Rezension: Schäfchen im Trockenen

Schäfchen im Trockenen - Anke Stelling

Beschreibung des Verlages:
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Und Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. 

Inhalt:
Resi rechnet ab. Mit ihren vermeintlichen Freunden, welche sich stets über ihren Status, ihre Kinder und den Beruf definieren, mit dem Patriarchat, der Gesellschaft und ihren Eltern. Sie ist wütend, sie ist verbittert, aber im Grunde genommen hat sie recht und möchte ihren Kindern ein besserer Elternteil sein, als ihre Eltern es damals waren, möchte ehrlich sein, aufklären und die nächste Generation auf das Leben im Haifischbecken vorbereiten. Dies geschieht weniger "schonungslos ehrlich" und "bissig", aber deutlich unterhaltsamer und vielschichtiger als erwartet.

Meine Meinung:
Über dieses Buch habe ich bereits zahlreiche Dinge gelesen. Anscheinend trifft es so gar nicht jeden Geschmack und scheint einigen auch zu provokativ zu sein. Dies war in meinen Augen gar nicht der Fall. Vielmehr liest es sich sehr unterhaltsam und entzaubert ein wenig das stark romantisierte Bild des klassischen Familienmodells (und generell des Gründens von Familien), sowie des Anhäufens von Reichtümern und beruflichem Status. Dies erscheint mir längst überfällig, zeigt sich doch immer mehr, dass weder Geld noch ein erfüllter Kinderwunsch per se glücklich machen und schon gar nicht dann, wenn man Dinge macht, "weil man sie eben so macht". Von Resi hätte ich mir aber gewünscht, dass sie noch viel klarer benennt, was genau sie stört, dass sie ihre "Freunde" und auch ihre (schrecklich verwöhnten und unglaublich faulen) Kinder und ihren (abwesenden und sich stets aus der Affäre ziehenden) Ehemann erstens früher und zweitens konkreter mit ihren Wünschen und der berechtigten Kritik konfrontiert und zweitens generell mehr Nägel mit Köpfen macht. 

Schreibstil:
Prägnant und in Tagebuchform lässt Anke Stelling ihre Protagonistin in einem kleinen Kämmerchen schreiben. Der Unmut und die Wut sind aus jedem Satz spürbar. Genau so, wie eine gewisse Ohnmacht, welche die Protagonistin anhand ihrer festgefahrenen Situation verspürt. Dies ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Was mir definitiv gefehlt hat, war das, was über eine blosse Anklage, eine Anprangerung von Missständen hinausgeht. Ein Handeln, ein Schreien, evtl. auch Taten, die sich direkt gegen einige Personen richten, respektive, die Reis dabei helfen, sich selber vermehrt ins Zentrum zu rücken und sich zu emanzipieren und sogar ein Stück weit von ihrem Umfeld zu lösen.

Meine Empfehlung:
"Schäfchen im Trockenen" ist braver, aber definitiv unterhaltsamer als erwartet und auch wenn mir ein wenig der Biss und das Überzogene gefehlt haben, empfehle ich euch das Buch sehr gerne weiter, da es zum Nachdenken anregt und auch einmal einen realistischen Blick auf die sonst oft so romantisierte Idee der Zukunftsplanung mit Haus, Hochzeit und Kindern wirft.

Zusätzliche Infos:
Titel: Schäfchen im Trockenen
Autorin: Anke Stelling, 1971 geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und wurde für ihre schriftstellerische Arbeit vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman »Bodentiefe Fenster« stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, »Schäfchen im Trockenen« erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse.
Taschenbuch, Broschur: 272 Seiten
Verlag: btb (Originalverlag: Verbrecherverlag)
Erschienen am: 9. Juni 2020
ISBN: 978-3-442-71971-6

Rezension: Das Palais muss brennen


Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Kiepenheuer&Witsch, das heute in die Buchhandlungen kommt.

