Rezension: Völlig losgelöst

 
Völlig losgelöst, wie wir mit weniger glücklich werden - Herausgegeben von Susanne Weingarten

Dieses Rezensionsexemplar aus dem Penguin-Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht.

Beschreibung des Verlages:
Unwichtiges weglassen. Das Wichtige finden.
In der Dreizimmerwohnung stapeln sich Flohmarktfunde und modische Fehlkäufe, und durch den lang erhofften Karrieresprung dreht sich das Hamsterrad nur noch schneller. Vielen Menschen geht es ähnlich: In unserer Welt voll Hektik und Überfluss sehnen wir uns danach, uns wieder auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und Zeit zu haben für Familie, Freunde und uns selbst. Konsumforscher, Psychologen und überzeugte Minimalisten zeigen in diesem Buch, wie wir uns von Unwichtigem trennen, nachhaltig konsumieren und uns endlich wieder frei fühlen – denn weniger ist in der Tat mehr.

Meine Meinung:
In den letzten paar Jahren habe ich mich immer intensiver mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und dabei als kleines Eichhörnchen immer wieder bemerkt, dass ich zum Sammeln und Horten neige. Nicht nur Bücher sammeln sich hier natürlich an (und die dürfen auch mehrheitlich bleiben), auch andere Dinge landen in Schränken und Schubladen und dabei nehmen sie nicht nur Platz weg, sondern belasten mich auch emotional. Vor allem der Umzug in unsere viel grössere Wohnung vor ein wenig mehr als drei Jahren hat gezeigt, dass es in diesem Bereich noch einiges zu tun gibt, weshalb ich mich sehr über dieses Rezensionsexemplar gefreut habe.
Erwartet habe ich dabei vor allem ein paar praktische Tipps und Tricks zum Auf- und Ausräumen und zur Vermeidung von Abfall. Bekommen habe ich wesentlich mehr und zwar vor allem verschiedenste Aufsätze und Texte zu den Themen Nachhaltigkeit und Minimalismus, die zum Nachdenken anregen und konkrete Tipps liefern, wie man mit weniger glücklicher wird und welche Bereiche unseres Lebens sich besonders gut dazu eignen, ein wenig Verzicht zu üben.  

Die verschiedenen Texte:
In vielen Texten, die oft sehr unterhaltsam, manchmal aber auch ein wenig zäh daherkommen, werden die unterschiedlichsten Lebensbereiche ein wenig genauer beleuchtet. Ein Tiny-House? Ein Gemeinschaftsbüro oder ein Leben aus dem Koffer? Alles ist möglich und jede und jeder von uns entscheidet am Ende selber, wie viel (oder wenig) genug ist zum Leben. Auch werden dabei spannende psychologische und soziale Themen, wie unser Verhalten, wenn es um Entscheidungen geht oder die Beeinflussung durch die Werbung und den Rest der Gesellschaft in Bezug auf unser Konsumverhalten ein wenig näher erklärt und mit passenden Beispielen illustriert, die dafür sorgen, dass wir uns ein paar Gedanken über unsere eigenen (Kauf-)Entscheidungen und den emotionalen Bezug zu den Gegenständen in unserem Leben machen.

Tipps und Tricks:
Ganz konkrete Tipps vor allem zur Müllvermeidung in jedem Zimmer einer Wohnung, die wirklich sehr einfach umsetzbar sind, sowie Informationen zur Organisation des persönlichen Vermögens und der Work-Life-Balance, sind in diesem Buch sehr viele gesammelt. Ausserdem finden sich in "Völlig losgelöst" auch zahlreiche Informationen zu verschiedenen Unternehmensmodellen, Unternehmen, welche nachhaltig produzieren und Ideen für das Wohnen und Arbeiten, die zu mehr Ausgeglichenheit, weniger Müll und weniger Verschwendung von Lebensmitteln und Ressourcen sorgen.
Selbstverständlich sind einige Beispiele sehr extrem und wahrscheinlich ist niemand von uns dazu bereit, komplett aus dem Koffer zu leben oder unsere Wohnung mit nur noch 100 Dingen zu füllen, aber trotzdem zeigen alle diese Beispiele auch auf, was möglich ist und dass vor allem zwischen diesen Extremen und unserem oft auch extremen Überfluss noch sehr viele Abstufungen möglich sind.  

