Lodgers - Nenad Veličković
Beschreibung der deutschen Ausgabe "Nachtgäste":
Maja ist achtzehn Jahre alt, sie sollte Besseres zu tun haben, als in
einem Keller zu sitzen und zu schreiben. Aber draussen ist Krieg,
ständig kracht es irgendwo, Granaten
regnen auf Sarajevo. Und drinnen, im Untergeschoss eines Museums, hat
sich eine Notgemeinschaft zusammengefunden, die dem Schrecken trotzt:
die vegetarische Mutter mit einem Hang zur Esoterik, die Grossmutter und
ihr eifersüchtig gehüteter Koffer, der Halbbruder und seine schwangere
Frau, die ihre Hypochondrie pflegt, der Vater als Direktor des Museums,
zwei Partisanen und der Hund Sniffy. Den Zumutungen ihrer Lage begegnet
Maja mit entwaffnendem Humor und Scharfsinn. Und sie nimmt sich auch
kein Blatt vor den Mund, wann immer ihr die Erwachsenen mit Worthülsen,
Phrasen und Vorurteilen die Welt erklären wollen.
Nenad Veličkovićs gefeierter Roman, vor dreißig Jahren erstmals
erschienen, nimmt dem Krieg jede Heroik und setzt seiner Heimatstadt
Sarajevo zugleich ein Denkmal. Es ist ansteckend komisch und tief
berührend zu sehen, wie sich aus der vermeintlich naiven, offenherzigen
Perspektive seiner Hauptfigur der Horror des Krieges in etwas
verwandelt, das uns Mut machen kann.
Information zur Ausgabe:
Das Buch ist 1995 mit dem Originaltitel "Konačari" in Sarajevo erschienen und 1997 zum ersten Mal in deutscher Sprache unter dem Titel "Logiergäste" herausgegeben worden. 2025 erschien die deutschsprachige Neuausgabe "Nachtgäste" (die von Saša Stanišić mit dem Blurb »Das ist das beste Buch über Krieg, das ich gelesen habe.« versehen worden ist, just saying...). Meine englische Ausgabe habe ich vor vielen Jahren von meinem Schwager erhalten, der das Buch im Original gelesen und für mich vergeblich nach einer - wohl damals vergriffenen - deutschen Ausgabe gesucht hatte, mittlerweile ist meine englische Ausgabe vergriffen... Weil mir die Geschichte aber so gut gefallen hat und weil ich der Meinung bin, dass ihr alle dieses Buch lesen solltet, finde ich es wichtig, euch auf "Nachtgäste" hinzuweisen.
Inhalt:
Mit achtzehn Jahren hat Maja grosse Träume und Ziele. Sie sitzt aber gerade mit ihrer Familie in einem Museum in der belagerten Stadt Sarajevo fest, während draussen der Bosnienkrieg tobt. Ihr Vater, der Museumsdirektor, hat schon lange die Kontrolle über die Situation verloren, ihr Halbbruder sorgt sich um seine schwangere Frau, ihre Mutter flüchtet sich in Halbwelten, ihre Oma beschützt einen rätselhaften Koffer, der Hund Sniffy stiftet Unruhe und zwei ebenfalls im Museum versteckte Partisanen versorgen die Gemeinschaft mal mehr, mal weniger erfolgreich mit Schmuggelware. Maja führt Tagebuch, beschreibt, was ihren Alltag ausmacht, träumt in den Nächten schlecht und zeichnet sich am Tag in Gedanken eine bessere Welt.
Meine Meinung:
Schon einige Male habe ich ein Buch gelesen, in dem die vierjährige Belagerung der Stadt Sarajevo im Bosnienkrieg eine Rolle spielt. Die Perspektive der achtzehnjährigen Maja hat mich aber besonders berührt, weil die junge Protagonistin zugleich der Kriegsrealität ins Auge blickt, sich aber auch immer wieder in ihre eigene Welt flüchtet. Zudem schafft sie es, die anderen Menschen in ihrem Versteck mit spitzer Feder zu beschreiben und deren Ängste und Sorgen gleichzeitig ernstzunehmen und auch immer wieder humorvoll zu hinterfragen. Die Schicksalsgemeinschaft lacht und trauert zusammen und der unausweichlichen Situation trotzend entstehen Wagemut, Hoffnung und immer wieder kleine und grössere Schlupflöcher.
