Rezension: Seegrund

Seegrund (Kluftinger 3) - Volker Klüpfel, Michael Kobr

Reiheninfos:

  1. Milchgeld
  2. Erntedank
  3. Seegrund
  4. Laienspiel
  5. Rauhnacht
  6. Schutzpatron
  7. Herzblut
  8. Grimmbart
  9. Himmelhorn
  10. Kluftinger
  11. Funkenmord
  12. Affenhitze

Beschreibung des Verlages:
Kommissar Kluftinger dritter Fall
Kommissar Kluftinger hätte nichts gegen das Abtauchen, wenn es nicht wörtlich gemeint wäre. In seinem dritten Auftritt grummelt sich der Allgäuer Ermittler durch einen besonders außergewöhnlichen Fall.  Als Kommissar Kluftinger am Ufer des Alatsees einen Taucher in einer roten Lache findet, muss er schnell erkennen, dass es kein Blut ist, sondern etwas völlig anderes, das aus dem See stammt. Ob er will oder nicht, Klufti muss der Sache auf den Grund gehen. Und kriegt zu allem Überdruss auch noch eine Frau an die Seite gestellt. 
Kluftinger ist alles andere als ein Menschenfreund, Sympath oder Vorwärtsdenker. Genau dafür lieben ihn seine Fans. Mit „Seegrund“ schickt das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr seinen Grummelkönig aus dem Allgäu erneut in eine Ermittlung, die mit großer Spannung, reichlich Tempo und einer Wagenladung Humor gewürzt ist. 

Inhalt:
Es ist kurz vor Weihnachten und Kluftinger besucht mit seiner Familie und der neuen Freundin seines Sohnes den Alatsee. Dort findet er einen leblosen Mann in einer roten Lache, die aber kein Blut ist. Neben dem Mann findet er ein Zeichen im Schnee, das ihn zu einer verschwiegenen Männergruppe führt. Schnell wird klar, dass der Alatsee mehr als ein Geheimnis birgt und dass Kluftinger tief in der Vergangenheit der Region wühlen muss.

Meine Meinung:
Der dritte Band der Kluftinger-Reihe hat mich in die Vorweihnachtszeit entführt und perfekt zur Jahreszeit gepasst. Einmal mehr hat mich überrascht, wie unterhaltsam diese Krimis sind, und wie es dem Autorenteam trotzdem auch in diesem Band gelungen ist, einen äusserst ausgeklügelten Plot zu kreieren, der auf wahren Begebenheiten und der ganz besonderen Eigenheit des Alatsees beruht. Kameradschaft, ein bindender Schwur, Vergebung sowie Rassismus und die nationalsozialistische Vergangenheit der Region werden mit dem winterlichen Trubel in der Familie Kluftinger vereint. Spannende Forschungsarbeiten sorgen für wissenswerte Details und die überraschendenderweise aus Japan stammende Freundin von Kluftingers Sohn Markus bringt den Familienalltag der Kluftingers ein wenig durcheinander. Wie auch schon der erste Band startet "Seegrund" spannend, verliert in der Mitte ein wenig an Tempo und nimmt am Ende noch einmal richtig Fahrt auf.

Meine Empfehlung:
Insgesamt hat mir auch der dritte Band der Reihe ein wenig gefallen und ich finde den Plot spannend und klug konstruiert und habe mich sehr über die vorweihnachtliche Stimmung bei den Kluftingers gefreut. Von mir gibt es - trotz leicht zähem Mittelteil - eine Empfehlung für das Buch.

Zusätzliche Infos:
Titel: Seegrund
Autoren: Volker Klüpfel, geboren 1971 in Kempten, aufgewachsen in Altusried, studierte Politikwissenschaft und Geschichte. Danach arbeitete er bei einer Zeitung in den USA und stellte beim Bayerischen Rundfunk fest, dass ihm doch eher das Schreiben liegt. Seine letzte Station vor dem Dasein als Schriftsteller war die Feuilletonredaktion der Augsburger Allgemeinen. Mit seiner Familie lebt er im Allgäu.
Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten, studierte in Erlangen Romanistik und Germanistik, und war danach als Lehrer tätig. Momentan hat er schweren Herzens dem Klassenzimmer den Rücken gekehrt, um sich dem Schreiben, den ausgedehnten Lesetouren und natürlich seiner Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und den beiden Töchtern im Unterallgäu. Die beiden Autoren sind seit ihrer Schulzeit befreundet. Für ihre Werke erhielten Volker Klüpfel und Michael Kobr zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Bayerischen Kunstförderpreis 2005, die Corine 2008, die Mimi 2008 und 2009, den Kulturpreis Bayern 2011, den Memminger Kulturpreis 2008, den Hörbuchpreis Osterwold 2012 sowie die Bürgermedaille in Gold der Gemeinde Altusried 2012.
Sprache:
Deutsch
Taschenbuch, Broschur: 352 Seiten
Verlag: Piper
Erschienen: 1.1.2008
EAN: 978-3-492-25094-8

