Mein SuB kommt zu Wort, 20.4.22

"Mein SuB kommt zu Wort"
Eine Gemeinschaftsaktion von Melli und Vanessa

Guten Morgen liebe SuBs und SuB-Besitzer*innen

Wie geht es euch? Habt ihr euch intensiv mit euren Sub-Leichen auseinandergesetzt? Ich muss ja sagen, dass ich sehr stolz auf mich und meine SuBrina bin. Ich habe mich nämlich der vierten Frage sehr konsequent angenommen und aufgeräumt. Mehr dazu findet ihr dann ganz unten im Post :-) Und jetzt lasse ich meine SuBrina an die Tasten. Wir freuen uns übrigens riesig darüber, wenn ihr einen Kommentar (und gleich auch den Link zu eurem Beitrag) dalassen mögt. Dann finden wir euren Post schnell und können auf einen Gegenbesuch vorbeikommen.

Viel Spass beim Lesen und Stöbern und bis bald
Livia


1. Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Bei meiner letzten Teilnahme im März 2022 war ich zweistellig und umfasste 98 Bücher. Bis zum Monatsende konnte ich sogar auf 96 Bücher abbauen. Im April sind ganz viele Bücher bei uns eingezogen. Es sind alles Schätze, die mein Frauchen sich schon länger gewünscht hat, Geschenke und Reihenfortsetzungen. Also stört es uns überhaupt nicht, dass wir aktuell wieder bei 100 Büchern liegen. Auch wenn noch zwei Rezensionsexemplare zu uns unterwegs sind (typisch Frauchen, eskaliert es einmal, kann man sie nicht mehr bremsen), sind wir nämlich zuversichtlich, dass wir den Monat zweistellig abschliessen können, schliesslich muss Frauchen dazu nur noch drei Bücher lesen/beenden und das sollte machbar sein.

Die SuB-Entwicklung in der Übersicht:
20.01.2022: 101 Bücher
21.02.2022: 100 Bücher
20.03.2022: 98 Bücher
20.04.2022: 100 Bücher

2. Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Nun wird Klartext geredet...phhhuuu.....also: ein Bild aller neuen Schätze gibt es noch gar nicht, da die überall verstreut sind und mein Frauchen überlegt sich sogar, Ende Monat nach sehr laaanger Zeit wieder einmal einen Neuzugängepost zu tippen, da der Stapel enorm sein wird (ein neues Buch ist noch im März hier eingezogen, den Rest könnt ihr dann Ende April hier auf dem Blog bestaunen). Mal sehen, ob sie das durchzieht ;-)
Weil es also aktuell noch kein Stapelbild gibt, bekommt ihr hier eine - hoffentlich - vollständige Liste:
  1. Kalt lächelt die See - Ellis Corbet (Buchprämie der Lesejury, eingezogen am 30.3.22) 
  2. Kamal Harris - Dan Morain, von einer lieben Freundin bekommen, ihre Eltern haben aussortiert
  3. Lasset die Kinder zu mir kommen - Donna Leon (Brunetti 16), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  4. Verschwiegene Kanäle - Donna Leon (Brunetti 12), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  5. Tod zwischen den Zeilen - Donna Leon (Brunetti 23), Reihenfortsetzung, auch von der Freundin
  6. Die Frau, die Töne sehen konnte - V. S. Ramachandran, auch von der Freundin
  7. Die Uhrmacherin, Im Sturm der Zeit - Claudia Dahinden (Die Uhrmacherin 1), von Martina bekommen
  8. Der Fall der roten Libelle - Oliver Schlick (Rory Shy 2, vom Liebsten zu Ostern bekommen
  9. Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler, Reihenfortsetzung, Buchkauf
3. Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Livia hat gestern Abend ziemlich spät noch "Die Stimme des Vergessens" von Sabine Kornbichler beendet. Der Krimi hat ihr nicht ganz so gut gefallen, wie der erste Band der Reihe, aber sie fand ihn dennoch sehr unterhaltsam und gegen Ende auch richtig spannend. Der dritte Band darf also auch bald hier einziehen. Das Buch ist noch nicht rezensiert, weshalb wir euch nun einfach zeigen, was zuletzt rezensiert worden ist:
Zuletzt rezensiert hat Frauchen den zweiten Teil der Charlie Lager-Reihe und sie war komplett begeistert von diesem Buch. Die Rezension findet ihr HIER.
TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