Beschreibung des Verlages:
Mit Anschluss ist nicht zu rechnen.
Abgründig, rasant und mit bitterbösem Sprachwitz erzählt Mercedes Spannagel in ihrem Debütroman von der korrupten rechten Elite, die von ihrer rebellischen Brut zu Fall gebracht wird. Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs. Als diese sich ihren neunten Windhund zulegt, holt Luise einen Mops ins Palais, den sie Marx nennt. Die Waffen der präsidialen Jagdgesellschaft schmeißt sie in den Pool, das Teezimmer tapeziert sie mit Artikeln über die Verbrechen der chinesischen Regierung und als ihre Mutter sie mit einem Burschenschafter verkuppeln will, der ihr stolz den Schmiss über seiner Augenbraue zeigt, skandiert sie: »Mensur ist Menstruationsneid!«. Mit ihren Freunden streift Luise durch die Straßen Wiens und schmiedet Pläne, die Regierung zu stürzen. Eine Kunstaktion auf dem Opernball soll das Land verändern – doch es läuft nicht ganz so, wie sie es sich gedacht haben. »Das Palais muss brennen« ist eine scharfsichtige und irre komische Erzählung über den Widerstand in einer tief gespaltenen Gesellschaft. Ein furioses Debüt, mit dem ein neuer, unverwechselbarer Sound Einzug in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur hält.

Meine Meinung:
Wie sehr habe ich es geliebt, in dieses vor schwarzem Humor triefende, kritische und rasant erzählte Buch und in Luises Welt voller Widersprüche und Reichtum einzutauchen. Als Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs - von Luisa fast nie "Mutter", sondern stets "Bundespräsidentin" genannt - lebt sie im Palais, das nicht nur ihren Reichtum demonstriert, sondern auch eine Metapher für die ziemlich blasphemisch anmutende Ausgangslage dieses kritischen Romans ist.
Was Luise ihren ganzen Protestaktionen, ihrer radikalen Haltung und ihrem exzessiven Lebensstil zum Trotz nämlich nicht realisiert ist, dass sie als reiche Tochter genau so vom System profitiert und sich ihre Ausschweifungen lediglich aufgrund ihrer Privilegien erlauben kann, die sie ohne ihre prominente Mutter und deren Bankkonto gar nicht hätte. Sie lehnt sich also gegen etwas auf, von dem sie genau so Teil ist wie diese Menschen, von denen sie sich distanzieren will, was die Geschichte um so witziger und skurriler macht. Der Palais wird zum goldenen Käfig, die Systemkritik zum Ast, auf dem Luise sitzt, den sie sich aber gleichzeitig selber absägt.
Wer es dann schliesslich ist, der den Palais - auch wieder metaphorisch - zum Brennen bringt, ist letztendlich egal. Die Konsequenzen treten plötzlich und für die unfassbar naiv gebliebenen Protagonisten überraschend auf und an die Stelle des goldenen Käfigs tritt eine Ohnmacht und Ratlosigkeit, welche Luise und ihre Schwester zwingt, sich ihrem Leben bewusst zu stellen und einen eigenen Weg zu finden.

Sprache:
Mercedes Spannagel schafft es, mit wenigen Worten plakative Szenen heraufzubeschören. Ihre expliziten Formulierungen entblössen die Figuren und lassen tief in ein Leben blicken, das mit all seinen Abgründen, Exzessen und Vorteilen einer privilegierten Oberschicht vorenthalten ist. Gleichzeitig wird auch die Geschichte einer Tochter erzählt, die sich radikal von ihrer Mutter lösen will und dies auf die einzige Weise tut, welche sie kennengelernt hat: laut, schrill und kompromisslos. "Das Palais muss brennen" ist urkomisch, fesselnd und lässt dennoch ein paar leise Töne zu, welche feinfühlig eine verletzte Kinderseele und eine zerstörte Familie beleuchten und so für den spannenden Spagat zwischen intensiven Gefühlen und demonstrativ überzogenem polit-Theater sorgen. Die Sprache erinnert ausserdem ein wenig an das ebenfalls sehr empfehlenswerte Buch "Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft" von Simone Hirth.