Kurzrezension: Erzähler der Nacht

Erzähler der Nacht - Rafik Schami

Beschreibung des Verlages:
»Heute kann ich ein kleines Geheimnis verraten: Ich wollte einmal alle Möglichkeiten des Erzählens in einer Geschichte versammeln. Zunächst hielt ich das für unmöglich, aber nach vielen Versuchen ist es mir gelungen, alle auf der Erde bekannten Erzählkünste in diesem Buch zu verstecken. Nicht einmal die Art, wie das Feuer dem Holz erzählt, ist mir entkommen.« Rafik Schami
Salim, der beste Geschichtenerzähler von Damaskus, ist verstummt. Sieben seiner Freunde besuchen ihn Abend für Abend und erzählen die Schicksalsgeschichten ihres Lebens. Damit können sie Salim erlösen, denn er benötigt sieben einmalige Geschenke. Und das können nur Geschichten sein!

Inhalt:
Als der bekannte Geschichtenerzähler Salim plötzlich verstummt, prophezeit ihm eine Fee, dass nur sieben unerwartete Geschenke dafür sorgen können, dass er seine Stimme wieder findet. Sieben seiner Freunde versuchen alles und beginnen schliesslich, ihm Nacht um Nacht eine andere Geschichte zu erzählen.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mir ein guter Freund geliehen und nachdem es jetzt jahrelang auf meinem SuB liegen musste, habe ich es im November endlich gelesen. Die Figuren und die Idee mit den sieben Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Die detaillierten Beschreibungen haben mich ins belebte Damaskus reisen lassen und ich war immer wieder begeistert von der Aktualität der Handlung und der äusserst politkritischen Sprache.
Leider hat mich diese Geschiche, welche sehr viele lange und kürzere Erzählungen und Erzählstränge beinhaltet, nicht ganz für sich einnehmen können und es fällt mir sehr schwer, dies in Worte zu fassen, weshalb meine Rezension auch so lange auf sich warten liess.
Irgendwie war ich nicht so richtig in der Geschichte drin und kann das handwerkliche Geschick des Autors und die schönen Beschreibungen und Stimmungen zwar erkennen, konnte dann aber doch nicht so richtig in die Geschichte eintauchen. Wahrscheinlich sind dieses Buch und ich einfach nicht füreinander gemacht.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es trotzdem eine Empfehlung für dieses kreative, intelligent und bildgewaltig erzählte Buch. Es wird sicher einige von euch verzaubern, auch wenn ihm das mit mir nicht ganz gelungen ist.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Erzähler der Nacht
Autor: Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und schloss das Studium 1979 mit der Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Schami zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk wurde in bislang 34 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur 2015 sowie dem Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2018. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im Sommersemester 2010 hatte er die Brüder-Grimm-Professur der Universität Kassel inne.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 01.09.1994
ISBN: 978-3-423-11915-3

Lese-Statistik Oktober 2022

Hallo ihr Lieben

Der Oktober ist schon seit einigen Tagen vorbei und es ist endlich wieder richtig schön herbstlich geworden. Wie ihr vielleicht durch meine Inaktivität hier auf dem Blog (und auf euren Blogs) aber auch bei Instagram gesehen habt, bin ich beruflich gerade sehr eingespannt und geniesse es sehr. Zeitgleich bin ich wohl tatsächlich ein wenig in einer Leseflaute gefangen und keines meiner aktuellen Bücher schafft es, mich zu fesseln. Es sind mittlerweile sehr viele Geschichten begonnen, die ich bald beenden (oder abbrechen) möchte. Dies soll mir im November gelingen und ich freue mich auf meine vielen Weihnachtsbücher, die bereits auf dem SuB warten und mir die Zeit bis Weihnachten versüssen werden.

