Neuzugänge
Der Autor Ivo Andrić stammt aus Travnik und deshalb hat er für mich an Bedeutung gewonnen. Im Sommer war ich ja einige Tage in der Nähe von Travnik und auch in der Stadt selber (hier). Da ich noch kein einziges Buch von ihm gelesen habe, will ich dies nun nachholen.
Aus aktuellem Anlass
Dirk Bach ist tot. Eponine liest, und schweigt. Gibt dann im Internet Dirk Bach ein und sieht, wie viele Menschen Anteil nehmen. Sie findet es lächerlich, dass so viele Leute es nötig haben R.I.P. in irgendwelchen Foren zu posten und dann noch Texte zu schreiben von wegen "kleiner, dicker Mann ist tot" und "mein Beileid an seine Angehörigen".
Internet sei Dank (oder Fluch) ist es heute möglich, überall Anteil zu nehmen. Nicht nur Promigeburten und Hochzeiten, Babyfotos und Nacktbaden sondern auch privateste Privatmitteilungen werden mit der ganzen Welt geteilt. Freude und Leid. Und genau so oberflächlich und gedankenlos wie das alles im Netz landet, wird es auch kommentiert und am nächsten Tag wieder vergessen. Natürlich stimmt es traurig, wenn eine Persönlichkeit stirbt, die man als Fersehstar gemocht hat, natürlich betrübt der Tod des Lieblingssängers oder -schauspielers und gerade wenn jemand jung stirbt und Kinder und eine liebe Familie hinterlässt und sein Leben lang nur für positive Schlagzeilen gesorgt hat, ist die Betroffenheit gross und grösser. Ist es aber nötig, sein Beileid so auszudrücken? Wenn man die Betroffenen und deren Angehörigen nicht einmal persönlich kannte? Ist es nicht viel sinnvoller, sich vertrauensvoll an einen lieben Mitmenschen zu wenden, wenn ein Tod wirklich betroffen macht und dann im Stillen eine Kerze anzuzünden anstatt einfach eine Nachricht im Irgendwo des Irgendwos zu hinterlassen, nur weil man gerade zufällig darüber gestolpert ist und weil es eben alle so machen?
Und trotzdem sind da die vielen Dinge, die positiv stimmen. Schauspielkollegen und enge Freunde von Dirk Bach kommen zu Wort. Einige sagen nichts, einige schliessen sich den Beileidsbekundigungen an und dann gibt es noch die, welche rühmen, bewundern, loben. Alle diese Menschen, welche das Gute noch einmal hervorheben und zeigen, was genau sie gemocht und geschätzt und worüber sie gelacht und geweint haben. Und dies geschieht immer, wenn eine Person der Öffentlichkeit oder auch generell jemand stirbt. Immer dann, wenn so etwas Tragisches und Unvorgesehenes passiert, kommen Freunde zu Wort, Politiker, andere Prominente und loben posthum noch einmal den Verstorbenen. Und dies ist eine wunderschöne Geste. Schöne Geschichten und witzige Kommentare werden so immer denen in Erinnerung bleiben, die sich wirklich für jemanden interessiert haben.
Nur schade ist, dass erst jemand sterben muss, damit die Welt (und vielleicht auch er selber) erfährt, was an seiner Person und seinem Werk geschätzt wurde. So wie gewisse Musiker zu ihrer Zeit am Hungertuch nagten und als Schwachsinnige abgetan wurden und nun täglich und zu jeder Uhrzeit irgendwo gespielt werden und so, wie gewisse Maler nie auch nur einen Rappen in der Tasche hatten und nun so bekannt sind, dass ihre Bilder aufAuktionen Millionenpreise erziehlen. Diese unglaubliche, an Perversion heranreichende, Entwicklung zur Übertreibung hin macht Angst und verunsichert. Wüssten die Maler, dass ihre Bilder heute teurer verkauft werden, als alles, was sie zu ihren Lebzeiten je besessen hatten und wüssten die Komponisten berühmter Opern, dass Starsopranistinnen pro Abend eine Gage von 30'000 Franken verlangen um aufzutreten, sie würden sich alle im Grab herumdrehen und sich vielleicht sogar fragen, warum sie aus ihren Werken nicht mehr Profit geschlagen hatten. Vielleicht aber auch genau nicht. Und zwar, weil sie alles - ohne je Dank oder Lob oder übermässiges Geld zu erhalten - in erster Linie getan hatten, um des Werkes Willen. Und trotzdem hätten sie es verdient gehabt, dass jemand einmal gesagt hätte, dass sie einfach alle wunderbar, geistreich, beliebt, geliebt und verehrt sind. Genau so, wie es jeder Mensch verdient hätte, für seine Arbeit und seine Person, für seinen Charakter, sein Lachen, seine Fähigkeit zuzuhören, seine Grosszügigkeit, seine Anteilnahme, seinen Humor und allen, allen, allen Dingen, welche an ihm geschätzt werden, gelobt und geachtet zu werden.