Meine Empfehlung:
Diese Sammlung von Texten liest sich sehr flüssig und wenn auch einige der Texte ein wenig zäh wirken, so sind doch die Anregungen alle sehr interessant gestaltet, mit Quellen belegt, mit vielen Beispielen illustriert und mit ein wenig Statistik aufgepeppt, was "Völlig losgelöst" zu einer kurzweiligen und zum Nachdenken anregenden Lektüre macht, die sich definitiv lohnt. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Völlig losgelöst, wie wir mit weniger glücklich werden
Herausgeberin:  Susanne Weingarten, geboren 1964, ist promovierte Amerikanistin. Sie begann ihre journalistische Karriere 1992 beim SPIEGEL, lebte und arbeitete später mehrere Jahre in Los Angeles und Boston als freie Publizistin. 2008 übernahm sie die Leitung des Kultur-Ressorts beim SPIEGEL und ist seit 2015 stellvertretende Ressortleiterin für die Heftreihen SPIEGEL GESCHICHTE, SPIEGEL WISSEN, SPIEGEL BIOGRAFIE und SPIEGEL CLASSIC.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 224 Seiten
Erschienen am:  14. Januar 2019
ISBN: 978-3-328-10364-6 

Rezension: Agathe

 
Agathe - Anne Cathrine Bomann

Beschreibung des Verlages:
Wer dieses Buch liest, möchte es sofort weiterempfehlen – Anne Cathrine Bomanns Roman zeigt, wie neue Freundschaften ein Leben verändern.
Ein alternder Psychiater zählt die Tage bis zu seinem Ruhestand. Bald wird er die Türen seiner Praxis für immer hinter sich schließen... Doch eine letzte Patientin lässt sich nicht abwimmeln. Und die Gespräche mit Agathe verändern alles: Neue Freundschaften scheinen plötzlich möglich, neue Wege, neue Zuversicht. Eine universelle Geschichte über Nähe und Freundschaft, Liebe und Verbindlichkeit – elegant und zeitlos, voll meditativer Zärtlichkeit und subtilem Humor. 

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde der Lesejury lesen dürfen und es freut mich natürlich sehr, dieses neue Buch aus dem ersten Programm von Hanser blau sogar noch vor Veröffentlichung bekommen zu haben.
Zuerst einmal wird es euch sicher nicht wundern, dass mich bei diesem Buch vor allem das Cover interessiert hat und als ich dann nach der Lektüre der Leseprobe ganz verzaubert auf meinem Stühlchen sass, wusste ich, dass dieses wunderbare Büchlein unbedingt bei mir einziehen musste. Die Haptik des feinen Leineneinbandes ist einfach perfekt, die zarten Farben passen perfekt zur leisen, poetischen Geschichte rund um Liebe, Freundschaft und die Ende unseres Lebens und sogar der kleine Vogel hat einen ganz klaren Bezug zum Inhalt. Solch durchdachte Buchgestaltungen überzeugen mich jeweils sehr und lassen auf viel Liebe zum gedruckten Wort und viel Respekt für die Arbeit der Autorinnen und Autoren schliessen.
Zum Inhalt des Buches möchte ich nicht zu viel verraten, aber ich kann euch sagen, dass mir "Agathe" wundervolle Lesestunden voller Poesie und Zartheit beschert hat, die ich auf keinen Fall mehr missen möchte.

