Rezension: Ohne ein einziges Wort

 
Ohne ein einziges Wort - Rosie Walsh
Rezensionsexemplar via Bloggerportal aus dem Goldmannverlag, herzlichen Dank

Beschreibung des Verlages:
Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich aufgrund des schönen Covers, das bei mir Lust auf einen frühlingshaften Liebesroman mit Tiefgang weckte. Ohne mir die Beschreibung durchzulesen fragte ich das Buch an und las es dann am vergangenen Wochenende innerhalb von drei Tagen. Der fesselnde aber ganz flüssige Schreibstil und die spannende, tragische, romantische und überraschende Handlung, haben mich fasziniert. Dachte ich anfangs noch, ich hätte es mit einer doch ziemlich vorhersehbaren Geschichte zu tun, wurde ich ein ums andere Mal eines besseren belehrt. Immer wieder nämlich stellte sich alles als gar nicht so durchsichtig heraus, wie es auf den ersten Blick schien und als sich die Fäden dieses grossen Rätsels langsam aber sicher zusammenfügten, konnte ich über diese stimmige Handlung und die wundervoll verknüpften Handlungsstränge um die authentischen Charaktere Sarah und Eddie nur staunen.

Schreibstil und Handlung:
Rosie Walshs Debüt überzeugt sprachlich mit einem leicht dahinfliessenden und trotzdem enorm fesselnden Schreibstil. Der Wechsel der Erzählperspektiven und die vielen Rückblenden sorgen dafür, dass sich nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Immer wieder geht die Geschichte dabei zurück zu der Woche, in der sich Sarah und Eddie trafen und ineinander verliebten. Zuerst wird vor allem aus Sarahs Sicht erzählt. Sarah, die mit ihren besten Freunden Jo und Tommy eine Reise in die Vergangenheit unternimmt und dabei von ihrer grossen Liebe Eddie erzählt. Eddie, in den sie sich in nur einer Woche Hals über Kopf verliebt hat, Eddie, der sich nicht mehr gemeldet, Eddie, der ihr das Herz gebrochen hat. Und erst ganz langsam wird klar, was es mit dieser Geschichte wirklich auf sich hat und wie alles zusammenhängt.
Besonders gut hat mir übrigens neben Sarah und Eddie Rudi, Jos kleiner Sohn gefallen. Sein Witz, seine Klugheit und sein besonderer Charme haben ihn sofort zu einer meiner liebsten Figuren gemacht. Und durch Sarahs allerbeste Freundin Jenni bekommt die Geschichte meiner Meinung nach eine noch ganz andere, tiefgründige Komponente.
So oder so kommen die ganz grossen Gefühle nicht zu kurz und ich spreche aktuell nicht nur von Romantik und Leidenschaft, sondern von Verlust, Einsamkeit und Trauer. Dies hat das Buch erst zu einer Besonderheit gemacht, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln und begeistern konnte und nicht selten zum Taschentuch greifen liess...

Meine Empfehlung:
"Ohne ein einziges Wort" beschreibt das Horrorszenario einer frisch verliebten Person und als Sarah Eddies Wortlosigkeit auf den Grund geht, bekommt die ganze Geschichte erst richtig tragische Ausmasse. Fehler, Verluste, Familienfehden und ganz viel Enttäuschung, aber auch Liebe, Vertrauen und ganz tiefe und wichtige Freundschaften sorgen für Gefühlsachterbahnen, richtig gute Unterhaltung, Rührung, Ergriffenheit und ganz viel Lesefreude, weshalb ich euch dieses Buch sehr herzlich empfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ohne ein einziges Wort
Originaltitel: The Man Who Didn't Call
Autorin: »Ohne ein einziges Wort« ist das Debüt der britischen Autorin Rosie Walsh und wurde über Nacht in 30 Länder verkauft. Wenn sie nicht schreibt, liebt sie es, draußen zu sein, spielt Violine in einem Orchester, kocht und rollt ihre Yogamatte aus, so oft sie kann. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Bristol.
Taschenbuch, Klappenbroschur: 528 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Stefanie Retterbush 
Verlag: Goldmann
Erschienen: 14.05.2018
ISBN: 978-3-442-48738-7 

