Der verratene Ganove - Oliver Schlick
Reiheninfos:
1. Rory Shy, der schüchterne Detektiv (erschienen im August 2020)
2. Der Fall der roten Libelle (erschienen im Juli 2021)
3. Das Rätsel um Schloss Eichhorn (erschienen im Februar 2022)
4. Das Verschwinden der Amanda Kent (erschienen am 20.09.2022)
5. Ein Clown unter Verdacht (erschienen am 14.03.2023)
6. Die Erpressung des Soßen-Königs (erschienen am 14.03.2024)
7. Der verratene Ganove (erschienen am 12.02.2025)
8. Der geheimnisvolle Fall der Braut (erschienen am 11.03.2026)
Band 9. erscheint im Frühjahr 2027 :-D
Beschreibung des Verlages:
Ein neuer Fall für den berühmten schüchternen Detektiv und seine
13-jährige Assistentin Matilda: Diesmal braucht Polizeiwachtmeister
Schnitzel die Hilfe des Ermittler-Duos. Ein Unbekannter hat unter
falschem Namen im Gasthaus des Ortes eingecheckt und ist kurz darauf
spurlos verschwunden. Die Indizien führen zu einem Juwelenraub vor fünf
Jahren, bei dem ein Dieb geschnappt wurde und zwei Mittätern mitsamt der
Beute die Flucht gelang! Stecken die beiden hinter der Entführung? Und
unter welcher geheimen Identität haben sich die Komplizen im Auental
versteckt? Rory Shy muss alles geben und dafür sogar in einem
Lifecoaching-Seminar über seinen Schatten sprinen.
Inhalt:
In der schönen Region Auental verschwindet ein Mann spurlos und Polizeiwachtmeister Schnitzel benötigt definitiv Unterstützung bei den Ermittlungen, die alles andere als ungefährlich sind. Ausserdem werden ihnen einige Steine in den Weg gelegt und vor allem Rory wird bei den Ermittlungen nicht wenige Male so richtig auf die Probe gestellt. Stromschnellen, starker Kaffee mit überraschenden Folgen, ein Seminar und ganz viele Lügen halten ihn so gut beschäftigt, dass er vor lauter Verdächtigen den Wald kaum noch sieht. Zum Glück bringt ihn Matilda ihn aber immer wieder auf Kurs.
Meine Meinung:
Was für ein würdiger Abschluss für diesen schönen Lesemonat: ein weiterer Band der Rory Shy-Reihe, mit einem Ermittlerduo, das zwar eigentlich einen Fall aufklären soll, aber gleich so vielen Geheimnissen und Geheimniskrämereien auf die Schliche kommt (oder zu kommen glaubt...). Es wird geschossen, geraubt und betrogen, dass man sich in einem Actionfilm wähnen könnte, aber Matilda und Rory Shy können noch viel mehr, als tief ins Gaunermilieu abtauchen und sich rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen (in diesem Band wortwörtlich). Sie verfügen nämlich über eine geheime Ermittlungsmethode sowie einen (hasenfüssigen) Spürhund und überzeugen mit ihrem Grips und Humor.
Schreibstil und Aufbau:
Was habe ich mich mit diesem wunderbaren Buch amüsiert und nach zwei Dritteln wusste ich immer noch nicht, worauf alles hinauslaufen würde, so wunderbar verstrickt und spannend aufgebaut war dieser Jugendkrimi. Sind Matildas und Rorys Methoden sowie sehr viele Vorkommnisse in dieser Reihe bei Lichte betrachtet unrealistisch? Auf jeden Fall. Wäre es absolut verantwortungslos, eine Dreizehnjährige in einer so gefährlichen Mission ermitteln zu lassen? Natürlich. Schreibt aber Oliver Schlick so klug, mit (schüchternem) Charme und viel Witz, dass die immer skurrileren Fälle und Entwicklungen einfach nur Spass machen? Ja, ja, ja.
Meine Empfehlung:
Ganz ehrlich, ich bin begeistert und muss einmal mehr die Beschreibungen
der Figuren und Orte und den Einfallsreichtum dieser Serie loben. Ich
hoffe auf ganz viele weitere Fälle mit Matilda und Rory Shy und empfehle euch auch diesen Band der Reihe unbedingt weiter.
