Rezension: Die Verlobten des Winters

Die Verlobten des Winters - Christelle Dabos

Reiheninfo:

1. Die Verlobten des Winters
2. Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
3. Das Gedächtnis von Babel
4. Im Sturm der Echos

Beschreibung des Verlages:
Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht. Dabei ist Ophelia eine ganz besondere junge Frau: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Erbe der Ahnen. Bis ihr eines Tages Unheilvolles verkündet wird: Ophelia soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Was hat es mit der Verlobung auf sich? Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Und warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.

Inhalt:
Die unsichere und unscheinbare Ophelia, die neben ihrer ungeschickten Art vor allem als äusserst begabte Leserin bekannt ist, also Gegenstände und ihre Geschichten und Gefühle lesen und zudem noch durch Spiegel reisen kann, soll mit einem Adligen namens Thorn verheiratet werden. Diese Verbindung soll einen Zweck erfüllen, den Ophelia erst nach und nach aufdeckt und ausserdem werden ihr nicht nur von Thorn und Thorns Familie, sondern auch vom eisigen Wetter am Pol, an dem ihr Verlobter wohnt, ordentlich zugesetzt. Nun muss sich die junge Frau behaupten und lernen, wem sie vertrauen und glauben kann.

Meine Meinung:
Eigentlich habe ich mit der Lektüre dieses Buches im Juli begonnen und wollte es im Rahmen des dicke-Bücher-Camps von Marina lesen. Marina selber hat die Reihe bereits gelesen und empfohlen, ausserdem habe ich bei Daniela und diversen anderen Blogger:innen ebenfalls viele begeisterte Rezensionen und erst in den letzten Monaten auch ein paar kritische Stimmen gelesen, weshalb ich mir selber ein Bild machen und die Reihe für mich entdecken wollte. Ihr seht schon, es ist Ende September und ich habe mich nun drei Monate lang mit dem Buch befasst und mich streckenweise auch damit gequält und muss ganz ehrlich gestehen, dass ich den Hype um die Reihe so überhaupt rein gar nicht nachvollziehen kann. Nicht nur wird die Protagonistin Ophelia als unterwürfige, tollpatschige Person dargestellt und permanent bestraft, geschlagen und herabgewürdigt (und nicht zu vergessen zwangsverheiratet), was zwar im mittelalterlich anmutenden Setting durchaus passen würde, aber für eine Fantasywelt einfach nicht mehr zeitgemäss ist, sondern es kommt auch gar keine Spannung auf. Ganz, ganz, ganz am Schluss wird endlich ein wenig Tempo in die Geschichte gebracht, aber das ist bei mehr als 500 Seiten definitiv eine zu lange Durststrecke obwohl einzelne Szenen durchaus unterhaltsam erzählt und die zahlreichen Figuren äusserst anschaulich beschrieben sind. Ausserdem schlummert in der Grundidee einiges an Potenzial, das aber im verlauf der zäh dahinplätschernden Erzählung leider komplett verpufft und zwar spätestens bei der lahmen Beschreibung der Welt, in welcher die Figuren leben und agieren. Vor allem auf diese Welt war ich sehr gespannt, schliesslich schien sie etwas nie dagewesenes zu sein. Dem ist zwar so und die physikalischen Gesetze und auch die Gepflogenheiten innerhalb dieser Welt sind durchaus intelligent zusammengestellt, aber die Beschreibungen bleiben leider bis zum Schluss oberflächlich und aller Kreativität zum Trotz ein wenig nichtssagend. Ein grosser Wow-Effekt bleibt aus und stattdessen kommt Enttäuschung auf. Schade, schade, schade...

