Rezension: Schriftsteller!

Schriftsteller! - Jessica Durlacher

Beschreibung des Verlages:
In dieser vergnüglichen, selbstironischen Erzählung schildert Jessica Durlacher die Nöte einer jungen Autorin, die sich nach ihrem gefeierten Debüt schwertut, etwas Neues zu Papier zu bringen. Sie zeigt, dass die Welt einer Frau im Rampenlicht auch ganz anders aussehen kann – vor allem, wenn ein junger Kollege meint, noch eine Rechnung mit ihr offen zu haben.

Inhalt:
"Schriftsteller!" habe ich aufgrund von Cover, Titel und natürlich Verlag aus dem offenen Bücherschrank mitgenommen. Wie sehr oft habe ich den Klappentext nicht gelesen und wusste deshalb nicht, was mich erwarten würde. Um so mehr hat mich dann das kleine Büchlein überrascht und begeistert. Jessica Durlacher gelingt es nämlich, mit viel Witz und Charme die Geschichte der Autorin Tirza Danz, die nach einem grossen Erfolg mit ihrem ersten Roman nun krampfhaft auf der Suche nach weiteren Inspirationen ist, zu erzählen. Dabei lässt Durlacher tief aber auch sehr selbstironisch in eine künstlerische Scheinwelt blicken und beginnt ihre Erzählung mitten im Leben, nach einer kläglich gescheiterten Dinnerparty. In den ersten Kapiteln erfahren wir zuerst schemenhaft und dann immer klarer, was sich an dieser Party zugetragen hat und weshalb die Protagonistin einen Groll auf gewisse Menschen und vor allem auch auf sich selber hegt. Nach und nach dröseln sich diese einzelnen Erinnerungsfäden auf und ein Gesamtbild, in dem die von Selbstzweifeln geplagte Tirza Danz sich mit einer skurrilen Interviewanfrage und einem störrischen Schüler konfrontiert sieht, während sie verzweifelt nach Worten für ihren nächsten Roman ringt, entsteht...

Lesegefühl:
Dieses Buch habe ich nur so inhaliert und auf einer Zugfahrt heute Vormittag gelesen. Die Unsicherheit der Autorin, aber auch die Absurdität der ganzen Handlung waren in jeder Zeile spürbar und obwohl teilweise sehr beklemmende Gefühle aufgekommen sind, hat mich dieses Buch in erster Linie unterhalten und immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Grandiose und sehr überzeugende Beschreibungen von Figuren, die wir alle so oder ähnlich zu kennen glauben, ein wenig überspitzte Charakterstudien der Protagonistin und ihren vermeintlichen Widersachern und vor allem auch ein paar Einblicke in die Welt der Schriftsteller machen dieses Buch zu einem mitreissenden, spannenden und kurzweiligen Lesevergnügen.

Meine Empfehlung:
Für den erfrischenden Stil, die authentische und zugleich verzweifelte als auch geniale Protagonistin und die humorvolle, mitreissende, beklemmende und irrwitzige Handlung gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung für "Schriftsteller!" von Jessica Durlacher.

Zusätzliche Infos:
Titel: Schriftsteller!
Originaltitel: Schrijvers!
Autorin: Jessica Durlacher, 1961 in Amsterdam geboren, ist mit ihren preisgekrönten Romanen ›Das Gewissen‹, ›Die Tochter‹ und ›Emoticon‹ in den Niederlanden eine Bestsellerautorin. Für ›Der Sohn‹ erhielt sie bereits den Opzij-Literaturpreis 2010 als bestes Buch des Jahres. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bloemendaal und in Kalifornien.
Sprache: Deutsch
Übersetzt aus dem Niederländischen: Hanni Ehlers
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 24. Februar 2009
ISBN: 978-3-257-23784-9

Lese-Statistik Mai 2019

 
Hallo liebe Mitsüchtigen :-)

Der Mai 2019 ist schon wieder Geschichte und abgesehen von sehr viel Arbeit und dem Entwickeln von neuen und spannenden Projekten, hat sich hier nicht sehr viel getan. Der SuB ist angestiegen, wenn auch das irgendwie nicht geplant war, war es zu erwarten. Zu verlockend ist einfach der offene Bücherschrank. Für den Juni habe ich aber ein sehr gutes Gefühl. Da nämlich wirklich viele Zugfahrten anstehen, sollte der SuB schrumpfen. Das zumindest ist der Plan. Ausserdem wollte ich heute Morgen gründlich ausmisten, nur habe ich e leider so gar nicht übers Herz gebracht... Also heisst es nun einfach lesen, lesen, lesen :-)