Gelesene Bücher im Oktober:

Auf den Orkney-Inseln spielende, romantische Wintergeschichte mit Fernweh-Garantie

Zwei Books to go mit einer unterhaltsamen und spannenden Geschichte, die Lust auf mehr machen

Eine langatmig erzählte Liebesgeschichte mit Florenz-Feeling und einem bewegenden Vergangenheitsstrang

Spannender Krimi, der im Herbst spielt und mit seiner poetischen Erzählsprache überzeugt

Nicht ganz überzeugendes Winterbuch der St. Peter-Ording-Reihe mit wunderschönen Beschreibungen

Alle Rezensionen und Seitenzahlen:

Süsse Träume im Cottage am Strand - Holly Hepburn   (512 Seiten)
Das Abendessen - Uwe Timm   (64 Seiten)
Der Mann am Strand - Henning Mankell   (96 Seiten)
Das Leben leuchtet sonnengelb - Pauline Mai   (560 Seiten)
Vor dem Frost - Henning Mankell   (528 Seiten)
Wintermeer und Bernsteinherzen - Tanja Janz   (320 Seiten)

Neuzugang:

Mein einziger Neuzugang im Oktober war das Rezensionsexemplar "Wintermeer und Bernsteinherzen" von Tanja Janz, das mir von der Verlagsgruppe Harper Collins zur Verfügung gestellt worden ist.

Alle Zahlen in der Übersicht:

Gelesene Bücher: 6
Abgebrochene Bücher: -
Aussortierte Bücher: -
Somit in die Leseeule: 6 Franken
Gelesene Seiten: 2'080 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 67.1 Seiten
Bücher von Autorinnen: 3
Bücher von Autoren: 3
Gemischte Autor*innenduos (oder mehr): -
Geschenkt bekommene Bücher: -
Ausgeliehen: -
Buchgewinn: -
Buchprämien: -
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 1
SuB am Monatsbeginn: 81
Aktueller SuB: 76
Differenz: -5

Rezension: Wintermeer und Bernsteinherzen

Dieses Lesesexemplar wurde mir von der Verlagsgruppe Harper Collins zur Verfügung gestellt, vielen Dank

Wintermeer und Bernsteinherzen - Tanja Janz

Reiheninfo St. Peter-Ording-Reihe:

1. Strandperlen
2. Krabbe mit Rettungsring
3. Friesenherz und Winterzauber
4. Mit dir auf Düne sieben
5. Strandrosensommer
6. Meersalzküsse
7. Dünenwinter und Lichterglanz
8. Das Muschelhaus am Deich
9. Dünentraumsommer
10. Leuchtfeuerherzen
11. Wintermeer und Dünenzauber
12. Leuchtturmträume
13. Friesenwinterzauber
14. Willkommen in St. Peter-(M)Ording
15. Dünenleuchten
16. Wintermeer und Bernsteinherzen

Beschreibung des Verlages:
Ein nordfriesischer Winter voll Herz und Hoffnung
Als Finja vor dem alten Barnsteenhus in St. Peter-Ording steht und tief einatmet, spürt sie es deutlich: Über diesem Ort liegt ein besonderer Zauber. Zu gern möchte Finja mehr über das schneebedeckte Reetdachhaus herausfinden. Denn es ist die perfekte Immobilie für ihren Auftraggeber. Doch während sie in die Geschichten und Legenden des Hauses eintaucht, lernt sie den geheimnisvollen Jesper kennen. Und schon bald wünscht Finja sich, dieser nordfriesische Winter möge niemals enden. Aber sie muss zurück nach Hamburg und ihren Maklervertrag erfüllen.

Inhalt:
Finja ist Heilpraktikerin und knapp bei Kasse. Ihre Praxis läuft nicht, wie sie sollte und deshalb kehrt sie über den Winter in ihren alten Job als Maklerin zurück. Die Suche nach einer ganz bestimmten Immobilie für einen wählerischen Kunden führt sie in den malerischen Küstenort St. Peter-Ording, wo Erinnerungen geweckt werden und Freundschaften neu entstehen.

