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23 Februar 2017

Rezension: Das Herzenhören

Das Herzenhören - Jan-Philipp Sendker (Die Burma-Serie 1)

Beschreibung des Verlages:
Eine der großen Liebesgeschichten unserer Zeit, die schon Hunderttausende Leserinnen begeisterte und stetig neue Leser findet: Die Suche nach ihrem vermissten Vater führt Julia Win von New York nach Kalaw, einem malerischen, in den Bergen Burmas versteckten Dorf. Ein vierzig Jahre alter Liebesbrief ihres Vaters an eine unbekannte Frau hat sie an diesen magischen Ort geführt. Hier findet sie nicht nur einen Bruder, von dem sie nichts wusste, sondern stößt auch auf ein Familiengeheimnis, das ihr Leben für immer verändert.

Meine Meinung:
Schon nach wenigen Seiten hat mich dieses Buch an die Hand genommen und in eine mir völlig fremde Welt geführt. Ich bin mit Julia nach Burma gereist und habe an ihrer Seite wunderbare Landschaften, Menschen und eine mir bis dahin noch total fremde Kultur kennenlernen dürfen.

"Nicht alles, was wahr ist, kann man erklären, Julia", unterbrach er mich. "Und nicht alles, was man erklären kann, ist wahr."

S. 282, Das Herzenhören 

Schon ein paar Jahre wird Julias Vater vermisst, als sie es in New York nicht mehr aushält. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die von vielen enttäuschenden Ehejahren verbittert und scheinbar betrogen zurückbleibt, möchte sie ihren Vater finden, in Erfahrung bringen, was in den ersten zwanzig Jahren seines Lebens geschehen ist und ihn fragen, warum er sie, ihren Bruder und ihre Mutter so plötzlich verlassen hat. Mit einem Liebesbrief an eine gewisse Mi Mi in der Hand macht sie sich voller offener Fragen auf nach Burma. Dort trifft sie zuerst aber nicht ihren Vater an, sondern eine klebrige Hitze und einen älteren Mann, der ihren Vater gut zu kennen scheint. Bevor er sie zu ihm führt, will er ihr die Geschichte von Mi Mi und Tin Win erzählen. Eine Geschichte, die Julia an allem zweifeln lässt, was sie geglaubt und ihrem Vater unterstellt hat, eine Geschichte, die ihr ihren Vater näherbringt, als er ihr je war und eine Geschichte, welche die grösste Macht zum Thema hat, die den Menschen je geschenkt worden ist: die Liebe.

"Ich spreche von der Liebe, die Blinde zu Sehenden macht. Von der Liebe, die stärker ist als die Angst. Ich spreche von der Liebe, die dem Leben einen Sinn einhaucht, die nicht den Gesetzen des Verfalls gehorcht, die uns wachsen lässt und keine Grenzen kennt. Ich spreche vom Triumph des Menschen über die Eigensucht und den Tod."

S. 12, Das Herzenhören

Schreibstil und Handlung:
Wie bereits angetönt schildert dieses Buch das Leben in Burma, genauer noch das Leben und Arbeiten in den Bergen Burmas Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, unmittelbar vor und während des zweiten Weltkrieges. Es spricht dabei alle Sinne an mit seinen detaillierten und schillernd-bunten Beschreibungen der Farben und Formen dieser Gegend, der Pflanzen, Menschen, Märkten und Gerüchen die den Blüten entströmen, welche die Schönheit der Landschaft mit ihrem Duft untermalen. Zugleich kommen in "Das Herzenhören" gleich zwei Protagonisten vor, die durch ihre körperlichen Besonderheiten einen Sonderstatus in ihrer Gesellschaft einnehmen und sich so gut ergänzen, dass sie zusammen zu zwei wahrhaft sehenden und fühlenden Menschen werden. Ihre Auffälligkeiten werden sehr feinfühlig beschrieben und die Freundschaft, die sie verbindet wirkt schon bei der ersten Erwähnung so mächtig und gross, dass man als Leser einfach darauf hoffen muss, dass auch ihre Herzen zueinander finden.
Die Handlung selber deckt auch riesige Themenfelder ab. Da ist ein verschwundener Vater, eine von der Ehe verbitterte Mutter, ein alleingelassenes Geschwisterpaar und eine Vergangenheit, die so viele Geheimnisse und Erkenntnisse birgt, dass man sie einfach ergründen muss. Die nötige Spannung, die Anlehnung an historische Ereignisse und vor allem auch die Einbettung in diese wunderbare, dem Autor wohlbekannte, Kulter und Landschaft, gibt der gesamten Handlung und dieser wundervollen Liebes- und Familiengeschichte eine besondere Eindringlichkeit.

Meine Empfehlung:
Diese faszinierende und berührende Geschichte über ein junges Paar, über zwei Menschen, die wirklich die Gabe des Sehens, Hörens, Fühlens und Liebens erlernt haben, über alle Grenzen und Konventionen hinweg, hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe die Reise an Julias Seite voller Emotionen und Poesie erlebt und werde mich gerne ein weiters Mal mit ihr nach Burma aufmachen und empfehle euch dies ebenfalls von Herzen.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Herzenhören
Autor: Jan-Philipp Sendker, geboren in Hamburg, war viele Jahre Amerika- und Asien-Korrespondent des Stern. Nach einem weiteren Amerika-Aufenthalt kehrte er nach Deutschland zurück. Er lebt mit seiner Familie in Potsdam. Bei Blessing erschien 2000 seine eindringliche Porträtsammlung Risse in der Großen Mauer. Nach dem Roman-Bestseller Das Herzenhören (2002) folgten Das Flüstern der Schatten (2007), Drachenspiele (2009) und Herzenstimmen (2012). Seine Romane sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Mit weltweit über 3 Millionen verkauften Büchern ist er einer der aktuell erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren.
Taschenbuch: 304 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Heyne
Erschienen: 27.08.2012
ISBN: 978-3-453-41001-5 

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