Rezension: Der verborgene Garten

 
Der verborgene Garten - Kate Morton

Beschreibung des Verlages:
Ein verwunschener Garten, eine adlige Familie, ein dunkles Geheimnis
Als die junge Australierin Cassandra von ihrer Großmutter ein kleines Cottage an der Küste Cornwalls erbt, ahnt sie nichts von dem unheilvollen Versprechen, das zwei Freundinnen ein Jahrhundert zuvor an jenem Ort einlösten. Auf den Spuren der Vergangenheit entdeckt Cassandra ein Geheimnis, das seinen Anfang in den Gärten von Blackhurst Manor nahm und seit Generationen das Schicksal ihrer Familie bestimmt.
Blackhurst Manor, Cornwall, Anfang des 20. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihrer Eltern wächst Eliza bei ihrem Onkel auf Blackhurst Manor, dem Familienbesitz der Mountrachets, auf. Sie und ihre Cousine Rose werden schnell unzertrennlich. Um der Welt der Erwachsenen zu entfliehen, erkunden sie das geheimnisvolle Anwesen und entdecken einen verborgenen Garten mit einem Cottage – ein Ort, an den sich die fantasievolle Eliza immer wieder zurückziehen kann. Doch als die Mädchen erwachsen werden, zerbricht ihre einstige Freundschaft. Rose verliebt sich in Nathaniel, und als die beiden heiraten, zieht sich Eliza in das Cottage zurück, um sich ganz dem Schreiben von Geschichten zu widmen. So ahnt sie nicht, dass Rose zutiefst unglücklich ist, weil ihre Ehe kinderlos bleibt. In ihrer Verzweiflung bittet sie Eliza um Hilfe. Ein unheilvoller Plan wird in die Tat umgesetzt und bestimmt fortan das Schicksal der nachfolgenden Generationen …

Handlung:
In mehreren Zeitebenen wird erzählt, wie die Australierin Cassandra sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht. Der einzige Hinweis ist das Erbe ihrer Grossmutter, ein Haus an der Küste Cornwalls. Bei ihrer Reise nach Cornwall muss Cassandra sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, wie es ihre Grossmutter vor Jahrzehnten auch schon getan hat. Nur ist ihre Grossmutter damals nie dazu gekommen, ihre Suche zu Ende zu bringen. In den Rückblenden erfahren wir, wie es Nell, Cassandras Grossmutter ergangen ist und lesen ausserdem von Eliza, die als Waise mit ihrer Cousine gemeinsam aufwächst und ebenfalls in Cornwall ihr vorübergehendes Zuhause gefunden hat.

Meine Meinung:
Die ersten paar Seiten dieses Buches lasen sich meiner Meinung nach ein wenig zäh. Dann aber habe ich immer besser in die Geschichte hineingefunden und mich selber mehr und mehr auf die Lösung des Rätsels gefreut. In der Mitte fanden sich wieder einige Längen, respektive mir waren die steten Wechsel der Perspektive insgesamt ein wenig zu anstrengend, weil die gleiche (oder sehr ähnliche) Geschichte meistens aus zwei oder sogar gleich drei Sichten geschildert wurde, obwohl schon klar war, worauf das Ganze letztendlich hinauslaufen würde. Aber gegen Ende kam noch einmal Fahrt auf, einige überraschende Wendungen wurden eingestreut und ich habe die letzten Seiten wie im Flug gelesen. Besonders gut gefallen hat mir übrigens immer die Reise in die Vergangenheit und Elizas Sicht. Von diesem kleinen Wirbelwind hätte ich gerne noch mehr erfahren und sie länger durch diese Geschichte begleitet. Leider kam für mich das Ende dann ein wenig überstürzt. Über so viele Seiten hinweg wurde die Geschichte entwickelt und viel Spannung aufgebaut und am Ende war dann alles ein wenig gar schnell erledigt und aufgelöst, was meiner Meinung nach sehr schade war.
Was mir dann aber sehr gut gefallen hat, waren die eingebauten Märchen und die Geschichten, welche sich um die Autorin dieser Märchen und die Verflechtungen ihrer Erlebnisse und Erzählungen mit der restlichen Romanhandlung drehen. Das ist wirklich ausserordentlich gut gelungen und wundervoll eingebaut worden.