Fazit:
Wer mir sagen kann, was an diesem Buch und der Reihe zu finden ist, soll das gerne tun. Nach dem erneuten Lesen einiger Rezensionen habe ich das Gefühl, ein anderes Buch gelesen zu haben, als andere Rezensentinnen. Also macht euch gerne ein eigenes Bild und lest euch vor dem Buchkauf doch einfach eine Leseprobe durch.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Die Verlobten des Winters (Die Spiegelreisende 1)
Originaltitel: Les Fiancés de l´hiver (La Passe-miroir 1)
Autorin: Christelle Dabos wurde 1980 an der Côte d’azur geboren. Nach ihrem Studium zog sie nach Belgien und arbeitete als Bibliothekarin. als sie 2007 an Krebs erkrankte, begann sie zu schreiben. zunächst veröff entlichte sie auszüge aus Die Spiegelreisende im Internet. Nachdem sie den Jugendbuchwettbewerb von Gallimard Jeunesse gewann, wurde der erste Band der Serie, Die Verlobten des Winters, publiziert und entwickelte sich rasch zu einem Bestseller. Die ersten drei Bände sind auch in Deutschland Bestseller geworden.
Fester Einband: 535 Seiten
Sprache: Deutsch
Aus dem Französischen: Amelie Thoma
Verlag: Insel
Ersterscheinungstermin: 10.03.2019
ISBN: 978-3-458-17792-0

9 Kommentare:

  1. Hallo liebe Livia,
    ohje. Ich kenne dieses Problem mit seitenstarken Büchern nur zu gut. Aktuell lese ich auch gerade eine Geschichte, die mit 688 Seiten doch sehr seitenstark daherkommt. Ich befinde mich jetzt im letzten Drittel und irgendwie fehlte mir über die Länge hinweg auch stark die Spannung.
    Wenn es sich dann, wie bei deinem Buch, um eine Reihe handelt, kann man natürlich hoffen, dass die Folgebände mit den Kritikpunkten aufräumen. Bei einem schwergängigem Auftakt würde es mir dann aber vermutlich auch schwerfallen zum Folgeband zu greifen. Wirst du noch weiterlesen?

    Ich danke dir für diese ehrliche und aussagekräftige Rezension.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Liebe Tanja

      Kennst du das, je länger du über ein Buch nachdenkst, desto grösser wird entweder die Abneigung oder die Begeisterung? "Die Verlobten des Winters" erfüllt mich leider mehr und mehr mit Abneigung, weshalb ich mir den nächsten Band sicher nicht neu kaufen werde. Falls er mir mal irgendwo begegnet, werde ich vielleicht hineinschnuppern, aber ziemlich konsequent abbrechen, sofern mir das Buch nicht gefällt. Es gibt zu viele andere Bücher, die ich noch unbedingt lesen will, da verschwende ich meine Zeit nicht mit einem mittelmässigen oder sogar schlechten Buch ;-)

      Alles Liebe an dich und lieben Dank für deinen Kommentar
      Livia

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  2. Hi Livia!

    Also ich liebe ja dicke Wälzer, gerade weil man sich dann in Ruhe in einer fremden Welt niederlassen kann, alles kennenlernt und sich nach und nach neue Entwicklungen ergeben. Es muss aber natürlich schon fesselnd geschrieben sein und das klappt halt leider nicht immer.

    Ich hab den Band ja noch auf dem SuB und bin schon echt gespannt, ob ich es ähnlich empfinden werde, wie du. Was du beschreibst jedenfalls dämpft meine Vorfreude jetzt doch ganz schön ^^ Aber mal abwarten, ich bleibe noch optimistisch :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Was ich noch sagen wollte: in einer High Fantasy Welt, die ja meist mittelalterlich geprägt ist, ist "Zwangsheirat" oder ähnliches immer noch aktuell, das gehört zu dem Genre (meist) einfach dazu. Aber das kommt natürlich auch auf die Geschichte an.
      WEnns um Königshäuser geht, wenn Kriege vermieden werden wollen und deshalb verheiratet werden muss, das ist einfach typisch in dem Genre ;)
      Wobei sich mir das eher nach Jugendfantasy anhört mit dem typischen Schema.

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    2. Liebe Aleshanee

      Lieben Dank für deinen Kommentar und die Ergänzung. Genau, die Zwangsheirat usw. begegnet in einem solchen Kontext ja oft und auch wenn einzelne Fantasywelten, die mir bisher begegnet sind, auch in der Zukunft spielen, scheint dies ein Konzept, das in unser patriarchalischen Welt immer noch zieht und irgendwie auch nicht hinterfragt wird, obwohl es doch super spannend wäre, ganz andere Fantasywelten zu entwickeln. Dies hätte ich als Konzept aber akzeptieren können, wenn die Protagonistin nicht permanent als komplett verblödet, naiv, tollpatschig und generell unfähig dargestellt worden wäre. Ja, sie ist am Ende selber überrascht, dass sie diesen ersten Band überlebt hat und alle mit ihr. Diese sehr komische Haltung der Hauptfigur gegenüber sowie die äusserst unsympathischen Nebenfiguren, haben mir den Lesespass von Anfang an genommen.

