Rezension: Insomnia

Insomnia. Nachtgedanken -  Ivo Andrić

Beschreibung des Verlages:

»Luzide Prosa, die die Abgründe des Lebens mit der Nachttischlampe ausleuchtet.« Wolfgang Schneider, Deutschlandfunk
»Hat noch wer die Welt so geliebt wie ich?« Sein ganzes Erwachsenenleben lang hat sich der Jahrhundertschriftsteller Ivo Andrić, weltweit gelesen und ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur für seine historischen Romane, Notizen gemacht – Alltagsbeobachtungen, Reiseeindrücke, Charakterbilder, lakonische Kürzestgeschichten. Zu den schonungslosesten, erschütterndsten, intimsten Texten zählen jene, die sich mit der Schlaflosigkeit, dem Altern, der Vergänglichkeit beschäftigen. Pralle Lebenslust gemischt mit Franz Kafka und Edgar Allan Poe, so lässt sich dieses großartige Buch charakterisieren, das der Andrić-Biograf Michael Martens zusammengestellt hat.

Inhalt:
Gedanken und Ideen, in durchwachten Nächten notierte Miniaturen und tiefgründige, intime Einblicke in die Gefühlswelten des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić finden sich in diesem schmalen Büchlein. Sie sind sorgfältig übersetzt, kuratiert und mit einem ausführlichen und vor allem aufschlussreichen Nachwort versehen von Michael Mertens.

Meine Meinung:
Von Ivo Andrić habe ich schon einige Bücher gelesen. Der aus dem heutigen Bosnien stammende Literaturnobelpreisträger begleitet mein Leseleben seit über zehn Jahren und ist vor allem für seine monumentalen Chroniken, aber auch für Gedichte und Kurzgeschichten bekannt. In "Insomnia" finden sich ganz andere, sehr viel persönlichere Texte, die tief in Andrićs Persönlichkeit, seine Ängste, Sorgen und seine jahrelangen Probleme mit dem Schlaf und der Schlaflosigkeit blicken lassen. Vor allem diese Aspekte habe ich selber auch sehr gut nachvollziehen können, tue ich mich mit dem Thema doch seit meiner Jugend ebenfalls schwer.
Anders als beispielsweise in seinen umfangreichen Chroniken beschreibt Andrić ausserdem kaum andere Menschen und ihre Geschichten, vielmehr macht er sich hier Gedanken zum Menschsein selbst und diversen zutiefst menschlichen Regungen.

Schreibstil und Aufbau:
Meine einzigen Kritikpunkte an dieser Sammlung sind, dass mir nicht wirklich klar geworden ist, nach welchen Kriterien die unterschiedlich langen Fragmente und Miniaturen aus etwa 1'500 Einträgen in seinen Notizbüchern ausgewählt und auf zwölf Kapitel verteilt worden sind. Auch hätte ich mir noch mehr Details wie Daten/Orte gewünscht, um die Texte besser in Andrićs literarisches Leben einzuordnen.

Meine Empfehlung:
Die kleinen literarischen Snacks sind sicher ein guter Einstieg, um den Autoren Ivo Andrić einmal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Ausserdem lesen sie sich bequem nebenher, in Wachphasen mitten in der Nacht, als Einstieg in einen vollen Tag und in einer kurzen Pause. Sie unterhalten mit Andrićs bekannt feinsinnigem Humor, regen zum Nach- und Weiterdenken an und machen Lust auf mehr.

Weitere Bücher des Autors:
Wesire und Konsuln - Ivo Andrić
Die Brücke über die Drina - Ivo Andrić
Das Fräulein - Ivo Andrić
Der verdammte Hof - Ivo Andrić
Die verschlossene Tür - Ivo Andrić
Lyrik und lyrische Prosa/Ex Ponto - Ivo Andrić

Zusätzliche Infos:
Titel:
Insomnia. Nachtgedanken
Originaltitel: Insomnia
Autor: Ivo Andrić wurde 1892 in Travnik/Bosnien geboren und starb 1975 in Belgrad. Er studierte Slawistik und Geschichte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz. 1920 trat er in den diplomatischen Dienst ein, 1939 bis 1941 war er jugoslawischer Botschafter in Berlin. 1961 erhielt Andrić den Nobelpreis für Literatur.
Aus dem Serbischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von: Michael Mertens
Taschenbuch, Broschur: 192 Seiten
Verlag: btb Verlag

Erschienen am: 11.03.2026
ISBN: 978-3-442-77398-5

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