Schreibstil:
Die Sprache dieses Buches hat mir sehr gut gefallen und vor allem hat es Kate Morton meiner Meinung nach gut geschafft, die unterschiedlichen Lebensumstände ihrer Protagonistinnen einzufangen und die drei Frauen damit gut durch ihre jeweilige Geschichte zu begleiten. So wird auch klar, warum alles so gekommen ist, wie es wohl kommen musste und weshalb die Figuren handelten, wie sie es eben taten. Besonders schön waren übrigens die Gartenanlagen beschrieben. Sie geben dem Buch zu Recht den Titel und die Beschreibungen davon lassen romantische und verträumte Gefühle sowie eine märchenhafte Stimmung aufkommen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch hat mich trotz einiger Längen aufgrund seiner fesselnden Sprache und den wundervoll geschilderten Gärten, sowie den stimmig erzählten Hintergrundgeschichten der Protagonistinnen überzeugen können, weshalb ich es euch gerne weiterempfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel: Der verborgene Garten
Originaltitel: The Forgotten Garden
Autorin: Kate Morton, geboren 1976, wuchs im australischen Queensland auf und studierte Theaterwissenschaften in London und Englische Literatur in Brisbane. Ihre Romane erschienen weltweit in 34 Sprachen und 42 Ländern und eroberten ein Millionenpublikum. Alle Romane sind SPIEGEL-Bestseller. Kate Morton lebt mit ihrer Familie in Australien und England.
Sprache: Deutsch
Übersetzt aus dem Englischen von: Charlotte Breuer, Norbert Möllemann
Taschenbuch, Broschur: 640 Seiten
Verlag: Diana 
Erschienen am: 06. April 2010
ISBN: 978-3-453-35476-0

Neuzugänge August 2019

Ihr Lieben

Wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich es nicht lassen können: ich habe ein paar Bücher hier einziehen lassen. Bücher, die mich auf ihre ganz eigene Art für sich eingenommen und in mir so viel Sehnsucht geweckt haben, dass ich einfach zugreifen musste. Eines davon habe ich bereits gelesen, die anderen sind dann im September an der Reihe. Ich freue mich schon sehr darauf.

Diese Bücher haben mich im August erreicht:

https://www.dtv.de/buch/heinrich-boell-irisches-tagebuch-1/
Vor drei Jahren habe ich ich mich in die grüne Insel verliebt (alle Reiseberichte findet ihr HIER). Mit einer lieben Freundin war ich da und wollte so gerne bereits ein Jahr später wieder nach Irland reisen und dem Liebsten die tolle Landschaft und das Lebensgefühl näherbringen. Vieles ist in der Zwischenzeit geschehen, unsere Reise wurde immer wieder verschoben und unsere Pläne änderten sich laufend. Im November aber ist es so weit. Wir werden endlich gemeinsam nach Irland reisen. Und wir nehmen nicht nur warme Kleidung mit, sondern auch vier liebe Menschen und ein weisses Kleid... ;-) Um uns und unsere lieben Begleiter einzustimmen, habe ich drei Exemplare dieses Buches gekauft (wir alle erscheinen paarweise, also ein Buch für jeweils zwei Personen, falls jemand nachgerechnet hat) und freue mich schon sehr auf die Lektüre des "Irischen Tagebuchs" von Heinrich Böll.

Dieses Buch hat via Bloggerportal zu mir gefunden und ist ein Rezensionsexemplar aus dem Blanvalet-Verlag. Vielen herzlichen Dank für diese schöne Fortsetzung der Trilogie. Wie ihr euch sicher denken könnt, habe ich mich sehr darauf gefreut, wieder auf Diana und Matthew zu treffen und zu erfahren, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist. In "Bis ans Ende der Ewigkeit" werden familiäre Banden und die Verwandlung zu einem Vampir, sowie Marcus Vergangenheit ins Zentrum gerückt, was mir ein grosses Lesevergnügen bereitet hat und mit einer begeisterten REZENSION belohnt wurde.

Dieses Buch ist ein Rezensionsexemplar aus dem Wunderraum-Verlag, das mich via Bloggerportal erreicht hat. Auf dieses Buch und generell diesen Verlag mit dem bezaubernden Programm und den wunderschön aufgemachten Büchern bin ich dank Friedelchen aufmerksam geworden. Sie war es auch schon, die mich auf "Wenn der Rest der Welt schläft" aufmerksam gemacht hat. Dieses Buch habe ich wirklich geliebt und bin nun froh, im September ein weiteres Buch aus diesem Verlag lesen zu dürfen.