Diese Bücher habe ich im Mai gelesen (ein Klick aufs Bild führt zum Verlag):
 Eine bewegende und fesselnde Erzählung, welche die Beziehung zwischen Mensch und Hund thematisiert:
 https://www.piper.de/buecher/hundeherz-isbn-978-3-492-95082-4-ebook

Ein Rezensionsexemplar mit tollen Landschaften und Rezepten, Katzen und sympathischen Protagonisten:
https://www.suhrkamp.de/buecher/die_katze_im_lavendelfeld-hermien_stellmacher_36407.html

Ein märchenhaftes, skurriles und abenteuerliches Buch, das ich in einer Leserunde gelesen habe:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Kafka-am-Strand/Haruki-Murakami/btb-Taschenbuch/e154023.rhd

Ein trotz einiger Mängel überraschend überzeugendes Jugendbuch aus dem Bereich Fantasy:
 https://www.randomhouse.de/Suche.rhd?searchText=Eragon+-+Das+Verm%C3%A4chtnis+der+Drachenreiter

Ein Klassiker, dessen Figuren flach bleiben, der aber einen interessanten Einblick in die Gesellschaft bietet:
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/effi-briest-9783548234175.html
 
Alle Rezensionen im Überblick: 
Hundeherz - Kerstin Ekman   (128 Seiten)
Die Katze im Lavendelfeld - Hermien Stellmacher   (299 Seiten)
Kafka am Strand - Haruki Murakami   (640 Seiten)
Eragon, Das Vermächtnis der Drachenreiter - Christopher Paolini   (734 Seiten)
Effi Briest - Theodor Fontane   (368 Seiten)

Alle Zahlen auf einen Blick:
Gelesene Bücher: 5
Somit in die Leseeule: 5 Franken
Gelesene Seiten: 2'169 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 69.97 Seiten
SuB am Monatsbeginn: 137
Aktueller SuB: 140
Differenz: +3

Neuzugänge Mai 2019

Hallo ihr Lieben

Schon ist der Mai wieder vorbei und ich blicke zurück auf viele weitere Neuzugänge. Nach wie vor ist kein Ende in Sicht, heute schon hat mich der erste Juni-Neuzugang erreicht. Morgen Vormittag werde ich aber meinen SuB noch einmal sehr grosszügig entrümpeln, sofern ich es denn übers Herz bringe...
Ausserdem vermute ich, dass mir in den letzten Monaten auf meiner SuB-Seite irgendwann ein grösserer Fehler unterlaufen ist. Auch nachdem ich alles ausgemistet habe, trage ich nämlich immer wieder Bücher nach, die irgendwo verloren gegangen sind, weshalb auch jetzt wieder ein Anstieg zu vermelden ist... Aber auch dies wird morgen behoben, darauf freue ich mich schon :-)

Nun aber zu meinen Neuzugängen aus dem Mai (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite):
 
"Zeilen ans Meer" von Sarah Fischer ist meine erste Buchprämie, die ich mir mit meinen Prämienpunkten der Lesejury gegönnt habe. Auf den Briefroman freue ich mich schon sehr und hoffe darauf, mich in eine sommerliche Stimmung versetzen zu lassen.

 
"Ein Ja im Sommer" von Mary Kay Andrews stammt aus einem offenen Bücherschrank und musste natürlich mit, weil ich selber auf ein baldiges "Ja" (vielleicht sogar auch noch im Sommer, wenn es denn mit allen Formalitäten klappt) hoffe. So oder so bin ich aber ein riesiger Hochzeits-Junkie und liebe einfach alles, was sich um Hochzeiten, Kleider und Sommerfeste dreht. 