4. Liebe:r SuB, in diesem Monat wollen wir die AutorINNEN unterstützen. Welche Bücher auf deinen Stapeln wurden von Frauen verfasst?
Oh Melli und Vanessa, ihr macht es Livia einmal einfach. Es stimmt zwar, dass bei ihr auf dem SuB gerade sehr viele Autoren zu finden sind (Klassikern und alten Krimireihen sei "Dank"), aber wie die meisten, die hier mitlesen, wissen, liest Frauchen ganz viele Autorinnen aus allen Genres. Damit aber hoffentlich bald eine weitere Reihe ins Zentrum gerückt werden darf, möchte ich, dass Frauchen den ersten Teil der Brunetti-Reihe bis zum 20.5.22 liest ("Venezianisches Finale"). Vielleicht wisst ihr das ja schon, aber ich erwähne es trotzdem gerne noch einmal: Die Brunetti-Reihe komplettiert Livia seit Jahren und sie hat vor mehr als zehn Jahren auch einige der Bände gelesen. Sie weiss nicht mehr gaaaanz sicher, welche Bücher sie gelesen hat und welche nicht (typisch, aber zu ihrer Verteidigung muss auch erwähnt werden, dass die Titel sich schon sehr stark ähneln), weshalb sie bei dieser Reihe wohl alle Bücher noch einmal lesen wird und zwar schön chronologisch. Mal sehen ;-)

Frauchen hat euch ausserdem versprochen, bei der vierten Frage noch ein wenig von unserem grossen Erfolg zu erzählen. Sie hat bemerkt, dass die vierte Frage für viele von euch eine riesige Challenge ist und dass gerne einiges an Büchern untergeht. Das war bei Frauchen mit "Legende" von Ronald M. Schernikau auch der Fall. Das Buch liest sie Schritt für Schritt und seeeehr langsam seit mehr als einem Jahr, weil es auch ein gnaz spezielles Buch ist. Es ist hier einmal bei einer vierten Frage aufgetaucht, aber es ist einfach kein Buch, das man so mal schnell beenden kann, weshalb es hier nicht mehr auftauchen wird (oder evtl. nur noch einmal kurz, wenn es dann beendet ist ;-) ). Die restlichen Aufgaben der vierten Frage hat Frauchen aber allesamt im März und April 2022 abgehakt.

Die Bücher der vierten Frage:
Januar 2022: "Vor Rehen wird gewarnt" - Vicki Baum (gelesen im März 2022) REZENSION
Februar 2022: "Hierzulandee" - Heinrich Böll (gelesen im März 2022), "Poetenleben" - Robert Walser (aussortiert im März 2022), "Der Räuber" - Robert Walser (noch im Regal), Frauchen sollte zwei aus drei Büchern lesen/aussortieren
März 2022: "Alles, was wir geben mussten" - Kazuo Ishiguro, "Die Stunde der Lerche" - Willi Fährmann (abgebrochen im April 2022), eines davon sollte Frauchen lesen/aussortieren

April 2022: Venezianisches Finale - Donna Leon

Soooooo, nun sind wir schon sehr gespannt auf eure Bücher, Erfolge, Zahlen und Tabellen und freuen uns bereits riesig auf das Stöbern bei euch. Denkt bitte an den Link im Kommentarfeld, so finden wir euch viel schneller.

