Lese-Statistik Oktober 2020

Hallo ihr Lieben

Ich weiss, dass es allen so geht und dass gefühlt alle dies jeweils in ihre Einleitungen schreiben, aber kann jemand von euch glauben, dass wirklich schon November ist? In weniger als zwei Monaten ist 2020 Geschichte... Wie konnte das passieren?
Der Oktober hatte es in sich, unsere kirchliche Hochzeit stand an und nachdem wir nun seit Anfang Jahr gebibbert, gezweifelt und an Konzepten, Alternativen und Gästelisten herumstudiert hatten, durften wir unser Fest im kleinen Rahmen allen Umständen zum Trotz durchführen und sind sehr dankbar für diesen wundervollen Tag (ihr seht oben übrigens einen Teil meines Brautkleids ;-) ). Es erstaunt also sicher nicht, dass ich erst Mitte Oktober wieder zum Lesen gekommen bin, vorher hatte ich keinen Kopf dafür. Und um so glücklicher bin ich, dass ich meinen SuB vier Neuzugängen zum Trotz nicht massiv vergrössert habe.


Und nun mache ich es kurz und schmerzlos und zeige euch meine gelesenen Bücher im Oktober:

Ein plakatives Buch über psychische Erkrankungen, leider nicht ganz überzeugend und zu brav erzählt

Eine grandiose, gesellschaftskritische und packende Lektüre aus Japan, unbedingt lesen

Ein ehrliches, bewegendes Buch über den trans Mann Linus, das einfach in jedes Bücherregal gehört

Herzerwärmende, unterhaltsame und feinfühlig erzählte romantische Komödie aus Paris

Spannende und lesenswerte Fortsetzung der Speicherstadt-Saga


Alle Rezensionen und Seitenzahlen im Überblick:

Mängelexemplar - Sarah Kuttner   (320 Seiten)
Die Ladenhüterin - Sayaka Murata   (145 Seiten)
Ich bin Linus - Linus Giese   (224 Seiten)
Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe   (448 Seiten)
Der Glanz der neuen Zeit - Fenja Lüders   (381 Seiten)
Harry Potter und der Gefangene von Askaban - J.R. Rowlings   (448 Seiten, Reread, keine Rezension)


Neu eingezogen im Oktober:

Im Oktober sind fünf Bücher bei mir eingezogen, drei davon habe ich bereits gelesen, ein Rezensionsexemplar zeige ich euch dann im Novembeber und mit "Balzac und die chinesische Schneiderin" befasse ich mich jetzt gerade. Das Buch sollte also in einem Monat vom SuB verschwunden sein, drückt mir die Daumen ;-)


Alle (ungeschönten) Zahlen:

Gelesene Bücher: 6 (davon ein Reread)
Abgebrochene Bücher: -
Somit in die Leseeule: 5 Franken
Gelesene Seiten: 1'966
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 63.42 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: 4
Eingesammelte Bücher: 1
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 115
Aktueller SuB: 116
Differenz: +1

Rezension: Der Glanz der neuen Zeit

Dieses Rezensionsexemplar aus dem Verlag Bastei Lübbe habe ich in einer Leserunde der Leserjury gelesen.

Der Glanz der neuen Zeit - Fenja Lüders (Vorsicht, 2. Teil der Reihe)

Speicherstadt-Saga:
2. Der Glanz der neuen Zeit
3. Der Traum von Freiheit 

Beschreibung des Verlages:
Hamburg in den 20er Jahren. Kaffeeimportfirma Kopmann und Deharde hat den Weltkrieg und die Inflation überstanden, wenn auch angeschlagen. Dass Mina sich nach Frederiks Rückkehr wieder aus dem Geschäft zurückziehen musste, gefällt ihr gar nicht. Zumal sie feststellt, dass Frederik spielt und Schulden macht. So beginnt Mina in aller Heimlichkeit, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.

Inhalt:
Im zweiten Band der Speicherstadt-Sage ist gerade der erste Weltkrieg vorbei und Mina ist mittlerweile mit Frederik verheiratet und Mutter einer kleine Tochter. Obwohl es gerade nichts zu handeln gibt, fährt sie täglich ins Kontor, um dort nach dem Rechten zu sehen und wird dort von ihrer kleinen Schwester Agnes, die sie fortan öfter ins Kontor begleitet, auf die Idee gebracht, mit ihrem Schwiegervater Handel zu betreiben. Dieser hat schliesslich eine Kaffeeplantage und wäre somit die perfekte Quelle. Nur schade, dass Frederik, der immer noch als Soldat tätig ist, und sein Vater sich vor Jahren zerstritten haben.
Mina und ihr Schwiegervater werden sich aber handelseinig und die junge Frau beginnt, das Geschäft neu aufzubauen, was ihrem kontrollsüchtigen und verschwenderisch lebenden Ehemann gar nicht gefällt.