Und Eponine greift zum Hörer und sagt jemandem, wie gerne sie ihn mag. Sie schreibt eine SMS und einen Brief. Weil das viel zu selten vorkommt und weil sie genau jetzt in der Stimmung dafür ist, gewissen Menschen einfach einmal zu sagen, was sie an ihnen schätzt. Und gewissen Menschen einfach nur Danke zu sagen. Für alles.
Denn es ist immer das Gute, was bleibt.
Internet sei Dank (oder Fluch) ist es heute möglich, überall Anteil zu nehmen. Nicht nur Promigeburten und Hochzeiten, Babyfotos und Nacktbaden sondern auch privateste Privatmitteilungen werden mit der ganzen Welt geteilt. Freude und Leid. Und genau so oberflächlich und gedankenlos wie das alles im Netz landet, wird es auch kommentiert und am nächsten Tag wieder vergessen. Natürlich stimmt es traurig, wenn eine Persönlichkeit stirbt, die man als Fersehstar gemocht hat, natürlich betrübt der Tod des Lieblingssängers oder -schauspielers und gerade wenn jemand jung stirbt und Kinder und eine liebe Familie hinterlässt und sein Leben lang nur für positive Schlagzeilen gesorgt hat, ist die Betroffenheit gross und grösser. Ist es aber nötig, sein Beileid so auszudrücken? Wenn man die Betroffenen und deren Angehörigen nicht einmal persönlich kannte? Ist es nicht viel sinnvoller, sich vertrauensvoll an einen lieben Mitmenschen zu wenden, wenn ein Tod wirklich betroffen macht und dann im Stillen eine Kerze anzuzünden anstatt einfach eine Nachricht im Irgendwo des Irgendwos zu hinterlassen, nur weil man gerade zufällig darüber gestolpert ist und weil es eben alle so machen?
Und trotzdem sind da die vielen Dinge, die positiv stimmen. Schauspielkollegen und enge Freunde von Dirk Bach kommen zu Wort. Einige sagen nichts, einige schliessen sich den Beileidsbekundigungen an und dann gibt es noch die, welche rühmen, bewundern, loben. Alle diese Menschen, welche das Gute noch einmal hervorheben und zeigen, was genau sie gemocht und geschätzt und worüber sie gelacht und geweint haben. Und dies geschieht immer, wenn eine Person der Öffentlichkeit oder auch generell jemand stirbt. Immer dann, wenn so etwas Tragisches und Unvorgesehenes passiert, kommen Freunde zu Wort, Politiker, andere Prominente und loben posthum noch einmal den Verstorbenen. Und dies ist eine wunderschöne Geste. Schöne Geschichten und witzige Kommentare werden so immer denen in Erinnerung bleiben, die sich wirklich für jemanden interessiert haben.
Nur schade ist, dass erst jemand sterben muss, damit die Welt (und vielleicht auch er selber) erfährt, was an seiner Person und seinem Werk geschätzt wurde. So wie gewisse Musiker zu ihrer Zeit am Hungertuch nagten und als Schwachsinnige abgetan wurden und nun täglich und zu jeder Uhrzeit irgendwo gespielt werden und so, wie gewisse Maler nie auch nur einen Rappen in der Tasche hatten und nun so bekannt sind, dass ihre Bilder aufAuktionen Millionenpreise erziehlen. Diese unglaubliche, an Perversion heranreichende, Entwicklung zur Übertreibung hin macht Angst und verunsichert. Wüssten die Maler, dass ihre Bilder heute teurer verkauft werden, als alles, was sie zu ihren Lebzeiten je besessen hatten und wüssten die Komponisten berühmter Opern, dass Starsopranistinnen pro Abend eine Gage von 30'000 Franken verlangen um aufzutreten, sie würden sich alle im Grab herumdrehen und sich vielleicht sogar fragen, warum sie aus ihren Werken nicht mehr Profit geschlagen hatten. Vielleicht aber auch genau nicht. Und zwar, weil sie alles - ohne je Dank oder Lob oder übermässiges Geld zu erhalten - in erster Linie getan hatten, um des Werkes Willen. Und trotzdem hätten sie es verdient gehabt, dass jemand einmal gesagt hätte, dass sie einfach alle wunderbar, geistreich, beliebt, geliebt und verehrt sind. Genau so, wie es jeder Mensch verdient hätte, für seine Arbeit und seine Person, für seinen Charakter, sein Lachen, seine Fähigkeit zuzuhören, seine Grosszügigkeit, seine Anteilnahme, seinen Humor und allen, allen, allen Dingen, welche an ihm geschätzt werden, gelobt und geachtet zu werden.