Alles Liebe
SuBrina (und Livia)

Rezension: Hagebuttenblut

TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
2. Hagebuttenblut

Beschreibung des Verlages:
Sie ist Stockholms beste Ermittlerin. Doch dieser Fall kann sie alles kosten.
Nie wieder wollte Charlie Lager in ihren Heimatort Gullspång zurückkehren. Doch die brillante Stockholmer Ermittlerin ist gezwungen, diesen Schwur zu brechen, als sie von einem ungelösten Fall Wind bekommt: Vor dreißig Jahren verschwand die sechzehnjährige Francesca aus Gullspång und wurde nie gefunden. Das große verfallene Herrenhaus ihrer Familie steht seitdem leer. Sobald das düstere Gebäude vor Charlie aufragt, spürt sie, dass ihr dieser Fall alles abverlangen wird – denn sie erinnert sich dunkel an diesen Ort. Und Charlie ahnt, dass sie alles zu verlieren hat: Wenn sie die Wahrheit um Francescas Verschwinden ans Licht zerrt, kann sie ihr eigenes Leben für immer zerstören.

Inhalt:
Charlie Lager stösst eher zufällig auf einen ungelösten Vermisstenfall und reist widerwillig und äusserst ruhelos in ihre Heimat Gullspång, um die Ermittlungen neu aufzurollen. Bei der Suche nach Hinweisen zum drei Jahrzehnte zurückliegende Verschwinden der sechzehnjährigen Francesca begegnen ihr einige Geister aus der Vergangenheit und immer mehr Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend werden sehr präsent. Dabei entdeckt sie nicht nur zahlreiche Geheimnisse sondern erfährt auch erschreckende Dinge über ihre Mutter.

Meine Meinung:
Beim Tippen der Rezension habe ich bemerkt, dass dieses Buch heute vor einem Jahr erschienen ist und ich muss ehrlich sagen, dass mir dies kurz Gänsehaut beschert hat. Das passt irgendwie sehr gut zum Buch, denn in "Hagebuttenblut" wird nichts dem Zufall überlassen, die Handlug knüpft nahtlos an "Löwenzahnkind" an, alte Bekannte und viele neue Figuren tauchen auf und Charlie Lager gibt sich auf gefährliche Spurensuche. Nicht nur ihre eigenene Vergangenheit wird immer fassbarer, auch viele weitere Geheimnisse aus und um Gullspång kommen ans Tageslicht.
Am liebsten würde ich sofort noch einmal "Mohnblumentod" lesen und die Geschichte nun mit dem Vorwissen aus den ersten beiden Bänden erleben. Sicher würden dabei noch mehr Dinge über Charlie Lager und ihre Familie klar und ich werde in den nächsten Tagen wohl zumindest noch einmal intensiv im Buch blättern.
Charlie Lager und ihre manchmal schroffe, äusserst intelligente und scharfsinnig kombinierende Art mag ich sehr gerne. Auch die anderen Figuren sind passend und facettenreich beschrieben und so düster es in Gullspång auch ist, so gerne reise ich trotzdem dahin, um einen weiteren grandios konstruierten und bis ins letzte Details stimmigen Fall an Charlie Lagers Seite aufzuklären.