Meine Meinung:
Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich "Friesenwinterzauber" von Tanja Janz gelesen und mich in den gemütlichen Ort St. Peter-Ording und die Herzlichkeit der von Janz geschaffenen Figuren verliebt. Dabei habe habe ich mir überlegt, die ganze St. Peter-Ording-Reihe nach und nach zu lesen.
In "Wintermeer und Bernsteinherzen" habe ich Finja angetroffen, die eigentlich als Heilpraktikerin arbeitet, aber aus finanziellen Gründen zeitweise in ihren alten Job als Maklerin zurückkehrt. Leider kommt es aber durch ihre eigentliche Berufung immer wieder zu sehr esoterisch angehauchten Szenen. Finja ist also nicht nur von der nachweisbaren heilenden Wirkung von Kräutertees bei Erkältungen überzeugt, sondern auch vom Handauflegen. Sie glaubt an die Kraft von Steinen und erwähnt einige Male, dass die Natur halt die beste Medizin sei. Erst im Verlauf der Geschichte - als sie einem attraktiven Zahnarzt näherkommt - räumt sie ein, dass wohl alle Formen der Medizin ihre Berechtigung hätten...schwierig.
Was mich aber noch mehr gestört hat: Finja soll für einen Kunden der Makerfirma, für die sie über den Winter arbeitet, ein Haus am Meer mit eigener Düne finden. Sie reist also nach St. Peter-Ording, findet sofort eine passende Immobilie und verbringt mehrere Tage damit, nach deren Besitzer zu suchen, um ihm ein Angebot zu machen, ohne jedoch wirklich zu arbeiten. Um endlich einmal in einem regionalen Immobilienverzeichnis nachzuschauen oder mit den Menschen, welche die Vorbesitzer des Hauses kannten, zu sprechen, braucht sie Tage. Vielmehr lernt sie die Leute im Ort kennen, nimmt Reitstunden und freundet sich mit einigen Hotelgästen an. Mir ist bewusst, dass solche Romane oft oberflächlich bleiben und manchmal ein wenig konstruiert daherkommen, aber für Finjas Aufenthalt im Küstenort hätte man sich doch sicher eine realistischere Geschichte aus den Fingern saugen können... Ausserdem baut sich die Romanze sehr langsam auf und die ganze Geschichte endet ganz überstürzt. Als hätte am Schluss ein Abgabetermin oder eine bestimmte Seitenzahl eingehalten werden müssen. Dabei habe ich die eigentlich so gemütliche Geschichte mit den tollen Nebenfiguren, die ich teilweise bereits aus "Friesenwinterzauber" kannte, immer wieder sehr gerne gemocht.

Erzählsprache:
Janz beschreibt einfach wundervoll. Die Landschaften, die Stallungen des Pferdehofs, die kleinen Weihnachtsdekorationen oder Momente der Stille, welche Finja sich manchmal gönnt sowie vor allem die herzensguten Nebenfiguren sind wirklich alle vor meinem inneren Auge aufgetaucht und zum Leben erweckt worden. Es ist sehr schade, dass die Handlung nicht ganz rund ist und dass ich Finja manchmal nicht so gerne mochte, denn eigentlich habe ich immer wieder ein wenig Weihnachtszauber gespürt.

Fazit:
Obwohl mir die Geschichte ein wenig zu esoterisch angehaucht und - was mich viel mehr gestört hat - vom Handlungsaufbau nicht ganz stimmig ist, habe ich die schöne Winteratmosphäre in St. Peter-Ording geniessen können. Vor allem die Nebenfiguren haben es mir angetan. Jetzt bin ich mir aber nicht sicher, wie ich mit der weiteren Reihe verfahren soll. Wie würdet ihr das machen? Oder kennt ihr vielleicht sogar einige der anderen Bände?

Zusätzliche Infos:
Titel:
Wintermeer und Bernsteinherzen
Autorin: Tanja Janz wollte schon als Kind Bücher schreiben und malte ihre ersten Geschichten auf ein Blatt Papier. Heute ist sie Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen im Ruhrgebiet. Neben der Schreiberei und der Liebe zum heimischen Fußballverein schwärmt sie für St. Peter-Ording, den einzigartigen Ort an der Nordseeküste.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: HarperCollins
Erscheinungstag:
27.09.2022
ISBN/Artikelnummer:
9783365000670

Rezension: Vor dem Frost

Vor dem Frost - Henning Mankell

Reiheninfos zur Wallander-Reihe:

1. Mörder ohne Gesicht
2. Hunde von Riga
3. Die weisse Löwin
4. Der Mann, der lächelte
5. Die falsche Fährte
6. Die fünfte Frau
7. Mittsommermord
8. Die Brandmauer
9.Wallanders erster Fall und andere Erzählungn (vor dem ersten Wallander spielend aber erst später erschienen)
10. Vor dem Frost
11. Mord im Herbst (erst 2004 erschienen)
12. Der Feind im Schatten

Klappentext (zum Buch):
"Kurz nach neun am Abend des 21. August kam Wind auf. Der Mann, der in der Dunkelheit am Strand wartete, hielt eine Hand in die Luft, um zu prüfen, woher der Wind kam. Ja. Er hatte die richtige Stelle ausgesucht..."
Linda Wallander ist Polizeianwärterin in Ystad und darf Kurt Wallander bei seinen jüngsten Ermittlungen zunächst nur als Tochter begleiten. Doch als ihre Freundin Anna spurlos verschwindet, wird sie persönlich in den Fall hineingezogen und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln...