Meine Empfehlung:
Dieses kritische, packende und atemlos erzählte Buch mit der in ihrem eigenen Palais gefangenen aber ihre Privilegien wenigstens sinnvoll nutzenden Protagonistin möchte ich euch sehr gerne ans Herz legen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Palais muss brennen
Autorin: Mercedes Spannagel, geboren 1995, studiert Maschinenbau in Wien. Sie erhielt für ihre Texte diverse Preise, u. a. 2014 Exil-Jugendliteraturpreis Wien, Rauriser Förderungspreis 2017, 1. Platz FM4 Wortlaut 2018. Teilnahme an diversen Schreibwerkstätten, zudem zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, u. a. Mosaik, LICHTUNGEN, Volltext, BELLA triste.
Sprache: Deutsch
Hardcover mit Schutzumschlag: 192 Seiten
Erscheinungstermin: 10.09.2020
ISBN: 978-3-462-05509-2

Rezension: Alte Sorten

Dieses Buch habe ich für Marias Lesekreis gelesen, schaut unbedingt einmal bei ihr vorbei.

Alte Sorten - Ewald Arenz

Beschreibung des Verlages:
Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen.
Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeit, die auf dem Hof anfällt, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine miss­trau­ischen Fragen. Liss bietet ihr an, auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat so viele Erinnerungen in mir geweckt. An den Bauernhof meiner Grossmutter und den Duft frischen Heus. Ich habe mich an die beiden heissen Sommer erinnert, in denen ich auf dem Früchtehof im Dorf meiner Eltern bei der Ernte geholfen habe. Gemeinsam mit Gastarbeiter*innen aus Tschechien und Polen bin ich stundenlang durch die Himbeersträucher und Erdbeerfelder gegangen um auch die unscheinbarste Frucht noch zu erwischen und die Blaubeerenernte war das Meditativste und zugleich Langwierigste, das ich je erlebt habe.
"Alte Sorten" hat mich aber auch an mein erstes selber gebackenes Brot, das eigene eingeweckte Apfelmus (mit dem Fallobst des Nachbarn) und den schweren, süssen Geruch, der danach wochenlang in der Küche hing, erinnert, an die erste Ernte aus meinem Balkongarten, an die Kräuter, Kartoffeln, Radieschen und Karotten, welche ich aus der dunklen Erde gezogen oder mit einer stumpfen Schere abgeschnitten und zu einem Festmahl verarbeitet habe.
Aber "Alte Sorten" weckt nicht nur Erinnerungen, sondern beschreibt auch in meditativer Andacht und mit einer respektvollen Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit die Abläufen bei der Ernte von Riesling oder Kartoffeln, beim Brennen von Schnaps und Einsammeln der Eier aus dem Hühnerstall. Es entschleunigt und lässt innehalten und es erzählt die Geschichte zweier Frauen, welche sich von der Gesellschaft nicht verstanden fühlen und deshalb auf einer ganz eigenen Flucht sind, sich aber dennoch treffen und dann in erster Linie einmal gemeinsam schweigen können. Erst nach und nach wird das Schweigen gebrochen und in zahlreichen Rückblenden und inneren Monologen fügt sich ein Puzzleteil zum nächsten, bis sich ein immer noch von Leerstellen gespicktes Ganzes ergibt. Und dies geschieht so kunstvoll und einfühlsam, dass man das Gefühl hat, mit Liss und Sally am Küchentisch zu sitzen, ihren Geschichten zu lauschen und dabei einen Tee zu trinken oder mit ihnen auf dem Feld anzupacken, schweigend aber durch die gemeinsamen Arbeitsabläufe vereint.