Rezension: Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück

Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück - Judith Kuckart
Rezensionsexemplar via Bloggerportal aus dem btb-Verlag, herzlichen Dank

Beschreibung des Verlages:
Manchmal verlangt das Leben, ungestüm gelebt zu werden.
Silvester verbringt der achtzehnjährige Leonhard allein im Haus seiner Eltern. Am Neujahrsmorgen kommt das Leben dann einfach zu ihm: Eine fremde Frau schläft auf dem Boden in der Diele. In der nächsten Nacht schläft Leonhard mit ihr im Gästezimmer. Emilie und Maria hingegen, beide über siebzig, sind unternehmungslustig, wenn auch den Ereignissen auf ihrer Reise in ein tschechisches Kurhotel nicht mehr ganz gewachsen. War es wirklich ein Klavierlehrer, der sie dorthin fuhr, und hat er tatsächlich betrunken die Nacht im Bett zwischen den alten Damen verbracht? In einem Reigen aus elf Episoden erleben Judith Kuckarts Figuren Unerhörtes. Es gibt ihrem Leben eine unerwartete Wendung und dem Leser eine Ahnung, dass alles zusammengehört: Lust und Schrecken, Liebe und Tod, Schuld und Glück.

Meine Meinung:
In wenigen Minuten komme ich in Brüssel an - bin also bereits in Belgien - und schreibe diese Zeilen aus dem Zug. Das Buch wollte ich unbdingt auf meiner Reise lesen, weil ich vermutete, dass das darin enthaltene Gefühl sich dadurch noch besser auf mich übertragen liesse. Und ich hatte recht.
Anfangs war ich jedoch durch sehr laute Mitreisende noch ein wenig abgelenkt, was aber nicht verwundert, ist der btb-Verlag doch bekannt dafür, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen, sondern ganz weit in die manchmal auch unangenehmen Tiefen des Menschseins zu gehen, weshalb man schon ein wenig Ruhe benötigt, sich mit dem Buch zu befassen. Dann konnte ich aber immer tiefer in die Geschichte eintauchen und wurde sofort zutiefst berührt.
Mit "Dass man durch Belgien muss auf dem Weg zum Glück" hatte ich es nämlich mit einem Buch zu tun, das sich mit den grossen Themen der Menschheit beschäftigt. Mit dem Sterben, dem Tod, der Verlassenheit, den Zufällen und den Schicksalen und damit, dass sich letztendlich jedes Puzzleteil, jede Bekanntschaft und jede Lebenssituation zu einem grossen Ganzen zusammenfügt. Und dass man im Leben manchmal mutig sein und etwas riskieren muss, auch wenn man dann am Ende vielleicht verliert.

Schreibstil und Handlung:
In elf Episoden aus elf Blickwinkeln erzählt Kuckart von den fast schon an Träumerei erinnernden Erlebnissen ihrer Figuren. Wer sich aber auf diese Erzählweise einlässt und auf das enorme Glück und Unglück, das Leid und die Liebe, wird mit einer Geschichte belohnt, die an feinen Silberfäden aufgezogen wird, zuerst noch zögerlich und dann immer konkreter, sich langsam verdichtet und gegen Ende ein schier unglaubliches Gesamtbild ergibt. Immer wieder ergänzen sich somit die einzelnen Episoden und obwohl dieser Geschichte ein höchst intelligentes Konstrukt zugrunde liegt, wirken die Sprache nie bemüht, die Situationen nie an den Haaren herbeigezogen. Und diese Dichte der Erzählung, die unerwarteten Wendungen und die sprachliche Feinheit, die tief in das Wesen der Charaktere blicken lässt, machen dieses Buch zu einem aussergewöhnlichen Leseerlebnis.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch empfehle ich für melancholische Momente und Reisestunden, als Anregung zum Nachdenken über die wirklich intensiven Themen des Lebens und als unterhaltsame, tragische und auch amüsante Lektüre sehr gerne weiter. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Dass man durch Belgien muss auf dem WEg zum Glück
Autorin: Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm/Westfalen, absolvierte eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule in Essen und studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in Köln und Berlin. 1986 gründete sie das Tanztheater Skoronel in Berlin, mit dem sie bis 1998 an verschiedenen deutschen und internationalen Bühnen Stücke aufführte, an denen sie als Autorin, Tänzerin, Choreografin und Regisseurin mitwirkte. Für ihr Werk wurde Judith Kuckart vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2012, dem Margarete-Schrader-Preis für Literatur der Universität Paderborn 2006 und dem Deutscher Kritikerpreis 2004. Ihr Roman "Wünsche" stand 2013 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
Taschenbuch: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: btb
Erschienen:  13.11.2017 
ISBN: 978-3-442-71555-8