Regina W. Egger hat mich angefragt, ob ich ihr Erstlingswerk, das im Feuerwerke-Verlag erschienen ist, lesen und besprechen würde. Das Cover, die Aufmachung und die Entstehungsgeschichte sprachen für sich und deshalb freue ich mich schon sehr, euch dieses Buch am 12.9.19 vorstellen zu dürfen.


Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 3
Gekaufte Bücher: 1
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 143
Aktueller SuB: 141

Rezension: Bis ans Ende der Ewigkeit

Dieses Buch hat via Bloggerportal zu mir gefunden und ist ein Rezensionsexemplar aus dem Blanvalet-Verlag. Vielen herzlichen Dank für diese schöne Fortsetzung der Trilogie.

Bis ans Ende der Ewigkeit - Deborah Harkness

Die Trilogie (Vorgeschichte): 
1. Die Seelen der Nacht
2. Wo die Nacht beginnt
3. Das Buch der Nacht

Beschreibung des Verlages:
Eine große Liebe, die Zeit und Kontinente überwindet . . .
Aus Liebe entschließt sich die junge Phoebe, ihr sterbliches Leben hinter sich zu lassen, und Vampirin zu werden, denn Marcus, dem ihr Herz gehört, ist ein Unsterblicher. Doch alte Traditionen machen es ihnen nicht leicht – sie besagen, dass sie sich neunzig Tage nach der Verwandlung nicht sehen dürfen. Während Phoebe noch mit ihren neuen Kräften zurechtkommen muss, erinnert sich Marcus an sein Dasein als Mensch und an ein dunkles, tief verwurzeltes Geheimnis. Er weiß, dass er Phoebe davon erzählen muss, bevor sie die Ehe eingehen – doch wird ihre Liebe stark genug sein, die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen?

Inhalt und Lesegefühl:
Obwohl ich die All Souls-Trilogie schon vor einigen Jahren beendet habe, habe ich mühelos in dieses Buch hineingefunden und kann mir sogar vorstellen, dass es auch gut ohne die Trilogie verstanden und gelesen werden kann. Trotzdem ist es natürlich schön, wenn man die "Vorgeschichte" und Protagonisten bereits kennt und weiss, worauf man sich vom Stil her einlässt.
Dieses Buch ist aber nicht einfach "nur" eine Liebesgeschichte, wie der Klappentext vielleicht suggeriert. Vielmehr geht es in "Bis ans Ende der Ewigkeit" um die Verwandlung in einen Vampir und die komplizierte Zeit nach der Wiedergeburt. Es geht um Regeln und Formalitäten, Gepflogenheiten und Traditionen. Vor allem Marcus - nicht immer rühmliche, aber sehr, sehr spannende und wunderbar historisch eingebettete - Vergangenheit spielt im Buch eine grosse Rolle. Und was mir auch besonders gut gefallen hat, waren die vielen Gedanken zu den Beziehungen, die innterhalb einer Familie bestehen. Eigentlich ist das Buch sogar komplett eine Liebesgeschichte an jegliche Modelle von "Familie" und beleuchtet einfühlsam die Beziehung von Söhnen zu Vätern und Töchtern zu Müttern, die Beziehungen zwischen Brüdern und Schwestern und alle Schwierigkeiten und auch wundervollen Momente, die sich daraus ergeben können. Ich denke, dass der Schlüssel zu diesem, wahrscheinlich ziemlich zufällig entstandenen und sehr emotionalen Schwerpunkt, im Nachwort liegt.


Meine Meinung:
Wie gerne bin ich mit Marcus ins achtzehnte Jahrhundert gereist und habe miterlebt, wie Bürgerkriege und die französische Revolution, die Pockenepidemie, Cholera und Gelbfieder gewütet haben und wie die Guillotine erfunden wurde. Marcus hat als Arzt oder vielleicht eher Hilfsarzt gearbeitet und in den Lazaretten der damaligen Zeit einiges erlebt. Ich persönlich liebe es, wenn Bücher in medizinische Gefilde oder auch andere Fachgebiete abdriften und dabei detailliert sind, spannend bleiben und man beim Lesen eine fundierte Recherche der Autorin erkennen kann. Das war hier definitiv der Fall und auch wenn einzelne Schilderungen von kriegsstrategischen Schachzügen dann doch ein wenig langatmig waren, haben mich die Ausflüge in die Vergangenheit und Marcus Familiengeschichte, sowie die Geschichte seiner Verwandlung zum Vampir überzeugt und gefesselt.
Ebenfalls total unterhaltsam, manchmal schräg und witzig, manchmal verstörend, aber trotzdem einleuchtend, war Phoebes Verwandlung zur Vampirin und vor allem die beschwerliche und für sie und ihr Umfeld ziemlich gefährliche Zeit danach geschildert.
Dass ich Diana und Matthew und ihren Zwillingen, sowie dem restlichen Clan begegnet bin, hat mir besonders gut gefallen. Besonders bewundere ich ausserdem die Konsequenz, mit der Harkness auch diesen Band aus der Ich-Perspektive von Diana erzählt und somit klar macht, dass "Bis ans Ende der Ewigkeit" eine Fortsetzung der All Souls-Trilogie ist.