Sprache:
Was die beiden Frauen durchgemacht haben, ist keine leichte Kost. Welche Sorgen und Ängste mit sich tragen, kann verstören, aber auch Mut machen und Ewald Arenz schafft es, seine Protagonistinnen mit so wenigen Worten wie möglich und so vielen Worten wie nötig zu beschreiben, dass keine Formulierung zu viel, keine Beschreibung zu aufdringlich oder irgendwie deplatziert wirkt.
Ausserdem zieht sich ein ganz feinsinniger, zarter Humor durch dieses ganze Buch und eine positive Grundhaltung, die dazu einlädt, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt und Schritt für Schritt zu gehen, aber auch immer neue Chancen zu entdecken und diese beim Schopf zu packen.

Meine Empfehlung:
"Alte Sorten" ist ein kleiner Schatz und ein Buch, das ich im Herbst an ganz viele Geburtstagskinder aus meinem Freundekreis verschenken und einigen lieben Menschen unter den Christbaum legen werde. Die Sprache ist von einer poetischen Schönheit, die ihresgleichen sucht und die einfühlsam erzählte Geschichte hat mich tief berührt. Von mir gibt es eine sehr, sehr herzliche Empfehlung für dieses Buch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Alte Sorten
Autor: Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, hat englische und amerikanische Literatur und Geschichte studiert. Er arbeitet als Lehrer an einem Gymnasium in Nürnberg. Seine Romane und Theaterstücke sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe von Fürth.
Taschenbuch: 256 Seiten
Sprache: Deutsch 
Verlag: Dumont
Erscheinungstag: 21.07.2020 
ISBN: 978-3-8321-6530-7

Lese-Statistik August 2020

Hallo ihr Lieben

Bis kurz vor Ende des Monats sah mein August buchteschnisch ein wenig chaotisch aus. Ich steckte mit der Nase in sehr vielen Büchern gleichzeitig, hatte erst ein Buch beendet und rezensiert und hatte (und habe immer noch) auch endlich wieder ein wenig mehr Arbeit als noch vor drei, vier, fünf Monaten, was die Lesezeiten sowohl verlängerte (mehr und längere Zugfahrten), als auch verkürzte (schlicht und einfach weniger Zeit).
Mitte August habe ich zum ersten Mal seit März gemeinsam mit einer guten Freundin und Musikerkollegin vor einem ziemlich grossen Publikum ein Konzert unter freiem Himmel - barfuss auf einer Wiese - spielen dürfen. Uns und dem Publikum hat dies so sehr gefehlt und entsprechend herzlich fielen auch der Applaus und - nicht Hauptsache, aber doch auch um so schöner, wenn man zur Hälfte vom Unterrichten und zur Hälfte als freischaffende Musikerin lebt - der Blumenregen und die Kollekte aus.
Am Wochenende stehen drei weitere Konzerte mit meinem Trio an und ich freue mich so sehr auf das Wiedersehen mit unserem Stammpublikum und hoffentlich auch einigen neuen Fans.

Nun komme ich aber zu meinen gelesenen Büchern, denn am Ende des Monats beendete ich täglich eines der begonnenen Bücher und habe insgesamt ziemlich viele Seiten pro Buch gelesen und es war nur ein Buch dabei, welches mich nicht so ganz begeistern konnte. Aber lest selbst :-)

Meine gelesenen Bücher im August:

Gewohnt zynisch, manchmal derb aber immer auch kritisch und sehr unterhaltsam

Ein bewegendes und sehr politisches Buch über eine emanzipierte Frau, das Leben und die Liebe

Viel Selbstmitleid und eine tolle Protagonistin, die leider in den Hintergrund gerückt worden ist, schade

Ein kraftvolles, bewegendes und ausführliches Epos um die Gründung Israels

 

Alle Rezensionen und Seitenzahlen im Überblick:

Zaïda - Anne Cuneo   (561 Seiten)
Ludwig van Beethoven -  Martin Geck  (157 Seiten, keine Rezension)
Exodus - Leon Uris   (848 Seiten)