 
Es ist wirklich interessant, dass "Die kleine Sommerküche am Meer" von Jenny Colgan, also auch ein sommerliches Buch, ebenfalls aus dem offenen Bücherschrank kommt. Auch in den letzten Monaten hatte ich einige Bücher von da und es waren immer wieder total sommerliche Bücher dabei, was wirklich nicht an meinem Geschmack, sondern am Angebot liegt. Ob der Bücherschrank wohl diesbezüglich ein wenig thematisch eingeordnet wird? Schliesslich ist er sehr gut betreut...

https://www.piper.de/buecher/hundeherz-isbn-978-3-492-95082-4-ebook 
Weiter ist "Hundeherz" von Kerstin Ekman aus dem offenen Bücherschrank bei mir eingezogen. Diese kleine Erzählung, die ausnahmsweise mitten im Winter spielt, hat mich begeistert und berührt und meine Rezension könnt ihr HIER lesen.

https://www.suhrkamp.de/buecher/die_katze_im_lavendelfeld-hermien_stellmacher_36407.html
"Die Katze im Lavendelfeld" von Hermien Stellmacher habe ich in einer Leserunde von Lovelybooks gelesen und ist ein Rezensionsexemplar aus dem Insel-Taschenbuch-Verlag. Die wundervoll von der Autorin betreute Leserunde hat mir grosse Freude bereitet und das herrlich sommerliche Wohlfühlbuch hat von mir eine sehr positive REZENSION bekommen, schaut gerne vorbei.

Auf jeden Fall freue ich mich auf diese sehr sommerlichen Lektüren und einen sicherlich abwechslungsreichen Lesemonat Juni und hoffe nun nur noch auf die Zeit, diese Bücher (und alle weiteren, die bald hier eintreffen) auch alle zu lesen. Da aber im Juni noch einmal vier Wochen à drei bis vier Unterrichtstagen pro Woche anstehen (was elf bis fünfzehn Zugstunden entspricht) - von den weiteren Zugfahrten zu meinen Proben und Meetings will ich gar nicht erst beginnen - bin ich positiv gestimmt :-)
 
Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: 1
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: 3
Gesamte Neuzugänge: 5
SuB am Monatsbeginn: 137
Aktueller SuB: 140

Kurzrezension: Effi Briest


Effi Briest - Theodor Fontane

Beschreibung des Verlages:
Die blutjunge Effi Briest heiratet den um fast zwanzig Jahre älteren Landrat Innstetten. Mit der Ehe verkehrt sich ihre sprühende Lebenslust in bittere Einsamkeit. Alleiniger Begleiter ihres tristen Daseins ist ein Spuk, der Geist eines Chinesen im Hause Innstettens. Isoliert und verängstigt stürzt sich Effi in eine Affäre. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Meine Meinung:
Gerade noch vor wenigen Minuten habe ich auch endlich diesen Roman geschafft und bin froh, fast alle meine Mai-Leseziele erreicht zu haben. "Emma" von Jane Austen hätte ich auch noch unbedingt beenden wollen, aber das stecke ich nun nicht in den Bücherschrank (wie ich mir selber androhte), sondern beende das Buch einfach am Wochenende :-)
"Effi Briest" habe ich eigentlich nur gekauft, weil ich es in einer Klassiker-Leserunde lesen wollte. Dann stiegen nach und nach alle aus und ich war alleine, weshalb das Buch dann lange vor sich hin schlummerte. Schon anfangs hat es mich nicht sonderlich gefesselt, weshalb ich es nicht sofort beendete, sondern eher mässig motiviert nebenher las. Nun aber wollte ich das Buch endlich beenden und sehen, welch übles Ende es mit Effi nehmen würde.
Zuerst einmal kann ich sagen, dass mir das Buch keine grosse Mühen bereitet hat, was sicher auch am Glossar im Anhang liegt, der durchaus hilfreich ist in dieser Ausgabe. Ausserdem habe ich schon einige Klassiker gelesen, deren Sprache wesentlich behäbiger war. Leider jedoch ist an Tiefgründigkeit nicht allzu viel zu erkennen, die Charakter sind insgesamt eher flach, Effi einfach nur kindlich und die Handlung ein wenig zu plakativ. Fontane versteht es definitiv nicht, sich in eine junge Frau hineinzuversetzen, ihre Gedanken und Gefühle wiederzugeben und sie als Figur fassbar zu machen. Vielmehr blickt er väterlich auf die Szenerie herab und beschreibt, was sonst im gesellschaftlichen Gefüge vor sich geht. Dies allerdings ist ziemlich spannend in einer Zeit, in der man nur mit Briefen und Telegrammen kommuniziert, in der man die Meinung der Nachbarn höher gewichtet als familiäre Banden und in der man einander gegenseitig zum Tee und zu Abendgesellschaften einlädt, um Beziehungen zu pflegen und Kontakte zu knüpfen. Interessanterweise treten dabei vor allem einige besonders pointiert dargestellte Nebenfiguren hervor, die für ein wenig Unterhaltung sorgen und die eigentliche Qualität des Schriftstellers zeigen.
Auf meinem SuB liegt noch "Der Stechlin" von Fontane, so schnell werde ich mir aber einen solchen Roman, der stets zwischen dröge, unterhaltsam und aufmerksam beobachtend schwankt, nicht mehr zumuten, wenn auch ich auf den letzten 70 - 80 Seiten noch einmal positiv überrascht worden bin, vom Tempo, das Fontane gegen Ende aufgenommen und auch gehalten hat.