Zusätzliche Infos:
Titel: Der verratene Ganove
Autor: Oliver Schlick wurde 1964 in Neuwied/Rhein geboren. Nach Abitur und
Zivildienst studierte er Sozialarbeit an der FH Düsseldorf. Seit
mehreren Jahren ist er in der stationären Jugendhilfe und der
Flüchtlingsarbeit tätig. Oliver Schlick lebt in Düsseldorf, und wenn er
nicht schreibt, verbringt er die Zeit mit dem Sammeln von Schneekugeln
und Blechspielzeug sowie dem exzessiven Hören von »The Cure«.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 308 Seiten (nicht 320 Seiten, wie es auf der Website steht)
Verlag: Ueberreuter Verlag
Ersterscheinung:
12.02.2025
9783764152918
Rezension: Der verratene Ganove (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 7)
Rezension: Lichtungen
Lichtungen - Iris Wolff
Beschreibung des Verlages:
Als der elfjährige Lev über Wochen ans Bett gefesselt ist, wird
ausgerechnet die gescheite, aber von allen gemiedene Kato zu ihm ans
Krankenbett geschickt, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Zwischen dem
ungleichen Paar entsteht eine unverbrüchliche Verbindung, die Lev aus
seiner Versteinerung löst und den beiden Heranwachsenden im
kommunistischen Vielvölkerstaat Rumänien einen Halt bietet. Ein halbes
Leben später läuft Lev noch immer die Pfade ihrer Kindheit ab, während
Kato schon vor Jahren in den Westen aufgebrochen ist. Geblieben sind Lev
nur ihre gezeichneten Postkarten aus ganz Europa. Bis ihn eines Tages
eine Karte aus Zürich erreicht, darauf nur ein einziger Satz: »Wann
kommst du?« Kunstvoll und poetisch verwandelt Iris Wolff jenen Moment in
Sprache, wenn ein Leben ans andere rührt, und zeichnet in ihrem großen
europäischen Roman das Porträt einer berührenden Freundschaft, die sich
als Reise in die Vergangenheit offenbart und deren Leuchten noch lange
nachklingt.
Inhalt:
In diesem für den Deutschen Buchpreis 2024 nominierten Roman zäumt Iris Wolff ein Leben von hinten auf. Sie beginnt in der Gegenwart mit Kapitel neun und der gemeinsamen Heimreise von Kato und Lev, welche aus dem rumänischen Siebenbürgen stammen und seit ihrer Kindheit befreundet sind. Dann reist sie Kapitel für Kapitel der Geschichte Rumäniens entlang zurück in die Vergangenheit und in verschiedene Episoden aus Levs Leben und seiner Freundschaft mit Kato.
Meine Meinung:
Schon "Die Unschärfe der Welt" hat mich begeistert, was vor allem an Wolffs einzigartigem Schreibstil liegt, auf den man sich aber einlassen muss. Auch bei "Lichtungen" habe ich ein wenig Zeit gebraucht, um im Roman und bei den Figuren anzukommen, habe mich dann aber in einer beeindruckenden und spannenden Geschichte wiedergefunden. Dennoch hat mir "Die Unschärfe der Welt" fast noch ein wenig besser gefallen, weil es mich emotional einfach besser abholen konnte, während "Lichtungen" - vielleicht gewollt, vielleicht auch nicht - diesbezüglich eher ein wenig kühl bleibt.
Schreibstil und Aufbau:
Eine von hinten nach vorne erzählte Geschichte ist definitiv eine aussergewöhnliche Idee und von Wolff sehr geschickt umgesetzt. Sie springt zwar - auch wenn sie grundsätzlich chronologisch erzählt - trotzdem immer wieder umher, flicht Rückblenden ein und hinterlässt kleine Hinweise auf Ereignisse, die noch kommen könnten oder bereits geschehen sind, dies geschieht aber alles mit einer enormen Leichtigkeit und Finesse. Dadurch wirkt die Geschichte, als würde sie an einem grossen Tisch bei einem Familientreffen erzählt. Alle steuern noch ihre Erinnerungen und Anekdoten bei und unterbrechen sich gegenseitig mit ihren Einwürfen.
Meine Empfehlung:
Wolffs Schreibstil, die geschickte und kluge Verknüpfung ihrer Figuren mit der Geschichte Rumäniens und ganz Europa sowie ihre schriftstellerischen Kniffe und Ideen haben es in sich. Ich freue mich auf weitere Bücher dieser beeindruckenden Autorin.
Zusätzliche Infos:
Titel: Lichtungen
Autorin: Iris Wolff, geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen. Die Autorin wurde für
ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt,
darunter mit dem Marieluise-Fleißer-Preis und dem Marie Luise
Kaschnitz-Preis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2020 der Roman »Die
Unschärfe der Welt«, der mit dem Evangelischen Buchpreis, dem
Eichendorff-Literaturpreis, dem Preis der LiteraTour Nord und
dem Solothurner Literaturpreis ausgezeichnet sowie unter die fünf
Lieblingsbücher des Deutschen als auch des Deutschschweizer Buchhandels
gewählt wurde. Die Autorin lebt in Freiburg im Breisgau.
