Rezension: Wenn der Rest der Welt schläft

https://www.randomhouse.de/Buch/Wenn-der-Rest-der-Welt-schlaeft/Rhys-Thomas/Wunderraum/e541712.rhd#biblios
Dieses Rezensionsexemplar aus dem Wunderraum-Verlag hat mich via Bloggerportal erreicht.

Wenn der Rest der Welt schläft - Rhys Thomas

Beschreibung des Verlages:
Für alle, die daran glauben, dass in jedem von uns ein Held steckt.
Sam will die Welt retten. Oder die Nachbarschaft. Oder vielleicht sich selbst.
Der 26-jährige Sam ist gezeichnet von einem tragischen Verlust. Seinen Alltag gestaltet er so, dass kein Raum bleibt für Überraschungen oder Gefühle. Doch nachts ist alles anders. Denn wenn der Rest der Welt schläft, lässt Sam sein von tiefer Einsamkeit geprägtes Leben hinter sich – und verwandelt sich in den Superhelden »Phantasma«. In einem selbst gebastelten Kostüm unternimmt er Streifzüge durch die Nachbarschaft und versucht, seinen Mitmenschen zu helfen. Als aber eines Tages eine wunderschöne junge Frau in sein Leben tritt, wird seine Welt komplett auf den Kopf gestellt. Schafft er es, auch im Alltag den großen Mut aufzubringen, den er als »Phantasma« schon lange beweist?

Meine Meinug:
"Wenn der Rest der Welt schläft" ist mein erstes Buch aus dem Wunderraum-Verlag und ich bin begeistert von der Aufmachung mit dem wunderschönen Leinenrücken, dem traumhaften Cover und dem farblich passenden Lesebändchen.
Auch inhaltlich hat mich das Buch überzeugt, was vor allem am liebenswerten Protagonisten Sam liegt. Dieser nämlich führt sein unscheinbares und geordnetes Leben mit einem Job, den er gewissenhaft erfüllt, seinem Haus, das er pedantisch rein hält und seiner Freizeit, die bis ins kleinste Detail geplant abläuft. Seine beiden Freunde sorgen dafür, dass er das Haus manchmal verlässt, aber ansonsten gibt es keine Unregelmässigkeiten in seinem Leben. In der Nacht aber macht er das, was ihm vor einigen Jahren auf tragische Weise verwehrt worden ist: er rettet andere Menschen, riskiert Kopf und Kragen und sorgt mit seinem Alter Ego "Phantasma", einem modernen, städtischen Superhelden, für reichlich Furore.
Anfangs wusste ich zwar noch überhaupt nicht, wohin mich diese Geschichte führen wird, was ich aber überhaupt nicht als Kritik verstanden haben will, sondern eher als Beschreibung eines sehr eigenwilligen Erzählstils. Dieser liest sich nämlich leicht und sehr flüssig, erzählt aber zuerst einmal vor allem, wie Sams Alltag aussieht und arbeitet mit Leerstellen, die zwar bereits viel erahnen lassen, die aber noch sehr unterschiedlich gefüllt werden können (was später dann natürlich auch geschieht).

Schreibstil und Handlung:
Wie bereits erwähnt, ist der Schreibstil dieses Buches sehr flüssig gehalten und mit vielen beschreibenden Elementen vom Aussehen der Figuren und von Sams Gedankengängen und seiner ganzen Gefühlswelt gespickt. Besonders gut dargestellt waren meiner Meinung nach dabei die Verwandlungen in den Superhelden "Phantasma". Ist Sam nämlich das "Phantasma", wird er plötzlich gelöst, mutig und spontan und was ihm nicht klar ist, dem Leser aber sofort: das "Phantasma" dient ihm dazu, aus seinem Leben auszubrechen und kompensiert einen grossen Verlust und eine grosse Ohnmacht. Plötzlich hat er dann nämlich die Fäden nicht nur seines Lebens, sondern scheinbar der ganzen Welt in der Hand und kann etwas bewirken. Er benötigt das "Phantasma", weil er nicht zulassen will, was er eigentlich aussprechen und verarbeiten müsste. Klar aber, dass dies längerfristig nicht gutgehen kann.
Wie sich sein Alltag plötzlich verändert, als er Sarah trifft, kann er aber anfangs selber gar nicht fassen. Und dann muss er sich einige Fragen stellen. Kann er über seine Vergangenheit sprechen? Kann er sich verlieben und gleichzeitig das "Phantasma" sein? Oder ist es gar möglich, diese Seite abzulegen und andere, schwere Gefühle zuzulassen? Wen muss er schlussendlich wirklich retten und wie kann er selber Frieden finden?