Schreibstil:
Ich weiss nicht, wie genau sie es jeweils macht, aber weit mehr als 500 Seiten fliegen bei Deborah Harkness nur so dahin. Die Auflüge in die Vergangenheit sind spannend, bestens recherchiert und detailgetreu erzählt, ohne vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse die Figuren aus den Augen zu verlieren. Weiter kommen ganz grosse Gefühle auf. Aber nicht nur die Romantik und Leidenschaft haben ihren Platz. Vielmehr kommen in diesem Buch diese Gefühle zum Zug, die oft ein wenig an den Rand gedrängt werden: Elternschaft, schwierige familiäre Beziehungen und die brutale Liebe, die Eltern für ihre Kinder empfinden können, aber auch der Stolz und die Grausamkeit, die mit der Bindung an eine gehobene und berüchtigte Familie einhergehen. Dies alles verpackt Harkness in eine spannende, unterhaltsame, manchmal richtig witzige, sehr erwachsene und fordernde Geschichte, die nichts mit "billiger" Vampir-/Nackenbeisser-Fantasy zu tun hat, sondern eine ganz eigene Welt erschaffen hat, in der Hexen, Dämonen, Vampire und Fabelwesen nach ihren ganz eigenen Regeln nebeneinander existieren und manchmal sogar miteinander auskommen können.


Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch dieses fesselnde, informative, unterhaltsame und sehr emotionale Buch von Herzen weiter, möchte euch aber bitten, zuerst die All-Souls-Trilogie zu lesen, die noch viel mehr eine Ode an die Wissenschaft und Forschung ist und ausserdem natürlich auch viel zu einem besseren Verstehen der Handlung beitragen kann.


Zusätzliche Infos:
Titel: Bis ans Ende der Ewigkeit
Originaltitel: Time's Convert
Autorin: Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog. Ihre »All-Souls«-Trilogie, bestehend aus den Romanen »Die Seelen der Nacht«, »Wo die Nacht beginnt« und »Das Buch der Nacht«, war ein großer internationaler Erfolg. Der erste Band ist für Sky verfilmt worden, die deutsche Fassung wird im Frühjahr 2019 ausgestrahlt. Auch die Verfilmungen von »Wo die Nacht beginnt« und »Das Buch der Nacht« sind bereits in Planung.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Christoph Göhler
Hardcover mit Schutzumschlag: 576 Seiten
Verlag: Blanvalet
Erschienen am: 22. Juli 2019
ISBN: 978-3-7645-0610-0

Kurzrezension: Mein Leben mit Mozart

 
Mein Leben mit Mozart - Eric-Emmanuel Schmitt

Beschreibung des Verlages:
»Dies etwas kann ich zwar nicht nennen, Doch fühl ich’s hier wie Feuer brennen. Soll die Empfindung Liebe sein?«
Eric-Emmanuel Schmitts Liebe zu Mozart ist unbeständig, gelegentlich schwindet sie, wird vergessen und gar verraten, nur um im geeigneten Moment noch stärker zurückzukehren. Wahre Liebe eben. Die Liebe zu einem Seelenverwandten, dem es scheinbar traumwandlerisch gelingt, Schwieriges leicht werden zu lassen, dem Tragischen seine Erdenschwere zu nehmen und auch in den düstersten Lebensphasen noch Trost zu spenden. So kann er Hilfe sein im dunkelsten Augenblick, und so rettet Mozart Schmitt das Leben. Und sein Weihnachten. Und seine Erinnerungen. Wie? Das beantwortet der gefeierte literarische Publikumsliebling ganz leicht und unbeschwert in sehr persönlichen Briefen. In Briefen, die eine Antwort sind auf die musikalischen Botschaften des verehrten Komponisten und zugleich eine lebendige, mitreißende Einführung in dessen Werk.