Stimmung und Sprache:
Lina Bengtsdotter erzählt diese ausgeklügelte und tragische Geschichte mit einer Sprache, die vor Dunkelheit nur so trieft. Es scheint nie hell zu werden in Gullspång, die meisten Menschen im kleinen Ort sind sehr arm, die wenigen reichen Menschen sind um so unglücklicher und die Geheimnisse, welche alle mit sich tragen, sind unendlich abgründig. Diese Sprache ist etwas ganz Besonderes, sie kann sehr kalt und abweisend wirken, aber trotzdem blickt Bengtsdotter ihren Figuren stets mitten ins Herz. Sie beschreibt einfühlsam und nachvollziehbar, welche Schicksale die Menschen mit sich tragen und zu dem machen, was sie sind.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine dringende Empfehlung für "Hagebuttenblut" und die ganze Reihe und ausnahmsweise empfehle ich es wirklich sehr, die Bücher chronologisch zu lesen. Bei meinen Recherchen habe ich übrigens nicht ganz abschliessend herausgefunden, ob noch ein weiterer Band folgen wird, oder ob wir es hier mit einer Trilogie zu tun haben. Ich hoffe ja sehr, sehr, sehr auf viele Fortsetzungen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Hagebuttenblut
Originaltitel: Francesca
Autorin: Lina Bengtsdotter wuchs in der schwedischen Kleinstadt Gullspång auf, die sie zum Setting ihrer beliebten Thriller-Serie um die Ermittlerin Charlie Lager machte. Nach dem sensationellen Reihenauftakt »Löwenzahnkind« stürmte auch »Hagebuttenblut« sofort die SPIEGEL-Bestsellerliste. Mit »Mohnblumentod« schreibt sie die einmalige Erfolgsgeschichte fort. Lina Bengtsdotter lebt inzwischen in Stockholm.
Sprache: Deutsch
Aus dem Schwedischen von: Sabine Thiele
Taschenbuch, Broschur: 496 Seiten
Erschienen am: 13 April 2021
ISBN: 978-3-328-10736-1

Rezension: Die Wut, die bleibt

TW: Suizid, sexualisierte und körperliche Gewalt, Essstörung, selbstverletzendes Verhalten

Die Wut, die bleibt - Mareike Fallwickl

Beschreibung des Verlages:

Mareike Fallwickls neuer Roman über die Last, die auf den ­Frauen ­abgeladen wird, und das Aufbegehren: ­radikal, wachrüttelnd, empowernd.
Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit. Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.

Inhalt:
Es wird ihr alles zu viel. Der Mental Load, der scheinbar in einer Parallelwelt lebende Ehemann, die Kinder, welche stets verlangen, rufen, toben, die Pandemie, die Einsamkeit und der Satz "Haben wir kein Salz" am viel zu lauten, viel zu vollen Esstisch. Und Helene steht auf, geht auf den Balkon und springt wortlos in den Tod, verlässt ihre Familie, ihre beiden kleinen Söhne Maxi und Lucius ihre fünfzehnjährige Tochter Lola, ihre beste Freundin Helene.
Und diese Menschen versuchen, weiterzuleben. Sarah übernimmt allzu schnell und allzu leicht Helenes Rolle und merkt erst nach Wochen, was schief läuft, Lola kann vor Verachtung für die Frauen in ihrem Leben nicht mehr essen und schlafen und so sucht jede ihren Weg, mit der Trauer umzugehen oder ihr Ventil, um die Wut zu kanalisieren.

Der Beginn:
Natürlich war es klar, dass ich dieses Buch einfach lesen musste, nachdem mir "Dunkelgrün fast schwarz" so sehr und "Das Licht ist hier viel heller" immer noch sehr gut, wenn auch weniger gut gefallen hat. Angefixt durch die begeisterten Rezensionen, die lobenden Worte, die tiefgründigen, lauten, wütenden, rotzigen, packenden Schnipsel, welche Mareike Fallwickl bei Instagram bereits veröffentlicht hatte, habe ich mir das Buch vorbestellet und hielt es dann wenige Tage nach dem Erscheinungstermin in den Händen. Aber die ersten Seiten haben nicht das geweckt, was ich zu spüren erwartete. Einige schrieben von Tränen, von Schmerz, mir war dieser Anfang zu schlicht und offensichtlich. Bei mir dauerte das ein wenig länger, aber dann wurde ich um so heftiger gepackt.

