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28 Februar 2015

Der Zauber des Engels

Der Zauber des Engels - Rachel Hore

Beschreibung des Verlages:
Nur widerwillig hilft Fran in der Werkstatt ihres Vaters aus. Ihr erster Auftrag: die Restauration eines zerbrochenen Kirchenfensters. Darauf war einst ein Engel zu sehen. Bei der Suche nach den Originalzeichnungen stösst Fran auf eine faszinierende Liebesgeschichte aus viktorianischer Zeit - eine Liebesgeschichte, die auch ihr eigenes Leben berührt...

Meine Meinung:
Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sie nicht wirklich berührend, aber zumindest sehr schön geschrieben und flüssig zu lesen. Nur einen sehr, sehr grossen Kritikpunkt habe ich vorzubringen und dieser zerstörte immer wieder mein Lesevergnügen. Eigentlich war ich total erfreut, als ich (erst nach dem Kauf des Buches) den Klappentext gelesen las. Darin wird erwähnt, dass Fran eine Musikerin ist und da wollte ich das Buch natürlich so schnell wie möglich lesen. Nur leider wird das Musikerleben so unrealistisch dargestellt, dass ich mich einige Male peinlich berührt vom Buch distanzieren musste. Fran ist eine Tubistin, die (fast) nie übt und eine eigene Agentin hat, die ihr immer wieder Orchesterjobs besorgt und die sie auch nicht fallen lässt, als sie mehrere Wochen lang nichts mehr von Fran hört. Hä? Wenn man einen Job im Orchester bekommen will, und sei es nur eine Stellvertretung, muss man zuerst ein Probespiel bestehen. Ausserdem haben nur wirklich berühmte Solisten eigene Agenten. Wäre Fran eine wirklich berühmte Solistin würde sie sich erstens ganz anders benehmen, zweitens ganz anders üben und drittens internationale Anerkennung geniessen und sich vor Anfragen kaum retten können. Auch schafft es ein Freund von Fran, Dirigent eines berühmten Orchesters zu werden und dies dann noch, ohne dass Fran überhaupt wusste, dass die Stelle überhaupt ausgeschrieben war. Wenn ein berühmtes Orchester einen Dirigent sucht, also wenn der vorherige Dirigent seinen Job kündigt, wird dies innerhalb kürzester Zeit zum Gesprächsthema Nummer eins in der ganzen klassischen Musikszene. Eben so schnell werden Spekulationen um die Nachfolge und das Auswahlverfahren laut und nach einem manchmal Monate dauernden Auswahlverfahren wird der neue Dirigent ganz gross verkündet und muss vielleicht auch zuerst eine Probezeit bestehen. Ausserdem ist es total unwahrscheinlich, dass ein Organist und Chorleiter die Leitung eines der grössten Sinfonieorchester der Welt übernehmen kann. Ich könnte noch viele Punkte aufzählen, aber ihr versteht sicher schon jetzt, dass ich mir leider während der Lektüre dieses sonst so fesselnden Buches immer mal wieder an den Kopf fassen musste.

Schreibstil und Handlung:
Die Handlung ist sehr märchenhaft gehaltet und vereint Elemente eines sozialen Dramas, einer Familienchronik, sowie ein wenig Fantasy, Kirchen- und Kunstgeschichte und Romantik miteinander. Das Buch beginnt damit, dass Fran die Nachricht vom Schlaganfall ihres Vaters bekommt und sofort zurück nach Hause reist, um sich um ihn und sein Geschäft für Glas und Glasmalerei zu kümmern. Zum Glück hat sie selber einige Kenntnisse im Bereich der Glasmalerei und kann mit Hilfe des Angestellten Zac das Geschäft vor dem Ruin bewahren. Vorerst zumindest. Sie beschliesst, einige Tage in ihrer Heimat zu bleiben und trifft eine alte Freundin, sowie einen neuen Mann und in den Unterlagen ihres Vaters stösst sie auf ein Tagebuch, das eine Geschichte enthält, die schnell zu einer persönlichen Angelegenheit wird.
Ein Ereignis folgt auf das andere und das Buch liest sich dank dem schönen Schreibstil sehr flüssig. Ich habe überhaupt nicht gemerkt, wie schnell ich dieses Buch gelesen habe und mir haben die vielen detaillierten Beschreibungen und vor allem auch die durch das Tagebuch eingeführten Rückblenden sehr gut gefallen. Auch das Engelmotiv, welches sich durch die Handlung, aber auch durch die Rückblenden und die Gedankengänge von Fran zieht, wird glaubwürdig immer wieder eingeflochten, ohne je kitschig zu werden.

Fazit:
Ich kann an diesem Buch nur aussetzen, dass Fran eine Musikerin ist und dass die Autorin so rein gar nichts über das Musikerleben weiss, was mich leider sehr genervt hat. Alle anderen Themen, wie zum Beispiel die Glasmalerei oder die Geschichte dieser filigranen Kunst und die Kirchengeschichte, die ja eng mit dieser Kunst verknüpft ist, sind fantastisch recherchiert und man merkt bei jeder Szene, dass die Autorin genau weiss, was sie tut. Wer über die mir aufgefallenen krassen Fehler hinwegsehen kann und eine wunderschön geschriebene Geschichte mit einer spannenden Handlung und fantastischen Szenenwechseln lesen will, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.

Zusätzliche Informationen:
Titel: Der Zauber des Engels
Originaltitel: The Glass Painter's Daughter
Autorin: Rachel Hore
Taschenbuch: 540 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Barbara Ritterbach 
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN 9783404160891

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