Meine Meinung:

Mit Mozart verbindet mich eine sehr ambivalente Beziehung. Als Musikerin begleitet er mich durch mein ganzes Leben, er ist in meinem Alltag omnipräsent und weckt wundervolle, aber auch sehr ermüdende Erinnerungen. Während vor allem sein Vokalwerk, insbesondere natürlich das Requiem und seine Opern, mit denen ich mich im Studium intensiv befasst habe, mich stets aufs Neue begeistern und berühren, langweilen mich die eigentlich grandios komponierten, aber leider viel zu oft lieblos aufgeführten Klaviersonaten und Sinfonien, die als Einheitsbrei daherkommen, zu Tode... Schmitt hat sich aber auf ganz eine andere Weise mit Mozarts Musik auseinandergesetzt und vor allem an einem sehr verzweifelten Punkt in seinem Leben zum ersten Mal den Zauber dieser grandiosen Kompositionen erlebt.
Von Liebe, Leidenschaft, dem Menschwerden und -sein, vom geschriebenen Wort und dem magischen Moment, die einer Aufführung innewohnen kann, vom Hadern, Suchen und letztendlich Finden schreibt Eric-Emmanuel Schmitt in seiner Briefesammlung "Mein Leben mit Mozart". Und er weckt damit eine Sehnsucht nach der im Buch erwähnten Musik, die hoffentlich zu einem genaueren Hinhören und Umdenken sowohl des Publikums, als auch einiger Kunstschaffender dieser Welt führen kann. Kurze und längere Briefe werden in "Mein Leben mit Mozart" direkt an den grossen Komponisten gerichtet und so erfahren wir Leserinnen und Leser einige Details, Gedanken und Gefühle aus Schmitts Leben. Diese liebevolle Mischung aus musikalischen Details, Lebensgeschichte und schriftstellerischer Glanzleistung, macht "Mein Leben mit Mozart" zu einem ganz wundervollen und aussergewöhnlichen Buch.

Meine Empfehlung:
Eric-Emmanuel Schmitt hat mit diesem Buch geschafft, was sonst nur eine wirklich brillante Aufführung einer Mozartsinfonie schaffen kann: er hat mich - zumindest für den Moment - ein wenig mit Mozart versöhnt. Von mir gibt es deshalb eine deutliche Leseempfehlung.


Zusätzliche Infos:

Titel: Mein Leben mit Mozart
Originaltitel: Ma vie avec Mozart
Autor: Eric-Emmanuel Schmitt
Sprache: Deutsch
Aus dem Französischen von: Inés Koebel 
Fester Einband mit Schutzumschlag und Lesebändchen: 144 Seiten
Verlag: Ammann Verlag
Erschienen: 2005
ISBN: 9783250600855

Rezension: Lempi, das heißt Liebe

 
Lempi, das heißt Liebe - Minna Rytisalo

Beschreibung des Verlages:
Die Geschichte einer großen tragischen Liebe im finnischen Norden – hinreißend erzählt
Der junge Bauernsohn Viljami hat sich in Lempi, die Tochter des Ladenbesitzers aus der kleinen Stadt Rovaniemi in Lappland, verliebt. Hals über Kopf heiraten sie, und Lempi, der das Landleben fremd ist, zieht zu Viljami auf den Hof. Um sie zu entlasten, stellt ihr Mann die Magd Elli ein, die insgeheim selbst gern an seiner Seite wäre. Nach einem einzigen glücklichen Sommer wird Viljami 1943 zum Kriegsdienst eingezogen. Als er zurückkehrt, ist die Stadt zerstört und Lempi verschwunden. Dass sie wie ihre Zwillingsschwester mit einem Offizier nach Deutschland gegangen sei, kann er sich nicht vorstellen. Vielschichtig, emotional und mitreißend erzählt Minna Rytisalo in ihrem Debütroman von der Liebe. 