Meine Meinung:
Auch der zweite Teil der Speicherstadt-Saga liest sich nur so weg, was sicher an der Sprache liegt (dazu unten mehr), aber auch am Aufbau. Immer wieder kommt Spannung auf, zahlreiche Konflikte innerhalb der Familie entstehen und weitere Figuren kommen hinzu, die zuerst ihren eigenen Platz in der Geschichte finden müssen. Die Geschichte wirkt trotzdem nicht überladen, was mir sehr gut gefallen hat. In Hinblick auf den dritten Teil ist schon einiges angedeutet und einzelne offene Fragen warten noch darauf, beantwortet zu werden. Trotzdem endet der zweite Band nicht komplett verzettelt, sondern mit einem passenden Meilenstein für alle Figuren. Nur leider sind die letzten paar Seiten einen grossen Zeitsprung von der restlichen Handlung entfernt und einige Dinge sind mir und vielen anderen Teilnehmer:innen der Leserunde ein wenig zu schnell aufgelöst worden. Der Weg dahin wäre spannend gewesen und dem Buch hätten einige Seiten mehr gar nicht geschadet.
Ansonsten aber hat mir der zweite Band dieser Reihe wirklich gut gefallen und die Figuren haben es mir angetan. Sie alle sind äusserst liebevoll und einfallsreich beschrieben und haben ihren ganz eigenen Charakter. Allen voran natürlich Mina. Sie steht für sich ein, führt die Geschäfte, ist immer für ihre Freunde und ihre Familie da und muss sich zudem noch gegen ihren unnützen Ehemann behaupten. Aber auch ihre Grossmutter Hiltrud, die in diesem Band eine grosse Entwicklung durchmacht und ihre ein wenig angestaubten Prinzipien auch einmal hintenanstellt oder Minas Pensionatsfreundin Irma, die einen noch wichtigeren Part in Irmas Leben einnimmt, sind äusserst gelungen dargestellt. Minas Schwiegervater Paul, der sich als enorm herzlicher und vernünftiger Mann und somit als komplettes Gegenteil von Frederik herausstellt, sowie zwei alte Bekannte, die ebenfalls mehr und weniger erwartet auftauchen, sorgen für ordentlich Wirbel und einige spannende und herzerwärmende Momente und Minas Schwester Agnes ist zu einer jungen Frau herangewachsen, die ebenfalls beginnt, ihren eigenen Weg zu suchen, was mich sehr gefreut hat.

Sprache:
Auch schon im ersten Band habe ich den Fluss der Sprache gelobt. Das hat mir auch in "Der Glanz der neuen Zeit" sehr gefallen und ausserdem wird auch wieder Spannung erzeugt und die Szenen zwischen Mina und Frederik haben nicht nur mir Bauchschmerzen und grösstes Unwohlsein verursacht. So werden die verschiedensten Stimmungen eingefangen, die bei einzelnen Szenen gekonnt aufflackern gelassen werden. Nur gelingt dies nicht so konstant und andere Ereignisse, Formulierungen und Beschreibungen plätschern ein wenig gar unaufgeregt dahin. Die Sprache wirkt manchmal wie in einem typischen Wohlfühlroman, obwohl so viele nicht ganz einfache Themen behandelt werden.
Einzelne Wiederholungen, wie das omnipräsente Wort "patent" oder auch die oft wiederholte Phrase "ich traue ihm nicht weiter, als ich spucken kann", von Heiko, waren mir ein wenig zu viel des Guten. Ich denke, dass ein paar ausgewähltere Worte und passgenauere Formulierungen nicht nur dem Lesefluss sondern auch der Handlung gut getan hätten.
Ausserdem finden sich im Buch einige Aussagen, die ein wenig ins Nichts führen. Beispielsweise verspricht Mina ihrer Tochter, einen Schneemann zu bauen. Dieser wird dann gar nicht gebaut und die Geschichte geht einfach weiter. Auch geht es um Dinge, die Mina unbedingt hätte erfahren wollen, dazu hätte sie lediglich einige Briefe öffnen müssen, was sie aber nie getan hat. Es sind so kleine Details, die nicht immer etwas mit dem Fortgang der Handlung zu tun haben, aber nicht ganz schlüssig und stimmig wirken und deshalb den Eindruck vermitteln, da wäre nicht immer alles zu Ende gedacht oder ausformuliert worden.