Sprache: Deutsch
Gebunden mit Schutzumschlag: 256 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
Erscheinungstermin: 13.01.2024
ISBN: 978-3-608-98770-6
Rezension: Wie schwer wiegt ein Schatten
| Rezensionsexemplar aus dem Dumont Verlag |
Wie schwer wiegt ein Schatten - Christiane Wirtz
Beschreibung des Verlages:
Tel Aviv 2008. Nach dem Tod ihrer Großmutter steht die junge
Radiojournalistin Mia vor einem Wendepunkt. Von ihrem Sender wird sie
nach Tel Aviv geschickt. Hier lernt sie den Kameramann David kennen,
Sohn polnisch-bulgarischer Juden. Es ist Liebe auf den ersten Blick.
Doch David ist verheiratet und er hat eine Tochter, die er kurz zuvor
adoptiert hat.
Mit David stellt sich Mia langsam ihrer eigenen
Familiengeschichte, vor allem dem Verlust ihrer Mutter, der ihr als
Siebenjährige widerfuhr. Fernab der Heimat sucht Mia Antworten auf
Fragen, die sie seit ihrer Kindheit begleiten, hofft auf eine Versöhnung
mit der Vergangenheit. In dem stets bedrohten Land Israel und in der
Liebe zu einem Mann sucht sie nach ihrem Platz, um die Leerstelle, die
die Mutter hinterlassen hatte, zu schließen.
Inhalt:
In der geschichtsträchtigen und bedrohten Stadt Tel Aviv entflammt eine verbotene Liebe zwischen der aus Deutschland angereisten Journalistin Mia und dem einheimischen David. Denn David ist verheiratet und Vater einer Adoptivtochter. Als Mia Ruth ausfindig macht, eine damalige Freundin ihrer verstorbenen Mutter, wird sie mit Wahrheiten und Schicksalen aus ihrer Familiengeschichte konfrontiert, denen sie bisher ausgewichen ist.
Meine Meinung:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren habe ich mich mit einem Buch aus einem meiner liebsten Verlage schwer getan. Die ersten paar Kapitel wirken durch den überladenen Schreibstil, der innerhalb von kürzester Zeit enorm viele Personen, Schicksale, Orte, Beschreibungen und historische Hintergründe kombiniert, sehr, sehr zäh. Ich weiss nicht, ob ich weitergelesen hätte, wenn dieses Buch kein Rezensionsexemplar gewesen wäre.
Doch dann trifft die Protagonistin Mia auf Ruth, welche sie sofort herzlich bei sich aufnimmt und bereit ist, mit ihr gemeinsam in viele schöne aber auch sehr schmerzliche Kapitel ihrer Vergangenheit zu reisen. In Ruth findet sie eine mütterliche Freundin und beginnt, viele Erinnerungen und Geschichten aus ihrer Kindheit zu verstehen.
Gleichzeitig wird die ausweglos wirkende Liebesgeschichte zwischen Mia und David sehr realistisch beschrieben und es hat mir sehr gut gefallen, wie zwiegespalten Mia sich gegenüber dieser komplizierten Affäre verhält.
Auch habe ich nach einigen Kapiteln begonnen, mich vor allem auf Mias Familiengeschichte und ihre Liebe zu konzentrieren und habe dabei eine immer grössere Sogwirkung erlebt. Denn auch wenn dieses Buch vor allem am Anfang so wirkt, als würde es dabei helfen wollen, den Nahost-Konflikt besser zu verstehen, so bietet es vielmehr einen einfühlsamen Einblick in das Leben israelischer Juden. In ihre Ängste und Sorgen, ihr Freud und Leid. Und nicht zuletzt deshalb ist das Buch einfach ein ehrlicher Bericht über diese gebeutelte Region. Es weiss nämlich, dass es nicht mit Hetze oder Parolen lösen kann, was seit so vielen Jahrzehnten im Argen liegt, es zeigt einfach auf, wie ein Alltag in einem bedrohten Land aussehen kann.
Fazit:
"Wie schwer wiegt ein Schatten" hat es mir vor allem am Anfang nicht einfach gemacht. Wer aber über ein wenig Sitzfleisch und vor allem Offenheit für menschliche Schicksale verfügt, findet in diesem Buch eine berührende Familiengeschichte und eine abenteuerliche Romanze.