Meine Empfehlung:
Dieses Buch handelt von einem dramatischen Verlust, von einem jungen Mann, der zwar eigentlich mitten im Leben steht, sich aber zeitgleich ein Paralleluniversum aufgebaut hat, bis auch dieses aus den Fugen gerät. "Wenn der Rest der Welt schläft" ist ein feinsinniges Buch, das Freundschaft, Liebe, Mut und persönliche Stärke thematisiert. Und es ist ein Buch, das berührt, das unterhält, zum Nachdenken und Schmunzeln bringt und das ich euch sehr, sehr gerne ans Herz lege.

Zusätzliche Infos:
Titel: Wenn der Rest der Welt schläft
Originaltitel: The Unlikely Heroics of Sam Holloway
Autor: Rhys Thomas lebt in Cardiff, Wales mit seiner Lebensgefährtin und drei Katzen. Wenn er nicht gerade schreibt, arbeitet er am Institut für Pharmazie an der Cardiff University.
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Wibke Kuhn
Gebundenes Buch, Halbleinen: 448 Seiten
Verlag: Wunderraum
Erschienen: 01.10.2018 
ISBN: 978-3-336-54796-8

Lese-Statistik Oktober 2018 und ein wenig Geplauder

 
Hallo ihr Lieben :-)

Der Monat Oktober hatte es definitiv in sich. Eigentlich hatte ich direkt am Anfang des Monats zwei Wochen Ferien, habe in der ersten Woche aber durchgearbeitet und wurde dann in meiner zweiten Ferienwoche vom Liebsten nach Florenz entführt. HIER und HIER habe ich davon berichtet.
Direkt nach dieser sehr erholsamen Zeit bin ich voll durchgestartet und habe die ersten zwei Konzerte eines grossen Projekts spielen dürfen (das dritte Konzert steht noch aus) und die Schlussplanung eines anderen Projekts übernommen, da sind die Konzerte dann Ende November.
Gleichzeitig investiere ich sehr viel Zeit und Energie in meinen Unterricht, weil meine Schülerinnen und Schüler letztendlich auch eine Visitenkarte für mich und meine Arbeit sind und werde auch regelmässig für Konzerte, Stellvertretungen und die Leitung von Registerproben in der ganzen Schweiz gebucht, was mich natürlich sehr glücklich macht und dafür sorgt, dass die Rechnungen am Ende des Monats bezahlt werden können.

Was ich eigentlich sagen will: gelesen wird fast nur noch im Zug. Und gebloggt wird ab und zu abends vor dem Fernseher oder manchmal, ganz selten, in der Mittagspause. Dass mein langjähriger Begleiter, mein geliebter Laptop, Ende Oktober definitiv verstorben ist, machte dies alles und meine Arbeit, die aus sehr viel Zeit am Schreibtisch besteht, nicht einfacher und manchmal sogar unmöglich. Es hat aber auch Vorteile: mit meinem neuen wundervollen Luftie (wie ich mein MacBook Air sehr liebevoll nenne), arbeite ich schneller und effizienter als vorhin und musste mir (und muss immer noch, es ist ein Prozess) mir genau überlegen, welche Programme ich benötige, welche Dateien ich wo und wie speichere und wie ich insgesamt mit meinen Daten verfahre. Schliesslich durfte ich von neu auf beginnen und entscheide sehr vorsichtig, was ich auf meinen Luftie lasse und achte auf Ordnung und ein System, dass ich die nächsten paar Jahre durchziehen kann.