Meine Empfehlung:
Einzelnen Abzügen in der Sprache und dem Aufbau zum Trotz ist dieser zweite Band der Reihe eine gelungene, spannende Fortsetzung, die ich gerne weiterempfehle. Vor allem deshalb, weil eine starke Protagonistin geschildert wird, die für sich einsteht und zahlreiche Hürden überwinden muss. Dies lässt tief in eine ganz andere, spannende Zeit blicken, in denen Frauen vieles vergönnt war, in der aber auch einige Umbrüche stattgefunden haben, die um so neugieriger auf den dritten Band der Reihe blicken lassen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Der Glanz der neuen Zeit
Autorin: Fenja Lüders, Jahrgang 1961, ist eine waschechte Friesin. Als Jüngste von vier Geschwistern wuchs sie auf einem Bauernhof direkt an der Nordseeküste auf. Für ihr Studium der Geschichte und Politik zog sie nach Oldenburg, wo sie bis heute mit ihrer Familie lebt. Neben dem Schreiben ist klassische Musik ihre große Leidenschaft.
Sprache: Deutsch
Paperback: 381 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinung: 30.10.2020
ISBN: 978-3-7857-2685-3

Rezension: Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe

Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe - Gilles Legardinier

Beschreibung des Verlages:
Als der Arzt Thomas Sellac erfährt, dass er eine inzwischen 20-jährige Tochter hat, fällt er aus allen Wolken. Wie soll er Emma nach so langer Zeit ein guter Vater sein? Hals über Kopf kehrt er in seine Pariser Heimat zurück und nimmt einen Posten an, den keiner haben will, um in Emmas Nähe zu leben: Er wird Direktor eines kleinen Altenheims mit nur fünf schrulligen Bewohnern und der wunderbaren Krankenschwester Pauline. Doch die älteren Herrschaften stellen sich als Glücksfall heraus – denn schnell kommen sie hinter das Geheimnis ihres liebenswürdigen Leiters und tun daraufhin ihr Möglichstes, um Vater und Tochter zu vereinen ...

Inhalt:
Er ist Arzt und arbeitet seit vielen Jahren in der Nähe von Kriegsschauplätzen und mitten in Krisengebieten auf der ganzen Welt. Seit einiger Zeit hat er in einem kleinen Tal in Kaschmir eine zweite Heimat gefunden, arbeitet dort als Dorfarzt und Vermittler und beteiligt sich aktiv am Dorfleben. Eher überraschend wird er von seinem besten Freund mit den Fotos einer jungen Frau konfrontiert, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheint und seine Tochter sein soll. Hals über Kopf reist er zurück in seine alte Heimat Paris und macht sich auf die Suche nach dieser jungen Frau und seiner damaligen grossen Liebe Céline, die er für seine Arbeit verlassen hat. Komplett überfordert mit den technologischen Neuerungen der letzten Jahre bewirbt er sich um eine Stelle als Altenheimdirektors und die gar nicht senilen Bewohner:innen des Heims stellen ihn nicht nur vor neue Herausforderungen, sondern erweisen sich auch als Lebensschule und Lebenshilfe der anderen Art.

