Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird - Iuona Guruli
Beschreibung des Verlages:
Iunona Guruli schafft georgische Geschichten, die wie wundersame Filme
sind und immer zu früh enden. Ein flauschig-weicher Vogel, der vergessen
in der Manteltasche zum Schutzpatron eines jungen Mädchens wird. Die
zauberhaften Märchen des verlorenen Vaters, die der jungen Frau in
tiefster Dunkelheit beistehen. Es sind zarte Momente wie diese, voller
Schmerz, Liebe und Hoffnung, die Iunona Gurulis Erzählungen einer
zerrissenen georgischen Jugend zum Strahlen bringen und sie zu einer der
aufregendsten weiblichen Stimmen der georgischen Gegenwartsliteratur
machen.
TW: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt, Sucht, Drogen, Alkohol, Suizidgedanken
Inhalt:
In sechzehn Szenen widmet sich die Wortkünstlerin Iunona Guruli Alltagssituationen, Beziehungen, Familienkonstellationen und Erinnerungen Sie schafft es, ihre Figuren zwar kurz, aber intensiv durch die Texte zu begleiten und dabei Beklemmung, Liebe, Freundschaft und immer wieder einen Silberstreifen am Horizont spüren zu lassen. Umrahmt und unterbrochen werden diese Szenen von berührenden und unterhaltsamen "Kleinanzeigen", die nachhallen.
Meine Meinung:
"Biete:
28 Jahre alte, aber gut erhaltene grüne Augen, verschimmelte Träume und gebrochenes Herz mit interessantem Inhalt.
Preis: Verhandlungsbasis."
So beginnt dieses ungewöhnliche Buch und lässt damit direkt spüren, dass Guruli nicht lange fackelt, sondern mitten ins Geschehen, ins Leben ihrer Figuren springt, die teilweise verzweifelt, hoffend oder von Angst geplagt durch ihren Alltag stolpern. Sie verschont weder sie noch uns und mutet ihren Lesenden heftige Texte mit gewaltvollem Inhalt zu, welche mich oft haben innehalten lassen. Genau so schnell, wie sie uns ihre Figuren vorstellt, verlässt sie diese manchmal auch wieder, lässt sie teilweise erneut vorkommen oder nie mehr und lässt uns mitfiebernd und auf ein gutes Ende hoffend mit offenen Fragen zurück. Nur einige Male hätte ich mir doch noch ein wenig mehr Handlung oder auch Auflösung gewünscht, ansonsten empfand ich dies allerdings als stimmig. Immer wieder nimmt Guruli übrigens Bezug auf ihre Heimat Georgien, auf Krieg und Flucht und Armut und das harte Leben am Rande der Gesellschaft. Und auch wenn ich vom Inhalt manchmal sogar ein wenig abgeschreckt war, wollte ich doch immer weiterlesen, kein Wort dieser grandiosen Erzählerin verpassen, welche dieses Werk direkt selber vom Georgischen ins Deutsche übersetzt hat.
Meine Empfehlung:
Ich bin ehrlich begeistert und überzeugt und möchte noch viel mehr Texte aus Gurulis Feder lesen. Wenn ihr euch nicht ganz einfache Kost zutraut, seid ihr mit diesem mal zarten, poetischen, mal wuchtig und brutalen Buch bestens beraten.
Zusätzliche Infos:
Titel: Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird
Autorin: Iunona Guruli, 1978 geboren in Tbilisi, Georgien, studierte Schauspiel
und Journalistik. Lange Zeit pendelte sie zwischen Wohnungen, Städten,
Ländern. Seit 1999 lebt sie in Deutschland. Nach dem Studium der Politik
und Geschichte zog sie schließlich nach Berlin, wo sie heute als
Übersetzerin für Deutsch und Georgisch lebt. »Wenn es nur Licht gäbe,
bevor es dunkel wird« ist ihr Debüt, das sie selbst aus dem Georgischen
übertragen hat. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman, den sie auf
Deutsch schreibt.
Fester Einband mit Schutzumschlag: 224 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: btb
Ersterscheinung: 20.08.2018
ISBN: 9783442757992
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