Schreibstil und Handlung:

„Agathe, was macht das Leben Ihrer Ansicht nach aus?“, fragte er.
 S. 107, Agathe - Anne Cathrine Bomann 

Am Anfang der Geschichte befinden wir uns in der Praxis und den Gedanken eines alternden Psychiaters, der sich in einer Lethargie befindet, die wohl nur mit einer Kombination aus Lebensmüdigkeit, Einsamkeit und berufsbedingter Erschöpfung erklärt werden kann. Er zählt die Therapiestunden und Tage bis zu seinem Ruhestand und hört seinen Patientinnen und Patienten nur noch mit halbem Ohr zu, wenn überhaupt. Dann aber taucht Agahte auf. Eine Patientin, die ihm keine Ruhe lässt, ihn fordert und ihn immer wieder überrascht und aus seiner Reserve holt.
Die Geschichte zweier Leben wird in einer zarten und einfühlsamen Sprache erzählt, die von Leerstellen lebt und viel Raum für eigene Gedanken lässt. Ganz wenige Seiten und kurze Kapitel beinhalten so viel mehr, als die Worte, die sich auf den Seiten finden, weil jedes dieser Worte uns tief berühren und uns zum Nachdenken bringen kann.
Gibt es im Leben die Möglichkeit, noch einmal neu zu beginnen? Kann man sich trotz voranschreitendem körperlichem Zerfall und mühsamem Alltagstrott dazu aufraffen, die Gedanken noch einmal ganz neu zu ordnen und ein wenig frischen Wind in in sein Leben zu bringen?
Und auch zum Ende noch einmal die Fragen: Was berührt uns? Was macht uns als Menschen aus? Und vor allem: Was wissen wir überhaupt über die Menschen, denen wir täglich begegnen, die ein Teil unseres Lebens sind und immer wieder unseren Weg kreuzen, uns alleine durch ihre Anwesenheit ganz tief im Herzen berühren?

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es für dieses zauberhafte Buch in der wundervollen Aufmachung eine sehr herzliche Leseempfehlung und ich bin mir sicher, dass dieses Buch das perfekte Buch für eine Leserunde ist, weil es so viel Interpretationsspielraum lässt und immer wieder dazu führen kann, Diskussionen anzuregen und so ganz viel über das Leben nachzudenken.

Zusätzliche Infos:
Titel: Agathe
Originaltitel: Agathe
Autorin: Anne Cathrine Bomann, geboren 1983, arbeitet als Psychologin. Sie lebt in Kopenhagen mit ihrem Freund, einem Philosophen, und dem Hund Camus. Eine Saison lang spielte sie Tischtennis in Fontenay-sous-Bois, einem Vorort von Paris. Dort lebte sie in der 9, rue des rosettes, genau wie die Hauptfigur aus Agathe
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Dänisch
Übersetzt von: Franziska Hüther
Fester Einband: 160 Seiten
Verlag: Hanser blau 
Erscheinungsdatum: 28.01.2019
ISBN: 978-3-446-26191-4

Mein SuB kommt zu Wort, 20.01.2019

"Mein SuB kommt zu Wort"
Guten Sonntagmittag :-)

Wer hätte das gedacht, ich schaffe es schon wieder, an der tollen Aktion von Anna teilzunehmen und freue mich besonders über die Neuerungen, die Anna sich ausgedacht hat. Ich bin mir zwar noch nicht wirklich sicher, wohin mein SuB sich dadurch entwickelt, lasse dies aber auf mich zukommen.
Und nun übergebe ich SuBrina die Tastatur und bin schon ganz gespannt auf ihre Antworten und Ideen. Viel Spass beim Lesen.

Wie groß bist du aktuell (Du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Hallo ihr Lieben
Ich wünsche euch von Herzen ein spannendes Jahr 2019 mit vielen tollen Büchern und vor allem ganz vielen unvergesslichen Lesemomente. Ja, ich bin spät, aber bis jetzt durfte ich mich im Neuen Jahr ja noch nicht mit euch austauschen und hole das nun nach :-)
Ich beherberge aktuell 139 Bücher (beim letzten SuB-Post waren es 145 Bücher) und obwohl das nur ein kleiner Abbau ist, hat sich hier einiges geändert. Livia hatte schon sehr lange einen Stapel mit Büchern bei sich liegen, die sie sich ausgeborgt hat, von denen sie aber nicht sicher war, ob sie diese lesen oder doch lieber einfach wieder zurückgeben sollte. Sie hat sich entschieden, alle zu behalten und in meine Regale zu stellen (sie sind alle HIER aufgelistet) und dafür ein paar andere SuB-Bücher auszumisten, was letztendlich sogar zu einem kleinen Abbau geführt hat. Das ist schon eine Leistung, ja?