Rezension: Dunkelgrün fast schwarz

 
Dunkelgrün fast schwarz - Mareike Fallwickl

Beschreibung des Verlages:
Raffael, der Selbstbewusste mit dem entwaffnenden Lächeln, und Moritz, der Bumerang in Raffaels Hand: Seit ihrer ersten Begegnung als Kinder sind sie unzertrennlich, Raffael geht voran, Moritz folgt. Moritz und seine Mutter Marie sind Zugezogene in dem einsamen Bergdorf, über die Freundschaft der beiden sollte Marie sich eigentlich freuen. Doch sie erkennt das Zerstörerische, das hinter Raffaels stahlblauen Augen lauert. Als Moritz eines Tages aufgeregt von der Neuen in der Schule berichtet, passiert es: Johanna weitet das Band zwischen Moritz und Raffael zu einem fatalen Dreieck, dessen scharfe Kanten keinen unverwundet lassen. Sechzehn Jahre später hat die Vergangenheit die drei plötzlich wieder im Griff, und alles, was so lange ungesagt war, bricht sich Bahn – mit unberechenbarer Wucht. Mareike Fallwickl erzählt von Schatten und Licht, Verzweiflung und Sehnsucht, Verrat und Vergebung. Ihr packendes Debüt bringt alle Facetten der Freundschaft zum Leuchten, die Leidenschaft, die Sanftheit – und die Liebe, in ihrer heilsamen, aber auch funkelnd grausamen Pracht.

Meine Meinung:
Normalerweise lasse ich die Hände von Büchern, die einen Hype auslösen. So lange, bis sich der Hype beruhigt hat. Bei diesem Buch konnte ich mich nicht zurückhalten und ich wurde belohnt. Denn alles, was über dieses Buch gesagt und geschrieben wurde, ist wahr (mit Ausnahme der Aussage, dass das Ende nicht passen würde, das stimmt überhaupt nicht, das Ende passt perfekt, es ist sogar so, dass ich mir für dieses Buch gar kein anderes Ende hätte vorstellen können).
"Dunkelgrün fast schwarz" ist fordernd, laut, schmerzhaft, manchmal unangenehm. Und die Gefühle und Abgründe sind so unbarmherzig direkt und mitten ins Herz hinein beschrieben, dass man gar nicht anders kann, als berührt zu werden. 
In schillernden, sanften, schrillen und schmerzenden Farben sieht Motz die Menschen und erkennt ihr Innerstes manchmal besser, als sie selber. Seine sensible und auch ein wenig naive Art lassen ihn aber so sehr an das Gute im Menschen glauben, dass er nur mit einem Kohlestift auf Papier erfassen kann, was er wirklich fühlt. Klar, dass dies ausgenutzt wird, von Raf, einer Figur, für die man nur Abscheu und Faszination zugleich empfinden kann und weil Jo das Duo zu einem Trio macht, weil alle älter werden und die Verletzungen damit auch grösser und tiefer und weil es Marie nicht mehr immer gelingt, die Fäden zusammenzuhalten, wird das Chaos perfekt.

