Schwesterherz, letzter Teil

"Fred?", rief sie.
Sie öffnete alle Türen seiner Wohnung. Er hatte sich zu lange nicht blicken lassen und hob den Hörer seines Telefons nicht ab. Sie hatte sich den Ersatzschlüssel zu seiner Wohnung geschnappt und war hingeradelt. Dann hatte sie die Türe geöffnet und seinen Namen gerufen. Zuerst geschrien und dann gesprochen und als sie ihn nun auf dem Boden seines Schlafzimmers liegen sah, flüsterte sie ihn nur noch. Und sie trat an ihn heran und sah, dass er kein Leben mehr in sich hatte.
Als sie Stunden und Stunden neben ihm gesessen und ihn gestreichelt hatte, konnte sie seinen Anblick nicht mehr länger ertragen.
Sie fuhr nach Hause und ging in ihr Schlafzimmer. Dort sah sie den Zettel mit der Nummer ihrer Schwester. Ohne lange zu überlegen, tippte sie die Zahlenfolge in ihr Telefon ein.
Nach langer, ewig langer Zeit meldete sich Jacqueline.
"Wer ist da?", fragte sie verschlafen.
"Jackie? Ich glaube, ich brauche dich."
Und erst dann begann sie zu weinen.



ENDE


Eintönig







Wer nur Schwarz und Weiss sieht, hat den Sinn und die Schönheit des Sehens nicht verstanden.

Schwesterherz, neunter Teil

Es war stiller geworden. Auch Fred war stiller geworden. Aber nun weinte er sehr häufig. Und er weigerte sich, zum Arzt zu gehen oder seinen Therapeuten anzurufen. Andrina hatte den Arzt angefleht, einen Hausbesuch zu machen, aber dieser weigerte sich. Es bestehe ja schliesslich kein Grund zur Sorge.
Fred war alleine in seiner Wohnung. Er war müde. Ganz langsam füllte er ein Glas mit Wasser. Es schien ihm, als würden die Tropfen einzeln ins Glas hinein schleichen. Als das Glas endlich gefüllt war, suchte er seine Medikamente. Tablette für Tablette holte er aus den Verpackungen und Tablette für Tablette warf er mit zitternden Fingern ins Glas, während die Uhr unaufhaltsam tickte und die Sekunden trotzdem nur quälend langsam verstrichen. Seine kurzen, braunen Haare klebten ihm am Kopf und als er das Glas langsam zum Mund hob und dann jeden einzelnen darin enthaltenen Schluck der nun gelben Flüssigkeit zu geniessen schien, wusste er, dass er den Vampir nie wieder sehen würde.