Meine Empfehlung:
Das Buch ist eindringlich und humorvoll erzählt, schildert das Schicksal einer skurrilen Gemeinschaft mitten im Krieg, zugleich gefangen und geschützt in einem Museum mit mehr und weniger Kontakt zur Aussenwelt. Das Buch ist keine einfache Lektüre, aber ich empfehle euch die Geschichte unbedingt weiter.
Zusätzliche Infos zu meiner Ausgabe, Autorentext via Jung und Jung:
Titel: Lodgers
Originaltitel: Konačari
Autor: Nenad Veličković Zu seinen Veröffentlichungen zählen mehrere Romane und Erzählbände,
einige sind in deutscher, italienischer, ungarischer, mazedonischer,
bulgarischer, englischer, polnischer, slowakischer und slowenischer
Übersetzung erschienen. Als Initiator, Redakteur und Beiträger hat er an
zahlreichen Zeitschriften mitgewirkt, außerdem war er Mitinhaber der
Literaturwerkstatt Omnibus. Zuletzt auf Deutsch: »Der Vater meiner
Tochter« (2016).
Originalsprache: Bosnisch
Sprache: Englisch
Übersetzt von: Celia Hawkesworth
Taschenbuch: 302 Seiten
Verlag: omnibus
Erschienen: 2015
ISBN: 9958-1934-9-1
Kurzrezension: Lodgers
Rezension: Grimmbart
- Milchgeld
- Erntedank
- Seegrund
- Laienspiel
- Rauhnacht
- Schutzpatron
- Herzblut
- Grimmbart
- Himmelhorn
- Kluftinger
- Funkenmord
- Affenhitze
- Lückenbüßer
Beschreibung des Verlages:
Kluftingers neuer Fall führt ihn ins Schloss in Bad Grönenbach, wo ihn
allerlei Merkwürdiges erwartet: Die Frau des Barons wurde nicht nur
ermordet, sondern auch noch wie auf einem uralten Familienporträt
hergerichtet. Auf dem Gemälde ist ein Mann mit seltsam gelben Augen zu
sehen. Und der Baron verschwindet immer wieder im schlosseigenen
Märchenwald. Auch privat geht es bei Kluftinger märchenhaft zu: Sein
Sohn heiratet, und zur Feier haben sich die Schwiegereltern aus Japan
angesagt. Zum Glück lässt Kluftingers Intimfeind Langhammer nicht lange
auf sich warten, um dem Kommissar bei dieser kulturellen Herausforderung
zu helfen.
Inhalt:
In seinem achten Fall hat es Kommissar Kluftinger nicht nur mit einer eigenartig drapierten Leiche, rätselhaften Bildern, Märchenfiguren und einer adeligen Familie zu tun, zur Hochzeit seines Sohnes reisen auch noch dessen zukünftige Schwiegereltern aus Japan an und kommen in Kluftis Gästezimmer unter. Chaos im Hause Kluftinger ist also definitiv vorprogrammiert.
Meine Meinung:
Die unterhaltsamen und spannenden Krimis aus dem Allgäu lese ich zwischendurch sehr gerne und besonders gut gefällt mir, dass Kommissar Kluftinger sehr eigenwillig und mit dem Herz am rechten Fleck ermittelt. Obwohl es ihm oft an Feingefühl mangelt, hat er trotzdem stets zündende Ideen oder den entscheidenden Riecher in scheinbar ausweglosen Situationen.
Leider ist er sehr traditionell, lässt sich von seiner Frau gerne an allen Ecken und Enden bedienen und hat es - beruflich und privat - definitiv auch nicht mit der "Political correctness"... So erstaunt es nicht dass einige Situationen mit den japanischen Gästen haarscharf an deutlichem Rassismus vorbeischrammen und dass Klufti in Bezug auf die Hochzeit seines Sohnes nicht wirklich weiss, wie er sich zu benehmen hat, geschweige der, dass er bei den Vorbereitungen mithilft. Er schafft es aber doch immer wieder, in den wichtigen Momenten das richtige zu tun und hat mich mit seiner Hochzeitsrede sogar ziemlich berührt.
Meine Empfehlung:
Der Fall selber ist vor lauter Familientrubel ein wenig in den Hintergrund gerückt worden und hat mich diesmal generell nicht ganz überzeugt. Der Unterhaltungsfaktor macht dies allerdings wett und so habe ich das Buch dennoch sehr gerne und mit grossem Vergnügen gelesen und empfehle euch auch diesen Band weiter.
