Rezension: Tod in Florenz

Tod in Florenz - Magdalen Nabb

Beschreibung des Verlages:
Welcher Tourist träumt nicht davon, einfach in Florenz zu bleiben? Elisabeth Stauffer und Monika Heer sind geblieben, beide ursprünglich Lehrerinnen und zum Italienischlernen nach Florenz gekommen. Die eine hilft in einem Büro aus, die andere bei einem Töpfer in einer nahen Kleinstadt. Doch seit drei Tagen ist die bildhübsche Monika spurlos verschwunden. Maresciallo Guarnaccia setzt sich mit seinem Kollegen in der Provinz, Niccolini, in Verbindung, einem jovialen Römer, der nach einem Jahr im Norden immer noch Mühe hat, die vielfältigen Beziehungen in dem kleinen Städtchen zu durchschauen. Maresciallo Guarnaccia aber helfen sein Einfühlungsvermögen und seine Beobachtungsgabe, den Fall schließlich zu lösen.

Inhalt:
Eine junge Frau verschwindet in der Umgebung rund um Florenz, ein Schürzenjäger soll seine Finger im Spiel haben und im Dorf erhitzen längst vergangene aber alles andere als vergessene Geschichten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs die Gemüter. Der besonnene und einfühlsame Maresciallo Guarnaccia und sein vor Fröhlichkeit strotzender Kollege in der Provinz, Niccolini, nähern sich bei gutem Essen und einem Glas Wein der Lösung des Falles und der Dorfbevölkerung an, was definitiv ein Schritt in die richtige Richtung ist und Staub aufwirbelt, der noch einiges in Bewegung versetzen wird.

Meine Meinung:
Ich war mir lange nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen sollte oder nicht. Der SuB ist gross und grösser, das Buch schon älter und die Autorin war mir bis vorhin komplett unbekannt. Kennt denn jemand von euch Magdalen Nabb und ihre scheinbar sehr berühmte und hochgelobte Krimireihe um Maresciallo Guarnaccia?
Ich bin froh, habe ich allen Unsicherheiten zum Trotz zu "Tod in Florenz" gegriffen. Das Buch liest sich nur so weg, ist spannend geschrieben, sehr vielschichtig und gesellschaftskritisch und wirft Themen auf, die auch heute noch aktuell sind. Eine sehr ausführliche Szene im Mittelteil, in der eine Figur ihre halbe Lebensgeschichte und einen Teil der Geschichte der weiteren in den Fall involvierten Figuren erzählt, war mir ein wenig zu langatmig gestaltet, aber die persönlichen kleinen Dramen, die zu den diversen geschilderten Verbrechen geführt haben, sind äusserst tragisch, einfallsreich konstruiert und nachvollziehbar geschildert.
Der Kommissar und vor allem auch seine Familie, die oft nur in Nebensätzen auftaucht, sind mir insgesamt ein wenig zu blass geblieben und ich bin mir sicher, dass die neueren, überarbeiteten Ausgaben noch ein wenig passender und zeitgemässer formuliert sind, aber insgesamt scheint es mir, als hätte ich da eine Autorin entdeckt, deren eher grosses Werk, das in nur ganz wenigen Lebensjahren entstanden ist, sicher noch einige spannende Bücher beinhaltet.

Sprache:
Es ist sicher so, dass ich in den letzten Jahren ein wenig sensibler geworden bin, was die Sprache, in der meine Lektüren geschrieben sind, anbelangt. Somit fällt ganz klar auf, dass dieses Buch schon fast dreissig Jahre alt ist und dies erkennt man nicht nur durch die fühl- und sozusagen "sichtbaren" Zeichen der Zeit, in der es spielt, sondern auch an der Sprache, in der die Geschichte erzählt ist. Dabei sticht vor allem das sehr traditionelle, zu dieser Zeit und wohl auch in Italien übliche, Rollenbild (oder kocht Brunetti jemals selber? Sicher nicht in einem der ersten Bände) ins Auge. Guarnaccias Frau umsorgt und bedient ihn und seine Kinder nach Strich und Faden. Egal, wann er nach Hause kommt, das Essen steht bereit. Nach dem Essen setzt er sich vor den Fernseher und sie räumt auf. Ja, das hatte vielleicht mal Charme, aber mittlerweile irritiert das beim Lesen sogar ein wenig, was mich oft zum Schmunzeln gebracht hat.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch hat mich definitiv positiv überrascht und ich werde meine Augen beim Stöbern in offenen Bücherschränken und gebrauchten Büchern offen halten und sicher wieder einmal zu einem Kriminalroman von Magdalen Nabb greifen. Dann aber nach Möglichkeit in der schönen und sicher auch ein wenig überarbeiteten Neuauflage aus den letzten zwei bis drei Jahren.

Zusätzliche Infos:
Titel: Tod in Florenz
Originaltitel: The Marshal and the Murderer
Autorin: Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Monika Elwenspoek
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag:Diogenes
Erschienen: 1992 (Deutsche Erstausgabe)
ISBN: 3-257-22550-4

Kommentare:

  1. Liebe Livia,
    oh, was für ein kleiner Geheimtipp! Ich liebe ja Florenz, wäre letztlich auch am liebsten da geblieben :)
    Manchmal sind auf dem SuB doch richtige Perlen! Ich muss im nächsten Jahr auch auf jeden Fall wieder mehr SuB Bücher lesen!

    Liebe Grüße Anett.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anett

      Ja, das stimmt. Ich denke, dass sich die Reihe wirklich lohnt und hoffe, dass sich bald weitere Schätze auf dem SuB finden.

      Ganz liebe Grüsse
      Livia

      Löschen

Ich freue mich über jeden lieben Kommentar, über Anregungen und konstruktive Kritik. Ausserdem möchte ich darauf hinweisen, dass ihr mit Absenden eines Kommentars zur Kenntnis nehmt und zustimmt, dass dabei personenbezogene Daten gespeichert werden.