Aussortiert habe ich ausserdem:
The Autograph Man - Zadie Smith
Obwohl ich bisher dachte, sehr gut Englisch verstehen und lesen zu können, stand ich dann bei diesem Buch so oft an, dass ich nach ein wenig mehr als 100 Seiten abgebrochen habe. Gerne lese ich das Buch dann irgendwann mal noch einmal auf Deutsch. Die Geschichte klingt nämlich vielversprechend.
Mitten im Nirgendwo - Guy Krneta
"Mitten im Nirgendwo" aber hat mich so gar nicht überzeugen können. Nach ein wenig mehr als 20 Seiten habe ich abgebrochen. Die Sätze in der Dialekt- als auch in Deutschen Version waren so komisch gebastelt, dass ich gar nicht mehr wissen wollte, was noch geschehen würde.


Neu eingezogen im August:

Ja, der August hat neue Bücher gebracht. Eines davon war "Vielleicht auf einem anderen Stern". Dieses Buch war ein Rezensionsexemplar aus dem Diana-Verlag, das mich via Bloggerportal von Randomhouseerreicht hat.
 
Weitere drei Bücher habe ich mir selber gekauft. "Alte Sorten" lese ich für Marias Lesekreis und bin jetzt schon total begeistert, "Helle Tage, helle Nächte" habe ich bei Daniela vom Blog Buchvogel entdeckt und wollte das Buch dann unbedingt haben und "Schäfchen im Trockenen" lachte mich dann in der Buchhandlung auch noch an. Es liegt schon lange auf der Wunschliste und auch wenn ich es lieber im Hardcover vom "Verbrecher Verlag" gekauft hätte, griff ich zu.

Und hier noch einmal alle Zahlen:

Gelesene Bücher: 5
Abgebrochene Bücher: 2
Somit in die Leseeule: 7
Gelesene Seiten: 2'398
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 77.35 Seiten
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: 3
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 117
Aktueller SuB: 114
Differenz: -3

Rezension: Exodus

 
Exodus - Leon Uris

Beschreibung des Verlages:
Die dramatischen Ereignisse, die zur Geburt des Staates Israel führten, bilden den Rahmen für Leon Uris' brillantes Epos: Er erzählt die Geschichte einer amerikanischen Krankenschwester, eines jüdischen Freiheitskämpfers und zahlreicher weiterer Menschen, die hineingerissen werden in den Kampf eines Volkes um Freiheit und Eigenständigkeit.

Inhalt:
In diesem monumentalen Roman, der sich eng an den historischen Ereignissen rund um die Gründung des Staates Israels orientiert, werden die Schicksale verschiedener Menschen ins Zentrum gerückt. Alle diese Menschen sind fiktive, aber teilweise an historische Personen angelehnte Figuren, welche ihren Teil zur Gründung Israels beitragen, respektive den Geschehnissen kritisch gegenüberstehen.
Detaillierte Schilderungen der gekämpften Schlachten und Kriege, aber auch der generellen Geschichte des Judentums und der Vorgeschichte der im Buch behandelten Ereignisse sind nichts für schwache Nerven, aber auch sehr spannend, informativ und bewegend erzählt.
Alles beginnt mit dem Schiff "Exodus", welches 1947 rund 4'000 jüdische Flüchtingskinder nach Palästina bringen möchte und dann nimmt eine unfassbare Entwicklung ihren Lauf...

Die Aufmachung:
Diese Geschichte ist wirklich in jedem einzelnen Bereich gross angelegt. Enorm viele Menschen, unzählige Handlungsorte und historische Meilensteine sorgen für eine riesige Anzahl zu verarbeitender Informationen. Die dicht beschriebenen Seiten und langen Kapitel tragen dabei nicht unbedingt zum besseren, flüssigeren Lesen bei. Von diesem Roman wünsche ich mir deshalb eine Neuauflage - vielleicht sogar als schönes Hardcover - die nicht nur ein paar Seiten mehr hat, damit der Text besser verteilt werden kann, sondern auch einen grösseren Anhang, in dem sich ein Personenverzeichnis, einige Karten und eine Zeittafel, aber auch ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis finden.  