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen – zeig mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Im Januar sind erst zwei Bücher hier eingezogen und eines davon wird Livia morgen beenden, also von dem her können wir bisher von einem kleinen Erfolg sprechen. "Zündels Abgang" von Markus Werner hat Livia von einem Silvestergast bekommen und erst am 1. Januar realisiert, dass ein neues Buch hier eingezogen ist. Eine gute Freundin von Livia hat sich das Buch nämlich doppelt gekauft und tja...was soll man sagen :-)
"Agatha" von Anne Cathrine Bomann ist ein Rezensionsexemplar aus dem Verlag Hanser blau und ist via Lesejury bei Livia gelandet. Dieses wird morgen im Rahmen der Lesejury-Leserunde beendet und am 28.1.19 erscheint dann die Rezension hier auf dem Blog.

Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil es gelesen wurde? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Rezi-Exemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
"Das Böse in uns" von Cody McFadyen hat mich im November 2016 erreicht, Livia hat es damals aus dem Altpapier gerettet... Ist es eine SuB-Leiche? Vielleicht schon ein wenig. Vor allem der Anfang des Buches hat Livia begeistert, das Ende aber war leider ein wenig schwächer. Von Livia gibt es dennoch eine Leseempfehlung und HIER findet ihr auch Livias Rezension.

Lieber SuB, 2019 hat begonnen und soll in der Gemeinschaftsaktion deine Bücher noch mehr in den Fokus rücken. Wir möchten den nächsten Schritt gehen und in der vierten Frage nicht nur Bücher von dir vorstellen, sondern als Zusatz-Herausforderung deinen Besitzer dazu bringen, ein Buch davon auch bis zum nächsten Monat zu lesen. 2019 wird also frischen Wind in die Aktion bringen und die SuB-Besitzer mehr fordern, überlege also weise, welche(s) Bücher(Buch), lieber SuB, du in Frage 4 vorstellen wirst. :) Wie gefällt dir diese Idee und hast du bestimmte Vorschläge für Frage 4-2019 (etwa Reihen-Abschlüsse, Hardcover, schwarz-weiße Cover etc.)?
Das ist ja wirklich eine tolle Idee Anna, super!!! Ich habe mir gleich ein paar Gedanken gemacht und möchte Livia ja auch ein wenig fordern;-) SuB-Leichen sind sicher immer etwas, aber auch ausgeborgte Bücher und (hahaaaa, ganz fies) Bücher, die man sich unbedingt kaufen wollte, die aber seither liegengeblieben sind. Dicke Bücher oder Klassiker finde ich auch toll, die bleiben hier nämlich immer ein wenig liegen und nach Genre ordnen könnte man auch einmal. Wie wäre es, ein Buch aus einem eher ungeliebten/unbekannten Genre zu lesen? Oder ein Buch, das man geschenkt bekommen hat, das man aber bisher (noch) nicht lesen wollte, weil es nicht dem Beuteschema entspricht?

Wir grüssen euch alle ganz lieb und gehen heute Abend und spätestens morgen früh auf eine ausgedehnte Stöberrunde.

Alles Liebe
Livia und SuBrina

Rezension: Das Böse in uns

Das Böse in uns - Cody McFadyen

Originaltitel: The Darker Side
Autor: Cody Mcfadyen wurde 1968 in Fort Worth, Texas (USA) geboren. Er wuchs in mehr als einfachen Verhältnissen auf, fühlte sich in der Schule unterfordert und interessierte sich bereits in seiner Kindheit für das Schreiben. Mit 16 Jahren brach Cody Mcfadyen seine High-School-Ausbildung ab und widmete sich sozialer Arbeit für Drogenabhängige und unterstützte Selbsthilfegruppen. Er unternahm als junger Mann mehrere Weltreisen und arbeitete danach in den unterschiedlichsten Branchen z.B. als Webdesigner, bis er sich mit 35 vollständig dem Schreiben hingab. Mit 37 Jahre erfand er die Protagonistin seiner sensationell erfolgreichen Thriller-Reihe - Smoky Barrett MEHR ERFAHREN
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisch
Übersetzt von: Axel Merz
Taschenbuch: 445 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinung: 24.04.2010
ISBN: 978-3-404-16421-9