Meine Meinung:
Schon länger ist es her, dass ich die drei anderen bei Goldmann erschienenen Bücher von Gilles Legardinier ("Julie weiss, wo die Liebe wohnt","Mademoiselle Marie hat von der Liebe genug" und "Monsier Blake und der Zauber der Liebe") verschlungen habe. Der Autor, der zuerst in der Filmbranche gearbeitet hat, hat einfach ein Händchen für charmant-schrullige Settings, die mit viel Humor, Lebensweisheit und wundervoll beschriebenen Figuren für feinfühlige und sehr romantische Unterhaltung sorgen. Man fühlt sich mitten in eine romantische Komödie aus Frankreich versetzt und kann abtauchen in eine Welt, in der die Menschen zueinander finden und sich gegenseitig Steine aus dem Weg räumen. 
Dieses Buch ist nicht anders und obwohl sich alles einigermassen vorsehbar entwickelt (aber wann nicht in diesem Genre), hat mich vor allem der Humor sehr gut unterhalten. Die Szenen, wie die Bewohner:innen des Altersheim versuchen, ihre Bleibe zu retten und der Inspektorin vorgaukeln, zu krank zu sein, um umgesiedelt zu werden, sind auch einfach zu herrlich. Aber immer mal wieder erklingen auch leise und poetische Töne und gerade die Szenen, in denen Thomas sich um seine Tochter Emma sorgt oder ihrem Freund hilft, sie erneut zu erobern, sind herzerwärmend und sehr berührend gestaltet.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man ein wenig in der Stimmung für diese Art von Literatur sein muss, aber für mich war das gerade eine perfekte, unterhaltsame, tiefsinnige und intelligente Lektüre fürs Herz.
   

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist wie spezielle Praline. Zartbitter, sehr süss und vielleicht hat es sogar eine salzige Note. Es unterhält bestens, portraitiert liebevoll sehr schrullige, aber liebenswerte Menschen und erwärmt von innen heraus den Körper und die Seele. Von mir gibt es für diese romantische Komödie eine sehr herzliche Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos:
Titel: Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe
Originaltitel: Quelqu'un pour qui trembler
Autor: Gilles Legardinier wurde 1965 in Paris geboren und arbeitete lange Jahre in der Kinobranche. Mit seinen weisen, zauberhaften romantischen Komödien feiert er in Frankreich sensationelle Erfolge und sorgt auch international für Begeisterung. Sein Debüt „Julie weiß, wo die Liebe wohnt“ war 2013 das erfolgreichste Taschenbuch in Frankreich.
Sprache: Deutsch
Aus dem Französischen von: Doris Heinemann
Taschenbuch: 448 Seiten
Ersterscheinung: 20.03.2017
ISBN: 9783442485314

Rezension: Ich bin Linus

Ich bin Linus, wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war - Linus Giese

Beschreibung des Verlages:
Ein Satz, der wie eine Selbstverständlichkeit klingt – «Ich bin Linus» –, doch er teilt sein Leben in ein Davor und Danach. Auf beeindruckende Weise erzählt Linus Giese, warum er einunddreißig Jahre alt werden musste, um laut auszusprechen, dass er ein Mann und trans ist und warum sein Leben heute vielleicht nicht einfacher, aber sehr viel glücklicher ist.
«Wer verstehen will, welche verschlungenen Wege es manchmal sein können, auf denen sich die eigene Identität entdecken lässt, wer verstehen will, wie sich eine Person immer wieder neu finden kann, wer verstehen will, was es heißt, trans zu sein, dass das nicht nur im Singular, sondern im Plural existiert, dass es ein ganzes Spektrum gibt, wie sich als trans Person leben, denken und lieben lässt – all denen sei dieses Buch ans Herz gelegt.» (Carolin Emcke)
Eigentlich ahnt er es seit seinem sechsten Lebensjahr. Doch aus Sorge darüber, wie sein Umfeld reagieren könnte und weil ihm Begriffe wie trans, queer, nicht-binär fehlen, verschweigt Linus lange, wer er wirklich ist. Mit dem Satz «Ich bin Linus» beginnt im Sommer 2017 sein neues Leben, das endlich nicht mehr von Scham, sondern Befreiung geprägt ist. Offen erzählt Linus Giese von seiner zweiten Pubertät, euphorischen Gefühlen in der Herrenabteilung, beklemmenden Arztbesuchen, bürokratischen Hürden, Selbstzweifeln, Freundschaft und Solidarität, von der Macht der Sprache und digitaler Gewalt. Seit seinem Coming-Out engagiert sich Linus für die Rechte von trans Menschen. Vor allem im Netz, aber nicht nur dort, begegnet ihm seither immer wieder Hass. Doch Schweigen ist für ihn keine Option.
«Linus Giese erzählt seine Geschichte so offen, mutig und spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Ich sage das nicht oft, aber: Hören Sie diesem Mann zu.» (Margarete Stokowski)