Meine Meinung:
Nichtsdestotrotz ist es mir mehr oder weniger gelungen, den Überblick zu behalten. Anfangs werden die wichtigsten Figuren vorgestellt, man erfährt beispielsweise die persönliche Geschichte der Krankenschwester Katherine (Kitty) Fremont, welche eigentlich nichts mit der Exodus zu tun haben wollte, sich aber vom Schicksal der jungen Karen, einem der Kinder auf der "Exodus" und ihrer späteren Assistentin, berühren lässt und fortan eine der tragenden Figuren der Handlung wird. Aber auch der junge Ari ben Kanaan, der für seinen Traum der Unabhängigkeit bereit ist, die grössten Opfer zu erbringen oder der britische Militäroffizier Bruce Sutherland, der zwar Sympathien für die Juden hat, seine militärischen Pflichten aber ausführen muss und möchte oder Dove Landau, welcher den Holocaust im Warschauer Ghetto und das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat, werden stets in die Handlung eingeflochten. Genau diese Geschichten rund um die Hauptfiguren herum haben mich oft tief berührt und das Buch noch authentischer wirken lassen. So konnten über zahlreiche Längen, welche durch das detaillierte Schildern der einzelnen Scharmützel entstehen, die oft sehr anstrengend zu lesen sind, hinweggetröstet werden. Und auch wenn dieses Buch nicht alle historischen Begebenheiten wiedergibt und wohl heute auch nicht mehr so geschrieben werden dürfte (Stichwort: politische Korrektheit), ist "Exodus" eines der bisher besten und umfassendsten Bücher rund um die Gründung Israels und die vorhergehenden Ereignisse, sowie darauffolgenden Konflikte und Kriege, die ich je gelesen habe. Besonders gut hat mir die kritische Haltung gegenüber den britischen Mächten, welche stets ihre eigenen Interessen über die Interessen der Zivilbevölkerung gestellt haben und auch die Benennung der Verfehlungen sowohl der Araber als auch der Juden aber auch der umliegenden Staaten und europäischen Ländern sehr gut gefallen und es erstaunt wohl nicht, dass dieses Buch wohl gerade deshalb in einigen Ländern des Ostblocks und der damaligen DDR auf dem Index der staatlichen Zensurbehörde gelistet war.

Meine Empfehlung:
Dieses im Jahr 1958 erschienene Buch ist manchmal anstrengend und definitiv keine leichte Kost. Es verlangt volle Konzentration, bietet aber einen enormen Mehrwert, sensibilisiert für die Geschichte einer ganzen Region, in der es immer noch zahlreiche Konflikte gibt, welche in unseren Nachrichten aber auch in der Schule nur gestreift werden und lädt zum weiteren Nachforschen und vor allem auch Nachdenken ein. Dieses Buch ist fesselnd, berührend, umfangreich und informativ, was über die kleinen Kritikpunkte hinwegsehen lässt und von mir gibt es für "Exodus" und seine wichtige, kritische und politische Botschaft eine herzliche Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos: 
Titel: Exodus
Autor: Der US-amerikanische Schriftsteller Leon M. Uris wurde am 3. August 1924 in Baltimore, Maryland geboren und verstarb am 21. Juni 2003 in Shelter Island, New York. Er begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Schreiben, zunächst als Journalist, später schrieb er Romane und Drehbücher. Mit dem 1958 erschienen Roman EXODUS wurde er auf einen Schlag weltberühmt. Der Roman wurde in 35 Sprachen übersetzt und unter der Regie von Otto Preminger verfilmt.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: H. E. Gerlach 
Taschenbuch, Broschur: 848 Seiten
Verlag: Heyne
Erschienen am:  01. Mai 1998
ISBN: 978-3-453-13834-6