Rezension: Exodus

 
Exodus - Leon Uris

Beschreibung des Verlages:
Die dramatischen Ereignisse, die zur Geburt des Staates Israel führten, bilden den Rahmen für Leon Uris' brillantes Epos: Er erzählt die Geschichte einer amerikanischen Krankenschwester, eines jüdischen Freiheitskämpfers und zahlreicher weiterer Menschen, die hineingerissen werden in den Kampf eines Volkes um Freiheit und Eigenständigkeit.

Inhalt:
In diesem monumentalen Roman, der sich eng an den historischen Ereignissen rund um die Gründung des Staates Israels orientiert, werden die Schicksale verschiedener Menschen ins Zentrum gerückt. Alle diese Menschen sind fiktive, aber teilweise an historische Personen angelehnte Figuren, welche ihren Teil zur Gründung Israels beitragen, respektive den Geschehnissen kritisch gegenüberstehen.
Detaillierte Schilderungen der gekämpften Schlachten und Kriege, aber auch der generellen Geschichte des Judentums und der Vorgeschichte der im Buch behandelten Ereignisse sind nichts für schwache Nerven, aber auch sehr spannend, informativ und bewegend erzählt.
Alles beginnt mit dem Schiff "Exodus", welches 1947 rund 4'000 jüdische Flüchtingskinder nach Palästina bringen möchte und dann nimmt eine unfassbare Entwicklung ihren Lauf...

Die Aufmachung:
Diese Geschichte ist wirklich in jedem einzelnen Bereich gross angelegt. Enorm viele Menschen, unzählige Handlungsorte und historische Meilensteine sorgen für eine riesige Anzahl zu verarbeitender Informationen. Die dicht beschriebenen Seiten und langen Kapitel tragen dabei nicht unbedingt zum besseren, flüssigeren Lesen bei. Von diesem Roman wünsche ich mir deshalb eine Neuauflage - vielleicht sogar als schönes Hardcover - die nicht nur ein paar Seiten mehr hat, damit der Text besser verteilt werden kann, sondern auch einen grösseren Anhang, in dem sich ein Personenverzeichnis, einige Karten und eine Zeittafel, aber auch ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis finden.  

Meine Meinung:
Nichtsdestotrotz ist es mir mehr oder weniger gelungen, den Überblick zu behalten. Anfangs werden die wichtigsten Figuren vorgestellt, man erfährt beispielsweise die persönliche Geschichte der Krankenschwester Katherine (Kitty) Fremont, welche eigentlich nichts mit der Exodus zu tun haben wollte, sich aber vom Schicksal der jungen Karen, einem der Kinder auf der "Exodus" und ihrer späteren Assistentin, berühren lässt und fortan eine der tragenden Figuren der Handlung wird. Aber auch der junge Ari ben Kanaan, der für seinen Traum der Unabhängigkeit bereit ist, die grössten Opfer zu erbringen oder der britische Militäroffizier Bruce Sutherland, der zwar Sympathien für die Juden hat, seine militärischen Pflichten aber ausführen muss und möchte oder Dove Landau, welcher den Holocaust im Warschauer Ghetto und das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat, werden stets in die Handlung eingeflochten. Genau diese Geschichten rund um die Hauptfiguren herum haben mich oft tief berührt und das Buch noch authentischer wirken lassen. So konnten über zahlreiche Längen, welche durch das detaillierte Schildern der einzelnen Scharmützel entstehen, die oft sehr anstrengend zu lesen sind, hinweggetröstet werden. Und auch wenn dieses Buch nicht alle historischen Begebenheiten wiedergibt und wohl heute auch nicht mehr so geschrieben werden dürfte (Stichwort: politische Korrektheit), ist "Exodus" eines der bisher besten und umfassendsten Bücher rund um die Gründung Israels und die vorhergehenden Ereignisse, sowie darauffolgenden Konflikte und Kriege, die ich je gelesen habe. Besonders gut hat mir die kritische Haltung gegenüber den britischen Mächten, welche stets ihre eigenen Interessen über die Interessen der Zivilbevölkerung gestellt haben und auch die Benennung der Verfehlungen sowohl der Araber als auch der Juden aber auch der umliegenden Staaten und europäischen Ländern sehr gut gefallen und es erstaunt wohl nicht, dass dieses Buch wohl gerade deshalb in einigen Ländern des Ostblocks und der damaligen DDR auf dem Index der staatlichen Zensurbehörde gelistet war.

Meine Empfehlung:
Dieses im Jahr 1958 erschienene Buch ist manchmal anstrengend und definitiv keine leichte Kost. Es verlangt volle Konzentration, bietet aber einen enormen Mehrwert, sensibilisiert für die Geschichte einer ganzen Region, in der es immer noch zahlreiche Konflikte gibt, welche in unseren Nachrichten aber auch in der Schule nur gestreift werden und lädt zum weiteren Nachforschen und vor allem auch Nachdenken ein. Dieses Buch ist fesselnd, berührend, umfangreich und informativ, was über die kleinen Kritikpunkte hinwegsehen lässt und von mir gibt es für "Exodus" und seine wichtige, kritische und politische Botschaft eine herzliche Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos: 
Titel: Exodus
Autor: Der US-amerikanische Schriftsteller Leon M. Uris wurde am 3. August 1924 in Baltimore, Maryland geboren und verstarb am 21. Juni 2003 in Shelter Island, New York. Er begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Schreiben, zunächst als Journalist, später schrieb er Romane und Drehbücher. Mit dem 1958 erschienen Roman EXODUS wurde er auf einen Schlag weltberühmt. Der Roman wurde in 35 Sprachen übersetzt und unter der Regie von Otto Preminger verfilmt.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: H. E. Gerlach 
Taschenbuch, Broschur: 848 Seiten
Verlag: Heyne
Erschienen am:  01. Mai 1998
ISBN: 978-3-453-13834-6

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