Das Bloggen fehlt mir aber. Ich will nicht einfach Rezensionen und Statistiken tippen und veröffentlichen und hoffen, dass ich im Monat wenigstens sieben bis acht Posts schaffe. Ich will mich wieder viel mehr austauschen, an Aktionen teilnehmen, Leseabende veranstalten und euch besser und persönlicher kennenlernen. Mir fehlt das, ich brauche diesen Austausch, ich möchte wissen, was bei euch ansteht, ich möchte sehen und lesen, welche Bücher ihr warum empfehlt und mich nicht einfach von Fazit zu Fazit, von Cover zu Cover klicken. Deshalb nehme ich mir wieder bewusst Zeit für dieses einzige Hobby, das nichts mit Musik zu tun hat (und für das Lesen an sich) und das mir so wichtig ist und starte einfach direkt sofort damit. Jeder neue Tag ist ein möglicher Neuanfang und auch wenn sich für euch vielleicht gar nichts ändern wird, so ist es mir zumindest wichtig, dies hier so festzuhalten und "in Stein zu meisseln", damit ich mich auch selber immer wieder daran erinnern kann. 

Nun aber genug Geplaudert, sicher wollt ihr schon wissen, welche Bücher mich durch den Oktober begleitet haben. Dies waren zwar nicht viele und leider war der Lesemonat insgesamt nicht sehr berauschend, aber trotzdem waren drei Highlights dabei.
Aber lest selber:

Meine gelesenen Bücher im Oktober (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite):

Brutal, derb, böse, fesselnd und sehr, sehr gut:
https://www.kiwi-verlag.de/buch/duve-regenroman/978-3-462-05243-5/

Leider der bisher schwächste Teil der Reihe, mit schöner Sprache aber frauenfeindlich:
https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Das-wunderbare-Wollparadies/Manuela-Inusa/Blanvalet-Taschenbuch/e534712.rhd

Eine poetische Sprache, eine vielschichte Geschichte und spannende Protagonisten, mehr davon:
https://www.randomhouse.de/Buch/Und-die-Braut-schloss-die-Tuer/Ronit-Matalon/Luchterhand-Literaturverlag/e524483.rhd

Der Name der Autorin ist Programm: dieses Buch ist einfach nur platt:
https://www.rowohlt.de/taschenbuch/jo-platt-die-buecherfreundinnen.html

Mein Highlight aus dem Monat Oktober:
 https://www.diogenes.ch/leser/titel/patrick-sueskind/das-parfum-9783257228007.html

Meine Rezensionen im Überblick:
Regenroman - Karen Duve   (320 Seiten)
Alle Zahlen auf einen Blick:
Gelesene Bücher: 5
Somit in die Leseeule: 5 Franken
Gelesene Seiten: 1'568 Seiten
Durchschnittliche Seitenzahl pro Tag: 50.58 Seiten
SuB am Monatsbeginn: 148
Aktueller SuB: 145
Differenz: - 3 (es geht wieder in die richtige Richtung)

Neuzugänge Oktober 2018

Hallo und guten Samstag ihr Lieben

Im Oktober hatte ich meine Neuzugänge endlich wieder ein wenig im Griff und habe auch dafür sorgen können, dass mein SuB weiter schrumpft. Mein Jahresziel bezüglich SuB-Abbau werde ich zwar mit ziemlich grosser Sicherheit nicht mehr erreichen (es sei denn, ich lese im Oktober und November je zwanzig Bücher oder miste richtig kräftig aus), aber das ist nun nicht mehr ganz so wichtig, weil ich auf dem richtigen Weg bin und meine Bücher wirklich geniessen kann und nicht mehr permanent vom ewig wachsenden SuB erdrückt werde. Der Abbau ist seit Mai 2017 konstant vorhanden (nur im letzten Monat hattte ich ein kleines Plus zu verbuchen, eine Ausnahme in mehr als einem Jahr kann ich verschmerzen) und auch wenn es langsam vorangeht, so geht es doch voran.

Und das sind meine beiden Neuzugänge aus dem Monat Oktober (ein Klick aufs Bild führt zur Verlagsseite):
https://www.randomhouse.de/Buch/Und-die-Braut-schloss-die-Tuer/Ronit-Matalon/Luchterhand-Literaturverlag/e524483.rhd 
"Und die Braut schloss die Tür" von Ronit Matalon hat mich via Bloggerportal von Randomhouse erreicht. Es ist im Verlag Luchterhand erschienen und überzeugt mit einer sehr poetischen Sprache und einer unterhaltsamen und vielschichtigen Handlung. Meine Rezension ist vor einigen Tagen erschienen.