Da sind also zuerst Motz und Raf, Anhängsel und Anführer, da sind Gewalt, Freundschaft, Familienzwiste und ein Gefühl von Macht und Ohnmacht. Immer wieder erfahren wir auch die Sicht von Marie, der Mutter von Motz, die so lange schon wusste, wie alles enden würde, aber immer weggeschaut hat. Ausserdem springt die Geschichte zwischen den einzelnen Figuren und Jahren hin und her. Und dann kommt Jo ins Spiel und die Geschichte wird komplizierter. Denn jetzt geht es auch um Liebe, um Verrat, um Selbstzerstörung. Vielleicht um Hass.
Und auch wenn es immer wieder um Schuld geht und um Unschuld, um die Tatsache, dass ein Hinsehen vielleicht besser gewesen wäre als ein Wegschauen, so geht es doch am Ende immer um die Kraft, die fehlt, damit sich wirklich etwas ändern kann. Die Kraft, sich von jemandem loszusagen, die Kraft, treu zu bleiben oder sich ganz zu trennen, die Kraft, gar nicht erst anzufangen mit dem Betrug, dem Verrat, mit den Lügen und die Kraft, den Mund aufzumachen, bevor alles zu spät ist. Und warum fehlt diese Kraft? Weil alle Figuren, auch die, welche eher glücklich sind und sich auf eine eigensinnige Art und Weise mit ihrem Leben arrangiert haben, gelähmt sind von einer Dunkelheit, von einer Angst und von einem erstickten Zorn auf die eigene Situation und die Macht der anderen und auf diesen verdammten Ort, an dem alle über alle sprechen und an dem alles seinen Anfang nimmt.

Meine Empfehlung:
Die Kunst der Autorin Mareike Fallwickl besteht nicht in erster Linie darin, eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, mit Rückblenden und Zeitsprüngen, so zu erzählen, dass plötzlich alles zusammenpasst, dass alles Sinn macht. Und dass man sich auf den letzten Seiten an die ersten Seiten erinnert und ein Lächeln im Gesicht hat. Und die Kunst besteht auch nicht in erster Linie darin, dass jede Figur für sich so einen eigenen Charakter hat, dass Jo, Motz und Raf so verschieden denken und fühlen, als wären sie von unterschiedlichen Autoren geschaffen worden. Obwohl das schon so viel ist, mehr als andere Bücher zuweilen bieten können (leider), dass dies allein vielleicht sogar schon ausreichen würde. Aber nein, Fallwickl toppt dies noch. Sie schreibt nicht nur eine grandiose und mitreissende Geschichte voller Figuren, von denen man ausgehen muss, dass es sie gibt (wie sonst hätten sie so fesselnd beschrieben werden können). Nein, sie erzählt dies alles und auch alles, was zwischen den Zeilen steht, in einer Sprache, für die es keine Worte gibt. Es gibt darum keine Worte, weil Mareike Fallwickl alle Worte, denen eine aussergewöhnliche Kraft und Härte und Derbheit und Verletzlichkeit und Ästhetik innewohnt, schon verwendet hat, sie stehen alle in diesem Buch. Lest es. 

Zusätzliche Infos:
Titel: Dunkelgrün fast schwarz
Autorin: Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog.
Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.
Fester Einband mit Schutzumschlag: 480 Seiten
Sprache: Deutsch
Erscheinungstermin: 2018
ISBN: 9783627002480

Rezension: Ayda, Bär und Hase

 
Ayda, Bär und Hase - Navid Kermani

Beschreibung des Verlages:
Navid Kermani erzählt in seinem ersten Kinderbuch von Toleranz und der Überwindung von Vorurteilen?– aber vor allem von echter Freundschaft!
Ayda ist erst fünf, aber sie kann schon eine ganze Menge: Gedichte aufsagen, sich alleine anziehen, Persisch und Deutsch sprechen, ohne Stützräder Fahrrad fahren. Trotzdem nehmen Lisa und Paul aus dem Kindergarten sie nie mit, wenn sie unterwegs sind. „Knirps“ nennen sie Ayda, weil sie so klein ist. Also zieht Ayda eines Tages allein los und trifft auf den Hasen und den großen Bären. Die beiden haben Angst vor den Menschen, weil man sie nicht ernst nimmt oder sogar fürchtet. Doch auf Ayda lassen sie sich ein. Gemeinsam entdecken die drei, wie aufregend die Welt ist, und schon bald verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Da sind sie nur noch selten „üzüntülü“ – traurig. 