Inhalt:
Manchmal sind wir uns selber ein Gefängnis. Manchmal sehen wir nicht das in uns, was andere schon lange erkannt haben. Und manchmal wissen wir nicht, dass es möglich ist, unsere tiefsten Träume und Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen und uns neu zu erschaffen. So ist es Linus ergangen. Linus, der - wie so viele von uns - von Geschlechterrollen geprägt ist. Mädchen können im Einkaufszenter zwischen Spielwaren und Kleidung in pink und lila wählen, Jungs bleiben grün und blau vorbehalten. Männer benehmen sich so, Frauen halt anders. Dass man diese Bilder aufbrechen kann, mit den Rollen und Attributen spielen darf und soll, das wird vielen von uns, die sich in ihrem - von Geburt an von der Aussenwelt zugeschriebenen - Geschlecht wohl fühlen und vielleicht sogar noch weiss und heterosexuell sind, gar nie klar. Und was es bedeutet, diesen Schritt zu wagen und sich auf die Suche nach sich selber und einem ganz neuen Frauen- oder Männerbild und den zahlreichen Kombinationen und Möglichkeiten dazwischen zu machen und dies darüber hinaus noch in die Öffentlichkeit zu tragen, können sich viele von uns nicht annähernd vorstellen. Aber Linus hat es getan. Linus ist der Mann geworden, der er schon immer war und durch die Dokumentation seines Weges in den sozialen Medien und nun auch in Buchform ist er nicht nur verletzlich und angreifbar, sondern gleichzeit und vielmehr genau das Vorbild für zahlreiche Menschen geworden, das er sich als Kind gwünscht hätte.

Über Linus:
Es freut mich sehr, dass ich Linus seit eingen Jahren von Instagram kenne und auch seinem Buchblog schon länger folgen darf. Seine Buchtipps sind Gold wert und blicken stets über den heteronormativen Tellerrand hinweg, was ich natürlich nicht nur als Pädagogin sondern einfach nur als Mensch als um so bereichernder empfinde. Sehr gerne wollte ich deshalb auch "Ich bin Linus" lesen und kann selber kaum glauben, dass ich das Buch - abgesehen von den letzten dreissig Seiten, die ich dann gestern noch gelesen habe - innerhalb eines (vollen) Arbeitstages verschlungen habe. HIER berichtet er übrigens auch über sein Leben als trans Mann, klärt auf, erzählt von Behördengängen und Anfeindungen im Netz und verlinkt und vernetzt hilfreiche Internetseiten, Beratungsstellen und Vorbilder. 

Meine Meinung:
"Ich bin Linus" ist ein positives Buch, das einen nicht ganz einfachen Weg zeigt, aber ermutigt, diesen Weg um jeden Preis zu gehen und sich dadurch selber zu befreien. Linus berichtet aber auch über unschöne Seiten seines Weges, beispielsweise über die Ablehnung, die er durch die Aussenwelt aber auch manchmal sich selber erfahren hat, die Hasskommentare, die Verfolgung und auch die Gewalt mit der trans Menschen immer noch begegnet wird. Dies hat mich tief berührt und sprachlos gemacht und bei den Seiten, in denen Linus über sein Datingverhalten spricht, wollte ich ihn einfach nur in den Arm nehmen und sagen "du bist gut, du bist genug, du hast alles Glück und alle Liebe der Welt verdient".
Sehr informativ werden ausserdem Behördengänge, medizinische Möglichkeiten und Tipps und Tricks für den Alltag beschrieben. Was sich an Regeln und Gesetzen so absurd und skurril liest, ist für zahlreiche Menschen, die sich mitten in ihrer körperlichen und/oder sozialen Transition befinden, bittere und alltägliche Realität. Diese Diskriminierung muss wirklich ein Ende haben. Ist es denn so schwierig, Menschen in ihrem eigenen Werden und Sein zu unterstützen? Linus macht es uns besonders einfach (was zusätzlich zum packenden Stil für diese Lektüre spricht): er liefert praktische Tipps, wie man sich sprachlich richtig ausdrücken, für trans Menschen einen sicheren Hafen schaffen und sie auf ihrem Weg unterstützen kann. Ausserdem finden sich im Anhang noch weiterführende Buchtipps.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch zeigt auf, was es bedeutet, in Deutschland trans zu sein. Was es bedeutet, einen so grossen und wichtigen Schritt auf sich selber zuzugehen und wie sehr Intoleranz und Diskriminierung im sich selbt als fortschrittlich bezeichnenden Westeuropa immer noch unsere Sprache, eine medizinische Routinekontrolle, unsere öffentlichen Gebäude, unser Verhalten und unsere Denkmuster prägen. Abgesehen davon, dass Linus ein wundervoller Mensch ist und dass es sich lohnt, ihm zuzuhören (egal, über was er spricht), hilft dieses Buch auch, sich alltäglichen Denk- und Verhaltensmuster bewusst zu werden und diese aufzubrechen, um Raum für mehr Akzeptanz und Sicherheit zu schaffen. Schaut dazu auch unbedingt HIER vorbei.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ich bin Linus
Autor: Linus Giese ist studierter Germanist und arbeitet seit November 2017 als Blogger, Journalist und Buchhändler in Berlin. Auf buzzaldrins.de schreibt er über Bücher und auf ichbinslinus.de über seine Transition, zudem hat er mehrere Texte für den Tagesspiegel, die taz und das Onlinemagazin VICE veröffentlicht. Twitter: 10.800 Follower*innen.
Paperback: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt
Erscheinungstermin: 18.08.2020
ISBN: 978-3-499-00312-7