Die Wut, die bleibt:
Irgendwann kam die Wut. Vielleicht, als Sarah plötzlich beginnt, bei Helene zu putzen, vielleicht, als Helenes Mann Johannes einmal mehr mitten im grössten Chaos das Haus verlässt und sich um nichts kümmert, auch nicht um seine Kinder, vielleicht, als diese kleinen Kinder nicht mehr aufhören, sich gegenseitig zu ärgern, vielleicht, als Lola und ihre beste Freundin erleben müssen, wie ihre Grenzen von Männern nicht respektiert werden.
Was wurde ich - einmal mehr - wütend auf eine ganze Generation von Frauen, welche sich ganz selbstverständlich in den Haushalt hineingefügt, ihrem Mann den Rücken freigehalten, ihre Kinder bespasst und dabei ihre eigenen Ziele und Träume aufgegeben haben. Ohne zu fordern, ohne für sich einzustehen, ohne ihren Kindern gute Vorbilder zu sein, ohne diesen eigentlich genau die Werte mitzugeben, welche sie ihnen mitgeben wollten, weil es schlicht nur zum Überleben gereicht hat. Und was wurde ich wütend auf diese Männer, welche - von ihren Müttern so erzogen (und diese unendliche Wut auf diese Mütter) - nur fordern, nur verlangen, nur Raum einnehmen, nur laut sind, stark, gewalttätig. Die es gewagt haben, unsere Gesellschaft nach ihren Rahmenbedingungen zu formen.

Lola:
Ich denke, dass wir alle uns in unterschiedlichen Figuren in diesem Buch wiedererkennen und ich selbst habe mich Helenes Tochter Lola so unendlich verbunden gefühlt. Habe mich gefragt, wann Sarah sich für ihre "Dienste" endlich bezahlen lässt, endlich einmal aufbegehrt, für sich einsteht, reinen Tisch macht. Habe mich - einmal mehr - gefragt, weshalb Frauen Kinder haben mit Männern, die schon als Partner nichts taugen, nur eine Last sind, zusätzliche Arbeit machen. Und die sich dann irgendwann zwischen vollen Windeln und dem unerledigten Abwasch fragen, wo sie eigentlich falsch abgebogen sind.
Und wisst ihr, was meine Wut noch grösser gemacht hat?
Lola begehrt auf. Sie gewinnt die Kontrolle zurück über ihren Körper, sie nimmt ab, mehr und mehr. Ungesund viel, verletzt sich selber, leidet und entscheidet sich dann, zurückzuschlagen und wieder zuzunehmen und schliesslich auf die Ansprüche an den weiblichen Körper, die Rollenbilder und die Bewertungen zu scheissen. Und dies alles zeigt doch um so deutlicher, wie sehr wir alle in diesem Patriarchat unterdrückt sind, weil es eben genau dann, wenn wir entscheiden, sämtliche Bewertungen, alle diese Verletzungen und Einschränkungen nicht mehr zu akzeptieren, eben doch wieder um genau diese Einschränkungen geht und um die Menschen, welche dafür verantwortlich sind. Lola nimmt also nicht zu, weil sie selber einfach wieder so richtig Lust auf geile Gerichte hat, sie nimmt zu, um der Gesellschaft zu zeigen, dass es in Ordnung ist, zuzunehmen. Sie trainiert nicht, weil sie Freude am Sport gewonnen hat, sondern um ihre Wut und Angst zu kanalisieren und im Notfall zurückschlagen zu können.
Und so sind alle Frauenfiguren in diesem Buch durch eine gemeinsame traurige Wahrheit verbunden. Es ist die selbe traurige Wahrheit, welche uns alle vereint: wir werden oft erst aktiv und laut und wütend, wenn uns bereits etwas angetan worden ist, das unsere Welt erschüttert, unsere Grenzen, Körper und Seelen verletzt hat.