      Leider kann ich auch nach vielem Nachdenken noch immer nicht nachvollziehen, weshalb die Welt an sich auf so viele Menschen absolut überzeugend wirkt. Mir waren die Beschreibungen zu langweilig und nichtssagend und ich bin weder eingetaucht noch irgendwie überrascht oder begeistert worden und das ist total schade, weil ich überhaupt nicht skeptisch war, sondern mich auf das Buch gefreut hatte und mich ohne Vorurteile darauf eingelassen habe...

      Ich hoffe, dass dir das Buch sehr viel besser gefallen wird als mir. Vielleicht kannst du als Genre-Kennerin mir (wenn du es gelesen hast) zumindest erklären, weshalb diese Reihe bei vielen so gut ankommt, das würde mich nämlich ernsthaft interessieren, weil ich die Faszination effektiv nicht verstehe ;-)

      Alles Liebe an dich
      Livia

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    3. Andere Fantasywelten kann man natürlich entwickeln und gibt es ja auch - aber High Fantasy ist ja ein Untergenre und das wiederum ist einfach in dieser "historischen Epoche" angelegt.
      Wobei mir jetzt das obige Buch nicht in dieses Untergenre zu passen scheint... High Fantasy bedeutet ja eigentlich eine "Helden Reise", wie man sie typischerweise aus Herr der Ringe kennt. Es gibt eine Quest die es zu bestehen gilt und eben ein mittelalterlich angehauchtes Setting mit oft eigener Flora und Fauna und Religion.
      Das klingt jetzt vielleicht ähnlich wie hier, aber als epische Fantasy würde ich das eben nicht bezeichnen. Es hört sich viel zu "seicht" an, ... ja, keine Ahnung. Ich muss es erst lesen :D

      Ich habs auf meiner Oktober Leseliste, muss aber schauen ob ich überhaupt dazu komme, ansonsten muss es in den November verschoben werden. Allerdings weiß ich jetzt echt nimmer, ob mir das tatsächlich gefällt ^^

      Ich bin gespannt und werde berichten :)

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    4. Das stimmt, das Buch scheint irgendwie in keine der Kategorien, ich habe mich nach deinen Ausführungen auch mal eingelesen in die unterschiedlichen Strömungen und irgendwie nichts passendes entdeckt... Aber du wirst mir sicher Auskunft geben können, wenn du es gelesen hast :-)

      Ich hoffe sehr, dass du es bald lesen und dass du es lieben wirst, wäre ja schade um das Buch.

      Alles Liebe, ich bin auch schon gespannt :-)
      Livia

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  3. Liebe Livia,
    ich habe das Buch damals als Hörbuch gehört und mochte es eigentlich ganz gerne. Mit dem Spannungsbogen kann ich dir aber zustimmen, der fehlte mir auch ein wenig. Die Welt, die Christelle Dabos erschaffen hat, fand ich aber richtig toll und einfallsreich. Und auch Ophelia mochte ich sehr gerne, weil sie eine sehr zurückhaltende Protagonistin mit viel Entwicklungspotential ist. Leider gefiel mir der zweite Teil dann aber nicht mehr, ich habe ihn sogar abgebrochen.
    Ganz liebe Grüße, Steffi

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    1. Liebe Steffi

      Genau solche Reaktionen sind mir schon sehr oft begegnet und ich kann nun gar nicht mehr verstehen, wie bei mir der Eindruck entstehen konnte, die Reihe wäre bei sehr vielen sehr gut angekommen. Offensichtlich ist sie nur bei wenigen sehr gut angekommen und genau diese begeisterten Empfehlungen habe ich gelesen ;-)

      Dann werde ich mich mal meinen anderen Büchern widmen, es gibt ja zum Glück einige davon ;-)

      Alles Liebe an dich
      Livia

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