Inhalt:
Menschen verschwinden und tauchen wieder auf, Tiere brennen und eine seltsame Gemeinschaft formiert sich zu einem Kult. Ausserdem wohnt Linda Wallander mittlerweile bei ihrem Vater Kurt Wallander und wartet darauf, dass sie endlich als Polizeianwärterin in Ystad beginnen darf. Sie wird persönlich in den Fall involviert und darf - bereits vor ihrem eigentlichen Arbetisantritt - mit den Ermittlungen beginnen.

Meine Meinung:
Die Wallander-Reihe und ich, eine Liebesgeschichte. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: mein Vater und ich lesen und lieben die Bücher und Filme, das war und ist immer unser gemeinsames Ding und einen Wallander zu lesen ist immer mit eine wenig Nostalgie verbunden. Alle Bücher der Wallander-Reihe - mit Ausnahme von dem gerade beendeten "Vor dem Frost", "Mord im Herbst" und "Der Feind im Schatten", wobei ich mir bei letzterem nicht mehr ganz sicher bin - habe ich mindestens einmal gelesen und ausnahmslos alle habe ich mehrmals als Film gesehen, weshalb das Lesen dieser letzten Bände noch einmal ganz besonders ist. Vielleicht lese ich die Reihe sogar einmal chronologisch und freue mich schon sehr, weitere Zusammenhänge und Hinweise zu entdecken.
Ich liebe übrigens auch die anderen Bücher von Henning Mankell und freue mich immer, wenn ich wieder einmal einen seiner Romane entdecken darf.
Was mir in "Vor dem Frost" aufgefallen ist: dieses Buch ist zwar bereits über zehn Jahre alt, aber in meinen Augen sehr fortschrittlich, vor allem was Lindas Figur anbelangt. Ihre Ängste, als Frau im Polizeicorps nicht ernstgenommen zu werden sowie die spezielle Beziehung zu ihrem Vater werden sehr realistisch thematisiert. Sie und ihr Vater werden verletzlich, aufbrausend und immer mal wieder versöhnlich und sehr humorvoll gezeigt und einmal mehr habe ich über Mankells Fähigkeit, zerbrechliche Familienbande äusserst realistisch darzustellen, gestaunt.
Der Fall an sich thematisiert menschliche Abgründe, Abhängigkeit, Glauben und Verlust. Die ruhige Entwicklung der Geschichte lässt tief in die Gedanken und Gefühle der ermittelnden Figuren und der Täter blicken. So entsteht ein einmal mehr hervorragend aufgebauter, spannende und sehr poetisch erzählter Krimi.

Schreibstil:
Henning Mankells Erzählsprache ist gewohnt ruhig, wer durchgehend Action und schnelle Szenenwechsel erwartet, ist mit einem Mankell schlecht beraten. Dafür ist Mankell nahe an seinen Figuren dran, wir erfassen die Emotionen und Gedanken von Linda und Kurt Wallander, werden in Überlegungen miteinbezogen und jede Szene ist äusserst atmosphärisch gestaltet. So kommt Spannung auf und die detaillierten aber für meinen Geschmack nie überladenen Beschreibungen lassen die Geschichte wie ein poetisch inszenierter Film vor dem inneren Auge vorbeiziehen.

Meine Empfehlung:
Einmal mehr hat mich Henning Mankell begeistert und vor allem hat mir gefallen, wie roh und authentisch die schwierige Tochter-Vater-Beziehung zwischen Linda und Kurt Wallander sowie Lindas Entwicklung zur Polizeianwärterin beschrieben werden. Die politische Aktualität der Handlung und die fesselnde Atmosphäre dieses Krimis haben mich definitiv überzeugt, weshalb ich ihn euch auch sehr herzlich empfehle.

Zusätzliche Infos:
Titel:
Vor dem Frost (7. Auflage)
Originaltitel: Innan frosten
Autor: Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, war einer der großen schwedischen Gegenwartsautoren, von Lesern rund um die Welt geschätzt. Sein Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt, es umfasst etwa vierzig Romane und zahlreiche Theaterstücke. Nicht nur sein Werk, sondern auch sein persönliches Engagement stand im Zeichen der Solidarität. Henning Mankell lebte abwechselnd in Schweden und Mosambik, wo er künstlerischer Leiter des Teatro Avenida in Maputo war. Er starb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv. 
Sprache: Deutsch
Aus dem Schwedischen von: Wolfgang Butt
Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 01.03.2011 (Erstausgabe)
ISBN: 978-3-423-20831-4