Zusätzliche Infos:
Titel: Grimmbart
Autoren: Volker Klüpfel teilt mit Kluftinger den Heimatort Altusried. Doch den
ehemaligen Journalisten hat es beruflich nach Augsburg verschlagen. Dort
lebt er nach wie vor mit seiner Familie, auch wenn ihn sein Beruf nun
nicht mehr in die Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, sondern an
seinen Autoren-Schreibtisch führt. Studiert hat Klüpfel, Jahrgang 1971,
Politik und Geschichte in Bamberg, arbeitete dann bei einer Zeitung in
den USA und vertreibt sich seine Zeit mit Sport und Theater – entweder
als Zuschauer oder als Mitspieler bei den Freilichtspielen in Altusried.
Wie Kommissar Kluftinger. Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte Germanistik
und Romanistik in Erlangen. Er arbeitete nach dem Staatsexamen an
verschiedenen Realschulen in Bayern, momentan aber ist er beurlaubt – um
sich dem Schreiben der Romane, den Shows und der Familie widmen zu
können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Allgäu.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungstermin: 24.09.2015
ISBN: ISBN: 978-3-426-51184-8
Rezension: Die letzten ihrer Art
Die letzten ihrer Art - Maja Lunde
Beschreibung des Verlages:
Drei Familien, drei Jahrhunderte und der alles entscheidende Kampf gegen das Aussterben der Arten.
Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der
Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein
Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem
Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben
der Arten. Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die
große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage:
Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?
Wie auch schon in den beiden ersten Bänden des Klima-Quartetts nimmt sich Maja Lunde der drohenden oder bereits geschehenen Klimakatastrophe an und spinnt ihre Geschichte über drei Jahrhunderte, rückt drei Familien ins Zentrum und befasst sich in diesem dritten Band der lose zusammenhängenden Reihe mit den letzten lebenden Przewalski-Pferden und dem Versuch, die Art zu erhalten.
Meine Meinung:
Lundes Bücher werden entweder geliebt oder gehasst, so scheint es zumindest, wenn man sich Rezensionen ansieht. Der selbsternannte (und natürlich komplett misogyne) Literaturguru Denis Scheck geht sogar so weit, dass er Lundes Bücher aufgrund der wiederkehrenden Thematik komplett ablehnt. Lächerlich, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich aufgrund der zugänglichen Sprache und Handlung bereits mit der auch uns drohenden Klimakatastrophe befasst haben und dies ohne Lundes Bücher vielleicht nie so gründlich getan hätten. Nur, weil eine Autorin sich stets ähnlichen Themen und einem für sie funktionierenden Erzählschema bedient, ist das noch lange kein
Qualitätsmerkmal. Oder würde jemand dem Buchpreisträger Saša Stanišić vorwerfen, dass Themen wie Herkunft, Migration und die Idee einer besseren Welt in seinen Büchern stets eine Rolle spielen und dass immer irgendwo ein Fuchs und/oder Drache in seinen Geschichten vorkommt?
Was man bei Lunde aber wirklich bemängeln kann, ist ihre kaum vorhanden Kritik Zoos und verschiedenen unter dem Deckmantel des Artenschutzes stattfindenden Expeditionen gegenüber. Ausserdem stellt sie den Wolf ganz eindimensional als "böse" dar und nimmt sich sehr viele Freiheiten in Bezug auf ihre historischen Quellen. Darauf verweist sie im detaillierten Nachwort aber transparent und am Ende bleibt auch "Die letzten einer Art" ein kurzweiliger Roman, der ein schwieriges und uns alle betreffendes Thema eindrücklich nahe bringt. Auch wenn mir insgesamt zu viele Romanzen im Spiel waren ich mich gerne noch mehr mit den Przewalski-Pfernen auseinandergesetzt hätte.
Aufbau und Sprache:
Lundes Sprache ist eher nüchtern beschreibend und wirkt trotzdem zugänglich. In jedem Kapitel und jeder der unterschiedlichen Erzählperspektiven fühlte ich mich mitten im Geschehen und das ist nicht ganz ohne. In "Die letzten ihrer Art" wird geschlachtet und es werden - aus teilweise nachvollziehbaren Gründen - wilde Tiere eingefangen und domestiziert. Wer aber Fleisch konsumiert oder Zoos besucht, sollte mit diesen Themen nicht nur bestens vertraut sein, sondern sich auch bewusst sein, dass er oder sie die geschilderten Szenen auch aktiv unterstützt.