Meine Meinung:
Wie bereits HIER geschrieben, sind Kinderbücher bei mir gerade hoch im Kurs. Aus diesem Grund wollte ich neben einer zeitlosen Tiergeschichte auch noch unbedingt ein Kinderbuch lesen, das Integration, Respekt und Einsamkeit zum Thema hat. Klar, diese Themen sind omnipräsent und - ganz ehrlich - auch schon ein wenig zu oft im Fokus, aber man will ja schliesslich wissen, was der aktuelle Trend ist, damit man sich damit arrangieren kann.
Mit "Ayda, Bär und Hase" habe ich ein Buch gefunden, das sich aber mit genau diesen Themen nicht einfach befasst, sondern sie so natürlich einfliessen lässt, dass sie keineswegs plakativ und aufgesetzt wirken. Genau so also, wie ich das mag. Und alleine schon dafür haben der Autor und der Illustratur ein grosses Lob verdient.
Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die in sich logischen Verknüpfungen der einzelnen Figuren. Nur ein kleines Beispiel: Wenn Hasen Bären zum Essen einladen wollen (in ihre kleine Höhle), gibt es zwangsläufig einige Probleme... Darauf und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Charakterzüge der Menschen und Tiere haben Navid Kermani und Karsten Teich grosse Rücksicht genommen. Dass der Autor Kermani auch noch seine grosse Liebe zum Fussball eingeflochten hat, war für mich besonders unterhaltsam und äusserst charmant.

Schreibstil und Handlung:
"Ayda, Bär und Hase" ist ein Buch, das für Toleranz plädiert, die Familie und die Freundschaft ins Zentrum stellt und von mutigen Menschen, ängstlichen Bären und "alten" Hasen erzählt. Der Erzähler richtet sich dabei immer wieder an die (jungen) Leser und dies geschieht sehr einfühlsam und mit ganz viel Humor. Trotzdem werden auch die Wehmut, die Angst und die Einsamkeit thematisiert und danach ebenfalls sehr eindrücklich aufgezeigt, wie die unterschiedlichen Protagonisten miteinander und mit den gegebenen Umständen umgehen.
Besonders herausheben will ich dabei die Gespräche zwischen Ayda und ihrem Vater. Die sind einfach nur herzergreifend schön zu lesen und erinnern an meine Kindheit, in denen auch jeweils mein Vater für die Gutenachtgeschichte und das Gutenachtritual zuständig war.
Von der Handlung her steht zwar die sehr kleine Ayda im Zentrum. Dadurch aber, dass ganz verschiedene Themen, Lebenssituationen und eben auch Tiere vorkommen, ist dieses  Buch keinesfalls ein Buch nur für Mädchen (oder auch nur für Jungs, es ist einfach komplett neutral). Dies finde ich persönlich immer sehr wichtig, kommen die Kinder doch jeweils früh genug mit dem klassischen - und veralteten - Rollendenken in Berührung.

Meine Empfehlung:
Ich empfehle dieses wunderschöne und auch ein wenig bittersüsse Kinderbuch von Herzen an Kinder und Erwachsene weiter, die auf die Abenteuer von drei unterschiedlichen Freunden gespannt sind, gerne ein wenig Persisch (und Türkisch) lernen wollen, deren Herz für Fussball schlägt und die ab und an ein wenig  „üzüntülü“ – traurig sind.

Zusätzliche Infos:
Titel: Ayda, Bär und Hase
Autor: Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt in Köln. Für sein literarisches und essayistisches Werk erhielt er unter anderem den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis, 2015 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und zuletzt den ECF Princess Margriet Award for Culture 2017. Außerdem wurde er mit dem Staatspreis des Landes NRW 2017 ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser Dein Name (Roman, 2011), Über den Zufall (Edition Akzente, 2012), Große Liebe (Roman, 2014), Album (Das Buch der von Neil Young Getöteten / Vierzig Leben / Du sollst / Kurzmitteilung, 2014) und Sozusagen Paris (Roman, 2016). Ayda, Bär und Hase (2017) ist sein erstes Buch für Kinder. Mehr unter: www.navidkermani.de 
Illustriert von: Karsten Teich
Sprache: Deutsch
Fester Einband: 152 Seiten 
Verlag: Hanser Verlag
Erscheinungsdatum: 30.01.2017
ISBN: 978-3-446-25481-7