Inhalt:
Eine zähe Traurigkeit und ein grosser Verlust prägen dieses Buch. Lempi ist verschwunden und abwechslungsweise erzählen ihr Ehemann, der Bauernsohn Viljami, ihre Magd Elli und ihre Zwillingsschwester Sisko von ihren Erinnerungen an Lempi, von gemeinsamen Erlebnissen, Enttäuschungen und Erfahrungen. Drei Stimmen sind es, die aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Viljamis Sicht ist von Liebe und Trauer geprägt, Ellis Abschnitt wird überschattet von ihrer Eifersucht auf Lempi, während Sisko sehr viel aus ihrem eigenen Leben verrät und stets mit Bewunderung und Fürsorge von ihrer Schwester spricht. Was aber klar wird: Lempi fehlt, sie kommt nicht zu Wort, ihre Geschichte zieht sich als einzige grosse Leerstelle durch das Buch und so zeigt sich, wie unterschiedlich Meinungen doch sein können, wie sehr sich Erfahrungen voneinander unterscheiden und dass ein Mensch, der verschwindet, immer eine Lücke hinterlässt, die es aufzufüllen gilt.

Meine Meinung:
Vor den Hintergründen des zweiten Weltkriegs entspinnt sich eine zarte Erzählung, die sich schwer vor Trauer und Sorge dahinschleppt. Gerade, wer sich mit der finnischen Geschichte nicht so gut auskennt, sollte übrigens unbedingt zuerst das Nachwort der Übersetzerin lesen, in der diese hilfreiche Hinweise auf die Verknüpfungen Finnlands mit der Geschichte Deutschlands und der Sowjetunion gibt. Im Roman selber finden sich nämlich zahlreiche Andeutungen und Ereignisse, die sich nach Lektüre des Nachworts auf jeden Fall besser eingliedern und erkennen lassen.
Von der Liebe Viljamis geprägt, erscheint das erste Drittel wie ein einziger grosser Schmerz, eine zerreissende Sehnsucht und Ungewissheit machen sich breit und die melancholische und auch ein wenig vergrämte Grundstimmung des ganzen Buches zeichnet sich schon ganz am Anfang ab. Ich konnte mich herrlich darin suhlen, habe das Leid und die Sehnsucht gespürt und hätte so gerne noch mehr erfahren. Ellis von Hass und Eifersucht geprägter Abschnitt hat mich dann aufgerüttelt und das Bild von Lempi ein wenig getrübt. Wer war sie? Wie war sie? Welche Einschätzungen stimmen nun? Welches Bild dieser auf jeden Fall sehr starken, spannenden und für sich einstehenden Frau kann man nach diesen Worten bilden?
Erst Siskos Abschnitt lässt erkennen, wie die Situation der finnischen Frauen zu Zeiten des zweiten Weltkriegs aussah. Vor welche Entscheidungen sie gestellt wurden, welche Optionen sie hatten, wie mit ihnen verfahren wurde. Einige hatten Glück, Sisko nicht. Und Lempi?

Meine Empfehlung:
"Lempi, das heißt Liebe" musste ich erst einmal sacken lassen. Es ist ein Buch, das scheinbar zart und leicht die grössten Gefühle weckt und keine der im Buch erzählten Geschichten ist schön. Jede Sicht ist tragisch und von einer persönlichen Unzufriedenheit und Trauer geprägt. Alle Personen, die zu Wort kommen, haben offene Rechnungen, ungestillte Sehnsüchte und traumatische Erinnerungen. Und gerade weil die drei Sichten auf Lempi so unterschiedlich sind und weil man dabei auch nebenbei noch so viel über Finnland und den zweiten Weltkrieg erfährt, ist dieses Buch enorm lesenswert. "Lempi", das ist eine poetische Sprache, das sind historische Hintergründe aber vor allem ist es eine Frau, die fehlt und deren Fehlen, respektive deren Verschwinden, eine riesige Lücke hinterlässt, die Raum für Spekulationen und Gelegenheit zur Abrechnung bietet.

Zusätzliche Infos:
Titel: Lempi, das heißt Liebe
Autorin:  Minna Rytisalo, geboren 1974 in Lappland, arbeitet als Finnischlehrerin und schreibt einen literarischen Blog. Lempi, das heißt Liebe ist ihr erster Roman und wurde von finnischen Bloggern als bester Roman 2016 mit dem Blogistania-Finlandia-Preis ausgezeichnet; außerdem erhielt Rytisalo 2017 den Botnia-Literaturpreis. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Finnischen von: Elina Kritzokat  
Fester Einband mit Schutzumschlag: 224 Seiten
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 23.07.2018  
ISBN: 978-3-446-26004-7