gleichzeitig denke ich mir aber, dass der Autor bewusst mit diesen Längen spielt, weil der Alltag den Patienten ja wohl auch unendlich lange vorgekommen sein muss und dies lässt uns die Schrecken und Quälereien, welche die Männer über sich ergehen lassen mussten, noch besser nachempfehlen.

Der zweite Teil:
Im zweiten Teil, in dem ein Mann auf sein Leben zurückblickt und sich auf eine gefährliche Spurensuche macht, die er nicht selten nur knapp überlebt, kommt dann noch einmal eine ganz andere Qualität des Autors zum Vorschein und man kann das kriminalistische Potenzial, das in Jussi Adler Olsen steckt, definitiv schon sehr gut erkennen.
Ein weiterer eher grosser Kritikpunkt, der mir in einigen Rezensionen begegnet ist und den ich gar nicht nachvollziehen kann, ist die Handlung, welche auf einige Leser:innen sehr unwahrscheinlich gewirkt hat. Da muss ich vehement widersprechen: ich habe schon zahlreiche Tatsachenromane aus der Zeit des zweiten Weltkriegs gelesen und es gibt wirklich die unwahrscheinlichsten Zufälle und Fügungen, die eben genau ausmachen, ob und unter welchen Umständen jemand überlebt oder nicht. Von dem her würde ich das Buch in diesem Bereich nicht zu stark kritisieren.
Eher kamen auch im zweiten Teil einige Längen auf und ich kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte - deren Plot grandios ist und die auf äusserst fundierten Recherchen beruht und auch noch über ein Nachwort verfügt, das auf zahlreiche im Buch thematisierten Geisteskrankheiten und deren Klassifizierung eingeht, sowie enorm viele Quellen nennt - auch auf knapp drei- bis vierhundert Seiten genau so gut, respektive ziemlich sicher sehr viel besser hätte erzählt werden können.

Meine Empfehlung:
Einigen Längen und äusserst anstrengend aber auch brutal zu lesenden Szenen zum Trotz hat mir dieses Buch ziemlich gut gefallen. Es lässt das grosse schriftstellerische Potenzial (und dabei vor allem auch das kriminalistische Potenzial, das Olsen letztendlich berühmt gemacht hat) vermuten und erzählt eine Geschichte, die grandios recherchiert ist, einen wichtigen und oft vergessenes Kapitel des 20. Jahrhunderts beleuchtet und die Geschichte einer starken Freundschaft, von Schuld, Vergebung, Eigeninitiative, Flucht und Rettung erzählt.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Das Alphabethaus
Originaltitel: Alphabethuset
Autor: Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes.
Sprache: Deutsch
Aus dem Dänischen von: Hannes Thiess und Marieke Heimburger
Klappenbroschur: 592 Seiten
Verlag: dtv premium
Erscheinungstermin: 1. Februar 2012 (Deutsche Erstausgabe)
ISBN: 978-3-423-24894-5

Kommentare:

  1. Liebe Livia,
    ich gehöre leider zu der Fraktion unglaubwürdig, aber du hast auch recht mit deiner Aussage, dass manche Menschen im Krieg wirklich Glück hatten und dieses oft auch unglaubwürdig wirkt. ich lese gerade ein wieteres Buch von Christian Hardingahus, wo er Zeitzeugen erzählen lässt. Das Buch mit den männlichen zeitzeugen habe ich bereits gelesen, nun sind die Frauen dran. Und hier gibt es eine Geschichte einer Frau, die jedes mal so unsagbar viel Glück hatte, dass sie sich für diese Richtung, diesen Bunker oder dieses Schiff entschieden hat und überlebt hat, dass es in einem Roman auch nicht glaubwürdig erscheinen würde ;)
    Ich kann mich auch kaum noch an das Buch erinnern...nur an den Zug und die beiden Soldaten...es war - trotz des Themas, da ich ja sehr oft lese, einfach nicht meine.
    Die Thrillerreihe mag ich sehr, aber die Bücher sind auch sehr unterschiedlich und einige haben etliche Längen...
    Ich hoffe du wirst sie mögen!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina

      Genau solche Bücher sind mir auch oft begegnet und ich habe mir beim Lesen schon mehrmals gedacht "einem Roman würde man das nie abnehmen" ;-)

      Das verstehe ich total, ich finde auch, dass man merkt, dass der Autor sich noch oft verzettelt, vielleicht noch nicht so geübt ist und auch nicht so stark lektoriert worden ist, wie evtl. später in seiner Karriere. Aber das Thema und die Rechercherchen, sowie den eigentlichen Plot habe ich wirklich sehr geschätzt.

      Ich hoffe es auch und ich bin nicht so schlecht im Querlesen, wenn es um Längen geht ;-)
      Alles Liebe
      Livia

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  2. Guten Abend Livia
    Auch ich war ja nicht ganz so begeistert von dem Buch. Allerdings empfand ich die Geschichte nicht als unwahrscheinlich, wie du sagst, es gibt wohl so einige Geschten aus dem Zweiten Weltkrieg, die einem total unglaubwürdig erscheinen, aber genau so passiert sind.
    Mich haben echt eher die Längen gestört, so dass ich zwischen dem ersten und dem zweiten Teil eine ganz lange Lesepause hatte. Ich kann aber die Faszination der Geschichte absolut nachvollziehen.
    Grüessli, Daniela

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    1. Liebe Daniela

      Genau so ist es, die Längen haben das Buch immer mal wieder anstrengend gemacht und ich bin mir sicher, dass ein solches Manuskript heute ganz anders überarbeitet werden würde. Ich finde es schade, dass man sich der Geschichte nicht vielleicht doch noch einmal annimmt, weil ich denke, dass da einiges an wichtigen Themen verarbeitet worden ist.

      Grüessli zrugg :-)
      Livia

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