Fazit:
Ob ihr dieses Buch lest oder nicht, wird eure Welt nicht verändern. Wenn ihr es aber lest, könnt ihr einiges darüber erfahren, wie man sich in der eher vornehmen Gesellschaft des 19. Jahrhunderst bewegt hat und welche Konsequenzen ein Seitensprung für eine verheiratete Frau hatte. Ausserdem werdet ihr vor allem von den Nebenfiguren positiv überrascht sein und immer wieder ein paar unterhalsame Lesemomente erleben.

Zusätzliche Infos:
Titel: Effi Briest
Autor: Theodor Fontane, geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin (Brandenburg), kam 1833 nach Berlin. 1847 legte er sein Staatsexamen als Apotheker ab, arbeitete anschließend zwei Jahre in diesem Beruf, gab ihn dann aber auf, um als freier Schriftsteller tätig sein zu können. 1852 ging er als Korrespondent für die „Preußische Zeitung“ nach London. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Redakteur für die „Neue Preußische Zeitung“. Als Kriegsberichterstatter nahm er an drei Kriegen teil, danach war Fontane Theaterkritiker für die „Vossische Zeitung“. Er begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit Gedichten und Balladen, dann folgten die fünf Bände umfassenden „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Theodor Fontane war fast 60 Jahre alt, als er anfing, Romane und Erzählungen zu schreiben. Seine Romane spielen in der Mark Brandenburg und in Berlin. Theodor Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.
Heinrich Mann: „Als erster hier (in Deutschland) hat er wahrgemacht, daß ein Roman das gültige, bleibende Dokument einer Gesellschaft, eines Zeitalters sein kann; daß er soziale Erkenntnis gestalten und vermitteln, Leben und Gegenwart bewahren kann noch in einer sehr veränderten Zukunft.“
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Ullstein
Erschienen: 01.10.1997
ISBN-13: 9783548234175

Rezension: Kafka am Strand

Kafka am Strand - Haruki Murakami

Beschreibung des Verlages:
Der 15-jährige Kafka Tamura reißt von zu Hause aus und flüchtet vor einer düsteren Prophezeiung seines Vaters auf die Insel Shikoku. Seine abenteuerliche Reise führt ihn in eine fremde Stadt, wo er der faszinierenden Bibliotheksleiterin Saeki begegnet und ihr verfällt. Er macht die Bekanntschaft mit einem geheimnisvollen alten Mann, der mit Katzen sprechen kann, und gleitet ab in eine fremde, seltsame Welt. Was ist Traum, was ist Wirklichkeit? Wo endet diese Reise voller rätselhafter Begegnungen und labyrinthischer Wege?

Meine Meinung:
Wie ihr sicher gesehen habt, durfte ich "Kafka am Strand" in einer Blogleserunde lesen, die ich gemeinsam mit Janine vom Blog Meine Welt der Bücher veranstaltet habe. Mitgelesen haben noch Daniela und Melli und somit waren wir eine kunterbunte Truppe (und die Leserunde läuft noch, also schaut unbedingt vorbei).
Schon von Anfang an zeigte sich bei mir, dass ich dieses Buch, die Sprache, die Figuren und die ganze Atmosphäre sehr gerne mögen würde. Erinnert an die Leserunde zum Buch "Mister Aufziehvogel" von Murakami, startete nach wenigen Seiten das wilde Spekulieren und Abwägen und nach den einzelnen Abschnitten liess ich mich von meiner Fantasie zu den verrückstesten Ideen und Erklärungen hinreissen. Aber was war denn nun alles zu erlesen? Abschliessend kann man es vielleicht gar nicht so genau definieren. Aber ganz kurz gesagt geht es um den 15-jährigen Kafka Tamura, der sich aufmacht, um Antworten auf grosse Fragen in seinem Leben zu finden. Es geht um das Erwachsenwerden, das Entdecken von eigenen Grenzen und Möglichkeiten, um Menschen, die sich immer wieder neu erfinden, um das Sterben und den Tod, verschiedene Zugänge zur Sexualität und der Liebe und darum, wie und als was wir uns definieren. Ebenfalls spielen Katzen (leider tot und lebendig) eine grosse Rolle, sowie Mysterien, unsere Kommunikation, eine grosse Bibliothek, das Lesen an sich, Rätsel, Musik und die Welt, die wir betreten, wenn wir schlafen.
Beim Lesen flog ich nur so durch die Seiten, amüsierte mich köstlich, ekelte mich, litt und fieberte mit und staunte über so viel sprachliche Schönheit, die atmosphärischen Beschreibungen und diese ganz eigene Welt, in der Traum und Wirklichkeit mühelos verschmelzen.