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/short/978-3-446-26047-4/
"Short - Manchmal wächst man über sich hinaus" von Holly Goldberg Sloan habe ich von der lieben Damaris geschenkt bekommen. Ich habe ihr bei ihrem Beitrag zu diesem Buch einen Kommentar hinterlassen und dabei erwähnt, dass ich mich sehr für das Buch interessiere, woraufhin sie es mir geschickt hat, weil sie sich sicher war, dass sie es kein zweites Mal lesen würde. Wirklich eine tolle Geschichte, findet ihr nicht auch?
Ich werde "Short" voraussichtlich im November lesen.

Und nun seid ihr an der Reihe: kennt ihr eines meiner neuen Bücher schon? Wie hat es euch gefallen? Welcher Neuzugang hat es euch im Oktober besonders angetan?

Und nun noch ein wenig Statistik:
Geschenkt bekommene Bücher: 1
Rezensionsexemplare: 1
Gekaufte Bücher: -
Eingesammelte Bücher: -
Gesamte Neuzugänge: 2
SuB am Monatsbeginn: 148
Aktueller SuB: 145

Kurzrezension: Das Parfum

 
Das Parfum - Patrick Süskind

Beschreibung:
»Von Jean-Baptiste Grenouille, dem finsteren Helden, sei nur verraten, daß er 1738 in Paris, in einer stinkigen Fischbude, geboren wird. Die Ammen, denen das Kerlchen an die Brust gelegt wird, halten es nur ein paar Tage mit ihm aus: Er sei zu gierig, außerdem vom Teufel besessen, wofür es untrügliche Indizien gebe: den fehlenden Duft, den unverwechselbaren Geruch, den Säuglinge auszuströmen pflegen.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Meine Meinung:
"Das Parfum" ist ein Buchklassiker, den wohl einige von euch in der Schule gelesen haben. Bei mir war das leider nicht der Fall, vielmehr habe ich mir das Buch gebraucht gekauft (wie man ihm ansehen kann) und es dann auf meinem SuB gelagert. Zum Glück hatte ich im September/Oktober die Möglichkeit, es in einer Leserunde zu lesen und auch wenn ich mein Buch irgendwie in meinem Chaos auf dem Schreibtisch "verloren" und es deshalb erst vor einer Woche, also erst nach Ende der Leserunde, beendet habe, konnte ich den Austausch mit den anderen Leserinnen sehr geniessen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich habe den Schreibstil gemocht und mich sehr gerne auf die ungewöhnliche Geschichte mit einem der wohl unsympathischsten Protagonisten der Literaturgeschichte eingelassen.

Schreibstil und Handlung:
Zum Inhalt des Buches muss ich wohl nicht zu viel sagen, sicher kennt ihr das Buch oder den Film oder habt zumindest schon einmal von Grenouille, der ohne eigenen Körperduft unter widrigsten Umständen geboren worden ist, dessen Nase aber so fein ist, dass er selbst komplizierteste Duftkombinationen genau erkennen kann, gehört. Und wie es der Untertitel schon sagt, bewegt sich Grenouille in seiner ganz eigenen Welt, in der er keine Rücksicht auf geltende Gesetze nimmt und sich nur von seiner Nase zu den schönsten Frauen des Landes führen lässt, um ihren Duft zu gewinnen und diesen zu einem ganz eigenen, perfekten Parfum zu kombinieren.
Als Leserin habe ich über die präzissen Beschreibungen von Düften gestaunt, mich vor dem Protagonisten, seiner schnüffelnden Nase, seinen animalischen Bewegungen und dem Leben, das er führt, geekelt und mit der Bevölkerung, in der die Angst und Unsicherheit stetig wächst, mitgefühlt.
Die Sprache liest sich sehr flüssig und auch wenn sie sich bezüglich Ausruck und Wortwahl ein wenig an die Zeit anpasst, in der das Buch spielt (18. Jahrhundert), so wird doch die Sprache nie zum Hindernis, sondern führt bestens durch die Geschichte, stockt nicht, ist wunderschön beschreibend und sorgt für verschiedenste Emotionen und ganz viel Spannung.