Meine Empfehlung:
Lunde schreibt über das, was ihr am Herzen liegt; die drohende Klimakatastrophe, das Artensterben und die Menschen, welche sich gegen Hunger, Durst und Dürre behaupten. Sie versteht es, ihre Figuren zu entwickeln und emotionale Bezüge zu unserer Realität zu ziehen. Auch wenn ihre Recherchen gründlicher sein könnten und auch wenn sie kritischer mit ihren Themen umgehen könnte, empfinde ich ihre Bücher als wichtigen, aufrüttelnden und zugleich niederschwelligen Einstieg ins Thema.
Zusätzliche Infos:
Titel: Die letzten ihrer Art
Originaltitel: Przewalskis hest
Autorin: Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer
Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und
Jugendbuchautorin. »Die Geschichte der Bienen« war ihr erster Roman für
Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für
Furore sorgte. Das Buch stand monatelang auf Platz 1 der
Spiegel-Bestsellerliste. Es folgten »Die Geschichte des Wassers«, »Die
Letzten ihrer Art« und »Der Traum von einem Baum«, mit dem sie 2023 ihr
literarisches »Klimaquartett« abschloss. Außerdem veröffentlich sie mit
der bekannten Illustratorin Lisa Aisato erfolgreiche All-Age-Bücher wie
»Die Schneeschwester« und »Die Sonnenwächterin«.
Sprache: Deutsch
Aus dem Norwegischen von: Ursel Allenstein
Hardcover mit Schutzumschlag: 640 Seiten
Verlag: btb
Erschienen: 21.10.2019
ISBN: 978-3-442-75790-9
Rezension: Pineapple Street
Beschreibung des Verlages:
Die Pineapple Street in Brooklyn Heights ist eine der begehrtesten
Wohngegenden in New York City und Heimat der wohlhabenden Familie
Stockton. Obwohl sie alles haben, was sie sich wünschen, suchen die
Töchter Darley und Georgiana und Schwiegertochter Sasha nach Erfüllung
in ihrem Leben.
Inhalt:
Die Frauen der wohlhabenden Familie Stockton befinden sich mitten in lebensverändernden Umbrüchen. Die älteste Tochter Darley geht in ihrer Mutterrolle auf und lebt in einer glücklichen Ehe. Als aber ihr Mann plötzlich mit schlechten Nachrichten nach Hause kommt, muss die ganze Familie sich neu orientieren. Sasha ist die Frau des Stockton-Sohnes Cord und es fällt ihr schwer, sich in die Familie Stockton einzugliedern und sich ihren Schwägerinnen und ihren Schwiegereltern anzunähern.
Georgiana, das Stockton-Nesthäkchen, lebt in ihre neue Romanze hinein, bis sie plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird und sich mit ihrem Vermögen und ihren Werten auseinandersetzen muss.
Meine Meinung:
Das Buch hat mir Irene aus ihrem Fundus weitergegeben und ich war von Anfang an begeistert. Nicht nur sind die herrlich versnobten Figuren allen Ecken und Kanten zum Trotz sehr liebenswert beschrieben, auch habe ich mit grossem Vergnügen und einer gesunden Portion Voyeurismus auf ihren Alltag, ihre - oft lächerlichen - Probleme und Freuden geblickt. Ja, Geld alleine macht halt auch nicht glücklich und bringt Probleme und Herausforderungen mit sich, denen ich mich zum Glück nie stellen werde müssen. Die Lebensrealität der Figuren ist so weit von meinem Alltag entfernt, wie sie nur sein kann und dennoch sorgen einzelne überraschend tiefgründige und bewegende Szenen dafür, dass ich mich den Figuren immer mal wieder so richtig emotional verbunden gefühlt habe.
Schreibstil und Aufbau:
Die Kapitel wechseln zwischen den drei Protagonistinnen hin und her und stets sorgten leichte Cliffhanger und der sehr süffige Schreibstil dafür, dass ich immer weiterlesen wollte und auch nur so durch die Seiten geflogen bin. Vor einem Jahr haben der Liebste und ich New York City und natürlich auch Brooklyn besucht und wenn auch wir nicht der Promenade der Brooklyn Heights entlangflaniert sind, so habe ich mich sofort wieder in das Lebensgefühl unserer grossen Reise zurückversetzt gefühlt und auch ein wenig Fernweh verspürt.
Meine Empfehlung:
Das Buch ist leicht, aber dennoch ein wenig emotional, sehr humorvoll und ein grosses Lesevergnügen. Lange nachhallen wird die Geschichte nicht, aber beim Lesen hat sie mich grossartig unterhalten.