Reiheninfos:
1. Die Blutlinie
2. Der Todeskünstler
3. Das Böse in uns
4. Ausgelöscht
5. Die Stille vor dem Tod

Beschreibung des Verlages:
Ein Flug nach Virginia. Alles wie gewohnt. Die Passagiere fühlen sich wohl. Auch Lisa. Bis sich ihr Nachbar zu ihr herüberlehnt und flüstert: "Lisa, ich werde dich jetzt töten." 
Nach der Landung findet die Besatzung Lisas Leiche. Die FBI-Agentin Smoky Barrett hat lediglich einen Hinweis: ein silbernes Kreuz mit der Zahl 143 im Körper der Toten. Zählt der Mörder seine Opfer? Smoky hat es offenbar mit einem Serienkiller zu tun. Denn im Internet tauchen brutale Videos von Hinrichtungen auf. Die Filme verraten, dass jedes Opfer Sünden begangen hatte, die wie ein Schatten auf seiner Seele lasteten: Mord, Kinderschändung, Vergewaltigung. Mit seinen Taten will der Mörder die Schuld seiner Opfer sühnen. Smoky Barrett steht als Nächste auf seiner Liste. Denn auch sie hat ein finsteres Geheimnis.
Cody Mcfadyens Psychothriller Das Böse in uns ist nichts für schwache Nerven. Agentin Smoky Barrett ermittelt diesmal in einem besonders blutigen Fall.

Meine Meinung:
Wie ihr HIER wahrscheinlich schon gesehen habt, war ich von der erste Seite an gefesselt von diesem Buch. Obwohl ich die Vorgängerbände nicht gelesen habe, hat mich die Geschichte um die Agentin Smoky überzeugt und neugierig Seite um Seite umblättern lassen. Dies ging so bis etwa zur Mitte des Buches. Da war mir schon länger klar, wie der Täter zu seinen Infos über die Opfer gekommen war (und irgendwann hatte es dann auch das Ermittlerteam endlich gemerkt) und ich fragte mich, was nun noch folgen würde. Als nämlich spätestens im letzten Drittel auch schon absehbar war, wie das Buch enden würde, wurde noch ziemlich lange herumgedümpelt, bis dann endlich einmal alles aufgeschlüsselt war, was mir gegen Ende ein wenig langatmig vorgekommen ist und was total schade ist, da der Schreibstil sonst sehr packend wirkt und auch die zwischenmenschlichen Aspekte, moralischen Fragen und brisanten Themen nicht zu kurz kommen.
Schade, schade, aber trotzdem war das Buch für mich ein grosser Lesegenuss und ich werde auf jeden Fall in näherer Zukunft zum nächsten Band greifen, der zum Glück auch noch auf meinem SuB liegt. Und wer weiss, vielleicht gönne ich mir sogar irgendwann einmal die ersten beiden Bände, schliesslich soll es da ja ebenfalls noch einmal Thrillergenuss vom Feinsten geben, was ich beim vorliegenden Band tatsächlich ein wenig vermisst habe. Oder sollte es mich vielleicht sogar nachdenklich machen, dass mich die Schilderungen der beschriebenen Verbrechen ziemlich kalt gelassen haben...?