Meine Empfehlung:
Ich empfehle euch diesen Klassiker der deutschsprachigen Literatur sehr gerne weiter und freue mich sehr, wenn ihr eure Erfahrungen mit "Das Parfum" mit mir teilen möchtet, falls ihr es bereits gelesen habt.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Parfum
Autor: Patrick Süskind, geboren 1949 in Ambach am Starnberger See, studierte in München und in Aix-en-Provence mittlere und neuere Geschichte und verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst mit dem Schreiben von Drehbüchern. 1984 erschien sein Ein-Personen-Stück ›Der Kontrabaß‹, 1985 sein Roman ›Das Parfum‹, der 2005 von Tom Tykwer verfilmt wurde. 1987 folgte die Erzählung ›Die Taube‹ und 1991 ›Die Geschichte von Herrn Sommer‹, mit Illustrationen von Jean-Jacques Sempé. Patrick Süskinds Werk ist in über fünfzig Sprachen übersetzt.
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Diogenes
Erschienen am: 01. Februar 1994
ISBN: 978-3-257-22800-7

Rezension: Die Bücherfreundinnen

https://www.rowohlt.de/taschenbuch/jo-platt-die-buecherfreundinnen.html
Die Bücherfreundinnen - Jo Platt

Beschreibung des Verlages:
Alice, Miriam, Sophie, Connie und Abigail sind die besten Freundinnen. Sie lachen zusammen und sie lesen zusammen. Einmal im Monat trifft sich ihr Buchclub. Doch eine fehlt – Lydia. Vor drei Jahren starb sie an Krebs. Ihr letzter Wunsch an die Freundinnen: Ihr Mann sollte in den Club aufgenommen werden, seitdem ist Jon bei jedem Treffen dabei. Die Freundschaft hat allen fünf geholfen, mit dem Verlust fertigzuwerden. Nur Alice ist nicht glücklich. Eine Dating-Katastrophe jagt die nächste. Kein Mann scheint richtig zu sein für die Innenarchitektin. Ihre Freundinnen sind fest entschlossen, Alice zu ihrem Glück zu zwingen, denn sie ahnen, dass es näher liegt, als Alice sich eingestehen will.
«Die Bücherfreundinnen», der neue Roman von Jo Platt nach dem Spiegel-Bestseller «Herz über Kopf», ist ein Plädoyer für die Freundschaft und dafür, zweite Chancen im Leben zu nutzen.

Meine Meinung:
Liebe Leserinnen und Leser, ich kann mir das Wortspiel nicht verkneifen: der Name der Autorin ist in diesem Buch Programm. Komplett "platt" kommen nämlich der Handlungsverlauf und die Figuren (allen voran die Protagonistin) daher und auch wenn sich dieses Buch flüssig lesen lässt, sogar einzelne berührende Passagen darin zu finden sind und der Schreibstil manchmal wirklich äusserst humorvoll ist, reicht das leider nicht aus.  