Der Humor:
Überrascht hat mich, wie humorvoll dieses Buch neben aller Ernsthaftigkeit ist. Es ist ein schwarzer aber mitten aus dem Leben gegriffener Humor. Ein Humor, der schallend lachen lässt und dann ein wenig Bitterkeit hinterlässt.
Vor allem diese eine Szene hat mich bestens unterhalten: Sarah betritt Helenes Wohnung und trifft eine laute Diskussion an, ein Kind, das ihr entgegenrennt und dabei einmal der Länge nach hinfällt und ein zweites Kind, das in der auf den Sturz folgenden Stille mitten ins Wohnzimmer kotzt, unmittelbar, bevor der Vater das Haus verlässt, um arbeiten zu gehen. Was habe ich gelacht, kannte ich doch genau solche und ähnliche Szenen von meiner jahrelangen Arbeit als Nanny. Der Unterschied zu einer Mutter oder einer besten Freundin genau dieser kürzlich vom Balkon in den Tod gesprungenen Mutter? Ich bin für meine Arbeit bezahlt worden, wenn auch nicht immer angemessen... (und jetzt seht ihr, wie die Bitterkeit ins Spiel kommt).

Die Sprache:
Ja, die Männerfiguren in diesem Buch sind und bleiben eher blass, unbeholfen und so gar nicht empathisch, ja, die (erwachsenen) Frauen im Roman sind ein wenig gar selber verantwortlich für die scheinbar ausweglose Situation, in die sie sich in ihrer Beziehung manövriert haben, aber dies spielt eine untergeordnete Rolle, vielmehr werden nämlich Lola und ihre Freundinnen ins Zentrum gestellt. Junge Frauen, welche sich nichts vorschreiben lassen wollen, welche zurückschlagen, sich wehren, ihre weiblichen Vorbilder hinterfragen und am Ende zusammenstehen. Und sich - auch wenn sie rational gesehen einen falschen Weg wählen, um ihre Wut auszudrücken - unterstützen anfeuern und damit sich selber und der älteren Generation Steine aus dem Weg räumen. Wortgewaltig reisst Fallwickl Fassaden ein, um Missstände aufzuzeigen und baut Brücken, um Frauen einander die Hand reichen zu lassen.
Wie Sarah immer noch mit ihrer besten Freundin Helene spricht, sich an gemeinsame Erlebnisse erinnert und Kraft aus diesen "Unterhaltungen" zieht, hat mich tief berührt. Die Lücke, welche Helene in Sarahs und Lolas Leben hinterlassen hat, ist permanent spürbar. Dieser Verlust, diese Liebe und dieser Schmerz sowie der Umgang und auch das Hadern mit diesem Verlust sind äusserst realistisch und bewegend beschrieben und in diesen Szenen wird fast schon zart erzählt, während andere Szenen brutal sind, roh, ungezähmt und messerscharf.

Meine Empfehlung:
Lest dieses Buch, sprecht darüber, sprecht über euch und eure Belastungen, sprecht über Ängste, Sorgen, Bedürfnisse, über angemessene Bezahlung und Freizeit und hört endlich auf, alle Probleme dieser Welt alleine lösen zu wollen, weil ihr anderen nicht zugestehen wollt, ihren Teil beitragen zu müssen. Aber noch einmal und vor allem: lest dieses Buch.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Wut, die bleibt
Autorin: Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Autorin und lebt mit ihrer Familie im Salzburger Land. 2018 erschien ihr literarisches Debüt "Dunkelgrün fast schwarz" in der Frankfurter Verlagsanstalt, das für den Österreichischen Buchpreis sowie für das Lieblingsbuch der Unabhängigen nominiert wurde. 2019 folgte der Roman "Das Licht ist hier viel heller", dessen Filmrechte optioniert wurden. Sie setzt sich auf diversen Bühnen sowie Social-Media-Kanälen für Literaturvermittlung ein, mit Fokus auf weiblichen Erzählstimmen.
Sprache: Deutsch
Hardcover: 384 Seiten
Verlag: Rowohlt Buchverlag
Erscheinungstermin: 22.03.2022
ISBN: 978-3-498-00296-1

Lese-Statistik März 2022

Hallo ihr Lieben

Wie war denn euer März so? Ich habe mich leider mit einer Leseflaute herumgeplagt und die Weltlage, welche mich nach wie vor sehr stark beschäftigt aber auch ganz viel (sehr schöne) Arbeit haben mir im März nicht so viele Lesestunden beschert. Ausserdem hat mich meine Lektüre nur langsam vorankommen lassen.