Und Eponine greift zum Hörer und sagt jemandem, wie gerne sie ihn mag. Sie schreibt eine SMS und einen Brief. Weil das viel zu selten vorkommt und weil sie genau jetzt in der Stimmung dafür ist, gewissen Menschen einfach einmal zu sagen, was sie an ihnen schätzt. Und gewissen Menschen einfach nur Danke zu sagen. Für alles.
Denn es ist immer das Gute, was bleibt.
Alle sterben, auch die Löffelstöre
Klappentext:
Paul ist tot - und seine beste Freundin Skarlet muss lernen, damit fertigzuwerden. Immer wieder fallen ihr Episoden ein, die sie mit Paul erlebt hat: wie sie sich schon damals in Kindertagen gegen die verhasste Tante Edeltraut verbündeten, das Studium in Leipzig, der Fall der Mauer. Nun hält Skarlet einen Brief von Paul in Händen, in dem er sie bittet, seine Grabrede zu halten ... Die Geschichte einer ganz besonderen lebenslangen Freundschaft.
Mitten in der Erzählung, mitten im Leben scheint diese Geschichte zu beginnen und genau das ist sie auch; nie der Reihe nach, nie wie erwartet und nie langweilig oder einseitig wie das Leben und die Liebe oder auch eben genau diese eine Freundschaft zwischen Skarlet und Paul.
Im Kindergarten verbünden sich die beiden Kinder und bleiben von da an immer zusammen. Paul, der keinen Vater hat und sich so gerne einen wünscht und Skarlet, die nicht versteht, was an einem Vater so toll sein kann und am liebsten keinen hätte. Zwei ganz unterschiedliche Kinder aus unterschiedlichen Familien mit einer wunderbaren Gemeinsamkeit; der Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen. Und genau diese Leidenschaft ist es, die sie beide bis zum Schluss von Pauls Leben - und darüber hinaus - immer wieder zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringt. Wenn Skarlet Paul besucht, bringt sie nicht Mitleid und leere Worte ans Krankenbett, sondern ihre Geschichten von früher, als sie die Welt bereisten und Abenteuer erlebten, vom Mauerfall und dem Studium, von Pauls Vater, der sich sicher nur davongestohlen hatte, um im Zirkus aufzutreten und Skarlets missglückter Ehe zu Christian. Diese Geschichten begleiten sie auch nach Pauls Tod und helfen ihr schlussendlich, die wohl schwerste Aufgabe ihres bisherigen Lebens zu meistern: Pauls Grabrede zu halten.
Die Euphorie alter Zeiten und der süsse Geschmack der Erinnerungen daran durchziehen dieses Buch und fesseln an die Geschichte, als wäre man selber überall dabei gewesen, als würde man auch zu den Geschichtenerzählern gehören. Getragen von einem ständigen Gedankenfluss, der nur durch die teilweise rauhe, traurige, harte aber auch lebhafte und fröhliche Realität durchbrochen wird, begibt sich der Leser ganz nahe an die Figuren heran und erlebt ein ganzes Leben wie in Trance. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und bin immer noch erschüttert, fasziniert, berührt und belebt von dieser wunderbaren Geschichte einer Freundschaft, so lange und so spannend wie das Leben selbst.
Das sind ja Forderungen
"Weisst du was? Wenn du das nächste Mal so Mitte Oktober vorbeikommst, erzählst du mir eine ganz lange und ausgeklügelte Geschichte. Du kannst dir jetzt einige Gedanken machen und alles schön aufschreiben und mir dann vorlesen und dann ein Buch daraus machen. Ist das in Ordnung?", fragte der überaus belesene, hochintelligente, fantasybesessene, elfjährige Babysitterjunge.
Na dann man los, würde ich sagen...