Kinderbuchrezension: Das kleine Waldhotel Band 01

Das kleine Waldhotel, ein Zuhause für Mona Maus - Kallie George

Beschreibung des Verlages:
Mitten im schlimmsten Sturm stolpert Mona, die Maus, in die wunderbare Welt des kleinen Waldhotels. Sie hat großes Glück und kann als Zimmermädchen anfangen – und bleiben! Doch das Leben besteht nicht nur aus Eichelsoufflé und moosweichen Betten: Das Hotel und seine Bewohner sind in größter Gefahr! Bären und Wölfe haben das geheime Hotel entdeckt. Mona muss all ihren Einfallsreichtum beweisen, um den Ort zu beschützen, den sie liebt. Denn das Hotel ist mehr als eine warme Unterkunft für die Nacht: Es ist ein Zuhause.
Ein herzerwärmendes Abenteuer um Freundschaft, Mut und das Glück, seinen Platz im Leben zu finden!

Meine Meinung:
Wie schön es doch ist, wenn man für seinen Beruf in Kinderbuchläden gehen darf. Mit unserem Trio planen wir drei jungen Musikerinnen nämlich ein grosses Konzertprojekt für Kinder und Familien und da musste (und muss noch) Literatur her. Obwohl wir uns mit grosser Sicherheit für einen Klassiker entscheiden werden, weil der einfach mehr Publikum, Aufmerksamkeit und Untersützung generiert, wollten wir uns trotzdem unbedingt die aktuellen Kinderbücher ansehen, die gerade als Geheimtipps gehandelt werden. Wir marschierten also in den Kinderbuchladen unseres Vertrauens und ich schnappte mir zwei kleine Schätze unter anderem eben auch "Das kleine Waldhotel".
Besonders gut gefallen hat mir bei diesem Buch die zauberhaft schöne Aufmachung mit dem bunten und eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlenden Schutzumschlag und den vielen liebevollen Illustrationen, die sich auf fast jeder Seite des Buches finden. Neben der Autorin Kallie George hat nämlich auch Stephanie Graegin ganze Arbeit geleistet und die Figuren so wundervoll erfasst, dass sie mit dem Text zusammen ein schönes Gesamtpaket ergeben.
Auch inhaltlich konnte mich das Buch restlos überzeugen. Die vielen Figuren sind mir schon auf den ersten paar Seiten Seiten total ans Herz gewachsen und ich kann mir sehr gut vorstellen, die nächsten Bände der Reihe auch zu kaufen, wenn sie denn übersetzt werden.

Schreibstil und Handlung:
Ganz besonders gut gefallen haben mir die klar verständlichen Sätze und die wohlige Atmosphäre, die Kallie George mit wenigen Worten geschaffen hat. Nicht nur Mona Maus fühlt sich in dem kleinen Waldhotel sofort wohl, auch ich wäre am liebsten gleich eingezogen. 
Von der Handlung her wird auf wenigen Seiten alles geboten, was eine gute Geschichte ausmacht. Es entstehen Konflikte und Freundschaften werden geschlossen, Spannung und ein wenig Angst kommen auf, aber es wird auch ausgelassen gefeiert. Ausserdem sind die vielen Tiere, die als Hotelangestellte oder Gäste agieren, sehr authentisch beschrieben und erfüllen ihre Rolle perfekt. Deshalb habe ich für dieses Buch auch nichts anderes als ganz viel Liebe und Wärme übrig.

Meine Empfehlung:
Mit "Das kleine Waldhotel" habe ich komplett ins Schwarze getroffen. Dieses Herzensbuch, in dem die Waldtiere und die zwar kleine, aber sehr kluge und mutige Mona Maus ins Zentrum gerück werden, ist liebevoll erzählt, illustriert und wunderschön aufgemacht. Ich kann dieses Buch zum Vorlesen und ersten Selberlesen nur wärmstens empfehlen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das kleine Walthotel, ein Zuhause für Mona Maus
Originaltitel: Heartwood Hotel - A True Home
Autorin: Kallie George
Illustratorin: Stephanie Graegin
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Karolin Viseneber
Verlag: Schneiderbuch
Erschienen am: 01.03.2018
ISBN: 978-3-505-14149-2