Mein SuB kommt zu Wort, 20.10.2020

 "Mein SuB kommt zu Wort"
Hallo ihr Lieben
Geht es euch gut? Ich geniesse das Herbstwetter ja sehr und werde mich nachher wieder in mein Musikzimmer mit Blick auf einen wunderschön verfärbten Baum zurückziehen. Aber zuerst einmal sind wir heute nach einer kurzen Pause wieder bei Annas SuB-Aktion dabei. Und nun lasse ich SuBrina an die Tastatur und mache mich sicher heute Abend und in der kommenden Woche noch einmal ans Stöbern (wer noch auf Antworten usw. von mir wartet, eigentlich hätte ich am Wochenende schon stöbern wollen, aber ich lese gerade einfach so viel und möchte deshalb nichts versprechen, bitte habt ein wenig Geduld).
 
Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hey ihr Lieben, bei mir gibt es gerade ein grosses Auf und Ab. Mein Frauchen hat mich stark zulegen lassen (das fühlte sich plötzlich unbequem eng an, weil mein Platz durch das Umstellen des Bücherregals vor einem Monat ein wenig geschrumpft ist) und nun liest sie alles weg und verschafft mir wieder ein wenig Luft. In Zahlen ausgedrückt wiege ich gerade 116 Bücher. Bei meiner letzten Teilnahme im Juli waren das noch 138 Bücher.

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Livia hat erst gerade "Die Ladenhüterin" von Sayana Murata, "Ich bin Linus" von Linus Giese und "Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe" von Gilles Legardinier gekauft und zwei dieser Bücher bereits gelesen. Eine Rezension ist gerade erschienen, eine Rezension erscheint morgen und "Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe" wird mein Frauchen in den nächsten Tagen lesen. Ich hoffe, sie kann ihr Lesetempo beibehalten, dann gewinne ich gleich noch ein wenig mehr Platz :-)
 
Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Zuletzt gelesen wurde dann gleich einer der drei Neuzugänge und zwar "Ich bin Linus". Dieses grandiose Buch hat mein Frauchen heute beendet und die Rezension wird morgen online gehen. "Die Ladenhüterin" - ein weiteres Nuzugängebuch - wurde vor zwei Tagen rezensiert und mein Frauchen lässt ausrichten, dass ihr euch die Rezension unbedingt anschauen und euch das Buch kaufen sollt.
 
Lieber SuB, der Oktober bringt die typische Gemütlichkeit des Herbstes mit sich und damit auch Lesezeit. Somit hat dein Besitzer*In doch endlich Zeit, sich den dicken Schmökern auf deinem Stapel zu widmen. ;) Also zeig uns mal ein paar Bücher, die mehr als 500 Seiten haben.
Jaaaaa, auf die Frage freue ich mich seit einem Monat. Mein Frauchen schiebt zwei dicke Bücher seit eeeewiger Zeit vor sich her und eines der beiden Bücher - sie darf entscheiden, zu sehr möchte ich sie nicht unter Druck setzen - muss sie bis zum 20.11.20 lesen. Wie findet ihr meine Auswahl?
Und wie ergeht es euch so? Wachst ihr oder schrumpft ihr? Und wie ist das Verhältnis zu euren Besitzer*innen? Ganz entspannt oder eher belastet? ;-)
 
Alles Liebe und auf bald
SuBrina (und Livia)