Grundidee und Handlung:
Die Grundidee für dieses Buch ist meiner Meinung nach genial. Ein paar Freundinnen schliessen sich in jungen Jahren zu einem Buchclub zusammen und während die Zeit nicht nur sie alle, sondern auch ihre Freundschaften verändern, bleibt der Buchclub in wechselnder Besetzung bestehen. Die Mitbegründerin Lydia ist im Laufe der Jahre an Krebs erkrankt und hat den Kampf gegen die schwere Krankheit verloren, aber ihr Mann Jon nimmt mitterlweile auf ihren Rat und Wunsch hin an den Buchclubtreffen teil. Nach und nach haben auch einige andere der Frauen geheiratet oder einen Partner gefunden und auch deren Männer sind regelmässig bei den Treffen dabei. Diese Treffen dienen aber nur selten dem Austausch über Bücher (der meiner Meinung nach so oder so im ganzen Buch ein wenig zu kurz kommt), sondern vielmehr dem privaten Geplänkel. Insbesondere das Liebesleben von Alice wird dabei immer wieder unter die Lupe genommen und es fehlt nicht an Angeboten ihrer Freundinnen, sie stets mit neuen Männern zu verkuppeln, was manchmal sogar zu ziemlich amüsanten Dates und schrägen Aufeinandertreffen führt.
Viel weiter in die Tiefe geht die ganze Geschichte jedoch nicht, lediglich einige Szenen in Alices Arbeitsleben mit ihrem Chef David und ihrer Mitarbeiterin Sophie, die einer eingebildeten Auftraggeberin trotzen, sind noch ziemlich unterhaltsam gestaltet. Einige Rückblenden zeigen zudem eine Zeit, in der Lydia noch gelebt hat, eine Zeit, in der sie langsam Abschied nehmen musste und da kamen mir einige Male die Tränen, weil ich bei diesem Thema sehr sensibel bin und vor allem die Szenen des Abschieds als sehr emotional empfunden habe. Ansonsten aber bleiben die Figuren (mit einer Ausnahme) sehr flach und auch nach knapp vierhundert Seiten kann ich sie mir optisch weder vorstellen, noch möchte ich weitere Zeit mit ihnen verbringen. Schade, weil einige humorvolle Szenen und die Grundidee wirklich sehr gelungen sind.

Die Ausnahme:
Wie bereits erwähnt, ist eine Person meiner Meinung nach sehr viel vielschichtiger dargestellt, als die anderen. Dies ist Alices Vater, der - vor einigen Jahren verwitwet - dabei ist, sich ein neues Leben aufzubauen. Ein festes Band verbindet Alice mit ihm und der erlittene Verlust ihrer Mutter, also seiner Ehefrau, hat die beiden noch stärker zusammengeschweisst. Sie kümmern sich rührend umeinander und bei einem wirklich bewegenden Gespräch bei einem gemeinsamen Essen der beiden, musste ich mir einige Tränchen aus den Augenwinkeln wischen.

Alice, ach Alice:
Gerade die Protagonistin dieses Buches, die ja eigentlich so eine wichtige Figur wäre/sein könnte, hat mich leider gar nicht überzeugen können. Sie ist mir viel zu naiv, manchmal fast ein wenig dämlich und steht permanent auf dem Schlauch. Es kommt vor, dass im Freundeskreis gewitzelt wird oder dass einzelne Situationen aufkommen, die missverstänlich sein könnten (wenn man sie denn falsch verstehen möchte), und es ist immer Alice, die erst als Letzte von allen versteht, was nun eigentlich Sache ist. Fast ein wenig dümmlich kommt sie mir dabei vor und zugleich komplett verloren, als auch eigentlich sehr selbstbewusst. Zum Handlungsverlauf lässt sich dabei nur sagen: nach wenigen Seiten ist allen klar, wie dieses Buch enden muss (und wird), nur Alice kapiert es erst auf den letzten paar Seiten und das ist wirklich lächerlich...

Mein Fazit:
Es scheint so, als würde Jo Platt eigentlich alle Aspekte des schriftstellerischen Handwerks beherrschen. Sie schreibt leicht und humorvoll, hat gute Ideen und kann verschiedene Emotionen hervorrufen. Nur leider gelingt es ihr nicht, ihre Figuren vielschichtig zu gestalten und beim Handlungsaufbau versagen ihre Qualitäten leider komplett, was wirklich sehr, sehr schade ist. Definitiv keine Leseempfehlung von mir.

Zusätzliche Infos:
Titel: Die Bücherfreundinnen
Originaltitel: It was you
Autorin: Jo Platt wurde in Liverpool geboren und studierte Literatur. Über das ländliche Wiltshire, London und Seattle, wo sie als Lehrerin arbeitete, verschlug es sie nach St Albans, wo ihr erster Roman «Herz über Kopf» spielt, der es auf Anhieb auf die deutsche Bestsellerliste schaffte. Heute lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Bristol.
Taschenbuch: 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Katharina Naumann
Verlag: rororo
Erscheinungstermin: 21.05.2016
h 978-3-499-26886-1