Schreibstil und Handlung:
Den Schreibstil habe ich schon oben gelobt und zwar, weil er wirklich packend war, zumindest am Anfang. Vor allem im letzten Drittel des Buches wurden mir dann die Ereignisse zu sehr in die Länge gezogen, was mein Lesevergnügen ein wenig trübte. Besonders gut haben mir aber die vielschichtigen und authentischen Darstellungen der Agentin Smoky Barrett, ihre innere Zerrissenheit, ihre professionelle Arbeit und ihr kühler Blick auf die verstörenden Ereignisse, sowie ihr Verhalten innerhalb des Ermittlerteams gefallen. Generell fand ich dieses Team sehr gut zusammengestellt und beschrieben. So zeigte sich auch, dass man zwar eng zusammenarbeiten und die schlimmsten menschlichen Abgründe gemeinsam erleben, dass man aber auf persönlicher Ebene eher distanziert sein kann, was mir sehr realistisch dargestellt schien.
Einige der Taten, sowie die durchaus äusserst expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt haben mich einige Male leer schlucken lassen. Ab etwa der Mitte des Buches, haben mich diese allerdings komplett kalt gelassen. Eventuell bereits zuviel des Guten? Schon in diesem dritten Band der Reihe lässt sich aufgrund der vielen Rückblenden nälich erkennen, dass die Bücher wohl alle stets nach dem genau gleichen Muster gestrickt sind. Ein Killer treibt sein Unwesen und es scheint stets auf eine eher persönliche Sache hinauszulaufen, die Kirche, der Staat, oder sogar einzelne Ermittler geraten ins Visier des Killers und am Ende ist es immer ein Wettlauf gegen die Zeit, der durch einige Hindernisse erschwert wird. Kann man als Leser davon ermüden? Nur schon vielleicht, wenn man ein Buch dieses Autors liest? Ich hoffe es nicht, auf weitere blutrünstige Schilderungen und spannende Ermittlungen freue ich mich nämlich schon.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch dieses Buch sehr gerne weiter, weil es mich zwei Drittel lang wirklich gepackt hat und ich lediglich am Schluss ein wenig mit den Längen zu kämpfen hatte. Der Schreibstil hat definitiv Potenzial und vielleicht geht es ja nicht allen Leserinnen und Lesern so, dass sie schneller zu den Auflösungen kommen, als das Ermittlerteam ;-) Dann bleibt es nämlich auf jeden Fall ein wenig länger spannend.

Was mich wirklich noch interessieren würde: hat jemand das Buch oder andere Bücher der Reihe schon gelesen? Wie haben sie euch gefallen und könnt ihr sie weiterempfehlen?

Rezension: "Jetzt war ich ganz allein auf der Welt"

"Jetzt war ich ganz allein auf der Welt" - Hans-Burkhard Sumowski

Taschenbuch: 272 Seiten 
Sprache: Deutsch
Verlag: btb Verlag
Auflage: 2. Auflage (4. Mai 2009)
ISBN-10: 3442739551
ISBN-13: 978-3442739554

Beschreibung (via):
Hans-Burkhard Sumowski schildert in seinen Erinnerungen seine erschütternden Erlebnisse am Ende des Zweiten Weltkriegs in Königsberg. Als achtjähriger Junge überlebt er als Einziger seiner Familie die sowjetische Invasion und gerät mit Hunderten anderer deutscher Kriegswaisen in einen wahren Albtraum, bestimmt von Hunger, Krankheiten, Gewalt und Tod. Sumowskis Buch ist ein zutiefst berührendes Zeugnis von der Grausamkeit des Krieges und dem beeindruckenden Überlebenswillen eines Kindes.

Meine Meinung:
Ihr versteht sicher, dass ich bei diesem Buch und dieser sehr intensiven Geschichte nicht auf schriftstellerische Details eingehen möchte. Erstens gibt es abgesehen von sehr vielen vorausgreifenden Floskeln ("das sollte ihr letztes Festmahl sein", "aber es würde alles ganz anders kommen", "es würde unser letztes Treffen sein") nichts zu mäkeln und zweitens steht dies auch gar nicht im Vordergrund. Vielmehr hat Sumowski ein beeindruckendes und sehr berührendes Portrait einer zuerst von Glück und dann von Entbehrungen geprägten Kindheit, einer sagenhaften Rettung aus dem traumatischen Kriegsgeschehen und eines beeindruckenden Kampfes um das tägliche Überleben gezeichnet, das definitiv mehr Leserinnen und Leser verdient.
Ich habe dieses Buch mit Entsetzen gelesen, wurde davon berührt und konnte manchmal nur schwer weiterlesen, weil die Schicksale so nahe gehen. Aber genau deswegen ist dieses Buch auch so lesenwert. Einerseits schildert es ohne zu klagen und lediglich aus der Erinnerung Sumowskis, was geschehen ist, andererseits berührt es auch durch die spannende und sehr durchdachte Erzählweise, die von der ersten Seite an packt und steht nicht als erhobener Zeigefinger, sondern als erzähltes Mahnmal für tausende Schicksale, die leider langsam aber sicher in Vergessenheit geraten.