Mein SuB ist weiter geschrumpft, aber ich befürchte einen Anstieg im April. Ich habe mir nämlich ein Buch gekauft, das nächste Woche hier ankommen wird, ein Buch vom Osterhasen gewünscht und zwei Rezensionsexemplare angefragt (mal sehen, ob ich die dann bekommen werde). Ausserdem hat mir die liebe Martina ein Buch gesendet, das wohl bald hier eintreffen wird und eine gute Freundin wird mich nächste Woche besuchen und mir einige Brunetti-Bände mitbringen, die ihre Eltern aussortiert haben... Ihr seht schon... Ich muss im April ganz einfach auch ganz viel lesen, bin aber nach dem eher mässigen März topmotiviert :-)

Und das sind meine gelesenen und rezensierten Bücher im März:

Ein Klassiker, der in der Mitte nicht vom Fleck kommt, aber ansonsten sehr unterhaltsam ist

Ein packendes, poetisches, liebevoll erzähltes Buch, Familienroman, Krimi und Gesellschaftsstudie, LESEN!

Äusserst unterhaltsames Jugendbuch, spannend erzählt, wundervolle Figuren, absolute Leseempfehlung

Alle Rezensionen und Seitenzahlen:
Vor Rehen wird gewarnt - Vicki Baum   (412 Seiten)
Baba Dunjas letzte Liebe - Alina Bronsky   (192 Seiten)
Rory Shy, der schüchterne Detektiv- Oliver Schlick   (320 Seiten)
Hierzulande - Heinrich Böll   (152 Seiten, keine Rezension)


Aussortiert:
Zwei Bücher habe ich angelesen und aussoriert. Das waren "Poetenleben" von Robert Walser und "Ideen" von Peter Watson (das schon lange angelesen hier lag und definitiv nicht beendet wird).


Neu eingezogen im März:
Im März sind ganze vier Bücher bei mir eingezogen. Drei Bücher habe ich mir gekauft. Das waren "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky, "Das mangelnde Licht" von Nino Haratischwili (das ich im April beginnen werde) und "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl (das ich heute oder morgen beenden werde). Ausserdem habe ich mir mit meinen Bonuspunkten der Lesejury die Buchprämie "Kalt lächelt die See" von Ellis Corbet gegönnt.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 4
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: 2
Somit in die Leseeule: 6 Franken
Gelesene Seiten: 1076 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 34.71 Seiten
Bücher von Autorinnen: 2
Bücher von Autoren: 2
Gemischte Autorenduos (oder mehr): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: 1
Rezensionsexemplare: -
Gekaufte Bücher: 3
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 4
SuB am Monatsbeginn: 98
Aktueller SuB: 96
Differenz: -2

Rezension: Vor Rehen wird gewarnt

Vor Rehen wird gewarnt - Vicki Baum

Beschreibung des Verlages:
„Ich kriege immer, was ich will“ – das ist das Lebensmotto von Ann Ambros. Denn so rehäugig und aufopferungsvoll Ann auch wirken mag, so entschlossen und rücksichtslos macht sie sich die Welt untertan. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, um das schillernde Leben an der Seite eines Geigenvirtuosen zu führen, und hinterlässt von San Francisco bis Wien eine Schneise der Verwüstung. Eine Frau, der man nicht in die Quere kommen will und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann. Ein quirliger, höchst unterhaltsamer Roman von großer psychologischer Tiefe und atmosphärischer Dichte.