Schreibstil und Handlung:
Von der ersten bis zur letzten Seite war ich gefangen in einem Sog und einer Leichtigkeit, die ich von "Mister Aufziehvogel" nicht kannte. Was war anders? "Mister Aufziehvogel" habe ich nicht in einer Übersetzung von Ursula Gräfe, sondern in einer Übersetzung aus dem Amerikanischen gelesen. Also: wenn möglich, dann lest unbedingt eine Übersetzung der Grossmeisterin Ursula Gräfe, die Murakami direkt aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzt hat. Was da nämlich an sprachlicher Möglichkeit entsteht und genutzt wird, kann man sonst gar nicht erfassen.
Schillernd, sehr leicht, wie ein Traumgebilde oder ein Märchen wird eine Geschichte aus verschiedenen Strängen gewoben. Die Geschichte um den klugen und trainierten Kafka Tamura, der sich aufmacht, um eine Prophezeiung zu erfüllen, aber auch die Geschichte um Nakata, der mit Katzen sprechen kann und sich selber als dumm bezeichnet. Es prallen Vergangenheiten und Gegenwarten aufeinander (zeitweilig fühlte ich mich an die Serie "Dark" erinnert) und immer mal wieder berühren die Fäden sich, laufen zusammen und entfernen sich wieder voneinander. In typischer Murakami-Manier werden alltägliche Handlungen bis ins kleinste Detail beschrieben und es werden Figuren immer wieder mit ganz neuen Versionen von aus den Fugen geratenen Welten konfrontiert. Dabei werden die schrägsten Metaphern konstruiert und nach und nach zeigt sich auf, wie alles zusammenhängt oder zusammenhängen könnte...
Zudem lässt sich in diesem skurrilen Roman auch einiges an Gesellschaftskritik finden. Da gibt es Passagen, in denen die Protagonisten (insbesondere Nakata, den ich sehr, sehr, sehr ins Herz geschlossen habe) über die Sinnlosigkeit des Kriegs, über die Liebe, Erinnerungen, das Verzeihen von Fehlern und das persönliche Glück philosophieren und ich habe oft einige Sätze mehrmals gelesen, weil sie einfach so schön waren.

Meine Empfehlung: 
"Kafka am Strand" hat mich berührt und begeistert und in eine ganz eigene Welt entführt, auf die man sich einlassen muss, die aber - sobald man die Logik unserer Welt gedanklich ausser Kraft setzt - mit ganz eigenen Regeln und sehr spannenden Ereignissen überzeugen kann. Neben den äusserst detaillierten und stimmungsvollen Beschreibungen von Orten und Gebäuden, sind es vor allem auch die kunstvoll kreierten Figuren, die dieses Buch so lesenswert machen. Von mir gibt es deshalb eine nach wie vor überwältigte Leseempfehlung.

Zusätzliche Infos:
Titel: Kafka am Strand
Originaltitel: Umibe no Kafuka
Autor: Haruki Murakami, geboren 1949 in Kyoto, ist der international gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Roman "Gefährliche Geliebte" entzweite das Literarische Quartett, mit "Mister Aufziehvogel" schrieb er das Kultbuch seiner Generation. Ferner hat er die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Carver ins Japanische übersetzt.
Sprache: Deutsch
Aus dem Japanischen von: Ursula Gräfe
Taschenbuch, Broschur: 640 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
Verlag: btb 
Erschienen am:  06. März 2006
ISBN: 978-3-442-73323-1