Zusätzliche Infos:
Titel: Pineapple Street
Originaltitel: Pineapple Street
Autorin: Jenny Jackson arbeitet als Lektorin bei einem großen amerikanischen
Verlag und hat in der Vergangenheit exzellentes Gespür für Autor*innen
und erfolgreiche Buchstoffe bewiesen. »Pineapple Street« ist ihr erster
Roman, er stand wochenlang auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Jenny
Jackson lebt mit ihrer Familie in Brooklyn Heights.
Sprache: Deutsch
Aus dem Amerikanischen von: Barbara Schaden
Paperback, Klappenbroschur: 384 Seiten
Verlag: btb Verlag
Erschienen am: 11.09.2024
ISBN: 978-3-442-77240-7
Rezension: Kalt ist der Abendhauch
Beschreibung des Verlages:
Die dreiundachtzigjährige Charlotte erwartet Besuch: Hugo, ihren
Schwager, für den sie zeit ihres Lebens eine Schwäche hatte. Sollten sie
doch noch einen romantischen Lebensabend miteinander verbringen können?
Wird, was lange währt, endlich gut? Ingrid Nolls Heldin erzählt
anrührend und tragikomisch zugleich von einer weitverzweigten Familie,
die es in sich hat.
Inhalt:
Hugos baldiger Besuch lässt Charlotte aufblühen. Um in gebührend zu empfangen, bittet sie ihren Enkel Felix und dessen Freunde, ihr Haus in Schuss zu bringen und kommt beim Zusammensein mit den jungen Menschen ins Schwelgen, Erinnern und Erzählen. Sie hatte kein einfaches Leben, hat sich aber immer irgendwie durchgeschlagen. Ausgerechnet ihr Schwager Hugo, für den sie seit ihrer Kindheit eine grosse Liebe empfindet, ist Teil eines grossen Geheimnisses geworden, das sie nun auf ihre alten Tage mehr und mehr zu beschäftigen beginnt.
Meine Meinung:
Das Buch habe ich von Marija bekommen und ich hätte es mir nie selber gekauft, weil mir das Cover nicht wirklich gefällt. Ich wollte aber schon lange einmal ein Buch von Ingrid Noll lesen. Deshalb habe ich zugegriffen, als Marija es mir angeboten hat und ich habe es nicht bereut.
Anfänglich wusste ich zwar nicht, worauf ich mich einliess, aber schnell wurde klar, dass nichts war, wie es schien. Charlotte ist eine durchtriebene und sympathische Protagonistin, die ich sehr gerne kennengelernt habe und auch wenn ich am Anfang sehr stark im Dunkeln tappte, bin ich nur so durch die Seiten geflogen.
Schreibstil und Aufbau:
Ich war beeindruckt von den Schilderungen aus dem Alltag von Charlotte.
Tägliche Hürden und Herausforderungen ihres Alters aber auch die immer
noch präsenten Sehnsüchte, Ängste und ihr Charme sind so mitten aus dem
Leben gegriffen, dass Charlotte immer noch sehr eigenständig, entschlussfreudig und alles andere als senil wirkt. Etwas, das ich sonst kaum bei älteren Protagonistinnen erlebe. Auch ist die Geschichte sehr humorvoll erzählt und lässt trotzdem immer wieder mit der nötigen
Ernsthaftigkeit auf ein turbulentes und nicht gerade leichtes Leben
zurückblicken. Vor allem der zweite Weltkrieg hat Charlotte und ihre
Familie stark geprägt und gebeutelt und dennoch hat sie ihren Lebensmut, ihren
Humor und vor allem ihre Liebe zu Hugo nie verloren.
Meine Empfehlung:
Das Buch ist ein wahres Lesevergnügen und hat mich immer wieder aufs
Neue für sich einnehmen, überraschen und begeistern können. Es ist grandios, wie viel Inhalt auf diesen wenigen Seiten steckt. Das Eintauchen in diese ziemlich schräge Familiengeschichte macht einfach Spass und ich hoffe sehr, bald weitere Bücher
der Autorin für mich zu entdecken.
Zusätzliche Infos:
Titel: Kalt ist der Abendhauch
Autorin: Ingrid Noll, geboren 1935 in Shanghai, studierte in Bonn Germanistik und
Kunstgeschichte. Sie ist Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache
Großmutter. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie
Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt zu Bestsellern wurden.
2005 erhielt sie den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis für ihr Gesamtwerk. Im
Februar 2025 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 30. April 1998
ISBN: 978-3-257-23023-9

