Rezension: Die Bücherfreundinnen

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Die Bücherfreundinnen - Jo Platt

Beschreibung des Verlages:
Alice, Miriam, Sophie, Connie und Abigail sind die besten Freundinnen. Sie lachen zusammen und sie lesen zusammen. Einmal im Monat trifft sich ihr Buchclub. Doch eine fehlt – Lydia. Vor drei Jahren starb sie an Krebs. Ihr letzter Wunsch an die Freundinnen: Ihr Mann sollte in den Club aufgenommen werden, seitdem ist Jon bei jedem Treffen dabei. Die Freundschaft hat allen fünf geholfen, mit dem Verlust fertigzuwerden. Nur Alice ist nicht glücklich. Eine Dating-Katastrophe jagt die nächste. Kein Mann scheint richtig zu sein für die Innenarchitektin. Ihre Freundinnen sind fest entschlossen, Alice zu ihrem Glück zu zwingen, denn sie ahnen, dass es näher liegt, als Alice sich eingestehen will.
«Die Bücherfreundinnen», der neue Roman von Jo Platt nach dem Spiegel-Bestseller «Herz über Kopf», ist ein Plädoyer für die Freundschaft und dafür, zweite Chancen im Leben zu nutzen.

Meine Meinung:
Liebe Leserinnen und Leser, ich kann mir das Wortspiel nicht verkneifen: der Name der Autorin ist in diesem Buch Programm. Komplett "platt" kommen nämlich der Handlungsverlauf und die Figuren (allen voran die Protagonistin) daher und auch wenn sich dieses Buch flüssig lesen lässt, sogar einzelne berührende Passagen darin zu finden sind und der Schreibstil manchmal wirklich äusserst humorvoll ist, reicht das leider nicht aus.  

Grundidee und Handlung:
Die Grundidee für dieses Buch ist meiner Meinung nach genial. Ein paar Freundinnen schliessen sich in jungen Jahren zu einem Buchclub zusammen und während die Zeit nicht nur sie alle, sondern auch ihre Freundschaften verändern, bleibt der Buchclub in wechselnder Besetzung bestehen. Die Mitbegründerin Lydia ist im Laufe der Jahre an Krebs erkrankt und hat den Kampf gegen die schwere Krankheit verloren, aber ihr Mann Jon nimmt mitterlweile auf ihren Rat und Wunsch hin an den Buchclubtreffen teil. Nach und nach haben auch einige andere der Frauen geheiratet oder einen Partner gefunden und auch deren Männer sind regelmässig bei den Treffen dabei. Diese Treffen dienen aber nur selten dem Austausch über Bücher (der meiner Meinung nach so oder so im ganzen Buch ein wenig zu kurz kommt), sondern vielmehr dem privaten Geplänkel. Insbesondere das Liebesleben von Alice wird dabei immer wieder unter die Lupe genommen und es fehlt nicht an Angeboten ihrer Freundinnen, sie stets mit neuen Männern zu verkuppeln, was manchmal sogar zu ziemlich amüsanten Dates und schrägen Aufeinandertreffen führt.
Viel weiter in die Tiefe geht die ganze Geschichte jedoch nicht, lediglich einige Szenen in Alices Arbeitsleben mit ihrem Chef David und ihrer Mitarbeiterin Sophie, die einer eingebildeten Auftraggeberin trotzen, sind noch ziemlich unterhaltsam gestaltet. Einige Rückblenden zeigen zudem eine Zeit, in der Lydia noch gelebt hat, eine Zeit, in der sie langsam Abschied nehmen musste und da kamen mir einige Male die Tränen, weil ich bei diesem Thema sehr sensibel bin und vor allem die Szenen des Abschieds als sehr emotional empfunden habe. Ansonsten aber bleiben die Figuren (mit einer Ausnahme) sehr flach und auch nach knapp vierhundert Seiten kann ich sie mir optisch weder vorstellen, noch möchte ich weitere Zeit mit ihnen verbringen. Schade, weil einige humorvolle Szenen und die Grundidee wirklich sehr gelungen sind.

Die Ausnahme:
Wie bereits erwähnt, ist eine Person meiner Meinung nach sehr viel vielschichtiger dargestellt, als die anderen. Dies ist Alices Vater, der - vor einigen Jahren verwitwet - dabei ist, sich ein neues Leben aufzubauen. Ein festes Band verbindet Alice mit ihm und der erlittene Verlust ihrer Mutter, also seiner Ehefrau, hat die beiden noch stärker zusammengeschweisst. Sie kümmern sich rührend umeinander und bei einem wirklich bewegenden Gespräch bei einem gemeinsamen Essen der beiden, musste ich mir einige Tränchen aus den Augenwinkeln wischen.

Alice, ach Alice:
Gerade die Protagonistin dieses Buches, die ja eigentlich so eine wichtige Figur wäre/sein könnte, hat mich leider gar nicht überzeugen können. Sie ist mir viel zu naiv, manchmal fast ein wenig dämlich und steht permanent auf dem Schlauch. Es kommt vor, dass im Freundeskreis gewitzelt wird oder dass einzelne Situationen aufkommen, die missverstänlich sein könnten (wenn man sie denn falsch verstehen möchte), und es ist immer Alice, die erst als Letzte von allen versteht, was nun eigentlich Sache ist. Fast ein wenig dümmlich kommt sie mir dabei vor und zugleich komplett verloren, als auch eigentlich sehr selbstbewusst. Zum Handlungsverlauf lässt sich dabei nur sagen: nach wenigen Seiten ist allen klar, wie dieses Buch enden muss (und wird), nur Alice kapiert es erst auf den letzten paar Seiten und das ist wirklich lächerlich...

Mein Fazit:
Es scheint so, als würde Jo Platt eigentlich alle Aspekte des schriftstellerischen Handwerks beherrschen. Sie schreibt leicht und humorvoll, hat gute Ideen und kann verschiedene Emotionen hervorrufen. Nur leider gelingt es ihr nicht, ihre Figuren vielschichtig zu gestalten und beim Handlungsaufbau versagen ihre Qualitäten leider komplett, was wirklich sehr, sehr schade ist. Definitiv keine Leseempfehlung von mir.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Bücherfreundinnen
Originaltitel: It was you
Autorin: Jo Platt wurde in Liverpool geboren und studierte Literatur. Über das ländliche Wiltshire, London und Seattle, wo sie als Lehrerin arbeitete, verschlug es sie nach St Albans, wo ihr erster Roman «Herz über Kopf» spielt, der es auf Anhieb auf die deutsche Bestsellerliste schaffte. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Bristol.
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Katharina Naumann
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 21.05.2016
h 978-3-499-26886-1

Kommentare:

  1. Liebe Livia,
    ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen! Ich habe vorhin nochmals meine alrte Rezension dazu durchgelesen:
    https://martinasbuchwelten.blogspot.com/2016/07/die-bucherfreundinnen-jo-platt.html
    Heute würde ich noch auf 2 Sterne abrunden.
    Angeblich sollen die anderen Bücher der Autorin besser sein, aber ich muss sagen ich habe keine Lust eines davon zu lesen..
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina

      Bei deiner Rezension war ich vorher schon, wir sind uns (wieder einmal) sehr einig. Schade eigentlich, die Geschichte hätte wirklich viel hergeben können. Ich denke auch nicht, dass ich so schnell wieder zu einem Buch der Autorin greifen würde. Aber wir werden sehen :-)

      Ganz liebe Grüsse dir
      Livia

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