Zusätzliche Infos:
Titel: Wie schwer wiegt ein Schatten
Autorin: CHRISTIANE WIRTZ, 1970 geboren, studierte Rechtswissenschaften in
Berlin. Sie arbeitete als Journalistin für die Süddeutsche Zeitung und
den Deutschlandfunk. Als freie Journalistin war sie ein Jahr in Tel Aviv
tätig. 2014–2016 war sie stellvertretende Sprecherin der
Bundesregierung. Danach wechselte sie als Staatssekretärin ins
Bundesjustizministerium. Seit 2020 ist sie wieder freie Journalistin und
Autorin. Christiane Wirtz lebt in Berlin. www.christiane-wirtz.de
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 288 Seiten
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 11.03.2025
ISBN: 978-3-7558-0021-7
Rezension: Prima Aussicht
Prima Aussicht - Judith Poznan
Beschreibung des Verlages:
Als ihr Freund Judith eröffnet, kein zweites Kind zu wollen, ist das ein
Schock. Müssen sie nicht zu viert sein, um eine »richtige« Familie
abzugeben? Die Entscheidung ihres Freundes stürzt Judith in eine
Lebenskrise. Doch Rettung naht: Eine Freundin erzählt ihr von einem
Campingplatz in Brandenburg; ein ehemaliger Kiestagebau, der in der DDR
als Feriendomizil von Bauarbeitern genutzt wurde und heute eine Idylle
mit viel Grün drum herum und See in der Nähe ist. Was könnte besser
sein, um ihren Sohn doch noch vor einer traumatischen Kindheit zu
bewahren? Sie müssen spießig werden! Also kauft Judith kurzerhand einen
Wohnwagen, und die Campinganlage bekommt drei neue Bewohner …
Mit
Sinn für Komik, voller Gefühl und auch Schmerz erzählt Judith Poznan von
einem Sommer zwischen Beziehungsproblemen und Farbeimern. Sie
reflektiert das Fragile und zugleich Fordernde, das Familie ausmacht.
Ihre Sorgen und Ängste als junge Mutter sind dabei ebenso Thema wie ihr
Wunsch, Schriftstellerin zu sein, und die Frage, was eigentlich ihre
Herkunft aus dem Ostberlin der Vor- und Nachwendezeit mit ihrer oftmals
zerrissenen Gegenwart zu tun hat.
Inhalt:
Auf nicht einmal zweihundert Seiten erzählt Judith Poznan vom Wunsch nach einem zweiten Kind, der von ihrem Partner nicht erwidert wird, vom Plan, endlich ein Buch zu veröffentlichen und vom Sommer auf einem Campingplatz in einem verdächtig riechenden, definitiv nicht mehr ganz neuen Wohnwagen. Schonungslos ehrlich erzählt sie aus dem Leben, vom Träumen und Lieben und sich Verlieren.
Meine Meinung:
Seit Jahren folge ich Judith Poznan bei Instagram, lese ihre Texte und Artikel und habe mich riesig auf dieses Buch gefreut. Ich bin begeistert und sinniere immer noch der Geschichte nach, die so tragisch-komisch und traurig-schön daherkommt und auf wenigen Seiten ganz viel Leben erzählt. Poznans Sprache war mir schon ganz vertraut und hat mich sofort an die Hand genommen und durch die unterschiedlichen Facetten ihrer Geschichte geführt. Und ich bin selber auch ein wenig in Erinnerungen geschwelgt, hatten meine Eltern doch früher auch einen Wohnwagen, mit dem wir vor allem (aber nicht nur) Italien bereist haben.
Schreibstil und Aufbau:
Poznan schafft es, den Schmerz, in der Liebe enttäuscht zu werden, das Gefühl, vor lauter unerfüllten Wünschen nicht mehr zu wissen, wohin mit sich und auch die Freude über kleine Errungenschaften, Begegnungen und Menschlichkeiten wunderbar zart und berührend in Worte zu fassen. Ihr erstes Buch ist eine Gefühlsachterbahn, aber dabei sehr unaufgeregt und es hat mir sehr gut gefallen, wie Poznan in ihrer Geschichte auch immer wieder Raum lässt für musikalische Grössen, bekannte Schriftstellerinnen und historische Figuren, die es ihr angetan haben.
Meine Empfehlung:
"Prima Aussicht" ist ein Buch der leisen Töne und erzählt doch so eine grosse Geschichte. Es ist ein wahres Lesevergnügen, das sich nur ungern wieder aus der Hand legen lässt.