Die Kindersicht:
Auch wenn Sumowski Jahrzente später erst niederschreibt, was ihm als Kind widerfahren ist, so schreibt er sehr differenziert über das, was er empfunden und erlebt hat und zeigt dabei auch eindrücklich auf, wie sich sein Schicksal als Kind angefühlt hat, dass er natürlich viele Dinge erlebt und getan hat, ohne überhaupt zu verstehen, worum es geht. Beispielsweise dass er als achtjähriger Junge sich begeistert ins Soldatengetümmel seiner belagerten Stadt gestürzt hat, weil es anfangs spannend und erst später bedrohlich war für ihn. Genau diese Erfahrungen vor der eigentlichen Einnahme Königsbergs durch die russische Armee haben dem kleinen Jungen wohl später das Leben gerettet. Wusste er doch mit verminten Gebieten, Dynamit, schwerem Geschütz und den Soldaten umzugehen.
Auch später, nach den unsäglichen Gräueln, die vor allem seiner Mutter und Tante angetan wurden, nutzte er jede Gelegenheit, um mit den russischen Soldaten in Kontakt zu treten, lernte die Sprache, verhandelte hart um ein wenig Nahrung und führte später im Kinderheim, in dem er schliesslich landete, eine kleine Gruppe von Freunden an und wurde von der Heimleitung mit verantwortungsvollen Aufgaben bedacht.

Rückblicke:
Immer wieder scheint eine aktuelle Sicht auf die Dinge durch, Sumowski reflektiert, erzählt, wie er einzelne Situationen heute in Erinneungen hat und ist dabei sehr streng mit sich selber, weiss aber auch, dass er als Kind gewisse Dinge gar nicht verstehen konnte und einfach nicht besser wusste. Zum Beispiel, wie da genuin vom "Russen", der bösen, unzivilisiert mordenden Macht gesprochen worden ist, die es zu vernichten gälte um letztendlich den "Endsieg" zu erringen. Erst in den Tagen im Kinderheim in Ostpreussen wird auch Burkhard, wie er sich nennen lässt, bewusst, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt und dass er ohne die väterliche Obhut des russischen Heimleiters wohl wesentlich weniger Chancen gehabt hätte, seinen Weg zu gehen. Ausserdem werden im Nachwort einige sehr wichtige und spannende Ergänzungen geliefert. Es sind Namen, an die sich Sumowski beim Schreiben des Buches nicht mehr erinnert hat und die er im fortlaufenden Text nicht ergänzt, sondern im Nachwort erwähnt und mit kurzen Anmerkungen versehen hat. Und es sind Berichte von Menschen, die mit ihm überlebt und sich später bei ihm gemeldet und dabei geholfen haben, die Erinnerungen aufzufrischen und zu ergänzen.

Meine Empfehlung:
Ich denke, dass dieses Buch spätestens im Gymnasium Schullektüre sein sollte, sofern eine einfühlsame und kritische Lehrperson entsprechend damit umgehen kann. Selber musste ich viele Pausen einlegen. Dieses Buch ist kein Buch für einen Abend, weil die Geschichten, die es erzählt, zu grausam sind. Und trotzdem ist es ein eindrückliches Zeugnis dafür, dass es inmitten der abscheulichsten Verbrechen und des Kriegsgetümmels auch sehr viel Menschlichkeit gab. Und dass es einige gab, die das fragliche Glück hatten, zu überleben und irgendwann ihr Schweigen brachen und erzählten, was ihnen widerfahren war. Um sich selber zu helfen, um anderen eine Stimme zu geben und vor allem um dafür zu plädieren, dass dies alles bitte nie wieder geschehen solle.