Inhalt:
Angelina (Ann) Ambros hat als kleines Kind gelernt, ihre Mitmenschen um den Finger zu wickeln, zu manipulieren und gegeneinander auszuspielen. Durch ihr unschuldiges und zerbrechliches Aussehen kommt sie immer damit davon, bis sie gemeinsam mit ihrer Stieftochter Joy eine Zugreise antritt, deren unvorhergesehener Ausgang sie ihr Leben als Tochter eines aufopfernden Vaters, als jüngere Schwester der liebevollen Schwester Maud, welcher sie schliesslich den Mann - einen damals berühmten Musikers - ausspannt und als Ehefrau und Mutter Revue passieren lässt.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist mir von der lieben Jamie vom Blog Librovore geschenkt worden und ich habe mich riesig über die schöne Ausgabe aus der Büchergilde gefreut. Jamie hat sich eher schwer getan mit dem Buch und ich konnte dies sehr gut nachvollziehen, hatte ich selber doch in der Mitte auch einen Durchhänger. Der Beginn hat mich nämlich gepackt und obwohl ich ein paar Seiten gebraucht habe, um mich auf die Sprache einzulassen, war ich ziemlich begeistert. Besonders gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin ganz unterschiedliche historische Ereignisse und viele Figuren aber auch einiges an Gesellschaftsstudien und Gesellschaftskritik unterbringt.
In der Mitte war mir die Geschichte dann ein wenig zu langsam und ausschweifend erzählt, aber gegen Ende, als vor allem wieder aus der Perspektive von Angelinas Stieftochter Joy berichtet wird, kommt wieder viel Fahrt auf, was mir sehr gut gefallen hat.

Schreibstil:
Vicki Baum, deren Lebensgeschichte mich tief berührt hat, erzählt in eher gemächlichem Tempo und beleuchtet die mittlere bis höheren Gesellschaftsschichten San Franciscos und Wiens. Ausserdem lässt sie Hinter die Fassaden einer Musikerfamilie und tief in den Musikeralltag der damaligen Zeit blicken (wenn man sich vorstellt, dass eine Stradivari damals um die 5'000 bis vielleicht ca. 30'000 Dollar gekostet hat...), was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
Die verschiedenen Figuren werden sehr ausführlich beschrieben und Anns manipulative Art, die ihr viele Vorteile verschafft, aber auch ganze Leben zerstört, während sie sich natürlich nie einer Schuld bewusst ist, sondern stets noch die scheinbar geschädigte mimt, verbindet alle Ereignisse und Personen miteinander.

Meine Empfehlung:
Dem ein wenig trägen Schreibstil zum Trotz habe ich in "Vor Rehen wird gewarnt" eine unterhaltsame und gesellschaftskritische Geschichte entdecken dürfen, die mich auf Vicki Baums weiteres Werk neugierig gemacht hat. Deshalb empfehle ich das Buch den Geduldigen unter euch weiter, es wird sich am Ende lohnen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Vor Rehen wird gewarnt
Originaltitel: Danger from Deer
Autorin: Vicki Baum (1888–1960), geboren in Wien, zählt zu den erfolgreichsten Erzählerinnen der Weimarer Republik. Sie arbeitete als Redakteurin und Autorin in Berlin, wo sie in den Zwanzigerjahren zum Medienstar wurde. In Deutschland wurde Baum von den Nationalsozialisten diskriminiert und ausgebürgert und ihre Bücher verbrannt. 1931 wanderte sie nach Kalifornien aus und lebte dort bis zu ihrem Lebensende.
Sprache: Deutsch
Aus dem Englischen von: Carl-Heinz Ostertag
Hardcover, bedrucktes Leinen und Lesebändchen: 412 Seiten
Verlag: Büchergilde mit freundlicher Genehmigung der Arche Literatur Verlag AG
Ersterscheinung: 21.02.2020 (Arche Literatur Verlag AG)
ISBN: 978-3-7632-7216-7