Zusätzliche Infos:
Titel: Prima Aussicht
Autorin: JUDITH POZNAN wurde 1986 in Berlin-Lichtenberg geboren. Nach ihrer
Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie an der Freien Universität
Berlin Literaturwissenschaften und Publizistik. Sie schreibt regelmäßig
für ZEIT ONLINE, die BERLINER ZEITUNG und SPIEGEL ONLINE. Mit ihrem
Instagram-Account (@judith_poznan) erreicht sie täglich Tausende
Follower. Bei DuMont erschien 2021 ihr Debüt ›Prima Aussicht‹.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 19.07.2022
ISBN: 978-3-8321-6658-8
Rezension: Man kann auch in die Höhe fallen
Man kann auch in die Höhe fallen - Joachim Meyerhoff
Beschreibung des Verlages:
Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen
wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder
Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt
an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und
Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer.
Auf der
Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes ereignet sich ein Zwischenfall,
der keinen Zweifel daran lässt, dass es so nicht weitergehen kann. Der
Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter aufs Land, die auf
einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes
Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen,
aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn
klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt seinen
Theaterroman und andere Geschichten zu schreiben und findet allmählich
heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet
haben.
Inhalt:
Der Schock nach seinem Schlaganfall sitzt immer noch tief und gleichzeitig erholt sich Joachim Meyerhoff auch nur schwer von einem anstrengenden Umzug und hadert mit seiner Arbeit als Schauspieler und Autor. Als ausgerechnet bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes alle Dämme brechen, muss er Abstand zwischen sich und seinen Alltag bringen und zieht zu seiner Mutter aufs Land.
Meine Meinung:
Dieser Roman war mein erstes Buch von Joachim Meyerhoff, obwohl ich eigentlich schon so lange einmal etwas von ihm lesen wollte und ich habe mich sofort in der mitten aus dem Leben gegriffenen Sprache verloren. Die humorvollen, berührenden und oft überraschenden Texte erweckten dein Eindruck, als würde der Autor neben mir sitzen und mir bei einem guten Glas Wein aus seinem Leben erzählen und seinen Geschichten habe ich von Herzen gerne "gelauscht", auch wenn sich darin immer wieder kleinere Längen finden.
Das Buch ist zwar eine Art loser Abschluss seiner "Alle Toten fliegen hoch"-Reihe, aber dieser persönliche Einblick in sein Leben, der wohl ein wenig auch abschliesst, mit vielem, was er hinter sich lassen will und muss und hoffentlich endlich auch kann, funktioniert ganz sicher auch unabhängig. Dennoch freue ich mich schon auf die ersten fünf Bände, die ich mir bald ausleihen und lesen darf.
Schreibstil und Aufbau:
In kurzen Kapiteln schreibt Meyerhoff vom Ankommen und zur Ruhe kommen auf
dem Land. Von der täglichen harten Arbeit in ihrem riesigen Garten am Meer, von
langen Gesprächen mit Whisky am Strand, von Erinnerungen, von Lesungen,
vom Leben am Theater und immer wieder vom Alltag mit seiner Mutter. Es
sind Geschichten aus ihrem gemeinsamen Leben, aus seiner Kindheit und
Jugend, die ihn stets liebevoll auf seine selbstständige, unbeirrbare Mutter,
auf seine aufbrausende, anpackende Mutter, auf seine verletzliche und eigensinnige Mutter blicken lassen. Mit jeder Geschichte wird eine neue
Facette seines Lebens und Werdens beleuchtet.
Die autobiografischen Texte werden zu Hommagen an längst verstorbene Theaterkollegen, humorvolle Abenteuer am Rande des eigenen Wahnsinns, nachdenkliche Rückblicke auf ein nicht immer einfaches Leben, auf tragische Verluste und herausfordernde Familiensituationen und zu sehr berührenden, zärtlichen Blicken auf die älter werdende Mutter, die immer wieder zum sicheren Hafen des Erzählers wird.
Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich begeistert und tief berührt und ich bin froh, dass noch viele weitere Texte des Autors darauf warten, von mir entdeckt zu werden.
Zusätzliche Infos:
Titel: Man kann auch in die Höhe fallen
Autor: Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar,
aufgewachsen in Schleswig, hat als Schauspieler an verschiedenen
Theatern gespielt, unter anderem am Burgtheater in Wien, am
Schauspielhaus in Hamburg, an der Berliner Schaubühne und den Münchner
Kammerspielen. Dreimal wurde er für seine Arbeit zum Schauspieler des
Jahres gewählt. 2011 begann er mit der Veröffentlichung seines
mehrteiligen Zyklus »Alle Toten fliegen hoch«. Seine Romane wurden mit
zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2024 mit dem Kasseler
Literaturpreis für grotesken Humor.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 368 Seiten
Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin: 07.11.2024
ISBN: 978-3-462-00699-5

